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2. Blatt

Druck ter Mdeer »criendrvcerei in $n!6a.

Zulvaer Leitung.

M 2«.

Zreitag \2. September 1915.

Die neuesten Ergebnisse der Reichs- statistik.

' DaS statistische Jahrbuch für das deutsche Reich ist soeben erschienen. Es enthält in der üblichen An. ordnung die Quintessenz der amtlichen Statistik. Wenn auch die Ergebnisse zum Teil schon anderwärts veröffentlicht worden sind, so wendet sich dem Jahr­buch doch regelmäßig die Aufmerksamkeit aller am öffentlichen und wirtschaftlichen Leben interessierten Kreise zu. Trotz der vielen Mängel, die der amtlichen Statistik noch anhaften, liefert sie für bie Beurteilung gewisser Fragen von allgemeiner Bedeutung doch noch das einzig zuverlässige Material.

Das gilt vor allem von all den Problemen, die mit der Bewegung der Bevölkerung zusammen- hängen. Wir stehen im Zeichen der Erörterungen über Geburtenrückgang, Gebärstreik usw. Es ist des­halb von Interesse, die für das Jahr 1911 veröffent­lichten Resultate der Stalistik mit den Ziffern der Vorjahre zu vergleichen. Es zeigt sich, daß zwar die Zahl der Eheschließungen von 496 396 im Jahre 1910 auf 512819 im Jahre 1911 gestiegen ist, daß aber die Zahl der Geborenen gleichzeitig von 1982836 auf 1927039 zurückging. Diese Abnahme ist umso schwerwiegender, als gleichzeitig der Tod in dem übermäßig heißen Jahre 1911 eine besonders reichliche Ernte vor allem bei den Säuglingen hielt. Die Zahl der Gestorbenen erhöhte sich nämlich von 1 103 723 auf 1187094. Auf je 1000 Einwohner kamen in den Jahren 1906 bis 1911 durchschnittlich:

Mehr Fahr Eheschließungen Geborene Gestorbene Geborene als Gestorbene

1906

8,2

34,1

19,2

14,9

1907

8,1

33,2

19,0

14,2

1908

8,0

33,0

19,0

14,0

1909

7,8

32,0

18,1

13,9

1910

7,7

30,7

17,1

13,6

1911

7,8

29,5

18,2

11,3

Der Rückgang des Geburtenüberschusses hat demnach im Jahre 1911 ganz ungewöhnlich große Fortschritte gemacht. Eine geradezu erschreckende Zu­nahme der Säuglingssterblichkeit war die Folge der abnormen Witterungsverhältnisse des Jahres 1911. Es starben nämlich im ersten Lebens- chhre:

Von je 100 Lebendgcborenen verstarben im ersten

Jahr

Eheliche

Uneheliche

Insgesamt

1909

288202

47234

335 436

1910

267171

44291

311462

1911

308765

50757

359 522

Lebensjahre

Jahr

Eheliche

Uneheliche

Ueberhaupl

1909

16,0

26,8

17,0

1910

15,2

25,7

16,2

1911

18,2

29,9

19,2

Von den Fragen, die in dieser Zeit die O:ffentlich- seit beschäftigten, findet vor allem auch die Teuerung chren Niederschlag in der amtlichen Statistik. Neben der allgemeinen Steigerung der Warenpreise im Groß­handel ist besonders der starke Rückgang der Bieh- jchlachtungen in den Jahren 1911 und 1912 ausfallend.

Lokales.

Fulda, 12. September 1913.

-T- Vom 47. Feldartillerie-Regiment. Aus dem Manöverstandort Schleiz teilt uns das Regiment mit: Nach der Sonderausgabe des ,Mil. Wochen­blattes^ sind folgende Personalveränderungen inner­halb des Offizierskorps des 47. Feldartillerie-Regi­ments eingetreten: Major Becker, Abteilungs-Kom­mandeur im Feldartilleric-Regiment Nr. 36 (Danzig) -ritt zum Stabe des Regiments über, Major Guhl wird als Lehrer zur Feldartillerie-Schießschule versetzt. Hauptmann v. Bardelcben beim Stabe der Feld- artillerie-Schießschule wird als Major und Abteilungs- Kommandeur in's Regiment versetzt, Hauptmann Rosenbaum wird zum Stabe des Feldartillerie-Regi- ments Nr. 40 (Burg i. d. Altmark) versetzt, Haupt- mann v. Ludwiger tritt als Batterie-Chef zum Feld- artillerie-Regimcnt Nr. 60 (Schwerin) über, Ober­leutnant v. Ochsenstein vom Feldartillerie-Regimcnt Nr. 15 (Elsaß) als Stabs-Hauptmann in's Regiment versetzt, Oberleutnant Stengel ist zum überzähligen Hauptmann befördert. Der Ober-Beterinär Andree ist zum Jäger-Regiment zu Pferde 7 (Truppen-. Übungsplatz Darmstadt, später Trier) versetzt, Veteri­när Mandelkow ist in's hiesige Regiment, Unter- Veterinär Heitzenroeder in's Jäger-Regiment Nr. 6 (Erfurt) versetzt. Vorstehende Personal-Veränderungen treten sämtlich erst am 1. Oktober 1913 in Kraft.

X Die Tätigkeit der Schiedsmäuiier in der preußi- schen Monarchie hat nach der Stalistik für das Jahr 1912 weiterhin ab genommen. Im ersten Jahre des Bestehens wurden 90 760 Rechtsstreitigkeiten durch Schiedsmänner behandelt, 1912 nur noch 4518. Da­bei gibt es in Preußen insgesamt 18437 Schieds- männer; diese haben zusammen im letzten Jahre nur 1518 Sachen zu bearbeiten gehabt, wobei sie nur in 1992 Fällen ihre Bemühungen mit Erfolg gekrönt sahen. In Fulda hat sich das Schiedsmanns- Jnstitut — wenn man von den „bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten' absieht — im allgemeinen ganz, gut eingeführt, wie aus nachstehenden Ziffern hervor­gehen dürfte. Es kamen zur Verhandlung vor die Schiedsmänner 1890: 80 Sachen, durch Vergleich wurden erledigt 25 Sachen; 1895: 113 zu 32; 1900: 112 zu 27; 1905: 118 zu 36; 1910: 162 zu 41 und 1912: 183 zu 54 Sachen. Wie wir aus diesen Ziffern erkennen, ist unser hiesiges Schiedsmanns- Jnstitut ganz gut in Anspruch genommen worden, allerdings fast durchweg nur wegen Beleidigungen und Körperverletzungen. Wegen Herbeiführung einer Einigung in bürgerlichen Rechtsstreitig, leiten hat man in Fnlda die Schiedsmänner seit 1890 nur insgesamt in 7 Fällen angegangen. Es^ scheint diese Seite des Instituts im Publckum weniger bekannt zu sein. Tic Einsetzung von Schiedsmännern ist angeordnct durch Gesetz vom 29. März 1879. Ihre Aufgabe ist die Vornahme von Sühneverhaud- lungen über streitige Rcchtsaugelegenheiten. Für Fulda wurden für jc einen der 4 Stadtbezirke ein Schiedsmann und ein Slellvcrlretcr bestimmt. Die ersten Wahlen wurden am 20. Oktober 1879 voll­zogen. Zu Schiedsmäuncrn wurden die damaligen 4 Bezirksvorsteher Leopold Traut, Christoph Boeckcn Valentin Müller und Dionys Reuß gewählt. An­stelle von Herrn Reuß trat 1882 Herr Heinr. Andre, der dieses Amt fast 30 Jahre lang (1911) bekleidete, und an dessen Stelle Herr Karl Traut getreten ist. Anstelle des seines hohen Alters wegen 1889 von dem Amt als Bezirksvorstchcr und Schiedsmann zurücktretcnden Herrn L. Traut trat als Nachfolger in beide Aemter Herr Scklosscrmeister Franz Fleisch­mann. 1890 legte Herr Val. Müller sein Amt wegen Krgnkbeit nieder. Es trat an dessen Stelle Herr

Maurermeister I. H. Stock. Bei der Neuwahl 1892 wurde für den verstorbenen Schiedsmann und Bc- zirksvorsteher Boecken als dessen Nachfolger für beide Aemter Herr Schlossermeistcr Ludwig Fleischmann bestellt. Schiedsmanu Stock starb 1897, und trat an seine Stelle der Malermeister Phil. Neidhardt; an­stelle des 1910 verstorbenen Schiedsmanncs Franz Fleischmann trat Herr Damian Günther. Zurzeit werden die Aemter bekleidet im 1. Bezirk vom Schiedsmann Damian Günther, 2. Bezirk Ludwig Fleischmann, 3. Bezirk Phil. Neidhardt und 4. Bezirk Karl Traut. In der Zeit von 1890—1912 wnrden vor den hiesigen Schiedsmännern insgesauit verhan­delt 2831 Rechtsstreitigkeiten, die mit Ausnahme der vorgenannten 7 Fälle sämtlich Beleidigungen und Körperverletzungen betcafcn. In 1213 Streitfällen waren beide Teile zum Sühuetermin erschienen und in 752 Fällen wurde der Streitfall durch Vergleich erledigt.

p. Unterstützungen der Aerztekainmer in Hessen- Rafiau. Die Unterstützungskasse der Aerztekamnier in Heffen-Naffan besteht jetzt 10 Jahr und hat wäh­rend dieser Zeit an Unterstützungen und Beihilfen an Witwen und Waisen 50525 Mark ausgezahlt. Sie verfügt gegenwärtig über ein Kavital von 148500 Mar'. Im letzten Jahr gewährte die Kaffe 28 Unter­stützungen an Witwen und Waisen in Höhe von 8180 Mark, die Beträge schwankten zwischen 100 und 500 Mark. Aus anderen Legaten wurden ferner 18300 Mark an Beihilfen ausgczablt, auch gewährte die Kaffe der Aeiztekammer der Unterstützungskasse einen Zuschuß von 18000 Mark. Die Kaffe hat jetzt die vorbereitenden Schritte zur Gründung einer Pensionskasse für arbeitsunfähige Acrzle und Arztwitwen und -waisen eingeleitet, auch der Gewährung des Rechtsschutzes soll näher getreten werden.

s Das nächstjährige Kaiser-Manöver wird, wie jetzig c-.k«-Äwals mit Bestimmtheit verlautet, in O b e r- hess».< irud den angrenzenden Gebieten stattfinden.

III Auszeichnung. Herr Ingen eur Ferd. Schneider hatte gestern die hohe Ehre, auf Schloß Adolfscck seine drahtlose Uhr, sowie Telegraphen - Apparate Ihrer Königlichen Hoheit der Landgräfin von Hessen, Prinzessin Anna von Preußen und einer geladenen Gesellschaft vorsühren zu dürfen. Die Vorführungen gelangen vorzüglich und befriedigten die hohe Frau in vollem Maße

kre Die Abschätzung von Flurschäden, die durch Truppenübungen herbeigeführt worden sind, betrifft eine neue, für Landwirte beachtliche Entscheidung des höchsten Verwaltungsgerichtshofes, die sich mit den Pflichten der Mitglieder einer A b s ch ä tz u n g s k o m m i s s i o n beschäftigt. Mit der Abschätzung des Flurschadens auf seinen Kartoffelfeldern unzufrieden, klagte ein Gutsbesitzer auf Schadensersatz gegen Mitglieder der Kommission, denen er eine Pflichtverletzung deshalb zum Vorwurf machte, weil sie eine Vorabschätzung des Schadens vor Aberntung der Felder unberücksichtigt gelassen und das wiederholt vom Kläger gestellte Ersuchen, die Kommission möge zu dem Lagerraum kommen, um sich dort zu überzeugen, ein wie großer Teil der Kar­toffeln Beschädigungen durch das Militär, insbeson­dere die Kavallerie, erlitten habe, mit der Erklärung abgelehnt hätten, das habe kein Interesse. In dem zugunsten der Beamten infolge einer Konflikts­erhebung durch die Regierung ergangenen Urteil des Oberverwaltungsgerichts wird u. a. ausgesprochen, daß das Ergebnis einer Vorabschätzung bei der Ab­schätzung durch die Kommission dann nicht zu berück­sichtigen ist, wenn die Vorabschätzung den besonderen gesetzlichen Vorschriften nicht entsprochen hat. In einer etwaigen Unterlassung der Besichtigung dec cin- geerntetcn Kartoffeln erblickte der Senat nach der Lage des Falles keine P f l ich t w i d r i g k e i t der Kommission. In dem noch nicht abgeerutetcn Teile der Felder habe sich nämlich ungeachtet seiner gerin­gen Größe, ein zur Feststellung des Schadens in sol­chem Maße geeignetes Objekt dargebotcn, daß ihm gegenüber eine Besichtigung der Kartoffeln in dem Lagerraums bedeutungslos geworden sei. Das be­treffende Feldstück sei zweimal eingehend besichtigt worden und hierdurch — im Zusammenhang mit der Besichtigung der Rachbarseider unter Beachtung der im wesentlichen vorliegenden Gleichartigkeit der Scha­densursache — habe die Kommission ein Bild gewin­nen können und gewonnen, das ihre Mitglieder nach pflichtmäßigem Ermessen zur Beurteilung und Abschätzung des" Schadens für ausreichend halten konnten, auch obre noch besonders die Kartoffeln in dem Lagerraum zu besichtigen.

[:] Radinm-E^perimental-Vortrag. Bei dem all­gemeinen Interesse, das dem Radium auch in unsrer Stadt, besonders im Hinblick auf die Erwerbung die­ses kostbaren Stoffes zu Heilzwecken durch den Direk­tor des Landkrankenhauses Herrn Dr. Gunkel hier entgegengebracht wird, dürfte der morgen, Samstag den 13. Sept., abends 8'/i- Uhr im Bürgervereins­bause stattfindende öffentliche Vortrag des Dresdener Physikers Herrn Hermann Scheffler sich eines zahl­reichen Besuches erfreuen, zumal der Vortragende außer Vorführung interessanter Experimente die ganze Radiumforschung von der Gewinnung bis zu den epochalen Ramsayffchen Entdeckungen in klarer, populärer- Weise • behandeln wird. Aus dem Pro­gramm sei erwähnt:

Die Gewinnung des Radiums. — Die chemischen, physikalischen und physiologischen Wirkungen. — Die verschiedenen Strahlenarten. — Das Radiumgas. — Die Umwandlung der Elemente. — Atomzerfall. — Die Elekironen-Thcorie. — Die elektrischen Erscheinungen brr Lust unter dem Einffuffe des Radiums. — Das Photo­graphieren mit Radium. — Das Durchleuchten von Holz- und Metallplatten, auch Händen. — Das Aufleuchten echter Diamanten im Dunkeln :c.

-7- Tie umfangreichen Stallerwriternngsbauten des hiesigen Arlillerie-Kasernemenls sind dieser Tage unter Dach und Fach gebracht worden. Sie wurden mit Eisenbeton-Hohlsteindecken versehen, die von der Firma Hermann Hoves dahier ausgesv.hrt wurden. — Das Regiment wird am 20. ds. Mts. in die Garnison zurückkehren.

5: Die Zwetjchenrinfuhr in unsere Stadt hat leb­haft eingesetzt. Tie Preise für den Zentner bewegen ffck gegenwärtig zwischen 4.75 und 5.00 Mark

+ Ter Fuldaer Fußballverem hat m seiner gest- strigen Monatsversammlung im Vereinslokal „Zur Windmühle" sich neu konstituiert. Zum 1. Vor­sitzenden wurde F. Bolender und zum 2. Vorsitzende!: und Obmann der Spielleitung K. Fuchs gewählt Von Vereinsveranstaltungen ist u. a. vorgesehen für einen noch näher zu bestimmenden Sonntag eine Stadt st afette bestehend aus 15 Teilnehmern aus je einem Verein oder einer Schule. Sie wird vom Kriegerdenkmal ausgehen; die "Laufstrecke wird zirka 5 Kilometer betragen. Es können "sich alle hiesigen sporttreibenden Vereine, Militär und Schulen daran beteiligen. Diese „Fuldaer Stadtstafette" fyff als

Jahrhundertfeier betrachtet und von einer festlichen Veranstaltung begleitet fein.

— Sport. Sonntag, den 14. Sept., nachmittags 3*i'i Uhr, eröffnet der Fuldaer Sportverein Germania feine diesjährige FrkßbaUsaison. Es spielt die erste Mannschaft gegen Cie erste Mannschaft des F. C. Als­feld 1906 auf dem Exerzierplatz bei Neuenberg.

2Iu$ dem Nachbargebiete.

* Lauterbach, 12. Sept. 1913. Der Großherzog hat den Kreisrat des Kreises Lauterbach Friedrich von Bechtold zum Kreisrat des Kreises Alzey, den Rat bei der Provinzialdirektion Starken­burg und Zweiten Beamten des Kreisamtes Darm­stadt Regierungsrat Leopold von Werner zum Kreisrat des Kreises Lauterbach ernannt.

* Hanau, 11. Sept. 1913. Wie gemeldet, wurde einem in einem hiesigen Krankenhaus bediensteten Mädchen namens Roßhirt aus Schweinfurt vor kur­zem von seinen Angehörigen eine Flasche Limonade zugesandt, die, wie die chemische Untersnchung ergab, stark gifthaltig war. Die infolge der eingeleiteten Untersuchung bei den Eltern des Mädchens beschlag­nahmten Flaschen mit verschiedenen Flüssigkeiten enthalten, wie nunmehr durch den Hanauer Chemiker sestgcstellt worden ist, kein Gift.

* Aus dem Grotzherzogtum Hessen, 11. Sept. 1913. In Darmstadt besteht ein pädagogischer Kursus, in dem Abiturienten der Gymnasien, Real­gymnasien und Oberrealschulen methodische Anwei- sung zum praktischen V o l k s s ch u l d i c n st erhal­ten. Nicht weniger als 70 Abiturienten hatten sich gemeldet, von denen jedoch nur 30 angenommen werden konnten. Ein großer Teil wurde für den nächstjährigen Kursus vorgemerkt. Ausgenommen wurden mir solche jung» Leute, die aus Grund guter schriftlicher Leistungen vom mündlichen Examen be­freit waren. An den Vorseminaren hat dagegen der Zugang abgenommen. Danach gehen jetzt viele Leute mit dem Reifezeugnis zum Lehrerberuf über, wahr­scheinlich in der stillen Hoffnung, später im Lehrer­beruf selbst noch an den Universitäten hören zu kön­nen.

a Von der Lahn, 11. Sept. 1913. Durch die Schaffung eines neuen Wanderpfades von der Rupbachtalmündung bis zur Ruine Brannenburg hat der Taunusklub kürzlich eine bet reizvollsten Partien des Lahntals der Touristik erschlossen. Der Weg führt kurz vor Gutenacker auf die Höhe, um bei Laurenburg wieder das Tal zu erreichen, dann folgt er der Bahnlinie durch das Tal, das an dieser Stelle besonders wild und eng ist, bis Häuser Hof und von hier aufwärts nach der Ruine Brunnen- burn.

* Weilburg (Lahn), 10. Sept. 1913. Die Weil­burger Gasbeleuchtungsgesellschaft blickt in diesem Jahre auf ein 50jähriges Bestehen zurück. Sämt­lichen Beamten und Arbeitern wurden aus diesem Anlaß namhafte Geldzuwendungen gemacht. Gleich­zeitig mit dem Jubiläum des Unternehmens kann auch der langjährige Betriebsverwalter, Hermann Müller, auf eine 50jährige Tätigkeit im Gaswerk zurückblicken. Dem Jubilar - wurden zahlreiche Ehrungen zuteil.

Amt Geisa und Umgebung.

* Kaltennordheim, 12. Sept. 1913. Beim inter­nationalen Damenfrisieren in Berlin er­rang der aus Kaltennordheim stammende Friseur Henkel die Weltmeisterschaft,'»nachdem er früher die Meisterschaft von Deutschland erobert hatte. Er erhielt 3000 Mk. und einen goldenen Krug.

* Woltershausen, 11 Sept. 1913. Durch Tele­phonruf wurde die hiesige Feuerwehr nach dem Dorfe Langenhain verlangt, da ein gefahrdrohender Brand inmitten des dichtbebauten Dorfes ausgebrochen war. Die Abteilung fand am Brandplatze die beiden Scheu­nen der Einwohner Schönau und Ziller in Flammen. Von den beiden zu den Gehöften gehörigen Wohn­häusern, die ebenfalls in Brand geraten waren, wurde das Zillersche so sehr beschädigt, daß es gänzlich nie­dergelegt werden mußte. Alle Vorräte in den Scheu­nen sind verbrannt. Durch eine amtliche Kommission wurde festgestellt, daß schulpflichtige Kinder während der Abwesenheit der Eltern in der Zillerschen Scheune mit Streichhölzern gespielt hatten. Durch die Versicherung wird nur ein Teil des entstandenen Schadens gedeckt.

2Iu$ Gberhessen u. den Hess. AemLern.

△ Marburg, 10. Sept. 1913. Der zur Zeit auf dem hiesigen Rathause beschäftigte 22 Jahre alte ehemalige Frise urgehilse Hermann Ungemach von hier, hat, nachdem er im Jahre 1911 seinen Ein­jährigen an der Realschule in Ems machte, jetzt auch die Reifeprüfung für d i e Unterprima an der Oberrealschule in Frankfurt mit gut bestanden. Diesen wohl selten günstigen Erfolg verdankt der talentvoll veranlagte junge Mann, der hier die Volksschule besuchte, dem Nachhilfeunterricht des Privatlehrers Fritz Haßenpflug von hier, der merk­würdigerweise, trotzdem er des Augenlichts stöllig be­raubt ist, nach vollendetem Studium an der hiesigen Universität am 12. Februar d. I. sein Examen als T r. P h i.l. glänzend bestehen konnte.

* Marburg, 11. Sept. 1913. Em an den Fast­nacht-Krawallen auf dem Marktplatz beteiligter Student, der die Fenster der Polizeiwache eingeworfcn hatte, wurde zu hundert Mark Geldstrafe ver­urteilt.

"Kirchhain, 11. Sept. 1913. Bei der Vergebung der Anstrsicherarbeiten an zwei städtischen Gebäuden gingen die Angebote sehr weit auseinander. Es verlangte der Höchstfordernde 335 'Mark und der Mindestfordernde 135 Mark. — Beim gestrigen Piehmarkt waren aufgelrieben: 5 Stück Großvieh, 1 Kalb und 398 Schweine.

* Zwesten, 11. Sept. 1913. Ein in hiesiger Ge­markung liegender M i n e r a i b r u n n c n, welcher früher ein vorzügliches Heil- und Tafelwasser lieferte, in den letzten Jahren aber wenig geachtet wurde, soll durch ein hiesiges Konsortium wieder hergestellt und neu gefaßt werden, sodaß ein regelrechter Wafscr- versand möglich ist.

* Fritzlar, 11. Sept. 1918. Die erste reitende Batterie des 1. Kurh. Feldartillerie-Regts. Nr. 11 in Fritzlar hat wiederum für hervorragende Schießlei. ftungen den Kaiserpreis erhallen. Damit hat die reitende Abteilung innerhalb von 10 Jahren vier­mal diese ehrenvolle Auszeichnung erhalten, eine Tat­sache, die umsomehr an Bedeutung gewinnt, wenn man bedenkt, daß jährlich von weit über 600 Bat­terien des deutschen Heeres nur 7 Batterien diese Königliche Anerkennung erholten.

Vermischte.

* Gegen das Automobilrasen. Der in den Diensten eines Architekten stehende Kraftwagenführer Wilhelm Busch überfuhr am 4. Juni d. Js. auf der Land­straße nach Duisburg den 58jährigen Strecken­wärter Weiland, der so schwer verletzt wurde, daß et alsbald starb. Die Strafkammer in Düsseldorf ver­urteilte den Krastwaaensührer wegen fahrlässiger Tötung zu zwei Jahren Gefängnis. Im Urteil wurde hervorgehoben, daß der Angeklagte ein geradezu wahnsinniges Tempo eingeschlagen habe und deshalb eine exemplarische Strafe verdiene. Das Publikum muffe auf jede Weise gejchützt werden.

/> Ein neuer Erdbebenanzeiger. Der Direktor des Vesuv'Obscrvaloriums, Pros. Ms real li, ein katholischer Priester und in der Gelehrtenwelt sehr bekannt, lonstrrsierte einen verbesserten Seismographen.

△ Ein Denkmal für den Afrikasorjcher Rohljs. In Vegesack bei Bremen soll dem berühmten Asrikafor'scher Gerhard Rohlss ein Denkmal in «stein errichtet werden. Von den 12 eingelaufenen Ent­würfen erhielt Bildhauer Haufchlid in Berlin den ersten Preis. Der Künstler hat nicht ein einfaches Standbild geschaffen, sondern der geniale Forscher wird auf einem Kamel dargestelll. Die Idee if um so glücklicher, da das Hauplverdienst Rohlss it der Erforschung der Wüste liegt, und das Denkniai daher nicht nur eine dekorative Wirkung erzielen, sondern auch eine Charakteristik des Forschers geben wird.

* Bon, Biihnenclend. Die Theaterromantik erhält wieder einmal eine eigenartige Beleuchtung durch fol­gende, in einer Münchener Zeitung erschienene Anzeige! „Suche Engagement als Gesangsliebhaberin, Müller- rollen, Soubrette, nur zu Familien-Direktion. Bin der. selben auch in der Küche behilflich und bei de, Wäsche. Beanspruche entweder 40 Mark Gage, oder einen Teil und gute Behandlung."

* Schon wieder zwei Todesstiirze! Im Aerodrom von Lyon (Frankreich) stürzte der Flieger Ctzonienne ab und war sofort tot. — In Sebastopol stürzte der russische HJiililätflicger Leutnant Druschnin mit einem Newport-Apparat ans einer Höhe von dreißig Meter ab und war sofort tot. Druschnin ist das 22. Opfer der russischen Aviasik.

* Der vergessene Zylinder des Ministerpräsidenten. Ms dieser Tage der Eilzug von Madrid nach Paris, in dem Graf Romanones, der spanische Prerniermiiff- ster, in einem Salonwagen saß, eben den Bahnhof verlassen hatte, wurde er wieder zurückbeordert und blieb dreiviertel Stunden im Bahnhof stehen. Ver­gebens suchten die ärgerlichen Reisenden zu erfahren, w eshalb der Zug so lange stehen bliebe. Der Stationsvorsteher verweigerte jede Aufklärung. Inzwischen kam ein Bote atemlos^herbeigelaufcn, der eine Hutschachtel trug, die er im Salonwagen des ®rafen Romanones abgab. Gleich darauf gab der Stationsvorsteher das Zeichen zur Abfahrt. Man er­fuhr dann auch die Gründe des dreiviertelstundigen Aufenthaltes: der Premierminister hatte seinen Zylinderhut in der Wohnung vergessen und gestattete nicht eher abzusahrcn, bts der Hut herangeschafft wor­den war.

* Professor ©mein Prinzi in Neapel, der vor 35 Jahren von der katholischen Kirche abfiel und feit dieser Zeit in den Reihen der Freimaurer kämpfte, veröffentlicht in der .Liberia' eine Erklärung, daß er, frei und unlesinflußt, der katholischen Kirche wieder Treue schwöre, die ihn trotz seiner Ver­gangenheit liebevoll aufnehme.

* Weil sie ein kleines Kind getötet hatten, um aber, gläubisch sein warmes Blut zur Heilung eines Schwind- süchtigen zu verwenden, sind in Almeria in Spanien ein Mann und eine Frau gestern hingerichtet worden. _

* Ein Fallschirmkünstler verunglückt. Der Sturm­wind warf in der russischen Stadt Nischninow- g o rod einen aufsteigenden He iß lüft ballo n gegen die Telegraphendrähte. Der Fallschirmkünstler Draw- nitzly fiel auf das Dach des Theaters und wurde schwer verletzt.

* Thaw ausgeliefert. Die Affäre des gefluchteten und wieder eingefangenen geisteskranken Mörders Harry Thaw ist in ein neues Stadium getreten. Auf Befehl des amerikanischen Ministers des Innern wurde am Mittwoch Thaw von Einwanderungsbeamten in Coaticook (Quebec) ergriffen und in einem Automobil nach Vermont an die Grenze gebracht. Thaw protestierte heftig. Er schrie und tobte und behauptet, er werde entführt.

Handel und Industrie.

Berlin, 11. Sept. 1913. An der Börse trat heule ein stilles Geschäft in die Erscheinung: dü Kurse zeigten sich befestigt. Der Markt der deutschen Anleihen lag weiter günstig. Besonders 3proz. Reichs­anleihe und Konsols zogen um 0,40 Prozent, 31/» proz. um 0,10 Prozent an. Der Privatdiskont hieb sich mit 5llr Prozent für kurzfristige und mit 5$!n Prozent für langfristige Sichten auf feinem gestrigen Stand.

Auszug aus ilem Stttbttkgisltt des Kgl. NaudesaultS Fuldl

vom 5. bis einschl. 11. September 1913.

(Anm eld e stu nd en: An Werktagen von 8—12 Uhr vor­mittags. an Feiertagen von 11—12 Uhr vormittags, nur für Totgeburten und Sterbefälle.)

7. September. Landwirlswitwe Margareta ©bett' geb. Darnieder, 82 I. 7 M. 10 T. 8. Ehefrau Beromkc Kreß, geb. Kretz, von Opperz, Kreis Fulda, 45 I. 4 M. 3 T. 8. Bierbrauers-Wrlwe Maria Eva Kemmerzell geb. Köhler, 44 I. 9 M. 26 T. 9. Oberbriefträge, Ednird Füller, 57 I. 3 M. 26 T. 9. Schülerin Katha­rina Bickert, 8 I. 10 M. 3 T. 10. Oberbahn-Assistent a. D. Paul Friedrich, 67 I. 6 M. 16 T. 10. Walter, S. des Fabnkarbeiters Georg Konrad Scheffel, 4 I. 1 M. 1 T. 11. Franz Karl, S. des Fabrikarbeiters Joseph Derbort, 1 I. 9 M. 11 T. 11. Rechtsanwalt und Notar, Justizrat Rudolf Gegenbaur, 54 I. 1 M. 22 T.

Reklamen- und Anzeigenteil-

Zch denke nicht daran, zu beftreiten, daß eine Autofahrt, eine Fahrt im Aeroplan daß Bobsleigs, Ski und wie ne alle heißen so etwas wie ein Nervenbad sind. Aber rch öe- Haupte auch, daß alle diese Sporrarte» eine Oatt erhöhte Neigung zur EckäUung in sich jchl'.rßen eben darum verwende ich ffcrts Fays echte Sodener Im Auto, beim Winters:orr — immer mtz rch von Zeit 5; Seit eine Mtr.-ral-Pasilllr — Fay- Sodener — im Munde z.rgehen, und nun en hab ich den vollen Genuß, weil icli weiß, v aß rch ohne Erkältung durchkommea werde. »ms- So­dener kosten 85 Pfg., man hüte sich aber uoi Nachahmungen. Besondere Kennzerchen: Lei Name „Fay" und weißer Koutrollstreifen mil amtl. Bescheinigung des Rillgermeister-Amtee Bad Geben - »