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5. Blatt.

Brad 6er Salbtet 2,etteitbr#6erei i» Jalba.

•n. ZulSaer Zeitung. -

Wochen-Rundschau.

n-

[;] Fulda, 19. September 1913.

Von den dielen Kongressen, die in diesen Tagen abgehalten worden sind- haben €era?ex ? ’ Walts tag in Breslau und der deutsche R t chter- tag in Berlin größere Beachtung gefunden. Der deutsche Richterbund hat sich als oberste Aufgabe dre Förderung der Rechtspflege gesetzt, und der dem gro­ßen Interesse das die weitesten Volkskrerse diesen Be­strebungen ganz selbstverständlich entgegenbringen, ist auch die Aufmerksamkeit verständlich, mit der die Ver­handlungen des Richtertages verfolgt worden sind. Las deutsche Volk erwartet von seinen Richtern zu­meist daß sie immer mehr durch ihre Tätigkeit das Vorurteil weiter Kreise zerstreuen, das unseren Rich­tern den Vorwurf der Weltfremdheit macht. Wenn darüber hinaus unsere Richter sich der Aufgabe wid­men, aus ihrer reichen Erfahrung heraus unserer Gesetzgebung dankenswerte Fingerzeige zu geben, so dürfen sie der Zustimmung und des Dankes des Vol­kes gewiß sein.

Der sozialdemokratische Parteitag in Jena hat den verärgerten Genosien und Genossinnen Gelegen­heit gegeben, ihren Aerger herauszureden. Die Her­ren uno Damen mit der Jakobinermütze haben hin­reichend nett komplimentiert, doch stand auch die diesjährige rote Woche, wie im Vorjahre bereits die Chemnitzer, sehr stark im Zeichen der Flaumacherei. Den äußeren Ausdruck dafür kann man schon in der Ernennung des Genossen Ebert zum Vorsitzenden er­blicken, der im Rufe stehen soll, daß er auf beiden Schultern zu tragen weiß und gern komprimisselt. Obergenosie Ebert, der bislang nicht nur für die Außenstehenden, sondern auch für die meisten unter den Sozialdemokraten selbst, ein unbeschriebenes Blatt gewesen ist, soll in Zukunft Bebels Stuhl ein­nehmen, natürlich nicht mit Bebels Vollmachten. Es scheint vielmehr, als ob die leitenden Instanzen der deutschen Sozialdemokratie in ihrer schwierigen Lage mit einer Beamtenbürokratie fortzuwursteln ver­

suchen wollen; mit welchem Erfolg, bleibt vorerst ab­zuwarten. Daß sie jedoch für die Entwicklung der Sozialdemokratie eine gute Nase gehabt haben, be­wies schon der Verlauf der Jenaer Tagung. Den Höhepunkt derselben bildete die erregte Mafsenstreik- debatte die mit der Annahme der äußerst vorsichtig abgefaßten und darum ziemlich nichtssagenden Par- teivorstandsresolution ihren Abschluß fand. Die An­nahme dieser Resolution erfolgte fast einstimmig, so­daß der Sieg der Revisionisten und Taktiker ein vol­ler ist. Recht wehmütig klagt darum auch der „Vor­wärts", daß die Gefahr groß ist, „daß die Verhält­nisse die Partei allmählich in ein opportonistisches Fahrwasier, in eine überwiegend auf das sogenannte „Praktische" eingestellte Politik hineintreiben." Wie sich die Sozialdemokratie aber auch in Zukunft poli­tisch orientieren wird, sie bleibt immer unsere schärfste Gegnerin, weil wir in ihr stets den Geist bekämpfen müssen, der sie beseelt und ihr die Massen zuführt.

In Frankreich kann man den König von Griechenland noch immer nicht in Ruhe lassen wegen seiner Berliner Rede. Die französische Eitelkeit geht nicht von der Auffasiunq ab, daß der König alle Ehren der griechischen Strategie für sich und die deutsche Schule in Anspruch nimmt und den Fran­zosen nichts vom Ruhme der griechischen Waffen übrig läßt. Durch die ziemlich unverblümte Zurecht- veisung, die der griechische Ministerpräsident Veni- elos außerdem seinem König zu geben sich bemüßigt ah, sind demselben offenkundige Verlegenheiten be­reitet worden; seine Reise nach Paris mußte ver­schoben werden, da man hoffte, daß sich inzwischen die Wellen verlaufen würden. Doch werden die An­griffe auf ihn in Frankreich immer noch fortgesetzt. Erfreulich sticht dagegen die freimütige Stellung­nahme des griechischen Generalstabschefs ab, der die Worte König Konstantins in Berlin sich vollkommen zu eigen machte und die deutschen Verdienste um die griechischen Erfolge noch nachdrücklicher hervorhob.

Zwischen der Türkei und Bulgarien ist es zur Verständigung über die neue Grenze gekom­men, und die bulgarisch-türkische Verständigung gewinnt immer mehr an Boden. Ob es der Türkei gelingt, zugleich zu einer Verständigung mit Griechenland zu gelangen, ist weniger wahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Daß die grie- chifchen und serbischen Grenzen aneinanderstoßen, bleibt nunmehr vollendete Tatsache, und damit scheint sich für Oesterreick die Möglichkeit zu bieten, auf dem Wege freundschaftlicher Verhandlungen mit Serbien und Griechenland seinem Handel den unbehinderten Ausgang nach Saloniki zu sichern, was dann dem Interesse aller Beteiligten entsprechen würde. Un- ' ■■——

Unpolitische Seitlänse.

H. B-rlin, 17. September 1913.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Wenn der Apostel Paulus heute noch lebte, so würde er ein großer Zeitungsschreiber sein. Das ist eine alte und richtige Bemerkung. Paulus würde unter den neuzeitlichen Verhältnissen die Presse als ein wirksames Hilfsmittel seines Apo­stolats erkannt und mit seiner meisterhaften Geschick­lichkeit ausaenutzt haben. Wahrscheinlich hätte er ge­sagt: Wir leben in einem papierenen Zeitalter; die Welt benutzt das Papier für ihre irdischen Zwecke, der Teufel benutzt das Papier für seine höllischen Zwecke; wir müssen auch das Papier benutzen für die Seelsorge! Demgemäß würde er nicht allein für die Verbreitung von guten Tageszeitungen, Sonn­tagsblättern, Pfarrkalendern, Merkblättern usw. ge­sorgt, sondern auch seinen Geistlichen angeraten ha­ben, sich einen Kar tenschrank zuzulegen.

Was hat denn ein Kartenschrank (oder eine Kar­tothek) mit der Seelsorge zu tun? Es handelt sich nicht um eine Sammlung von Landkarten oder Spiel­karten oder Ansichtskarten, sondern um Seelenkarten. Jede Familie oder jedes Einzelmitglied der Gemeinde erhält eine Karte, auf deren Vorderseite die Perso­nalien verzeichnet sind; auf der Rückseite kann der Seelsorger notieren, was er über dieses Gemeinde­mitglied zu behalten toünscht. Wenn diese Karten­sammlung stets auf dem laufenden gehalten wird, so hat der Seelsorger immer ein klares Bild von sei­ner Gemeinde und einen sicheren Leitfaden für seine Tätigkeit.

König Friedrich IV. wollte bekanntlich von einer Staatsverfassung nichts wissen und erklärte, er wolle kein Blatt Papier zwischen sich und seinem Volke ha-

Das Blatt Papier ist doch gekommen, weil es i»ckwendig war, und es hat nicht trennend, sondern v«ckindend gewirkt. Soll nun etwa ein Geistlicher Wrch sagen: Ich will kein Kartenpapier zwischen mir meinen Pfarrkindern haben? Das wäre nicht richtig, denn der Kartenschrank soll ihn ja gerade set­

klar ist noch immer die Frage der Aegäischen Inseln; es scheint, als ob die Entscheidung hierüber sich noch lange hinziehen werde.

Die Wirren im fernen Osten und der Zwist zwi­schen Japan und E h i n a schienen eine Zeit lang sich legen zu wollen, doch drängt die öffentliche Mei­nung in Japan offenkundig immer rücksichtsloser auf einen Konflikt mit China hin. Zur Sühne des Nankinger Zwischenfalls steigert Japan seine For­derungen, und es fragt sich, ob damit den Chinesen nicht zu viel an Demütigungen zugemutet wird. Die Japaner gebärden sich schon, als ob sie Herren der Südmandschurei seien. Duanschikai erkennt die Ge­fahr sehr Wohl, die der chinesischen Republik von Japan und in der Nordmcmbschurei von Rußland her droht und kommt daher den japanischen Sühne­forderungen weit entgegen. Gelingt es ihm, seine inneren Widersacher beiseite zu schieben, so dürsten beide Regierungen den Ausweg einer Erleichterung des friedlichen Wettbewerbs vorteilhafter als die Entscheidung durch Waffengewalt finden.

C Was uns not tut.

Die CPC. schreibt: Es geht zu Ende mit der stillen Zeit der Sommermonate, und auch in der inneren Politik beginnt es sich wieder zu regen. Die kriege­rischen Vorgänge im südöstlichen Europa, die revolu­tionären Wirren im fernen Osten, die Aufstandsbe­wegung in Mexiko, die Putsche in Portugal, die gro­ßen Streikbewegungen im Ausland haben den Som­mer hindurch unsere Aufmerksamkeit mehr gefangen gehalten, als die Vorgänge und Entwickelungen un- feres innerpolfischen Lebens. Jetzt beginnt das In­teresse sich wieder mehr den Geschehnissen und Auf­gaben unserer inneren Politik zuzuwenden; wir be­ginnen Stellung zu nehmen zu den Forderungen der Gegenwart und zu den Aufgaben, die uns die nächste Zukunft stellt; wir beginnen die Kräfte zu sammeln, deren wir zur siegreichen Durchführung des Kampfes für unsere Forderungen und unfere Ueberzeugung be­dürfen.

Mehr denn je müssen wir heute im Kampf um politische Rechte und Forderungen eine kluge Taktik zeigen, weil nie zuvor die im Reichstag zum Ausdruck kommende politische Gesinnungsverfchiedenheit so eigenartige politische Konstellationen bedingte und hervorrief. Eben erst haben wir bei der Verabschie­dung der großen Wehr- und Deckungsgesetze ein Zu­sammenwirken von Parteien erlebt, das vielleicht für die Zukunft von Bedeutung sein wird, denn wir gehen jetzt schon wieder einer großen Aufgabe entgegen, von deren Lösung für das wirtschaftliche Wohl unseres Volks unabsehbar viel abhängt. Wir stehen vor einer Erneuerung der Handelsverträge und werden da­durch gleichzeitig vor die Frage gestellt, ob unsere jetzige Wirtschafts- und Handelspolitik beibehalten werden soll, oder ob wir dem Freihandel Tür und Tor öffnen sollen. Die Entscheidung hier­über wird rechnerisch im Reichstage von der Haltung eines Teils der nationalliberalen Partei abhängen, nicht zuletzt aber von der geschickten Beweisführung und dem klugen Vorgehen unserer Presse.

Die Bedeutung der Presse ist heute ins Ungemessene gestiegen;' sie ist heute in weit höherem Maße zur Großmacht geworden, als dies zu Napo­leons Zeiten der Fall gewesen ist. Was nützen uns die besten Parlamentarier, wenn sie keinen Rückhalt finden im Volke, dessen Wille und Meinung sich in der Presse wiederspiegelt und von dieser beeinflußt wird. Niemand verkennt darum auch heute mehr den geradezu unheimlichen Einfluß, den die Presse zum Guten wie zum Bösen hin ausübt; ein jeder bedient sich der Presse und verlangt von ihr, daß sie seine Interessen vertrete, aber nicht überall folgt dem Ver­langen die einsichtige Tat. Wie viele gibt's noch unter den Anhängern des Zentrums, die nicht die eigene Presse, sondern gegnerische oder farblose Organe un­terstützen; wie viele, die ihrer politischen Üeberzeu- gung reden Tag ins Gesicht schlagen lasten, ohne daß sie gegen den Angreifer sich zur Wehr setzten und denen Hilfe leisteten, die in zäher, doch leider so oft undankbarer Arbeit Tag für Tag in unserer Zen- trumspreste sich abmüheu, um die Angriffe der Geg­ner zurückzuweisen und die eigene Ueberzeugung ge­gen alle hochzuhalten. Wie bitter not tut unserer Zentrumspresse eine tatkräftigere Unterstützung durch alle jene, die innerlich zu dem Programm sich halten, dessen Verteidigung und Förderung die Zentrums­presse sich zur Aüfgabe setzt.

Man hat so viel schon von der Ehrenpflicht für jeden Zentrumsanhänger gesprochen, sein Partei­blatt zu halten, und doch scheint manchen diese ernste Aufforderung nur eine Phrase zu sein. Diese

nen Schäflein näher bringen. Namentlich den Schäf- lein, die der Hirtensorge am m e i st e n bedürfen.

Ja, früher da ging es ohne papierene Hilfs­mittel, als in dem Dorfe eine fest angesessene Bevöl­kerung wohnte, die allesamt, groß und klein, mit dem Geistlichen ganz genau bekannt waren. Da waren keine Gedächtnisstützen nötig, Hirt und Herde waren und blieben vollständig miteinander verwachsen. Zetzt ist es ganz anders geworden. Wir haben die Freizügigkeit, welche die Menschenmasse sort- während durcheinandergutrlt, und wir haben die A n- Häufung in den Städten, die dem Seelsorger immer wieder Hunderte oder gar Tausende von neuen, wildfremden Gemeindealiedern beschert. Wie soll er die zuströmende Bevölkerung kennen lernen und ver­sorgen?

Wie schon das ergreifende Evangelium vom guten Hirten lehrt, ist es die dringendste Aufgabe, dem irrenden Schafe nachzugehen und es wieder zur Herde zu tragen. Wenn nun aber nicht ein oder zwei, son­dern hunderte zugleich in der Gefahr der Abirrung sind, was soll dann der besorgte Hirt machen, um allen nach Möglichkeit gerecht zu werden? Er darf keine Zeit verlieren, denn nur zu oft kommt er zu spät. Er muß mit seiner Kraft haushälterisch umgehen, damit das Dringendste und Wichtigste vorweg erledigt wird und nicht'unter dem Unwichtigen leidet. So kommt der eifrige Geistliche von selbst auf den Ge­danken, durch technische Einrichtungen die seel­sorgliche Tätigkeit zweckmäßig zu gestalten, und daran schließt sich naturgemäß die Heranziehung von Laien als Helfer tm Dienst. Kartenschrank, Blät­terverteilung, Bereinswesen, Laienhilfe — das gehört alles zusammen, ein Rad greift in das andere, und das Gr uze dient der Rettung der unsterblichen Seelen.

Während des Katholikentages in M e tz habe ich mit großem Interesse die^Wanderausstellung angesehen, die von der Freien Vereinigung für C a- ritashilfe in der Seelsorge veranstaltet war. Die Ausstellung ist dann nach Münster ge­bracht worden zu der großen Tagung des Caritasver- bandes für das katholische Deutschland. Auf der Aus­stellung fand man das Wort bewahrheitet: die Liebe macht^e r find e r i s ch. Die Liebe zu Gott und den

mögen bedenken, daß sie ihr Maß an Schuld daran haben, wenn die gegnerische, Volks- und christentums­feindliche Presse immer größere Verheerungen an­richtet und immer willenlosere Nachbeter findet. Ja, diese christentumsfeindliche Presse, die sich nicht genug tun kann in der Verhöhung und Verspot­tung alles dessen, was christlich und göttlich ist. In jedes Dorf trägt heute diese Presse den Kampf gegen Gott und seine Kirche, und es gibt Menschen, die sich zu Gott und Kirche bekennen und dennoch den Kampf gegen sie fördern und denen ihre Hilfe ver­sagen, dre tapfer und treu in der christlichen Presse für Gott und Kirche sich einsetzen. Was müsten wir Katholiken von unseren erbitterten Gegnern alles über uns ergehen lasten! Wie oft knirscht in uns der innere Mensch, wenn wir in Wort und Bild in der uns feindlichen Presse unser katholisches Empfinden aufs gröbste beleidigt sehen, und uns durchglüht dann eine Wut, daß wir uns diese Unverschämtheiten ge­fallen lasten und nicht den Mund auftun, wenn alle Welt über uns Prügeljungen sich luftig macht. Ge­wiß, es gibt Dinge, die zu niedrig und erbärmlich sind, als daß sie uns beleidigen könnten, und zu un­serem Trost können wir uns sagen, daß durchweg die Rüpeleien, die man sich gegen uns Katholiken erlaubt, für einen anständigen Menschen eine Erwiderung überflüssig machen, aber gegen das S y st e m müssen wir vorgehen, gegen die systematische Niederträchtig­keit, die uns Katholiken als Me n s ch e n min­derwertiger Sorte betrachtet und das Wort Katholisch mit Minderwetig und Rückständig gleich-

Wie aber können wir diesen Kampf führen, wenn nicht auf dem gleichen Felde, auf dem unsere Gegner gegen uns aufziehen? Wir müssen unsere Presse in die Lage setzen, daß sie diesen Kampf erfolgverheißend anfnehmen und siegreich durchführen kann; wir müfi sen zu unserer katholischen Presse stehen und mit den Männern, die dort in freudiger, aber harter Arbeit für den katholischen Glauben und die katholische Ehre streiten, eine gemeinsame Phalanx bilden gegen den konzentrischen Angriff der Feinde der katholischen Kirche. Die katholische Presse muß zu einem Bande werden, das die treuen Katholiken einer jeden Ge­meinde zu einer großen Familie verbindet und ihr immer von neuem den begeisterten Mut einflößt, ge­meinsam zu kämpfen gegen die Feinde der Kirche und zugleich auch die Waffen liefert, mit denen dieser Kampf geführt werden kann. Wenn alle Katholiken so zu ihrer Presse stehen würden .bann wäre es bald anders um die Flerhebung und Verleumdung gegen alles Katholische in unserem Vaterland bestellt, bann wären wir eine Macht, ar ber alle Angriffe unserer Feinde wirkungslos zerschellen müßten.'

2In$ dem Narbbargebiete.

k. Motzlar, 19. Sept. 1913. Die Erbauung der Hochdruckwasserleitung für die Gemeinde Motzlar wurde dem Unternehmer Ernst Ehrig-Fulda übertragen und troar Los I, Hauptleitung, zum Preise von 17 723 Mk. und Los II, Hausanschlüste, zum Preise von 3010 Mk. Mit den Arbeiten soll sofort begonnen werden.

i. Birstein, 19. Sept. 1913. Während der größeren Einquartierungen in ber vergangenen Woche in Bir­stein versagte plötzlich in dem sonst so wasserreichen Gebiet des Vogelsbergs die Wasserleitung. Ais nach dem Grunde des Ausbleibens des edlen Nasses ge­fragt wurde, erhielten die Fragesteller von verschie­denen Ortseinwohnern dke Antwort: „Die Frank- forter brunne trink' e(Die Frankfurter Wasserleitung wirb aus bem Vogelsberge gespeist.)

s. Aus dem Taunus, 19. Sept. 1913. Die Auto- mobilstraße Frankfurt — Wiesbaden, die seit längerer Zeit geplant war, ist jetzt von sämtlichen beteiligten Gemeinoen genehmigt worden. Die Straße umgeht viele Ortschaften und stellt eine sehr kurze Verbindung zwischen Frankfurt und Wiesbaden dar.

b. Külbach i. T., 19. Sept. 1913. Während gestern unsere jungen Reservisten fröhlich heimkehrten, fuhr man den Reservisten Kuhlmann auf einem Leichen­wagen tot ins Elternhaus. Eine schwere Er­krankung, die sich der junge Mann im Manöver zu« gezogen hatte, warf ihn nach drei Tagen ans die Totenbahre.

* Aus Franken, 19. Sept. 1913. Das K. Bezirks­amt Alzenau erläßt folgende Bekanntmachung: In Feldkahl herrscht zur Zeit eine fast allgemeine Scharlachepidemie. Es ist deshalb Vorsicht im Be­such ber Gemeinde und im Verkehr mit Bewohnern derselben geboten. — In Waldmichelbach er­klärte der 27jährige Schuhmacher Stab einem Nach­barn den Gebrauch seines Revolvers. Hierbei entlud

Mitmenschen, der Eifer für das Reich Gottes und das Wohl ber Menschen bräugen auf neue Wege und zu neuen Methoden. Alle technischen Hilfsmittel, welche die Fortfchfitte der Neuzeit bieten, werden aufgegrif­fen und verwertet für die Seelsorge. Auf der Aus­stellung kann man lernen, wie die Kartotheken und die Archive für die einzelnen Pfarreien, sowie für die Zentralen ber Großstäbte am zweckmäßigsten ein­gerichtet werben. Man finbet ferner zahlreiche Mu­ster Vock Pfarrkalendern, Pfarrführern, Jahrbüchern, Merkblättern, Sonntagsblättern, Broschüren zur Mas­senverbreitung für Seelsorgzwecke, Drucksachen zur Belehrung der Zugezogenen, Drucksachen »für Vereine sowie zur Vorbereitung von Missionen, auch noch be­sondere Kattenschränke für die Jugendpflege usw.

Daraus kann der Geistliche die wertvollsten Anregungen und Belehrungen schöpfen. Aber nicht allein der Geistliche, fonbern auch jebet Laie, der sich durch Hilfeleistung verdient machen möchte.

Unter den neuzeitlichen Verhältnissen kommt das Laien -Apostolat recht zu Ehren und zur Wir­kung. Nicht, als ob die Laien in das geistliche Amt hineinpfuschen wollten. Nein, sie wollen nur D i e nste leisten, und als Handlanger sich nach Kräften nützlich machen. Das Feld für die Laien­hilfe ist ja leicht zu erkennen.

Da erfordert zunächst: der technische Betrieb eine Menge Arbeit, die eine gewandte Laienhand ebenso gut leisten kann, wie eine geistliche Hand. Z. B. die Einrichtung und Pflege des Kartenschran- kes und die sonstige Arbeit mit der Schreibmaschine und ber Feber. Es ist sogar notwenbig, baß biefe me­chanischen Arbeiten ben Geistlichen abgenommen wer­ben, damit sie Zeit und Kraft für die eigentliche Seel­sorge behalten.

Dazu kommt das Verteilen von verschiedenen Drucksachen, die wir schon erwähnt haben. Das ist natürlich erst recht Laienarbeit, und zwar eine sehr wichtige und segensreiche Arbeit, die durch tüchtige, freiwillige Helfer viel besser besorgt werben kann, als durch bezahlte Personen.

Dann bietet das Verein sw esc n eine große und dankbare Arbeitsstätte für eifrige Laien. Das Werben für die Vereine kann in der Regel der Laie

sich unversehens die Waffe. Der Schuß verletzte Stab selber an der Hand und traf den 11jährigen Sohn des Nachbarn ins Herz. — Bei Zell a. M. fanden Fischer eine verschlossene Kiste, in der sich die Leich« eines neugeborenen Kindes befand. Die Unter­suchung ist im Gange. — In Eulers eld ist die Genickstarre epidemisch ausgetreten. Die Regierung und das Bezirksamt haben aus diesem Grunde die Kirchweihtanzmusik verboten. — Aus unbekannten Gründen haben in Eltmann sämtliche Lehrerinnen an der Mädchenschule beim ©tabtmagiftrat ihre Kün­digung ab 1. Januar eingereicht.

vermischtes.

* Der spendable Steuersiskus. Der eigenartige Fall, daß jemand, der jahrelang keine Steuern be­zahlt hat, von der Steuerbehörde sogar noch etwas hermisgezahlt bekommt, kam in einer Verhandlung vor einer Strafkammer in Berlin zur Sprache. Wegen schwerer Urkundenfälschung und Betruges war der Schneider Emil Maaß angeklagt. M. ist seft eini­gen Jahren mit der Zahlung der Steuern im Rück­stände. Mit der zwangsweisen Beitreibung war nichts zu erreichen, da bekanntlich dort, wo nichts ist, selbst der allmächtige Steuersiskus sein Recht verloren hat. Der Angeklagte war deshalb angenehm überrascht, als er eines Tages von der Steuerbehörde eine Aufforde­rung erhielt, sich 18 Mark zu viel gezahlte Steuern abzuholen. Dieses Schreiben war allerdings an ben „Kaufmann Maaß" gerichtet, dagegen stimmte die Hausnummer, ferner war auch der Name der Wir­tin, bei der M. wohnte, richtig angegeben. Wie sich später ergab, war das Schreiben an einen einige Häu­ser weiter wohnenden Kaufmann Walter Maaß ge­richtet. Als der Oberbriefträger Schwing! mit der Postanweisung über 18 Mark bei dem Angeklagten erschien, erklärte dieser gleich, daß er wohl die zuviel gezahlten Steuern zurückerhalten solle. Weil aber der Beamte wegen des Vornamens „Walter" Bedenken trug, erklärte M., daß er auch diesen Namen trage’ und unterschrieb die Postquittung dann auch mit „Walter Maaß". Der durch das Versehen der Steuer­behörde und die falschen Angaben Hereingefallene war ber Briefträger, ber aus eigener Tasche bie 18 Mark an ben richtigen Empfänger zahlen mußte. Der Be­amte verklagte den Angeklagten auf Zurückzahlung' ber 18 Mark. Die Zwangsvollstreckung bei M. fiel fruchtlos aus, fobaß ber Beamte zu bem Verlust bes Gelbes auch noch 45 Mark Gerichtskosten zahlen mußte. Der Antrag bes Staatsanwalts lautete auf 9 Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte mti Rücksicht auf bie bisherige Unbescholtenheit bes Ange­klagten auf 3 Monate Gefängnis.

* Ein Bismarckturm in der Konkursmasse. Man schreibt bem „Berl. Tagebl.": In M e s e r i tz (Pro­vinz Posen) haben bie deutschen Elemente zum Ban eines Bismarckturmes Gelder gesammelt, und als die Summe von etwa 15 000 Mark beisammen war, ging man, nach Erwerbung eines passenden Terrains, zum Bau über, der jetzt so gut wie zu Ende geführt ist. Leider ist ein kleines Versehen vorgekommen. Der Landrat hatte auf mehrfaches Ersuchen des Vorbe­sitzers die gerichtliche Auslassung des Grund­stücks vorzunehmen, immer wieder erklärt, das habe noch Zeit. Und nun hat man sich anscheinend etwas zu lange Zeit gelassen. Eines Tages nämlich geriet der Grundstückseigentümer in Konkurs, und das Grundstück mit dem stolzen Bismarckturm daraus kam in die Konkursmasse. Es ist anzunehmen, daß dieser Zwischenfall dem Kreise, der nicht gut anders kann, als das Wahrzeichen deutschen Geistes, koste es, was es wolle, zu erwerben, bei bem sicherlich in ber Versteigerung erwachenden lebhaften Interesse seitens der Polen, ein hübsches Stück Geld kosten wird.

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unter seinen Alters- und Staudesgenossen viel freier, flotter und erfolgreicher besorgen, als der Geistliche. Und wenn er den betreffenden Alters- und Standes- genofseir auch nicht gerade zum Eintritt in den Ver­ein zu bewegen vermag, so kann er ihm doch zum Be­such des Gottesdienstes, zum Empfang der Sakra­mente freundschaftliche Anregungen und Anleitungen geben. In großen Gemeinden kann der Geistliche un­möglich mit allen Zugezogenen rechtzeitig Fühlung gewinnen. Es wird ihm schon sehr schwer, die F a- milien aufzusuchen. Wie soll er nun erst mit den Ledigen bekannt werden, die tagsüber bei der Arbeit und abends selten zu Hause sind? Da können die Laien, die an der Arbeitsstätte oder sonst gelegentlich mit dem Zugezogenen zusammentreffen, in die Bresche treten und bie fehlende Verbindung Herstel­len. Es ist eine hehre und heilige Hilfsarbeit, bie ber brave Laie in aller Bescheidenheit unb Unterordnung leistet.

Wenn wir beim Beispiel vorn Hirten unb ben Schäflein bleiben, so könnte man den helfenden Laien, vergleichen mit dem treuen Schäferhund. Das sieht auf den ersten Blick nicht sehr humorvoll aus; aber stoßen wir uns nicht an den Tiernamen, sondern bedenken wir, baß dieser wackere, sorgsame, muntere, unermüdliche Gehilfe des Hirten seine großen Ver­dienste hat am das Wohl der Herde. Ohne ihn würde viel Verwirrung und mancher Schaden eiutreten. Und wenn ein treuer Laienhelfer sich sagen kann, er habe ein Schäflein bewahrt, eine unsterbliche Seele gerettet, ist das nicht reicher Lohn unb hohe Ehre für seinen Dienst? .

Auch bas weiblich? Geschlecht kann und ftll sich auf fernem Gebiete an der verdienstvollen Hilfs- arbeit beteiligen.

Im Andenken an die herrliche Kreuzzugsredr des P. Bonaventura möchte ich rufen: Freiwillig-. vor! Wer solche Hilfsdienste für die Seelsorge stiftet, der ist auch ein Kreuzfahrer, ein MiikämÄßr: gegen die drohende Entchrst'-lichung

Tie Liebe macht erfinderisch; die S:ebe macht auch arbeitsfrei!big.

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