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Zuldaer Geltung. -

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209.

Mittwoch 10. September 1915.

Lokaler.

Fulda, 10. September 1913.

§ Versetzt. Ter Pcstassistent Dtio Keil ist vom 1. Oktober ab auf seinen Wunsch oon hier nach Kassel Zersetzt.

4« Das Beste meinem Sohne!! — Rekruteukursuö. Reiche Römerinnen zeigten eines Tages ihre kost­baren Juwelen, Perlen und Goldschmuck. Eine von ihnen, aufgefordert, auch ihre Kostbarkeiten zu zeigen, hplte ihre drei braven, wohlerzogenen Söhne herbei. Diese waren der edlen Mutter kostbarster Schmuck. So dachte eine Mutte in heidnischer Zeit. Wie teuer müssen erst den christlichen Eltern ihre Söhne sein, deren unsterbliche Seelen das Siegel des Gottesadcls empfangen haben. Wie große Sorge muß ihr Herz bewegen, daß dieses Kleinod ihnen verloren gehe. So mancher Sohn guter Eltern rnnß jetzt zum Militär. Die Militärzeit ist für manchen jungen Menschen eine heilsame Lebensschule. Aber wer wollte verkennen, daß dieselbe auch große Gefahren mit sich bringen kann? Darum ist Vorsorge nötig. Gesunder, stärker und gebildeter kommen manche junge Leute heim vom Militär; das macht die Abhärtung, die Zucht, die tzanze militärische Lebensweise. Aber auch sittenrcin und gläubig, als Vollreife Männercharaktere kommen, Gott Tank, viele nach Hause zurück. Tas ist der Er­folg einer echt christlichen Erziehung im Eltcrnhause. Aber nach dem Zeugnis manches frischen Reservisten ist das auch ein Erfolg der Vorsorge, welche man krrchlicherseits den Rekruten angedeihcn läßt. R e- krutenkurse sind heute modern. Da wird dem jungen Mann gezeigt, wie er die militärischen Pflich­ten im rechten Geiste, gewissenhaft und freudig er­füllen kann. Ein gewissenhafter Arzt macht ihn auf­merksam, wie er das kostbare Gut eines gesunden Leibes vor Schädigung bewähren kann. Darum er­geht an die katholischen Rekruten von Fulda und Unu gegcnd die dringende und herzliche Einladung zur Teilnahme an dem Rekrutenkursus, der vom 21. September ab im katholischen Gesel­lenhause zu Fulda stattfindet. Die Vorträge an den einzelnen Abenden werden so gelegt, daß auch Auswärtige günstige Zugverbindungen haben. Die religiösen Vorträge hält der bekannte Kanzelredner und gerade in der Rekrutenvorbereitung bewanderte hochw. Herr Pater Provinzial K a s s i c p e der Ob­laten in Hünfeld. Wir richten auch an die verehrten Vorgesetzten, Meister und Arbeitgeber die Bitte, die fungen Leute zu diesem Kursus zu schicken. Das Kaiserwort wird sich an den jungen Rekruten bewahr­heiten: „Ein guter Christ wird auch ein guter Sol­dat sein." Nähere Ankündigung folgt.

❖ Der kathol. kaufmännische Berein hatte auf gestern übend eine außerordentliche Generalver­sammlung anberaumt. Es wurden zunächst zwei Mitglieder ausgenommen, drei weitere waren von auswärtigen Brudervereinen überwiesen worden. Der Delegiertenbericht des Herrn Buchhalters Stuhl er über den Leipziger Verbandstag wurde mit Interesse entgegengenommen. An das Referat schloß sich eine anregende Diskussion an hinsichtlich der religiösen Betätigung des Vereins bezw. des Verbandes, die, so hoffen wir, aus guten Boden gefallen ist. Herr Bankvorstand Singer erstattete als Delegierter der Krankenkasse den Bericht über die einschneidenden Be­schlüße der Generalversammlung der Verbands­krankenkasse in Leipzig. Darnach wird die Kranken­kaffe des Verbandes katholischer Kaufleute vom 1. Januar 1914 an eine Krankenunterstützung nicht mehr für nur 180, sondern für 365 Tage ge­währen. Referent forderte die seitherigen Mit­glieder dringend auf, alsbald die Formalitäten zu erfüllen, die die am 1. Januar in Kraft tretende Reichsversicherungsordnung bedingt. Die belr. Papiere feien bereits jedem Milgliede zugestellt worden. Weiter bat er diejenigen Mitglieder, die ab 1. Jan. 1914 neu versicherungspflichtig werden, das sind solche, die mehr als 2000 bis 2500 Mk. Gehalt be­ziehen (die seitherige Gehaltsgrenze ging bis 2000 M.) und sämtliche kaufm. Lehrlinge, gleichviel ob sie Gehalt beziehen oder nicht, sich alsbald bei der hiesigen Ortskrankenkasse ab- und bei der Verbands­kasse anzumelden. Gelegentlich der Generalversamm­lung in Leipzig sei wiederum festgestellt worden, daß die Krankenkasse des Verbandes der kath. Kausleute von den bestehenden kaufmännischen Krankenkassen am meisten leiste. Im Hinblick auf die in Leipzig befchloffene Erhöhung des Verbandsbeitrages machte sich auch die Erhöhung des lokalen Vereinsbeitrages notwendig. Die geheime Abstimmung ergab eine erhebliche Majorität für Erhöhung des Vereins­beitrages von acht auf zwölf Mark. Der geist­liche Beirat, Herr Oberlehrer Goebel, verbreitete sich sodann über die Vereinstätigkeit im kom­menden Winter, besonders machte er bekannt, daß so­wohl für die Mitglieder der Jugend - Abteilung, als auch für die des Stammvereins ein Kursus in der englischen Sprache eingerichtet werden solle. Die Dereinskaffe wird den durchhaltenden Teilnehmern eine Beihilfe gewähren. Weiterhin sind sür die Wochen vor Weihnachten 5 Vortrags-Abende in Aussicht genommen, denen später noch andere folgen sollen. Die anregenden Verhandlungen dauerten bis nach 12 Uhr.

0—Neues Fernsprechteilnehmer-Verzeichnis. Das Verzeichnis der Teilnehmer an den Fernsprechnetzen im Ober-Postdirektionsbezirk Kassel soll demnächst neu herausgegeben werden. Etwaige Wünsche der Teil­nehmer betreffs Aenderung der Namen oder Firmen­bezeichnung usw. werden bis zum 25. September bet »en Ortspostanstalten entgegengenommen, deren die Fernsprechnetze zugewiesen sind.

-V Rasch tritt der Tod den Menschen an. Außer­halb seiner Wohnung Ivurde gestern d'r Oberbrief- .TÖger Ed. Füller plötzlich von einem Schlaganfall betroffen, der dem Leben des geachteten Mannes auf der Stelle ein Ziel setzte. Herr Füller tonnte, auf eine 36jährige Dienstzeit beim hiesigen Postamt zurückblicken und war durch seine Tätigkeit als Geld­briefträger in den weitesten Kreifen der Stadt bekannt.

\ (:) Radium-Experimental-Vortrag. Heber das Radium' jenes neue Element, von dem gegenwärtig auf der ganzen Erde nur höchstens 12 Gramm existieren, wird am Samstag, den 13. September, abends 8fle Uhr, im Saale' des Bürgervereins der Dresdner Physiker,

Herr Hermann Scheffler, einen öffentlichen Vortrag halten und dabei die wunderbaren Eigenschaften dieses kostbaren Stoffes in interessanten Ex­perimenten zur Anschauung bringen. Der Vortragende ist kein Neuling auf dem Gebiete der Popularisierung der modernen Naturwissenschaft: schon feit Jahren ist rt in Wort und Schrift erfolgreich tätig, um die Früchte exakter Forschung einem großen Publikum allge­mein verständlich darzubieten. Es sei jedem geraten, diese seltene Gelegenheit, mit dem Radium bekannt zu werden, wahrzunehmen, um so mehr, als der Vor­tragende außer Vorführung der Experimente in einem — wie die uns vorliegenden Berichte lauten — fesselnden Vortrage die ganze Radiumsorschung in klarer, populärer Weise behandeln wird. (Anzeige folgt.)

= Ertappte Spitzbuben. Gestern mittag begab sich eine Wirtin B. von Petersberg nach der Bachmühle, um dalelbst ihre Bierrechnnng ru begleichen. Da der Frau die Geldtasche mit 70 M„ meistens in Silber, schwer geworden war, legte sie diese bei Seite und begab sich in die Küche, um eine Tasse Kaffee zu trinken. Während dieser Zeit wurde die Tasche ge­stohlen. Es waren nur zwei junge Burschen von Fulda in das Lokal gekommen, die sich nach kurzem Aufenthalt entfernt und auf ihrem Rade weggefahren waren. Auf diese beiden lenkte sich der Verdacht, der sich bald bestätigte. Der eine ist der 15jährige Bäcker­lehrling I. Schl., der bei einem Meister in der Peters- bergerstraße in Stellung war. Trotz seiner Jugend ist er schon wiederholt wegen Diebstahls vorbestraft. Sein Beglei er war ein etwa gleichalteriger R. von hier. Beide wurden alsbald dingfest gemacht. .Sil. hatte den Diebstahl allein begangen und wurde in Unter» suchnngshaft abgesührt; R. auf freiem Fuße belassen.

§ „Familie Langbein" hat ihre Sommerrefideuz auf der Gambrinushalle verlassen und bat beit Flug nach dem Süden angrtreten. Ja, die Borboten des Herbstes mehren sich. Die Tage werden kürzer und kürzer und wenn uns auch noch lockend schönes Septemberwetter beschieden ist, wenn auch die warme, milde Herbstsonne uns noch in einen Wahn wiegen! mag, es hllft nichts. Der Herbst steht vor der Türe.

Ans dem Uachbargebiele.

(?) Maberzell, 10. Sept. 1913. Der bei Dresch- maschinenarbeiten beschäftigte Joseph Schmitt aus Fulda, Krouhofstraße wohnhaft, stürzte beim Säcke­tragen ab und erlitt eine Quetschung der Lunge. Er wurde von der Sanitätskolonne in das Fuldaer Land- krankeuhaus gebracht.

* Oberbimbach, 9. Sept. 1913. Auf gerichtlichen Beschluß hatte der Bürgermeister von Oberbimbach bei dem Schmied Hermann Koch eine Schnitzbank und eine Handsäge beschlagnahmt. Er erhielt da­raufhin einen Brief beleidigenden Inhalts mit der Unterschrift Hermann Koch. Dieserhalb wurde der Angeklagte in Großenlüder wegen Beleidigung ver­urteilt. Vor der Ferienstraskammer in Hanau wurde nunmehr festgestellt, daß die Frau des Angeklagten diesen Brief verfaßt und geschrieben hat. Darum wurde das erste Urteil ausgehoben und der Ange­klagte freigesprochen.

** Aus dem Vogelsberge, 10. Sept. 1913. In Maar bei Lauterbach brach in dem Anwesen des Landwirts Rausch Feuer aus. Die zwei Kühe wur­den gerettet, jedoch wurden die Scheune und das Wohnhaus ein Raub der Flammen. — In W a llen- rod stürzte ein lOjähriges Mädchen beim Spielen von dem Scheunengerüst ob. Es hat sich innere Verletzungen zugezogen.

-1- Schlüchtern, 10. Sept. 1913. Die Stadtver­ordnetenversammlung wird sich mit der Frage der Errichtung eines öffentlichen Schlacht­hofes zu befassen haben. — Heber den Schweinebe­stand des Emil Danz in Soden ist die Sperre wegen Schweineseuche verhängt worden.

-T- Kassel (Kreis Gelnhausen), 10. Sept. 1913. Zur Kirchweih war auf der Durchreise ein Berliner hier, ein geborener Kasseler, der zurzeit in Berlin Zuschneider ist, und versuchte, feine Landsleute in seinem Sinne „aufzuklären". Er ist ein Verehrer Bebels und hielt ihm in einer Wirtschaft einen großen Nachruf. Als er jedoch auf Bebels Religionslosigkeit zu sprechen kam, warfen ihn einige feiner Zuhörer hinaus.

* tzersseld, 9. Sept. 1913. Der in den Ruhestand tretende Direktor Dr. Steiger ist zum Geheimen Studienrat ernannt worden.

;; Bad Hersfeld, 9. Sept. 1913.. Gestern wurde die vor einigen Monaten durch die Firma Gebrüder Dietrich, Fritzlar, sür fünfzig Jahre gegründete Lullusbrunnen-Gesellschaft m. b. H. Hersseld gerichtlich eingetragen. In der hierauf folgenden Versammlung der Gesellschafter wurden die Herren Karl Dietrich, Edmund Dietrich und Leo Larbig, Fritzlar, Lorenz Mohr, Hersseld und Rechtsanwalt Schulte-Wintrop, Fulda, in den Aufsichtsrat ge­wählt. In dieser Sitzung konnte auch bereits sest- gestellt werden, daß der Wasserversand des Lullus- brunnens hauptsächlich auf ärztliche Verordnung in der letzten Zeit um weit über das Fünffache gegen­über dem gleichen Zeitraum im Vorjahre gestiegen ist.

* Bebra, 9. Sept. 1913. Aus dem Bahnhof zu Wommen, Bahnstrecke Kassel-Bebra »Eisenach, hat sich gestern ein schwerer Unglücksfall mit tödlichem Ausgange zugetragen. Der Landwirt und Guts­besitzer Karl Heckmann, welcher voreilig das Abteil eines Personenzuges verlaffen hatte und über das Bahngeleise gelaufen war, wurde von dem durch­fahrenden Schnellzuge Kassel-Berlin überfahren und auf der Stelle getötet.

* Kassel, 10. Sept. 1913. Großes Aufsehen erregt in hiesigen Geschäftskreisen der Konkurs, der über das Vermögen des Kaufmanns Ludwig Mangvld in Kaffel-Bettenhausen verhängt ist. Mangold war In­haber der Chasalla-Likörfabrik und ist unter Hinter­lassung großer Passiven verschwunden. Er hatte sich vor einiger Zeit, als die seit langem bestehenden finanziellen Schwierigkeiten seines Unternehmens ihm über den Kops wuchsen, nach Auswärts begeben, an­geblich um neue Mittel zu beschaffen, ist aber seither nicht zurückgekehrt. Die Firma soll in auffälliger Weise in Wechseln gearbeitet haben.

* Kassel, 9. Sept. 1913. Zu dem vor mehreren Wochen erfolgten Verschwinden eines hiesigen Offiziers/des Leutnants Getzel, wird mitgeteilt, d ß vor. dem Vermißten noch immer keine Spur ge- fund.n wurde. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß er in Geiflesurnnachtung fehlt Hand an sich gelegt hat. Erst am 1. April d. I. war er nach Kassel in das 167. Regiment versetzt worden. Nachdem er als Kriegs schiller einen Unfall erlitten halte, zeigten sich bei ihm Spuren von Schwermut. Diese Schwer­mut fand Nahrung, als ihm vor vier Jahren der Tod seinen Vater raubte. Zn Beginn dieses Jahres verlor er unter besonders tragischen Umständen seinen Bruder. Dieser, ebenfalls ein junger Leutnant, war, als er in der Kirche neben 6er Fahne stand, infolge der Ofenhitze ohninächtig geworden. In krankhaftem Ehrgesühl glaubte tr sich, weil ihn die ihm unter­gebenen Mannschaften schwach gesehen, ferner unfähig zum O silier und machte durch eine Kugel seinem Leben ein Ende.

Sius Thüringen, 10. Scpt. 1913. In Weimar überfuhr der Geschirrführer Hertig, der in der Dunkel­heit mit seinem mit Weizensäcken beladenen Geschirr in die Torfahrt feines Hanfes einsi.hr, sein eigenes vierjähriges Kind. Tas Kind war auf der Stelle tat. — In Hönebach bei Sonneberg stürzte der Wei­chensteller 1. Klasse Johann Wiedel beim Obstvflücken von einem hohen Birnbaum ab und erlitt so schwere Verletzungen, daß er starb.

X Gießen, 9. Sept. 1913. Ein ärztlicher Fortbild ungsknrsus wird cn der Universität Güßen im Winter 1913/14 abgehalten. Die Vorträge finden, vom 22. Oktober an, alle 14 Tage Mittwochs von 5 — 7 Uhr statt. Die Jnikriptionsgebühr beträgt 10 Mark. Programme und Mitgliedskarten lönnen durch die Qnästnr der Universität Gießen bezogen werden.

* Mainz, 10. Sept. 1913. Die Sitzung des Ge- samtansfchnsses am Deutschen Weinbau kon- groß in Mainz, die vom Reichsrat Buhl aus Deidesheim geleitet wurde, hat nach lebhafter Aus­sprache betreffend die Malzweinfrage einstimmig eine Resolution angenommen, in der an den Reichs­kanzler die Bitte gerichtet wird, den unlauteren Wett­bewerb seitens der lünstlichen Fabrikate mit dem Namen „Malzwein" zu besteuern.

* Ans Franken, 9. Sept. 1913. Infolge Scheu- werdens der Pferde verunglückte beim Transport der Dreschmaschine der bekannte Holzhäudler Johann Faber von Zahlb a ch. Tie Lokomo.ile ging dem Bedauerns­werten über den rechten Arm, außerdem scheint Faber noch schwere innere Verletzungen erlitten zu haben, sodaß an seinem Auskommen gezweifelt wird. — Er­hängt hat sich in einem Arrest-Lokale an seiner Hals­binde cm Infanterist der 10. Kompagnie des Jnf.- Regimentes Nr. 9 in Würzburg. — In Thün­gersheim bet Würzburg brach in der Nacht zum Sonntag ein Großietter aus, das zwei Bauernanwesen und zwei gefüllte Scheunen nebst den landwirtschaftl. Maschinen einäscherte. Die Gefahr, welche sür weitere Anwesen bestand, konnte beseitigt werden.

Ami Geisa und Umgebung.

* Geisa, 10. Sept. 1913. Der Postscheck bei den Staatsbehörden. Den Departements des Kultus und der Finanzen folgt jetzt das Departement des Innern mit der Mitteilung, daß seine Kassenstellen an den Postscheckverkehr angeschlossen sind. Also auch die Zahlungen an die Bezirksdirektion lönnen nun durch Postscheck- bewilligt werden.

* Dankmarshausen, 9. Sept. 1913. Bei einem an­läßlich der Sedanseier veranstalteten militärischen Hebung wollte der Gemeinderechnungsführer Brand es sich nicht nehmen lassen, mitzureiten. Abseits des Festplatzes, an der Straße nach Hntersuhl, hat er, nachdem er eine kleine Attacke mitgeritten hatte vom Pferde steigen müssen. Etwa eine Stunde da-, nach ist Brand in seiner Wohnung an Herzlähmung gestorben.

* Dippach, 9. Sept. 1913. Vor kurzem berichteten wir über einen Bienenprozeß, in dem ein hiesiger Einwohner als Kläger von seiner Nachbarin die Beseitigung eines Bienenvolkes sorderte, weil er bei Ausübung der Feldarbeiten auf seinem, dem Bienen­stände nahe liegenden Grundstücke angeblich fortgesetzt von den Bienen belästigt worden sei. Der Prozeß wurde jetzt mit der Abweisung der Klage und Verurteilung zur Tragung sämtlicher Kosten zu Ende geführt.

* Kaltennordheim, 9. Sept. 1913. Mit dem Bau des Anschlußgeleises für das Basaltwerk am Hmpsen bei Fischbach ist jetzt begonnen worden. Auch wird nächstens die Drahtseilbahn errichtet werden. Nach Fertigstellung des Beförderungsmittels wird eine gewaltige Anzahl fertiger Pflastersteine zu Tal geschafft, die bann mit der Feldabahn weiter befördert werden.

Aus Gberheffen u. den Hess. Aemtern.

△ Marburg, 9. Sept. 1913. Ter heute hier ab­gehaltene große Herbst-Pferdemarkt brachte unserer Stadt einen lebhaften Verkehr. Auf dem Markte selbst waren 155 Pferde (darunter 50 Fohlen) ausgestellt; wie verlautet, sollen zahlreiche' Verkäufe zustande gekommen sein. Bei der Verlosung, die im Anschluß an einen Hmzug durch die Stadt in der städtischen Festhalle stattfand, fielen die Hauptgewinne der Reihe nach auf folgende Nummern: 9712, 10,333, 474, 5219, 10,835, 388, 5118, 10,303, 1741, 12,010, 1428, 11,542, 8252, 122, 9775.

♦ Marburg, 9. Sept. 1913. Der von Professor Bredt unternommene Versuch, zwischen den Bauunter­nehmern und den streikenden Bauarbeitern, zu ver­mitteln, ist gescheitert.

* Kirchhain, 9. Sept. 1913. Zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig soll auch hier am Sams­tag den 18. Oktober d. I. eine Feier veranstaltet werden. Es ist geplant, an diesem Tage auf Bich­mannshausen ein mächtiges Freudenfeuer zu ent­zünden und hierbei durch passende Gesänge und An­sprachen der Bedeutung der Leipziger Schlacht zu ge­denken. Von Bichmannshausen wird dann ein Fackel­zug sich zur Stadt in Bewegung setzen und im großen Saale des Bahnhofs-Hotels ein Kommers stattfinden.

# Ziegenhain, 8. Sept. 1913. Heut» weilten hier die Herren Geheimrat Heuchen aus dem Kultus­ministerium, Reg.- und Schulrat Dr. Quehl aus Kassel, Rektor Zinn aus Marburg und Kreisschul- inspekior Hoffmann aus Spieskappel. Ihre An­wesenheit galt der Prüfung de? Herrn Münke, Lehrer an der höheren Schule. Dieser bestand die Prüfung. Geheimrat Heuchen reifte nachmittags nach dem Kreis Frankenberg weiter, zwecks Abhaltung einer anderen Prüfung, die übrigen Herren fahren morgen nach Seigertshansen zur Prüfung des Lehrers Prüssing. — Im benachbarten Ropperhausen gibt es in diesem Jahre eine große Menge an Pilzen. Es halten sich jetzt Fremde zwecks Sammlung von solchen hier auf, die täglich ein gr-pes Quantum Pilze an ihre Auftraggeber, Hotelier-, in Halle und Leipzig, versendet!.

# Treysa, 9. Sept. 1913. Ter seit 6'>/z Jahren in unserer Stadt amtierende Lehrer H. Liese rst von dem Magistrat in Hannovers-Münden einstimmig als Lehrer gewählt worden und wird seine bortio' Stelle voraussichtlich am 1. April 1914 antreten

Vermischter.

* Bismarck als Säemann. Im .Kaiserpark zu Pingsdorf bei Koblenz ist ein Denkmal des Für­sten Bismarck enthüllt worden, dqs diesen als Säc- manit darstellt. Bismarck steht nach dem vom Bild­hauer Adolf Berger stammenden Entwurf in schrei­tender Stellung auf niedrigem Sockel, der von einem kräftigen Unterbau getragen wird. Die rechte Hand greift in das gefüllte Samentuch, um die Saat aus­zustreuen.

* Walfische in der Elbe? Die Firma Hagenbeck teilt mit, daß sie zwei Walfische angekauft habe, die feit acht Tagen in der Unterelbe bei Cuxhaven sich herumgetrieben haben. Ein Fischer soll Jagd auf sie gemacht und das größere Tier, wahrscheinlich die Blutter, schließlich auf das Land getrieben haben, wo es verendete. Es soll 12 000 Pfund wiegen. Das Junge, das ungefähr vier Meter lang ist, geriet in Schilf und wurde dort erschlagen. Es soll sich um Exemplare des sogen. Schnabelwalfisches handeln­der sonst nur im nördlichen Eismeer lebt. Jedoch ist vor vielen Jahren ein Walfisch vor der Elbmün- bung erschienen. Wir geben die Nachricht unter Vor­behalt wieder.

* In einer Weiche verunglückt. Der Rangier­arbeiter Johann Adamski wurde auf dem Betriebe der Gewerkschaft „Deutscher Kaiser" bei Hamborn im Rheinland von einem Zuge überfahren. Das linke Bein ' wurde ihm glatt vom Rumpfe getrennt. Adamski starb kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus. Der Unfall war dadurch entstanden, daß Adamski mit dem linken Fuße in eine Weiche geriet und sich nicht befreien konnte.

* Flucht von fünf Fürsorgezöglingen. Gestern früh haben fünf Fürforgezöglinge, die von Küstrin mit einem Berliner Zug nach Strausberg gebracht werden füllten, die Flucht ergriffen. Sie waren von einem Polizeibeamten einem Bahnschaffner in Küstrin zur Weiterbeförderung nach Strausberg übergehen worden. Als dieser Schaffner während der Fahrt einige Personenwagen revidierte, kletterten die Fürsorgezög­linge aus dem Abteil auf das Dach des Wagens und liefen über mehrere andere Wagendächer dis zum Schlußwagen des Zuges. Hier suchten sie durch Ab­springen zu entkommen. Bis auf einen gelang es ihnen auch, den Zug ohne Schaden zu verlassen. Der fünfte hatte sich in einem Bremserhäuschen ver­steckt und wurde wieder ergriffen. Die übrigen vier sind noch nicht ermittelt.

* Tas Perlenhalsband auss neue verschwunden. Die Affäre des gestohlenen Pariser Perlenkolliers wird nun nahezu unglaublich. Das Perlenkollier ist schon wieder verschwunden. Die englische Polizei schiebt die Schuld in ihrer ohnmächtigen Wut auf eine Pariser Zeitung, die die Sache durch frühzeitige Enthüllungen verdorben habe. Die Pariser Polizei wiederum sagt, daß ihre Londoner Kollegen den Fehler begangen haben, daß sie entweder zu schnell oder zu langsam vorgingen. Zu langsam, indem sie die Diebe beipassender Gelegenheit nicht festnahmen, zu schnell, indem sie auf der Hntergrundbahnstation Leute faßten, die überhaupt nicht im Besitz des Halsbandes waren.

* Ein betrunkener Attentäter. Die Passagiere des zwischen Schlüsselburg und Lodeinoje (Rußland) ver­kehrenden Dampfers durchlebten nach der Durch­querung des Ladogasees, bei der Einfahrt in den Fluß Swir, eine qualvolle Zeit. Ein betrunkener Grenz­soldat begann den mit über hundert Menschen be­fehlen Dampfer vom Ufer aus zu beschießen. Er gab im ganzen zehn scharfe Schüsse ab. Die Panik erreichte ihren Höhepunkt, als die Schüsse einen Studenten und einen Bauern trafen, so daß sie blu­tend zusammenbracheu. Einige Soldaten machten fchließlich der schrecklichen Szene durch Feffelung des betrunkenen Kameraden ein Ende. Der Revolver schütze wurde verhaftet.

Handel und Industrie.

Berlin, 9. Sept. 1913. An der Börse ist wieder eine merkliche und empfindliche Geschäftsstille eingetreten. Immerhin tarf man damit rechnen, daß die Grundstimmung trotz alledem auch fernerhin fest bleibt. Deutsche Anleihen zeigten sich weiter befestigt. 3,5 prozentige Reichsanleihe und Konsols sowie 3pro- zentige Konfols 0,10 Prozent und 3 prozentige Reichs­anleihe 0,20 Prozent höher. Der Privatdiskont hielt sich mit fünfdreiachtel Prozent für kurzfristige und mit 5,25 Prozent für langfristige Sichten auf seinem gestrigen Stand.

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Osram

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