Zuldaer Zeitun
...... — . - - .. - •• - flnulgen: Der Raum eln.rtinfooltlgen Cotondielk, 47«°.
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Zuldaer Sefchichtsblätter
Illustrierte Sonntagszeifung
:: Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Klaffen-Lotterie. — halbjährlich Taschenfahrplan. ::
40. Zahrgang.
Montag den 22. September 1913
Crstes Blatt
fit. 219
erscheint täglich mtt Ausnahme der Sonn- und Zeiertage. vierlel- iährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda sowie auswärts 1.50 Mark. - - Rotationsdruck und Verlag der Ä - zuldaer kictiendruckerel in Zulda. Fernsprecher Nr. 9. s s
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:: Nach der toten Woche.
Die Redeschlacht ist vorüber. Die Genossen kehren heim, nachdem sie genügend leeres Stroh gedroschen fcaben. Jetzt geht die bürgerliche Presse daran, das .Ergebnis" der roten Woche kritisch zu betrachten. Die Rotblockpresse bemüht sich, ihren Lesern vorzu- spiegeln, daß die .revisionistische" Richtung und die „gemäßigte Taktik" in Jena vollständig und end. ailtia gesiegt, die Sozialdemokratie sich zu emer Re- sormvartei durchgemausert habe und wirklich bündms- fähig geworden sei. Diese Darstellung ist fatsch.
Zunächst muß mau sich vor einer Ueberschätz- Ung der Reden und Beschlüsse des roten Parteitages hüten. Es hat ja Parteitage gegeben, auf denen der sog Revisionismus in Grund und Boden verdammt wurde. Und nach dieser Hinrichtung auf dem Partei- schasfot lebten und gedieheri die sog. Revisionisten munter weiter. Was früher unten lag, kam wieder oben auf. Warum sollte das, was heute als „besiegt erscheint, nicht auch wieder die Oberhand gewinnen? die Erfahrung lehrt, daß es nicht der Parteitag ist, der die Entwicklung der Sozialdemokratie bestimmt. Auf dem PaÄeitag wird nur registriert, welche Taktik sich augenblicklich aus der Logik der Tatsachen ergibt.
Tie Mehrheit des Parteitages hat die Haltung der Reichstagsfraktion gegenüber den Deckungsvorlagen gebilligt. Ja, war denn das nicht selbstverständlich? Wenn eine Fraktion von 110 Abgeordneten sich über ihre Steuerpolitik schlüssig geworden ist und dementsprechend vollendete Tatsachen geschaffen hat, woher sollte dann die Mehrheit von Delegierten kommen, welche dieses Ereignis umzubla- fen versuchen sollten?
Der althergebrachte Kreidestrich, den man zwischen Revisionismus und Radikalen zu ziehen pflegte, ist schon längst verwischt. Für ein aktives Eingreifen in die Steuerpolitik waren nicht etwa die Revisionisten allein, sondern auch anerkannte „radikale" und strenggläubige Marxisten. Sogar Bebel, der früher die Radikalen führte, hatte sich der neuen Taktik zugewendet, aus dem einfachen Grunde, weil er sie als vorteilhaft für „seine" Partei erkannte. Aber nicht etwa aus Liebe oder Mitleid gegenüber der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung. Deren erklärter Todfeind war und blieb er bis ans Ende.
Damit im Einklang steht die Erscheinung, daß einzelne sog. Revisionisten, z. B. sogar der badische Großblockpolitiker Frank, für die Idee des Massenstreiks mehr Begeisterung zeigte, als gewisse Radikale, die vor 11 Überstürzung warnten. Von den beiden Massenstreik-Resvlutionen wurde diejenige angenommen, die am diplomatisch st en gefaßt war. Auch sie verwirft durchaus nicht diese „Kraftprobe auf der Straße", sondern sie will nur den richtigen Zeitpunkt abgewartet wissen. Man erklärt sich nicht gegen die Revolution, aber man will warten und Vorsorgen, bis die Revolution Erfolg verspricht.
Tie Sozialdemokratie ist nicht besser geworden, aber vorsichtiger. Ist sie deshalb weniger verwerflich und gefährlich? Oder macht nicht die schlaue Taktik sie noch gefährlicher?
An ihren verwerflichen Zielen hat sie nichts geändert, nur die Methode, die Taktik wird raffinierter. In voller Kraft wird das alte Bestreben fortgesetzt, die Massen mit Haß und Verachtung gegen Altar und Thron zu erfüllen, den Gottesglauben und die Vaterlandsliebe aus den Herzen herauszutreiben, das Volk unzufrieden und aufsässig zu machen gegen die bestehende moralische, politische und soziale Ordnung trt der Welt, den U m st u r z v o r- zübereilen. Wer ist mehr zu fürchten: Der blinde Eiferer, der einen aussichtslosen Putsch improvisiert oder der zielbewutzte Organisator, der in zäher Arbeit die Grundlagen dec Ordnung untergräbt und sorgsam eine Dhnamitpotrone zu der anderen legt,
£>er Brandstifter.
20] Eine Bauerngeschichte aus dem Taunus von Fritz Ritzel.
„Awer Klärche", begann hier Frau Kayser, wie vft soll ich dir dann sage, daß wir, die Eltern, doch nit ewig lewe! Uff aamol stehst du mutterseeleallaans uff der Welt un host kaan Mensch un kaa Seel, wo sich um dich kümmert — niemand, wo's Merklich gut mit dir maant, der sich for dich sorgt und für den du dich sorgst! Du bist do jo grab als wie e abgerisse Blatt von eme Baam, mit dem der Wind sei Spiel treibt! Glaab mir's Kind — des Härteste, was es uff der Welt gibt, des allaans zu sein! Un dann -— betracht doch aach emol die Geschicht von erer an« nere Seit! Wie willst du dann, wenn wir emol nit mehr sinn, zurechtkomme? Als einschichtig Weibsbild uff unferm große Hof? Des gibt's jo gar nit — des bringst du jo mit dem beste Wille gar nit zu Weg! Jetzt biet sich dir Widder emol die schönst Gelegenheit, dich for bet ganz Lewe zu versorge — Gott waaß, ob sie sich noch emol biet! Ueberleg dir's, Klärche. — ich man's gut mit dir un der Vatter hot aach nix de- gege, wie du gehört host!"
„Muß dann überhaupt geheirat sein?" erwiderte das Mädchen in schmollendem Tone, indem es sich an Veit Vater wendete. „Kann mer dann nit lewe, ohne daß en Annerer aant uff Schritt un Tritt zur Seit ge.;t, jeden Blick und :eb Wort belurt —"
,Ja awer Kind", beschwichtigte der Bauer, „so lang die Welt steht, is des doch immer so gewese! „Es Vt nicht gut, daß der Mensch allein sei"; — des steht schon in der Bibel! Die Mutter Hot recht — überlkg dir's! Du host jo dein freie Wille — unser Herrgott soll mich defor bewahre, daß ich dich zu etwas überrede, was dich später vielleicht reue tat!"
Eine Pause entstand. Klärchen war an das Fenster getreten ■ und sah stumm hinaus, während die Mutter sich kopfschüttelnd an der Kommode zu schaffen machte und der Vater mit auf den Rücken geleg- •ten Händen m der Stube langsam auf und ab ging.
bis er die Kräfte zu einer vernichtenden Explosion gesammelt zu haben glaubt?
Die jeweilige T a k t i k ist Nebensache; das Endziel bestimmt den Charakter der Partei. Sie ist und bleibt die internationale und revolutionäre, zugleich a t h e i st i s ch e Partei, und wer mit ihr in Groß- oder Rotblockgemeinschaft tritt, der macht sich mitschuldig an der Verführung des Volkes und der Untergrabung der Ordnung.
je? Für das „Kartell der schaffenven Stände"
wird jetzt Fürst B , s m a l ck als Eideshelfer angeru- feit, und zwar mit Recht. Die „Hessische ^andes- zeitung" erinnert an eine Ansprache, die Fürst Bismarck im Jahre 1893 zil Friedrichsruh an die Sekretäre der Handels- und Gewerbekammern hielt.
Tie Trennung dieser Erwerbszweige erklärte er für fehlerhaft. Er führte aus, daß Handel und Produktion unmittelbar zusammengehoren, daß beide sich schädigen, wenn sie sich trennen. Dann fügte er noch besonders hinzu: „8 a n b to t r t s ch a f t unb Inbustrie gehören zusammen und dürfen sich nicht entgegenarbeiten in der Gesetzgebung."
In diesen Worten liegt ein vorgreifendes Ver- bammuitgsurteil über den Hansabund; denn dessen Hauptzweck war und ist die Bekamp f u n 9 der Landwirtschast, die Aufhetzung der städtischen Erwerbsstände gegen die sog. Agrarier.
Ferner wird erinnert an einen Artikel der „Hamb. Nachrichten" von 1897, der vom Fürsten Bismarck veranlaßt war. Dort wird ausgeführt, es hege tm Interesse aller Produzenten, mögen sie Getreide, Webstoffe oder Metalle erzeugen, daß sie sich vereinigen, um den gebührenden Einfluß auf die Gesetzgebung zu erlangen. Es wird dann untersucht, warum es an diesem Einfluß noch mangele, und u. a. verwiesen auf die „Fraktionsinteressen , die alles andere seien, nur nicht der Ausdruck der Bedürfnisse des praktischen Lebens.
Wichtiger noch, als diese Worte des Bismarck von Friedrichsruh, erscheinen uns die Taten des Bismarck von Berlin. Als Reichskanzler hat er m den Jahren 1878 und 1879 eine wirkliche Sammlungspolitik getrieben, um für ferne große Wirtschafts- unb Steuerreform bie nötige Unterstützung zu finben. Unb wenn er später ben Verzicht auf „Fraktionsinteressen" predigt, so hat er dazu eme gewisse Berechtigung, da er im Jahre 1879 selbst em gewisses Opfer an parteipolitischen und persönlichen Tendenzen gebracht hatte. Mitten in der Kultur- kanipfszeit räumte er dem Zentrum, das bis dahin wie ein Aschenbrödel in die Ecke gedruckt war, die ausschlaggebende Stellung bei der wirtschaftspolitischen Gesetzgebung ein.
Nicht etwa aus plötzlich erwachender Liebe: es war nämlich kaum 'in Jahr vergangen, ba erhob er von neuem den Kampsruf gegen das Zentrum, well der „unerschütterliche Turm" seinen weiteren Planen im Wege stand. Aber als es 1879 galt, alles zu sammeln was Sinn und Eifer für die Bedürfnisse des praktischen Erwerbslebens hatte, da suchte und sand er auch die Einigung mit den Zentrumsleuteu. Windthorst und Franckenstein waren weise und geschickt genug, um bei der kühnen Politik, zu der sie das Zentrum führten, den Bestand der Partei und die Kraft der Fraktion zu wahren. Aber es war und bleibt doch das große Verdienst dieser Führer und de?- ganzen Zentrums, daß sie die Notwendigkeit der Sammlung zum Schutze der schaffenden Arbeit rechtzeitig erkannt und gewissenhaft demgemäß gehandelt haben, — was unter den furchtbaren Heimsuchungen des gewalttätigen Kulturkampfes nicht so leicht war.
Das Zentrum darf sich rühmen, auch weiterhin die wirtschaftspolitischen Angelegenheiten mit ge-
Jn der Seele des Mädchens regten sich die verschiedenartigsten Empfindungen. Die herbe Enttäuschung, welche sie gestern im Rother'schen Hause erfahren hatte, ließen ihr die während der letzten Jahre von sonnigen Träumen umwobene Zukunft urplötzlich schal und leer erscheinen. Ihre ganze Gedankenwelt hatte sich um ihn gedreht, der sie einst geküßt und ihr Treue versprochen hatte und für ganz ausgeschlossen hatte sie.es gehalten, daß der mit allen Fasern ihres Seins geliebte Ernst Rother ihr minder zugetan sei, tote sie ihm, daß er jemals sein gegebenes Wort bereuen könne. So nichtig erscheinen ihr seine Gründe, mit toeichen er das zwischen ihnen vor zwei Jahren geflochtene Band gelöst hatte; war sie denn in den zwei Jahren seiner Abwesenheit weniger begehrenswert geworden — überbrückte wahrhafte Siebe nicht jeden Unterschied des Standes? Gott sei dank, daß sie wenigstens die Kraft besessen hatte, dem Wortbrüchigen nicht zu zeigen, wie schwer sie seine unumwundene Erklärung getroffen--er sollte nicht
ahnen, was sie um ihn litt, sollte zur Ueberzeugung kommen, daß sie gerade so oberflächlich dachte wie er selbst! Wie Genugtuung überkam cs sie, daß sie jetzt von einem Anderen begehrt werde —■ — schlagender konnte sie dem Ungetreuen nicht beweisen, daß er ihr gleichgültig fei, als wenn sie dem Anderen Gehör schenkte. Wenn dann doch einmal geheiratet werden mußte, wie die Eltern meinten, dann toar es ihr auch gleichgültig, ob sie bent Mann, dem sie sich zu eigen gab, Herzensneigung entgegentrug ober nicht! Und dieser Gedankenfolge Worte gebend, wandte sich das Mädchen um und sagte:
„Ich kann mir denke, wer der Barsch is un wenn ihr maant, daß ich doch emol heirate sollt, dann hab ich am End n!r: degege, wenn —"
„Gut Kind, des is emol e vernünftig Wort!" unterbrach sie die Mutter frenbig. „Ob der Barsch for dich paßt? Do macht ich bie Haub defor in's Feier lehe — kaan besserer, treuerer Mensch gibt's im ganze Umkreis un so gern hat er dich, so gern! Frag ihm nur nooch in Krecherod bei wem du willst un du Werst von jedem höre, daß der Jakob e Seel von eme Mensch is! Der leat dir die Händ unner die Füß,
wifsenhafter Sachlichkeit behandelt zu haben. In den schweren Tarifkämpfen von 1902 hat es durch die Vermittlung nach rechts hin und durch die zähe Abwehr der Obstruktion der Linken so große Verdienste erworben, daß auch die erbittertsten Gegner nicht mehr von unzulässigen „Fraktionsinteressen" zu reden wagen.
Was nun die R echte und insbesondere den BundderLandwirte angeht, so muß jeder unbefangene Beobachter zugestehen, daß man bei den jüngsten Auseinandersetzungen über das „Kartell der schaffenden Arbeit" auch von dieser Seite dem Sammlungsgedanken weit entgegengekommen ist. Der Zentralverband der d e u t s ch e n I nd u st r i e l- l e n glaubt ausdrücklich hervorheben zu müssen, daß er nicht für die Erhöhung der Agrarzölle und nicht für den lückenlosen Zolltarif zu haben sei. Mit welcher Gelassenheit und Verständniswilligkeit hat die Presse des Bundes der Landwirte diese Erklärung ausgenommen. Man versteift sich nicht auf die Einzelheiten der eigenen Programme unb Wünsche, sondern sagt einfach: Wer mitwirken will zur Erhaltung unserer bewährten Schutzzollpolitik, der ist als Ar- bpits und Kampfgenosse willkommen; über die einzelnen Positionen werdest wir uns schon verständigen!
Wir hoffen, daß die nationalliberale Partei sich auf denselben Standpunkt stellt, und daß insbesondere ihr linker Flügel sich durch parteipolitische Stimmimgen und vermeintliche Fraktionsinteressen nicht abhalten läßt von der sachlichen Gemeinschaftsarbeit zum Wohle der schaffenden Stände. Es ist genug, wenn die Fortschrittler sich von der Umsturzpartei ausnützen lassen,
** Essen (Ruhr), 21. Sept. 1913. Heute ist in Gegenwart des Landwirtschaftsministers Frhrn. v. S chor lern er-Lieser die 80. Provinzial»Ausstellung des Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen eröffnet worden. In der Eröffnungsrede führte der Minister unter anderem aus:
„Anläßlich der Tagung in der ehemaligen Acker- und jetzigen Industriestadt Essen wurde in der Einladung des Landwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreusten der Wunsch ausgedrückt, daß diese Tagung dem gegenseitigen Verstehen der beiden hervorragenden Erwerbs stände Deutschlands sörderlich sein und zu der gegenwärtigen Würdigung ihrer hohen wirtschaftlichen und nationalen Bedeutung beitragen möge. Namens der preußischen landwirtschaftlichen Verwaltung kann ich versichern, daß dieser Wunsch auch der unsrige ist. Ich würde es tief bedauern, und es als einen unoera1 twortlichen, nicht wieder gutzumachenden politischen Fehler anjeben, wenn in der gegenwärtigen Zeit, in der die Erhaltung von Eigentum und Besitz, die staatlicke Autorität ebenso wie die des Hausherrn und des Arbeitgebers in Handwerk, Industrie und Landwirtschaft in Frage gestellt wird, örtliche Reibungen und der gewiß berechtigte Widerstreit von Einzelinteressen die Landwirtschaft, die Industrie und das Handwerk verleiten könnten, ihre großen gemeinschaftlichen Ziele im wirtschaftspolitischen Kampfe außer Acht zu lassen und sich in dem Augenblick zu trennen, wo nur ein geschlossenes Zu- sammengehen gegen den gemeinschaftlichen Feind ihre Existenz und auch die unseres Vaterlandes für die Zukunst sichern kann."
Deutsches Reich.
** Berlin, 21. Sept. 1913. Von (Kabinett kommend, traf der Kaiser heute vormittag um 10 Uhr im Automobil in Königsberg ein unb begab sich in ben Dom, um bem evangelischen Gottesdienst beizuwohnen. Darauf fuhr er im Automobil nach Schloß P r e y l zu einem Besuch der gräflichen Familie Lehndorff und von dort im Hofzuge nach Ro - m int en. — Die Kronprinzessin ist von ihrer mehrtägigen Vergnügungsfahrt an Bord des Llovddampfers „Kronprinzefsin Cäcilie" am Samstag nach Bremen zurückgekehrt und von dort im Son- derzuge nach Berlin gereist. — Die „Norddeutsche
un denkt an nix weiter, als wie er dir des Lewe kommod mache kann!"
„Gern hab ich ihn nit, Mutter — des muß tch drr grab heraussage!" warf die Tochter ein.
„De Lieb kimmt schon in der Eh', Klärche! Glaab nur nit, daß Ehe, die nur aus Lieb' geschlosst Wern, die glücklichste sinn! Do könnt ich dir mehr tote e Dutzend Beispiele hersage! Im Gegeteil — toenn sich zwaa Leutcher aus Vernunft znsammenfinne, dann gibt's lang nit so viel Stachele un Spitze, an de sie sich steche!"
Fran Kayser warf einen Blick nach ihrem Manne und fuhr dann in einem Atem fort: „Dann hältst du also nix degege, toenn der Jakob de nächste Sonntag kimmt? Erst gestern is er bogetoefe un Hütt dich so gern emol gesehe — du bist atoer bei des Rothers Gustel gewest!"
„No — pressiert's dann so?" warf hier der Vater ein. „Loß doch dem Klärche Zeit, sich die Sach erst emol richtig zu überlege! Mer heirat doch nit so ohne Weiteres druff los, wie mer e Stück Vieh kaaft! Do besinnt mer sich jo länger!"
„Ich müßt nit, Vatter", sagte Klärchen wie in plötzlichem Entschlüsse, „was bc noch lang zu überlege wär? Wenn's bann doch fein soll, — dann in Gottes Namen! Gege des Eicher's Jakob hab ich nix — mit sei'm stille verträgliche Wese is er mir von alle Borsch am End noch am liebste! Un en hübscher Barsch is er ja aach —"
„Mit dem kannst du Staat mache, Klärche!" siel die Mütter eifrig eilt. „Die Kercheroder Mädcher platze vor Neib, toenn sie höre, daß es mir dir un dem Jakob richtig werd!"
„Loßt ihn in Gottes Name komme!" anttoortete bie Tochter mit trübem Lächeln unb wandte sich wieder nach dem Fenster.
„So is es merklich dein Ernst, Klärche, dein heiliger Ernst?" fragte der Vater mahnend. „lleber« legft du aach, daß es sich um bei ganz Lewe handelt?"
„Mei voller Ernst!" erwiderte die Tochter, indem sie sich unttoendete und wie einer plötzlichen Eingebung folgend, dem Vater schluchzend an bie Brust
Allgemeine Zeitung" nimmt zum ersten Male bavon Notiz, baß der Herzog von Cumberland am 21. d. M. einen Geburtstag, und zwar den 63., begeht. — Der Reichskanzler von Bethmann Hollweg konferierte nach seiner Rückkehr in Berlin mit den Staatsekretären der Reichsämter und anderen Staatsmännern und begab sich nach Hohenfinow, von wo aus er die Geschäfte leiten wird. — An Berliner amt«
-ntlicher Stelle wird bestätigt, daß der russische Minister des Aeußern S s a s a n o w auf der Rückreise von Vichy in Berlin kurzen Aufenthalt nehmen und politische Besprechungen haben wird. — Der Prä- Ident des Oberlanbesgerichts Köln Dr. Mork- r a m e r ist im Alter von 67 Jahren gestorben.
* Verzicht des Herzogs von Cumberland auf Hannover 1 Die Wiener Reichspost, der auch Beziehungen zu der Umgebung des Herzogs von Cumberland in Gmunden nachgesagt werden, behauptet in bestimmter Form, daß Prinz Ernst August, der Gatte der Prtnzesftn Viktoria Luise, am 15. d. M. für sich unb seine -liach- folger den Verzicht auf Hannover unterzeichnet habe. Eine Bestätigung dieser Meldung von maßgebender deutscher Seite liegt bisher nicht vor. In einer den .Braunschweiger Neuest. Nachr.' von zuständiger Stelle zugegangenen Information wird aus«, drücklich bestritten, daß ein Verzicht des Prinzen ver- langt wurde. Die Grundlage der Verhandlungen des Bundesrates bilde der Bries des Prinzen vom 20. April d. I. Der Einzug des Prinzen tn Braun- schweig sei für November vorgesehen.
** Tie Novelle zur Abänderung des Besoldungsgesetzes, das den beiden größten Beamtenklassen der Reichspost- und Telegraphen-Verwaltung wesentliche Gehaltserhöhungen bringt, dürfte nach Berliner Blättern weitere Maßnahmen auf dem Ver- waltungswege zur Folge haben, die sich aus den Ausgleich gewisser Unstimmigkeiten beziehen. Diese sind dadurch entstanden, daß ein Teil der vor dem 1. Oktober ds. Is. beförderten Beamten und Unterbeamten infolge der Erhöhung der Bezüge vom 1. Oktober ab unter Umständen schlechter gestellt werden kann, als die Kollegen, die nicht befördert rammen und nun der Aufbesserung teilhastig werden. Auch ist mit einer Aenderung der Diätenordnung durch Erlaß des Reichskanzlers zu regnen, in Der die Tage- gelderbezüge der Postbeamten, die jetzt 2 3 Ocark betragen, entsprechend den Erklärungen vom Regierungstische aus eine Aufbesserung erfahren sollen.
** Die Aufwandsentschädigungen an Familien mit drei Soldaten. Nach einer Verfügung des Reichskanzlers werden in Zukunft an solche Familien, von denen bereits drei Söhne ihrer gesetzlichen zwei- oder dreijährigen Dienstpflicht im Reichsheer oder tn der Marine als Unteroffiziere oder Gemeine genügt haben oder noch genügen, Aufwendungsentschädigungen in Höhe von 240 Mark für das Jahr während der gleichen gesetzlichen Dienstzeit eines jeden weiteren Sohnes in denselben Dienstgraden gezahlt werden. Die Generalkommandos haben bereits jetzt ermittelt, wieviel Mannschaften einschließlich der zur Entlassung kommenden Jahrgänge drei oder mehr ältere Bruder haben, die in der Armee oder Marine ihrer gesetz- liehen Dienstpflicht genügt haben ober noch genügen.
* Z«m Fall Schleinitz erklärt der Abg. Erz- berger die Mitteilung der .Täglichen Rundschau': man habe im Reichskolonialamt zum Oberstleutnant der Schutztruppe Frhrn. v. Schleinitz gesagt, er muffe gehen, da man vor dem Zentrum Ruhe haben wolle, für eine glatte Erfindung. Der Kolonialstaatssekretär Sols habe eine solche Aeußerung nie getan. Auch Frhr. v. Schleinitz hat, nach einer späteren Mitteilung der ,Tägl. Rundschau', die Ur- heberschaft für die auf das Zentrum bezügliche angebliche Erklärung des Reichskolonialamts abgelehnt. Woher stammt nun die „glatte Erfindung", die in der ,Tägl. Rundschau' zuerst austauchte, um eine neue Hetze gegen eine vermeintliche „Intrige" des Zentrums zu inszenieren?
sank.« „Ich toill e End mache Vatter ich will zur Ruh komme!" . .
Das Läuten einer Glocke draußen im Hoze unterbrach das Gespräch. Gleich darauf hörte man draußen im Flur die polternden Schritte der Knechte und 'Mägde, die sich in der nebenanliegenden großen Eß- stube zum Mittagsmahl einfanden. — In dem Leben des Bauern tritt jebe Gemütsbewegung in den Hintergrund, sobald es gilt, die gewohnte Ordnung ein- znhalten. So schritt Frau Kayser ungesäumt der Eß- stube zu, während ihr Mann der Tochter wie tröstend mit der Rechten über das Haupt fuhr und sagte:
„Grein nit, Klärche — es werd schon alles gut wer'n! Der liebe Gott verläßt die Seinen Nicht! Komm mit hinüber zum Esse, sonst glaawe die Seit Wunner was los wär!" ,
Und gefolgt von der Tochter, die rasch die Spuren der vergossenen Tränen mit dem Taschentuch verwischte, schritt der grauhaarige Mann gleichfalls nach dem Nebenzimmer.
Dort standen zu beiden Seiten des großen gedeckten Tisches bereits die Knechte und Mägde des Hauses und ließen sich erst nieder, nachdem der Hausherr ein kurzes Tischgebet gesprochen hatte. Nachdem die in zwei mächtigen Zinnschüsseln aufgetragene Suppe verzehrt war and ein paar Mägde Schüsseln voll Fleisch, Gemüse und Kartosseln auf den Tisch gesetzt hatten, gab der Bauer mit seiner gewohnten Ruhe den Knechten verschiedene Anweisungen für die am Nachmittag zu vollsuhrenden Arbeiten und fragte dann den in seiner Nähe sitzenden Großknecht:
„Also gebrennt hot's die Nacht drowe in der „Lind", Philipp? To bin ich jo gar nix devon gewahr wor'n! Hot's dann gestürmt?"
„Gestürmt hot's schon'" entgegnete der Gefragte „Wie atoer die Wehr kam, do toar schon aüe§ vorbei. Der alt Lenhard un der Kunrad hatoe des #yeter zur rechte Zeit gemerkt un batte es schon gelöscht! Es Glück toar's nur, daß der alte Henschel sei Frucht noch nit eingefahre halt' - des hätt' e schön Feuer ehe aeroe!"
„Un toie des Feuer angange es, des waaß mer nit?"