2. Blatt.
druck -er Sulbaer üctienbruderei in Suita.
-H* Zuldaer Zeitung
Mittwoch 2$. September ms.
Lokales.
Fulda, 24. September 1913.
□ Personalien. An die Stelle des zum Regie- .rungsrat beförderten und von hier nach Allenstein versetzten Herrn Herrsch wird dem Vernehmen nach Herr Regierungsbaumeister Hermann aus Kro- toschin (Prov. Posen) treten.
F- Versetzt wurde mit Wirkung vom 1. April 1914 ab der Regierungs-Landmesser Leichsenring von Rotenburg a. F., ferner der Regierungs-Landmesser Sturmhoefel von Witzenhausen a. d. Werra nach Fulda.
* Stadtvcrordncteuwahlen. Bei der morgen stattfindenden Ersatzwahl der dritten Klasse sind 2986 Wähler wahlberechtigt. Der erste Wähler dieser Abteilung entrichtet 165,04 Mk. und der letzte Wähler 3 Mark Steuern. Der Kandidat des Zentrumswahlausschusses ist Hr. Sattlermeister R e i ch h a r d t. Der evangelische Arbeiterverein hatte an den Wahlausschuß die Bitte gerichtet, den Sattler Herrn Johs. Nerchhardt-Hiuterburg als Nachfolger für den verstorbenen Herrn.Breitenborn vorzuschlagen. Dieser Bitte schloß sich der Micterverein an. Der Wahlausschuß schlug der Bcrtrancnsmännerversammlung deshalb unter anderen Herren auch Herrn Reichhardt vor, worauf die Dertauenömännervcrsammlung durch Stimmzettel Hrn. Reichhardt als Kandidaten wählte.
£ Marianischc Bürger- und Junggesellensodalität Fulda. Soeben kommt das Mitgliederverzeichnis der Kongregation an sämtliche Sodalen durch die einzelnen Äonscrenzvorsteher zur Verteilung Die Statistik weist 998 Mitglieder nach. Davon wohnen 854 in der Stadt Fulda, die in 26 Konferenzen verteilt sind; 140 werden als auswärtige oder als zur Zeit abwesende Mitglieder geführt. Auch den auswärtigen Mitgliedern, soweit deren Adressen bekannt sind, wird das Büchlein zugeschickt. Als besondere Einlage ist dem Namensverzeichnis noch die Gottesdienstordming für das Sodalitätsjahr 1913/14 nebst Monatstugenden beigegeben. Zum ersten Male rst der Gottesdienstordnung eine Einleitung vorqe- druckt unter dem Titel: „Du bist Sodale!" Auf diese Vorbemerkung seien die Sodalen ganz besonders hingewiesen. Unter anderen! enthalten sie auch ein Wort an die Angehörigen der Sodalen, die in Krankheits- oder Stcrbesällen vielfach ratlos sind und nicht wissen, was sie zu tun haben, um dem erkrankten oder verstorbenen Sodalen den unschätzbaren Trost, den die Kongregation gewährt, zu vermitteln. Sodale, nimm und lies!
F. Krankenkassenwahl. Bei der demnächstigen Ausschußwahl der Allgemeinen Ortskrankenkasse treten, wie wir bereits berichtet haben, drei Parteien auf: der Zwölferausschuß, die vereinigten sozialdemokratischen Gewerkschaften und der Soziale Ausschuß für Fulda und Umgegend. Letzterer ist die berechtigte und bevollmächtigte Vertretung der christlich-nationalen Arbeiterschaft in allen sozialen Angelegenheiten, besonders bei sozialen Wahlen; wird doch dieser Ausschuß gebildet von Vertretern der ihm angeschlossenen konfessionellen Vereine und christlichen Gewerkschaften. Bis jetzt sind dem Sozialen Ausschuß angeschlossen:
Der St. Josephsverei'n kathol. Arbeiter, der kathol. Gesellenverein, der Männer- und Meisterverein, die Vereine kathol. kaufmännischer Gehilfinnen, kathol. Arbeiterinnen und kathol. Dienstmädchen, die christlichen Berufsverbände der Bauarbeiter, Holzarbeiter, Metallarbeiter, Fabrik-, Verkehrs- und Hilfsarbeiter in Fulda. Mit dem evangelischen Männer- und Arbeiterverein sind Verhandlungen zwecks Anschluß angebahnt, die höchstwahrscheinlich in zusagendem Sinne ausfallen werden. Von den auswärtigen Männer- bezw. Arbeitervereinen gehören dem Sozialen Ausschuß die Vereine von Bachrain, Engelhelms, Künzell, Petersberg, Pilgerzell und Rönshausen an.
Die Zugehörigkeit dieser vielen Vereine und Verbände bekundet den einheitlichen Willen ihrer Mitglieder, bei sozialen Wahlen und sonstigen Angelegenheiten einmütig und geschlossen vorzugehen,' um zu verhindern, daß in den Verwaltungsorganen der Ar- cheiterversichernng die So z i a l d e m o k r a t e n den Haupteinfluß haben. Wo das bisher der Fall gewesen, hat mancherorts eine große Miß- und Günstlingswirtschaft stattgefunden, und die sozialdemokratischen Vertreter haben ihre Uebermacht zum Schaden her nichtsozialdemokratischen Kassenmitglieder rücksichtslos ausgenutzt. Diese Machtpolitik der Sozialdemokratie hat leider schon dazu geführt, daß die Reichsversicherungs-Ordnung durch Erschwerung der Wahl des Kassenvorsitzenden und der Kassenangestellten das Selbstverwaltungsrecht der Krankenkassen einschränken mußte. Wenn sich schon die Gesetzgebung gegen solche Auswüchse wendet, so haben erst recht die nationalgtsinnten Krankenkassenwählcr die heiligste Pflicht, dafür zu sorgen, daß sie den Hauptcin- flriß oder doch den ihrer Stärke entsprechenden Einfluß in den Organen der Arbeiterversicherung haben, damit deren Beratungen und Entschließungen vom 'christlichen Geiste getragen werden. Leider muß man in Fulda die Wahrnehmung ntachen, daß der Z w ö l- .^erausschuß früher Arbeitervertreterverein, im Sozialen Ausschuß nicht seine Vertretung erblickt und glaubt, seine eigenen Wege gehen zu müssen. Für diese Sonderbündelei, welche doch letzten Endes der Sozialdemokratie zugute kommt, haben die Herren vom Zwölferausschuß keinen ersichtlichen Grund, zumal das Haupt dieses Ausschusses aus zwei katholischen Männern besteht, die hauptsächlich demselben Geist und Leben einhauchen. Diese Männer tragen denn auch eine schwere Verantwortung, ob sie sich dessen bewußt sind oder nicht. Vom Vorsitzenden des Sozialen Ausschusses ist diesen Männern die Unterstützung threr Wahl und der von Männern ihrer Richtung zugesiwert worden für den Fall, daß sie mit dem Sozialen Ausschuß gingen und nichts gegen dessen berechtigte Bestrebungen unternehmen würden. Die Herren sind aber darauf nicht eingegangen. Daraus ist zu schließen, daß sie ihre besondere Richtung haben wollen. Von wem der Zwölferausschuß eigentlich ernannt und ermächtigt ist, ob von einer kleineren oder größeren Anzahl von Kassenwählern ober, von dem Haupt des Zwölferausschusses selbst, ist bisher nicht bekannt geworden; Tatsache ist, daß in den Zusammenkünften des Arbeitervertretervereins, des Vaters des Zwölferausschusses, sozialdemokratisch organisierte Arbefter wiederholt anwesend waren und sich an den Beratungen und Verhandlungen beteiligt haben. Sei dem nun, wie ihm wolle, für die christlich-nationalgesinnten Krankenkassen hier von Fulda und Umgegend ist es Selbsterhallungspflicht, den
Wahlvorschlag des Sozialen Ausschusses zu unterstützen, denn eine zweite Richtung, selbst wenn sie auch in nationalem Fahrwasser schwimmt, ist von Nebel. Ein geschlossenes Vorgehen ist hier zur A b - wehr des gemeinsagren Feindes, der internationalen Sozialdemokratie, unbedingt notwendig. Dieser einigende Gedanke muß die nationalen Kassenmitglieder zur Teilnahme an der Wahl und zur Abgabe ihrer Stimme für den Wahlvorschlag des Sozialen Ausschusses antreiben und begeistern. Der Stinimzettel des genannten Ausschusses enthält als Aufdruck nur die Z i f f e r 3, welches man sich genau merken wolle, damit man nur diesen und keinen andern Stimmzettel abgebe. Wahlberechtigt sind
alle volljährigen Kassenmitglieder, sowohl die Pflicht- als auch die freiwilligen Mitglieder; wahlberechtigt find ferner die durch die Reichsversicherungsordnung rom 1. Januar 1914 ab neu in die Krankenversicherung einbezogenen volljährigen Personen u. a. Dienstmädchen, Haushälterinnen, Köchinnen, überhaupt Dienstpersonal in Privathaushaltungen ohne Rücksicht auf die Höhe' ihres Einkommens; Gehilfen in Apotheken, Bühnen- und Orchestermitglieder, Privatlehrer und Erzieher, Handlungsgehilfen und Angestellte mit einem Jahreseinkommen von 2000—2500 Mk. Alle diese Personen können wählen, ganz gleich, ob sie sich in die Wählerliste haben eintragen lassen oder nicht. Sind sie nicht in die Wählerliste eingetragen, so lassen sie sich von ihrem Arbeitgeber eine Bescheinigung geben, daß sie in seinen Diensten stehen, und zeigen diese Bescheinigung am Wahltische vor, worauf sie zur Wahl zugelassen werden müssen. Die Wahl selbst geschieht in der Weise, daß den Wählern im Wahllokale ein offenes Couvert verabreicht wird; sie treten dann an einen gesonderten Tisch, stecken den Stimmzettel in das Couvert und schließen es. Alsdann gehen sie an denjenigen Wahltisch über den der Anfangsbuchstabe ihres Familiennamens geschrieben steht, nennen diesen Namen und geben das Couvert mit dem Stimmzettel ab.
Da nach beit Grunbsätzen ber Verhältniswahl gewählt wirb, so ist jebe einzelne Stimme bon besonderer Wichtigkeit; eine einzige Stimme mehr, kann bewirken, baß bie betreffende Partei, auf die sie entfällt, einen Vertreter mehr erhält. Es ist daher Ehrenpflicht aller wahlberechtigten Mitglieber ber bem Sozialen Ausschuß für Fulda unb Untgegeenb angeschlossenen Vereine unb Ver- bänbe, sich vollzählig an ber Wahl zu beteiligen unb einmütig für bcn Wahlvorschlag des genannten Ausschusses zu stimnten. Aber auch bie übrigen christlich gesinnten Wähler wollen ber Wahl nicht fern bleliben, da durch thre Beteiligung das Wahlresultat sehr zugunsten des Sozialen Ausschusses beeinflußt werden, kann; sie wollen nur einen Stimmzettel mit derZiffer3abgeben.
(:) Kreuzbündnis. Zu unserem Bericht über die Jahreshauptversammlung des Kreuzbündnisses, Ortsgruppe Fulda, ist noch nachzutragen, daß im neu- gewählten Vorstände ein Mitglied übersehen worden ist, nämlich Frau Reinhardt (Mutterhaus), die mit der Leitung der Frauen-Versammlungen betraut wurde.
;; Nalurheilverein. In der am Montag im Gasthaus zur „Traube" abgehaltenen Monatsversammlung des Naturheilvereins wurden 6 neue Mitglieder ausgenommen. Der für Dienstag, 7. Oktober vorgesehene Vortrag von Herrn Lehrer Leube-Gera über „Wärmekultur und ihre Bedeutung für die nervenleidende Menschheit" soll in Giesels Saal gehalten werden. — Am kommenden Sonntag (28. Sept.) wird ein Ausflug nach dem Ebersberg, Rallen und Gichenbach unternommen. Die Beteiligten benutzen den Frühzug zur Fahrt nach Lütter. Nachzügler fahren um 12 Uhr nach Altenfeld, wo sie vom Vortrupp erwartet werden. — Das 8. Stiftungsfest des Vereins wird am 16. November in Giesels Saal in gewohnter Weise gefeiert. Die Vorbereitungen dazu wurden einem fiebern gliedrigen Ausschuß übertragen.
(!) Die Soziale Ferienvereinigung Fulda konnte erfreulicherweise für ihre gestrige Veranstaltung eine sehr lebhafte Anteilnahme der in Betracht kommenden Kreise verzeichnen. Etwa 25 Herren hatten sich zur Besichtigung des Fuldaer Krüppelheims eingcfunden. Dank der liebenswürdigen Führung und Aufklärung durch die Barmherzigen Brüder gewannen die Teilnehmer einen sehr belehrenden Einblick in die Einrichtungen des modernen Instituts. Die traulichen Wohn- und Verpflegungsräume, die mannigfachen Vorkehrungen zu Heilzwecken, Unterrichts saal und Lehrwerkstätten wurden bis in einzelne in Augenschein genommen. Selbst vor den Wirtschafts- und Oekonomieräumlichkeiten machte die Wißbegier der jungen Akademiker nicht halt. Der Gefamteiiidruck dessen, was man sah, war vorzüglich. Tie hohe Befriedigung, die alle Teilnehmer aus der Besichtigung gewonnen hatten, trat in einer kurzen Besprechung zu Tage, die sich in einem freundlichen Saale des Herz-Jesu-Heims .anschloß. Man gelobte sich, mit frischer Kraft das soziale Studentenwerk auch in Fulda weiterhin zu fördern. Wahrscheinlich wird dieser Vorsatz noch im Verlaufe dieser Ferien durch die Veranstaltung eines Arbeit e r k u r f u § in die Tat umgefetzt werden.
(!) Fulda vorbildlich! In der Presse unserer Nachbarstädte (Kastel, Hanau ufro.) wird zurzeit rühmend auf die Art hingewiesen, wie in Fulda die Beschaffung von Radium für Krebsbebandlung er- möglicht worden ist. Hier haben sich bekanntlich eine Anzahl Herren zu einer G. m. b. H. zusammen- geschlossen und 80000 Mark zum Zwecke des Ankaufs von Radium für Krebsbehandlung zufammengebracht. Das Radium wird dem Landkrankenhaus Fulda zur Verfügung gestellt. AuS den Extra-Einnahmen der Behandlung mit Radium wird daS Anlagekapi- talmit 5 Prozent verzinst. Der Ueberfchuß wird zur Tilgüng des Kapitals verwandt. Nach erfolgter Tilgung des Kapitals geht das Radium in den Besitz des Landkrankenhauses in Fulda über. Die Art der Beschaffung wird auch anderwärts für empfehlenswert erklärt.
& Bei den Ausgrabungsarbeiten am Domplatze ist man vor einiger Zeit auf einen steinernen Sarkophag gestoßen, der gestern freigelegt wurde. Er ist sehr primitiv gearbeitet und hat eine Deckplatte mit zwei eisernen Ringen. Größe etwa 2X0,80X0,80. Der Fundort ist wenig tief unter der Oberfläche des heutigen Tomplatzes. Unter dem Sarkophag befindet sich ein kräftiges Mauerwerk, dessen Zweck nicht ohne weiteres ersichtlich ist. Ob vielleicht noch eine weitere Grabstätte darunter liegt, oder ob es Reste der ehemaligen Jakobskapelle sind, wird die weitere Untersuchung ergeben.
rt In der gestrigen Schöffengerichissihung hatte sich auch der 18jährige Arbeiter R. Sch. von Frankfurt a. M. zu verantworten. Er hielt sich im Juni hier bei seinem Onkel auf und soll diesem aus dem Portemonnaie 5 Mark gestohlen haben. Während der Vernehmung des Onkels wird die Mutter des Knaben auf der Zeugenbank von Krämpfen befallen, weshalb die Sitzung auf kurze Zeit unterbrochen werden mußte. Der Amtsanwalt hatte insgesamt 5 Tage Gefängnis beantragt; das Gericht erkannte jedoch auf Freisprechung. Der Angeklagte ist zwar des Diebstahls stark verdächtig, konnte jedoch nicht überführt werden. — Aus der Haft vorgeführt wurde der wiederholt vorbestrafte Kellner Konrad Marvert, zuletzt in Straßburg in Stellung. Er kam Mitte September auf der Walze nach hier und war ohne Mittel. Um sich in den Besitz von etwas Geld zu sehen, bot M. einem 16jährigen Bäckerlehrling ein vollständig wertloses Pülverchen zum Kaufe an. Der Junge wurde jedoch durch das Ta- zwischcntreten seines Meisters am Kaufe gehindert und die Festnahme des Fremdlings veranlaßt. Wegen versuchten Betrugs erkannte das Gericht auf eine Gefängnisstrafe von sechs Tagen, die durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt zu betrachten ist.
-- Nach den Gerichtsferieu. Nicht weniger als 62 Zivilklagesachen standen heute vormittag am hiesigen Amtsgericht zur Verhandlung.
'? Der Krikgsminister bei dem Nachmanövcr. Kriegs- Minister v. Falkenhayn trifft vom 28. bis 30. Sept, in Ohrdruf ein, um während dieser Tage dem Nachmanöver ber kriegsstarken Reserve-Jnfanterie-Brigade des 11. Armeekorps beizuwohnen.
# tzaselnußernte. Die Haselnüsse bringen in diesem Jahre gute Erträge. Die Sträucher hängen voll von Früchten in Büscheln von 6—8 Stück.
s. Gegen die Geruch- und Nauchbelästigung durch Kraslwagen. Tas preußische Staatsministerium des Innern hat die Polizeibehörden neuerdings angewiesen, mit allem ihnen zu Gebote stehenden Mitteln den Geruch- unb Rauchbelästigungen durch Kraftwagen entgegenzutreten. Stark rauchende und riechende Kraftwagen sollen von der Polizei angehalten unb sofort einer Nachuntersuchung unterzogen werden, ob die Maschinen vollkommen in Ordnung seien. Man glaubt, daß diese Maßnahme erzieherisch auf die Kraftwagenbesitzer unb Krastwagenfahrer wirken werbe.
Amt Geisa und Umgebung.
* Vacha, 23. Sept. 1913. In dem heutigen Offertentermin für die Pachtung des Vachaer Ratskellers ab 1. Januar 1914 wurden folgende Gebote abgegeben: Vereinigte Brauereien, Aktiengesellschaft, Meiningen 3625 Mk., Gastwirt Albert Reimer in Samswegen 3600 Mk., Brauerei W. Eiigelhardt-Hersfeld 3175 Mk., die bisherige Pächterin Ver. Eis. Brauereien, Petersberger- und Schloßbrauerei, Akt.-Ges., Eisenach 3100 Mk., neben kostenloser Abtretung des vorhandenen Bierapparates — Schankbusfet — an die Stadt; der bisherige Afterpächter, Gastwirt Alfred Wenk, Vacha, unter denselben Bedingungen 3100 Mk., Vereinsbrauerei Salzungen, Akt.-Ges. 3009 Mk., Dampfbrauerei Rudolf Feigenspan, Berka a. W. 2800 Mark, Aktienbrauerei Eisenach 2400 Mark. — Ferner erbietet sich der Bierverleger Adolf Ernst hierseibst für den Fall, daß keine Brauerei, sondern ein Wirt Pächter werden sollte, jährlich 600 Mark zu dem Pachtgeld des Wirtes an die Stadt zu zahlen, so lange in der Hauptsache Meininger Bier verkauft wird. Diesen Betrag zu den Geboten der Gastwirte Reimer und Wenk gerechnet ergeben sich 4200 Mark, bezw. 3700 Mark Pachtgeld.
* Bremen, 23. Sept. 1913. Der auf der Gewerkschaft Heiligenmühle verunglückte Wirtssohn Leopold Winter ist im Landkrankenhaufe zu Geisa feinen schweren Verletzungen erlegen. Es war ihm ein Förderseil auf den Kops gefallen und hatte die Schädcldecke gespalten, daß das Gehirn freilag.
Aus Oberhessen u- den Hess. Aemtern.
△ Kirchhain, 23. Sept. 1913. Dieser Tage fand hier ein Termin statt, in dem das großzügige Projekt der O h m r e g n l i e r u n g verhandelt wurde. Anwesend waren Beamte der General- und Spezialkommissionen, des Meliorationsbauamtes, die Landräte der Kreise Marburg und Kirchhain und die Bürgermeister und Vertreter der 18 beteiligten Gemeinden aus den Kreisen Marburg und Kirchhain.' Es handelt sich um die Regulierung der Ohm von der hessischen Grenze bis zur Einmündung in die Lahn. Außerdem werden die Nebenfnisse der Ohm mit reguliert. Die Regulierung hat den Zweck, den für den Wiesenwuchs erforderlichen Mittelwasserstand zu erhalten, die Sommerüberschwemmungen zu verhüten und die dünoenden Winterfluten zu erhalten. Die Regulicrungssosten belaufen sich auf 298 400 Mark, dazu kommen noch für Binnenentwässerung 53000 Mk. Für die Hauptkosten*ist eine Staatsbei- hilfc von 50 Prozent vorgesehen. Aber trotzdem sind die Kosten für einzelne Gemeinden außerordentlich hoch. So sollen beispielsweise von der Stadt Kirchhain 83 627 Mark aufgebracht weredn. In etwa vier Wochen werden die beteiligten Gemeindevertretungen Stellung zu dem Projekt genommen hgben. Es dürste bezüglich ber Kosten für die einzelnen Gemeinden insgesamt unb auf den Hektar (in Klammern) noch folgenbe Ziffern interessieren: Marborf 9020 Mk. (73,93 Mk.), Rüdigheim 1925 Mark (56,54 Mk.), Amöneburg (Ohm) 11325 Mk. (111,42 Mk.), Amöneburg (Klein) 9575 Mark (129,21 Mark), Anzefahr 6312,50 Mk. (73,26 Mk.), Stausebach 7107,50 Mk. (309,02 Mk.).
? Frankeuberg, 23. Sept. 1913. Am 1. Oktober treten folgende neue Verbindungen ber deutschen Reichspost in Tätigkeit: Kraftwagen-P er- fonenpoften Frankenberg—Gobbelsheim—Corbach unb Frankenberg — Frankenau — Gemünben; Personenposten Dalwigksthal—Medebach unb Cor- bach—Medebach.
-ff Homberg, 22. Sept. 1913. Für feine diesjährige Hauptversammlung hatte der K n ü l l k l u b unsere Stadt gewählt. Samstag abend fand im Stadtparksaale ein gut besuchter Vortrag- und Iln- terhaltungsabend statt. Nach Begrüßung durch Herrn Bürgermeister Löber hielt der Vorsitzende, Herr
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die ihr Abonnement für das nächste Vierteljahr noch nicht erneuert haben, werden hier» durch gebeten, dies umgehend nachzuholen. Nur bei sofortiger Abonnemen serneuerunc kann darauf gerechnet werden, daß beim Quar* talswechsel in der Zustellung keine Unterbrechung eintritt.
Amtsrichter Heußner aus Niederaula einen fesselnden Lichtbildervortrag über. „Streifzüge durch Knüll und Schwalm". Herr Lehrer W. Neühauß aus Hersfeld hielt einen interessanten Vortrag über: „Der Amerikafahrer Hans Stade" von Homberg". Es folgte Erstattung des Jahresberichts. Der Gesangverein „Liedertafel" erfreute die Versammlung durch einige Männerchöre. Sonntag fand eine Mitgliederversammlung statt, in der interne Angelegenheiten verhandelt wurden.
# Himmelsberg, 22. Sept. 1913. Wie an vielen hochgelegenen Orten ist auch bei uns bie Obsternte schlecht ausgefaIlen. An Aepfeln hat man kaum ben eigenen Bedarf, Birnen unb Zwetschen fehlen fast ganz; dagegen ist dir Ernte an Halmfrüchten gut, ber Roggen wurde etwas früh nach Hause gebracht wegen der unbeständigen Witterung, dagegen ist Gerste, Weizen unb Hafer desto besser unter Dach gekommen. Tie Grummet-Ernte ging sehr rasch von statten; bis zum 13. September war alles bei uns eingeerutct. — Die Erdarbeiten an ber Wohratal- Bahn sind bezüglich Los 2 unb 3 fertig, Los 1 wirb in ber nächsten Zeit fertig. Tie Bahnhofs - Gebäube ber Station Rauschenberg stehen im Rohbau fertig unb mit bem Bau ber Haltestellen für Himmelsberg, Hartmühle unb Burgpfalz wirb jetzt begonnen. Für bie Gemeinbe Himmelsberg war hinsichtlich des Bahnbaues noch eine Schwierigkeit zu beseitigen. Die Leute von hier hätten nach bem ursprünglichen Plane an ber Bahn entlang etwa 250 Meter, bann unter einer Brücke hinburch unb an ber anbern Seite bes Dammes ebenso wett wieder znrückgehen müssen. Diesem Uebelstande, wenn man es so nennen darf, ist auf ein Gesuch unserer Gemeinde, von unserem verehrten Herrn Landrat befürwortet, von ber Königl. Eisenbahn-Direktion abgeholfen worden. Es wirb uns ein Zugang geschaffen über das Geleise ober durch eine Uebersührung; das letztere wäre wohl vorzuziehen. Ein sehr gutes Geschäft bei bem Bau ber Wohratal- Bahn macht die Jnteressenten-Gemeinbe (Walbdesitzer) in unserem Nachbardorfe Stausebach; sie hat zu Los 1 sämtliche Erde geliefert unb zu 4 Brücken bie Steine, ebenso die Steine zum Packlager für Los 1 unb 2. Die Stelle, wo der Erdaushub ftattfanb, war vielfach mit Obstbänmen bepflanzt, wodurch sich eine Entschädigung nötig machte. Die dortigen Interessenten werben viel Geld lösen.
1 Amöneburg, 23. Sept. 1913. Beim Verkauf beS st ä b t i s ch e n Obstes, einschließlich bes Frühobstes, wurden 783 Mark 20 Pfg. erlöst gegen 1820 Mark im Vorjahre. Also ein weniger von 1037 Mark.
vermischter.
* Die kleinen Gaste des Kronprinzen, die 100 Berliner Gemeiudeschiiler, sind von Langfuhr wieder in Berlin eingetroffen. Zwölf der Jungen hatten photographische Apparate zum Geschenk erhalten und waren von einem Photographen unterrichtet worden. Auch die anderen hatten Spiele und Geschenke aller Art mitgebracht. Sie trugen sämtlich Soldatenmützen, die sie von den Soldaten in Langfuhr geschenkt ■ erhalten hatten. Keines der .Kinder war während des Aufenthaltes krank gewesen. , Die Gewichtszunahme betrug im Durchschnitt 14 Pfund. Die betreffenden Kinder werden in kurzen Aufsätzen ihre Eindrücke in Langsuhr niederschreiben und diese Aufsätze werden der Kroitpriuzessin übersandt werden.
* Brandstiftung durch Einbrecher. Ein schweres Verbrechen ist in ber Nacht zum Sonntag in bem Torfe Ristedt bei Bremen verübt worden. Dort steckten Landstreicher ben Wienbergschen Bauernhof in Branb. Währenb bann bie ganze Einwohnerschaft des Ortes mit ber Bekämpfung bes.Großfeuers beschäftigt war, brachen die Verbrecher in bie Molkerei von Sievers ein, wo sie für 10000 Mark Bargeld unb Wertpapiere erbeuteten. Als ber Eigentümer in fein Haus zurücktehrte unb ben Einbruch entdeckte, waren die Täter längst über alle Berge. Dem verbrecherisch angelegten Feuer sind 12 Schweine, 8 Stück Rindvieh unb sämtliches Inventar zum Opfer gefallen. Die Bewohner haben nur bas nackte Leben gerettet. ___________________________
Handel und Industrie.
Berlin, 23. Sept. 1913. Die Börse eröffnete infolge des Näherrückens des Ultimos unb ber trägen Tendenz ber Auslaubsbörsen in schwacher Haltung konnte sich aber zum Schluffe bei ruhigem Geschäft befestigen. Von beutschen Anleihen gaben 3,5progentig< Reichsanleihe unb Zprozentige Konsols 0,10 Prozent 3,5prozentige Konsols 0,30 Prozent nach. Der Privat biskont erniedrigte sich für langfristige Sichten av sünsdreiachtel Prozent.
Märkte.
♦ Kirchhain, 23. Sept. 1913. Auf dem heutiger Schweinemarkt waren 531 Stück Schweine auf. getrieben. Der Handel war flott. Für das Paa: Ferkel wurden 21—40 Mark, je nach Große un> Qualität bezahlt.
Reklame«, und Anzeigenteil.
Krankenkost
Sfe, Kindermehl
Hentirragend bewährte
Nahrung.
Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei
ii. leiden nicht an
Verdauungsstörung.