2. Blatt
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Fuldaer Leitung.
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Mittwoch 17. September 1418
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Taghelles lacht!
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Ans dem Nachbaraebiete
;=; Nenten-Schwindel. Der Dienstknecht K. S. zu Niederzwehren halte seinem Dienstherrn angezeigt, er sei bei dem Füttern der Pferde gefallen und habe sich dabei eine Verstauchung des linken Armes zu- gezogen,während er in Wirklichkeit auf der Treppe zum Tanzsaal hingefallcn war. Diese falsche An, zeige hatte er nur gemacht, um sich eine Rente aus der .Hessen-Nassauischen landwirtschaftlichen Beruss- genossenschaft zu verschaffen. Infolge dieser Handlungsweise hat das König!. Schöffengericht zu Kaffe! den Dicnstkuecht wegen Betrugsversuchs zu einem Monat Gefängnis und in die Kosten des Ver- fahrens verurteilt (§ 263 Str. G B.). Wird zur Warnung niitocteilt.
stalt in Wittstock, Reg.-Bez Potsdam, gewählt.
* Witzeuhaufen, 16. Sept. 1913. Von dem seit dem 31. vorigen Monats verschwundenen Dienstknecht Karl Köhler aus Mollenfelde f'blt bis heute ede Spur. Köhler weilte an diesem Tage hier zu Besuch und ist dann gegen abend nach Gertenbach zurückgekehrt. Ec hat Gertenbach abends VslO Uhr verlassen und ist seitdem nicht wiedcrgesehen worden. Es muß angenommen werden, daß Köhler auf dem Heimwege überfallen und umgebracht worden ist. Die umliegenden Wälder und die Werra find wiederholt, aber ohne Erfolg, abgesucht w.rden.
* Offenbach, 16. Sept. 1913. Der Stricknadel- sabrikam Karl Schimmel in der Senefeldcrstraße in Offenbach a. M. wurde von seinem Assen gebissen, der ihm eine schwere Verletzung an der Schlagader beibrachle. Schimmel mußte in schwerverletztem Zustand ins Krankenhaus gebracht werden.
* Eschwege, 16. Sept. 1913. Der am Montag gc- wählte neue Bürgermeister, HerrDr. jur. Kühn, ist erst 31 Jahre alt. Er hat schnell Karriere gemacht. Geboren zn Gießen, studierte er in Gießen und Leipzig, bestand 1908 die Asscssorprüsung in Darm- stadt, und, nachdem er zu seiner Ausbildung beim Magistrat zu Frankfurt a. M. beschäftigt worden war, wurde er Magistrats« sseffor in Rendsburg. 1912 kam er als Beigeordneter nach Oberschöneweide bei Berlin.
R. Mainz, 15. Sept. 1913. In dem benachbarten Marienborn tagte gestern eine zahlreich besuchte Versammlung der hessischen Bürgervereine, die sich vornehmlich mit dem neuen Gemeindesteuer- gesctz beschäftigte. Es wurden dabei Beschwerden über die den landwirtschaftlichen Besitz in vielen Fällen schwer belastende Grundsteuer sowie über die neue Gewerbesteuer vorgebracht. Abg. Molthan, der der Versammlung beiwohnte und als Referent des Landtags an dem Zustandekommen der Gemeindesteuerreform hervorragend mitgewirkt hat, erklärte, daß das Gesetz, welches auf einem Kompromiß der verschiedenen Parteien seinerzeit nach langwierigen Verhandlungen in seiner jetzigen Gestalt verabschiedet wurde, in der Praxis zweifellos Mängel ausweise, deren Beseitigung unter allen Umständen alsbald erfolgen müsse. Dw Regierung veranstalte soeben eine Enquete über die Wirkungen des neuen Gesetzes und werde man als- bald in eine Revision desselben eintrelen. In der Diskussion trat der f/eifinnige Abg. Dr. Wolf dem Versuch entgegen, das Verbot des Schuldenabzugs bei der Grundsteuer als eine ungerechtfertigte Maßnahme hinzustellen, wie es dir Sozialdemokraten in ihren Versammlungen und in der Presse tun. Der Schuldenabzug, der auch in den anderen Bundesstaaten nicht gestaltet sei, sei ohne schwere Schädigung der Gemeinden und ohne Herbeisührung von Ungerechtig- keilen nicht ausführbar. Die Versammlung nahm schließlich im Einverständnis mit den anwesenden Abgeordneten einen Antrag an, welcher eine alsbaldige Revision des Gesetzes verlangt. Eine weitere Debatte drehte sich um die Beteiligung der Bürgervereine bei kommunalen Parteien und um ihr Eintreten für sozial- demokratische Kandidaten. Es wurde in letzter Zeit öfters unliebsam bemerkt, daß einige Bürgervereine bei Gemeindewahleu in schroffem Gegensatz gegen bie Zentrumspartei für sozialdemokratische Kandidaturen e'.ngelreteu und dabei den Ausschlag gegen das Zentrum gaben. Da den Bürgervereinen auch Anhänger des Zentrums angehören, so rügte die Zentrumspresse mit Recht dieses Vorgehen, das naturgemäß eine Schädigung der Vereine nach sich ziehen muß In der gestrigen Versammlung wurde nun auch von verschiedenen Rednern hervorgehoben, daß sich die Bürgervereine ihren Satzungen gemäß jeder parteipolitischen Einmischung zu enthalten hätten, da im anderen Fall Streit und Unfriede in den Reihen der Vereine ein« treten müßten. Als Ort des nächsten Verbandstags wurde Nierstein gewählt.
! Marienthal (Rheingau), 16. Sept. 1913. Beim herrlichsten Herbstwetter konnte die Oktav vom Fest Mariä Geburt in der schönsten Weise in unserem anmutigen Marienthal gefeiert werden. Nicht wenig trugen die wohlgelungenen Predigten zum regen Besuch des Gottesdienstes bei. Morgens redete Pater Cyrillus 0. Fr. M. in formvollendeter Weise über die Kirche mit Rücksicht auf das Konstantinische Jubiläum. Nachmittags sprach Pater Mauritus 0. Fr. M. in äußerst anziehender und begeisterter Weise über die Gottesmutter als das Vorbild für die Menschen in ihren verschiedensten Lebenslagen. Jeden Abend regten die Lichterprozessionen, welche feenhaft durch das Laub der Bäume leuchteten, immer wieder zu neuer Begeisterung an. Eine anmutige, echt christliche Ovation für die Himmelskönigin. Den Glanzpunkt der Feier bildete der letzte Sonntag, wo das Gnadenbild wieder in feierlicher Prozeffion unter den Klängen der Geisenheimer Musikkapelle und unter Anteilnahme einer sehr großen Menschenmenge durch das Ta! getragen wurde. Während der ganzen Oktav war der Sakramentenempfang sehr rege.
d. Friedberg, 16. Sept. 1913. Im Fieberwahn stürzte sich gestern abend eine Wöchnerin, deren Kind
Lokales.
Fulda, 17. September 1913.
« # Militärpersonalien. Der Leutnant A. Selig von hier (Jnfanterie-Regiment Nr. 99 in Jabern, Elsaß) wurde als Assistent und Hilfslehrer an die Jnfanterie-Schießschule zu Wünsdorf bei Berlin versetzt.
§ Die Abgangsprüfung am Lehrer-Seminar hat in ihrem mündlichen Teil heute vormittag begonnen, Befreit vom Mündlichen wurden von den 28 Prüflingen nur 5 und zwar Bartel, Becker, Blum, Engel und Röhrig.
;; Auf zu den Rekrutenvorträgen im Gesellenhause Fulda! Die Zeit rückt heran, wo unsere jungen Vaterlandsverteidiger die Heimat verlassen und zum Militär gehen. Die einen tun es mit Stolz und hoffnungsvollen Erwartungen, angezogen von dem äußeren Glanze des Soldatenlebens; die anderen mit einem gewissen Weh und einer Art Niedergeschlagenheit, mit Zagen erfüllt über des Dienstes Härte und Notwendigkeit. Sie alle haben ein belehrendes, mahnendes und liebendes Vaterworl notwendig, ein Vaierwort, das ihnen sagt, daß die Militärjahre eine ernste, arbeit?» und opferreiche Zeit sind, daß der Dienst aber auch ein äußerst ehrenvoller ist, der Berusssreudigkeit und ihre ganze Vaterlandsliebe verdient. Sie wollen und müssen ein Wort hören, das ihren Willen stählt und kräftigt und ihnen die Mittel zeigt, wie sie den Gefahren für Religion und Sittlichkeit, die sich nun einmal in der Garmson- stadt dem Unerfahrenen bieten, wirksam entgegentreten können. EinJugendttennd, der hochwürdige Herr Pater Provinzial Kassiepe der Oblaten, der mit militärischen Verhältnissen vertraut ist und es gut und aufrichtig mit den jungen Soldaten meint, und ein gewissenhafter Arzt werben in mehreren Vorträgen, die im Gesellen ha useinFuldavon Sonntag, den 21. September bis zum folgenden Donnerstag gehalten werden, die nötige Belehrung und Aufklärung bieten. Die Zeit für diese Vorträge ist sy gewählt, daß die jungen Leute nichts von ihrer Arbeitszeit verlieren, und die Auswärtigen mit den letzten Eisenbahnzügen ihre Heimat noch erreichen können, am Sonntag abend um 8 Uhr und an den Werktagen um fc1/* Uhr. Alle jungen Leute von Fulda und Umgebung, die diesen Herbst zum Militär eingestellt werden, sind herzlich eingeladen. Eltern und Vorgesetzte mögen den jungen Leuten Zeit und Gelegenheit dazu geben. Es ist ein patriotisches und gottgesälligbs Werk. Darum auf zu den Vorträgen im Gesellenhause Fulda!
a. Zur Ausbildung hauptamtlicher Lehrer au gewerblichen Fortbildungsschulen beabsichtigt der D’inifter für Handel und Gewerbe von Ostern nächsten Jahres ab wiederum einen Seminarkursus von einjähriger Dauer zu veranstalten. Der Kursus wird in Berlin unter Leitung "des Landesgewerbeamts stattfinden und durch eine Prüfung abgeschlossen werden. Der Unterricht wild sich auf Pädagogik unter besonderer Berücksichtigung der Organisation der Fortbildungsschulen, der Methoden ihrer Unterrichtsfächer und der Jugendpflege erstrecken und außerdem Geschäftskunde, Bürgerkunde und Einführung in das gewerbliche Zeichnen umfaffen. In den Kursus können sowohl Te chniker und Handwerker, wie Berufslehrer aufgenommen werden. Von den ersteren wird der Besitz einer ausreichenden allgemeinen Bildung und einer praktischen Tätigkeit von mindestens drei Jahren verlangt. Berufslehrer muffen die zweite Lehrerprüfung abgelegt und sich mit der Technik und dem Fachzeichnen eines wichtigeren Gewerbezweiges vertraut gemacht haben. Bevorzugt werden in beiden Fällen Bewerber, die bereits nebenamtlich an Fortbildungsschulen unterrichtet, haben. Bewerber für die Aufnahme in den Kursus, die übrigens mindestens 24 und höchstens 35 Jahre alt sein sollen, haben sich bis zum 15, November d. Js beim Regierungspräsidenten — in Berlin beim Ober» Präsidenten in Potsdam — zu melden. Den Nachweis ihrer Aufnahmefähigkeit haben sie durch Vorlegung von Zeugniffcn und durch Ablegung einer Prüfung zu erbringen, für die der Minister eine vorläufige Ordnung erlassen hat, in der über Anforderungen und Befreiungen eingehende Beftimmungen getroffen sind,
0 Denkmalspflege. Man schreibt uns zu diesem jüngst wieder von uns angeschnittenen Thema: Das Augenmerk der Denkmalspfleger wäre ivohl auch einmal auf die schöne Mariensäule am Frauenberg zu lenken. Täglich gehen viele Fuldaer und Fremde aus den Frauenberg. Dach wie vielen entgeht leider der Anblick der schönen Säule mit ihren eigenartigen Verzierungen vollständig. Große laubreiche Bäume haben sie von bet einen Seite, moderne Bauten von der anderen Seite fa t völlig verdeckt. Man muß die Säule suchen, wenn man sie sehen will. In anderen Städten hat man vielfach eine Mariensäule auf dem Marktplatz. Wäre es nicht möglich, in Fulda die Säule aus diesem Versteck herauszuholen und aus den Buttermarkt zu stellen, wo sie frei zu stehen tarne unb jebem Fulbaer und Fremden Bewunderung abzwingen müßte. Die Kosten können nicht so groß fein. (Dazu ist zu be- merten, daß die Säule ihren Platz auf dem Frauen- berg aus historischen Gründen wohl wird behalten müssen. Bekanntlich ist sie zum Gedächtnis an das Wüten der Pest errichtet und nach der Tradition an diejenige Stelle gesetzt worden, wo aus der Reihe der zum Frauenberg wallfahrenden bedrängten Bürger der letzte Pestkranke fiel. Eine Lichtung des Laubwerkes der umstehenden Bäume könnte allerdings nichts schaden. Die Red.)
-X-AuS dem Manöver zurückgekehrt sind gestern abend gegen 9 Uhr zwei Batterien unseres Artillerie- Regiments. Ursprünglich wat der Samstag als Tag der Rückkehr festgesetzt.
(ff Ein Doppeldecker überflog in beträchtlicher Höhe beute aeaen 11 Uhr vormittags in der Richtung von Westen nach Osten die Stadt. Heber Ziel und Her- tunftSort ist Bestimmtes nicht bekannt. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß es sich um einen Bewerber um den Großen Preis der National?lugspende handelt, der augenblicklich ausgetragen wird. Es sind dabei Ueberlandflüge von mmdestens 1000 km aus,
zuführen. — Die Abnahmefahrt des neuen Marin:- luftschiffes L 2 ist für Ende dieser Woche vorgesehen. Ein bestimmter Tag ist nicht festgelegt. Die erste Fahrt geht nach Johannisthal, von wo aus bann Probefahrten unternommen werben.
8 Verbot des Verkaufs alkoholischer Getränke. Tie Eisenbahnverwaltung hat den Bahnhofswirten streng verbieten lassen, während der bevorstehenden Reservisten- und Rekrulcnbeförbcrung Branntwein an den Zügen verkaufen zu lassen.
,,/" Submission. Gestern mittag 12 Uhr fand auf der hiesigen König!. Eisenbahn-Bauabteilung, Lerpzigerstraße, bie Eröffnung der für bie Ausführung Der Erb-, Maurer- und Stampfbeton-Arbeiten mit Materiallieferung ausschließlich Zement, zur H e r ft e 11 u n g der Tal- und Wegebrücken (umfassend rund 130 Kubikmeter Fundamentaushub und 4500 Kubikmeter Beton) für die Neubau- strecke Hilders -Wüstensachsen statt. Es waren 16 Angebote eingegangen, die nachbezeichnete Resultate brachten: Dresse!, Gera-R. Los I 84 958,30 Mk. und Los II 53 229,65 Mk.: Wilh. Hain, Halberstadt 72 545 Mk und 46 045 Mk.; Tucker u. Co., Düsseldorf 70 045 Mk. und 44 818,50 Mk.: Beruh. Fischer, Gustavsburg 69 611 und 39 725,80 Mk.; Jgn. Hahn, Buttlar'66 930 und 44 770,60 Mk.; Mitteldeutsche Beton- und Eisenbeton-Baugesellschaft Eisenach 63 683 und 37 431 Mk.; Boedicker, Eschwege 63 500 und 42 090 Mk.; Vetterlein u. Co. Erfurt 63 395 und 42 247 Mk.; W. Herwagen, Eisenach 59 930 und 41200 Mk.: Friede. Buchner, Würzburg 58 818 und 38 901,50 Mk.: Gebr. Schäfer, Hünfeld 51411 und 34 828,20 Mk.; H. Wesche. Leimbach 50 972 und 35 187 Mk.; Gesellschaft für Beton- und Effenbeton-Bau, Gießen 46 678 und 27 170,50 Mk.; Ph. A l berdina, Fulda 41 580 und 32 915 Mk.; K. Haiuz, Wetzlar, 41016,20 und 31 937,95 Mk.; I. K. Müller, Schmalkalden insgesamt 88 250 Mk.
(!) Radium und Spekulantentum. Hiesigen Freunden unseres Blattes ist in diesen Tagen ein Schreiben des Berliner Bankhauses Beneke u. Co., folgenden Wortlautes ^gegangen:
Euer Wohlgeboren!
Der weltberühmtesten Fran gelana es im vergangenen Jahre, einen sensationellen und höchst wertvollen Fund zu machen.
Madame Curie, rote jeder weiß, entdeckte vor ungefähr einem Jahrzehnt Radium, der seltenste und teuerste Gegenstand der Welt, fein Preis ist zirka 400 000 Mark pro Gramm. .
Der unermüdlichen Hingabe dieser Gelehrten für ihr Werk ist es zuzuschreiben, daß ein Radiumlager i m Werte von unzähligen Millionen im vergangenen Jahre in einer in Cornwall (England) gelegenen alten Erzgrube, welche man als fast gänzlich wertlos hielt, gefunden wurde.
Der Wert des Radiums, welches Madame Curie in dieser Grube sand, ist so fabelhaft hoch, daß weder Madame Curie noch die vielen Experten, welche diese Grube untersucht haben, denselben in faßbaren Ziffern überhaupt nennen können.
Man kann sich aber eine Idee von dem staunen, erregenden Wert machen, wenn erwähnt wird, daß die jahrelang als gänzlich wertlos betrachteten zwei Erz- hausen um einen jeden Schacht, sowie die in den Stollen lagernde Menge geschürften Erzes laut Gutachten von Madame Curie, Prof. Danne und Professor Danyszeinen Radiumgehalt imWerte von über 50 Mill. Mark ausweifen.
Auch ist dies nicht eine phantastische Berechnung, denn seit dem Funde hat die Gesellschaft bedeutende Reduzierroerke am Orte selbst, sowie in der Nähe von Paris errichtet, in welchen tatsächlich aus diesen Erzen Radium, und zwar sogar in größeren Mengen, a;8 die Gutachten der Experten hoffen ließen, gewonnen wird.
Durch einen glücklichen Zufall waren wir auf dieses Unternehmen, welches wir seither eingehend geprüft haben, aufmerksam geworden, und wir bitten Sie nun um Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit für die Unterlagen, welche wir Ihnen demnächst zusenden, denn es ist dies eine der seltensten Gelegenheiten, eine tatsächlich enorme Gewinne bringende Kapitalseinlage emzugehen.
Ein Berliner Börsenblatt äußert sich zu diesem Schreiben, das auch anderwärts Verbreitung gefunden hat, wie folgt:
Die Gewinnung von Radium ist so mühsam und kostspielig, daß bekanntlich viele Tonnen Erz und monatelange Verarbeitung notwendig sind, um wenige Milligramm Radium zu gewinnen. Die Millionen liegen, roenn sich bie Produktion überhaupt lohnt (was keineswegs bei jedem radiumhaltigen Erz der Fall ist), bei der Radiumgewinnung noch viel weniger auf der Straße, als sonst irgendwo. Der hohe Verkaufspreis iit vielmehr zum größten Teil nur ein Aeguivalent für die enormen Produktionskosten, die die Radiumgewinnung v:rschlingt. In Berliner geologischen Kreisen weiß man von großen Radiumsunden in Cornwall nichts, und man wariitvor einer Beteiligung an Unternehmungen, deren industrielle Giundlagen durch zwelsel-sreie wissenschaftliche Untersuchungen nicht absolut sicher sestgellellt sind, deren marktschreierische Art sie aber von vornherein höchst verdächtig macht.
Unter der Einwirkung deS Alkohols batte der 30jährige, wiederholt wegen gefährlicher Körperverletzung 'vorbestrafte Arbeiter O. Maul von hier eine Roheitstat begangen, wegen der er sich gestern vor dem Schöffengericht zu verantworten hatte. Am 29. | Juni b. I, abends gegen 3/49 Uhr ging er in angetrunkenem Zustande durch die Pfanbhausstraße und schlug ohne irgend welche Veranlaffung dem erst 17 Jahre alten Metzgergesellen A. mit dem umgekehrt genommenen Schirm zunächst über den Arm. Dann versetzte er ihm noch einen derart heftigen Schlag ins Gesicht, daß S. aus Mund und Nase blutete, auch mehrere Zähne sich lockertin. Nach vollbrachter „Tat" stärkte sich M. nochmals in einer nahen Wirt- schäft. Zu seiner Verteidigung gab M. gestern vor Gericht an, aus einer Gruppe junger Leute sei thm das bekannte Wort „Er hott" zugerufen worden, wodurch er sich beleidigt fühlte und auf dm ersten besten Burschen mit dem Schirm eingeschlagen habe. Die Beweisaufnahme ergab, daß jenes Wort überhaupt nicht gefallen ist, allerdings der Ausdruck „Rechts schwenkt, rnarfch!" M. hatte erst kurz vor Begehung dieser Tat eine einjährige Gefängnisstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung verbüßt. Der Amtsanwalt versagte Bewilligung mildernder Umstände und beantragte eine Gefängnisstrafe von vier Monaten. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zudreiDionaten
HerSield, 16. Sept. 1913. Der Betriebsleiter unseres städtischen Elektrizitätswerkes, Herr Block, wurde unter 125 Bewerbern zum Leiter der Gasan-
Krankenhauses, wobei sie lebensgefährliche Verletzungen öaöonfrng
* Ransbach (Westerwald), 16. Sept. 1913. Die nassauische Zentrumspart e i, deren Organisation bie sechs Reichstagswahlkreise des Regierungsbezirks Wiesbaden umfaßt, hatte gestern in unserem inbnstriereichen Orte ihren diesjährigen Parteitag, der zahlreicher als je zuvor besucht war. An den vertraulichen Beratungen, die vormittags im Gasthaus Lind unter der Leitung des Landesvorsitzenben Abgeordneten Kommerzienrat Cahenslh (Limburg) stattfanden, beteiligten sich an 200 Delegierte. Mit berechtigtem Stolze wurde der Erfolg registriert, den die Partei bei der jüngsten Abgeordnetenhauswahl durch die endliche Eroberung des seit Jahrzehnten heiß umstrittenen Wahlkreises Rüdesheim-St. Goarshausen-Meisenheim errungen hat. Nachmittags war in der großen Halle der Bierbrauerei Fohr eine allgemeine Wählerverfammlunft, die von mindestens 2000 Männern besucht war. Mit Spannung und Begeisterung folgten die Zuhörer den Reden der Abgeordneten Dr. Dahlem, der über nassauische 'Angelegenheiten. Erzberger, der über die Militär- und Sreuergesetze. und Pfarrer Wahl (Breitenau), der über die Geschichte der Zentrums- lartei sprach.
Amt Geisa rind Umgebung.
* Dermbach, 16. Sept. 1913. Gestern mittag gegen 1 Uhr stieß das mit 4 Personen (zwei Damen unb zwei Herren) besetzte Auto des Ingenieurs Georges aus Mühlhausen in Thüringen bei dem Bahnübergang in der Wiesenthaler Straße mit dem in bet Richtung Dornborf fahrenden Güterzug zusammen. Das Auto würbe seitlich in einen Graben geschleudert, wobei bie Insassen wie ein Wunder nur mit dem Schrecken davon kamen. Das Auto wurde schwer beschädigt und konnte nicht mehr benutzt werden.
* Stadtlengsfeld, 16. Sept. 1913. Der hiesige Spar« und Vorschußverein erwarb dieser Tage käuflich das Haus des Tischlermeisters Klein. Bisher hatte er gemietete Räume als Geschäftslokal und hat nun durch den Kauf fein eigenes Domizil.
* Dorndorf, 16. Sept. 1913. Die Sanitäts- tolonnen Vacha, Kaltennordheim unb Dermbach werden nächsten Sonntag eine gemeinsame Hebung hier auf bem Hofe bet neuen chemischen Fabrik abhalten.
* Ostheim, 16. Sept. 1913. Die älteste Ein« wohn er in Ostheims, Witwe Elise Heller, ist im Alter von 93 Jahren gestorben.
* Unteralba, 16. Sept. 1913. Lehrer Fromm- Föhlritz wird am 1. Oktober die neugegründete k o t h. S ch u l st e l l e Hierselbst übernehmen. Herrn Lehrer Fromm, welcher seit 2 Jahren in Föhlritz wirkte, ist diese Stelle auf seinen Antrag hin übertragen worden.
Ans Gberhessen n. den Hess. Aemtern.
* Fritzlar, 15. Sept. 1913. Vor der Stadl nach Geismar zu wurden dieser Tage zwei große Baracken aus wasserdichten Plan-Tüchern aufgebaut, dazu bestimmt, die in Kürze eintreffenden Remonten der hiesigen Abteilung reit. Artillerie einstweilen auszunehmen. Die Dienstpferbe der beiden Batterien sind nämlich teilweise von her Brnstfeuche befallen.
* Marburg, 16. Sept. 1913. Der außerordentliche Professor der Nationalökonomie Dr. Hans! Koppe hat einen an ihn ergangenen Ruf an die deutsche Technische Hochschule in Prag abge! ehut. — Die hiesigen flauerer sind beute in den Streik getreten. Sie haben am 25. Juni den hiesigen Unternehmern eine Tarifvertragsvorlage unterbreitet, auf die jedoch von (Seiten der Unternehmer keine Antwort erfolgte.
* Frankenberg, 16. Sept. 1913. Im benachbarten Dorfe Allendorf a. d. Eder f i el das 4jährige Söhnchen des Landwirts George Bergmoser in ein mit heißem Wasser gefülltes Gefäß; die dadurch entstandenen Brandwunden sührten nach einü gen Stunden den Tod herbei.
Literarisches.
Das Leptemberhest der Monatszeitschrift „Die Rhön- bringt einen Aussatz über Fladungen. Dr. Dietrich. Potsdam schreibt über das Guckai bei Gersfeld als Kenner der geologischen Berhältnisse der Rhön. Prof. Dr. Hoß- seid lenkt das Augenmerk auf die Schwarzen Berge, die von den Rhönwanderern noch nicht genügend gewürdigt werden. Das neue Kurhaus in Kissingrn wird tn Wort und Bild geschildert. Es folgt eine Fortsetzung der geologischen Abhandlung: Die Rhön in der neueren Erdkunde. Kleinere Artikel: ein Aussichtsturm auf dem Kreuzberg, Rhönbahnjubiläum, die Jahrtausendfeier in Kassel und eine Reihe interessanter kleiner Notizen schließen diese Nummer. „Die Rhön" kostet für Nichtmitglieder 2 Mark jährlich. Probenummern kostenfrei vom Verlaß Hofbuchdruckerei Eisenach H. Kahle.
Handel und Industrie.
* Berlin, 16. Sept. 1913. Die Börse blickt unbekümmert um etwaige Rückschläge hoffnungsvoll und unternehmungsfroh in die Zukunft. Die Rentenhauffe begeistert Spekulanten und Bürgertum. Die schnelle Erholung der heimischen Anleihen stärkt das Vertrauen des Publikums zu der allgemeinen Marktlage. Di« in Aussicht gestellte Diskontermäßigung der Reichsbank ist an erster Stelle die Ursache, daß die Sorgen wegen des industriellen Niederganges sichtlich weichen.
Reklamen- «ud Anzeigeutrtl.
Ernährungsfehler sollten vor allem Frauen in d« Zeit der Niederkunst vermeiden. Sie nehmen deshalb mit Vorteil das nahrhafte und leicht verdaulrche „Sufete", das eine geregelte Verdauung bewirkt, allem oder in Verbindung mit Milch, Kakao, Bouillon mtt Suppen oder Gemüsen gereicht selbst dem verwöhntesten Geschmacke Rechnung trägt unb sich überdies im Gebrauch billig stellt. ______________________