ZulÄaer Zeitung
feite der Postpacketadressen könnte auch der Frankierungsvermerk in Frcivermerk umgewandelt werden, da diese Vermerk ja längst nicht mehr franko, sondern frei lautet. Die Postverwaltung wird darin doch nicht hinter der Eisenbahnverwaltung zurückbleiben wollen, die den Vordruck Frankaturvermerk auf den Frachtbriefen in Frcivermerk geändert hat.
— Farbige Zähnr. In der Galerie für Gartenbaukunst zu London, wo gegenwärtig eine „Zahnaus- stellnng" stattfindct, kann man. wie die Daily Mail berichtet, eine ganz originelle Neuerung, nämlich farbige Zähne, bewundern. Unter den 100 000 Zähnen von allen erdenklichen Formen, die dort ausgestellt sind, lenkt eine Sammlung pechkohlenschwarzer Zähne ganz besonders die Aufmerksamkeit auf sich. Ein Herr, der diese Ausstellungsabteilung beaufsichtigt, te'ilt allen neugierigen Fragern bereitwillig mit, datz besagte Zähne für die Ausfuhr bestimmt find, und daß sie in Indien, in China, in Jndvchina, in Siam und in allen anderen Ländern, in welchen man Betel kaut, stark gefragt werden. Die Wurzel u. die Blätter des Betelpfefferstrauches haben die Eigenschaft, die Zähne der Kauenden zu schwärzen, und Betelkauer, die genötigt waren, sich Zähne einsehen za lassen, fanden, datz der weitze Zahn, den man ihnen in den Mund schab, nicht die richtige „Lokalfarbe" hatte, und datz ihr Gebiß, wenn die Operation des Zahncinsctzens öfter wiederholt werden muhte, einem Schachbreit glich. Weiter entdeckte man in der Ausstellung mit Staunen ganze Reihen von Zähnen, deren Farbe alle Abschattungen zwischen Hellbraun und Schokoladebraun aufweist. Diese Zähne sind für Raucher bestimmt, denn auch die Raucher achten auf Zahngleichheit und wählen, wenn sic neue Zähne brauchen, solche Zähne, deren Farbe zu der ihres natürlichen Gebisses patzt; der größte Teil dieser Raucherzähne geht nach den verschiedenen Hafenorten des europäischen und des asiatischen Rutzlands; der englische Raucher verlangt nur gelbliche Zähne. Bei den Weitzen Zähnen, die die Ausstellung zieren, ist nur eines bemerkenswert! datz, wie die Aussteller versichern, die kleinen, kurzen Zähne für England und das nördliche Europa bestimmt sind, während die langen Zähne meist in den Mittel- mecrländern untergebracht werden. Bis jetzt hatten wohl nur wenige geahnt, datz der Engländer kleine Zähne, also Zähnchen, braucht!
212.
öamrtag 15. September 1413.
2. Blatt.
vruck der zuldier Actt«ndr>«üerti in 5« ie-
n Raub. Heute früh beauftragte ein jüdischer Handelsmann aus Tunis an be.: Bahn emen jungen Mann, ihm seinen Koffer tn bte Stadt zu tragen, Fn der Kurfürstenstraße wurde der junge Maur, von einem in der Mitte der Zwanziger stehenben Burschen überfallen und mißhandelt. Mit dem Koffer, dessen Inhalt einen Wert von etwa 25 Mark hatte, nahm er dann Reißaus. Die Polizei ist dem Tater ^dium-Experimental-Bortrag. Wegen Restaurierung des großen Bürgervereinssaales findet der angekündigte Radium-Vortrag tm kleinen Gesellschaftssaale des Bürgervereinshauses statt. Wegen des beschrankten Raumes wird der Vortrag morgen, Sonntag, abends 8 Uyr im selben Lokale wiederholt.
Lokales.
Fulda, 13. September 1913.
" Ein- regelmäßig-Sitz«««
übend- t u Uhr l , Bereitstellung eines Kredits I mr^Besthaffuna von' Multiplex-Fernzündern (Eicken- öTÄlluna von 4 Trmkanlagen tm schul-
VÄ5 und MQigun« b«r iUJLx o Antrag Adam: a) Kenntnisgabe an den I Mawstrat über das Zustandekommen' eines Beschlusses > lebten Sätze des § 9 der Geschäftsordnung der Stadtverordneten-Versammlung (Adam und Dux). 4 Uebernahme von Grundstücksparzellen m stävt. I Giqentum und Löschung einer Belastung (Wehner). 5. Nachbewilligung eines Betrages zu den Kosten der I Stadtpfarrkirche. 6. Schreiben der Firma Mölders u. Co. bett. Kanal in der BorgtaSstraße (Fritz). 7 Gewährung von Zuschüssen an die beiden htestgen I Lyzeen (Schwarz). 8. Errichtung einer wetteren Lehrerinstelle an der Stadtpfarrltchen I Mädchenschule (Vollmer). 9. Legung eines Wasserrohrstranges zwischen Petersberger- u. Künzeller- straße (Modest). 10. Wahl zweier Beisitzer und deren Stellvertreter für die Stadtverordneten-Ersatzwahlen am 25. und 26. Sept. 1913 (Kapp). In geheimer Sitzung: 11. Führung eines RechtSstre.tes wegen Grenzstreitigkeiten (Kircher). 12. Führung-in-S Rechts- streites wegen einer Darlehensforderung (Kapp). 13. Uebernahme zweier Kanalisationshypotheken auf Die Stadtkaffe (Laux). 15. Aufnahme eines DarlehnS zwecks Ankaufs des Militärlazaretts (Dux).
X Heilbehandlung von Versicherten. Auf Kosten der LandesversicherungS-Anstalt Hessen-Naffau waren tm Jahre 1912 in beständiger Heilbehand- luttg wegen Tuberkulose aus Fulda-Stadt insgesamt 7 Personen (5 Männer und 2 Frauen); ihre Verpflegung und Behandlung verursachte während zusammen 592 Tagen 3162 Mark 52 Pfg. Kosten. | AusFulda-Land wurden während zusammen 368 Tagen 5 Männer mit einem Kostenaufwand von 1815 Mark 25 Pfg. verpflegt. Wegen anderer Krankheiten waren auf Kosten der Landesverstche- rungs-Anstalt in beständiger Heilbehandlung im Jahre 1912 aus Fulda-Stadt 1 Mann und 10 Frauen, welche an insgesamt 442 Tagen mit einem Kostenbeträge von zusammen 3074 Mark 45 Pfg. verpflegt wurden. Aus Fulda-Land waren nur 3 Frauen an zusammen 137 Tagen in Heilbehandlung. Die Gesamt-Kosten hierfür betrugen 644 Mark 45 Pfg.
* Lehrer bei der Viehzählung. Wie die Königliche Regierung den Kreisschulinspektoren mitteilt, soll am 1. Dezember der Unterricht für diejenigen Lehrer, die sich an der alsdann stattfindenden Viehzählung beteiligen, ausfallen.
(!) Die Fuldaer Krankenkaffen-Wähler waren gestern abend in sehr stattlicher Zahl der Einladung des Sozialen Ausschusses für Fulda und Umgegend zu einer Versammlung im Gesellenhause 'gefolgt. Auch die Präsides der angeschlossenen Vereine, unter andern Herr Professor Dr. Leimbach und Herr Pfarrer Ruez-Kürnell, waren erschienen. Unter den Versammlungsbesuchern waren auch die weiblichen Kasfenmitgliedcr zahlretch vertreten. Einleitend hielt Volksvereinssekretär Frank einen lehrreichen V trag über die Aufgaben, die dem Verlreterai sschul im Rahmen des neuen Kranken- Versicherung! gesetze zufallen. Diese Ausgaben sind von der größten Wmftigkei ür das innere Leben der Krankenkasse, vor allem a- er an h für die Zusammensetzung der weiteren Verstcheru. gs örperschaften, die von dem Ausschuß zu wählen sind. In Anbetracht dieser weitreichenden Befugnisse des Ausschusses ist es von der größten Bedeutung, daß seine Mitglieder entschieden aus christlich-nationalem Boden stehen. Bislang hat sich sozialdemokratischer Einfluß nur zu sehr int Krankenkassenwesen geltend gemacht. Um für die Aus- schuß-Vertreterwahlen eine Liste aufzustellen, geeignet, -»em christlich-nationalen Standpunkt sein Recht zu verschaffen, ist der Soziale Ausschuß für Fulda und Umgegend die berufene Organisation. Der Aus- schuß setzt sich zusammen aus den Vertretern der ihm angeschlossenen Vereine und Organisationen, das sind Die konfessionellen Vereine und christlichen Gewerk- chaften in Fulda und Umgegend. Bei dieser Sach- age ist es unberechtigt, wenn Leute, die eigentlich die m Sozialen Ausschuß vertretenen Anschauungen teilen,' bei den sozialen Wahlen eigene Wege gehen wollen. Dadurch werden sie nur die Geschäfte der
Kleines Feuilleton.
— Wachsen und Reisen. Wieder einmal im schnellen Lauf eines Jahres ha- uns die Natur vor Augen geführt, 'nie alles und jedes von kleinauf wachst und alle Jahre weite: wächst, wie auch alle Fruchte in Garten, Feld und Wald, aus der lieblichen Blüte sich entwickelnd, vielen Feinden, vielen Wettern ' trotzend, nur allgemach reisen. Wie oft ist das menschliche Leben als ein Abbild der Natur betrachtet worden! Jetzt schon rascheln draußen wieder die sallen- den Blätter, der farbensreudige Herbst hält seinen Einzug, Lieder der Wehmut begleiten ihn, er aber will trotz allem tröstend wirken, indem er das Auge entzückt an seinem bunten Gewand. Jst's nicht etwas Wunderbares mit diesem Wachsen und Reifen in der Natur und mit dem schließlichen Tod alles Lebens? Wie unendlich viele Gedanken bringen dem Denkenden der Frühling und der Herbst! Wie in der Natur, so wächst und reift es auch im Leben der Völker, im Leben des einzelnen. Wie langsam wuchs aus der Slot d-s deutschen Volkes der deutsche Gedanke, wie- lange währte es, bis er sich völlig durchgerungen hat! Es will alles seine Zeit haben. Auch der Mensch wird nicht als Charakter geboren. Mühsam erzieht thn bte Kinderstube, die Schule und das Leben zu dem gefestigten Geiste, der da weiß, daß nichts reffen kann, ohne sich erst entwickelt zu haben. Hauptsache ist, daß die Absichten frohgemuten Schäftens auf gutem Boden stehen, daß man tapfer seiner Pflichten gedeint und mit Geduld das Ergebnis erwartet Erst wachsen, dann reifen! So ist's in der Ehe, wo es oft lange dauert, bis man sich einander versteht und nun endlich glücklich wird, so ist's in der Kinbererziehung, • die keine bloße Beschäftigung ist, sondern eme Kmtst, die man eifrig studieren muß, so ist's im geschäftlichen und beruflichen Leben, und so ist's auch tm persönlichen Innenleben. Hier bedarf es vieler Erfahrungen, um als „gereifter' Mensch zu gelten. Mittlerweile freilich tst der Herbst des Lebens herangekommen, man denkt an das Sterben in der Natur, aber wie diese noch einmal ausjubelt in farbiger Pracht so soll auch der gereifte Mensch nicht resignieren, sondern, zurückschauend, sich seines Wirkens und Schaffens erfreuen. ra°’
lung von 118 Preisen sand die schöne Feier ihren I ab$lU$le Herbstgesellenprüfung für daS Glaser-, Drechsler-, Böttcher- und Stellmacherhandwerk findet am 6. Oktober statt. Anmeldungen hierzu muffen bis zum 22. September bet dem Vorsitzenden Herrn I Karl Traut Glasermeister tz^r, Köntgstraße Nr. 10 eingereicht fein. Später entgehende Anmeldungen finden keine Berücksichtigung.
P B. Eine Gehilfinnenprüfmtg für daS Damenschneider, gewerbe in den Kreisen Fulda, Hünfeld, HerSseld und I Gersfeld, findet am 16. und 30. Oktober '" Fulda statt. Die hierzu nötigen Papiere sind^bls spätestens den 1. Oktober an den Vorsitzenden des Prüsungs- ausschusses. Herrn Georg Bolender Schnetdermetster I in Sulba einzureichen.
(::) Tas Elektrizitätswerk Fulda ist tn aufsteigender Entwicklung begriffen. Mit dem 1. Oktober d. I. soll nun auch der Bahnhos Fulda (mit wenigstens 500000 Kilowattstunden Jahresverbrauch) angeschlossen werden. Heute schon ist das Werk jedoch vollauf in Anspruch genommen. Es kommt also für die Befriedigung der neuen Ansprüche sehr darauf I an, daß dir längst in Auftrag gegebene 3. He'ßdamps- lokomobile bis dahin eingebaut und betriebsfertig wird. Die Ausdehnung des Werkes auf H o r a s wtrv wohl noch einige Zeit zurückgestellt werden muffen Auch von der „elektrischen Straßenbahn hört man nichts mehr. „ I
!! .Duckmäuser". Was für Ansichten tm „West- deutschen Spielverband", dem auch die be- deutenderen hiesigen Sportvereine (Borufsta, Fußballverein, Germania) angehören, über die kirchliche | Jugendpflege herrschen, ersehen wir au§ einer Jcottj I welche die Jugendzeitschrift Macht tn ihrer Nr. 11 des lausenden Jahrganges bringt. Sie schreibt tm I Zusammenhang eines größeren Abwehrartikels:
I Ungefähr gleichzeitig fühlt auch ^Fußball und Leichtathletik^ (Nr. 33), das „Alleinige Nachrichtenblatt des Westdeutschen Spielverbandes', sich getrieben, unS eme Kriegserklärung in's Haus zu schicken Es heißt da in einem Artikel, der auch noch auf der Umschlagseite der besondern Aufmerksamkeit der Leser empfohlen wird.
„Der kirchliche Jünglin gsverein, der notwendig Duckmäuser züchten muß, und den wir selber als Jungen gottlob so rechtschaffen v e rächtet haben, ist unter der Brutmaschine der »Jugendpflege zu neuem Leben aufgewärmt."
’ Wir werden die „Verachtung' der „Westdeutschen natürlich ebenso standhaft zu tragen wtsen tme .bte Beleidigungen des Leipziger SanUaisrats (Dr. Götz,. Der freundliche Erguß hat uns auch keineswegs überrascht. Man hat sich in der genannten Zeitschrift auch sonst schon über „konfessionelle Sonderdündelet' aufzuregen I versucht. . ,
Wir haben nicht gehört, daß auch nur eine Stimme I bes Protestes gegen eine solche Sprechweise des Jtad)« I richtenblattes in den hiesigen Sportvereinen laut ge« I worden wäre. Oder sollten diese auf bemjelben I Standpunkt stehen, wie ihr offizielles OrganDann I wären wir ja schon herrlich weit gekommen. Christ- I liehe Eltern beider Konfessionen, die Augen auf!
[.] Eisenbahnaibeiter gesucht. Wie uns das Be- triebsamt Fuiva mitteilt, besteht nach einer Meldung I der König!. Eisenbahndirektion Essen dort großer Mangel an Bahnunterhaltungsarbeitern. Die emzu- stellenden Arbeiter müssen im Atter von 21 bis 28 I Jahren stehen, körperlich gesund, rüstig und gewandt I sein, besonders das erforderliche Seh-, Hör- und Farbenanlerscheidungsvermögen besitzen; in deutschen I und lateinischen Buchstaben Gedrucktes und Geschriebenes lesen, deutsch leserlich schreiben und mit ganzen I benannten Zahlen in den vier Grundarten rechnen können; schuldenfrei untf unbescholten sein. Bevor- zogt werden Leute, die nach kurzer Beschästigungszelt I für den unteren Beamtendienst (Schaffner, Weichensteller) ausgebildet, alsbald in diesen Diensten als Hilfsbeamte verwendet und später zum Unter« I beamten ernannt werden können. Schriftliche Bewerbungen können an die Arbeitsnachweisstelle der Königliche Eisenbahndirektion Essen-Ruhr gerichtet werden. Der Lohnsatz für Rottenarbeiter von 21
I Jahren beträgt fast in allen Orten 3.60 bis 3.80 Alk. Hur Reise nach der neuen Arbeitsstelle wird freie Fahrt gewährt.
Von den „Post- «nd Telegraphen-Nachnchten für das Publikum' fft eine neue Ausgabe erschienen. Die bei dem Publikum beliebte Zusammenstellung enthält in bequemster Nebersicht alle wesentlichen Tarif- und Velsendungsbestimmungen für den Post- I und Telegraphenverkehr. Die Post« und Telegraphen- Nachrichten sind bei den Reichs-Post-und Telegraphen- Anstalten sowie durch Vermittlung der Briefträger und Landbriesträger zum Preise von 15 Pfg. für I das Stück zu haben. _____________________________
Gegner besorgen. ES sind diesmal Verhandlungen mit den führenden Herren des fog. Zwölferausschusses geführt worden. Sie haben sich zerschlagen, weil der I Soziale Ausschuß, der bei der letzten Wahl 545 Stimmen I auf feine Liste vereinigte, nicht zugeben konnte, daß der I Zwölserausschuß, der damals nur 397 Stimmen aufbrachte, die gleiche Kandidatenzahl für bte Wahl zu benennen hätte wie ber Soziale Ausschuß. Daß I der Zwölferausschuß dieser Tatsache nicht Rechnung tragen und eine Verständigung ermöglichen wollte, ist umso bedauerlicher, als die S o z i a I d e m o k r a t i e I gerade jetzt erhebliche Anstrengungen macht, in Fulda Einfluß zu gewinnen. Sie würde nicht eme Gesellschaft aegrünbet haben mit einem Kapital von 75 000 I bis 90000 Mark zum Zwecke der Errichtung eines Parteilokales usw.. wenn sie nicht Hoffnung auf Erfolg zu hab >n. glaubte. Nur Einigkeit der christlich- national gesinnten Arbeiterschaft kann den sozialdemo- I kratischen Bestrebungen erfolgreich Widerstand leisten. Der Redner betonte dann noch, wie erfolgreich tue Mitarbeit der Vertreter des Sozialen Ausschusses tm Fuldaer Krankenkafsenwesen zu Tage getreten Jet. Er teilte noch mit, daß außer den Fuldaer Arbetterver- I einen auch die Arbeitervereine von Pilgerzell und Künzell ihren Anschluß an den Sozialen Ausschuß erklärt hätten.und der Anschluß der Ber- eine von Edelzell, Rönshausen, Bachrain und Johannesberg bevorstehe. Außerdem habe auch Herr Superintendent Ruhl erklärt, daß dem Anschluß des evangelischen Arbeitervereins nichts im Wege stände. Zum Schluffe richtete der Redner einen warmen Aufruf an bte Versammelten, bett vom Sozialen Ausschuß aufzustellenden christlich-nationalen Vertretern bie Stimme zu geben. Aus ber Diskussion sei vor allem eine interessante Bemerkung des Stv. Laux festgehalten, wonach in bem Zwölferausschuß eme Anzahl waschechter Sozialb em o kr at en smb. Es sei nicht zu verstehen, wie Männer, bte auf christlich-nationalem Boben stehen, auch biesem Ausschüsse angeboren könnten. Hier fei eine reinliche Scheidung am Platze. Auch Gewerkschaftsfekretär Stahl wies auf die Rührigkeit der Sozialdemokratie hin, die wegen der jetzt anwesenden zahlreichen fremden Arbeiter besonders zu denken gebe. Bei der die neuen Effen- bahnbrücken bauenden Firma Weitz u. Frettag finden lediglich „frei", also sozialdemokratisch organisierte Arbeiter, Anstellung. Die Ausstellung der 80 Kandidaten bezw. Stellvertreter für den Krankenkassenausschuß vollzog sich dann völlig glatt und einmütig. Alle Berufe, Vereine, Betriebe und auch die weiblichen Kassenmitglieder sanden Berücksichtigung., Mit einem warmen Aufruf zur regen Wahlbeteiligung wurde die Versammlung geschlossen.
i£y Prämiierung pon Blumenstöcken ber Schulkinder. Eine anmutige Feier vollzog sich gestern nachmittag int Garten der „Harmonie". Im Mai hatten 269 Mädchen der Oberklassen ber hiesigen Volksschulen durch den Gartenbau-Verein junge Blumenstöcke (Geranien, Epheu-Geranien und Fuchsien) zur Pflege erhalten. Gestern mußten nun diese Blumen zur Schau I gebracht werden; 200 Kinder waren ber Aufforderung nachgekommen. ES war ein herzerfreuender Anblick, als dieser Blumenflor nach Schulen und Klassen geordnet auf Tischen aufgestellt war. Wie der Augenschein lehrte, hatten viele Kinder sich große Mühe gegeben, ihre Lieblinge sorgfältig zu pflegen, trotzdem die Wit-
I terung der Sommermonate den Blumen nicht sehr günstig war. Der Vorsitzende des Gartenbau-Vereins, Herr Rentner Sell, konnte in seiner Eröffnungs-An-
I spräche dem Ergebnis der Blumenschau das Prädikat I „vorzüglich" erteilen, die Kinder hätten ihre Aufgabe erfüllt und zeigten Verständnis für die Blumenpflcge, die mehr und mehr Allgemeingut werde. Fulda habe noch nie so viele schöne Blumenfenster, geschmückte Balkons und Vorgäcten gehabt wie gerade in diesem Jahre. Die Kinder hätten dabei nicht zum wenigsten mitgeholfen, da ihr Interesse für die Blumen immer
I mehr zunehme. Unser Stadtbild habe sich dadurch in der letzten Zeit sehr verbessert und hinterlasse für die
I Fremden einen guten Eindruck. Herr Sell hob hervor, daß in der letzten Zeit die Klagen über Zerstören
I der Blumen in Anlagen, auf Friedhöfen re. viel weniger geworden seien, woran wiederum die durch
I den Gartenbau-Verein angeregte Pflege und Wert- I schätzmig der Blumen ihren Anteil habe. Dank gebühre auch der Stadtverwaltung, die durch einen namhaften Zuichuß die Verteilung der Blumenstöcke an die Kinder ermögliche. Verschiedene weißgekleidete Schülerinnen der stadtpsarrlichen Schule trugen allerliebste Gedichte vor und die Oberklasse der genannten Schule sang unter der Leitung von Fräul. Lehrerin Temme einige mehrstimmige, der Feier angepaßte I Lieder, die großen Anklang fanden. Mit der Veriei-
— Franko und Porto. Der bahnbrechende Schritt, den vor beinahe vier Jahrzehnten der damalige Leiter des Reichs-Postwesens Dr. v. Stephan unternahm, in dem er bei einer Neubearbeitung des Post-Dienstanweisungsgesetzes mehr als, 700 nicht deutsche Bezeichnungen durch rein deutsche ersetzte und die ihm untergebenen Behörden und Dienststellen anwies, sich im dienstlichen Verkehr des Gebrauchs entbehrlicher Fremdwörter zu enthalten, ist gewiß nicht das geringste Verdienst des auf mehr als einem Gebiete hochverdienten Mannes. Wie er zweifellos vorausgesehm hatte, fand dieses für die damalige Zeit ungewöhnliche Vorgehen nur geringen Beifall; ja der wackere Mann mußte sich für feine vaterländische Tat sogar vielfach verspotten und verhöhnen lassen.' Die verhältnismäßig wenigen Verdeutschungen, die nicht ausschließlich den inneren Dienst betrafen, sondern weitere Kreise berührten, wie Postkarte, Briefumschlag, Fahrschein, Rückschein,, Behändigungsschein, Einlieferungsschein, eingeschrieben, postlagernd, bürgerten sich nur langsam ein. Heute steht die Post als Sprachreinigerin nicht mehr allein. Der deutsche Sprachverein hat schon 27 Jahre lang an dem Sprachgewissen der Deutschen gearbeitet und gerüttelt. Auch die kettenden Behörden haben sich seit etwa 10 Jahren der wahrhaft vaterländischen Sache mehr und mehr angenommen. Dieser Entwicklung gegenüber ist, wie wir in der Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins lesen, zu bedauern, daß die Reichspostverwaltung bis jetzt zwei fremde Fachausdrücke beibehalten hat, die sehr leicht durch deutsche ersetzt werden können. Die vom Absender ber Postsendung entweder bar ober durch Aufkleben von Freimarken entrichtete Versendüngs- gebühr heißt nämlich das Franko; was dagegen der Empfänger zu zahlen hat, nennt bie Post das Porto. Demgemäß unterscheidet sie frankierte und — nein, nicht portierte, sondern unfrankierte Sendungen. Eine regelrechte Mehrzahlbildung von Franko und Porto ist nicht üblich, man umschreibt sie, indem man das Wort Beträge anhängt. Es liegt nahe, Franko und Porto durch vorgezahlte und nachgezahlte Gebühr ober durch Vorzahlung und Nachzahlung, frankieren durch vorzahlen, frankiert und unfrankiert durch frei und nicht frei zu ersetzen. In der „zur Beachtung" überschriebenen Anweisuna auf der Rück-
Ans dem Nachbargebiete.
X Blankenau, 13. Sept. 1913. Der schon mehr- mals vorbestrafte F. H. in Blankenau wurde gestern vom Schöffengericht zu Großenlüder wegen Be-. leibigung be§ Bürgermeisters zu einer Gefängnis^ strafe von 14 Tagen und in bie Kosten verurteilt, ber Amtsanwalt hatte sechs Wochen Gefängnis^ 1,80 ^Kreuzberg (Rhön), 13. Sept. 1913. Vom 20. September, nachmittags 7 Uhr, bis 23. eept; früh werben im hiesigen Kloster Exerzitien für Rekruten abgehalten. Deshalb können Touristen und Wallfahrer nicht auf Unterkunft rechnen. J
* Schwarzenfels (Kr. Schlüchtern), 13. Sept. 1913. Auf einem Acker ganz in der Nähe ber Gmne und des Hopfenbergs brannte ein großer Stapel Stroh und Heu total nieder. Es liegt ohne Zweifel Brand- ftiftung vor. Der dem Eigentümer, Schneider Scherfs hier, zugefügte Schaden, der durch Versicherung gedeckt sein soll, beträgt wohl etwa 120 Mark. 1
* Aus dem Freigericht, 12. Sept. 1913. Am Dienstag, den 16. September begibt sich der H o ch - würdigste Herr Bischof zur Spendung des hl, Sakramentes der Firmung ins Freigericht. Am Mlttt woch weilt Hochderselbe in ber Pfarrei Altenmittlau und am Donnerstag in ber Kuratie Neuses. Am Donnerstag nachmittag trifft der Oberhirt in Som-, born ein, woselbst er am Samstag, 20. September die Pfarrkirche nach ihrem umfangreichen Ausbau vom Jahre 1911 tonf etriereit wird. Am Sonn- tag, 21. September werden in Somborn bie Firmlinge aus Somborn, Bernbach und Oberrodenbach 9efi*m6klnljaufen, 12. Sept. 1913. In der letzten Stadtverordnetensitzung gelangte u. a. das Realschulneubau-Projekt zur endgültigen Beschlußfassung. Bürgermeister Dr. Schmitt verbreitete sich nochmals des näheren darüber und legte bar, daß durch staatliche Zuschüsse und sonstige Einnahmen eine Steuer-Mehrbelastung nicht zu erwarten sei. Prof. Dr; Küchenthal machte in seinen Aussührungeu als Sachverständiger klar, welche Bedeutung eine Realschule für Gelnhausen als Kreisstadt habe und welche Vorteile sie anderen Schulen gegenüber biete, ^n der Abstimmung gelangte das Hamerhofprojekt, das einen Kostenaufwand von 160 000 Mark erfordert, zur Annahme. — Die Wertzuwachssteuer, welche 1911 durch Reichsgesetz geregelt fft, kann von 1915 ab wieder an die Gemeinden gehen, soweit solche vor Erlaß des Reichsgesetzes eine Wertzuwachssteuer eingeführt hatten. Reichsgesetzlich erhält die Stadt Eelnbausen jetzi 50 Proz. der Reichssteuer Auf Antrag bei der Zentralbehörde kann dies frühe gültige Ortsstatut wieder eingeführt werden, Der Magistrat hat befchlossen, diesen Antrag zu stell len. Die Stadtverordneten schlossen sich dem an.
w Hanau, 12. Sept. 1913. Der 20 Jahre alte Schlosser Friedrich Neidhardt aus Langenselbold, der in der hiesigen Maschinensabrik G. D. Bracker Söhne beschäftigt ist, wurde von dem Treibriemen erfaßt und mehrmals mit dem Köpft gegen einen eisernen Trager geschleudert, so daß der T o d sofort eintrat. — Zwei unbekannte Männer haben ein 2jähriges Mädchen des I Zimmermanns Schneider an sich gelockt und verschleppt. Bisher fehlt jede Spur von ihnen und ihrem I Opfer. — Ein Giftmordversuch ist gegen ein Mädchen namens R., das im Hanauer Diakonissenheim tätig I ist verübt worden. Das Mädchen erhielt von seinen Eltern in Schweinfurt ein Paket, dem auch ein Fläschchen Limonade beilag. Der sonderbare Geruch der Flüssigkeit gab Veranlassung zu der Vermutung, daß Gift darin enthalten sei. Durch die chemische Untersuchung wurden dann größere Mengen Salzsaure tn ber Limonade festgestellt. Der Vater des. Mädchens soll schon öfters starke Drohungen gegen seme Tochte "Äpi. S°p>. 1913. M- Stotoemb.', neten beroißigten in ihrer nicht öffentlichen Sitzung 80000 Mark zur Anschaffung von 200 Milligramm Radium. . <•'
(9) Mernes, 12. Sept. 1913. Am Sonntag fand eine'stark besuchte Volksvereinsversammlung statt Rektor Huhn aus Hamborn sprach tn be« geisternder Weise über Selbsterlebnisse in Lourdes. __ Um Dienstag kam ein 14jähriger Schüler mit dem Kopf zwischen Leiter und das Rad eines schwer beladenen Wagens. Er trug so U atke Quet- fchun g en davon, daß er sofort nach Bad Orb m Behandlung mußte. — Bei den Erntearbeiten drang einer Frau ein Dorn tief in die Hand, wo er einige Sage sitzen blieb. Eine starte Schwellung zeigte schließlich Blutvergiftung an. Wie man hort, lann die Hand erhalten werden.
* Aus Thüriiraeu, 13. Sept. 1913. InSalzu n qen brannte das Rvmmelsche Haus, ein Neubau aus dem Jahre 1909 vollständig nieder. Die Wasserzufuhr zum Hanse sehlte. Die Feuerwehr mußte süsser aus der Wena pumpen. — In Witterda bet E rfurt geriet ein 21 Jahre altes Mädchen in bte Strohpresse der Dreschmaschine. Ihm wurden bet Kopf nnd die Brust vollständig zerdrückt. Die Verunglückte konnte nur als Leiche herausgezogen werden — Von betrunkenen Schmetterlingen erzählt je mand, der in Eisenach zu Besuch weilte. Bei einem Spazieraang am Hörselberg fielen dem Beobachter eine Menge eigenartig schwerfällig flattern- I der Schmetterlinge auf, die alle aus einer bestimmten Richtung herkamen.' Beim Nähergehen fand er eine zahlreiche bunte Gesellschaft, Pfauenaugen, Schwa!
I benschwänze, Admirale u. e., an einer besonnten, I etwas ausgehöhlten Muschsltalkplatte sitzend, auf die I eine übeihängende a!tt Birke aus einer
am Stamm ihren süMn Saft ergossen hatte. An dieser, wie darausstehende Blasen zeigten, in Garun> übergegangenen nnd daher beran;chend wirkenden I Speise labten sich die Falter, um dann taumeln I weiter zu kriechen. Den einen gelang em schwierige . I Abflug andere konnten nicht mehr fliegen und tcu feiten um den Stein herum, wieder andere, die be I Guten zu viel getan, sielen um und lagen wie tot ai
der Seite. Die ganze Gesellschaft war regelrecht b> 1 trunken.