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Dienstag 9. September 1913.

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Lokales.

Fulda, 9. September 1913.

H Zm Gartevbauvereiu waren gestern abend zur Monatsversammlung 80 Mitglieder erschienen. Vor Eintritt in die Tagesordnung machte der Vor­sitzende Lehrer a. D. Sell bekannt, daß die Vor­zeigung und Prämiierung der im Mai an die Schulkinder verteilten Blumenstöcke kom­menden Freitag, nachmittags 5 Uhr in der Garten­halle der „Harmonie* erfolge. Die Verlegung dieser kleinen Feier auf einen Werktag sei nötig geworden, weil um die früher übliche Zeit am Sonntagmorgen ein neuer Kindergottesdienst in der Stadlpfarrkirche eingeführt worden sei. Alle Interessenten und die Eltern der Kinder sind für Freilag nachmittag freundlichst eingeladen. — Lehrer Agricola-Künzell hielt dann einen sehr zeitgemäßen Vortrag über die Obsternte.

Er wieS auf eine landrätliche Bekanntmachung hin, nach der das Obst an den Bäumen nicht zu früh ver­baust werden soll. Vielfach einte man das Obst schon jetzt, ohne daß es die Reife erlangt habe. Dar früh geerntete Obst (gemeint ist Spätobst) halte sich am Lager nicht lange. Freilich würden gar manche Baumbesitzer zur Frühernte gezwungen, da das Obst zu viel ge­stohlen werde und zwar nicht nur von Kindern, sondern auch von Erwachsenen, die rücksichtslos vorgingen. Das Schütteln des Obstes ist nur für Wirtschaftsobst anzuroten, auch das Abschlagen mit Stangen ist verwerflich, da damit das Fruchtholz beschädigt und die nächstjährige Ernte beeinträchtigt wird. Das zur Aufbewahrung dienende Tafelobst muß vorsichtig gepflückt werden, schwer zu erreichende Frucht holt man mit dem Obstpflücker lsog. Fingerpflücker) herab und bringt es vorsichtig in Körbe, nicht Säcke. Ehe das Tafelobst in den Hebet« winterungsräum kommt, bringt man es etwa 3 Wochen lang zum Ausschwitzen in einen lustigen Lagerraum. Die Räume sollen nicht zu trocken sein, da sonst das Obst zusammenschrumpft, aber auch nicht zu feucht, weil dann Fäulnis und Schimmelbildung begünstigt wird. Verletzte Früchte gehören nicht in den Aufbewahrungsraum. Die Aepfel können an Bäumen ruhig einen kleinen Frost ver­tragen, deshalb brauche man mit der Abmachung des Obstes nicht zu eilen. Die Aepfel und Birnen empfahl der Redner mit der Schale zu essen, um die Nährsalze, die darunter enthalten sind, mitzugenießcn.

Lehrer Ri tz-Petersberg empfahl das Anpflanzen von Walnußbäumen, die in unserer Gegend ziemlich gut gedeihen. Diese Bäume müßten aber durch Legen der Nüsse an Ort und Stelle gezogen werden. Lehrer Agricola sprach dann über die Blutlaus. Eine Polizeiverordnung für deren Entfernung werde wenig beachtet. Dies habe dazu geführt, daß in Fulda nach Ansicht des Redners wohl 50 Prozent der Apfelbäume verseucht seien. Gegen diesen gefähr­lichen Feind des Apfelbaumes müsse jeder Obst- jüchter energisch vorgehen. Rian erkenne die Blutlaus in dem weißlich-bläulichen Schneeflocken ähnlichen Flaum, der beim Zerdrücken eine rötliche Flüfligkeit zeige. Die Schmarotzer sind vornehmlich an jungen Trieben und in Bauinwnnden zu finden, auf der gegen Regen geschützten Seite. Es wurde eine landrätliche bezw. polizeiliche Bekanntmachung für dringend wünschenswert gehalten, in der ein gutes Bekämpfungsmittel angegeben werde. Die Beant­wortung einer Anzahl Fragen durch Fachleute und Laien war sehr anregend und nutzbringend. Mit der Aufnahme neuer Mitglieder und Ausgabe der Blumenstöcke ging die Versammlung zu Ende. Nächste Zusammenkunft am 13. Oktober, wozu auch die Damen Zutritt haben.

* Ende der Gerichtsserien. Am Montag, 15. Sep- tember, erreichen die Gerichtsferien ihr Enve, und es tritt hinsichtlich der Erledigung der gerichtlichen An­gelegenheiten wieder der regelmäßige Geschäftsgang ein.

* Das neue Eichgesetz, wonach bei sämtlichen Gläsern der Eichstrich 2—4 Zentimeter vom oberen Rande mtfernt sein muß, tritt am 1. Oktober in Kraft. Den Gast- und Schankwirten kann nur dringend ge­raten werden, die Umeichung der Gläser rechtzeitig vornehmen zu lassen, um sich vor Strafe zu schützen. ■ -T-. Von den Preisträgern des Sedanturnens seien diejenigen namhaft gemacht, die 55 Punkte und mehr erzielten.

Es verzeichneten 60 Punkte: Barschel (kath. Jüngl- Berein Dompfarrei), Arnd (Ober-Realschule), Siütz -O.-R.), Lauster (O.-R), Becker (O.-R), Naumann (O.«R.), Kobylmsli (Gymnasium), Haas (®.), Burchard (G.), Neu­dauer (G.), Kurth (G.), Jung (O.-R.), Goul (Borussia), Trabert (Bor.), Kemmerzell (Turnverein Gersfeld); 59 Punkte: Hendsch (O.»R.); 58 Punkte: Bähr (Turngem.), Noll (O.-R.), Schad (Evangel. Jüngl.-Verein). Nüdlmg (O.-R.), Böttcher (Neuhof), Heuer (Neuhof); 57 Punkte: Radke (G.), Schiebelhm (Poppenhausen), Strickerodt (O.-R.), v. d. Heydt (O.-N.), Schneider (Bor.), Roppel (O.-R.), Ernst iTurng.), Köck, Heidt (Turng.), Zimmer, Weißmüller (G.); 56 Punkte: Koch (O.-R.), Reuß (kath. 'Jüngl.'Verein Dompfarrei), Klostermann (G.); 55 Punkte:

Kleines Fenilleton.

- Die „verräterische" Presse im Kriege von 1870 1871.

In der ,Rcvue des Deux Mondes' erzählt Emile Ollivier, der kürzlich verstoroene Minister des letzten Kaiserreiches aus seinen Erinnerungen. Er schildert zunächst, wie der Preußische Generalstab anno 70 davon Wind bekam, daß die Armee Mac Mahons ChLlons aufgeben sollte und die Absicht hatte, den Weg nach Paris zu decken, indem sie längs der belgischen Grenze in der Richtung auf Metz marschierte, um fi_d) mit Bazaine dort zu vereinigen. Der Vormarsch sollte ganz im geheimen vor sich zehen, und um die Preußen aus eine falsche Spur zu locken, hatte man sogar von einer durchaus nicht üblen Kriegslist Gebrauch gemacht: inan ließ näm- sich mit voller Absicht einen Kurier in die Hände der Deutschen fallen; denn die Depesche, die der Kurier bei sich trug, war — eine Falle; sie gab die Marsch- richtung der Franzosen ganz anders an, als sie wirklich vor sich ging. Allein bereits am Abend des 24. August war der preußische Generalstab auf dem Umweg über London vollkommen darüber informiert, daß das Heer Mac Mahons sich in Reims sammle, um sich mit den Scharen Bazaines zu vernnigen. Und sofort danach kam auch von Brüssel die Bot­schaft, daß die »Jndöpendance Belge" den Vormarsch gjfac Mahons auf Meziöres melde. Der Haupt« fchrrstleiter des belgischen Tageblattes hatte nämlich, beseelt von dem Wunsche, die Nachrichten vom "Kriegsschauplatz zuerst zu bringen, seinen Sohn nach Frankreich mit dem Auftrag geschickt, so weit zu Reifen, bis er auf die Vorhut der Mac Mahonschen "Struppen treffe. Und kaum hatte der junge Reporter die ersten Rothosen zu Gesicht bekommen, als er ischumstracks an den Telegraphenapparat eilte und feinem Vater drahtete. Der preußische Geneialstab B-zuerst Bedenken, diese Nachricht zu glauben, idas. Vorgehen Mac Mahons schien absurd. kdieHRicktiakeit wurde alsbald bestätiat und

Weber (Turno. Pilgerzell), Grösch (Züntersbach), Schenk (O.-R.), Freund (O.-R.), Wahl (Turng.h Berkesiel (G.).

!! Eilbotenlauf zum Völkerschlachtdcnkmal. An dem von der Deutschen Turnerschaft anläßlich der Einweihung des Völkerschlachkdcnkmals geplanten großen Eilbotcnlauf am 17. und 18. Oktober d. I. werden sich auch die Turnvereine des Oberfulda- Werra-Gaues beteiligen. Der Eilbotenlauf beginnt am 17. Oktober aus dem Schlachtfeld von Gravclottc, führt von hier über die Spicherer Höhen nach dem Niederwalddenkmal, von da über Frankfurt a. M., Hanau, Fulda, Hersfeld, Bebra, Eisenach usw. nach Leipzig. Die Veranstaltung findet bei jeder Witterung statt. Unser Fulda-Wcrra-Gau hat die Strecke F l i e d e n-Fulda-Hersfeld-Bebra-Ge r st u n- g e n, etwa 100 Kilometer, zu durchlaufen. In Flie­den wird die Stafette vorläufigen Berechnungen nach am 17. Oktober, nachmittags gegen 3 Uhr eintreffen. Tie vom Oberfuldä-Werra-Gau zu durchlaufende Strecke ist auf die einzelnen Vereine bereits verteilt worden. Allen an dem Eilbotenlauf teilnehmenden Turnvereinen werden seitens der Deutschen Turner­schaft Ehrenurkunden überwiesen. Die Namen der Turner, die sich an dem Laufe beteiligt haben, werden in einem besonderen Namensverzeichnis im Museum des Völkerschlachtdenkmals aufbewahrt.

-x- Brieftauben. Die Fuldataler Reisevereinigung für Brieftauben veranstaltete am Sonntag den ersten Wettausflug für junge Tauben. Ab Sondershausen. Aufgelassen wurden dort gegen 9 Uhr ungefähr 400 Tiere. Die Entfernung in Luftlinie beträgt bis Fulda und Horas je 122 Kilometer, bis Neuhof 133 Kilometer und bis Flieden 138 Kilometer. Dank dem sehr günstigen Wetter, waren fast keine Verluste zu beklagen. Die ersten Tauben trafen gegen 10,20 Uhr früh in ihren heimatlichen Schlägen ein. Durch­schnittlich wu .de eine Geschwinvigkeit von 1300 Meter in der Minute festgestellt. Der nächste Wettflug findet kommenden Sonntag, ab Eisleben statt.

Ans dem Nachbargebiete.

△ Pilgerzell, 7. Sept. 1913. In der heutigen Versammlung des katholischen Arbeitervereins wurde auf Antrag des Vorstandes der Anschluß des Vereins an den sozialem Ausschuß von Fulda und Umgegend einstimmig genehmigt.

* Bad Salzschlirf, 8. Sept. 1913. Die Kurliste verzeichnete bis zum gestrigen Tage 5725 Kurgäste. Ta am 1. Oktober die Saison schließt, ist es wenig wahrscheinlich, daß die Zahl 6000 heuer erreicht wird.

1 Offenbach, 8. Sept. 1913. An einer scharfen Kurve der Staatsbahn bei dem Sprendlinger Wege üb er fuhr heute nachmittag der Münchener Eil« zug einen Milchwageu aus Sprendlingen. Die Insassen wurden herausgeschleudert und überfahren. Das Ehepaar Ncubäcker erlitt Verletzungen, denen der Mann später erlag. Frau Schäfer aus Sprendlingen wurde sofort getötet. Ob die Schranke vorschrifts­mäßig geschlossen war, konnte noch nicht festgestellt werden. Nach späteren Meldungen, die aber noch keine amtliche Bestätigung erfuhren, soll der Bahn­wärter die Schranken zu spät geschlossen haben. Das Fuhrwerk befand sich gerade auf den Schienen, als die Schranken niedergingen; es konnte infolgedessen nicht mehr ausweichen und wurde nach wenigen Sekunden zermalmt.

* Kassel, 8. Sept. 1913. Die Bestätigung des Oberbürgermeisters Dr. Scholz als Oberbürgermeister von Charlottenburg ist heute nachmittag hier eingetroffen. Der Stadtverordneten­vorsteher Justizrat Dr. Schier hat daraufhin die nächste Sitzung der Wahlkörperschaft zur endgültigen Vornahme der Obcrbürgermcisterwahl für nächsten Freitag anberaumt.

ss. Wanfried, 8. Sept. 1913. Eine gemeinsame Männerwallfahrtdes ganzenkatholischen Eichsselbes auf den Hilsensberg findet Sonntag den 14. September statt. Drei große Extrazüge von Birkungen, Arenshausen und Duderstadt laufen mit 2000 Teilnehmern am Morgen in Station Geisenan ein. Die Beteiligung wird bei günstigem Wetter auf 10 000 geschätzt. Der Hochw. Herr Weihbischof von Hähling-Paderborn trifft gegen 9 Uhr ein. Um 10 Uhr ist feierliches Hochamt an einem in freiem Felde aufgcschlagenen Altar. Danach ist Predigt des Hochw. Herrn Wcihbischofs, Rede des Herrn Dom« Predigers von Paderborn, des Franziskanerpaters Heribert. — Auch die katholischen Männervereine des benachbarten Fuldaer Diözesan-Gebietes, Eschwege, Wanfried, Eisenach, werden au dieser imposanten Veranstaltung teilnehwen. In Wanfried ist deshalb der Gottesdienst schon um 8 Uhr, damit die Männer und Jünglinge noch rechtzeitig zum Hochamt auf den Berg gehen iönnen.

zwar durch die übereinstimmenden Informationen, die der »Public" der „Penple Francais" und der „Temps" brachten; fo zeigten diese Zeitungen, gewiß ohne den Verrat am eigenen Vaterlande zu beabsichtigen, dem Feinde ihres Landes den rechten Weg; denn wenige Stunden nach ihrem Erscheinen wurde die Sensation schon nach London gedrahtet; die Londoner Blätter veröffentlichten den Plan und abermals ein paar Stunden später befand sich der Plan mit allen Einzelheiten im preußischen General« stab. Kavallerieerkuirdungen ergaben die Richtigkeit der auf Umwegen gemeldeten Tatsachen und schon am 26. Augutt, ehe die Franzosen überhaupt noch ahnen konnten, daß ihr Plan verraten sei, war im preußischen Generalstab schon die Gegenaktion an­geordnet worden; die Deutschen vollführten eine große Schwenkung nach rechts und warfen die ver­dutzten Franzosen nach Sedan, wo es dann eine Woche später zur Katastrophe kam. tk.

— Ein musikalischer Plan Evlsons Daß Thomas Aloe Edison, der „Zauberer vom Vcnloo-Part", taub ist, dürste nicht allgemein bekannt fein. Als er noch ein bescheidener Eisenbahn-Angestellter war, bekam er einmal von einem Schaffner, weil er in einem Wagen mit Feuer und einigen Chemikalien ein Experiment gemacht hatte, eine dermaßen kräftige Ohrfeige, daß die Trommelfelle platzten. Dieser Unglückstall lenkte jedoch die Aufmerksamkeit des Wisfemchastlers auf die ganze Lehre vom Schall und vom Gehör, und damit im Zusammenhänge auch auf die Probleme der Musik. Er erklärt, daß Die Musik solange nicht vollendet interpretiert werden lönnc, bis sie wissenschaftlich gänzlich durchforscht sei. Er gliederte nun einem Flügel einige Apparate an, wodurch die Geschwindig­keit der Vibration jeder angeschlagen n Satte gemessen werden tonn c. Em Komponist, der ein solches In­strument verwendet, könnte am Schlüsse seiner Kom­position ganz genau feststellen, wieviele Tonschwin- gungcn er geschaffen Hal. Das „Schwingungs-Register" müßte dann für jeden, der die Komposition nachspielt, ein wichtiger Fingerzeig für die Wiederaabe des frag« '

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für noch dagegen Stellung nehmen.

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annoncieren will.

wende sich en die bewährte

Fuldaer Zeiiung.

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Die Geldiäflsftelle.

ttchen Stückes werden. Edison hofft, diese Arbeit in 3 Jahren beendet zu haben. Seiner Meinung nach steht die Musik beule da, wo die Elektrizität vor 40 Jahren stand. Man wird Edison natürlich entgegen« halten, daß ein Laie unmöglich in der Lage fein tarnt, die Schnelligkeit und die wechselnde Stärke, mit der ein Stück zu spielen ist, von vornherein zu bestimmen. Ader Edison lächelt über diesen Einwand nut; er ist es gewohnt, erklärle er wiederholt, daß immer jemand zweifelnd den Kopf schüttelt, wenn er sich an ein neues Werk macht. Da Edison kein unsicherer Phan­tast, sondern ein sehr ernst zu nehmender Wtssenschast- ler ist, darf man auf das Endergebnis seiner Unter­suchungen gespannt fein; vorher läßt siel) weder da-

Eine Anzeige in unserer meistgelesenen und angesehenen Zeiiung erreicht stets ihren Zweck lind führt den gewünschten Erfolg

herbei, das im langen urteilen

Unwetter am 3. und 4. Juni d. I. geschädigten Be­wohner des Eisenacher Oberlandes sind einschließlich der staatlichen Verwilligungen bis jetzt 86392 Mark 19 Pfennig zusammen gekommen.

* Kaltennordheim, 8. Sept. 1913. Der Landwirt Gustav Friedrich Marschall ist den schweren Ver­letzungen, die ihm durch den Herdbuchbullen vorige Woche beigebracht worden sind, am Samstag er­legen. — Die Gebrüder Grcifzu ans Mittelsdorf errichten in hiesiger Flur auf der sog. Aue eine Carbid-und Schweißapparatefabrik. Der Rohbau ist bereits unter Dach und Fach gebracht.

— Allerlei Weisheit. Für die Anfertigung eines deutschen Militärgewehres wird die Arbeit von 169 verschiedenen Maschinen in Anspruch genommen. — Die deutsche Seefischerei beschäftigt nur 18 0C0 Per­sonen, die englische hingegen 115000, die französische sogar 150000. — Ein Luftschiffer tann die mensch­liche Stimme bis auf eme Höhe von 500 Dietern vernehmen, er selbst ist aber auf Erden nur noch aus einer Höhe von etwa 100 Dietern verständlich. — Die größte Oase in der Wüste Sahara, Abu Naim, bedeckt eine Fläche von 200 Quadratkilometern, etwa soviel wie Großberlin. — Der neueste Schnee­pflug auf der Gottbardbahn leistet in einer einzigen Stunde soviel wie 70 Arbeiter in zehn tetunöen. — Ter Haushahn kann 14 verschiedene Laute von sich geben, die alle für die Hennen eine gewisse Bedeutung Haden und von ihnen auch sehr gut verstanden wer­den. — In Südtirol tragen alle unverheirateten Bauern an ihrem grüne.' Hute ein rotes Band, die verheirateten aber ein grünes Band. — Es gibt zur­zeit schon über 1900 Stationen für drahtlose Telc-

— Schnell geholfen. Tourist: „Ich kann mich an dem herrlichen Gebirgs-Panorama gar nicht satt sehen!" — Wirt: „O, darf ich Ihnen vielleicht a' schön's Backhähndel mit Eiersalat bringen?"

n. Eschborn, 8. Sept. 1913. Das jahrelange Schmerzenskind des Ortes, die lustoerpestende Fett­schmelze, wurde jetzt von der Gemeinde ausgekauft. Damit hat dieser wenig angenehme Industriezweig sein glückliches Ende gefunden.

* Aus Thüringen, 8. Sept. 1913. Ter Kommer­zienrat Wilhelm Röll, Inhaber der Eisengießerei Erd­mann Kircheis in Aue, hat der Handwerkskammer in Weimar 100'0 Mk. zur Förderung des Handwerks geschenkt. — Ter Gemeinderat in Eisenach be­schloß, dem Stadtarzt Dr. Kürbs zum 1. Januar 1914 zu kündigen. — Der in S'ch mölln verstor­bene Geheime Kommerzienrat Donath hat seine Ar­beiter und Arbeiterinnen letztwillig mit Geldgeschen­ken bedacht. Außerdem erhielten: die Bürgergesell- fchast 5000 Mk., die Walderholungsstätte 3039 Mk. und die Realschule 2000 Mk. — Als in Gera eine Frau beim Feueranzünden Petroleuin aus der Kanne goß, explodierte das Gefäß. Tic Frau stand sofort in Flammen und lief hilferufend auf den Hof, wo Haus­bewohner das Feuer erstickten. Die Frau ist schwer verbrannt und liegt hoffnungslos im Krankenhaus.

i. Grüshnm a. M., 8. Sept. 1913. Kaum sind in der vergangenen Woche zwei Burschen megen gemeingefährlicher Revolverschießereien verhaftet worden, so hat gestern abermals ein junger Mann einen anderen durch einen Schuß in den Arm erheblich verletzt. — Die Zellen des hiesigen Polizeigefängnisses sind gegenwärtig über­füllt, so daß für einige Personen ein anderes Ge­wahrsam besorgt werden mußte. Ein Fall, der sich hier bisher nicht zugetragen hat.

* Aus Frauken, 8. Sept. 1913. In einer Würz­burger Klinik verstarb nach mehr als einjährigem schweren Leiden der 2ljährige Sohn des Hofrats Dr. Welsch in Bad Kissingen, cand. msd. Albert Welsch. Am 21. Juli v. Js. verunglückte er in der städtischen Badeanstalt Kissingen durch einen Sprung vom Sprungbrett. — In der Kapelle von Roßbach bei Zeitlofs wurden bisher im Jahre drei Gottes­dienste gehalten. Die Kirchenbehörde hat nun ge­nehmigt, daß jährlich zwölf weitere Gottesdienste da­selbst stattfinden dürfen. — Der Verband der mitt­leren Städte Bayerns hält seine diesjährige Tagung am 12. Oktober in Lohr a. M. ab.

dieser Art) hatte die meisten Bewohner unseres Ortes hinausgelockt. Mit Sang und Klang marschiertes die jungen Turner an. Die verhältnismäßig schwis- rigen Freiübungen mit ihrem Auf- und Rückmarsch wurden tadellos zur Ausführung gebracht und auch die Stäbe schneidig geschwungen. Nicht minder zeig­ten die Jünglinge" am neuen Reck ihre durch fleißiges lieben erhöhte Kraft und Gewandtheit. Eine ent­sprechende Stiftung der hiesigen Gemeindebehörde er­möglichte die Beschaffung geeigneter Preise für das sich anschließende Preisturnen. Hier entschieden tüch­tige Leistungen im Weitsprung, Hochsprung und Steinstoßen nach dem Vorbilde der Kirchhainer Kreis- Jngendfeier. Tie wohl gelungene Aufstellung einer Pyramide bildete den tadellosen Abschluß der anzu- erkennenden Leistungen. Bürgermeister Groß, Mit­glied des Kreisausschusses für die Jugendpflege, sprach ans den Herzen aller Anwesenden, indem er nach der Preisverteilung den Jünglingen die gebüh­rende Anerkennung zum Ausdruck brachte, zugleich aber auch an die von der Turnsache noch abseits stehenden Jünglinge das Ersuchen richtete, mit der Nachahmung des Gesehenen in der Reihe der Turne» bald zu folgen!

Amt Geisa und Umgebung.

Dermbach, 8. Sept. 1913. Für die von dem

eine Familien-Anzeige zu veröjfentlichen, eine Hypothek oder Geld zu vergeben wünscht oder benötigt, eine Wohnung, ein Bureau oder einen Laden zu ver­mieten hat, Hauspersonal oder Bureau- Beamte focht, Grundjiüdie kaufen, ver­kaufen oder verpachten will, kurz, wer irgend etwas

Zahlreiche Zcugniffe haben uns Laufe der Zeit bestätigt. Ver- Sie unsere Werbe[<hri|h „Wie untere Kunden."

Aus Oberhessen u. den Hess. Aemtern.

* Marburg, 8. Sept. 1913. Der Bauarbeiter­str e i k dürfte^ nun doch noch in dieser Saison, wahr­scheinlich schon in dieser Woche, zum Abschluß kommen. Auf Veranlassung des Stadtverordneten- Vorstehers Prof. Bredt ist man bereits in Unterband« hingen eingetreten, deren Stand als günstig bezeichnet werden kann.

* Marburg, 7. Sept. 1913. Das frühere Organ des Herrn von Gerlach, die .Hessische Landes­zeit u ii g' die vor einiger Zeit die Herren Köhler und Gerhardt übernahmen, wurde von diesen an die Herren Dr. Neustadt und Bamberger aus Frankfurt a. M. weiterverkauft. Die Firma zeichnet Hessischer Verlag, G. m. b. H.

[:] Neustadt, 8. Sept. 1913. Gestern nachmittag gegen 3 Uhr ertönten plötzlich Feuersignale. Das Heu auf dem Boden eines Doppelhauses in der Ringstraße stand in hellen Flammen. Da genügend Hilfe alsbald zur Stelle, wir außerdem eine vor­züglich funktionierende Wasserleitung haben, so konnte das Feuer nach kurzer Zeit gelöscht werden; andern­falls hätte der Brand bei der jetzigen Trockenheit, wo außerdem alle Scheunen voll Frucht liegen, sehr gefährlich werden tonnen.

4-- Momberg, 8. Sept. 1913. Am gestrigen Sonn­tag nachmittag errang sich die frisch fröhliche Turner- schar unseres kath. Iün glin gsv er ein s durch ihre exakten Darbietungen auf dem jüngst hergerich­teten Smrn= und Spielplatz die ersten Lorbeeren. Die Bekanntgabe der Vorführungen (hier wohl die ersten

vermischtes.

* Eine Tuelisorderung in der Krupp-Angelegen­heit. Einer der höheren Beamten von Krupp/ der in die Untersuchung verwickelt ist, hat, wie der „Vorwärts" mitteilt, " den Abgeordneten Lieb­knecht um Genugtuung mit der Waffe gebeten, was Liebknecht abgelehnt hat. i

* Die Aiisgrabilngen auf der Stätte des großen Nömerlagers bei Xanten am Niederrhein haben zur Freilegung eines Gebäudes von einem ganz gewalti­gem Umfange geführt, das mehrere große Säle, viele kleine Gemächer und mehrere von Säulengängen um­gebene Höfe hat. Der ganze Bau ist von Säulen­hallen umgeben. Fundamente, Säulen und Pfeiler sind aut erhalten. Vermutlich handelt es sich hier um die Wohnung des Kommandanten des großen Römer­lagers.

* Spionage. Sehr großes Aussehen erregt die Verhaftung eines Krankenwärters Neumann, die in Eydtkuhnen (Westprenßen) auf Veranlaffung der Staate anwallfchast vorgenommen wurde. Die Verhaftung Neumanns hängt mit der Spionage­affäre des Mechanikers Kestner zusammen. Der Verhaftete wurde durch den Untersuchungsrichter in das Stallupöner Gerichtsgefängnis eingeliesert.

** Warnung vor japanischen Spielwaren. Die als! Spielwaren vielfach in den Verkehr gebrachten aus- gestopften japanischen Hühner- und Enteu- Klicken sind nach dem Ergebnisse der amtlichen Un­tersuchung zum Zwecke ihrer Erhaltung stark mit Ar­senik bearbeitet. Hierdurch sind sie, sofern sie al§! Spielwaren für Kinder Verwendung finden, geeignet, Gefahren für die menschliche Gesundheit hervorzurufen.j In einer Bekanntmachung des Berliner Polizei-Präsi­diums wird vor ber Verwendung dieser Spielwarens gewarnt.

* Die geschüttelte Wahlurne. Gegen einen Sozial-! demokraten mar ein Verfahren eröffnet worden, weih er unberechtigter Weise die Wahlurne vor dem Be­ginne der Stimmenzählung zu schütteln versucht hatte.! Darin war mit Recht die Anmaßung einer amtlichem Eigenschaft erblickt worden. Das Schöffengericht im Breslau und die Strafkammer sprachen trotzdem deut Angeklagten frei; das Reichsgericht hob aber das frei- sprechende Urteil auf, und das Landgericht, dem nun­mehr die Sache unterbreitet wurde, verurteilte bett Genossen zu zwei Monaten Gefängnis. ,

* Ein deutscher Flieger in Paris. Der deutsche Flieger! Friedrich, der am Freitag früh Johannistal ver­lassen hatte, ist nach einer Zwischenlandung in Han­nover, Gelsenkirchen und Brüssel Sonntag Nachmit­tag 5 Uhr in Villacoublay bei Paris gelandet.

* Schon wieder ein Perlendiebstahl. Der frühere»! Operettensängerin Lola Bayron ist ein Perlenkollier im Werte von 20000 Francs in Neapel auf rätsel­hafte Weise abhanden gekommen. König Alfons von! Spanien hat das Perlenkollier der Sängerin bei einem ihrer Gastspiele in Madrid geschenkt.

* Explosion auf einem Bahnhof. Beim Einladen von Postpaketen in einen Zug fiel in der Halle des! Viktoriabahnhoss in Manchester ein Paket durch! das Versehen eines Beamten zu Boden und cxplo« dierte. Die Fensterscheiben des Bahnhofsgebäudes zersprangen saft sämtlich, und eine Anzahl von Be-f amten wurde verletzt, darunter einer tödlich. Di^ Untersuchung ergab, daß das Paket mit Platz­patronen gefüllt war, vom Absender jedoch nicht als Explosivstoffe deklariert war.