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Fuldaer Zeitung

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Kleines Feuilleton

Kilogramm im Jahre 1911 auf 53,2 Kilogramm in 1912 auf den Kopf der Bevölkerung, das heißt um beinahe 10 Pfund bei einer fünfköpfigen Familie zu­rückgegangen ist.

I ergibt bei der überwiegenden Mehrzahl der in dem I Jahrbuch aufgeführten Waren eine nahezu ohne "Un­terbrechung mehr oder weniger steil auffüh­rende Preissteigerung.

I , Am meisten schwankend sind selbstverständlich im einzelnen die Preise von gewissen landwirtschaftlichen Produkten, deren Erntemengen nicht sowohl von menschlicher Einwirkung als vielmehr von äußeren natürlichen Einflüssen, wie vom Wetter und derglei- I chen, abhängig sind, also vornehmlich von den Ge­treidearten. Aber charakteristisch ist es, daß I auch hier ganz offensichtlich, wenn man einen größe­ren Zeitraum von Jahren betrachtet, die Richtung der Preisverschiebung nach oben gerichtet ist. Äellt man die Jahre 1903 und 1912 in Parallele, so ist in dieser Zeit beispielsweise in Berlin der Roggen- I preis von 132,3 auf 185,8 Mk., der Weizenpreis von 181,1 auf 217 Mk., der Haferpreis von 136,6 au' 189,7 Mk. pro 1000 Kilogramm gestiegen. Die gleiche Menge Mais kostete 1903 in Breslau 121,8, 1912 dagegen 169,7 Mk. und ebendort stieg die Gerste in derselben Zeit von 128,3 auf 164,4 beziehungsweise (Braugerste) auf 179,8 Mk. Entsprechende Preis-

I zunahmen ergaben sich natürlich auch bei Roggenmehl und Weizenmehl. Die Speisekartoffel kostete in Ber­lin 1903 44,9 Mk. pro 1000 Kilogramm, 1912 da-

I gegen 70,5 Mk.

Ueber die Fleisch teuerung ist schon früher so­viel zahlenmäßiges Material beigebracht worden, daß wir heute hierauf nicht näher einzugehen brauchen, obwohl dies einer der wichtigsten Punkte ist. Wir I wollen nur erwähnen, daß gerade die letzten beiden I Jahre 1911 und 1912 bei fast allen Fleischgattungen die teuersten Preise gebracht haben. Speziell 1912 I hat geradezu erschreckend hohe Ziffern, beispielsweise I 166,2 Mk. für einen Dopvelzentner Rindvieh (gegen 129 Mk. in 1903) und 166,1 Mk. für einen Doppel- I zentner Hammel (gegen 132,9 Mk.). Das Jahr 1912 I zeichnet sich auch durch den bisher höchsten Schweine- I fleischpreis aus. Bei der stark wechselnden Aufzucht I der Schweine sind ja die Preise für diese Viehgattung I in den letzten beiden Jahren sehr verschieden, aber der Betrag von 147,4 Mk. für einen Doppelzentner vom Schwein wie im Jabre 1912 ist bisher niemals auch nur entfernt dagewesen.

Eine ähnliche fortschreitende Teuerung, nur viel I regelmäßiger als bei dem Getreide, läßt sich auch sonst feststellen. Da sei zunächst noch auf einige Nahrungs- und Genußmittel hingewiesen, wobei wir ebenfalls die Jahre 1903 und 1912 in Vergleich stellen. Es wuchs der Preis für den Dop­velzentner bei Butter von 223,6 auf 262,7 Mk., bei Rohzucker von 18 auf 24,6 Mk., bei Kartoffelspiritus von 20,3 auf 33 Mk., bei Reis von 22,3 auf 29 Mk., bei Schmalz von 88,4 auf 108,7 Mk. Geradezu exor­bitant ist die Steigerung bei dem Kaffee. So kostete 1903 in Hamburg der SantosKaffee 56,7 Mk., 1912 aber 149,9 Mk. Allerdings tragen daran nicht nur allgemeine Ursachen und die große Zollerhöhung aus dem Jahre 1909 die Schuld, sondern namentlich auch die sogenannte Valorisation durch die zur Hochhal­tung der Preise künstlich ein großer Teil des produ­zierten Kaffees vom Verkauf ausgeschloffen wird.

Aber auch sonstige Verbrauchsartikel sind | andauernd im Preise gestiegen. Wir nennen nur Wolle, Baumwolle, sämtliche Metalle, Steinkohlen und ! Petroleum, ohne dabei auch nur entfernt die Liste erschöpft zu haben. Besonders bedauerlich ist der ständig wachsende Preiszuschlag bei den Kohlen, da man weiß, daß er nicht auf natürlichen Ursachen be­ruht, sondern auf den Maßnahmen, die das Kohlen- syndikat zuungunsten der inländischen Verbraucher herbeigeführt hat.

Die Folge von dieser Teuerung, der in den Einzelhaushalten nicht eine entsprechende Erhöhung der Einnahmen gegenübersteht, ist ganz naturgemäß ein Rückgang des Verbrauchs. Auch hierüber gibt die Statistik Auskunft.

Es liegt auf der Hand, daß dieser Rückgang ein­mal weniger stark in die Erscheinung dort tritt, wo es sich um Artikel bandelt, die in der ständig weiter sich verbreitenden Industrie verwandt werden, also beispielsweise bei den Metallen und bei den Kohlen. Ferner ist es klar, daß eine Einschränkung in dem Verbrauch zu allerletzt erst eintritt bei den allernot­wendigsten Lebensmitteln, wie bei Getreide und Kar­toffeln. Aber nehmen wir dafür einige Genußartikel! Auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet, verminderte sich in den Jahren 1902-03 bis 1911-12 die Summe des Trinkbranntweins von 4 auf 2,9 Liter, beiu Bier im gesamten deutschen Zollgebiet von 110 auf 106 Liter, beim Tabak von 1,6 auf 1,5 Kilogramm, beim Kaffee von 3 auf 2.53 Kiloaramm. Was das Fleiscb anlangt, so ist von dem Kaiserlichen Statistischen Amt bereits früher an anderer Stelle nachgewiesen worden, daß der Gesamtverbrauch im Jahre 1912 von 54,1

= Die Verteuerung der Lebens­haltung.

Alles wird teurer! Diese schon seit Jahren stän­dige Klage wird wieder einmal in aller Form und durch unangreifbare Zahlen bestätigt in den Nachwei­sen, die wir in dem soeben erschienenen „Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich" finden. Die dort in dem Kapitel „Großhandelspreise wichtiger Waren" veröffentlichten Ziffern reden, so trocken sie erscheinen mögen, eine beredte und beackitenswerte Sprache, und mit Besorgnis fragt man sich, wohin das füh­ren soll, wenn man sieht, wie die meisten Nah- rungs- und Genußmittel, sowie die sonstigen Ver­brauchsartikel fast unaufhaltsam i m P r e i s e steigen. Es handelt sich da nicht um Erscheinun­gen, die auf zufälligen Ereignissen beruhen und die man darum als vorübergehend betrachten kann, sou- dern der Vergleich einer großer- Reihe von Fahren

M 216.

Donnerstag 18. September 191$.

Immer ohne Ruh und Rast In dem Weltgebrause, Ueberall ein fremder Gast, Ueberall zu Hause;

Hier mal freundlich angeblickt Und genannt willkommen, Torten aber unerquickt Murrend ausgenommen.

Für die Ruh in dieser Nacht Warme Lagerstätte, Morgen Biwak mitgemacht, Freies Feld zum Bette; Heute droben im Palast Bei dem reichen Grafen, Morgen armer Hirten Gast Und int Stalle schlafen.

Liebe Mutter, schilt doch nicht! Ist mir kein Vergnügen, Tue ja nur meine Pflicht, Wenn ich hier muß liegen.

Hab' ja auch ein Vaterhaus, So, wie Deine Kleinen, Ging dort lieber ein und aus Bei den lieben Meinen.

Jahre fliehen pfeilgeschwind, Bald auch kann's geschehen, Daß einmal von dir ein Kind Muß zur Fahne stehen, lind es ruft von fern und spricht Dir zum Mutterherzen, Fremde Menschen liebten's nicht: Gelt, das macht dir Schmerzen?

Ties bedenke doch zur Zeit Und sei nicht so bitter, Auch wir deutsche Kriegesleut' Haben unsre Mütter.

Unsre Lieben all' zu Haus

2. Blatt.

vrua oct Fuldaer ZcticRbreaetci in Zul-a.

welches sich in beträchtlicher Menge int Tabakranck borftnbet. Ohne Zweifel sind noch andere giftige Produkte vorhanden, z. B Pyridin, doch kommt dem l Kohlenoxydgas der Hauptanteil an der Giftwirkunq ! des Tabakrauches zu. Zu welch hohem Grade ersieht man daraus, daß 30 Gramm Tabak, das sind fünf bts sechs Zigarren, 13/.. bis 3 Liter Äohleuorydgas er­zeugen. Beachtet man, daß 0,15 Prozent vie­les Gases tn der Luft für tierische und pflanzliche Le­ben schon sehr bedenklich sind, und daß ein Gehalt von 0,4 Prozent absolut tödlich wirkt, so wird man Wohl den Tabakrauch künftig nicht mehr für so harmlos halten, wie es immer geschieht, auch wenn er von mfottnfreten Zigarren herrührt. Auch im Zimmer arbeitende Vielraucher sollten sich Vorstehendes zu ' Kerzen nehmen. Nachteilige Folgen bleiben auf keinen

Jall aus, denn bet einem Blute, das ständig verdor­ben und vergiftet wird, kann kein Mensch gesund blei­ben: das Augenlichts und Gehör nimmt ab, ebenso das Gedächtnis, die Herztätigkeit wird geftört, es tritt ( Atemnot ein usw.

— Ei» kurioses Erinnerungszeichen an den deutsch- französischen Krieg von 1870/71 befindet sich noch tm Besitze einiger Teilnehmer, welche noch als Be- latzungstruppen zur Sicherung der Kriegsentschädi­gung Zurückbleiben mußten. Damals sollte ein spekulativer Graveur in einer zum Besatzungsgebiet gehörigen kleinen Stadt der Haute Marne die Ver­ehrung, welche die deutschen Truppen für ihren Generalstabschef von Moltke kundgaben, zu seinem Vorteil ausnutzen und Prägte eine'Anzahl kupferner Münzen in der Größe eines Sousstücks, welche auf ber Vorberseite bas mit bem Helm bedeckte Haupt Moltkes mit der komischen Umschrift „H Allgemein von Moltke" trugen Als der Verfertiger ber Münzen nach ber Bedeutung biefer Umschrift gefragt wurde, stellte es sich heraus, bcii; er bas Wort General aus einem französisch-deutschen Hanblexikon mit „Allge­mein" übersetzt unb demselben ein H als Anfangs­buchstaben de-- Vornamens Moltkes Hcllmut vorge­fetzt hatte, wdaß ber Sinn der Inschrift „Hellmut General Beu Moltke" fein sollte. Obschon diele Münze, welche von ihren Inhabern in der Regel an

— Neue Manöverlieder. Zur Förderung des Marschgesangs und der Marschmusik bei den Fuß truppen hat der Kaiser acht Marschlieder, welche durch die Spielleute zu begleiten find, und vier Mär- sche.für Spielleute eingeführt und das Singen an­stößiger Lieder verboten. Die vom Kaiser ausge- wahlten acht Marschlieder sind folgende: „O Deutsch- land, hoch in Ehren!" — „Morgen marschieren wir"

„Marsch ms Feld" — „Der gute Kamerad" — und die allgemein bekannten „Heil dir im Sieqer- "3$ bin ein Preuße" _ „Deutschland, Deutschland über alles" — „Tte Wacht am Rhein". I Neben diesen acht Liedern - bleibt den Truppen das ! Singen weiterer guter, in den verschiedenen Landes- ' teilen heimischer unb bem Mannschaftsgeschmack ent» sprechenber Lieber überlasten. Die Begleftunq dazu durch die Spielleute muß durch die Musikmeister be­arbeitet werden Als Märsche für Spielleute sind die Armeemarsche »Der Torgauer Parademarsch" __

„Der Schwedische Kriegsmarsch" — „Preußens Glo­ria" und der „Schwedisch? Reitermarsch" ausge­wählt worden. Dieze Märsche sind für Spielleute gesetzt und können auch bon den Musikkorps in der Tonart für Spielleute gespielt werden. Sie müssen von allen Spielleuten erlernt werden und sind bor­zugsweise dann zu Wien, wenn die Mannschaften 5 nicht fingen. Auch das Spielen weiterer guter Mär­sche bleibt den Truppen überlassen. Neben den vor- j gedachten, gewissermaßen offiziellen Marschliedern ent- ! wickeln sich nun auch zuweilen aus dem Geistes- unb : Gemutsleben ber Truppen selbst neue G-säim- welche nur allmählich entstehen, unb bon Zeit zu Zeit durch Zusätze erweitert werden, daher wirkliche Volkslieder sind und als solche ein allgemeineres Interesse er­wecken dürften. So wurde bei den im Jahre 1910 in der Umgegend bon F st l d a abgehaltenen Herbst- manöbern bon einem Teile der hessischen und thü­ringischen Truppen u. a. folgendes, vorher nur wenig

Ans dem Nachdargebiete.

][ Giesel (Kreis Fulda), 17. Sept. 1913. Die Meisterprüfung im Schneibergewerbe hat box der Prüfungskommission in Limburg bestanden Herr Leo Hasenauer aus @te;el, Kreis Fulda.

* Bad Salzschlirf, 18. Sept. 1913. Am 16. Sep­tember verzeichnete die Kurliste den 5 7 84. Kur. gast in der diesjährigen Saison.

-t- Schlüchtern, 17. Sept. 1913. Der Kgl. Land, rat sieht sich durch fortgesetzte Klagen und Beschwer­den der Wegebauverwaltung veranlaßt, die zum Schutze ber Straßen unb Wege erlassene Kreispolizei- verordnungen in Erinnerung zu bringen, wonach bas Weiden von Vieh in den Straßengrä­ben und auf den Banketten und Böschungen g ä n z- " N v e r b o t e n ist. Ferner müssen beim Austriet zur Weide die Tiere zusammengekoppelt und so ge­führt werden, daß sie die Bankette nicht betreten.

*..Offenbach a. M. 17. Sept. 1913. Als der zwolffahr. Sohn des Landwirts Müller im nahen Eppertshausen mit dem Gefährt seines Vaters den Bahnübergang passierte, scheute das Pferd vor einem herankornmenden Zug. Dabei fiel der Junge vom Wagen und wurde totgefahren.

* Griesheim, 17. Sept. 1913. Einern Dienstrnäd- rherk wurden am Sonntag in einem hiesigen Saale mcljrenb erdas Tanzbein schwang, sein Handtäsch- chen mit 200 Mk. vom Tisch gestohlen. Die Tater konnten nicht ermittelt werben. Der Tanzsaal ist auch wahre? UIt9eet9neter Platz, solche Schätze aufzube-

* Witzcnhausen, 17. Sept. 1913. Heute mittag fanb ber Obeischweizer ber hiesigen Kolonialschule mit seinen beiben Kindern den Tod in den F lu- t e n der Werra. Ti-> Leiche des 7jährigen Mädchens konnte bereits geborgen werden, während diejenigen des Vaters und des Knaben noch nicht gefunden wurden. Ob Selbstmord oder ein Unglücksfall vor­liegt, ist noch nicht festgestellt.

* Jena, 17. Sept. 1913. Das Jenaer Volksblatt zeichnet nut folgenden Strichen ein inter effan' tes Manöverbildchen: Den wohlgera- enen Zwetschenkuchen vor sich tragend, pas- terte eine blitzblanke junge Frau die Dornburger- straße, um hurtig ihrem Heim zuzueilen. Da kam müde, matt unb hungrig ein Trupp Solbaten beä Wegs, bte gar sehnsüchtig nach bem Kuchenge- »••rrUu&en l,nb mit lautern Zungenschnalzen das köstliche Aroma quittierten. Die wackere Frau hatte ms Herz auf bem rechten Fleck. „Da nehmt", meinte te treuherzig zu ben Solbaten getoanbt, „ich backe mir einen anbern Kuchen." Das'ließen sich bie boch- ^Ueitten Krieger nicht zweimal sagen. Im nächsten Augenblick blitzten ein halbes Dutzend breite Messer­klingen, und ritz-rag wurde der schöngebräunte Ku- chen in riesige Stücke geschnitten. Sie waren im

-y- Dom Neubau der Turnhalle am Kronhof. Die Ausführung der Betonarbeiten schreitet rüstig weiter. Fast an allen vier Längsseiten ist man be­reits ungefähr 3 Dieter hoch Auf zwei Seiten hat man bereits mit der Errichtung des Ziegelstein- mauerwerks begonnen. — Der Aushub aus einer Anzahl neuer Fundamentschächte wird mittels Kippwagen auf einem Transportgeleise Weiler ab­wärts gelagert, um später zur Planierung des Schul­hofes Verwendung zu finden. Eine Abnahme bei sehr großen Wassermassen ist noch nicht zu ber» zeichnen.

□ Die wilden Radler, bie in unserer Stabt schon zahlreiche Unfälle verursacht haben, werben von ber Polizei zur gewissenhaften Beobachtung ber Ver­kehrsvorschriften, rechts zu fahren unb an Stra­ßenkreuzungen bas Fahrtempo zu mäßigen, ange­halten. Jeber ohne Karie unb mii der üblichen rasenden Geschwindigkeit durch Fuldas Straßen jagende Radler wird unweigerlich zur An­zeige gebracht.

Postschcckverkehr. Zum „Verzeichnis der Kontoinhaber bei ben Postscheckämtern im Reichs- Postgebirt" erscheint in ben nächsten Tagen ber zweite Nachtrag (Staub vom 1. September), ber für 40 bei allen Postanstalten käuflich ist. Das Verzeichnis selbst (Staub vom 1. Januar 1913) kostet 1,80 Mk., ber erste Nachtrag (Stand vom 1. Mai) 40 Pfg. Kontoinhaber erhalten Verzeichnis unb Nachträge auf Verlangen von ihrem Postscheck­amt unter Lastschrift bes Preises; auch können sie sich ben regelmäßigen Bezug bes Verzeichnisses sowie der tm Laufe des Jahres erscheinenden Nachträge durch« einmalige Bestellung bei ihrem Postscheckamt/

Lokales.

Fulda, 18. September 1913.

0 Personalien. Der Oberlehrer am Königlichen Gymnasium in Hanau, Professor Markshausen, ist oom 1 Oktober d. I. ab zum Direktor des Gymnasiums in Weilburg ernannt worden.

A Zum Vorsitzende» des Strombeirats für den Weserbezirk ist auf der Tagung in Hannover Direktor Pulvermache r-Kassel, der verdienstvolle Vor­sitzende und Mitbegründer des Vereins der Weser- schiffahrts-Jnteresfen ernannt worden. Dem Strom­beirat für den Weserbezirk unterstehen alle Fragen, die Schiffahris- unb Stromregulierung s- Angelegenheiten auf ber Weser unb ihren Neben­flüssen betreffen.

i<- Allgemeine Ortskrankenkasse der Stadt Fnlda. Am Dienslag abend war die Frist abgelaufen, in der beim Vorstand der Kaffe Wahloorschlagsliften em» gereicht werden mußten. Für die Arbeitgeber wurde nur ein Wahloorfchlag eingereicht, so daß die Arbeitgeber nicht zu roäb'en brauchen. Die auf der eingereichlen Liste siebenden Herren gelten als ge­wählt. Dagegen sind Donfeiten der Arbeit­nehmer drei Listen eingegangen und zwar 1. oom Zwölfer-Ausschuß, 2. oon den Bereinigten freien Gewerkschaften Fuldas und 3. von dem Sozialen Ausschüsse für Fulda und Umgegend. Die Wahlen finden am 1. Oktober statt und werden aller Voraus­sicht nach eine sehr lebhafte Beteiligung zeigen.

kre Landwirt und Gewerbesteuer. Landwirte dürfte folgende Entscheidung aus der neuen Recht­sprechung des Oberverwaltungsgerichtes interessie­ren. Ein Landwirt hatte sich eine Dreschma­schine angeschafftund gab fie gelegent­lich gegen Entgelt an Bekannte ab. Die Steuerbehörde war ber Ansicht, darin liege ein steuer" pflichtiger Gewerbebetrieb und beranlagte den Be­treffenden zur G e Id e r b e ft e u e r. Das Oberver­waltungsgericht stellte ihn auf seinen Antrag frei. In den Gründen der Entscheidung wird u. a. aus­geführt: Unter einem Gewerbe verstehe man eine mit ber Absicht ber Gewinnerzielung unternommene, selbständige, berufsmäßige, unb erlaubte Ar­beitstätigkeit, welche sich als Beteiligung am allge­meinen wirtschaftlichen Verkehr barstelle. Im vor- licgenbett Falle fehle ber Tätigkeit jedenfalls das Merkmal ber Berufsmäßigkeit, weil er bie Dresch­maschine, bie er für seine eigene Landwirtschaft an­geschafft habe, nur gelegentlich — wenn auch gegen Entgelt — an Bekannte abgebe. Denn berufsmäßig fei nur eine fortgesetzte, auf die Erzielung von Ge­winn gerichtete Tätigkeit, welche erkennen laste, daß sie das Ergebnis des Entschlusses sei, dieselbe Hand­lung zur Gewinnerzielung in Zukunft zu wieder­holen. Eine berartige Berussmäßigkeit lasse sich bei einer gelegentlichen Abgabe ber Dreschmaschine nicht erkennen unb somit rechtfertige sich die Freistellung von der Gewerbesteuer, weil kein Gewerbebetrieb vor" liege.

□ Die Gesellenprüfung für das Schmffdehandwerk der Kreise Fulda und Gersfeld wird am 16 Oktober b. Js. abgehalten. Anmeldungen zur Prüfung sind bis zum 25. September an Herrn Hofschmiedemeister Jos. .91 u t b zu richten.

§ Eine Belohnung seitens derEisenbahnbebörde erhielt der ReierDe-Lokomotioführer M e n z el zu Schlitz, weil er das Ueberfabten eines Fuhrwerks verhütet bat

-V Wagenmangel auf der Eisenbahn. Bei der Güter-Abferiigung auf Bahnhof Fulda macht sich der beginnende Herbstverkehr schon recht bemerkbar. Hauptsächlich sind es die bedeckten Güterwagen, nach denen schon große Nachfrage ist. Auch die offenen Güterwagen (Kohlenwagen) werden zur Zeit schon ’tarf in Anspruch genommen. Interessenten werden jut tun, ihre Magen vor 11 Uhr vormittags zu be- tellen; wer nach 11 Uhr bestellt, hat keinen An- pruch auf Gestellung der Wagen für den nächsten Tag. Eine beschleunigte Entladung der Wagen sei­tens der Empfänger würde viel zum schnelleren Um­lauf der Wagen beitragen.

? Tas Opfer eines Manöverunfalles wurde gestern in das hiesige Landkrankenhaus eingeliefert, nämlich ein Infanterist, der auf dem feuchten Boden im Manövergelände bei Birstein zu Fall gekommen war. Im Sturz war er mit dem Gesichte auf das Gewehrschloß aufgeschlagen und hatte sich eine oldje Verletzung des Auges zugezogen, daß dieses auf operativem Wege entfernt werden mußte.

t Selbsthilfe der deutschen Katholiken.

Männer von Weitblick und Tatkraft wa­ren es, die in den Pfingsttagen des Jahres 1898 den Appell zur Gründung des Albertus-Magnus- Vereins an das katholische Volk ergehen ließen. Sie sagten sich, daß cs mit bloßen Klagen über die den Katholiken gegenüber, besonders in Preußen, geübte imparitätische Behandlung, über die offen­sichtliche Zurücksetzung bet der Verwendung in ein­flußreichen Stellen im öffentlichen Leben, nicht sein Bewenden haben dürfe, sondern daß der Weg ziel- bewußter Selbsthilfe energisch beschritten wer­den müffe.

Es war zu derselben Zeit, da die vollere Erkennt­nis von dem wirklich vorhandenen folgenschweren Mißverhältnis in bezug auf die Arbeit der Katholiken an den akademischen Studien und infolgedessen an der B e Werbung in den dieses Studium fordern­den höhern Laienberufen sich durchrang, es war just zu derselben Zeit, da als Erwiderung auf die Jm- Paritätsbeschwerden der Katholiken das Wort ge­prägt wurde, sie seien „inferior" und ließen es an geeigneten Bewerbern fehlen, als diese Tat der S e l b st h i l f e folgte und der Albertus-Mag- nusverein gegründet wurde, jene segensreiche Vereinigung, die heute auf dem geistigen Kampffeld steht, um Kräfte zu entsenden, die das Feld wieder erobern sollen aus dem wir verdrängt worden sind.

14 Jahre ist der Verein an der Arbeit. In dem preußischen Verband, der seinen Vorort in Trier hat und in den 12 preußischen Diözesen feste Wurzeln gefaßt hat, zählt er ca. 40 000 Mitglieder. Die Jahreseinnahmen betrugen im letzten Geschäftsjahr an Mitgliederbeiträgen 72 895,95 Mk., an Stiftungen, Schenkungen und Zinsen von Stif­tungen 36 893,66 Mk., an Rückzahlungen früher gewährten Studienbeihilfen von solchen Sti- pendiaten, die mittlerweile in Amt und Stellung ge­lang sind 23 551,80 Mk., zusammen 133341,91 Mk. An Studienbeihilfen konnten gewährt wer­den 107 395 Mk. Die Gesamtleistung an solchen Studienbeihilfen beläuft sich bereits auf 873108 Mk., die in die Hände würdiger und bedürftiger Hoch- fchulstudierender geflossen sind. Zirka 1000 Sti- Senbiaten haben an den Wohltaten des Alberius- llagnnsvereins teilgenommen und dadurch eine we­sentliche Beihilfe für ihre Studienzeit erlangt, die die meisten mit größter Dankbarkeit zurückerstatten, sobald sie hierzu in der Sage sind. Durch diese Rück­zahlungen verdoppelt und vervielfältigt sich die Wirksamkeit dieser finanziellen Hilfsquelle, sie fließt zum Ursprung zurück, um neue Wohltaten zu gewähren.

Auch in den anderen deutschen Bundesstaaten sind ähnliche V e r e in e an der Arbeit. Das Streben zu kräftiger S e l b st h i l f e hat auf der ganzen Linie begonnen. Es darf aber kein Still­stand ober gar Rückgang eintreten; bie Zahl ber katholischen Studierenden in vielen Laufbahnen bleibt immer noch weit hinter jener ber nichtkatho­lischen zurück. Niemand darf sich der Ueberzeugung verschließen, daß die Vertretung der Katholiken in den gebildeten Ständen sich noch sehr heben muß, wenn nicht die katholischen Grundsätze aus dem öffent­lichen Leben immer mehr verbannt werden sollen. Würdigen und talentvollen katholischen Studenten in ihrer Studienlaufbahn voranzuhelfen, I ist also ein notwendiges und sehr verdienstliches Werk. Darum immer noch rüstig weiter in . der Förderung des Albertus-Magnus-

B e r e i n s, vor allem auch inunsererDiözese I

Weg mit aller Gleichgültigkeit und Jn- teresselosigkeit! Hilf dir selbst, bann hilft dir Gott, kathol. Deutschland, auch auf diesem Gebiete. ' I

Werden gern dich segnen, Wenn du ihren Söhnen dranß Freundlich wirst begegnen.

Ein anderes Manöverlied, welches den bekannten Ausspnich des Kaisers: „Sie sollen uns nur kom- jnen!" zur Grundlage haben dürfte, lautete also:

Wie ein Schreiber krumm zu sitzen, Settern aus's Papier zu kritzen, Dieses Los behagt mir nicht; Lieber doch nach Ruhm und (Selbe Streben auf bem freien Felde, Wo man mit den Waffen ficht, Dies ist eine schön're Pflicht.

Schlägt auch starker Kugelregen Mit Kaxionendonnerschlägen Mörderisch in unsre Reih'n, , Wollen wir wie Mauern stehen, Kühn dem Tod in's Antlitz sehen. Immer schlagen mutig drein. Das. soll unsre Losung fein!

Fällt ein Freund an meiner Seite, Wird mir weh von Herzeleide, Doch es ist Soldatenlos;

Sterbend auf dem Feld der Ehre Zu des Vaierlandes Wehre Ruht er sanft im Erdenschooß, Und des Helden Ruhm ist groß.

Mögen sie von West und Osten Kommen, wir stehn auf dem Poste- Wenn sich Deutschlands Feinde nab' - Und wir jagen ohne Zweifel, Dann sie allesamt zum Teufel.

Bon dem blutbespritzten Plan: Hurrah! Kommt uns nur heran! x. .

— Warum können viele den Tabakrauch nicht ver­tragen? Bekanntlich können viele Damen und auch manche.Herren den Tabakrauch nicht ausstehen. Müs­sen sie sich in einem mit Tabakauch gefüllten Raume aufhalten, z. B. in einer Gastwirtschaft ober in einem Eisenbahnabteil, bann wird ihnen schlecht, sie werden blaß, klagen über Kopfschmerzen usio. Man ist immer geneigt, diese Wirkung auf den Nikotingehalt des Ta­bakkrautes zurückzuführen; die Ursache ist aber eine ganz andere. Durch Experimente hat man nachge­wiesen, daß die rote Blutfarbe sich sofort in ein Rosa verwandelt, .wenn man auch nur einen Mund voll Tabakrauch in eine verdünnte Blutlösung hineinbläst. Diese charakteristische Umwandlung der Blutkörper­chen wird nun allein durch Kohlenöxhdgas verursacht.