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Zuldaer Leitung. *

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Nontag 22. September 1915

toTales.

Fulda» 22. September 1913.

.□ Stadtverordnetenersatzwahlen. Die Ber - k^auens mann erv ers amm lung der Zen­trumspartei. deren Mitglieder durch die Zentrums- Wähler aus den verschiedensten Klassen und Bevölke- rungskrcisen unter Berücksichtigung der in Betracht kommenden Vereine und Korporationen als die ge­ordnete Vertretung der Partei gewählt worden sind, beschäftigte sich am Samstag abend mit den bevor­stehenden Ersatzwahlen zur Stadtverordnetenver- .sammlung. Nach eingebender Aussprache wurde als Kandidat für die 3. Abteilung an Stelle des ver­storbenen Herrn Kuustgärtners Breitenborn wieder ein Protestant, Herr Sattlermeister Johannes R e ich- Hardt, ausgestellt, als Kandidat für die 1. Abteilung an Stelle des zurückgetretenen Herrn Dr. med. Schulte Herr Fabrikant Karl R ü b s a m. Die Wah­len finden für die 3. Abteilung am Donnerstag, 25. September, vormittags von 10—1 Uhr und nach­mittags von 4—7 Uhr; für die 1. Abteilung am Freitag, 26. September^ vormittags von 10—12 Uhr statt.

# Militärpersottalien. Zum Unierrablmeister ernannt wurde der Zahlmeister-Aspirant Jul. A l t - haus (ein geborener Fuldaer) beim 2. Bataillon des Großherogl. Hess. Jnf.-Reg. 168 in Offenbach a. M.

§ Verliehen. Dem König!. Förster Krämer in Lehnerz wurde der Cbarakter als Hegemeister verliehen. — Ferner wurde der Titel Hegemeister verliehen den Förstern7 Hanse in Sandberg, Ober» sörsterei Thiergarten: Klippert in Rommerz, Ober» försterei Neuhof; Mühlhausen in Istergiesel, Ober­försterei Giesel: Spang in Blankenau, Oberlörsterei Großenlüder: Tagqeselle in Mottgers, Oberförsterei Sterbfritz; Weck ir. Neukirchen, Oberlörsterei Neu­kirchen.

Die Nekrutenvoriräae int katholischen Gcsellen- hause hier haben gestern abend begonnen. Stadtpfarrer' Gram m begrüßte die Versammlung und bat die Rekruten, allabendlich As/f Uhr zu den Vorträgen zu erscheinen, um sich für den neuen Beruf zu wappnen. Weingroßhändler Eduard Schmitt, Leutnant der Reserve, nahm darauf das Wort zu einem eindring­lichen Appell an die Rekruten, sich gut vorzubereiten vor dem entscheidendsten Augenblicke ihres Lebens. Der Redner, dessen Ausführungen sehr beifällig aus­genommen wurden, gab seinen zukünftigen Kamera­den den Wahlspruch auf den Weg: „All mein Werk dem Könige, darüber aber nicht vergessen den König des Himmels!" Pater Provinzial K a s s i e p e-Hün- feld, der darauf das Wort nahm, rief durch seine An­sprache stürmischen Beifall hervor. Der hochw. Red­ner, der als früherer Handwerker und Kolpingssohn das Leben und Treiben dea Volkes kennt, weiß auch in gar packender Weise zu svrechen. Der Abend wurde verschönt durch eine Anzahl passender vierstimmiger Männerchöre der GesangsabteAung des Gesellenver­eins und Orchesterstücke des stadtpfarrlichen Jüng­lingsverein, die alle beisälttch ausgenommen wurden. An den vier ersten Tagen, dieser Woche abends 814 Uhr werden die Vorträge.im Gesellenhause fortgesetzt. Sie werden abwechselnd gehalten von Herrn Provin­zial Kassiepe und Herrn Dr. Gustav Schneider. Mö­gen alle Rekruten von Stadt und Land zu diesen Vor­trägen erscheinen, sie werden viele gute und nützliche Anregungen für ihr ganzes Leben daraus mitnehmen.

(:) Der Verein KreuzbiirHniS, Ortsgruppe Fulda, hielt gestern die Jahreshauptversammlung ab. Herr Pater Remigius hielt einen Rückblick und Ausblick in der Koeuzbündnisarbeit und schloß mit dem Wunsche, daß feder Iren zur Fahne halten und in seinem Kreise Werbearbeit leisten möge. Hiernach wurde der Kassen» und Geschäftsbericht erstattet. Der Verein zählt zurzeit 90 erwachsene und 40 jugendliche Mitglieder. In der nun folgenden Vorstandswahl wurden Magtstratssekretär B e i tz und Hofinstrumentenmacher Jos. Mollen hau er als Vorsitzende, Frau Zwenger als Kassiererin, FrI. Trabert als Schriftführerin Frau Rechnungsrat Olm er als Verwalterin der Bibliothek und Buch­bindermeister Kramer als Leiter der Jngendabtei» lung gewählt.

'+ Tie soziale Ferienvereinigung der Studenten von Fulda und Umgegend veranstaltet Dienstag, nachmittags 5 Uhr, eine Besichtigung des hiesigen Krüppelheims mit anschließendem Vortrag. Alle Herren, auch diejenigen, an die ver­sehentlich keine besondere Einladung ergehen sollte, sind willkommen. Die Vcvanstaltung dürste wegen der modernen Einrichtung des Hcrz-Jesu-Heims des Besuches wert sein.

Kleines Feuilleton.

—- Fremdwörter aus der Tanzkarte. Bald kommt nun wieder die Zeit der Lalle und sonstigen Tanz­vergnügungen, und manches holde Mägdlein freut sich schon jetzt dieser frohen Tage oder richtiger Wohl, dieser frohen Nächte. Wte auf den Speisekarten sin- det man auf den Tanzkarten und in der Tanzkunst überhaupt noch viele Fremdwörter, die man endlich ausmerzen sollte. Es ist wirklich traurig, wenn man liest: Vcilse, Tirolienne usw. Warum nicht gut deutsch: Walzer, Tiroler'? Die Genossenschaft deut­scher Tanzlehrer ist eifrig bemüht, jedes Fremdwort möglichst zu vermeiden; diese Anregung verdient durchaus Nachahmung. Viele fremde Ausdrücke las­sen sich sehr leicht übersetzen, ;. B. Reverenz =, Ver­beugung, chaine de dames — Damenkette, demi ronde ä gauche — halber Kreis links usw. Für pas de quatre schlägt die genannte Gesellschaft den Namen „Schnittertanz" vor, für Eotillon „Gaben- tanz", für Polonaise „Aufzug". Die Abteilungen der Quadrille (Reigen) heißen einfach: Gruppen, wo­zu dann noch eine Ordnungszahl tritt. Contrc soll künftig Gegentanz heißen. Möchte man sich doch auch beim Vergnügen des Tanzes als Deutscher fühlen und jedes Fremdwort vermeiden. „Gebildeter" er­scheint man dadurch doch wahrlich nicht' Auch die „modernen" Tänze mit ihren fremden Namen könn­ten ruhig eine deutsche Bezeichnung erhalten! as- i — Die Kunst richtig zu essen. Die Kunst, richtig zu essen, ist eine Grundbedingung der Gesundheit. Mancher leidet an Magen- und Darmkatarrh und anderen langwierigen Verdauungsstörungen, weil er das Essen als Nebensache behandelt. Es ist daher wichtig, die wichtigsten Gesundheitsregeln in bezug aus das zu kennen. Merke dir: 1. Gönne dir

zum Essen Zeit. Ist gelegentlich die Zeit für eine Mahlzeit zu kurz bemessen, wie z. B. auf der Eisenbahnfahrt, dann laste hebet die Mahlzeit ganz weg, oder nimm nur flüssige Kost, ein Glas Milch usw. Z« schnelles Essen ist ein weitverbreitetes liebet Speisen werden halb- ober gar ungekaut verschluckt, di- Tolaen find Störungen des Maaens

O Tas Krankenautomobil ist gestern hier e i n - getroffen. Damit ist einem schon lange em- sinndenen Bedürfnis entsprochen. Besonders für die auswärtigen Kranken, die ins Landkrankenhaus ge­bracht werden müssen, bedeutet es eine große Wohl­tat, daß für diesen Zweck jetzt ein mit allem Komfort ausgestattetes Krankenauto zur Verfügung stehl. Um dies ermessen zu können, muß man gesehen haben, wie oft Schwerkranke mit schmerzhaften Leiden bei Wind und Wetter auf offenen, oft ungefederten Wagen aus weiter Entfernung transportiert werden. Um diesem Mißstand, der jeder Humanität Hohn prach, abzuhelfen, hatte schon lange der Landkranken- iausdirektor, Herr Dr. Gunkel, sich um die Beschaf­fung eines Krankenautos bemüht. Durch das Ent­gegenkommen des Kreises Fulda, welcher 6000 Mark und des Kreises Hünfeld, welcher 1500 Mk. bewilligte, wurde der Grundstock gelegt zur Verwirklichung des Planes, der aber vielleicht doch noch gescheitert wäre, wenn nicht edle Menschenfreunde noch große Geldbei­träge zu dem humanen Zwecke aestistet hätteii. Regie­rungsrat von Waldthausen in Gersfeld, Freiherr von Kleidorf in Werda, Freifrau von Stumm in Ram- holz stifteten noch je 2000 Mk. — Es gebührt ihnen der wärmste Tank für dieses humane Werk, durch welches nicht nur Schmerzen und Qualen gelindert werden, sondern ost auch die sonst unausführbare, aber notwendige Krankenüberführung überhaupt erst ermöglicht wird. Denn jetzt, wo ein Krankenauto zur Verfügung steht, gibt es keinen Kranken mehr, der nicht transportfähig wäre. Denn das Krankenauto bewirkt den Transport in so schonender Weise, daß eine Verschlimmerung einer Krankheit hierdurch nicht zu befürchten ist, da das Auto, das von den im Bau von Krankenwagen besonders erfahrenen Adler- werken in Frankfurt a. M. geliefert ist, eine be­sonders gute Federung besitzt. Im Innern befindet sich eine auf besonders konstruierten Federn ruhende Trage, ans welcher der Patient so ruhig liegt, daß er Stöße auf «nebener Straße nicht einpfindet. Durch die Schwere des auf Luftreifen fahrenden Automobils ist an sich schon ein ruhiger Gang bedingt. Das In­nere des Wagens ist so geräumig, daß ein Bett mit Patient hineingestellt werden kann. Wichtig ist, daß im Auto eine regulierbare Zentralhei­zung und elektrische Jnnenbeleuchtung vorhanden ist. Außer der Traabahre befinden sich auch noch zwei Sessel im Wagen für begleitende Personen oder für nicht bettlägerige Kranke. Das Automobil ist so eingerichtet, daß z.'B. bei Massenunglück gleich­zeitig drei Kranke liegend transportiert werden können. In seinem Aenßeren unterscheidet sich der Wagen nicht von einem herrschaftlichen eleganten Reiseautomobil. Tenn, um den Kranken und feine Angehörigen vor der peinlichen Neugierde von Pas­santen zu schützen, ist Wert darauf gelegt worden, daß das Automobil in seinem Aenßeren nicht a l s K r a t! k c n w a g e n in Erscheinung tritt. Bei Herausnahme der Tragbahre und Einfügen eines bequemen Fondsitzes unterscheidet sich auch das In­nere nicht von einem anderen Personenauto, sodaß es in dieser Form zum Transport von nichtbettläge­rigen Patienten und Rekonvaleseenten besonders ge­eignet ist. Es ist selbstverständlich, daß der Jnnen- räunt so gebalten ist, daß er sicher und leicht jeder­zeit d e s i n f z i e r t werden kann. Den Betrieb des Krankenautomobils, welches in der Garage des Land- krankenhauses unterqebracht ist, hat in verständnis­voller und dankenswerter Weise die hiesige Sanr- t ä t s k o l o n n e übernommen. Die offizielle In­betriebsetzung kann erst in einigen Tagen erfolgen; inzwischen steht das Auto im Landkrankenhaus für Interessenten zur Besichtigung bereit.

-o- Ein Krikgsspiel veranstaltete gestern der kath. Jünglingsverein der Dompfarrei. Des Mittags gegen 2 Uhr zogen gegen 150 Jünglinge, ooran bie Musikkapelle und bas Tambourkorps, aus zum Kampfe. Diesem lag folgenbe Idee zugrunde: Eine rote Truppe war im Anmarsch von Gersfeld und war bei Margretenhaun zur Ruhe übergegangen. Blaue Truppen waren bei Hersfeld und westlich ge­meldet. Um 3 Uhr erhielt „Rot" die Nachricht über den Anmarsch blauer Truppen auf bet Walbstraße von Michelsrombach nach Fulda. Die Vorlruppen von „Blau" waren bereits in Dietershau und Kämmerzell. Der rote Unterführer in Station Götzenhof erhielt nun den Auftrag, den Vormarsch von „Blau" so lange auszuhallen bis die ruhenden Truppen gefechtsbereit waren. Das Spiel endete gegen 5 Ubr mit dem Siege der blauen Truppen. Nach dem Kampfe war Biwak bei Götzenhof, wo man sich nach hartem Kampfe an Würstchen und Kaffee erfrischte. Eine Menge Schaulustiger hatte

und des Darmes. 2. Kaue die Speisen gut. Das hat einen doppelten Zweck: die Speisen werden ver­kleinert und reichlich mit Speichel vermischt; dadurch wird die Verdauung befördert, und eine gute Verdauung ist für das Wohlbesinden von größter Wichtigkeit. 3. Denke beim Essen nicht an deine Arbeit. Das Essen bildet jetzt die Haupt­arbeit Und verdient volle Aufmerksamkeit. Ange­nehme Gesellschaft, heitere Gespräche, Witz und Anekdoten sollen die Zwischenpausen würzen. Es ist ja eine allgemein bekannte Tatsache, von welch großem Einfluß die Gehirntälig- keit auf das Verbauungsgeschäft ist; großer Kummer raubt den Appetit und kann auch direkte Verdauungs­störungen Hervorrufen. 4. Ruhe dich vor und nach dem Essen ein wenig ans. Im Zustande der Heber» mübung oder gar Erschöpfung verschwindet in der Regel der Appetit und die Verdauung wird eine träge.

'— Der Preis der Zigarrenkisten. Zigarren werden je nach ihrer Qualität in ganz reizenden Kistchen ver­packt. Es gibt vielerlei Formate, die sich bei gesch ckler Verarbeitung und Verkleidung zu allerlei praktischen Zwecken benutzen lassen. Die Jungens zerteilen auch vielfach die Kistchen und verwenden die einzelnen Brettchen zu Laubsägearbeiten. In den Läden be­kommt man leere Zigarrenkisten für 5 — 10 Pfg. zu kaufen, aber ihr Wert ist, was wenige wissen, doch beträchtlich höher; denn die Selbstkosten eines kleinen Kistchens nebst Etikett usw. betragen 17—42 Pfennig. Früher verwendete man nur amerikanisches Zedern­holz, jetzt auch in großen Mengen Eschen- ober Pappel­holz, das wie Zedernholz gefärbt und gemasert, oft auch mit echter Zeder fourniert wird. Die Brettchen werden nicht aus bloßen Blöcken gesägt, sondern ganz wie Fourniere mit Messern abgeschnitten, so daß keinerlei Abfall entsteht. Alles besorgt die Maschine, selbst das Zusammennageln, das Bekleben usw. Zwei zusammengehörige Maschinen liefern täglich bis 10000 Kistchen. In den Vereinigten Staaten werden lährlich für 21/e Millionen Mark Zigarrenkistchen fabriziert, in der ganzen Welt jür etwa 7—8 Mill Mark. Bei jeder besseren Zigarre muß man pro Stück ’/s—*5 Pfg. für die „Ausstattung" mit bezahlen, vs.

sich dort eingesunden. Gegen 7 Uhr zogen dir jungen Vaterlandsverteidiger unter Fackelschein nach Hause.

!! Ein deutsches Reichspatent Nr. 266029 ist dem Ingenieur Ferdinand Schneider hierselbst auf eine „Empfangsvorrichtung für elektrische Wellen" erteilt worden.

L- Erntearbeiten wurden am gestrigen Sonntag mittag vielfach auf den Feldern unserer Umgebung ausgeführt. Man bangte um eine glückliche Heim- bringung der noch vielfach ungeborgenen Frucht, da der Himmel sich bedenklich umwölkte und ferner Donner hörbar war. Tatsächlich hat es in der Gegend östlich von Petersberg stark geregnet, wäh­rend hier kein Tropfen zur Erde fiel. Äußer dem Hafer harrt noch viel Grummet der Einbringung in die Scheunen. Hoffentlich beschleunigen einige schöne Tage die Arbeit, denn die Kartoffelernte steht auch schon von der Türe.

(!) Herbstesansang. Schneller, als gedacht, ist nun am 23. September auch der astronomische Herbst herbeigekommen und hält seinen offiziellen Einzug. Morgen, ben 23. September, nachmittags 5 Uhr, tritt nämlich die Sonne in bas Zeichen bet Wage. Sie gelangt roieber zum Aequalor unb macht zum zweitenniale im Jahre Tag unb Nacht einander gleich. Die Natur freilich hat biefe astronomische Eröffnung der Herbstsaison nicht abzewartet. Sie sieht schon längere Zeit mehr herbstlich als sommerlich aus, sie richtet sich diesmal wahrscheinlich nach dem meteoro­logischen Herbst, der schon am 1. September be­ginnt unb die drei Monate September, Oktober unb November umfaßt, wenigstens in Mitteleuropa.

4; Bilderschmuck im Eisenbahnabteil ist nunmehr zuerit in den durchgehenden Zügen, die von dem Anhalter Bahnhof in Berlin ahgehen, angebracht worben. (Tie von Berlin über Fu Iba fahrenden V-Züge gehen sämtlich vom Anhalter Bahnhof ab.) Tie ersten Bilder stellen unter anderem dar bas Kriegsschiff „Brannschweig" unb ferner Ansichten ver­schiedener Städte, wie Kassel, Düsseldorf, Heidelberg, Leipzig, Mannheim und Stettin.

? ^Wieder ein Opfer der Fremdenlegion.* Unter buserSpitzmarle geht die Na'' ' t burch die Zeitungen, daß der 19jährige Sohn des Marschalls der Land- gräfin von Hessen, des Kammerherrn v. Bothmer, verschwunden sei. Er soll auf der Durchreise von Hamburg nach Würzburg ohne Wissen seiner Eltern in einem Frankfurter Hotel abgestiegen unb nach Paris weitergereist sein mit ber Absicht, sich für bie Frembenlegion anwerben zu lassen. Nach Mit­teilungen von allem zuständiger Seite stellt sich die Sache als durchaus harmlos heraus. Der junge Mann war von seinem Vater mit Geldmitteln zu einer Erholungsreise versehen worden unb ist damit nach Paris gefahren. Von dort steht er in regel­mäßiger schristl eher Verbindung mit seinen Ange­hörigen und wird in wenigen Tagen wieder znrückkehren.

-y- Die Folgen einer Bierreise. Am Samstag hatte ein Schneidermeister von hier mal »blau* gemacht. Als Krönung des Tages unternahm er eine Fahrt in ber Autobroschke. Währenb ber Spazierfahrt war nun bem Fahrgast fidjerlicb eingefallen, baß in feiner Börse schon eine große »Ebbe* herrschte. Als er vor einer Wirtschaft in der K . . . straße ben Droschkenführer halte „Halt* machen kaffen, um sich an Gambrinus Gaben abermals zu stärken, benutzte er bie Gelegenheit, sich auf französisch zu empfehlen. Der Chauffeur aber wollte ben Fahrpreis, der schon auf 15 M. angeschwollen war, nicht preisgeben. Mit Hilfe von Polizei unb Zivilpersonen begann eine Razzia nach bem Gaste. Er würbe alsbald gefaßt. Später ließ er sich auch noch zu einer schweren Be­drohung eines Sckmtzmannes hinreißen.

m. Die nächstjährige« Kaisermanöver. Wie be­reits aus einer früheren Meldung zu erfahren war, werden im Gegensatz zu dem kleinen Kaisermouöver dieses Jahres in Schlesien, im September 1914 ganz ungewöhnlich große Hceresmassen an den Kaiser- manöbern beteiligt sein. Auf großenteils oberhessi­schem Gebiet, um den Vogelsberg herum, zwischen Marburg und Fulda, werden — wie die „Mil.-pol.Korr." nach Mitteilungen aus Bundes­ratskreisen berichtet — zwei Armeen gegeneinander kämpfen, bereu eine das VII. (westfälische), das VIII. (rheinische) und das X. (hannöverische), die andere das XL (kurhessifch-thürin gische), das XVIII. (nas- sauisch-großhcrzoglich-hessische) und das II. bayerische Armeekorps ans Unterfranken und der Rheinpfalz umfaßt. An Hceresreiterei will man aus fünf Divi­sionen zwei Kavalleriekorps aufstellen. Als die bei­den Armeeführer sind die General-Inspekteure der Dritten und der Sechsten Armee-Inspektion, Ge­neral-Oberst v. Bülow und Prinz Albrecht von Würt­temberg in Aussicht genommen.

~ Vom 47. Felda etillerie-Negiment. Am Samstag wurden hier die Reierve- unb Lanbwehrleute einge» kleidet, bie beim 47. Artillerie-Regiment eingezogen sind, um an einer kri eg smä ßigen Reserve­übung in Thüringen teilzunehmen. Die Hebungen bestehen in ber Hauptsache in einem kriegs­mäßigen Manöver, Vas am kommenden Donnerstag seinen Anfang nimmt unb im Gelände zwischen Ohr­druf—Elgersburg—Ilmenau—Suhl—Meiningen sich abspielt. Durch die Manöver soll festgestellt werden, ob bie Mannschaften be§ Beurlaubtenstanbes in ber Lage sinb, im Mobilmachungsfalle sofort ben an« ftrenaenben Slnforbetungcn genügen zu können, bie an sie gestellt werden. Am Sonntag nachmittag begann das Verladen ber Geschütze und bergt, unb heule nacht erfolgte die Abfahrt mittels Sonberzuges. — Die Entlassung b er 47 er Reservisten erfolgte heute in ben ersten Morgenstunden.

;: Von der Straße. Am Buttermarkt geriet heute vormittag aus unbekannten Gründen ein unbespann­ter Möbelwagen ins Rollen. Er sauste die abfallende Straße nach dem Schweinemarkt hinab. Man konnte ein Unglück befürchten. Der Wagen kam jedoch in dem Augenblick, da er mit einem Pferdcgespann zu­sammen zu stoßen drohte, glücklicherweise zum Halten.

(!) Sport. Das gestrige Spiel zwischen Borussia- Fnlda und „V. f. B." Marburg, mit dem bie dies­jährige Ligafaison ihren Anfang nahm, brachte der Fuldaer Mannfchaft einen glänzenden Sieg mit 3 : 0. — Das am Samstag mittag ausgetra­gene Spiel zwischen der a k a d c m i s ch e n Mann­schaft und dem Ghnrnasialturnverein endete unentschieden mit 4 : 4.

Ans dem Uachbargelneie.

Lauterbach, 21. Sept. 191.3. In der letzten Gcmeinderatssitzuug wurde die Frage wegen Beschaf­fung geeigneter Räume für ein neu eiuznrich - t e ii d e s Orts nt u s e u in zur Besprechung gestellt. Sie wird, wie der Vorsitzende bemerkt, immer drin­gender, weil viele Gegenstände da sind, welche der Erhaltung wert und mangels geeigneter Unterkunfts­

räume gefährdet sind. Dazu komme noch, daß di Stadt in Herrn Oberlehrer Como, der tote ver­lautet, nicht mehr lange ortsansässig bleiben werde, jetzt noch die geeignete Kraft besitzt, das Muftum zweckentsprechend einzurichten. Jetzt habe man Hoff­nung, das Freihr. Riedeselsche Archivgebaude zu dem Zweck mieten zu können. Leider kann das Archiv nicht sofort freigegebcn werden, da dem jetzigen Mieter gestattet worden ist, bis zur Erbauung eines neuen Wohnhauses- zu bleiben. Doch wird die Frage tn nicht allzu ferner Zeit zur Lösung kommen.

* Wächtersbach, 21. Sept. 1913. Gestern früh brach im Viehstall des Fürstlichen Hofgutes Feuer aus. Der obere Stock des ziemlich großen Statt» gebäudes brannte total nieder. Den Feuermehren von Wächtersbach, Hesseldorf unb der Schlierbacher Arbeiterschaft gelang es, das Feuer zu lokalisieren.

* Pom Eichsfelde, 21. Sept. 1913. Der Schaf- meister Wilhelm Reinharbt in Beberstebt wurde vor einigen Tagen von einer Fliege gestochen. Bald darauf stellten sich Schmerzen em unb Hals und Gesicht schwollen stark an. Trotz ärztlicher Httse rft der SJlann gestorben.

;; Aschaffenburg, 21. Sept. 1913. Interest saute Streiflichter warf eine Schoffenge, richtsverhandlung, in der hier ein Ochsenmetzger voi der Anklage des'Diebstahls freigesprochen wurde, auf das Verhalten der Sn Emittenten bet bet Verdingungdes halbjährlichen O ch s ' n- fleischb'edarfes des 2. Jägerbataillons. Wah­rend früher die Innung nicht um die Lieferung eingab, sondern die Ochsenmetzger sich insgeheim einigten, einen von ihnen konkurrenzlos fubmtttteren zu lassen, der alsdann die anderen als stille Teilhaber und Unterlieferanten annehmen mußte, war bei der letzten Submission im Juni d. Js. die Sache etwas anders. Diesmal gab die M e tz e r i n n u n g selbst um die Fleischlieferung ein, nachdem sie inzwischen eine Bestimmung in ihre Satzung aufgenommen hatte, wonach kein Mitglied der Innung in Konkurrenz mit ihr fubmittieren darf bei einer Strafe von 200 Mark in jedem Uebertretungsfalle. Die beiden seit­herigen Hauptlieferanten konnte diese Strafe Nicht abschrecken. Der eine bewarb sich neben der Innung nm die Lieferung. Als der andere davon hörte, erbot er sich zur lieb er nähme de r Half te des Strafgeldes, wenn er auch tue Halste des an bas Bataillon zu liefernden Quantums Ochsenfleisch stellen dürfe. Und damit er nicht auch mit 200 Mk. ge­straft werde, solle der erstere ihm das Fleisch abkaufen, odaß er scheinbar nicht beteiligt sei. Wie man sieht, fällt es den Metzgern nicht schwer, dre Submissions- bedingunaen zu umgehen, und was ihnen die Haupt­sache sein muß, sie finden ihre Rechnung habet.

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 21. Sept. 1913. Der Bau des Bahnt meisterei-Gebäudes auf hiesigem Bahnhof, der durch den Maurermeister Hahn-Buttlar ausge- führt wurde, geht seiner Vollendung entgegen. Nach vollständiger Fertigstellung des erwähnten Gebäudes wird die Bahnmeisterei Vacha II nach hier verlegt. — Die Schneider-Zwangsinnnung Vacha hält am Sonntag den 28. September tm Gasthof zur Linde hier eine ordentliche Versammlung ab.

* Buttlar bei Geisa, 21. Sept. 1913. Die Ge­werkschaft „Buttlar", deren Betrieb feit Ende vort- gen Monats vollständig ruhte, wird voraussichtlich mit 1. November den Betrieb wieder im vollem Umfange aufnehmen, nachdem sich außer dem weimarischen Fiskus ein größeres Werk finan­ziell an der Gewerkschaft beteiligt.

* Stadtlengsfeld, 21. Sept. 1913. Die Porzellan» fährst beabsichtigt, zwischen ihrer Fabrik und dem Eiscnbahndamm am rechten Feldaufer einen Hoch­wasserdamm herzustellen.

* Leimbach, 21. Sept. 1913. Die zur Verlän­gerung des Ausziehgleises aus Bahnhof Leimbach - Kaiseroda erforderlichen Erd-, Fels-, Böschungs- und Oberbauarbeiten sind ausge­schrieben worden. - . /

Aus Oberhessen u. den Hess. Aemtern.

△ Marburg, 21. Sept. 1913. Die Marburger Fleischerinnung hat jetzt in einer längeren Er­klärung gegen die Behauptung des bekannten Mar­burger Hy zienikers, Professor Dr. Bonhoff, daß in zahlreichen a.is hiesigen Metzgereien entnommenen Wurstproben teilweise starker Zusatz von Pferdefleisch gewesen sei, Stellung genommen.' So wird u. a. darauf hingewiesen, daß dem gegen den Gelehrten gestellten Strafantrag wegen Be­leidigung nicht stattgegeben worden sei, weil dieser als Direktor des hygienischen Universitätsinstituts zur Bekämpfung und Aufdeckung von Nahrungsmittel» fälschungen berufen und in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe. Ebenso sei auch das wegen Nahrungsmittelfälschung gegen einige hiesige Metzgermeister eingeleitete Strafverfahren mangels genügender Anhaltspunkte eingestellt. Ferner heißt es, daß die Untersuchungen der junge Medizinal­praktikant Heinrich Schäfer gemacht hätte (letzterer benutzte dieses Material für eine Arbeit, die ihm den vr.» Titel einbrachte.) Die Wurstproben habe ein nachträglich wegen schwerer Betrügereien bestrafter Diener herbeigeschafft, dessen Person keine Gewähr dafür biete, daß die Proben wirklich aus hiesigen Metzgereien stammten. Bei den von der Nahrungs­mittelpolizei häufig vorgenommenen Untersuchungen sei noch niemals die Verwendung von Pferdefleisch festgestellt worden, während Schäfer unter 43 unter­suchten Wurstproben 14, also fast ein Drittel, Fäl­schungen festgestellt haben wolle.

* Kirchhain, 21. Sept. 1913. Beim Dreschen mit der Dreschmaschine kam es zwischen dem Arbeiter M. und einer Mitarbeiterin T. zu einer wüsten Schlägerei. Der M. hat die Frau zur Erde geworfen und schwer mißhandelt. Die Frau, die schwer verletzt rourbe,: mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben.

# Ziegenhain, 21. Sept. 1913. Für die durch Versetzung des wissenschaftlichen Lehrers Herrn Tentscher nach Witzenhaufen am 1. Oktober frei werdende Stelle an der höheren Schule ist von der Schuldeputation Herr Hahn aus Neukirchen ein­stimmig gewählt worden. — Bahnhofsvorsteher Quiering dahier ist zum 1. Oktober nach Weißenborn und Herr Dithmar von dort hierher versetzt worden.

* Amöneburg, 21. Sept. 1913. In einer Nacht der vergangenen Woche wurde hier ein frecher Eiu- bruch-Dieb stahl verübt. Der Dieb gelangte durch Ausklemmen der Hoftür in das Haus des Landwirts Kaspar Cimiotti I. hier, wo -r aus der Schlafstube des Hauswirts eine silberne Taschenuhr mitnahm.

! Naumburg, 20. Sept. 1913. Gegen :*sl Uhr ir. voriger Nacht rief die Alarmglocke die Bewohner Naumburas aus friedlichem Schlaf?. En ydsevcS