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und sah den Aufgeregten mit entsetzten Blicken an. Dann sank sie wieder laut aufschluchzend auf den Stuhl und stammelte:

„Heinrich — so was kannst du zu mir, zu deiney Frau sage? Haß sagst du — Haß! Och Gott!"

„Hab ich mich jemals von dir unnerkriege loste, Magret? Ich denke doch nit! Deßwege kann zwische uns zwaa doch aach von kaam Haß die Red sein! Wenn awer e Fraa, wie du's getan host, e ganz Mcnschealter lang bohrt un immer Widder bohrt, um uff de erste Platz zu komme, wenn sie dobei ihr'n Mann wegzudränge und ihm alles Recht aus der" Hand zu winde sucht — dann mutz aach der wärmst Lieb de Garaus gemacht wer'n un wenn ich dir saye, dah des alles so bei uns gewese is, dann darfst du dich nit beklage, denn du selbst bist schuld dran!"

Frau Kayser hatte ihr Taschentuch hervorgezo­gen und weinte still vor sich hin. Jh, Gatte war an das Fenster getreten, das nach dem H^se hinausging, wo eben drei Knechte damit beschäftigt waren, den schweren Erntewagen in die etwas niedriger gelegene Scheune zu schieben und rief: den Fensterflügel öff­nend, in scharfem Gebietertone hinaus:

„Paßt mir uff, mit dem schwere Wage un dreh mir die Brenis nit zu weit uff, Philipp! Un gebt, acht, daß ihr die richtig Kehrt krieht!"

Den Fensterflügel in der Hand haltend, beobacht tete er, ob fernen Anordnungen richtig Folge geleistet wurde und erst als der Wagen bis auf die Deichsel in der Scheune verschwunden war, wandte er sich wieder, das Fenster schließend, nach dem Innern der Stube wo seine Frau noch immer ihren Tränen freien Lauf ließ.

Einen Augenblick blieb der Bauer stehen, als überlege er, was er der anscheinend Fassungslosen sagen solle, dann begann er ruhig:

„Es is jo zum Lache, daß wir alte Leut noch so Zeig schwätze — awer du host's jo Widder uff die Spitz getricwe! 11 n weil's dann in aam Uffwäsche hingeht, muß ich dir aach des noch sage: Lotz unser Kind mit beim Vasesobn, mit dem Kercheroder Ja­kob, in Ruh' Du siehst jo doch, daß es uir von denk, Wiste will!"

. (Fortsetzung folgte

Erscheint tüglich mit Ausnahme der Senn- und Feiertage, üierlct- jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Hulda sowie auswärts 1.50 Maria •••• Rotationsdruck und Verlag der * z Zuldaer fletienbrutkerei in Hulda. Hernsprecher fir. 9. ::

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Freitag den 19. September 1913.

fir. 217

Erstes Blatt.

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40. Zahrgang.

gX Die «eue Lürkisch-

.-«lgavr-^rG-^ze.

Nach der "gestrigen Sitzung der türkischen und bulgarischen Unterhändler in Konstantinopel erschien eine amtliche Meldung, welche bestätigt, daß die Grenzfrage nunmehr endgültig geregelt ist. Die Bulgaren haben in der Nachgiebigkeit das größte geleistet. Nickt nur Adrianopel und Kirkilisse, auch Demotika bleibt türkisch.

Das Gebiet, um das in diesen Tagen in Kon­stantinopel gehandelt worden ist, hat vor jetzt knapp einem Jahr die glänzenden Siege der bulgarischen iWaffen gesehen, welche die schlechtgerüstete Türkei so ,rasch niederwarfen, hät das Blut von so vielen Tausenden tapferster Soldaten getrunken — alles ist dahin, der Lorbeer und der Gewinn. Mr Be­sitz dieses Gebietes war ein Zwischen piel, und Sofia wird nach wie vor Bulgariens Königsstadt sein; nach Mdrianopel, das die Zarenburg werden sollte, werden sich wieder nur mehr die sehnsüchtigen Blicke und die verlangenden Gedanken richten, bis ein neuer !£ag für das alte Ziel gekommen sein wird. Vorläufig bleibt es türkijch oder richtiger gesagt: wird «s wieder türkisch. Denn das Bezeichnende ist ja gerade der Rückschlag, die Rückbildung der durch den ersten Balkankrieg geschaffenen Lage zugunsten jienet Macht, die damals vollständig geschlagen war.

, Darum kann man auch an dem jetzigen „Frieden" kein Behagen sinden. Die Wiederausdehnung der türkischen Herrschast in Thrazien Paßt nicht in die naturgemäße Entwicklung der Dinge am Balkan. -Wenn der Feldzug der vier Verbündeten Balkan­staaten überhaupt einen vernünftigen Sinn und Zweck hatte, so konnte es doch nur die Beseiti­gung der Türkenherrschaft aus Europa fein. Der europäische Südosten sollte von dem Druck erlöst werden, der seit fast einem halben Jahr­hundert auf ihm lastete, und die Türkei sollte zu einem asiatischen Staatswesen gemacht werden, wie cs ihrer religiösen und politischen Struktur ange­messen war. Wenn man Konstantinopel und einen bescheidenen Zipfel noch im Besitz der Osmanen be­ließ, so war das eine Erleichterung des Ueberganges, die keine erhebliche Gefahr in sich schließt. Denn chicse alte Hauptstadt und ihr Zubehör waren real­politisch nicht so groß, um die künftige türkische Re­gierung von dem rechten Wege, der Pflege des asiatischen Gebietes, dauernd abzulenken. Aber 'toenn nun schließlich tue türkische Grenze wieder zurückgeschoben wird bis westlich pon Adrianopel, dann stellt sich in Konstantinopel die starke Versuchung ein, von neuem europäische Politik zu treiben, gelegentlich vielleicht Revanche­politik. Der verwegene Vorstoß, den Enver Bey gegen Adrianopel unternahm, hat Erfolg ge­habt, einen großen Erfolg, der das Selbstbewußt- sein und die Unternehmungslust der Türken stark und nachhaltig anfachen mutz.

jk Umsomehr, als auch die rückständigsten Politiker in Konstantinopel klar erkannt haben, daß von „Eu- stotza", von dem Konzert der großen Ohn­mächte, nichts zu befürchten ist. Bulgarien ist phy- jsisch zusammengcbrochen, „Europa" moralisch. Als die Türken ihren Rückeroherungszug veranstalteten, wurde ihnen mit Stentorstimme erklärt, daß „Eu- xopa" sich die Umwerfung der Londoner Abmachungen nicht gefallen lassen könne und werde. Aber „Europa" läßt sich jetzt alles in größter Ergebenheit gefallen, Sogar die Rückgabe von Demotika und Kirkilisse an jen Halbmond.

Jedermann auf dem Balkan — links und rechts, ^nördlich und südlich, ist jetzt der Ansicht: Nimm nur, .was du kriegen kannst: „Europa" wird sich vor der vollendeten Tatsache beugen! Demgemäß werden suicht bloß die türkischen Chauvinisten handeln, son-

Her Mrandstister.

M Mne.Bauerngeschichte aus dem Taunus von Fritz Ritzel.

Dfe'äusi Dem, Trittbrett an dem Fenster sitzende, ■etfiia fünfzigjährige Frau paßte mit ihrer Erschei­nung genau in den Rahmen der gediegenen altväter­lichen Einrichtung. Mit ihren grauen, schlicht ge­scheitelten Haaren, den rotgeäderten Wangen und dem einfachen Kattunkleide, über welches eine gestreifte .noch die Liegefalte zeigende Schürze gezogen war, wie auch der auf dem Hinterkopf sitzenden schneeweißen Tüllhaube, repräsentierte sie so recht das Bild einer kernigen Hausfrau, wie sie im Nassauer Ländchen heimisch sind, einer jener Frauen, die einen förmli­chen Kultus mit Reinlichkeit und Ordnung treiben, fortwährend auf der Jagd nach einem Flecken auf dem Fußboden oder einem an den Möbeln haftenden Stäubchen sind und jeden Eintretenden mißtrauisch darauf mustern, ob er im Stande sei, die strenge über allem schwebende Ordnung nur im Geringsten 'zu ver­letzen. So wandte sich Frau Kayser auch sofort an ihren eintretenden Gatten mit der Frage:

„Host du aach saubere Füß, Vatter?" worauf der Bckuer launig erwiderte: „Ganz saubere, Mutter — erst heit Morzjcnd hab ich sie gewäsche!"

„Die Füß maan ich nit — von den Stiewel is die Red, daß du mir kaa Treckdappe michst!"

„Ja warum fragst du dann da nooch de Füß?" io ar die lachende Entgegnung. „Am Gescheideste is es, du stellst Filzschlappe vor die Tür, wo jeder hin- einschlnppe muß, eh er in die Stub derf — dann hört dein ewig Lamento über des bißche Dreck, wo herein- gebrocht werd, endlich uff!"

„Mei ewig Lamento? Ich wollt entöl sehe, ob 'dir's Passe tat, werm's tn dec Stub do aussehe tat, als wie in eme Saustall — do wärst du der Erst', ;too uffbegehre tat!"

„Zwische ente Saustall un erer Stub wie die do, do leiht awer noch viel dezwische!" meinte der Bauer und etwas wie Mißmut flog über fein charakteristi­sches Gesicht. „Daß ihr Weibsleut immer gleich des

dem auch die Bulgaren, sobald sie sich aus der gegenwärtigen Ohnmacht und fatalistischen Ergebeu- jjeit wieder erholt haben. In Sofia wird man nur darüber im Zweifel fein, ob man erst an den „ver­räterischen" Verbündeten Rache nehmen oder zunächst die erneute Kraft an den Türken in Thrazien Pro­bieren soll. Einen Revanchekrieg gibt es in abseh­barer Zeit sicherlich. Wahrscheinlich sogar eine Kette von neuen Kriegen um den Besitz und die Macht auf der Balkanhalbinsel.

Wenn der Krieg keine klaren und sicheren Ver­hältnisse schafft, so sind die schweren Opfer an Gut und Blut vergeudet.

Das Ergebnis der schweren Balkankriege ist nicht eine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung der politischen Lage. Und das Verhängnis will es, daß ganz Europa unter der Unruhe mit leiden muß, die am Balkan verewigt werden.

Zum Uebersluß hat auch die jüngste Reise des griechischen Königs nach Berlin keinen be- friedigenden Ausgang genommen. Allzu scharf macht schartig. Die angestrebte Annäherung an Deutsch­land endete in einem Kotau vor Frankreich. An sich kein welterschütterndes Ereignis, aber doch ein weiteres Zeichen, daß die krausen Dinge im nahen Orient den europäischen Staatsmännern heikle Auf­gaben in Fülle stellen.

„Schön ist der Friede, ein lieblicher Knabe liegt er gelagert am ruhigen Back", so singt Schiller; aber was man dort, hinten „Frieden" nennt, das ist kein lieblicher Knabe, sondern ein Struwelpeter, der Dor­nenkränze wickelt.

+ Homerule.

Kaum ist je tn einem modernen Staatswesen gegen eine Forderung der Gerechtigkeit so hartnäckig und mit solch verwerflichen Mitteln gekämpft worden, wie es jetzt in Irland von den protestantischen Ulster­leuten gegen das irische Selbstverwaltungsrecht ge­schieht. Die Dinge haben sich bereits so zugespitzt, daß die irische Frage in England augenblicklich die brennendste geworden ist und ein Bürgerkrieg vielleicht die Folge des häßlichen Streits um Home­rule sein wird.

Weil es konfessionelle Gegensätze sind, die dem Kampf um die irische Selbstverwaltung die Zähigkeit und Gehässigkeit geben, darum weckt das Schicksal der Homerule-Vorlage auch über Groß. Britanniens Grenzen hinaus Aufmerksamkeit und Interesse. Die Frage, ob dem Jahrhunderte lang geknechteten Volk der schönen grünen Insel endlich einmal wieder ein Teil der Rechte zurückerstattet werde, die ihnen ihrer Glaubenstreue wegen sind ge­nommen worden, bewegt auch die Katholiken und alle Rechtdenkenden anderer Länder, die dem wegen feU ues Glaubensmuts verfolgten Jrenvolk endlich ein- mal Ruhe und Wiedererstarkung gönnen. Die eng­lische Regierung hat auch offenbar den Wil- lelt, das Hvmerule-Gesetz endlich in Kraft treten zu lassen und trifft zur Durchführung seiner Bestim­mungen auch bereits alle Vorbereitungen. Um so erregter und leidenschaftlicher wird deshalb der Kampf der Gegner der irischen Selbstverwal­tung, und noch weiß man nicht, ob die Regierung dem Drängen und Drohen der einflußreichen Gegner standhalten wird. Ter konservative Führer Bal­four fordert vor der endgültigen Annahme der Selbstverwaltungsvorlage Parlamentsauslösung und Neuwahlen, da er hofft, daß.die Neuwahl eine der Homerule-Vorlage feindliche Mehrheit im Unter­hause schaffen würde. Diese Hoffnung ist eitel, da außer Zweifel steht, daß die Regierung nicht nur eine Parlaments mehr beit, sondern auch die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich hat, sodaß das Kabinett Asquith unbedenklich mit der endgül­tigen Durchbringung des Gesetzes auch gegen den

Kind mit dem Bad ausschiitt! Ordnung un Sauber­keit sein schön un mache aam des Lewe kommod — awer alles mit Maß un Ziel! Mer muß Herr von der Ordnung bleiwe un darf nit zu ihr'm Knecht wer'n! Des wär grad so weit gefehlt, als wenn mer Unordnung halte tat! Du übertreibst's e bißche mit deiner Ordnung un deiner Sauberhalterei, Mutter!" „Un du host nur immerfort an mir auszusetze!" erwiderte Frau Kayser gekränkt. „Wie ich's von de- haam aus gelernt bin wor'n. so halt ich's un lasse mir von niemand was hineinrede — aach von dir nit!"

„Daß du dir in nix was hineinrede läßt und im­mer dem Kopp dorchsetze mußt — des waatz ich aach ohne daß du mir's zu sage brauchst! Das Gesicht des Sprechenden war recht ernst geworden und mit einem fast traurigen Ausdruck ruhte sein Blick auf der am Fenster Sitzenden. „Gar manch trüb Stund wär uns in unferm Ehelebe erspart gebliebe, wenn du dir de Spruch zu Herze genomme hätt'st: „und er soll dein Herr sein!" Doch for was reg ich mich uff — es is doch sed Wort zu viel!"

Gereizt richtete die Frau dckn Kopf empor.

, „Des glaab ich, daß es eich Mannsleit paffe tät, istenn wir Weiber uns immer ducke un nur die Magd spiele täte! Vor der Hochzeit schwätzt ihr aam de Kopp voll, wie gut mer's bei eich hält — hot awer de Herr Pfarrer erst des Kreiz gemacht, dann soll mer zu allem „ja" un „Amen" sage, was dem gnädige Herr einfällt! Dann sieht mer erst, was mer for e dumm Gans gewese is, des alles zu glaatoe, was ihr aam vorgeschwindelt babt!"

„Hör mir uff mit der alte Leier, Mutier!" fuhr der Bauer unwirsch empor. „Damit kannst du mir höchstens den schöne Dag verderwe! Du wärst grab die Recht', die sich unnerducke läßt — du, die immer un immer Widder ansetzt, for des Heft in die Hand zu kriege, daß alles noch beim Kopp geht! Wenn ich der Aanfalt wäre, wie du mich gern hätt'st — des gäb e schön Weiberregiment in dem Hans!"

„Weil du mich nit'acht'st un nit ehr'st, wie sich's gehört — weil du kaa Herz for mich host — deßwege hörst du nit uff mich un tust alles ohne mich zu frage! Annere Weiber, die könne ihr Männer

Widerspruch des Oberhauses rechnen kann. Andere Gegner der Homerule-Vorlage gehen noch weiter und wollen durch eine affen Deputation den König ersuchen, die Unterzeichnung des Gesetzes zu verweigern. Zur Begründung dieses seltsamen Ver­langens wird ausgeführt, daß die Stellung Englands zur Homerule-Vorlage bei den letzten Wahlen nicht eindeutig kundgegeben worden sei. Außerdem seien die konstitutionellen Funktionen des Oberhauses durch das Vetogeseh aufgehoben worden, ohne daß die ver­sprochene Rekonstruktion der ersten Kammer bisher in Angriff genommen worden wäre. Dieser Plan findet allerdings auch im konservativen Lager keine Billigung, nicht zuletzt ans dem Grunde, weil der König durch eine selbständige Verfügung, Neuwahlen herbeizuführen und so das Volk nach einmal über Homerule entscheiden zu lassen, sich der Gefahr aus­setzte, vom Volke desavouiert zu werden.

Nun ist neuerdings auch von liberaler Seite der Vorschlag gemacht worden, daß eine Konferenz der Führer der liberalen und der konserva­tiven Parteien zusammentreten soll, um sich dar­über zu einigen, in wieweit Irland Selbstverwal­tung erhalten, und was für die Beruhigung der rebel­lischen Provinz Ulster geschehen könne. Dieser Vor­schlag mag auf den ersten Blick wohl bestechen, aber man kann sich von feiner Verwirklichung nicht viel versprechen, denn schon im Jahre 1910 ist eine solche Konferenz abgehalten worden, doch scheiterte all ihr gutes Wollen an der verbissenen Unzugänglichkeit der irischen Unionisten, die von irischer Selbstverwal­tung in keiner Form etwas wissen wollen. Diese Ulsterleute haben heute einen womöglich noch grö­ßeren Haß gegen die Homerule-Anhänger, und heute kann man sich von ihrer Nachgiebigkeit noch weit weniger versprechen, als vor drei Jahren.

Die englische Stegierung ist somit vor die Aufgabe gestellt, gegen den fanatischen Einspruch religiös ver­hetzter Sektierer einer Forderung des Rechts zum Siege zu verhelfen, damit sie der Welt nicht das klägliche Schauspiel bietet, daß sie die Waffen strecken muß vor einer Hand voll Rebellen, die gegen das irische Selbstverwaltungsrecht keine anderen Ein­wände haben, als ihren Hatz gegen die katholischen Irländer,

C) Mehr Achtung vor sich selbst.

Diese ganz berechtigte Mahnung an den Stauf» manns st and finden wir in dem freisinnigen „Berl. Tagebl."

Die Anregung des preußischen Kriegsministers, verabschiedeten Offizieren Unterkunft in kauf­männischen Betrieben zu verschaffen, ist sofort von den in Betracht kommenden Organisationen im wesent­lichen ablehnend beantwortet worden. Nichtsdesto­weniger müßte man eigentlich dem preußischen Kriegs- Minister dankbar sein, daß er durch sein Schreiben die Diskussion über ein Thema in Fluß gebracht hat, das eigentlich schon längst hätte öffentlich diskutiert werden müssen: die immer mehr um sich greifende Verwen­dung von früheren Staatsbeamten ober Offizieren zu Leitern kaufmännischer Unternehmen. Der preußische Kriegsminister wäre wahrscheinlich nie auf ben Ge­danken gekommen, das bekannte Schreiben an die kaufmännischen Organisationen zu richten, wenn ihn nicht die Sucht gewisser kaufmännischer Kreise, an der Spitze chrer Unternehmungen Männer mit möglichst hohen Titeln zu sehen, geradezu gereizt hätte. In vielen Betrieben ist leider die Unsitte eingerissen, einen Geheimrat aus irgendeiner Behörde, die mit dem in Betracht kommenden Geschäftszweige oft gar nichts zu tun hat, als Direktor zu wählen, anstatt aus der Reihe der Angestellten einen geeigneten Aspiranten herauszusuchen und so dem kaufmännischen Nachwuchs das Vorwärtskommen zu ermöglichen.

„Schweig still!" unterbrach sie der Mann ärger­lich. „Host' du's richtig Widder fertig gebrocht, daß wir im schönste Dischpitt drin sinn? Nft achte un ehre tät ich dich — kaa Herz hätt ich sor dich, sagst du? Frag dich selbst, ob du mir immer des im Lewe gewese bist, was e gottesfürchtig Fraa ihr'm Mann fein foll!"

„Tn ich vielleicht nit tuet Pflicht un Schuldig­keit?" warf die Frau vorwurfsvoll ein. Man sah es ihren ängstlich auf den Gatten gerichteten Blicken an, daß das Gespräch an einem Punkt angelangt war, ben sie lieber vermieden hätte. t

„Sei Pflicht un Schuldigkeit als Hausfraa, die tust du — des kann dir kaa Mensch abstreite un ich bin der Letzt der —"

„Wenn du des selbst eingestehft, warum gehst bü bann bo so mit mer um?" unterbrach ihn bie Frau in weinerlichem Ton.

„Un ich bin ber Letzt" — fuhr ber Bauer unbe­irrt von dem Einwurf fort — „der nit einsicht, was er for e tüchtig Fraa an dir Hot! Awer loß dir des jetzt aa for allemol gesagt sein: Nit acht un ehre tät ich dich, host du mir vorgeworfe un kaa Herz hätt ich for dich! Hab ich's jemals an Achtung un Ehr for dich fehle lasse? Kannst du nit in meint Haus schalte un walt wie du willst? Hab ich dir jemals die Hand gebunne?"

„Awer Vatter — so war des jo am End aach nit gentaant!" beschwichtigte die Frau.

„litt kaa Herz hätt ich for dich!" Die Stimme des Sprechenden fank. „Kaa Herz! — Ich hab dich gern gehabt, wie nur en Mann sei Fraa gern hawe kann- awer du host von Anfang an nooch ni Ärmerem ge- tracht, als wie die Hofe cmzukriege, als wic's dohin zu bringe, daß alles un ich mit, nooch deiner Pfeif danzt! Des läßt sich faan Mann, wenn er en richtiger Mann is, gefalle — des is des beste Mittel, um des, was mer die Lieb haatzt, ans seim Herze heranszureiße! Der Mann, der sich von seim Weib unnerkriege läßt, nur weil er Ruh un Friede im Haus hawe will, der is unglücklich for seiner Lebdag un aus seiner Lieb werd Hatz! Term es steht geschriewe: „Das Weib foü-Untertan sein dem Manne!" Verstehst du?"

F.^" Kayser batte fick von ihrem Platz erhoben

Ein paar Fälle aus der letzten Zeit mögen diese Unsitte illustrieren: An der Spitze der Bank des Ber­liner Kassenvereins, also einer Verrechnungsstelle, bei der es weder auf Repräsentation noch auf Beziehungen seitens des Direktors ankommt, steht ein früherer 'R e - gtcrun gerat. In der Leitung der Berliner Han­delsgesellschaft, ist ein früher Vortragender Rat aus dem Auswärtigen Amt tätig, Vorsitzender des Auf­sichtsrates der A. E. G. war jahrlang ein Admiral,' der freilich ben Vorsitz in ben Generalversammlungen stets sofort nach Eröffnung ber Sitzung an ben stell­vertretenden Vorsitzenden des Aufsichtsrates der A. E; G., den geschäftsgewandten Herrn Fürstenberg abtrat. Besonders kraß ist die Besetzung der leitenden Stellen in der Glühlichtindustrie: Die Julies Pintsch-Gesell- schaft hat in ihrer Direktion den früheren Südwest­afrikareferenten der gleichen Behörde zum Direktor auserkoren. Beide Direktoren hatten in ihren früheren Stellungen nicht das mindeste mit Fragen der deut­schen Glühlichtindustrie zu tun. Bei der Auergesell-f schäft ist auch die Zusammensetzung des Aufsichtsrates, besonders interessant: ihm gehören unter fünf Mit, gliedern zwei Generäle an! —

Solche Beispiele lassen sich noch beliebig vermeh­ren; sie zeigen, daß einige kaufmännische Kreise direkt die Schuld daran tragen, wenn man sich im Kriegs- Ministerium das „Kaufmannwerden" fo außerordent­lich leicht dentt. Gerade in einer Zeit, in der immer mehr der Ruf nach „kaufmännischem Geist in der Verwaltung" ertönt, sollten die Kaufleute, mehr als es bisher der Fall war, auf Solidarität halten und dafür sorgen, daß dem Nachwuchs, der von der Pike auf gedient hat, die Möglichkeit des Erreichens leiten» der und beratender Stellen eröffnet wird.

Deutscher Reich.

** Berlin, 18. Sept. 1913. Kronprinzessin C e- c i l i e ist hier vormittags 10% Uhr eingetroffen unb, um 12 Uhr in See gegangen. — Die amtliche „Ber-' liner Korrespondenz" stellt fest, daß es nicht richtig sei, daß vom Ministerium des Innern und vom. Finanzministcrium der Entwurf einer Novelle zum Kommunalabgabengesetz aufgestellt worden fei. Es handele sich um eine V o r arbeit zu einem solchen Entwurf. — Die Entwürfe für ein Fi scherei-Gesetz und ein Fideikommiß- Gesetz sind int Landwirtschafts-Ministerium fertig gestellt und werden dem Staatsministerium zur Be-' ratung zugehen. — Der deutsche Generalkonsul in Newyork, Falcke, weilt gegenwärtig in Berlin unb hat auf dem Auswärtigen Amte bereits mehrfach Konferenzen gehabt, die in Verbindung dem der zur künftigen amerikanischen Zollpolitik und der weiteren Ausgestaltung der deutsch-amerikanischen' Handelsbeziehungen stehen

* Die Nationalspende dnüschrr Katholiken, bie am 16. Juni dS. Is. dem Kaiser in ber Höhe von rueb 1300000 Mark als Jubiläumsgabe zugunsten ber katholischen Missionen in den deutschen Kolonien' überreicht werden konnte, hat nachträglich durch spätere Eingänge eine Erhöhung um rund 120000 Mark erfahren. In diesem Zugang find auch die. bis zum 31. Juli aufgelaufenen Bankzinsen in Höhe von 12862 Mark verrechnet. Die Gesamtsumme' der Nttionalsvende deutscher Katholiken beläuft sich nach Abzug aller Unkosten sonach auf 1414 615 Mk.> Die Protestanten brachten für ihre Missionen bis zum 8. September 3441597 Mark auf.

* Ueber die Zahlung des Wehrbeitrages lesen wir in Berliner Blättern, daß damit gerechnet werden könne, daß spätestens bis Ende April die letzten Stenerzettel zugestellt sein werden, woraus hervorgeht, daß bie letzten Beiträge für das erste Drittel des Wehrbeitrages bis Ende Juli gezahlt sein muffen;