Zuldaer Zeitung
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Monats-Beilage:
Zuldaer Sefchichtsblätter
~ Liehungslisten der preußisch-süddeutschen Klaffen-£otterie. — halbjährlich Taschenfahrplan.
40. Zahrgang
Dienstag den 23» September 1913
Erstes Blatt.
Nr. 220
Antigen: Der Raum einer einspaltigen Colonel;eile, 47nm »rät, dastel lL Pfa. Reklamen: Der Raum einer colonehelle, 74 mm bcktt, to(t« 40 Pfa- oel Wieberhotungen Rabatt. Sür Offert- und ßuskunftan3elgen 20 Pf. extra. Jn Konkursfällen wirb ber bewilligte Rabatt hinfällig. Erfüllungsort für bas £in klagen von Sortierungen ist Sulba. flnjeigen-finnahme bis 10 Uyr vormittags. » - Größere Anzeigen erbitten wir uns tags vorher. ~ 3
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5 s Zuldaer flctienbrudterel in Sulba. Zemsprecher fir. 9. z = L , _ . . _.. .
«L Unversöhnlich!
König Konstantin von Griechen!and hat in P a r i s den Groll der Franzosen nicht besänftigen können. Sein Verbrechen ist zu groß, als daß es so leicht gesühnt werden könnte.
Er ist der Schwager des Kaisers Wilhelm, er wurde vor kurzem durch die Verleihung des preußischen Feldmarschallstabes ausgezeichnet, und er hat in Berlin die militärische Schule Deutschlands gerühmt — das ist zuviel sür französische Nerven. Das Urteil ist gesprochen: er sei versehmt für immer! Sern Trinkspruch, den wir gestern mitteilten, genügt dem französischen Gloriebedürfnis nicht. In der Rede sind für Frankreich im ganzen und die französische Militar- mission im allgemeinen recht viel Artigkeiten enthalten. Wer der König hat nichts gesagt, was als Widerruf der Berliner Rede gedeutet werden könnte Auch die Arterkennung, die er „dem Sachverständnis und Arbeitseifer" der Militärmisston zollte, ging keineswegs so weit, daß den ftanzosischen Instruktoren das Verdienst des griechischen Sieges zugeschrieben wurde. Die Rede war offenbar eme K o m P r o m i ß a r b e i t. In Frankreich hatte man aber etwas mehr erwartet. Bescheidenheit gehört ja überhaupt nicht zu den französischen Nativnaleigen- schasten, und im vorliegenden Falle waren die französischen Ansprüche noch in die Hohe getrieben worden durch die ungeheure Dienstbeflissenheit, Mit der Ve- niselos und die übrigen Minister alsbald nach der Berliner Rede chren König „berichtigten .
So erklärt es sich, daß ein großer Teil der ftan- rösifchen Presse (darunter sehr weitverbreitete Blatter) mit dem Pariser Trinkspruch des Komgs Kon- stantin nicht zufrieden sind und das „Mißver^ ständnis" für ungefühnt erklären. Eme andere Gruppe von Blättern bewahrt eme kalte Zurückhaltung. Befriedigung wird nur laut m den Zeitungen, dte der Regierung nahe stehen.
Derartige feierliche Trinksprüche werden bekannt- lick> zwischen den beteiligten Regierungen vorher vereinbart. Herr Poincarü und seme Minister haben also auch die Ansprache des Königs vorher gchrust und für angemessen erachtet. Die Kritik richtet sich demnach nicht allein gegen den Gast, sondern auch gegen die franz. Regierung. Wenn sie sich Mit »unbesrtedtgen- den" Wendungen hat abspeisen lasten, so ist sie entweder dumm oder schwach. Wenn die Presse memer so heiklen Angelegenheit der auswärtigen Pontlk der eigenen Regierung die Leviten lesen will, so muß sie sich erst sehr gewissenhaft die Berechtigung und die Zweckmäßigkeit ihres Vorgehens klar gemacht haben. Ob das im vorliegenden Fall geschehen ist, erscheint uns noch sehr zweifelhaft. Der Lärm sieht mehr nach Eitelkeit aus, als nach Klugheit.
Bei uns zu Lande hatten manche gemeint, die Berliner Rede habe überhaupt den Franzosen keinen Anlaß zur Beschwerde gegeben. Wir haben demgegenüber anerkannt, daß keine übergroße Empfindlichkeit dazu gehöre, wenn die Franzosen durch das vollständige Schweigen über die Wirksamkeit ihrer Suhlt» tärmifsion in Griechenland sich unangenehm berührt fühlten Ins Unrecht gerieten die ftanzösischen Blätter freilich durch die beleidigende Form ihrer Antworten auf die Berliner Rede und durch die maßlose Forderung, daß Griechenland den Nutzen der deutschen Kriegsschule leugnen und überhaupt die Brücken nach Deutschland abbrechen solle. Wenn nun die Presse auch die von den Diplomaten vereinbarte „Genugtuung" schroff zurückweist und fordert, daß der König sich selbst und zugleich Deutschland verleugnen solle, so treibt sie doch die französische Anmaßung auf eine unzulässige Höhe. Ein
deutsches Sprichwort sagt in solchem Falle: „Allzu scharf macht schartig".
Griechenland befindet sich ja in einer gewissen Abhängigkeit von Frankreich. Es muß sich viel gefallen lassen so lange die Pariser Anleche noch schwebt und die Jnselfrage noch ungelöst ist. Aber für die wettere Zukunft forgen die Franzosen doch schlecht vor, wenn sie das Ehrgefühl der Griechen so scharf retzen. Dte Maßlosigkeit der französischen Presse wtrd sicherlich dazu beitragen, daß die ösfentliche Metnung tn Griechenland sich noch mehr als bisher auf dte Sette des Königs schlägt, daß die Bedenken wegen der Berliner Rede zurücktreten und dagegen die Frage aufgeworfen wird, ob nicht Venifelos und die anderen Minister in der Preisgabe der, königlichen Rede und der Liebedienerei vor Frankreich zu weit gegangen waren. Jedenfalls wird das Selbstbewußtsein des griechischen Volkes jetzt st a r k g e r e i z t. Die Franzosen, die das mit Ueberlegung tun, müssen sich tn der Macht über den griechischen Vasallen sehr sicher fühlen.
Die Griechen müssen ja selber wissen, ob und wann und wie sie das ftanzösische Joch abschütteln können. Vorläufig sieht es so aus, als ob sie noch einmal in den sauren Apfel beißen und zum Dank für die Anleibe ihre Geschütze und ihre Kriegsschtffe in Frankreich bestellen müßten. Solche „Taten" haben in Frankreich einen guten Klang und werden vielleicht als Ersatz für dte angeblich mangelhaften „Worte" gnädig angenommen. Doch wird zweifellos ehr Stachel in den Herzen und Köpfen der Griechen Zurückbleiben. Davon wird Deutschland noch seinen Vorteil haben, und eine gute Saat mutz man ruhig ausreifen lasten.
Je impulsiver die Gegner sind, desw gelasteuer müssen wir bleiben.
(1 Der Kanattnnnel.
Die Frage, ob der Kanaltunnel gebaut werden soll, ob also England und Frankreich durch einen Tunnel unter dem Aermelkanal her eine unterirdische und unterseeische Verbindung mit Eisenbahn erhalten tollen, bildet feit langem den Gegenstand eifrigster Erörterungen. Das ist erklärlich bei einem solchen Projekt, das an die Technik so ungeheuerliche Anforderungen stellt und zugleich in seinen wirtschaftlichen Folgen von so weittragender Bedeutung ist. , _ .
Nachdem hervorragende Ingenieure auf Grund eingehender Studien erklärt haben, daß die Technik die bestehenden Schwierigkeiten lösen könne, schien es als ob der von Frankreich eifrig genährte Plan des Tunnelbaues unter dem Einfluß des französisch- englischen Bündnifles auch in England mehr Anklang finde und als ob seine Durchführung in absehbarer Zeit in Angriff genommen werden würde. In Antwerpen hatte sich vor kurzem noch die Vereinigung der britischen Handelskammern für den Kanaltunnel ausgesprochen.
Jetzt setzt aber in England ein erneuter Widerstand mit erhöhter Heftigkeit ein, und zwar ist es die einflußreiche Zeitung „Times", die in einem viel beachteten Artikel dagegen Stellung nimmt Diese Stellungnahme erregt um so mehr Aufsehen, weil man allgemein meint, daß diese Aeußemng zugleich im Namen der Regierung erfolgt, und sie verdient auch noch ein besonderes politisches Interests, weil sie außerordentlich nüchtern den Wert des fran» zösisch.englischen Freundschaftsverhältnisses prüft. In Frankreich ist man erklärlicherweise von dieser Wendung sehr niedergedrückt und sucht die Gründe des Artikels durch Gegeugründe Iu entkräften.
3)er Brandstifter.
21s Eirw'Bauerngeschichte aus dem Taunus von Fritz Ritzel.
7. Das lepte Hoffen dahin!
Es war, wie Fran Rother am Abend der Heim- ikehr ihres Sohnes diesem gesagt hatte, wirklich ein schweres Leben, das vor dem wieder zu dem Beruf seiner Väter zurückgekehrten jungen Manne lag, ein geben, das in seinem erdrückenden Gleichmaße keinerlei Lichtblicke zeigte und Wohl geeignet gewesen wäre, auch die elastischste Spannkraft lahm zu legen. Die Zuversicht, die Ernst an jenem ersten Abend zur Schau getragen hatte, daß es seinem tatkräftigen Eingreifen gelingen werde, einen Wandel zum Besseren zu schaffen, konnte nicht Stand halten, sobald er erst einmal einen genaueren Einblick in die Verhältnisse genommen hatte. Dieselben lagen noch viel trostloser, wie er es befürchtet hatte- in allen Ecken und Enden fehlte es und nirgends bot sich eine Aussicht, einigermaßen erträglichere und sorgenfreiere Zustände zu schaffen. Die aus dem Wirtschaftsbetrieb und der Geflügelzucht sich ergebenden geringen Einnahmen reichten kaum aus, um das tägliche Leben zu sristen; wie die um Martini fälligen Zinsen aufgebracht werden sollten, nachdem der Hagel das Korn in der Hol- derbach zerschlagen hatte, daran durste der junge Mann nicht denken, ohne daß ihn eine gelinde Verzweiflung befiel. Seine einzige Hoffnung bestand darin, daß die Aepfelernte voraussichtlich gut ausfiel und daß er mit dem Erlös aus dem Kelterobst wenigstens eine Abschlagszahlung leisten konnte. Er wollte ferner mit dem "Hypothekengläubiger, dem reichen aber ebenso geizigen alten Herrschet ein Abkommen dahin treffen, daß Genannter für die in den Scheunen des Hauses aufgestapelte Frucht einen entsprechenden Mietzins bewillige, was der Alte wohl aus Gründen der Billigkeit nicht ablehnen konnte — für den Rest würde bann Herrsche! wohl Ausstand bis zum nächsten Termin gewähren.
Mit der von seinen Vorfahren ererbten Zähigkeit und unverdrossenen Beharrlichkeit schickte sich der frühere Student in das neue Leben. Schon vor Ta
gesanbruch begann er fein Werk und schaffte mit dem alten Lenhard — der zweite Knecht Konrad war aus Sparsamkeitsgründen entlassen worden — unermüdlich im Schweiße keines Angesichts wie ein gewöhnlicher Knecht auf dem Felde, bis die Abendglocke schlug, wobei er zu feiner Ueberraschung inne ward, daß das freie Bauernleben ihm entschieden eine innere Befriedigung gewährte, wie er dies vor wenigen Wochen niemals geahnt hätte. War es das Bauernblut, das in seinen Adern rollte oder war es die Heimat mit ihren Bergen und Wäldern, die ihn mit ihrer kräftigen Luft umwehte, was ihn mit der Veränderung seines Geschickes versöhnte? Er war wieder ein Bauer geworden, dessen ganze Gedankenweft sich darum drehte, der Mutter Erde das abguringen, was ihr abzuringen war. Auf dem Felde, wo der Duft der umgeackerten Scholle emporstieg, fühlte er sich Wohl, dort vergaß er, daß zu Hause die Sorge ans allen Winkeln hervorguckte, daß im Vaterhause niemand weilte, der seelisch voll und ganz mit ihm harmonierte. Denn sowohl die Mutter wie die Schwester begegneten ihm seit dem Abend seiner Rückkehr mit einer gewissen lauernden Ruhe, gleichsam als fürchteten sie, daß von ihm, der ein gegebenes Wort gebrochen, nichts Gittes zu erwarten sei und Ernst war zu stolz, ein innigere» Verhältnis anzustreben, nachdem an jenem Abend seine leidenschaftlichen Versicherungen von der Slutter mit so kühler Ruhe entgegengenommen worden waren. Oder war es noch etwas anderes, das ihn davon abhielt, seelisches Verständnis bei den Seinen zu suchen? Etwa die Furcht, daß dann das, was nun einmal geschehen war, nochmals zur Sprache kommen könne? Davor scheute er sich, denn sowohl Schuldbewußtsein wie eine eigentümliche Wehmut regten sich in ihm, wenn er des Mädchens mit den rötlichen Haaren gedachte. Er suchte sich gegen diese Gedanken mit aller Gewalt zu wehren, indem er rastlos seinen Pflichten nachkam und neue Pflichten suchte, aber sie kamen immer wieder und pochten an das von ihm errichtete Gebäude seiner Zukunft mit einem eindringlichen klagenden Mahnen, das feinen Gemütszustand immer mehr verdüsterte.
Erholung gönnte er sich nicht. Kam er des abends müde von dem Felde zurück und hatte er gemeinsam mit Lenhard die im Hof und in den Ställen notwen-
Der Artikel gibt die technische Möglichkeit der Ausführung zu, läßt indessen die Frage offen, ob der Boden allgemein so günstig sei wie an den beiden Enden, was erst durch die Bohrung erwiesen werden könne. Die Kapitalisten müßten jedenfalls viele Jahre warten, bevor sie auf einen Ertrag aus dem Tunnelbetrieb rechnen könnten. $Ba§ die V ö l- kerverbrüderung betrifft, so fei es fragilch, ob England durch eine Erleichterung der Einwanderung den bedürftigen Elementen seiner Volkswohlfahrt nützen würde. Die Landwirtschaft und manche Industriezweige des Vereinigten Königreiches hätten sch w er zu leiden, wenn die rasche Einfuhr von Nahrungsmitteln und gewissen anderen Warten erleichtert würde. Nicht zu sehr solle man auf die Freundschaft mit Frankreich bauen. Jenseits des Kanals habe man immer den Tunnelbau gewünscht, von dem man voraussichtlich auch Vorteil haben werde, diesem Vorteil aber dürften die britischen Interessen nicht geopfert werden. Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Staaten änderten sich im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte doch vollkommen. Es komme auch nicht nur auf die Freundschaft oder Gegnerschaft gerade Frankreichs an. Es sei nicht ausgeschlossen, daß eine dritte, England feindliche Macht in Besitz von Calais gelange, was man besonders jetzt erwägen müsse, wo die Strategen des Festlandes sich so viel mit der Möglichkeit eines deutschen Vorstoßes durch Belgien beschäftigen. Weiter wird ausgeführt, daß ein umfangreicher Eisenbahnverkehr zwischen England und Frankreich den englischen Seebandel beeinträchtigen müsse, und ein Feind, der sich im Besitz des einen Tunnel- armes befinde, könne nicht nur die Einfuhr nach Eng land stark vermindern, sondern auch nach dem Frie- densschlufse Frachtsätze nach feinem Gutdünken auf- stellen. Und zu alledem, so heißt es zum Schluß: Frankreich hat in bezug auf die Heeresmacht feine letzte Karte bereits ausgespielt (mit Einführung der dreijährigen Dienstzeit) und wird mit jedem Jahrzehnt verhältnismäßig schwacher, vielleicht auch weniger widerstandsfähig gegenüber der Versuchung eines Nachbarn, sich mit ihm gegen England zu verbünden!
Das ist allerdings eine bittere Pille für die Franzosen, die in ihrer Freundschaft mit England einen Angelpunkt ihrer Politik sehen. Wenn die vorgelegte Meinung die feste Neberzeugung der englischen Regierung wiedergibt, bann ist das Raten: Wirb er gebaut — wirb er nicht gebaut? schon zu Ungunsten bes Tunnels enffchieben.
DettWs Reich.
5 Berlin, 22. Sept. 1913. Die Besprechungen über die Refsortanmeldungen zum neuen Reichsetat für 1914 zwischen dem Reichsschatzamt und den Ressorts sind in der Hauptsache beendet. Im Reichsschatzamt wird zurzeit der neue Etat zusammengestellt, um die ersten Etats dem Bundesrat schon Anfang Oktober vorlegen zu können. — Der Kaiser wohnt am 14. Oktober der Einweihung der evangelischen Erlöserkirche in Gerolstein bei, besucht dann den Landwirtschastsminister Frhrn. v. Schorlemer-Lieser und kommt von da nach Trier zur Besichtigung der Römerbauten.
)( Ein Vergleich der Flottenstärken. Für den Stärkevergleich von Flotten bieten die Zahlen der Wasserverdrängung immer noch die beste Grundlage. In ihnen kommt die Kampfkraft noch am deutlichsten zum Ausdruck. Einer im neuesten „Nautikus" enthaltenen Zusammenstellung entnehmen wir folgendes: Es. beträgt die Wasserverdrängung aller im
Mai dieses Jahres fertig gewesenen Schiffe in England 2 232 630, in Deutschland 964 849, in den Bereinigten Staaten von Nordamerika 854 520, in Frankreich 729 540, in Japan 527 050, in Italien 330 520, in Rußland 317 970 und in Oesterreich-Ungarn 220 590 Tonnen. Das in diesen Zahlen einbegriffen!!, als veraltet anzusehende Material, b. h. alles, was vor bem Jahre 1891 vom Stapel gelaufen ist, beziffert sich in Englanb auf 238 400, für Deutsch- lanb auf 76 245, für bie Vereinigten Staaten auf 107 970, für Frankreich auf 94 870, für Japan auf 35 730, für Italien auf 91000, für Rußland auf 55 090 und für Oesterreich-Ungarn auf 20 850 Tonnen. Somit führt die italienische Kriegsflotte den verhältnismäßig größten Bestand an veralteten Schiffen, während Deutschland nicht ungünstig dasteht. Zu beachten ist, daß die Angaben des „Nautikus sich lediglich auf die vorhandenen Kampfschiffe beziehen, also Schul-, Trotz- und sonsttge Schisse ohne Gefechtswert außer Betracht lassen.. Was bte Neubauten anlangt, so steht auch hier England mit 624 710 Tonnen "an der Spitze. Es folgen Rußland mit 414 890, Deutschland mit 308 768, Frankreich mit 273900, Italien mit 228220, Japan mtt 208 820, bie Vereinigten Staaten mit 200 200 und Oesterreich-Ungarn mit 64 510 Tonnen. Hinsichtlich bes umfangreichen rnsiischen Neubauprogramms muß bemerkt werben, baß seine Durchführung noch weit im Felbe steht, ba die dortige Marineverwaltung erst noch dafür Sorge zu tragen haben wird, daß die für den Kriegssckiiffbau im eigenen Lande notwendigen Werften geschaffen werben.
* Der Verzicht aus .Hannover. Das »Berliner Tage- blatt' läßt sich aus Potsdam melden, daß sich Prinz Ernst August von Cumberland gleich nach Beendigung der Manöver nach Gmunden begeben wird, um dort die Angelegenheit des Verzichtes auf Hannover mit seinem Vater zu besprechen. Das Prinzenpaar soll bann von Potsdam aus direkt seinen Einzug als Herzogspaar von Braunschweig und Lüneburg halten.
)( Anträge br8 Kleinhandels. An den Staatssekretär des Innern hat der deutsche Zentralverband für Handel und Gewerbe eine Reihe von Anträgen gerichtet, in denen angeregt wird, amtliche Erhebungen wegen der Beamtenkonsumvereine, der söge- nanntenWirtschasts-oder Haushaltungsvereine, darüber zu veranlassen, „ A
1. an welchen Orten von Beamten gegründete und aus Beamten sich zusammensetzende Konsumvereine, Wrrtt schasts- oder Haushaltungsvereine bestehen, 2. ob sie sich der Begünsttgung oder Unterstützung der Reichs- oder Staatsbehörden erfreuen, 3. ob sie insbesondere tn staatlichen Gebäuden für ihre wirtschaftlichen, also privaten Zwecke Räumlichkeiten a) ohne Entgelt, b) für einen zum Mietwert derRäumlichkeiten in keinem Verhältnis stehenden Mietzins oder c) gegen ein angemessenes Entgelt uber- lassen haben, 4. ob die vorgesetzten Dienststellen dulden, daß ihre Beamten während der Dienststunden Bestellungen für gemeinschaftliche Warenbezüge entgegennehmen und gemeinschaftlich bezogene Waren verteilen, und daß sie während der Dienststunden sonstige Arbeiten für ihre wirtschaftliche Organisation verrichten. Ferner damit di, maßgebenden Stellen der verbündeten Regierungen tn der Lage sind, sich über die Ausdehnung und die vor dem Kleinhandel wie den Gemeindeverwaltungen zu ihrem Nachteile empfundene Wirkung des Filialwesens zu unter* richten und im Wege der Gesetzgebung Abhilfe herbeizuführen, 1. periodisch eine Statistik über die Entwickelung des Filialwesens in Deutschland aufnehmen und veröffentlichen zu lassen und 2. dahin zu wirken, a) daß ein: Filialsteuer von Reichswegen eingeführt und b) daß diese Filialsteuer von den Massenfilialhaltern als eine progressiv« Sondersteuer für jede Verkaufsstelle nach dem Merkmal« des Umsatzes erhoben wird, 3. endlich eine Detaillisten- konferenz »ach Art der Handwerkerkonferenzen zu berufen.
Eine Entscheidung ist auf diese Anträge noch nicht ergangen.
bigen Arbeiten verrichtet, bann verfügte er sich sofort in bie Gaststube, um beim Bedienen ber wenigen Gäste behilflich zu fein oder biese zu unterhalten. Unb ba mußte er bie Erfahrung machen, baß bie Leute eine gewisse Zurückhaltung gegen ihn beobachteten, gleichsam als rechneten sie ihn, ber so lange fort gewesen war unb in ganz anderen Verhältnissen gelebt hatte, nicht mehr zu den ihren. Selbst der sonst so joviale Bürgermeister verhielt sich recht zugeknöpft gegen ihn und hatte seine Einladung, ihn und die Seinen zu besuchen, nicht mehr wiederholt.. Mehrmals hatte Ernst sogar beobachtet, daß die Gäste plötzlich verlegen in ihren Gesprächen innehielteu, wenn er näher trat, oder daß sie ihn mit Blicken bedachten, in denen nichts weniger als Achtung unb Wohlwollen zu lesen war, gleichsam al£ haste ihm ein Makel an. Was mochte wohl ber Grunb für bieses eigentümliche Gebahren fein? Er suchte sich doch in seinem ganzen Wesen toieber als Bauer zu geben, zwang sich dazu, wie sich das für einen richtigen Wirt gehört, an jeden der Gäste stets einige freundliche Worte zu richten und suchte den Leuten durch kleine Siüfmertiamleiten den Aufenthalt in der Wirtschaft so behaglich wie möglich zu machen — und doch diese stumme Abwehr gegen seine Person! Als auch heute abend einige Einheimische ihn in geradezu verletzender Weise übersehen hatten, wandte er sich nach deren Entfernung an feine mit ihm allein in der Gaststube anwesende Schwester Guste! unb fragte:
„Was haben die Leute hier nur gegen mich, Gustel? So frentb bin ich ihnen boch nicht geworben!" Ta traf es ihn wie ein Donnerschlag, als bie Schwester erwiderte:
„Tie Leit munkele, daß es mit dem Feier neilich uff unferm Hcispeicher nit mit rechte Tinge zuge- gange wär un daß Du die Hand debei im Spiel gehabt häst, weil Du nit beim Lösche geholfe host!"
„Die Leute glauben, daß ich — ich", keuchte Ernst hervor. „Für so einen Schurken halten sie mich?" Die Stimme versagte ihm und angstvoll sah er die Schwester an.
„Die Welt denkt immer gern des Schlechte!" sagte diese mit einem Anflug Von Wärme im Ton. „Do muß mer ewe still dezu halte, wenn's aam trifft, ntog mer nach des beste Gewisse Ir^ae!"
„Schwester — Gustel? Auch Du glaubst, daß ich — — auch Du zweifelst an mir?" Eine beklemmende Angst klang aus dein jungen Mannes Stimme.
„Naci, Ernst — wenn Du aach aunerst bist wie wir — des trau ich Dir nit zu! Do müßt Du nit mein Bruder un de Sohn von unfernt brave Vatter sein! Lotz die Leit schwätze — wenn sie sehe, datz Du Dich nit drum kümmerst, Wern sie schon von selbst uffhöre!"
Der junge Mann war auf den nächsten Stuhl gesunken und verbarg das Gesicht in den auf bem Tische verschränkten Armen. Sein ganzer Körper schütterie unb bebte. Auf einen so niederträchtigen Schlag bes Schicksals war er nicht gefaßt gewesen — um so niederträchtiger, als er sich sagen mußte, daß der Schein wirklich gegen ihn war. Die furchtbare Aufregung über die plötzliche Wandlung seiner Lebenslage hatte ihn an jenem Abend aus bem Hause getrieben. Ziellos war er in ber herrlichen Mondnacht im Walde herumgeirrt, sich immer weiter vom Dorfe entfernend bis ihn der dämmernde JDlorgen zur Heimkehr mahnte. Jetzt verstand er auf einmal die mißtrauischen Blicke, welche die vielen, int Hofe versammelt gewesenen Leute auf ihn geworfen hatten, verstand bie Frage des Wachtmeisters, wo er bei Ausbruch des Brandes gewesen sei — für einen Brandstifter wurde er von allen gehalten und danach behandelt. Und er vermochte die von dem unfeligen Irrtum Befangenen nicht von feiner Unschuld zu überzeugen, denn nicht offen, sondern versteckt hinter seinem Rücken klagte man ihn an, behaftete ihn mit einem Makel, die wie ätzende Säure bie Reinheit seines Namens zerfraß. Ein jeher Protest seinerseits gegen ben schimpflichen Verdacht würde sofort zur Folge gehabt haben, daß die hämische Welt sich zugeflüstert hätte: „Aha — der getroffene Hund bellt", ober: „Wer sich entschuldigt, klagt sich an!".
„Es is ewe e Unglück, daß Du in der Nacht im Wald gewese bist", unterbrach die Schwester seinen Gedankengang, „un daß der Nachtwächter, gleich noochdem des Feier ausgcbroche is, en Mann hot gesehe, der von unsrer Scheuer aus über die Wiese nooch dem Wald gclaafe is! Dodorch is des ganz Geschwätz uffkvmme!"
„®abon weiß ich ja kein Wort, Gustel! So ist es