2. Blatt. v
Druck dir .tzntdaer Aetiendrnckerei in Jnlia.
ä* Fuldaer Zeitung.
M 220.
Dienstag 25. September 1915.
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' Lokales.
t -Fulda, 23. September 1913.
T" X Der Landesausfchuß des Regierungsbezirks «affcl ist unter Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters Dr, Gebeschus-Hanau in Kassel zu einer'seiner üblichen Sitzungen zusammengetreten. In der Hauptsache werden Rechnungssachen erledigt; am Mittwoch Wittag 12 Uhr wird in Gegenwart der Mitglieder des Landesausschusscs, des Herrn Landeshauptmanns Riedesel Frhrn. zu Eisenbach und geladener Gäste die Einweihung der neuhergerichteten Räume der L a n d e s b i b l i o t h e k in den bisherigen Räumen des Museums Friedericianum vor sich gehen.
? Die neue Spezialkommission in Fulda. Mit dem 1. April 1914 wird die Spezialkommission in Rotenburg nach Fulda verlegt und führt daselbst die Bezeichnung „Spezialkommission II." Die Verwaltung derselben wird dem Regierrmgsrat Tuercke über, tragen. Die jetzige unter Leitung des Landes-Oeko- nomierates Wagen er in Fulda bestehende Spezial- kommission führt vom obigen Zeitpunkte ab die Bezeichnung „Spezialkommission I."
t Der Rekruteuknrsus im Gesellenhause erfreut sich stergenden Zuspruches. Am Eröffnungsabcnd hatten sich 53 junge Leute eingefunden, am Montag abend bereits 60; davon wohnen 34 in Fulda, 26 kommen von auswärts, sogar aus Thalau, Neuhof, Langenbieber rc. Aller Ehren wert! Eine stär- kere Beteiligung ist namentlich von den Fuldaer jungen Leuten zu wünschen; 63 katholische Rekruten (,nkl. Freiwillige) zählt die Stadt; gut 50 Prozent also nehmen am Kursus teil. Einige größere Dörfer der nächsten Umgebung waren gar nicht vertreten; ob dort der diesjährige Jahrgang aus lauter Militäruntauglichen besteht? Ein Bonner Regiment erhielt vor etlichen Jahren 40 Rekruten, die an einem von Herrn P. Kassiepe geleiteten Rekrutenkursus zu Aachen teilgenommen hatten. Der Kommandeur versicherte: »Solche Leute habe ich noch nie gehabt*; sämtliche 40 erhielten Weihnachtsurlaub. Also auch Erfolg in dienstlicher Beziehung. — Das Thema am Dienstag abend ist: »Kameradschaft und Liebe in der Kaserne«. Am Mittwoch spricht Dr. med. Schneider.
][ Ein bemerkenswerter Erfolg. Der Bildhauer und Kunstgewerbeschüler Johannes Stock von hier, wurde auf Grund hervorragend künstlerischer Arbeiten zur Prüfung für das Kunst-Einjährigen- Examen zugelassen. Er hat in voriger Woche vor der Prüfungs-Kommission zu Kastel dieses Examen bestanden.
ml. Kriegsspiel. Zu dem Bericht über das Kriegs- spiel des kathol. Jünglingsvereins der Dompfarrei ist noch nachzutragen, daß die Firma F. C. Bellinger von hier dem Verein 50 schöne Becher zu Biwakzwecken bezw. für Ausflüge stiftete. Für die liebenswürdige Schenkung an dieser Stelle Herr- lichen Dank.
A Die Generalversammlung des Deutschen Gym- nasialvercins findet am 29. September in Marburg a. d. Lahn, unmittelbar vor der Philologenversammlung statt. Der erste Verhandlungsgegen- .stand wird die für die Schule zu treffende Auswahl griechischer Lektüre sein (Berichterstatter Universitätsprofessor D. Dr. Paul Wendland aus Göttingen). Dann wird über die den Geschichtsunterricht und die Bürgerkunde betreffenden Vorschläge verhandelt werden, die in der vorjährigen Tagung Gymnasialpro- fesior Dr. Schunck aus Nürnberg und Ghmnasial- rirektor Dr. Hölk aus Lüneburg gemacht haben.
-4- Achtung vor falschen Goldmünzen! Geschickt verfälschte Zwanzigmarkstücke wurden in verschiedenen Orten (auch aus Fulda ist uns ein Fall bekannt) in der letzten Zeit angehalten. Die Falschstücke sind in der Weise hergestellt, daß echte Münzen quer durch- sägt wurden. Dann ist ein Teil des Goldes heraus- genomnren und durch ein dünnes Kupferblech ersetzt worden. Die Prägejeite ist also echt, und nur am Rande und am Klang sind die Falschstücke zu erkennen. Außerdem haben sie auch beträchtlich leichteres Gewicht als die echten Doppelkronen.
. * Die Reservebrigade des 11. Armeekorps. Am zestrigen Mou.ag haben auf dem Truppenübungs- flatz Ohrdrüff die kriegsmäßigen Uebungen zweier im 11. Armeekorps zusammengestellten Reserveregimen- jer begonnen, die eine vollständige Neue- ?u n g in der Fortbildung der Reservemannschaften iarstellen. Aus Reservisten sind zwei kriegsstarke Regimenter gebildet und zu einer 6500 Mann starken Brigade unter dem Befehl des Generalmajors Sonntag (Inspekteur der Jäger und Schützen) verei- «igt worden. Führer des 1. Reserve-Inf.-Regis, ist Oberstleutnant Prinz von Buchau (Jnf.-Reg. 96), die 8 Bataillone dieses Regiments wurden in Kassel, Nöttingen und Meiningen formiert. Führer des 2. Reserve-Jnf.-Regts. ist Oberstleutnant von Schönberg >Jnf.-Reg. 93). Die Bataillonsführer sind im 1. Regiment: Major Wilde (J.-R. 82), Hauptmann 5. Rosenberg (F.-A.-R. 47) und Major v. Stock- )ausen (J.-R. 95), im 2. Regiment: Major Hasse iom Kriegsministerium, Major v. Saldern (J.-R. 165) und Major Saxer. Die Uebungen beginnen am 22. September mit Scharfschießen auf dem Truppen- ibungsplatz Ohrdrufs, denen sich vom 24. bis 29. September Märsche mit Aufklärungs-, Vorposten-
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Kleines Feuilleton.
— 75 Jahre Eisenbahn in Preußen. Am gestrigen Montag waren 75 Jahre seit Eröffnung her ersten Eisenbahn in Preußen, der von Berlin nach Potsdam, verflossen. Dieses Jubiläum erinnert an den starken Widerstand, den König Friedrich Wilhelm III. und fein Postmeister 'Nagler der Einführung des Eisenbahnbetriebes entgegensetzten, sowie an die Schwierigkeiten, die der Entwickelung des Eisenbahnwesens in Deutschland durch die Kleinstaaterei erwuchsen. In England hatte der geniale George Stephenson bereits 1814 und 1815 die ersten Versuche mit Eisenbahnzügen angestellt, die von Lokomotiven auf Eisenfchienen vorwärts bewegt wurden. Die heutige Generation mutet es immerhin eigenartig an, daß noch 1829 von der Direktion der ersten englischen Eisenbahngesellfchaft ein Preis von 10 000 Mark für eine Lokomotive ausgesetzt wurde, die ihr dreifaches Gewicht mit einer Geschwindigkeit von 10 englischen Meilen in der Stunde fortbewegen würde. In Deutschland wurde die erste Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth im Jahre 1835 dem Betriebe übergehen. 1814 wurde die Berl'n-Potsdamer Bahn bis Magdeburg ausgedehnt. Und dann ging es bald mit Riesenschritten vorwärts. Das hent'ge Eisenbahnnetz im Deutschen Reiche besitzt eine Ausdehnung von rund 65 000 Kilometern.' Die Eiten- bahntänqe der Erde beträgt etwa eine und eine Viertel Million Kilometer oder das LOfache d-L Erdumfanges am Aeglmtor.
* Ein
nächsten Jahre
paranden erleiden.
in ein Hanauer
1913. In einer heute abend ein Der Ausläufer
In Neustadt Maurermeisters Baumaterialien
k r a t i s ch e Parteitag findet im vorau-sichtlich in Würzburg ft«tf.
* Aus Franken, 22. Sept. 1913. a. S. brannte die Scheune des Henneberger, die mit Futter und
angefüllt war, nieder. Gerettet konnte nichts werden. Brandstiftung wird vermutet. — Bei Maßbach wurde auf der Lokalbahn Rottershausen «Stadtlauringen von der Lokomotive des Zuges ein Straßenführwerk des Mühlenbesitzers Dittmar in Happers- mühle erfaßt und umgeroorfen. Dienstknecht Lauerbach wurde herabgeschleudert und trug Verletz tngen davon.
in Kost und Logis haben, großen Ausfall Hoffentlich kommt es nicht dazu.
Hessen fortgesetzt mit Liebesanträgen, wurde aber stets abgewiefeu. Heute abend nach 7 Uhr gab er auf das Mädchen mehrere Schüsse ab, die dasselbe tödlich verletzten. . Eine Reihe Schüsse ging
fehl und schlug durch die Haustür unter die sich inzwischen angefannnelte Menschenmenge, ohne aber Schaden anzurichlen. Bastian lief darauf in den Hof und tötete sieh durch einen Schuß in die Schläfe. Da mehrere Schüsse auf die Straße gedrungen waren, glaubte di- Polizei anfänglich an einen räuberischen Uebersall und ließ die Tür durch die Feuerwehr aufiprengen. Der Bastian hatte erst' oor einigen Wochen eine ZOmonatliche Gefängnis- strafe in Diez verbüßt, weil er 1911 am Schauspiel- Hause einem Manne den Bauch anfgeschlitzt hatte. — < Im Anschluß an einen Erlaß des Landwirtschasts- ! Ministers hat sich für den Regierungsbezirk Wies- baden ein Ausschuß für Gärtnereibetriebe gebildet, der sich der Landwirtschaftskammer anglie« dcrn wird. — Die im Stadtteil Bockenheim wohnende Gräfin von Tattenbach versuchte sich gestern durch Leuchtgas zu vergiften, wurde aber daran gehindert. Als sie nach der Irrenanstalt gebracht werden sollte, warf die hochgradig nervöse Dame den Beamten Wasserflaschen und andere Gegenstände ins Gesichh hetzte auch ihre Dogge auf sie. Schließlich wurde die Grosin überwältigt und der Anstalt zugesührt.
h Bad Nauheim, 22. Sept. 1913. Nach Mitteilungen der Friedberger Handelskammer befindet sich das hiesige Hotelgewerbe, seitdem das vom Staat und den Behörden herbeigewünschte Grand- I Hotel zu Beginn der vorjährigen Kurzeit eröffnet I wurde in recht bedrängterLage. Die schwere I Konkurrenz dieses Unternehmens hat die Geschäftstätigkeit der übrigen Hotels und der Kurvillen schwer I beinträchtigt und dadurch auch die Steuerkraft der In- I Haber berabgedrückt. Der Handelskammer erscheint es zweifelhaft, ob die Steuernabgabe des großen Hotels diesen Ausfall auszugleichen imstande ist. Auch der Jmmobilienmarkt leidet unter diesen Verhält- I nissen, deren betrübliche Folge der Staat, als er dem I Grandhotel die Konzession erteilte, zweifellos vor- I aussehen mußte.
s. Darmstadt, 21. Sept. 1913. Auf der heute in Vilbel abgehaltenen Hauptversammlung der gemeinnützigen Bauvereine Hesiens gab Landes-Wohnungs- j Inspektor Gretzschel bekannt, daß infolge der I schwierigen Geldbeschaffung die Bautätigkeit im letzten Jahre längst nicht den Erwartungen entsprach. Es entstanden nur 3000 neue Wohnun- I gen, während sich die Haushaltungen um 3700 ver- I mehrten, sodaß also ein Defizit van 700 Wohnungen vorhanden ist. Dagegen sind aroßr Wohnungen mit mehr als 4 Zimmern im Ueberfluß vorhanden.
* Mainz, 21. Sept. 1913. Den Bemühungen I der Herren Beigeordneten Dr. Küld und des Chef- I arztes des Rochusspitals Dr. Reisinger ist es ae- lungen, von privater Seite 30000 Mark zur Beschaffung von Radium für das städtische Kraulen- I hau§ zu erhalten.
* Würzburg, 23. Sept, 1913. Der sozialdemo-
unb Gefechtsübungen gegen einen markierten Feind tn dem Gelände zwischen Ohrdrufs, Elgersburg, Ilmenau, Suhl und Meiningen anschließen. Am 30. September findet alsdann eine Gefechtsübung gegen einen markierten Feind unter Leitung des kommandierenden Generals des 11. Armeekorps statt Die Verpflegung erfolgt am 24., 29. und 30. September durch Feldküchen, die auch weiter in Anspruch genommen werden, sobald die sonstige Verpflegung au i Schwierigkeiten stößt. Am 1. Oktober wird die verstärkte Infanterie-Brigade aufgelöst und entlassen.
(*) Die Fuldaer Mitglieder des Cartellv-rbandes der kathol. farbentragenden Studenten-Verbindungcn (C V) veranstalten am 29. und 30. September ein Fest in der Rhön, zu dem sie alle Angehörigen des G V herzlich einladen. (Siehe Näheres im Anzeigenteile
r Das 26. Stiftungsfest des St. Josephsvereins kathol. Arbeiter, das nächsten Sonntag den 28. Sept, im großen Stadtsaal begangen wird, soll zugleich den Charakter einer Gedächtnisfeier der Erhebung Deutschlands vor 100 Jahren tragen. Die Theaterstücke sind deshalb den Werken Th e.obor Körners, des Dichters der Freiheitskriege, entnommen, und zwar gelangen zur Ausführung: „Joseph Hehderich" oder „Deutsche Treue" und das launige Lustspiel: „Der Vetter aus Bremen". Die F e st r e d e hat Herr Weingroßhändler Eduard Schmitt übernommen. Die Gesangsabteilung des festgebenden Vereins wird verschiedene Chöre bringen, der L e o b u n d , die Vereinigung der jugendlichen Arbeiter, stellt eine kleine Musterriege und Pyramiden. Die Musik wird von der hiesigen Artilleriekapelle unter Leitung des Herrn Kgl. Obermusikmeister Sandow ausgeführt werden. Es steht also den Teilnehmern ein genußreicher Abend bevor.
W Neuerungen im Postverkehr mit Oesterreich und Ungarn. Im Verkehr zwischen Deutschland, Oesterreich und Ungarn dürfen die Aufschriften von Einschreibsendungen und Paketen ohne Wertangabe mit Tintenstift geschrieben, sowie auf der Vorder- und Rückseite des Abschnitts der Post- paketadreffe und Postanweisungen Zettel mit Mitteilungen, Geschäftsanzeigen, Abbildungen usw. auf» geklebt werden. Die Zustellung von Eilsendungen in den Nachtstunden von 10 Uhr abends bis 6 Uhr früh kann der Absender dadurch verlangen, daß er auf der Sendung den Vermerk „auch nachts" oder einen ähnlichen Vermerk anbringt. Ferner ist es im Verkehr zwischen Deutschland und Oesterreich (nicht auch Ungarn) statthaft, unentwertete oder entwertete Postfreimarken gegen das Drucksachenporto, sowie Büch er zettel zu den im inneren deutschen Verkehr giltigen günstigeren Bedingungen zu ver- senden. Danach können Bücherzettel,- die in der Aufschriftseite als solche gekennzeichnet fein müssen, mich zur Abbestellung von Druckwerken usw. benutzt, sowie auf dem linken Teile der Vorderseite und auf der Rückseite mit bett im inneren Verkehr zulässigen handschriftlichen Vermerken versehen werden. Wertbriefe nach und aus Ungarn können unter den gleichen Bedingungen wie jetzt Wertbriefe des deutsch- österreichischen Verkehrs mit Nachnahme bis znm Hochstbetrage von 800 Mark oder 1000 Kronen belastet werden; solche Wertbriefe unterliegen dem Frankierungszwang. Sämtliche Neuerungen treten am 1. Oktober in Kraft. Die Ausklebungen auf der Vorder- und Rückseite des Postpaketadreffen- und Postanweifungsabschnitts werden gleichzeitig im inneren deutschen Verkehr zugelassen.
u. Besttzwechsel Das dem Maurermeistcr Herrn Kraus gehörige Wobnhatis Wallweg 25 ist durch Kauf, in den Besitz des Herrn Karl Gettsler übergegangen.
(!) Patentierung. Vom Kaiserlichen Patentamt in Berlin, Anmeldestelle für Gebrauchsmuster, ist dem Maschinensetzer Herrn Fritz Vögler in Fulda, Bahnhofstraße 13, eine Ausfertigung der Eintragung in die Gebrauchsmuster - Rolle, betreffend die Erfindung einer Trauermarke (lausende Nr. 569793) erteilt worden.
= Eine aufsehenerregende Jagd wurde gestern nachmittag im östlichen Stadtviertel auf einen Monteur vom Bahnbau gemacht. Ter Betreffende hatte sich einem Mädchen gegenüber ungezogen benommen. Polizisten und Zivilpersonen setzten ihm nach. Ter Verfolgte sprang schließlich über die Friedhofsmauer am Franzosenwäldchen und nahm bann abermals einen Weg auf einer anberen Seite bes Friebhofs über bie Mauer. Endlich gelang seine Festnahme, der aber alsbald auf der Polizei bie Freilassung olgte, ba sich ergab, daß er keine strafbare Handlung begangen batte. Tie Angelegenheit wird auf dem Wege der Zivilgerichtbarkeit zwischen den Beteiligten zum Austrag kommen.
Amt Geisa mrd Umgebung.
A Geisa, 23. Sept. 1913. Donnerstag, den 25. September 1913, von vormittags 9 Uhr ab, findet im Bezirksausschußsaal in Dermbach eine öffentliche Sitzung des Bezirksausschusses statt.
* Dermbach, 19. Sept. 1913. Aus bem 4. Verwaltungsbezirk werden mit dem 1. Oltober d. Js. drei Lehrer 1 Jahr ausscheiben, um ihrer Militärpflicht zu genügen; es sind dies die Herren Lehrer Arnold in Gerlhausen, Hangk in Frankenheim und Wilhelm in Tiefenort. $ie|c Lehrcrstellen werden im Lause des Jahres durch Schulvikare besetzt.
* Kaltennordheim, 23. Sept. 1913. Amtsgerichts' ekretär Dietzc, welcher feit langen Jahren am hie- igen Amtsgericht tätig war, ist auf einem Ausflug, den er in Gemeinschaft mit Verwandten und Kollegen am Samstag nachmittag nach dem Gläserberg unternommen hatte, auf der Chaussee Brunnhardts- hausen-Föhlritz kurz vor letzterenr Orte vom Schlag gerührt worden. Der Tod trat augenblicklich ein. Er tarb im 55. Lebensjahre.
* Osthcim, 22. Scp>. 1913. Unregelmäßigkeiten wurden bei einem hiesigen Agenten der Verficherungs- gesellfchaft »Merkantil" entdeckt, indem die Kaffe der vereinnahmen Prämiengelber einen größeren Fehlbetrag aufwies.
* Weilar, 23. Sept. 1913. Nachdem in letzter Zeit an verschiedenen Orten des Eisenacher Oberlandes Herdbuch vereine gegründet worden sind, welche ich dem Rindviehzuchlverband für den weimarischen Rhönbezirk angeschlossen haben, so u. a. in Klings und Kaltenwestheim, ist auch in unserem Orte em olcher Herdbuchverein gegründet worden.
Handel und Industrie.
Si Berlin, 22. Sept. 1913. Die Börse zeigte eint durch die Geldversorgung zum Ultimo bedingte Zurückhaltung. Die Haltung war unsicher. Von deutschen Anleihen notierten 3,5 prozentige Konsols 0,10 Prozent höher, dagegen 3 prozentige Reichsanleihe 0,20 Prozent niedriger. Der Privatdiskont erhöhte sich für langfristige Sichten auf 5,5 Prozent.
Märkte.
* Frankfurter Gctreidemar.'tl ericht vom 22. Sept. 1913 Am heutigen Markt war das Angebot in Landware wiederum äußerst stark, ohne daß irgend welche Kauflust vorhanden war. Der Preis ist äußerst gedrückt. Auch fremde Weizen sind stärker angeboten. Gerste in guter Ware besser gefragt. Hafer bei starkem Angebot abflauend. Mais kaum verändert. Mehl stetig. — Es notierten nach Qualität: Weizen, hiesiger u. Wetterauer 19.75—19.90 Mark, auf dem Lande abgeholt 19.15 bis 19.25 Mark, kurhessischer 19.85—20.00 Mark, norddeutscher 00.00—00.00 Mark, Manitoba 22.50 bis 23.00 M., Kansas 22.75—23.00 M., russischer Nicolajeff 22.75-23.15 Mark, Saxonska 22.75—23.00 Mark, Ulka 22.50-23.00 Mark, Azima 23.25-22.75 M., La Plata 22.50-23.00 Mark, rumän. 22.75—23.50 Mark, Samara 22.50—23.00 M. — Roggen: hiesiger, 16.50 bis 16.65 M., aus dem Lande abgeholt 16.00—16.15 M., kurhessischer 16.65 -16.75 W., nordd. 16.90-17.10 Mk, russischer 17.50-18.00 M., Amerikaner 00.00—00.00 M., Walia Malta 00.00-00.00 M. — Gerste: hiesige 17.0J bis 17.35 Mark, Pfälzer 17.25-17.75 M., fränkische 17.25—17,50 M., Riedgerste 17.15—17.50 M., ungarische 24.00—24.50 M. —Hafer: hiej. u. Wetterauer 16 25 bis 17.00M., kurhess. 16.50-17.25 M., bayer. 16.75—17.25 M., 8a Plata 17.00 — 17.50 M„ russischer 18.50-18.75 Mark. — Mais fMiredj 15.00-15.10 M«k, Donau- mais 14.75-15.00 M., La Plata 14.80—14.90 Mark, Cinqanlin 18.50—19.00 M., russischer 00.00—00.00 Mark. — Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: ftetig. — Es notieren nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 31.50—31.75 Mark, fübb.- Nr. 0 00.00-00.00 M., hiesiges Nr. 1 29.50-29.75 M., süddeutsches Nr. 1 00.00 - 00.00 M„ hiesiges Nr. 3 26.50-26.75 M., süddeutsches Nr. 3 00.00—00.00 M., hiesiges Nr. 4 22.50-22.75 Mark, süddeutsches Nr. 4 00.00—00.00 M. — Roggenmehl, hiesiges, Nr. 0 25 dl- bis 26.00 M., do. Nr. 01 24.50-25.00 M., do. Nr. 1 23.50—24.00 M. Alles per 100 Kilo inklusive Satt loko hier. — Fut lerarlikel: ruhig. Weizenschalen 9.75—10.00 Mk., Weizenkleie 9.00—9.25 Mark, Roggen- kleie 10.90—11.15 M., Weizen - Futtermehl 14.00 bis 14.50 M., Biertreber, getrocknet, 12.75—13.00 M.,.Malzkeime 11,75-12.00 M,. Rapskuchen 13.50-14.00 Mk.,
Unterarme brach. Er wurde Krankenhaus übergeführt.
f. Frauklmt a. M , 22. Sept.
Aus dem Nachbargebrete.
:; Nenhos-Ellers, 22. Scpk. 1913. Am polytechnischen In ntule zu Strelitz in Mecklenburg bestand Herr Wilhelm Klüh von hier das Examen als Maschinen-Jngenieur mit »gut".
* Aus der Rhön, 22. Sept. 1913. Der landw. Bezirksverein Brückenau hat sich in feiner jüngsten Sitzung mit der Errichtung einer Jungviehweibe auf bem Dammersfelb beschäftigt. Er wird eine diesbezügliche Eingabe um Bewilligung von Mitteln an bie Regierung von Untersranken und an bas Staatsininisteriuni richten. — In Fladungen geriet bet 14jährige Franz Breitung, Sohn einer Witwe, während der Arbeit auf einer Dreschmaschine durch ein plötzliches Ausgleilen in den Einwurf und verlor dabei den rechten Unterschenkel.
* Wasserlos, 22. Sept. 1913. Auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise geriet auf bem hiesigen Hofgule der Treschwageir des Dreschmaschinenbesitzers Seb. Volz von Hörstcin in Brand und wurde total vernichtet.
* Kerbersdorf (Kr. Schlüchtern), 22. Sept. 1913. Am Samstag abci b brannte bas Anwesen des Bürgermeisters vollstänbig nieber. Nur der tat» kräftig«: Unterstützung der Feuerwehren aus .Kerbersdorf, Sarrod und Romsthal ist es zu verdanken, daß ba2 Feuer auf seinen Herd beschränkt blieb.
Laiigcufclbold, 22. Sept. 1913. Am Samstag mittag fiel der Lehrling Joh. Wenzel beim Zwct,chcn< pflücken fo unglücklich vom Baum, baß er beibc
Vermischtes.
Hauptmann wegen Soldatenmißhandlung »er-
Bäckerei bet Altstadt trug sich blutiges Liebesdrama zu. Bastian verfolgte bie in der Bäckerei tätige Ver käuserin Katharina Schaub aus Schotten in Ober
ligen", von Houben, und die beiden Militär-Humoresken „Musketier Cicero" von Donatus Psannmül- ler-Fulda, und „Instruktion beim Fliegerkorps" von Marse. Die Rollen wurden mustergültig gespielt. Nach jedem Stück trug die vorzüglich geschulte Gesangs-Abteilung unter ihrem neuen Dirigenten, Herrn Lehrer Grosch, einen Chor vor: „Nichts gleicht der Heimat" von Ferdis. Freiligrath, „Scheiden" von Abt, „Nun zu guter Letzt" von Biendelssohn - Barthold-y. Den Schluß bildeten einige Stunden frohen Beisammensein?.
* Fritzlar, 22. Sept. 1913. Man spricht hier davon, daß unsere Präparand enan st alt in Kürze verlegt werden würde. Es soll geplant sein, die Anstalt mit den Serninarien zu sechsstufigen Anstalten zu bereinigen, um damit an Lehrkräften zu sparen und eine einheitliche Ausbildung der Schüler zu erreichen. Für unsere Stadt würde das einen schweren Schlag bedeuten. Abgesehen davon, daß damit eine ganze Anzahl Familien von hier weg- ziehen würden, würden auch die Einwohner, die Prä-
Aus Gberhefsen u. den Hess. Aemtern.
* Marburg. 22. Sept. 1913. Der außerordentliche Professor Dr. Albert Brackmann hat einen an ihn ergangenen Ruf nach Königsberg angenommen. Er erhält dort als Nachfolger Professor Wir- minghofss den Lehrstuhl für mittlere und neuere Ge- chichte. — Vom Landratsamt Marburg wird eine direkte Bahnverbindung nach Wildungen angestrebt. Das Projekt würde eine ganze Reihe von Ortschaften, die jetzt ziemlich abgeschlossen liegen, bem Verkehr erschließen.
[:] Momberg, 22. Scpr. 1913. Sonntag und Momag halten wir unsere Kirmes. Leiber ist die- elbe an beiden Tagen grün bl ich verregnet, daß unter diesen Umständen auch bet Besuch bet- Selben aus bet U 'gegcnd schwach war, läßt sich leicht denken.
* Webern, 22. Sept. 1913. Eine hübsche Summe beim Verkaufe des Gemeindeobstes erzielte die benachbarte kleine (Gemeinde Neuenbrunslar (Main-Weser-Bahu). Es kamen dabei nicht weniger als nahezu 1600 Mk. ein.
s. Fritzlar, 22. Sept. 1913. Am Sonntag den 21.September feierte bet kathol. Gesellen-Ver- ein Fritzlar fein 8. Stiftungsfest; damit verband sich btc Reiruten-Abschiedsfeicr des Vereins. Um den zum Ticnste einrückenden Mitgliedern noch einige recht frohe S.unbcn im Verein zu bereiten, waren, wie der Präses, Herr Kaplan Hiinmelmann, in seiner Begrüßungs-Ansprache betonte, drei heitere, humorvolle Theaterstücke ai-sgewählt werben: -.Tie Un.verwüst-
urteilt. Vor dem Oberkriegsgericht bes 17. Armeekorps in Thorn hatte fick der Hauptmann und Kompagniechef Koehler vom 176. Infanterie-Regiment roegen Mißhandlung Untergebener zu verantworten, darunter einige Fälle bei Ausübung des Dienstes unter Mißbrauch bet Waffe, vorschriftswidriger Behandlung Untergebener und einiger anderer Vergehen gegen das Militär-Strafgesetzbuch, im ganzen über hundert ©traffälle. Nach zweitägiger, unter Ausschluß der Oeffenllichkeit geführter Verhandlung erkannte der Gerichtshof auf eine Gesamtstrafe von sechs Monaten Festungshaft und Die n ft e n tlaff unr.
* Ein mildes Urteil. Ter gewiß seltene Fall, daß ein Angeklagter wegen Unterschlagung von 20 000 Mark nur zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt und außerdem aus eigener Initiative von dem Gericht der Begnadigung empfohlen werden soll, trug sich dieser Tage vor einer Strafkammer in Berlin zu. Angeklagt war der Reisende Schöler. Die Verhandlung entrollte eine Art Leidensgeschichte eines Geschäftsreisenden. der trotz anerkannter Tüchtigkeit und großer Aufträge mit einem fo geringen Spefenzuschuß auf die Reife geschickt worden war, daß er, um überhaupt tätig fein zu können, sich an den Jnkassogel- bern bergriff. — Der Angeklagte trat vor 13 Jahren als Handlungsgehilfe bei einer Drogen-Engrosfirma ein. Seit dem Jahre 1907 wurde er als Reifender beschäftigt und erhielt ein Monatsgehalt von 100 Mark und einen Spefenzuschuß von 10 Mark täglich. Von diesen Spesen sollte der Angeklagte nun große Geschäftsreisen unternehmen, so daß häufig das Fahrgeld allein mehr ansmachte, als die Spesen betrugen. Außerdem • handelte es sich um eine vor- ■ nehme Firma, für die er auch nach außen hin reprä- fentieren mußte. Da er häufig sein Gehalt auf den Geschäststouren angreifen mußte, fei er schließlich, wie er vor Gericht aussagte, gezwungen gewesen, bie von ihm einkassierten Gelber anzugreifen. Erst im Juli b. Js. stellte sich bei einer Revision ein Kaffen- fehlbetrag von 20000 Mark heraus. Der Angeklagte gab sosort zu. daß er diese Summe während der 6i/, Jahre auf Reisen verbraucht habe, und zwar, lediglich im Geschäftsinteresse. In der Verhandlung bekundete auch der als Zeuge auftretenbe Geschäftsführer oer Firma, daß ber Angeklagte ein sehr tüchtiger und bei den Kunden beliebter Reisender gewesen sei und Aufträge von 100 000—160 000 Mark pro Jahr gebracht habe. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von vier Monaten. Der Verteidiger meinte, daß der Angeklagte doch unmöglich als Vertreter einer vor nehmen Firma mit zerrissenen Stiefeln gehen und in Spelunken übernachten konnte. Wenn er in den 6>/> Jahren 20 000 Mark verbraucht habe, so bedeute bje§ pro Tag 10 Mark, und diesen Mehrbetrag habe der Angeklagte auf seinen Reis-m offenbar int Interesse der Firma verbraucht. Das Gericht schloß sich ber Auffassung bes Verteidigers an u :b erkannte auf nur zwei Wochen Gefängnis, außerdem beschloß bas Gericht aus eigenem Antriebe, beit Angeklagten zur Begnabigung zu empfehlen.