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2. Blatt

vruü ö«r $xU«r Aetiendnuekei in $nlöa.

Fuldaer Leitung.

X» 210.

Donnerstag U. September uns

Lokales.

Fulda, 11. September 1913.

ik. Zustizrat Gegenbaur f. Heute nacht ist Herr Iuftizral Gegenbaur, einer unserer angesehensten Mst» bürget, durch den Tod von schwerem Leiden erlöst worden. Zu Anfang des JahreS schon warf ihn eine tückische Krankheit auf den Tod darnieder, dann schien er stch wieder erholt zu haben. Am 7. Juli erschien er, von allen Seilen herzlich begrüßt, in der Stadlverordneiensitzung, um das langgeführte Amt der Vorsitzenden wieder auszunehmen. Nach etwas über eine Woche, seitdem er dem Stadtverordneten­kollegium zum letzten Male präsidiert hatte, ist er nunmehr einer schweren Rippenfellentzündung erlegen. So ist er recht in den Sielen eines dem Gemeinwohl geweihten Lebens gestorben. Justizrat Gegenbaur war als Sohn des um die Fuldaer Gefchichts- forschung hochverdienten hiesigen Gymnasialprofessors Jakob Gegenbaur im Jahre 1858 geboren. Nachdem er im Jahre 1878 am hiesigen Kgl. Gym­nasium da» Zeugnis der Reife erworben hatte, stu­dierte er in München und Berlin Rechts­wissenschaften. Nach Abschluß seiner Studien ließ er sich in Fulda als Rechtsanwalt nieder. Im Jahre 1905 wurde er zum Justizrat ernannt und 1908 zum Kgl. Notar bestellt. Schon seit dem Jahre 1889 widmete er seine Arbeitskraft auch dem Gemeinwohl der Stadt Fulda. Zunächst gehörte er als außer­ordentliches, seit dem Jahre 1897 als ordentliches Mitglied dem Bürgerausschusse an. Seit Einführung der Stadtverordneten-Versammlung im Jahre 1898 wurde er von den Wählern der ersten Klasse in diese Körperschaft entsandt. Zum letztenmale im Jahre 1908 wiedergcwählt, wäre sein Mandat mit der kommenden Jahreswende abgelaufen und hätte sicher­lich eine Neubestätigung gefunden. Im Jahre 1902 war Herr Justizrat Gegenbaur als Nachfolger des in de" Direktor Halbleib zum

Stadtverordnetenvorsteher gewählt worden. Ge­rade in diesem Amte, das seiner streng sachlichen, peinlich gerechten Denkweise und seinem hervorragenden juristischen Wissen entsprach, hat er sich große Ver­dienste erworben. Um alles andere unerwähnt zu lasten, sei nur darauf hingewiesen, daß er in den letzten Stadlverordnetensitzungen, schon als kranker Mann, mit einer bewunderungswürdigen Zähigkeit und einer gewisten Begeisterung, die ihn für alles Schöne und Gute beseelte, die endgiltige Verabschie­dung der Ordnung zum Schutze des Stadtbildes allen Widerständen zum Trotz durchgesetzk hat. Alle Freunde unserer Vaterstadt werden dem Verstorbenen gerade für diese Tat eine dankbare Erinnerung widmen. Als lreuen Sohn der Bonifatiusstadt zeichnete den Ver­storbenen auch ein mannhaftes Bekenntnis zur katho­lischen Kirche und Lehre aus, der er von der Zeit seiner Sludententage an, als er den katholischen Studentenoereinen Ottonia und Askania angehörle, immerdar auch im öffentlichen Leben Ausdruck gegeben hat. R. i. p.

-X- Vom königlichen Gymnasium. Nächsten Montag findet eine Revision des pädagogischen Seminars durch Herrn Geheimen Ober-Regierungsrat Dr. Pähler aus Kastel statt. — Am Dienstag beginnt unter Vorsitz des genannten Herrn die mündliche Reifeprüfung, an der sich 17 Auswärtige be­teiligen.

<? Der Gewerbeverein hatte auf gestern abend in seinem Vereinslokal, Gasthaus »Zur Traube*, eine außerordentliche Generalversammlung einberufen, zu der auch Vertreter des Meister- und PtännervereinS, sowie der Jnnungsausschuß ein- geladen waren. Der Vorsitzende, Herr B. Trabert, begrüßte die Erschienenen uno legte die Gründe bar für das Zusammengehen der hiesigen Interessenten und Gewerbetreibenden bei den bevorstehenden Krankenkassenwahlen und den Ersatzwahlen für das Stadlverordnelenkollegium. Zu dem Krankenkasscn- ausschuß haben die Arbeitgeber ein Drittel der Ver­treter zu entsenden. Da durch Inkrafttreten dieses Teiler der Relchsversicherungsordnung ein anderes Wahlsystem eintritt, muß eine Vorschlagsliste ein­gereicht werden. Sie ist von mindestens 15 Arbeit­gebern zu unterzeichnen und mit 40 Personen zu besetzen, von denen die letzten 20 Namen als Er­satzleute gelten. Die Vorschlagsliste muß bis zum 15. September eingereicht sein. Um allen Gewerben gerecht zu werden und auch den früheren Vertretern

MUiited Feuilleton.

— Die Männer und die Frauenmode. Wenn die Frauen ihr beliebtes Klagelied anstimmen: „Ich habe nichts anzuziehen", so meinen sie dies natürlich nicht wörtlich, sondern wollen damit nur anbeuten, daß sie nicht mehr so recht nach der Mode gekleidet gehen, und nun denken sie, der Herr Gemahl wird diesen Uebelftanb nie unb nimmer bestreiten, er wirb ihnen das Geld geben zu allerlei neuer Tracht: Röcke, Kleider, Hüte, Schuhe, Schirme usw. Welches Stück einer Frauentoilette unterliegt in unserer so­weit vorgeschrittenen Zeir^nicht der Mode! Aber — der gestrenge Eheherr zeigt sich oft zugeknöpft! „Ach was, unmodern, mußt du denn immer die Mode mit­machen'?" Doch mit Verlaub: Geht es überhaupt die Männer etwas an, wie sich die Frauen kleiden? O ja, erstens, weil sie, die Männer, die Rechnung bezahlen müsten, und zweitens, weil die Mode nur zu oft töricht, unvernünftig, unschön ist! Rousseau sagt: „Fast immer werden die Moden von den häß­lichen Frauenzimmern aufgebracht, und die schönen sind töricht, sich unterzuordnen!" Und der tiefsinnige Philosoph Kant hat gesagt: „Das Verlangen der Weiblichkeit, durch die veränderlichen Erfindungen des Putzes zu schimmern, ist, sofern es mit Geschmack geschieht, gar nichts Beleidigendes für andere, viel­mehr etwas sehr Artiges, und es liegt kein Grund vor, dagegen mit unwirschem Tadel vorzugehen." Also haben im Punkte des Mitmachens der Mode die Männer sehr wohl etwas zu sagen — die Frauen aber auch. Is-

— Bienenstiche — ein Heilmittel gegen Rheu­matismus? Eine interessante Studie veröffentlicht die französische Zeitschrift „Journal de la Sant^ über die Heilung rheumatischer Schmerzen mittels Bienenstiche. Ein Landmann war durch Gelenk­rheumatismus fast gelahmt unb regelmäßig, wenn er an seinen Bienenstöcken hantierte unb demzufolge

Rechnung zn tragen, wurden folgende Herren auf- gestellt :

A. Neidert, B. Trabert, I. Auth, A. Böschen, ft. Herrmann, F. ftuchS, Et. Grosch. I. Parieller, H. Rommel, H. Ewald, O. Schneemann, E. Stock, G. Hautumm, M. Hohmann, I. Fuchs, I. Kieste, I. Schultheis, G. Bolender, P. Simmer, I. Fleischer. Als Ersatzmänner: I. Fritz, H. Kobel, I. Kapo, F. Althaus, I. Bonacker, F. MalkmuS, K. Kircher, I. Hainke, I. Jestädt, W. Wehner, E. Herbert A. Leilich, R. Weisensee, R. Berta, P. Wagner, I. Ruppel, I. Fleischmann, H. Fink, W. Helmke, I. Faller.

liebet den weiteren Punkt der Tagesordnung bett. Ersatzwahlen zur Stadtverordnetenversammlung ent­spann stch eine lebhafte Debatte. Schließlich wu: ’e beschlossen, daß man sich mit dem Zentrumswahlaus- schuß ins Benehmen sehen unb diesem für die 1. Kl. Herrn Maurermeister H. Rommel und für die 3. Klaffe Herrn Friseur A. Leilich in Vorschlag bringe.

F. Eine Wählctvetsammlung hält der Soziale Ausschuß für Fulda unb Umgegend am Freitag den 12. September, abends 81/» Uhr im katholischen Gesellenhause Hierselbst ab. Es gilt für die bevor­stehende Wahl des Ausschuffes bet Allgemeinen Orts­krankenkasse der Stadt Fulda die Kandidaten auf­zustellen ; auch wirb ein instruktiver Vortrag über die Bedeutung dieser Wahl gehalten werben. Zu dieser Versammlung wollen alle wahlberechtigten Mitglieder der dem Sozial m Ausschuß angeschloffenen konfessio­nellen Vereine unb christlichen Gewerkschaften, sowie alle nationalgesinnlen Krankenkaffenwähler, welche mit dem Sozialen Ausschuß ein einmütiges unb ge­schloffenes Vorgehen bei allen sozialen Wahlen an» streben, erscheinen. Eine Zersplitterung in unseren Reihen kommt dem gemeinsamen Feind, der So­zialdemokratie, zugute. Das mögen diejenigen bedenken, die bisher, obwohl sie mehr ober weniger zu uns stehen müßten, doch immer ihre eigenen Wege gegangen sind. Da die in den Ausschuß der Kranken­kassen gewählten Personen gewissermaßen die Orts- roäbler für die Vertreter in Versicherungs- und Ober» veisichetungsamt im Reichsversicherungsamt bilden, so hängt es von der bevorstehenden Ausschußwahl ab, ob in diesen sozialen Institutionen auch die christ- lich-nationalgesinnte Arbeiterschaft entsprechend ver­treten ist. Leider haben bisher die sozialdemo­kratischen Vertreter in manchen der genannten Körper­schaften bas Feld überwiegend ober allein beherrscht. Das muß in Zukunft anders werben. Die Sozial­demokratie, die im Reichstage gegen die Versicherungs­gesetze gestimmt hat, darf nimmermehr die lieber» macht in der Verwaltung der einzelnen Versicherungs» zweige haben. In unseren Reihen müssen alle Son- derwünsche und Sonderbestrebungen zurückgestellt werden. Uns muß der Gedanke einen unb stete Kraft zu neuem Ringen geben: Es gilt dem Christentum, dem Vaterland unb dem Wohle des Volkes. Mögen darum alle christlich gesinnten Arbeiter bei der bevor­stehenden Wahl im Sinne des Soz. Ausschusses agi­tieren unb feine Wahlvorschläge unterstützen.

II DaS Krankenantomobil, bas auf Veranlassung deS Herrn Lanblrankenhausdirektors Dr. Gunkel be­schafft worden ist, trifft in der nächsten Zeit hier ein unb wird der Sanitätskolonne bei Ausübung des Unsallhilfsdienstes zur Benutzung überroiejcn. Seit dem Jahre 1902 hat die Samtätskolonne in unserer Stadt und Umgebung den Rettungsdienst ausgeübt und die Krankentransporte ausgeführt. Ohne Hinzu- zählnng der Hilfeleistungen einzelner Mitglieder, die auch nicht gering sind, wurde die Kolonne in An­spruch genommen in den Jahren 1902 in 22, 1903 in 47, 1904 in 55, 1905 in 53, 1906 in 102, 1907 in 102, 1908 in 141, 1909 in 212, 1910 in 199, 1911 in 204, 1912 in 118 Fällen. Im ganzen in 11 Jahren 1255 mal. Als Transportmittel standen zwei von der Stadt und eine vom Kreis Fulda überwiesene Krankenfahrbahren zur Verfügung. Diese für die leidende Menschheit so segensreiche Tätigkeit bet Sanitätskolorne wird durch die Indienststellung eines modernen Krankenautomobils ganz erheblich gebessert. Nicht nur ein ruhiger, würdiger unb schmerzloser Transport der Erkrankten unb Verletzten wird nun­mehr erfolgen können, sondern es wird auch ganz besonders schnelle Hilfeleistung gesichert. Neben dem Krankenauto werden natürlich die bereits vorhandenen Transportmittel immer noch von den stets hilfsbereiten Mannschaften der Sanitätskolonne gebraucht werben müffen. In den meisten Fällen wird aber der moberne Krankenwagen benutzt.

von ben Insekten gestochen würbe, machte er bie Be­merkung, daß bann bie Schmerzen nachließen. Ein­mal geschah es sogar, baß sich ein ganzer Schwarm ber erzürnten Bienen auf seinem Körper lagerte unb darauf fühlte er für zwei Tage seine Schmerzen gänzlich schwinden; er ward wieder lustig und be­weglich wie ein zwölfjähriger Bengel. Der Arzt des Ortes, der den Vorfall untersuchte, dachte nun daran, auch andern Rheumatischen die Heilkraft der Bienen­stiche zugute kommen zu lassen; er versuchte es zu­nächst mit einer Kur von wöchentlich 18 Stichen; die Wirkung übertraf die kühnsten Erwartungen: Eine dreißigjährige Frau wurde in zwei Monaten vollkommen geheilt; ein junger Geigenspieler, der seit Jahren den Bogen nicht mehr hatte führen kön­nen, spielte jetzt wieder die wunderbarsten chroma­tischen Tonleitern unb Läuse Aber auch in erschwer­ten Fällen, wo eine völlige Heilung als ausgeschlossen gelten konnte, schafften bie Bienenstiche wenigstens eine Sinberung des Schmerzes für einige Zeit. Be­gonnen wurde meist mit fünf bis sechs Stichen wäh­rend der ersten Sitzung und mit der Höchstzahl von 24 hörte man auf. Die Biene wird mit einer kleinen Pinzette festgehalten unb zwar fünf Minuten lang vom Zeitpunkt an gerechnet, da ihr Stachel in bie Haut bes Patienten einbrang. — Soweit bie fran­zösische Aerztezeitschrift. lieber zwei Punkte wirb jedoch leider keine Auskunft gegeben, einmal darüber, ob es nun wirklich gut ist, sich den Qualen der Bie­nenstiche systematisch zu unterziehen, um sich immun gegen Rheumatismus und ähnliche Erkrankungen zu machen und zweitens, wie die Gefahr beseitigt werden soll, die doch zweifellos im Bienenstich liegt; denn daß außer dem Gift des Bienenstachels leicht die ge­fährlichsten Bazillen und Mikroben ins menschliche Blut übertragen werden können, bedarf ja gar keines Beweises; da, kann dann leicht der Fall eintreten, daß jemand seinen Rheumatismus los wird und da­für eine weit gefährlichere Infektionskrankheit auf­tritt. tk.

Einen solchen haben Städte von gleicher Größe wie Fulda nicht, und viele größere Städte, die sich sonst oft »inen größeren Luxus erlauben, nur in seltenen Fällen aufzuweisen. Für diesen großen Fortschritt auf dem Gebiete des UnfallhilfS« und Rettungsdienstes gebührt dem Herrn Landkrankendausdirektor ein ganz besonderer Dank. Ueber den Wagen, Tarif usw. werden wir nach dem Eintreffen desselben berichten.

8. Zum Ka npf gegen das Zugabewesen ging eine Notiz durch bie Zeitungen, wonach eS bereits sicher sei, daß ein Gesetz gegen das Zugabeunwesen nicht zustande käme. Demgegenüber ist mitzutetlen, daß die Sichtung, der beim Hanvelsminister eingegangenen Antworten auf seine Umfrage bei ben Handels- unb Detaillistenkammern wegen ihrer Stellung zum Zu­gabewesen nicht ergeben hat, daß sich Für und Wider in gleicher Stärke gegenüber'eben. Richtig ist viel- mehr, daß noch nicht einmal ber dritte Teil der befragten Handels- unb Tetaillistenkarnmern bis jetzt auf die Umfrage des Handelsministers geant­wortet hat. Soweit Antworten erfolgt sind, sprechen sich diese in weit überwiegender Zahl für eine q esetzlicheRegelung desZugabewefens aus.

Krastwagen-Perfonenpoften. Ueber diese nun­mehr auch in der preußischen Rhön in Gebrauch befindlichen Verkehrsmittel schreiben tbüringifcheBlätter: Was haben wir der Einrichtung der Postkraftwagen zu verdanken? Wie haben sie sich bewährt? Diese Fra­gen liegen jetzt nahe, nachdem von den 41 Ober-Post­direktionsbezirken im Reichspostgebiete der Ober-Post- direkiionsbezirk Erfurt als erster bahnbrechend mit die­ser Schöpfung der Neuzeit vorgegangen ist, und feit länger als einem Jahre in Thüringen die gelben Wagen den Verkehr vermitteln. Der Technik ist es gelungen, einen Wagen herzustellen, der an Leistungsfähigkeit und Bequemlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt, dabei, ob­schon 18 Personen und mehr darin befördert werden können, keineswegs plump und schwerfällig erscheint, vielmehr ein durchaus gefälliges Aeutzere hat. Wenn man beobachtet, mit welcher Sicherheit die für ihren Beruf besonders sorgfältig vorgebildeten Kraft­wagenführer in ihrer praktischen und kleidsamen Tracht das Gefähhrt lenken, so kann man sich ohne Be. denken diesem neuen Verkehrsmittel anvertrauen. Einen besonderen Nutzen bieten die Kraftwagenposten natür­lich den Bewohner kleinerer Orte, die von der Eisenbahn noch nicht berührt werden, aber auch die am Postkurse liegenden Städte haben Vorteile davon, da mittels der Kraftwagenposten ihnen nicht nur die länd­lichen Produkte aufschnellstem Wege regelmäßig zuge­führt werden, sondern auch Käufer, die ihren Bedarf verschiedenster Art in der Stadt decken. Es ist daher zu wünschen, daß mit der Einrichtung der Postkraft­wagen, die sich in jeder Richtung bewährt haben, in immer ausgedehnterem Maße vorgegangen wird.

(?) Ein reiches Hafenjahr wirb in Jägerkreisen er­wartet. Sellen würben so viele Hasen auf,ben Felbern getroffen, wie in biesem Jahre. Der erste Satz, ber sogenannte Märzbase, hat sich außerordentlich gut entwickelt. Das ist für btt Erträgnisse ber Hasenjagb um so wichtiger, als bet Nachwuchs noch während bes Sommers selbst zu setzen anfängt. Da auch bet zweite Satz gut durchkam, ist bie Hoffnung auf reiche Jagdbeute wahlberechtigt.

Aus Mrche und Schule.

>$< Hünfeld, 10. Sept. 1913. In diesen Tagen haben wieder, wie alljährlich, eine Anzahl junger Patres das hiesige Missionshaus verlassen, um dem Ruse zur Missions-Arbeit in den Herdenländern zu folgen. Es sind die hvchw. Patres Heinrich S o pp el- Eamp aus Letmathe in Wests, und Wilhelm S ch 1 e i p e n aus Höngen (Kr. Aachen), die in unsere Kolonie Deutsch- Südwestafrika das Feld ihrer Tätigkeit finden werden. Die hochw. Herren PatreS Emil Roux aus Bicken­holz bei Schalbach (Lothringen) unb Reinhard Bötnke aus Altenbochum bei Bochum in Westfalen gingen in das apostolische Vtkariat Transvaal in Südafrika; ihnen schloß sich in Antwerpen der hochw. ?. P o t o n an, ein Franzose, der in dem studienhanse der Ob- taten-Palres in Lüttich (Belgien) seine Ausbildung er­halten hatte. Außer diesen treten die hochw. Herten P. Wilhelm Ebert aus Eisenach (Thüringen) und P. Joseph Wagner aus Scheuerfeld an der Sieg (Rheinland) die Ausreise nach Amerika an; ihr Ziel ist das apostolische Vikariat Alhabaska in Kanada, das außer der schwierigen Seelsorge für die sehr zahlreichen Einwanderer noch ein ausgedehntes Gebiet der In­dianer-Mission umfaßt. Die .Afrikaner" benutzten von Hamburg ab den Dampfer „Bürgermeister" der deutschen Oflafnta-Smie, der am 8. September früh ben Hasen verließ. Die Seereise nach Swakopmunb (Deutsch-Sübwestaftika) dauert 3 Wochen, nach Dur­an (Südastlka) einen vollen Monat. Die beiden für Amerika bestimmten Patres benutzten von Bremen ab ben Dampfer „Main" des Norddeutschen Lloyd, ber sie in 13 Tagen nach Baltimore bringt; von dort er­reichen sie in mehrtägiger Eisenbahnsahrt das Ziel ihrer Reite. Ein Bild bet Kosten, die das Missions- werk verursacht, mag bie Erwähnung ber Tatsache bilden, daß allem die Seereise der 7 Patres den Be­trag von mehr als 4500 Mark erforderte.

f Kevelaer (Niederrhein), 9. Sept. 1913. Am 8. d. Pits, starb in Esperanca (Süd-Amenka) der hochw. Herr P. Dr. Matthias van der Meulen, ein Sohn unseres Wallfahrtsortes. Der Verstorbene stand im 12. Jahre seines Priestertums, promovierte als Dr. theol. et phil. unb wirkte seit einigen Jahren als Professor im Collegiv San Joie in Esperanca, einem Unterrichtsinstitut ber Gesellschaft bom göttl. Worte. Et wat e n Priester nach dem Hetzen Gottes und ein ernster Vertreter der Wissenschaft. Nur allzufrüh, im 40. Lebensjahre, setzte ein längeres Herzleiden seinem ÜBv.'Een ein Ende.

* Zürich, 10. Sept. 1913. Heute früh ist im Ptiesterhospiz Zizersdet Erzbischof Fidelis B att a g lia, früher Bischof der Diözese Chur, gestorben. Er war als Priester, Lehret unb Bischof währenb beinahe 60 Jahren ein milber unb wahrhaft apostolischer 'Mann.

würbe nun durch Bürgermeister Pütz die von St. Mas. bem Verein neu verliehene Fa h n en s ch le i fe nebst Fahnennagel dem Vorfianb überreicht. Herr Henrich überreichte hierbei den von einem Kurgäste gestifteten golden»n Fabnennagel.

* Bad Kissingen, 10. Sept. 1913. Zur Kur sind eingetroffen: Exzellenz von Tschirskh, Kaiserl. Deut­scher Botschafter in Wien; Exzellenz von Flotow, Kai­serlich Deutscher Botschafter in Rom; Graf Bern­storff, Kaiser!. Deutscher Botschafter mit Gemahlin aus Washington.

* Hersseld ,10. Sept. 1913. Durch bie Abnahme, kommission, bestehend aus ben Herren Sanbrat v. Grunelius, Geh. Regierungs- unb Baurat Stiehl- Kassel, Kreisbaumeister Göpsert-Gelnhausen unb Be triebsleiter Hille, erfolgte gestern unb vorgestern bii Schlußabnahme ber Hersfelber Kreis- babn. Die Kommission bereiste an beiben Tagen in einem Sonderzuge bie Strecke.

d Soven a. T., 10. Sept. 1913. Die neugesck offenen Rurmittel, das Inhalatorium unb Emana« torium, haben bie Feuerprobe bestanden und sind zu einem Zugmittel ersten Ranges für das Bad ge­worden. Das beweist in erster Linie die hohe Besuchs- ziffet ber diesjährigen Kurgäste, die mit 5500 bis höchste Zahl überschritt, die jemals in Soden erreicht wurde. Nach den noch vorlieoenden Meldungen wird die Kurzeit mit wenigstens 6000 Gästen in diesem Jahr abschließen, abgesehen von den Wintermeldungen.

d Büdingen, 10. Sept. 1913. Aus Grund zahl­reicher Klagen von Soldaten über schlechte Quartiere und mangelhafte Verpflegung in ver­schiedenen Orten ersucht jetzt dos Kreisamt die Kreis« infaffen, bie Soldaten, die einquartiert werden, genau nach den gesetzlichen Vorschriften zu verpflegen und ihnen statt des Mittagessens nicht Kartoffeln mit Latwerge ober Kaffee und Brot vorzusetzen ober abends nur ein Ei zu reichen. Bei weiteren Be­schwerden will das Kreisamt mit allen ihm zu Getot« stehenden Mitteln gegen derartige Leute vorgehen, die durch ihr ungastfreundliches Verhalten den KreiS in. schlechten Ruf bringen.

a Hanau, 10. Sept. 1913. Während der Ab« fertigung eines Zuges stieg gestern abend ein Dieb in das Dienstzimmer der Station Wilhelmsbad. Er raffte rasch eine Summe Geldes unb verschwand dann wieder durch das Fenster. Obwohl die Ver­folgung sofort ausgenommen wurde, war es bei der Dunkelheit doch nicht mehr möglich, des Frechlings habhaft zu werden.

n Offenbach a. M., 10. Sept. 1913. Um die sozial­demokratische Stadtverordnetenmehrheit zu brechen, beschlossen sämtliche bürgerliche Parteien die Aufstellung einer gemeinsamen Kandidatenliste. Zur Wahl stehen 23 Stadtverordnete. Der Wahlkampf dürste außerordentlich hart werden. Die Fort­schrittliche Volkspartei freilich fällt den tärger liehen bereits in den Rücken. Eine Versammlung bei Fortschrittlichen Volkspartei lehnte nämlich das Kom­promiß mit den bürgerlichen Parteien ab. Es wurde (Stimmfreiheit angenommen.

h Rödelheim, 10. Sept. 1913. Ein nicht alltäglicher Fall trug sich gestern früh auf dem Bahnhof zu. Man hatte vergessen, für das Stellwerk einen Beamten zu beordern. Und so kam es, daß drei Züge vor bir Station anfamen, aber nicht einfahren konnten. Erst nach langem Raten wurde von einem nahe» wohnenden dienstfreien Beamten einer der Stellwerks- schlüffel geholt, der Turm aufgeschloffen, und den Zügen Einfahrt gegeben. Viele Reisende verpaßten natürlich den Anschluß.

s Oberursel, 10. Sept. 1913. Im Rausch geriet hier ein Mieter mit seinem Quartierherrn in Streit. Nachdem sich beide gegenseitig verprügelt hatten, zeigte einer den andern bei der Polizei an, wobei wiederum einer den andern der Wilddieberei^ des Einbruchs und ber Hehlerei bezichtigte. Eine Haussuchung stellte fest, daß beide die Wild­dieberei in großem Maße betrieben hatten. Ein kleines Waffenarsenal, Rehgehörne, Rehfelle, Schlingen u. v. a. Jagdtrophäen wurden in der Wohnung vorgefunden. Auch die letzthin vorqekommenen schweren Einbrüche werden den beiden .Freunden', bie sofort verhaftet wurden, zur Last gelegt.

g Eionberq, 10. Sept. 1913. Fachmänner, die sich dieser Tage mit den Krankheitsursachen in den hiesigen Ebelkastanienhainen bewältigter neigen der Ansicht zu, daß man es mit der Kastanien, pest zu tun hat, einer Krankheit, die seit 70 Jahre« in ben südeuropäischen Km'cmienwäldern furchtbar gehaust hat. ohne daß es n -glich war, dem Sterben der Bäume Einhalt zu tun. Die Kastanienpest ist in den letzten vier Jahren unaufhaltsam nach Norden vorgeschritten, ihre ersten Wellen werden jetzi also die deutschen Anpflanzungen erreicht Haden. Der Krank- deitsverlauf äußerst sich zunächst in Störungen des Wachstums, dem Ausbleiben der Fruchtbildung und dem Weichbleiben ber Fruchtkapseln, Symtome, die hier in immer stärkerem Maß auftreten. Endlich im dritten ober vierten Frühling treibt der Baum nich* mehr ans, er ist vollständig abgestorben.

* Limburg, 10. Sept. 1913. Am hiesigen Gym­nasium fand unter dem Vorsitze des Geh. Oberregie« rungsrats Dr. Pae hier aus Kassel die mündlich' Reifeprüfung statt. Von drei Abiturienten, dir an der Prüfung teilnahmen, bestand Oberprimaner Klapper aus Flacht das Examen.

* Truppenübungsplah Ohrdruf, 10. Sept. 1913. Der Truppenübungsplatz ist, nachdem die B r u ft • feudje unter den Pferden des Maschinengewehr- Lehrkurses aufgetreten ist, durch lanbrätlicbc Verfüg­ung einstweilen für fremde Pferde gesperrt.

Q Erfurt, 8. Sept. 1913. Die > »> iholischz Bahnhofsmission, die früher schon einmal hier eingerichtet war, später aber unter widrigen Verhält» niffen eingirg, ist feit Mitte September durch ber Erfurter Mädchenschutzverein (Vocs. Frau v. Nathw stus) mit Erfolg aufgenommen worden. Di! Notwendigkeit ergab sich für das in einem großen Verkehrszentrum liegende Erfur' schon daraus, weil in letzier Zeit gewissenlose Agenten und Agentinnen in Thüringen und angrenzenden Gebieten rhr Un* roeien treiben. Die Schntzdamen, erkenntlich an bei weiß-gelben Schleife und versehen mit bahnamtl. 91u** weisen, sind an den Quartalsersten — sonst auf vor h'r;ge Bestellung — am Bahnhof. Die geistlicher Herren, die Vertrauensdamen des K. Ai. V. und all« Interessenten werden gebeten, abziehende Mädchen auf diese Einrichtung aufmerkmm zu machen. (Adresse: Frl. Keßler, Erfurt, jßiabettiiirche.)

Aus dem llachbargeblete.

△ Bad Salzschlirf, 9 Sept. 1913. Am Sonntag vor 8 Tagen feierte der hiesige Krieger - Verein das Fest der Fahnenweihe. Bekanntlich wurde die bisherige Fahne ein Raub der Flammen, als am 12. Juli 1912 das Vereins-Lokal nieberbrannte, Das Fest wurde durch die Veranstaltung eines Festzuges mit anschließender Weihe, die Herr Leutnant d. R. Schmitt aus Fulda vornahm, begangen. Heute

iE FlM aff ist die regelmässige Durchsicht der kleinen Anzeigen in d~r

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