Einzelbild herunterladen
 

Zuldaer Zeitung

__ *___1____ Tl.. Al — - hualf 1 C YlÄfV

TTTonots-Behage:

5

Zuldaer Seschlchtsblütter

« Liehungrlifien der preußisch-süddeutsch« Maffen-Lotterle. — halbjährlich T«,chmfahrplan. s

40. Zahrgang.

Nr. 207

trfdjeint «aNch mit Kurnahme der SoJin- und Zeiertage. Mertel- iahrllAer Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In Zulda fowlc euswärt» 1-50 Mark. •••• Rofalionsörudt und Verlag der - - Zuldaer flclienbrudterel in Zulda. Zernsprecher Nr. 9. 5 5

5 ~ Wodjen-Beitage: s s

Illustrierte Sonntagszeitung

Montag den S. September l91Z.

findigen: Der Raum einer einspaltigen cvloneheli«, 4T nm breit, leitet 15 Pta. Reklamen: Der Raum einer Colonetjeile, 74 mm breit, kostet 40 Pfg. Bei D)ie6erbolungen Rabatt. $ür Offert- unb fluskunftcnjeiaen 20 Pf. extra. 3» KonttursßUen wirb ber bereinigte Rabatt hinfällig. (rfCttungscrt für bas €ln- llagen eon Sortierungen ist Suita, flnjeigen-flnnalime bis 10 Uhr vormittags. :: » Gröbere flnieigen erbitten wir uns tags vorher. :: 3

= König Konstantin in Berlin.

Der König und der KronprinzvonG riechen land sind Samstag morgen um 8.28 Uhr auf dem An­halter Bahnhof in Berlin ringetroffen. Sie wurden vom Kaiser und den Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm und Oskar empfangen. Die Majestäten begaben sich im Automobil nach dem neuen Palais in Potsdam, wo sie von der Kaiserin empfangen wurden. Der Kaiser überreichte dem König die Kette zum Schwarzen Adlerorden und den Feldmarschallstab und ernannte ihn zum Chef des 2. Nassauischen Infanterie- Regiments Nr. 88. Dem Kronprinzen überbrachte der Kaiser das Großkreuz des Roten Adlerordens mit Schwertern und den Roten Adlererden 3. Klasse mit Schwertern und der königlichen Krone. Später empfing der König der Hellenen den griechischen Gesandten. Mittags war Familientasrl für den Kaiser, die Kaiserin, den König und Kronprinzen von Griechenland.

Uns Deutschen gilt der erste Besuch des sieg­reichen Hellenenkomgs nach der: beiden schweren Krie­gen, die sein Volk tapfer und erfolgreich geführt hat. Das deutsche Bolk heigr König Konstantin, den Sie­ger von Janina, herzlich willkommen, nicht nur weil er der Schwager unseres Kaisers ist und weil er als ehemaliger preußischer Gardeleutnant uns durchaus kein Fremder ist, sondern auch als den König eines aufstrebenden Volkes, das in schwerem Kampfe sich eine angesehene Stellung unter den euro­päischen Staaten erworben hat. Ein düsteres Ver­hängnis, das seinen Vater in den Straßen dez eben erst eroberten Saloniki durch Mörderhand ereilte, hat König Konstantin am 18. März dieses Jahres auf den Thron Griechenlands berufen. Sein Programm hat er damals in dem Wort ausgesprochen: „Jetzt muß Griechenland stark werden, sehr stark!" Auf dem Schlachtfelde, als einziger der Balkgnkönige an der Spitze seiner Truppen hat König Konstantin tat­kräftig diesen Worten Geltung verschafft und die testa­mentarische Mahnung seines ermordeten Vaters be' folgt, der an ihn die Worte gerichtet hat: „Liebe dein teures, kleines Vaterland und diene ihm ebenso wie deinem teuren Volke. Habe Vertrauen zu ihm, damit deine Brüder deinem Beispiel folgen".

König Konstantin hat zu seinem Volk und seinem Heer Vertrauen gehabt und dadurch sicherlich auch das Vertrauen von Bolk und H e e r sich w i e- der erworben, das ihm eine "Zeit lang' durch die Gegnerschaft des griechischen Offizierkorps verloren zu gehen drohte. Die Siege von 1912 und 1913 ha­ben die Schmach der Niederlagen im Türkenkrieg von 1897 getilgt und die militärische Tüchtigkeit des könig­lichen Fewherrn in glänzendem Licht gezeigt. In Thessalien und Epirus hat König Konstantin tu blu­tiger Arbeit ein neues Griechenland gebaut und der Jubel Griechenlands, der dem siegreich heimkehren­den König galt, legt Zeugnis dafür ab, daß zwischen dem Hcllenenvolk und der herrschenden Dynastie ein vertrauendes'und freundschaftliches Verhältnis her- gestellt ist.

Das Volk der Griechen weiß, daß es im deutschen Volk einen Freund zu erblicken hat. Griechenland weiß auch, daß ihm die Freundschaft Deutschlands wie seither so auch in Zukunft wertvoll sein kann und wir Deutschen sprechen es auch offen aus, daß uns an der Freundschaft Griechenlands viel gelegen ist. Wir wünschen, daß es der Regierung König Kon­stantins vergönnt sein möge, ein starkes Grie­chenland zu schaffen; wir wünschen, daß im süd­lichen Balkan ein starkes, wehrfähiges, nichtslawisches Volk gewappnet dastehe, das gleich befähigt ist, sich türkischer Feindschaft zu erwehren, als bulgarischer

Wer Brandstifter.

8]^ Eine Bauerngeschichte aus dem Taunus ff/von Fritz Ritzel.

> Ein unbehagliches Gefühl beschlich den jungen Mann, um so unbehaglicher, als ihm seit seinem Ein­tritt in das Vaterhaus dieses so leer und verätzet er­schien, wie er es noch nie gesehen hatte. Sonst herrschte um diese Stunde in den beiden Gaststuben 'rege§ Leben; Fuhrleute, Händler und Postreisende gingen ab und zu — auf der Landstraße dpaußen hiel­ten gewöhnlich ein halbes Dutzend Wagen, bereit Lenker und Insassen in dem Gasthaus zur „Linde" Rast hielten — aus der Küche zog der Geruch der auf dem Herde brodelnden Speisen und Mutter und Schwester, sowie das rotbackige Aufwartemädchen hat­ten alle Hände voll zu tun, um die verschiedenen Wünsche der Einkehrenden zu befriedigen — heute war alles füll und leer! Soweit man die nach Norden ziehende' wieder im Glanz der Abendsonne liegende Landstraße überblicken konnte, war nichts Lebendes darauf zu gewahren. Sollte es denn wirklich wahr fein, daß aller Verkehr auf der Landstraße brach ge­legt war, daß sich hier in Oberhausen, wie der alte Lenhard sich ausgedrückt hatte, die Füchse und Hasen gute Nacht sagten, seitdem die Eisenbahn das Land durchschnitt. — Seitdem die Mutter in die Küche ge­gangen, war kein Wort in dre Stube gefallen. Gustel hantierte immer noch an dem Glasschrank hinter der Einschenke, während Klärchen sich mit zusammenge­preßten Lippen und bleichem Angesicht über ein auf dem Tisch liegendes Zeitungsblatt neigte und nur zu­weilen einen scheuen Blick stach dem an dem Fenster Stehenden warf. Nur das Summen einer Wespe, die gegen eines der geschlossenen Fenster taumelte und zuweilen das leise Klirren eines Glases unter den Händen der Hauswchter unterbrach die Stille, die wie ein drückender Bann über den drei jugendlichen Men­schenkindern lag, gleichsam als fürchte jedess von ihnen, daß ein gesprochenes Wort Unfriede Hervorru­fen müsse.

L.. Jetzt trat Gustel hinter dem Einschenktisch hervor zmd. wandte sich an den Bruder:

oder auch serbischer Angisfe zu entschlagen. Griechen­lands Zukunft wird seiner Lage und seinen jüngsten Eroberungen gemäß jedoch hauptsächlich auf dem Wasser liegen. Darum muß es ihm darauf ankom­men, sich eine entsprechende Flottenmacht zu schaffen und eine Politik zu verfolgen, die seiner Stellung im Mittelmeer die beste Bürgschaft und Sicherung ge­währt. Bei der Verfolgung dieses Ziels wird Grie­chenland in erster Linie eine Verständigung mit I t a~ lien vonnöten sein, die um so einfacher und leichter sich gestalten müßte, als die Interessen beider Län­der In derselben Richtung liegen. , Beide haben das gleiche Interesse, sich des en g l i s ch - f r a n z ö s i- schenUebergewichtsim Mittelmeer entgegen­zustemmen, sodaß für sie eine Abgrenzung der Macht­sphären im Mittelmeer die geeignetste Lösung dar­stellen dürfte. *

Es ist eine schöne Aufgabe der deutschen Diploma­tie, au der Beseitigung ber bestehenden Gegensätze zwischen Italien und Griechenland, bie beide zu uns in freundschaftlichem Verhältnis stehen, mitzuarbei­ten, denn wenn das Verhältnis Griechenlands zu Italien gut ist, so hat auch der Dreibund eine wesent­liche Verstärkung ersahren.

Vor ben Kaisermänövcrn.

Der König von Griechenland wird mit dem Kaiser als der vornehmste der Mauövergäste den großen Truppenübungen in Schlesien beiwohnen. Gestern mittag bereits begaben sich der Kaiser, der König und der Kronprinz von Griechenland mit Ge­folge und dem Ehrendienst mittels Sonderzugs nach Salzbrunn, wo der Kaiser Quartier nehmen wird. Die Ankunft erfolgte um 7 Uhr abends.

Das dem Kaiser als Absteigequartier für die Manöverzeit zur Verfügung gestellte Grand Hotel in Bad Salzbrunn liegt aus einer terrassenförmigen Anhöhe westlich der Hauptstraße. Das Gebäude ist ein in den Jahren 1909/10 errichteter Monumental­bau, bet im Stile Ludwig XVI. durchgeführt wurde. Für den Kaiser ist im Hauptgeschoß und zwar im südlichen Teile des Mittelbaues eine nach Osten ge­legene zusammenhängende Zimmerreihe als Wohnung eingerichtet, Salon, Arbeitszimmer, Schlafzimmer, Badezimmer und Ankleidezimmer. Die Ausstattung dieser Zimmer ist durch das Oberhofmarschallamt er­folgt. Von diesen Zimmern mit Balkons und Log­gien aus genießt man einen herrlichen Blick auf die prächtigen Terrassen dq^ Hotelgartens nach der gegen* überliegenden Berglehne.

Die Manöverleitung hat in Freiburg i. Schl. Quartier genommen. Hier quartieren auch der Chef des Generalstabes der österreichisch-ungari­schen Armee v. Hötzendorff, der Chef des General­stabes der italienischen Armee Generalleutnank Pollio und ber vom Kaiser zu beit Manövern gelabette Graf Zeppelin u. a. Der Kriegsministet Generalleutnant v. Falkenhahn mit seinem Stabe wohnt in Schweid- nitz. — Der König von Sachsen nimmt auf Schloß Sybillenort Wohnung; weitere Manövergäste des Kaisers und hohe Militärs, auch die fremdherrlichen Offiziere, wohnen in Breslau.

500 Jahre alte Gilde von Luckenwalde mit ihrer uralten Standarte, die Innungen und zweihundert Frauen, Mädchen und Kinder in Flemminger Tracht sah, be­wegte sich hinaus zum Denkmal, das den Gefallenen von 1813 westlich vom Dorfe Niedergörsdorf auf freiem Felde errichtet ist. Der ehemalige Reichskanzler Fürst v. Bülow hielt die Gedächtnisrede, in der er die große, denkwürdige Zeit vor hundert Jahren und insbesondere den Tag von Dennewitz in beredten Worten feierte. (In der Schlacht bei Dennewitz am 6. September 1813 wurde die Armee dcS französischen Marschalls Ney, die gegen Berlin ziehen sollte, vollständig zersprengt.) Später er­folgte die Enthüllung des neuerrichteteu Denkmals für den Grafen Bütow von Dennewitz im Dorfe von Denne­witz. Hier sprachen Prof. Dr. Scholz von Et. Marien in Berlin und der Urenkel des Siegers von Dennewitz, Dietrich Graf Bülow v. Dennewitz-Grünhoff.

Daß ber gewesene Reichs- unb Blockkanzler bei bet Jahrhundertfeier auf bent Schlachtfeld von Denne­witz als Feststrebner toieber an die Oeffentlichkeit getreten ist, kann nicht auffallen. Der Sieger von Dennewitz trug ebenfalls ben Namen Bülow und bet gewesene Reichskanzler hat eine große Redegabe. Wir würben jeboch auf ben Festredner Bülow hier nicht weiter zurückkommen, wenn nicht bie freisinnige „Bossische Zeitung" ben Anlaß benützte, um ein Lob­lied auf ben Staatsmann Bülow zu singen. Dem Versuch, bie unglückselige Blockpolitik nachträg­lich zu verschönern unb deren gescheiterten Urheber zu verherrlichen, muß widersprochen werden. Neben­bei ist es eine interessante Beobachtung, daß in den Reihen der Fortschrittspartei, die sich inzwischen zur Schleppträgerin der Sozialdemokratie gemacht hat, noch mit sehnsüchtiger Wehmut der Zeit gedacht wird, als die Herren Wiemer und Müller (Meiningen) Dank der sonderbaren Staatskunst des Fürsten Bü­low sich als Reichsregenten fühlen konnten.

Richtig ist die Bemerkung der „Vossischen Zei­tung", daß Fürst Bülow ein Schoßkind des Glückes gewesen sei. Er hat in der Tat in seiner ganzen Laus" bahn sehr viel Glück gehabt, — bis er in einer kühnen Stunde sich zu einem Unternehmen verstieg, das a l l- zuweit über seine Kräfte ging. Er wollte bte deutsche Politik auf eine nagelneue Grundlage stellen. All feine Vorgänger (Bismarck eingeschlossen) unb bis Dezember 1905 auch Bülow selber hatten als monar­chische Minister bte parlamentarischen Mehrheiten je­weilig bort genommen, wo sie zu sinden waren; dieses freie Spiel ber Kräfte paßte zu ber Eigenart unserer staatsrechtlichen Verhältnisse unb unseres Parteiwesens am besten. / Aber Ende 1905 glaubte Fürst Bülow zu einem politischen Kolumbus berufen zu fein. Er wollte eine neue Welt aufdecken, das Land der ständigen und ausschließlichen Block- Mehrheit. Die Gunst der Umstände verhalfen ihm bei den Wahlen von Anfang 1906 zu einem Augenblickserfolg. Die liberalen und konservativen Parteien, die seinen Block bilden sollten, erlangten eine knappe Mehrheit. Darob lauter Jubel von kurz­sichtigen Leuten, die sogar das Schloß in Berlin auS der Nachtruhe brachten. Verständige Leute aber sprachen sofort, die errungene Mehrheit fei zu klein, oie Regierung werde abhängig von den Extremen links und rechts, deren Stimmen unentbehrlich feien. In der Tat ergab sich nicht die stabile Geschäftsfüh­rung, die Bülow versprochen hatte, sondern eine Kette von Krisen, zu deren Beschwörung ber Ge- hülfe im Kanzleramte sich fortwährend abmühen mußte. Die tragikomische Szene vom aufgefrischten Rütlischwur ber sogen. Blockbrüder, wobei Gröber an den Versöhnungskuß von Hans und Grete erinnerte, ist ja noch in lebendiger Erinnerung. Mit Hängen und Würgen brachte es der Block bis ins Frühjahr

Pferdestall bot. Die lange Reihe stattlichen Rind­viehs, die ehedem hier gehaust hatte, war verschwun­den; nur zwei Kühe, in dem der Stalltüre zunächst befindlichen Stand, drehten dumm glotzend die Köpfe herum und stießen ein dumpfes Gebrumm aus, als wollten sie ihrem Unmut darüber Ausdruck geben, daß sie zu der früher nicht gewohnten Einsamkeit ver­urteilt waren. Durch die oben geöffneten Fenster des Stalles schossen die Schwalben, krallten sich einen Moment an den, an den Deckenbalken angeklebten Nestern fest, um dann wieder zwitschernd das Weite zu suchen. Das war noch genau wie früher! Gott sei Dank! Das Piepsen ber jungen hungrigen Schwälbchen bort oben in ben Nestern, bas leise „Kwit, Kwit" ihrer pfeilschnell hin- unb herschießen­den Eltern, muteten den Heimgekommenen wie ein freundliches Grüßen an, wie ein Trost, daß trotz der Andeutungen des alten Knechtes und trotz seinen eigenen, seit seinem Eintritt in das Vaterhaus ge­machten, wenig erfreulichen Beobachtungen keine un­heilschwangere Wetterwolke über ber Stätte seiner Kindheit lagere. Wo Schwalben nisten, ba weilt das Glück'

Seine niedergedrückte Stimmung hob sich wieder. Er atmete freier. Und als Schwarzseherei erschienen ihm seine dumpfen Besorgnisse, als er wieder in den von ben Strahlen ber Abendsonne rötlich beleuchteten Hof trat unb das zahlreiche Hühnervolk beobachtete, bas eben gacfernb nach ben längs den Ställen ange­brachten Leitern zog, um bie Schlafstätten aufzusu­chen. Der Geflügelbestand war wenigstens noch voll­zählig, wenn nicht großer geworben unb prachtvoll gepflegt sahen die Tiere aus. Auch ber stattliche Trut­hahn mit ben purpurroten Halslappcn lief tote ehe­mals ihm, ber fremden Erscheinung, kollernd entge­gen und eben spreizte dort am Gartengitter der Pfau fein prächtiges, in der Sonne glänzendes Schwanzge­fieder. Es war alles noch beim Alten — drum fort mit allen Hirngespinsten! War hatte er denn auch zu grübeln und zu besorgen? Seine Eltern waren doch wohlhabende Leute — mehr wie wohlhabende Leute, die gewiß in ben langen Jahren ihrer Ehe ein ge­höriges Stück Mammon zusammengekratzt hatten, ab­gesehen davon, daß der Vater schon von den Groß­eltern her ein solides Vermögen beseffen unb bie Mutter ebenfalls einen schönen Brocken Gelb mit in

Eine Rede des Fürsten Bülow.

Am vergangenen Samstag wurde in Dennewitz die Jahrhundertfeier der Schlacht von Dennewitz mit der Enthüllung des Denkmals des Generals v. Bülow unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung au? der ganzen Umgebung festlich begangen. Ein großartiger Festzug, in dem man die zahlreichen Vereine mit ihren Bannern im Schmuck der Kreuze und Ehrenzeichen, die Pfadfinder und Schulen, die Schützengilden, darunter die

„Die Mutter hot gemaant, daß wir ernol im Garte gucke solle, ob der Hagel nix verschrnisie hot! Gehst du mit, Ernst, oder willst du dich gleich um­ziehe?"

„Ich komme schon mit!" erwiderte ber Gefragte kurz unb folgte ben beiben vorangehenden Mädchen in den Hof, wo mittlerweile der Leiterwagen angelont* men war und der allerdings keineswegs feurig aus- sebende Gaul von dem alten Lenhard ausgespannt und nach dem zur Rechten des Hofes befindlichen Stalle geführt wurde. Unwillkürlich folgte ber junge Mann und warf einen Blick in den langgestreckten Raum, fuhr aber fast erschreckt zurück, als er bte Leere gewahrte, welche ihm hier entgegengähnte. Die sämtlichen Stände, in welchen in früheren Zeiten acht Acker-, Post- und Vorfpannpferde gestanden hatten, waren verwaist, bis auf den einen, in welchem soeben Lenhard den alten Gaul anband. Aus dem gepflaster­ten Boden lag kein Hälmchen Stroh, ein Zeichen, daß der Stall seit geraumer Zeit nicht benutzt worden war und in dem Verschlage, wo früher immer ein Füllen gestanden, war bis zur Decke Stroh aufge­schichtet.

Der alte Lenhard, der eben dem Pferde einen Bündel Heu in die Futterraufe gesteckt unb bas Be­fremden des jungen Mannes beobachtet hatte, jagte letzt, die Hand auf den Rücken des Braunen legend:

„Ja, die Gäul sinn fort, Ernst! Wir hawe sie nit mehr brauche könne! For des bische Feld, was wir noch hawe, langt der alt Hans do! Gelle Hans," fuhr er, das Pferd auf den Rücken klopfend, fort, —> „du zwingst's allaans, wenn du aach die zwanzig Johr uff dem Buckel host! Er is immer noch en guter Gaul, der Hans — er läßt nix stehe, nit de schwerste Karrn' »n nit die doll Kripp Hawer — nur e bische langsam is er — langsam und deitlich!"

Durch die Wohl scherzhaft sein sollenden Worte des alten Mannes klang es wie leise Wehmut. Dem an dem aufgesteckten Heu zerrenden Pferde noch einen liebkosenden Klaps auf den Rücken gebend, trat der Alte aus dem Stand unb ging, nachbem er bie Slall- türe geschloffen hatte, neben dem Sohn des Hauses, ber schweigenb unb betreten zugehört hatte, nach bem in ber nämlichen Bauflucht gelegenen Kuhstall, wo sich ein ähnliches Bild wie in dem soeben verlassenen

1909. Die Finanzreform liefe sich nicht länger ver­schieben. An dieser Klippe jcheiterte die gekünstelte Staatsweisheit des Schönredners Bülow ganz zäm- merlich. Es zeigte sich handgreiflich, daß er in einem doppelten Irrtum befangen war. Erstens war es unmöglich, die gegensätzlichen Ansichten und In­teressen der Konservativen und der Links­liberalen andauernd auszugleichen, und zweitens erwies sich das Zentrum für eine fruchtbare Arbeit unentbehrlich, die Logik ber Tatsachen forderte, daß das wieder eingeschaltet werbe, was Fürst Bülow leichtsinnig ausgeschaltet hatte. Der Block zerfiel, unb mit ihm fiel derjenige, der diesen Block geschaffen hatte.

Nachdem wir das vollständige Fiasko des Block­reichskanzlers vor vier Jahren erst erlebt haben, sollte man es nicht für möglich halten, daß ein freisinniges Blatt die.Behauptung aufstellte, Fürst Bülow sei „freiwillig gegangen zu dem Zeitpunkte, den er wählte". Nein, Bülow hatte sich vollständig unmöglich gemacht, wie keiner seiner Vor­gänger.

Wenn wir diese Wahrheit feststellen, so leitet uns keineswegs die Rachsucht. Warum sollten wir auch dem gescheiterten Blockkünstler zürnen? Er wollt« freilich der Zentrumspartei übles zufügen, aber der Erfolg semes Versuches war angenehm für uns. Er ist so gründlich mißlungen, daß eine Wie­derholung in absehbarer Zeit nicht zu befürchten ist. Das Blockabenteuer hat luftreinigend, klärend gewirkt.

Die Freunde Bülow's weisen, wie auch jetzt wie­der die „Voss. Ztg.", gern darauf hin, daß seine Prophezeihung von „Philippi" eingetroffen fei. War es ein Kunststück, die Wiedererstarkung der So­zialdemokratie nach der Augenblicksniederlage von 1906 voranszusehen? Das haben auch viele andere Leute int Voraus gewußt und gesagt, nämlich zur Warnung. Der schadenfrohe Ton stand dem Fürsten Bülow sehr schlecht an; denn gerade durch seine fehlerhafte Politik hatte er dem Rückschläge von Philippi wesentlich vorgearbeitet.

Statt den unglücksengsten aller Kanzler nachttäg­lich zu preisen, sollte man lieber alle Kraft einsetzen, um die Nachwirkungen der falschen Blockpolitik voll­ständig zu überwinden.

Deutsches Reich.

** Berlin, 7. Sept. 1913. Am nächsten Freitag werden die Ausschüffe deS Bundesrats ihre Arbeiten wieder aufnehmen. ES treten zunächst die Ausschüsse für Zoll« und Steuerwesen und für Handel und Ver­kehr zusammen, um die vom Reichsschatzamt inzwischen ferliggestellten Ausführungsbestimmungen zum Reichs­stempelgesetz zu beraten. — Das neue preußische WohnungSgesetz, das schon seit geraumer Zeit fertiggestellt und auch schon veröffentlicht ist, soll dem Landtag zu Anfang des nächsten Jahres zugehen. — Der Minister des Innern v. D a 1 Iw i tz ist vom Urlaub zurückgekehrt. — Der Alldeutsche Verbandstag begann am Sonntag in Breslau. — Der Reichs­verein liberaler Arbeiter und Angestellter ist in Halle zu seinem ersten Delegiertentag zusammen­getreten. i

** Kaiser Wilhelms Besuch in Oesterreich. Kaiser. Wilhelm wird gegen Mitte Ottober dem Erzher­zog Franz Ferdinand einen zweitägigen Jagd­besuch auf Schloß Konopischt abstatten und sich von dort zu eintägigem Besuch des Kaisers Franz Jo­seph nach Wien bezw. Schönbrunn begeben.

Der Wehrbeitrag der Buudesfürsten. Seit dem Zustandekommen des Wehrbeitragsgesetzes beschäftigt sich die öffentliche Meinung mit der im Reichstag' die Ehe gebracht hatte. Nein — zu irgend einer Be­fürchtung nach dieser Richtung hin lag absolut kein Grund vor — die Grundvesten der wirtschaftlichen Lage seiner Familie konnten nicht dadurch erschüttert' werden, daß während des verhältnismäßig kurzen Zeitraumes von zwei Jahren das Wirisgeschäft nicht mehr so wie früher florierte! Da war es auch nicht denkbar, daß ihn die Mutter deshalb fo dringend ge­beten hatte zu kommen, um, wie er anfangs befürchtet hatte, betreffs einer Verminderung der ihm noch zu Lebzeiten des Vaters zugebilligten Monatssumme mit ihm Rücksprache zu nehmen! Wahrscheinlich war die Mutter in irgend einen Rechtshandel verwickelt wor­den und gedachte, Peinlich sparsam, wie sie war, von ihm und seinem Wissen als angehendem Rechtskundi­gen zu profitieren! Na, man zu — wäre ja ganz nett, wenn er sich hier in seinem Berufe die ersten Sporen verdienen konnte!

Aber Donnerwetter — das hatte er ja ganz ver­gessen —; er wollte doch mit den beiden Mädels iit den Gatten gehen' Die waren jetzt schon längst dor­ten! Ach — die konnten auch ohne ihn feststellen, ob' der Sturm ein paar Birnen von den Bäumen ge­schüttelt und ob der Hagel die Spaliettrauben be­schädigt hatte! Aber würde das nicht anssehen, als ginge er dem niedlichen Klärchen absichtlich aus dem' Wege? Nein — das ging nicht! Offenes Visier war von jeher seine Parole! Bildete sich die Kleine von der früheren dummen Geschichte her noch irgend etwas ein, dann war es am besten, wenn er pe aus allen Illusionen kräftig herausriß unb ihr klar mai>e ----doch mit welchen Worten und in welcher Weise? Schonend mild oder von oben herab gleich­gültig, als lege er dem, was geschehen, keinerlei Be­deutung bei? Das Letztere auf keinen Fall — nicht nur, weil diese Att, sich herauszuziehen, seinem gan­zen Empfinden widersprach, sondern auch, weil das seltsame Gefühl sich wieder in ihm regte, das ihn schon einmal heute Nachmittag auf dem Wege nach dem Dorfe beschlichen hatte — es kam wieder über ihn wie Wehmut um ein verlorenes reines Glück, wie aus weiten Fernen klingende Glockentöne, die ihn mahnten, die an feinem Wege blühende blaue Wun­derblume ausznneymen und für immer zu bewahren.-'

v* (Fortsetzung folgt.)