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Zuldaer Zeitun

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| Illustrierte Lonntagrreitung | Zuldaer Seschichtsblätter

s Zieljungsliften der preußisch-süddeutschen Klafftn-Cotterie. — halbjährlich Taschenfahrplan, r.

flnjelgen: Der Kaum einer einfpattigen Colonel)eite, 47__

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40. Zahrgang.

Samstag den 20» September 1913»

Erstes Blatt.

Nr. 218,

□ Armselige Revanche.

Nach dem deutschen Turnfest in Leipzig hat be- kanntlick ein Artikel de? protestantischen Reichsboten viel Aussehen erregt, der behauptete, in Leipzig seren die Turner nächtlicherweile in ganzen Scharen sitt­liche Abwege gegangen. Dr. Götz, der Vorsitzenoe der deutschen Turnerschaft har dagegen eine „Berrch- tiqung" versandt, er bediente sich darin zwar sehr heftiger Worte, wirkte aber wenig überzeugend.

Seitdem sann die „Deutsche Turnztg." auf Rache. Sie verkündete, daß sie in Zukunft „die Feste anderer Leute ganz besonders eingehend betrachten und auf verschiedene Mißstände in Kreisen von Leuten auf­merksam machen werde, die Grund genug hätten, erst einmal vor der eigenen Tür zu kehren". Diese Betrachtung hat die Turnzeitung bereits mit Hilfe der katholikenseindlichen „Metzer Zeitung" für den Metzer Katholikentag angestellt und das Er­gebnis ist dann auch so geworden, wie sie es sich ge­wünscht hat. Ein überzeugter Turnsreund, wie er sich nennt, hat am Sonntag des Katholikentages in Metz an der richtigen Stelle Posto gefaßt und Beobachtungen angestellt — wie er ausdrücklich her­vorhebt, unter dem frischen Eindruck der „gehässigen Auslassungen" über das Betragen deutscher Turner in Leipzig. Was. ein Gewährsmann, der mit so vorgefaßter Meinung und mit der offenkundigen Ab­sicht ausgeht, Tadelnswertes zu entdecken, was ein solcher Gewährsmann zu berichten findet, das wird auf ernste Leute keinen besonderen Eindruck machen. Die „Deutsche Turnztg." indessen ist davon so ent­zückt, daß sie ihm den Raum von fast zwei Seiten widmet.

Der Gewährsmann behauptet keck, daß am Tage des Katholikcntagscstzuges, am 17. August, „ganze Herden katholischer Männer und Jünglinge" in Metz zu den Orten schmählicher und schwer sündhafter Vergnügungen sich gedrängt haben. Beweis? Die Straßen, an denen die übel beleumundeten Lokale liegen, hätten sich an dem genannten Tage außer­gewöhnlich belebr gezeigt. Dazu bemerkt die „Wacht", das Organ kathollschre Jugendvereine:

Selbst wenn das wahr sein sollte, so ist es noch lange kein Beweis für die Behauptungen der „Deutschen Turnzeitung". Zunächst brauchte es für die deutschen Katholiken gar nicht schimpflich zu sein, wenn sich unter oer riesigen schaulustigen M e n g e, die an jenem Sonntag in Metz zusammen- geslossen ist, wirklich unsaubere Elemente befunden hätten. Um den Festzug zu sehen oder an den Ver­sammlungen teilzunehmen, brauchte man gar nicht katholisch zu sein, und um für etliche Pfennige ein Festabzeichen zu erstehen, auch nicht.

Doch sehen wir davon ab! Wenn in einer Stadt mit 73000 Einwohnern, einschl. Militär, an einem Tage 30 000 Menschen zu einem Festzuge, fast 10 000 zu den Eröfsnungsversammlun- gen eines Riescnkongresses und ungezählte andere aus S ch a u l u st zusammenströmen, dann müssen selbstverständlich so ziemlich alle Straßen außergewöhnlich belebt erscheinen. Man kann doch nicht ehrlicherweise jeden anpöbeln, der in einer fremden Stadt in eine Straße gerät, der ordent­liche Leute aus dem Wege gehen, wenn sie die Straße kennen. Unter den vielleicht 50 000 Fremden, die am 17. August in Metz waren, haben zweifellos viele Tausende nicht die leiseste Ahnung in dieser Hinsicht gehabt. Das ist um so eher anzunehmen, als wie der Gewährsmann der Deutschen Turnzeitung selbst erzählt, auch weibliche Angehörige der Frem­den jene Straßen bevölkerten.

Aber es kommt viel besser: Nachdem der tüchtige Gewährsmann der „Deutschen Turnzeitung" sich gründlich über die „religiös-sittlich gestählten" Män­ner und Junglinge entrüstet hat, die die „Stätten sündiger Lust" aufgesucht hätten, liefert er selbst den besten Beweis, daß er sich sein ganzes Geschwätz

Der Mrandstifter.

19] Eine Bauerngeschichte aus dem Taunus von Fritz Ritzel.

„Warum will sie dann nix von dem wisse? Warum schlägt sie dann den vermögenste Barsch im ganze Geviert aus?" fragte Frau Kayser und nahm das Ta­schentuch von den Augen. Die tränenselige Stimmung schien plötzlich von ihr gewichen zu sein, denn wie kampfbereit hob sie den Kopf. „Doch nur, weil du ihr nit klipp un klar sagst, daß sie sich jeden Gedanken an des Rother's Ernst aus dem Kopp schlage soll! Der uffgeblose Maulaff denkt nit an unser Kind!"

Abwehrend hob der Bauer die Rechte. „Früher war der uffgeblosene Maulaff, wie du ihn jetzt nennst, en bildschöner Borsch bei dir, mit dem e Mädche Staat mache könnt!" sagte er mit einem Anflug von Hohn. „Der scheint's jo arg bei dir verschütt zu hawe! War­um dann Magret? Weil's de Krebsgang mit des llother's ihrer Wertschast geht un weil sie domols »es viele Geld verlöre hawe? Do denk ich annerst! Wenn gute Fremd in der Not sein, dann soll mer fest bei ihne stehe un soll nit vor ihne eweglaafe, wie die Ratte vom Schiff, des unnergehe soll! Wenn ich wüßt, daß unser Mädche den Ernst Merklich gern hätt un wenn der zu uns käm un tat anhalle — mir wär er zu jeder Stund als Tochtermann recht, wenn er aach kaan studierte: Herr Doktor mehr wer'n kann, Wie mir sei Mutter die Dag gesagt Hot!"

„So, so — iS es glücklich so weit?" fragte die Frau mit sichtlicher Genugtuung. „Langt's nit mehr ün gibt die Rother'n endlich klaa bei? No — schade kann s ihr nix, wenn sie gehörig geduckt werd — dere ihr hochmütig Getue war jo nit mehr zum Aus­stehe!"

„Bersiindig dich yit, Magret und freu dich nit über des Unglück von deine Nebenmensche!" mahnte der Bauer. „So toefe is unferm liebe Herrgott en Gräuel! Weil die Rsothern dir nit in allem uff die Leier schwätzt un weillsie dir e paar Mol de Kopp ge- wäsche Hot, wenn du »ie Leit schlecht gemacht host —

eigentlich hätte sparen können. In seinem verbohrten Katholikenhaß scheint er das gar nicht zu merken. „Geschäftsleute und Angestellte jener verrufenen Straßen" haben ihm nämlich gesagt, daß man dort in der Hoffnung auf ein gutes Geschäft das Personal verstärkt habe; aber diese Verstärkung „recht überflüssig gewesen" sei!"

Na also! Was will der Mann denn?

Es dürfen also ruhig 50 000 Katholiken nach Metz kommen und zum Entsetzen unserer Gegner alle Straßen und anständigen Lokale förmlich über­schwemmen. Nur die schlechten Lokale wer­den n i ch t m e h r besucht als sonst, sie kommen trotz­dem mit derselben Bedienung aus, die sie an jedem andern Sonntag haben.

Wir haben das von unfern katholischen Männern und Jünglingen als ganz selbstverständlich erwartet. Umso mehr freuen wir uns, daß ein so erbitterter Gegner ihnen unter Berufung auf die . bittersten Tugendhafter dieses ehrende Zeugnis aus- steilen muß.

Damit können wir den, Mann und sein Ge­schreibsel sich selbst überlasten, wenn er sich nicht noch zum Schluß abguälte, den Katholikentagsbe­suchern doch noch einen Fußtritt zu versetzen. Der unerwartet schlechte Geschäftsgang der erwähnten Häuser soll nämlich „weniger ein Erfolg der religiös­sittlichen Jugend- und Volkserziehung, als eine na­türliche Folge weniger leistungsfähiger und viel stra­pazierter Portemonnaies" sein.

Mit andern Worten: Die betreffenden Katholiken haben zwar nichts Lumpiges getan, aber Lumpen sind sie doch. Denn sie würden es getan haben, wenn ... .

"So etwas beantwortet man nicht. Da heißt's einfach: Niedriger hängen!

Wir sind peinlich überrascht gewesen, daß das Organ der „großen" Deutschen Turnerschaft einem so armseligen Geschimpfe seine Spalten geöffnet hat. An bitterer Bekämpfung sind wir bei diesem Blatt zwar schon einiges gewöhnt, aber daß es zu diesen Manieren des dümmsten und widerwärtigsten Wei- berklatsches hinabsteigen würde, um seine verhaßten Gegner mit dem Kot der Gasse zu bewerfen, hatten wir bisher nicht gewußt.

Deutsches Reich.

♦ Berlin, 13. Sept. 1913. Nach einer Wiener Meldung trifft Kaiser Wilhelm am 23. Oktober, nachmittags, zum Besuche des Thronfolgers Erzherzog Franz Joseph und dessen Gemahlin auf Schloß Kono- pischt ein, wo er zwei Tage verbleibt, um an den Jagden teilzunehmen. Am 25. Oktober reist der Kaiser nach Wien, um dem KaisLr Franz Joseph in Sck'önbrnnn einen Besuch abrn^atten.

)( Die Nationalspende der deutschen Katholiken hat nach der vorliegenden Schlußabrechnung aus den ein­zelnen Diözesen folgende Gesamtbeiträge abzüg­lich der Unkosten einiger Sammelstellen ergeben: 1. Diözese Paderborn 190 975,30 Mk., 2. Erzdiözese Freiburg i. Br. 172 743,30 Mk., 3. Diözese Breslau 163 266,13 Mk., 4. Diözese Rottenburg 143 789,87 Mark, 5. Erzdiözese Köln 108 727,19 Mk., 6. Diözese Münster 87 531,80 Mk., 7. Diözese Trier 83 617,50 Mk., 8. Diözese Regensburg 74 077,50 Mk., 9. Diö­zese Augsburg 58 919,66 Mk., 10. Erzdiözese Mün­chen und Freising 44 131,88 M., 11. Diözese Limburg 36 803, 11 Mk., 12. Fürstbischöfliche Delegatar Ber­lin 24 070,35 Mk., 13. Diözese Osnabrück und Nord. Missionen 20'546 Mk., 14. Diözese Ermland 19 917,87 Mk., 15. Diözese Speyer 14 238,26 Mk., 16. Diözese Eichstätt 14127,15 Mk., 17. Diözese Passau 14 046,60 Mk., 18. Diözese Mainz 13050,17 Mk., 19. Vereine und Gesellschaften 12 700 Mk., 20. Apostolisches Vi­kariat und Apostolische Präfektur Dresden 12 597,50 Mk., 21. Diözese Metz 11566,60 Mk., 22. Erzdiözese Posen-Gnesen 11509,SO Mk., 23. Erzdiözese Bam- deßwege kannst du sic nit leide un wenn ähr Weibsleit entöl en Pik uff aans habt, bann is kaan Stern mehr, der leucht! Deßwege war der Rother'n ihr Mann selig, der Philipp, doch mein liebster Fremd un Ka­merad von Jugend uff un wenn ich's aach nit mit ihm zu seine Lebzeite ausgemacht hätt, daß aus un- serm Klärche un feint Ernst emol e Paar wer'n soll — der Borsch rät mir jetzt erst recht passe, weil er Widder en simpler Bauer werd! Natürlich, wenn ihn unser Kind gern hawe kann — awer ich maane im­mer, daß es dodran nft fehlt!"

„Un mir paßt e nit, sag ich dir ganz offe! En studierter Herr, der noch kaan Kreizer Geld in seim Lewe verdient Hot, der nur versteht, des Geld auszu- gewe — der gehört nit do herein in unser Sach! En richtiger Bauer tut do nur gut, der ordentlich an­packe kann tut kaa Faxe im Kopp Hot —"

„So aaner wie der Kercheroder Jockel, an dem du dein Narr gefresse host, gelle?" unterbrach sie der Bauer lachend. „Ter ffmmt nit umsonst alle Ritt gelaafe un rollt die Aage im Kopp herum, wie e ge- stoche Kalb, wenn er unser Mädche sieht! Ich glaab awer als, daß der gut Jockel uff dem Holzweg is — des Klärche scheint sich nit so viel aus ihm zu mache!" Ter Sprecher schnippte mit den Fingern in der Luft.

„Ich waaß nit, was du gege den Borsch host! Mer mannt bald, du wallst nix von ihm wisse, weil er in mei Freindschaft gehört — nur um mir Widerpart zu halten!"

„Mach mir doch de Gaul nit scheu!" warf der Bauer wieder ein. „Was soll ich bann gege ihn hawe? Ich kenn ihn jo weiter gar nit — ich waaß nur, daß sei Leit mit die reichste Bauern in Kercherob sinn! Ich habe von bem Borsch selbst noch nix Gu­tes gehört un aach noch nix Schlechtes! Wenn ihn unser Mädcher pardu hau e will — mir soll er schließ­lich aach recht sein! Die Hauptfach i§] daß unser Kinb glücklich werb! Zu bes Rother's ihr'm Ernst hätt ich bo schon mehr Zutraue — bet Hot e Herz wie Gold, in bem steckt ber gute Kern von seim Vatter — wie's bomit bei bem Jockel aussieht, bes waaß ich cwe nit, bozu kenn ich ihn zu wenig!"

berg 10 798,42 Mk., 24. Diözese Hildesheim 10 445,88 Mk., 25. Diözese Kulm 9981,45 Mk., 26. Diözese Fulda 9597,12 Mk., 27. Diözese Straßburg 6020,05 Mark, 28. Ausländer 4343,50 Mk., 29. Katholische Militärgemeinden 3657,68 Mark, in Summa 1404 938,68 Mk. Insgesamt sind also eingegangen 1404 938,68 Mk. Hierzu kommen die Bankzinsen bis 31. 7.1913 12 862 35 Mk. Gesamtsumme 1 417 801,03 Mark. Hiervon kommen tu Abzug: sür Drucksachen, Porto usw. 3185,97 Mk. Mithin Reinergebnis 1 414615,06 Mk.

* Eine Novelle zum deutschen Wechselrecht ist, rote wir in der,Kreuzzeitung" lesen, im wesentlichen bei den zuständigen Ressorts fertiggestellt und dürfte in nicht ferner Zeit bem Bundesrat zugehen, sodaß der Reichstag sich im Laufe der nächsten Tagung mit ihm beschäftigen kann. Die Vorlage sieht auf der Grundlage der vor kurzem geschlossenen internatio­nalen Vereinbarung über das Wechselrecht eine Ab­änderung des geltenden deutschen Wechselrechls vor, das in seinen Bestimmungen den neuen Vorschriften angepaßt ist.

(*) Rücktritt des Oberlandforstmeisters. Der um die Verwaltung der preußischen Staatsforsten verdiente Oberlandforstmeister, Wirkt. Geh. Rat Wesener tritt dem /Zag' zufolge, am 1. Oktober ds. Is. von seinem Amte zurück. Zu seinem Nachfolger ist der Vortragende Rat im Landwirtschaftsministerium v. Freier ausersehen, der bereits zum Oberlandsorst- meister ernannt worden ist. Zu dessen Nachfolger ist das Mitglied des Hofjagdamtes, Oberforstmeister Freiherr v. d. Bussche in Potsdam in Aussicht ge­nommen. — Oberlandforftmeister Wesener hat 121/» Jahre an der Spitze der preußischen Forstvetwaltung gestanden; er wurde 1848 zu Paderborn geboren und ist seit 1878 in der Verwaltung der preußischen Staatsforsten tätig. Der neue Oberlandsorstmeister v. Freier ist 1^54 geboten, wurde 1886 Oberförster, 1898 Forstmeister, 1901 Regierungs- und Forstrat in Merseburg und 1903 Hilfsarbeiter im Landwirt­schaftsministerium.

)( Tie UeberfülluW des Lehrerberufs. Nach einer Mitteilung des zuständigen Dezernenten des Kultusministeriums sind gegenwärtig 1000 junge Volksschullehrer überschüssig, die auf eine An­stellung warten. Trotzdem sollen im nächstjährigen Etat wieder mehrere Lehrerseminare gefordert wer­den. Die Zahl der auf eine Anstellung wartenden Lehrerinnen beträgt etwas über 1100.

+ Die uationallibnale Reichstagsfraktion kommt am 4. und 5. Oktober in Wiesbaden zusammen. Die,Nat. Korr/ knüpft au diese Ankündigung Mit­teilungen über den Zweck der Zusammenkunft : Trägt auch die Zusammenkunft, ebenso wie diejenige des Vorjahres in Heidelberg, in erster Linie geselligen Charakter, so werden die Abgeordneten doch die Gelegenheit zu einer Aussprache Über Fragen, die im kommenden Winter den Reichstag beschäftigen oder sonst im Vordergrund des politischen Interesses stehen, benützen. Weben der auswärtigen Lage werden insbesondere Fragen der Wirtsschaftspolitik, die durch die bevorstehende Erneuerung der Handels­verträge aufgeworfen sind, Anlaß zu Erörterungen geben, weiterhin die Frage des Arbeitswilligen- fchutzes, die ja Industrie und Gewerbe lebhaft be- Ichäftlgt, über die aber doch in weiten Kreisen große Unklarheit herrscht. Auch die für die Wintertagung angekündigten neuen Vorlagen dürften gestreift werden.

A Einigung zwischen den katholischen Jüstglings- vereinigungcn Deutschlands und dem Jungdeutsch-, lanbbunb. Zwischen den genannten großen Vereini­gungen ist auf Derarilaftnng des Kardinals Kopp und unter Billigung des Episkopats ein Abkommen . getroffen worden. Durch dasselbe wird vor allem feft- gelegt, daß der Jungdeutschlandbund unter ker­nen Umständen Jugendliche, welche bereits k a- tholifchen Jngendvereinen angegliedert sind, sei­nen eigenen Jugendwehren, Wehrkraftvereinen,

Der Bauer trat mit diesen Worten wieder an das Fenster und sah hinaus in den Hof. Seine Frau be­trachtete ihn einige Augenblicke zögernd, bann legte sie plötzlich ihr Strickzeug in ben neben ihr stehenden Arbeitskorb, erhob sich und sagte mit gedämpfter Stimme:

„No —- bann kann ich bir sage, Vatter, daß ber Jakob mich gestern gefrogt Hot, ob's uns recht wär, wenn er um unser Mädcher anhalle tat!"

„So, so!" meinte ber Mann unb brehte sich er­staunt um. „Ei ei — ber kriegt jo uff aamol Ku­rasch! Hot er bann schon unser Klärche gefragt?" ,

„Naa — des grab nit — er maant, bes sollte wir zwaa besorge! Wenn wir, bie Eltern, unferm Kind die Sach richtig vorftelle täte — maant er — wenn wir ihm zurede täte —"

„Daher bläst ber Wind?" unterbrach ber Bauer wieder die Sprechende lachend. „Hinner die Alte ber” steckelt sich der Held? Ei der tausend! No, frage will ich unser Mädche schau — ben Gefalle will ich ihm tun — awer zurebe — naa, bes gibt's nit! Des Klärche is alt genug un muß wisse, was es zu tun hat! In so Sache red mer am Beste kaa Wort hinein' dann könne aam bie Kinner später kaa Vorwürf mache!"

„Wenn du sie bann frage willst, bann frag sie gleich!" sagte Frau Kayser, bie gerade einen Blick durch bas Fenster in ben Hof warf. „Ewe kimmt sie über be Hof — bo wer'n wir jo gleich wisse, Waran wir sinn!"

In der Tat trat Klärchen einige Augenblicke spä­ter tn bie Stube. Hätte bei Inhalt bes soeben ge- si'chtten Gesprächs nicht bas ganze Denken der Eltern beschäftigt, so würden sie Wohl die Veränderung ge­wahrt haben, die mit ihrem sonst so lebhaften fröh­lichen Kinde seit gestern vor sich gegangen war. Ein finsterer Ernst lag auf dem' Gesichte Klärchens und um ihre Augen zogen sich dunkle Ringe, als hätte sie entweder eine schlaflose Nacht verbracht, ober als be­finde sie sich körperlich nicht Wahl. Dabei lag in ihren Blicken ei t ergreifender Ausdruck innerlicher Qual, die zn verhehlen die Eingetretene sichtlich mit aller Willenskraft bestrebt w->r. denn fest Preßten sich

Pfadfinderkarps usw. anschließen darf, daß es eben], katholischen Jugendvereinsmitgliederr nicht gestattet ist, einzelne dem Jungdeutsch, landbund oder dessen Vereinen beizutreten. Ueberall dort, wo eilt Bedürfnis vorliegt, können jedoch die katholischen Jugendvereine eigene Jugendwehren, Wehrkrastvereine usw. einrichten. In dem Abkommen wird festgelegt, daß Hebungen des Jungdeutschland- bundes an Sonn- und Feiertagen int allgemeinen außerhalb der Kirchzeit stattfinden sollen. Nttterzeichnet ist das Abkommen vom Marschall Frhr v. d. Goltz, dem Vorsitzenden des „Jungdeutschland­bundes" und von Dr." Drammer, dem Zentralvor­sitzenden der „Katholischen Jugendvereine" Deutsch­lands. Damit hat eine alte Streitfrage eine be­friedigende Lösung gefunden.

— Abg. Dr. Naumann unb der liberale deutsch, Bauernbund. In einem Aufsatze bet ,Frankf. Ztg.( ber sich mit einer Veröffentlichung des Abg. Hefter- mann befaßt, wird mitgeteilt, daß bei ber letzten Er­satzwahl in Walbeck bauernbündlerische Führer für die Wahl Naumanns persönlich mitgearbeitet hätten. Das ist überaus bemerkenswert. Bekanntlich ist Nau. mann einer derjenigen, bie mit befonberer Entschieden­heit einen Abbau der Getreidezölle und eine sofortig« Abschaffung ber Futtermittel«Zölle verlangen. W« bauernbündlerische Führer für einen solchen Mann eintreten können, ist völlig unbegreiflich.

* Die sozialdemokratischen Gewerkschaften .dulden nicht". Der in ben .freien* Gewerkschaften zu beob* achtenbe Machtbünkel wird wieder einmal beleuchtet durch einen Vorgang auf einem Bau in Göp- pingen. Dort arbeiten zwei im christlichen Ban- arbeiteroerbanb organisierten Zimmerer mit mehreren sozialdemokratisch organisierten zusammen. Eines Tages trat ber Vorsitzende der Zimmererzahlstelle, ber sozialdemokratische ©emeinberat Frank, an die christlich Orgamfierten mit ber Aufforderung heran, sie sollten sich in ben sozialdemokratischen Verband überschreiben kaffen; .wir dulden nicht, daß hier christlich organisierte Zimmerer beschäftigt werden*. — Das nennt man bann Freiheit der Organisation für jedem

.-. Sozialdemokratie und Militärvorlage. Auf dem Jenaer Parteitag spielte sich ein eigenartiger Zwischen­fall ab, ber aus ben Debatten herausgehoben roerben muß. Der bekannte Revisionist NoSke verplappert« sich in folgender Weise:

.Wenn bie Genossin Luxemburg so scharf auf die Regungen der Volksseele geachtet hat, so würde sie wissen, daß der Mißerfolg bei der Aktion gegen die Militär­vorlage zurückzuführen ist auf russische Verhältnisse, namentlich auf die Zusammenziehung russischer Soldaten und russischen Kriegsmaterials an der Grenze, wodurch eine Kriegspanik entstand. (Zu­ruf Ledebours: Sie begründen ja die nächlie Militärvor­lage! — Heiterkeit.) Ich stelle nur die Tatsachen fest. Die Stimmung der bürgerlichen Kreise wurde durch diese Verhältnisse beeinflußt, und das blieb auch nicht ohne Wirkung auf die Arbeiterklasse.* , .

Sehr richtig; nur hätte Noske noch einen Schritt weiter gehen müssen. Diese Tatsache machte auch Ein­druck auf die sozialdemokratischen KommissionSi Mitglieder; sie sprachen in ber Kommission ganz anders als im Plenum, namentlich der Abg. Bebel, ber damals zum letztenmal auftrat.

** Münster, 19. Sept. 1913. Amtliches Wahl­ergebnis. Bei der Wahl zum Abgeordneten­haus e im Wahlkreise Lüdinghausen-Beckum-Waren- dorf wurde Graf Max zu Droste-Vifchering (Zentrum) mit 430 von 433 abgegebenen Stimmen gewählt. i

][ Stuttgart, 18. Sept. 1913. Zu dem Ergebnis ber Landlagswahl in Rottweil schreibt der nationalliberale ,Schwäb. Merkur' u. a.: .In den ganz evangelischen Ortschaften Flözlingen, Locherhos unb Tübingen waren am 16. November 1912 noch 35 Zentrumsstimmen abgegeben worben; am Sams­tag sind sie auf 5 zusammengefchrumpft." Der

ihre Lippen zusammen und wie abgezirkelt war jede ihrer Bewegungen, sodaß die ganze Erscheinung einen etwas automatenhaften Eindruck hervorrief.

Klärchen war an die an der Nebenwand stehende Kommode getreten und stellte ben mitgebrachten Bin' menstrauß in eine Glasvase, wobei sie ben Eltern ben Rücken zukehrte. Der Vater begann:

„Es Hot sich schon Widder aaner gemeld, der gern mein Tochtermann tät wer'n, Klärche! Des is jetzt schon der drift seit dem vorige Sommer! Die Freier sein schein's gut gerate in dem Johr!"

„So scheint's!" ertoiberte das Mädchen ohne sich umzuwenden. Fast schien es, als wenn sie ben Sinn ber Worte des Vaters gar nicht ersaßt hätte.

„Diesmal is es en Borsch. dem's arg am Herze liegt, wie die Mutter maant!"-fuhr der Alte fort. „Ün en Borfch, der eme- Mädche schon gefalle könnt!"

„Mir gefällt kaaner!" lautete die kurze Antwort.

„No — nur de Gaul erst betrachte eh mer ihn schlecht micht, sagt der Jud! Du waaßt jo gar nit, wer der Borsch is — warum sollt er dann dir grab allans nit gefalle? Es wär boch ber wert, baß bu ihn wenigstens emol —" „Vatter," unterbrach das Mädchen ben Sprechenden, indem es sich Plötzlich urn- wendete, „Vatter, fängst du aach an, mich mit dem Heirate zu tribulicre, wie s die Mutier schon die ganz Zeit her tut? Wollt ihr mich dann mit aller Gewalt zum Haus hinaushabe? Bin ich eich dann zuviel?"

„Awer Kind, was sinn bann bes for Rede?" ent­gegnete ber Bauer bestürzt. „Setz dir boch um Him­melswille so kaa Zeig in de Kopp! Ich dich zum Haus hinaushawe — du mir zuviel? Wenn ich dran denk, daß ich dich hergewe soll, bann is mir's, als wenn mir en Dropve vom Herz absalle tät — bann möcht ich gleich —",

„Sei nit bös, Vatterche!" unterbrach ihn bie Toch­ter, inbem sie zu dem Alten trat unb ihm zärtlich bie Wange streichelte. „Es war jo nit so gemaant! Awer bie ganze Mannsleit könne mir 'geflöhte wer'n wenn ich dran denk, daß ich Wege aam von bene alles was mir lieb un an's Herz gewachse is, ussgewe soll! Am liebste tät ich ledig bleiwe!"

(Fortsetzung folgt.)