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2. Blatt.

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Zuldaer Leitung. »

):( Konfessionelle und inter­konfessionelle Jugendpflege.

Verschiedene Ereignisse der letzten Zeit haben es angebracht erscheinen lassen, Klarheit darüber zu ver­breiten, welche Stellung unsere konfessionellen, katho­lischen wie protestantischen Jugendvereine, zu den interkonfessionellen Turn- und Sportvereinigungen entnehmen sollen. Ein Artikel in Nr. 11 der „Wacht", Zeitschrift für katholische Jugendvereine, gibt interes­sante Einblicke in die Anschauungen, welche die „Deutsche Turnerschast" über konfessionelle Jugend­vereine vertritt:

„Ob unsere Mitglieder gleichzeitig der Deutsche» Turnerschast angrhören können, ist bisweilen gefragt worden.

Der Vorsitzende der Deutschen Turnerschast, Herr Sanitätsrat Dr. Goetz in Leipzig, ist offenbar der An­sicht, daß das ganz ausgeschlossen ist. Sonst würde er nicht in so unglaublicher Weise über dir Arbeitsweisr «nseres Verbandes herfallen, wie er es in Nr. 32 der .Deutschen Turnerzeitung' tut.

Er teilt dort die gesamte deutsche Menschheit in vier Klaffen ein: 1. Turnerschaft, 2. Pharisäer, 3. Nörgler, t. Philister. — Nr. 2 soll uns angehen. Er schreibt da zornentbrannt: „Auf der einen Seite sind es die Leute, die von einer frischen, frohen und freien Jugenderziehung nicht? wissen — die diese nur in konfessionelle Bahnen zwingen wollen — Pharisäer mit Sünden, genau wie in allen menschlichen Kreisen, — Leute, die nichts von freier Männlichkeit, von Männerstolz nach oben und unten wiflen wollen und in äußerlichen Formen die Frömmigkeit suchen!”

So, nun wißt ihr, was eure große, schöne Jugend­bewegung in den Augen des Leiters der Deutschen Turnerschast ist: Pharisäertum!

Ein paar Seiten vorher steht in dem genannten Blatt zu lesen: „Wir (d. h. wir Deutsche) müssen unsere Jugend vertrauensvoll zu den Turnvereinen in die Schule schicken." — Was die Herren sich wohl einbilden! Wo­her sollen wir daS „Vertrauen" zu dieser „Schule der Turnvereine" nehmen, wenn deren Leiter uns mit so ausgesuchten Beleidigungen behandelt?

Uns scheint jedenfalls gerade heute mehr „freie Männlichkeit" und mehr „Männerstolz" dazu zu gehören, um konfessionell als um interkonfessionell zu sein. Das dürfte auch Herr Dr. Goetz wissen. Und die Redensart von den „äußerlichen Formen" der Frömmig- leit hätte er wohl hübsch beiseite gelassen, wenn er sich etwas intensiver mit der Praxis der katholischen Jugend­vereine befaßt hätte.

Der genannte Herr, der gleichzeitig zweiter Vor­sitzender des Jungdeutschlandbundes ist, veröffentlicht im Jungdeutschlandbund' vom 1. August eine Kundgebung, in der es heißt, daß alle Verbände, die an der „körper­lichen und sittlichen Ertüchtigung der deutschen Jugend in vaterländischem Geiste" arbeiten, „Schulter an Schulter stehend eine starke Phalanx im Kampf um die Jugend" bilden sollen! Schön gesagt. Aber alle derartigen Einig, keitsrufe sind im Munde eines Mannes, der einige dieser zur Einigkeit auf gerufenen Verbände in der oben be­schriebenen Weise verhöhnt, einfach wertlos.

Und wir wollen es auch keinem Menschen verwehren, unS ehrlich zu hassen, wenn er das für notwendig hält. Aber man wird damit zu rechnen haben, daß — gering gerechnet — ungefähr ein Drittel des deutschen Volkes hinter unseren Grundsätzen steht."

Die Förderer der konfessionellen Jugendpflege tun gut daran, neben einer sorgfältigen Beachtung der staatlichen und komnrunalen Jugendpflege, die schon an den verschiedensten Stellen die wunderlichsten Blüten der allbekannten preußischen Imparität her­vorgebracht hat, erhöhte Aufmerksamkeit dem Leben und Treiben in den deutschen Turnvereinen und, wie wir hinzufügen möchten, dem Vorgehen des von der Goltzschen „Jungdeutschlandbundes" zu widmen. Denn gar sonderbar ist mancherorts das Verhalten des „Jungdeutschlandbundes". In Essen-Stadt und -Land tritt der örtliche Vertreter dieses Bundes, ein früherer Bürgermeister, als eifriger Werber für die Jugendabteilungen der gelben Werkvereine auf. Da drängt sich wohl von selbst die Frage auf: Wie wur­den die von Staatswegen für die Jugendpflege aus­geworfenen Gelder in unserem Bezirke verteilt, und an wen kamen die von Stadt und Kreis 'bewilligten Mittel zur Verteilung?

totales.

Fulda, 6. September 1913.

-st Personalien. Dem Gymnasial-Direktor Prösefsor Dr. Köhler ist die Direktion des Gymnasiums in Hersfeld übertragen worden. — Gerichts - Assessor Dr. Mende in Berlin ist zum Amtsrichter in Frank­furt a. M., der Vertreter des Oberstaatsanwalts bei dem Oberlandes-Gerichte in Königsberg i. Pr., Ersten Staatsanwalt Dr. Kölle, zum Ersten Staatsanwalt bei dem Landgerichte in Kassel ernannt worden.

Unpolitische Zeitlaufe.

Ä. Berlin, 4. September 1913.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Der schöne Nachsommer und sonstige Umstände hatten mich noch einmal an die Meeresküste gelockt, und zwar diesmal an die Ostsee. Als ich da eines Abends friedlich saß und über die Unendlichkeit des Weltmeers nachdachte, kam eine Mücke geflogen und eine zweite, eine dritte, eine Unmasse Mücken. Ta­schentücher heraus! Es wurde geschwenkt und gewe- delt mit den Weißen Fähnlein, als wenn alle Leute ihre Schwiegermutter in den Eisenbahnzug gesetzt hätten. Rufe der Entrüstttng und des Spottes. Flucht in die Wohnungen und die Gasthäuser, Verramme­lung der Fenster und Türen, Auslöschen des Lichtes, Räuchereien, Anwendung von Nelkenöl, Salmiak und sonstigen angeblichen Heil- und Hilfsmitteln. Und eine alte Frau, die in dem Mückennest geboren war,, sagte mir im Vertrauen: „Da hilft nichts, als aus­halten- der Mensch lebt länger als die Mücke." Ich aber sagte: „Mutter, Sie sind noch von der alten Welt, sonst würden Sie sich einen Glimmstengel an- Sben; denn der Rauch aus meinem Mund besorgt

Mückenschwund."

Ich saß behaglich im Dunstkreis meiner Zigarre; aber die Mitmenschen taten mir doch leid, namentlich die vom zarten Geschlecht, die trotz des Taschentuchge- wedels jämmerlich zerstochen wurden und teilweise aussahen als angehende Pockenkranke. Und dabei empfand ich Bewunderung für die tapferen Leute, die in die Kolonien gehen.' Ach, die allerärgste Mü- ckenplaae in Deutschland ist doch nur ein harmloses Kinderspiel gegen die peinigenden Moskitos und all die tropischen Fliegen- und Mückensorten, die einem das Sumpffieber, die Schlafkrankheit und sonstige Seuchen einimpfen. Danken wir dem Himmel für die gnädige Strafe, die uns in unscrm Mückenzeug zu­teil wird und zollen wir Anerkennung den wagemuti­gen Pionieren der Kultur, die auch den Kampf mit -iestnn Msaen Kleinzeug nicht scheuen-

Aus Gberheffen u- den heff. Remtern.

* Großseelheim, 2. Sept. 1913. Hier sind etwa 40 Kinder an den Masern erkrankt.

# Neukirchen bei Ziegenhain, 5. Sept. 1913. Dem . Schäfer Seb. Schnell im benachbarten Orte Schrecks­bach ist das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze ver­liehen worden. Gleichzeitig wurde ihm aus Anlaß seiner langjährigen Dienstzeit bei der Familie Stein­metz ein von dem Vorstande der Landwirtfchaftskam- mer in Kassel ausgefertigtes Ehrendiplom ausgehändigt.!

I der letzten Renovation des Domes von unten her I aufgebaut, sondern eS wurde das freitragende System I gewählt, wie es z. B. bei Eisenbahnbrücken ange- I wandt wird. Wie wir hören, wird die große Kuppel I nicht bloS abgestaubt, sondern soll einen Neuanstrich I erhalten, da der alte Anstrich verwittert ist und durch eingedrungene Näffe abbröckelt. Auch die Erneuerung

I des FußbodenbelagS durch Steinplatten wird I gegenwärtig wieder fortgesetzt. Bekanntlich wird in I jedem Jahre diese Arbeit ein Stück weiter geführt. I Der größte Teil des DomeS ist bereits mit neuen I Sandsteinplatten versehen. Jetzt ist man dabei, den I Fußbodenbelag am südlichen Eingang zu erneuern. I Die Arbeit wird wieder durch Steinhauermeister Schreiner-Neuenberg ausgeführt, der den Alleinver­trieb der zur Verwendung kommenden Sandsteinplatten für den hiesigen Platz besitzt.

-X- Vom Bahnhofserweiterungsbau. Die Pla­nierungsarbeiten auf der Strecke von Edelzell bis nach Bronnzell zu, sind in letzter Zeit rasch vorwärts ge­schritten. Anfang der kommenden Woche soll das jetzige Hauptgeleise in jener Gegend streckenweise ver­legt werden. Bei der Edelzellerbrücke ist die Verlegung der Rundeisen für die erste Oesfnung der neuen Brücke bedeutend vorgeschritten; der letzte Pfeiler die­ser neuen Brücke soll voraussichtlich bis Ende der näch­sten Woche fertig gestellt sein. Diese Brücke wird teil­weise mit einem hohen Eisen-Aufbau versehen sein. Auch die Erbauung der Brücke an der Künzeller- | straße ist der Firma Weiß und Frehtag in Frankfurt a. M. übertragen worden. Eine in nächster Nähe auf­gestellte Mischmaschine liefert bereits die für die zwei in Angriff genommenen Pfeiler die nötige Betonmasse. Die Zahl der kleineren Transportmaschinen ist in letzter Zeit um mehrere vermehrt worden.

(::) Winter-Fahrplan. Man schreibt unS: „Wie auS Nr. 204 dieser Zeitung zu ersehen ist, wird auch im kommenden Winter der Schnellzug D 204 in Fulda nicht halten. Dieser Zug könnte aber sehr leicht für Fulda und alle anderen zwischen Bebra und Elm liegenden Stationen nutzbar gemacht werden, wenn der jetzt in Fulda um 256 nachts ab­gehende Personenzug nicht in Neuhof überholt, son­dern soviel früher gelegt würde, daß er vor dem v-Zuge in Elm einträfe. Es wäre dann in Elm der Uebergang aus den v-Zug möglich gemacht und man könnte bereits um 506 in Frankfurt sein. Vielleicht genügt dieser Hinweis, um die Eisenbahn-Verwaltung zu veranlassen, noch nachträglich diese Aenderung im Winter-Fahrplan eintreten zu lassen."

B. Gesellenprüfung für Schneider. Am 6. Oktober d. I. findet eine Gesellenprüfung für Schneider in den Kreisen Fulda, Hünfeld und Gersfeld in Fulda statt. Anmeldungen hierfür sind spätestens bis zum 30. d. M. an den Vorsitzenden der Prüfungs-Kom­mission, Herrn Georg Bolender in Fulda, einzu­reichen.

-T- Einen stenographischen Anfängerkursus veran­staltet, wie alljährlich, jo auch in diesem Jahre der Stenographenverein Stolze-Schrey. Was die praktische Verwendbarkeit der Stenographie be­trifft, so sei darauf hingewiesen, daß jeder nach ge­nügender Hebung mit der Stenographie 4 bis 6mal so schnell schreibt, als mit der Kurrentschrift. Wer soll nun stenographieren lernen? Jedermann. Man ist zur Erlernung der Stenographie weder zu jung, noch zu alt. Der Schüler braucht sie zur Erleichterung seiner Arbeiten, ebenso jeder Gelehrte. Der Geschäfts­mann, der Handwerker, die Hausfrau benutzen die Kurzschrift zu Notizen, die dem Auge des Un­eingeweihten ein Geheimnis bleiben, der strebsame I Arbeiter zu seiner weiteren Ausbildung, zumal da ein I gut angelegtes Stenographiesystem zugleich sprach- I bildend wirkt. Völlig unerläßlich ist die Stenographie I für den Kaufmann. Zur Erlernung der Steno- I graphie bietet sich durch den Kursus' (siehe Inserat) I gerade jetzt an den kommenden Winterabenden die I beste Gelegenheit. Durch den Anschluß an den Steno- I graphenverein ist eine gediegene Weiterausbildung in I der Kurzschrift verbürgt.

S Arbeitsjubilar. Heute kann der Vorschloffer I a. B. Johann Hartmann hier aus eine 25jährige I Tätigkeit in der Eisenbahn-Hauptwerkstätte Fulda I zurückblicken. Er wurde durch die üblichen Geschenke I geehrt.

-t- Bewußtlos aufgefunden wurde gestern vormittag I kurz nach 11 Uhr in der Unterführung auf dem I hiesigen Personenbahnhof der Schneiderlehrling I G. Heil aus Hettenhausen. Nachdem ein herbeige- I rufener Arzt sich seiner längerer Zeit ohne Erfolg an- I genommen hatte, wurde der Bewußtlose durch Mit- I glieder der Sanitätskolonne nach dem Landkranken- I hause überführt.

E Manöver - Unglücksfall. Gestern wurde ein I Soldat vom Infanterie-Regiment Nr. 115 aus dem I

Amt Geisa und Umgebung.

a Geisa, 5. Sept. 1913. Die großherzog l. Bezirks direktion richtet an die Bevölkerung einen Erlaß, wonach infolge der nassen Witterung in diesem Jahre das sogenannte Mutterkorn in den Aehren des Kornes sich häufig vorfindet. Das Mutterkorn ist giftig und erzeugt beim Menschen bei dauerndem Genüsse die Kriebelkrankheit, welche bis zum Absterben einzelner Glieder an Händen und Füßen führen kann. Es wirkt auch beim Vieh schäd­lich, indem es Verwerfen verursachen kann. Das Mutterkorn ist größer, aber leichter als die mehl­reichen Kornkörner und deshalb leicht durch Sieb und Wind aus dem Erdrusch zu entfernen. Es ist die Verwendung jedes mit Mutterkorn versetzten Saat­gutes zu vermeiden, da dasselbe zur Zeit der Roggen­blüte neue Sporen erzeugt, die durch die Luft wieder in die Getreideblüten gelangen. Es fällt aber auch leicht vor der Ernte aus und wuchert auch auf ver­schiedenen Gräsern; letztere wären ebenfalls zu ver­tilgen. Das aus dem Korn ausgeschiedene Mutter­korn kann durch Verkauf an Apotheken und Drog enhandlungen verwertet werden, bei denen es zu medizinischen Zwecken Verwendung fin-

* Vacha, 5. Sept. 1913. Vom 1. Januar 1914 ab wird der Gemeindebezirk Unterbreizbach aus dem Standesamtsbezirk Pferdsdorf bei Vacha aus­geschieden. Vom gleichen Zeitpunkt ab wird für den Gememdebezirk Unterbreizbach ein besondere- Standesamt errichtet. \

♦ Kaltennordheim, 4. Sept. 1913. Gestern traf der Präsident der Spezialkommisfion in Begleitung mehrerer anderer Herren hier ein. Sie begaben sich nach Klings und Fischbach, wo zurzeit separiert roirb.1 Eine Anzahl Geometer sind daher schon Wochen in den Fluren Klings und Fischbach tätig, um die kultur- technischen Arbeiten zu erledigen. — Der Bullenhalter und Landwirt Gustav Marschall wurde von dem Gemeindebullen schwer verletzt. Als er dem Tiere Futter geben wollte, drang dieses plötzlich auf ihn ein und drückte ihn mit großer Gewalt gegen die Wand, wodurch er schwere innere Verletzungen! davontrug, an denen er zurzeit in sehr bedenklichem) Zustande darniederliegt. ’

zermürbend, lähmend und erschöpfend wirken. Die Sfimmung sinkt immer tiefer und tiefer, die Tatkraft schwindet, man hat keine rechte Lebens- und Arbeits­lust mehr. In dieser Verdrossenheit wird der Mensch leicht launig, und sein launisches Wesen stört noch weiter die häusliche Gemütlichkeit und den geselligen Verkehr. Jeder Aerger erzeugt wieder Hfte Reche von neuen Aergernissen. Das UnglüL ist da, und wenn man genau nach der Ursache forscht, so findet man keinen ernsten, schweren Schlag, sondern nur eine Portion von Mückenstichen des Schicksals. Es ist schon vorgekommen, daß Leute, die unter" kleinen Un­annehmlichkeiten versauern und versumpfen wollten, gerettet wurden durch eine schwere Heimsuchung, die ihre Aufmerksamkeit von den kleinen Alltäglichkeiten ablenkte und ihre Tatkraft wieder weckte. So kann z. B. die Krankheit des Kindes oder der Frau das verkümmerte Familienleben in frischen Aufschwung bringen, und ein empfindlicher wirtschaftlicher Scha­den kann den träge gewordenen Geschäftsmann mit neuern Eifer und frischem Unternehmungsgeist erfül­len. Wer klug ist, der wartet nicht auf eine solche Schicksalskur, sondern rafft sich selbst auf aus der Mattigkeit und Verdrossenheit, in die ihn die Mü­ckenstiche der alltäglichen Unannehmlichkeiten ver­setzen wollen. Ich werde mich doch von solchen Klei- nigkeiten nicht unterkriegen lasten, und wenn sie auch zu Häuf kommen! Immer den Kopf hoch, das Herz frisch und die Hand fix! Die trüben Stimmun­gen lassen sich nicht durch Grübeln oder Klagen besei­tigen, sondern am besten durch fleißige Arbeit, wobei man auch das Wort von den sauren Wochen und frohen Festen gelten lassen darf. Wer fleißig seine Werkstunden ausfüllt, der darf sich auch gemütliche Feierstunden gönnen. Mehr Freude! ruft Bischof v. Keppler den Christen zu. Er meint natürlich nicht die Wirtshaus- und Tanzbodcnfreudcn, sondern den wirklichen Frohsinn im gemütlichen Familien- und Freundeskreise. Nicht aufregend, sondern beruhigend muß der Genuß des Feierabends und des Sonntags wirken. Die gute Laune soll sich der Mensch zu er­halten suchen; die hilft gegen die Mückenstiche, die im irdischen Jammertale unvermeidlich sind.

Beulen an ihren Herzen beibringen können. Wissen sie, wie viel Unheil sie anrichten? Einige handeln mit bewußter Bosheit, andere sind zu dumm, um die Tragweite ihres Geredes zu ermessen. Aber leider wird dadurch die Wirkung des Giftes nicht vermin­dert.

Am schlimmsten sind die Mücken, welche schwere Krankheiten übertragen. Auch diese finden ihres gleichen unter dem Menschengeschlecht. Das sind die Leute, welche verführerische Reden führen) nament­lich der Jugend gegenüber. In den Werkstätten, in den Wirtshäusern, auf den Arbeitswegen usw. schwir­ren diese Mücken umher, die ihr Gift durch das Ohr ihrem Opfer einspritzen. Da wird der Glaube und die Frömmigkeit heruntergerissen, der liebe Gott selbst geschmäht und verleugnet; da werden schlüpfrige Re­den geführt, schmutzige Witze gerissen, Anleitung zur Unsittlichkeit gegeben. Lauter Gift, das den Hörern eingeimpft wird. Wer eine sehr gesunde und starke Seele hat, kann mit Gottes Hilse die Giftstiche über­winden; aber wie viele werden heillos durchseucht von den seelischen Krankheitsstoffen, die ihnen im Verkehr mit bedenklichen Kameraden eingespritzt werden. Der' artige Verführungsmücken bilden die Tirailleure des Teufels. Einige handeln so mit bösartigem Ziel­bewußtsein, andere aus Leichtsinn und Unvorsichtig­keit. Um nicht zu dem Schwarm der unbewußten Höllenmücken zu geraten, muß man die Zunge ju beherrschen wissen, besonders wenn jüngere und scho­nungsbedürftige Mitmenschen in Hörweite sind.

Der Verzweislungskampf gegen die Mückenplage erinnert auch noch an eine andere Erscheinung im Menschenleben. Man sieht kräftige Männer und opfermutige Frauen, die im Kampfe gegen große Un- gtücksfälle und in schweren Heimsuchungen sich vor­trefflich, ja heldenhaft bewährt haben, aber dann un­ter den fortgesetzten Stichen kleiner Sorgen, Aerger- nisse, Verdießlichkeiten usw. zusammenklappen. Sie gleichen dem Tropenjäger, der Löwen und Tiger glücklich erlegt hat, aber unter dem Fliegengeschmciß dahinsiecht. Ach ja, das menschliche Leben ist eine ewige Mückenplage. Die Kleinigkeiten, die Masse der alltäglichen Störungen und Enttäuschungen, können

Manövergelände per Bahn nach Gießen in dar Gar­nison-Lazarett überführt. Durch Sturz hatte er sich einen Beinbruch zugezogen.

-y- Die neueste Talelfreude. Auf dem Buttermarkt wurden heute die ersten diesjährigen gerupften Gänse in großer Zahl zum Verkauf feil geboten. Ein Be­weis, daß Re Zeit der „gut gebratenen Gans" heran­gerückt ist. Der Preis, 70 Pfg. per Pfund, kann nicht als allzuhoch angesehen werden. So war auch der Vor­rat heute früh bald vergriffen.

f Tas Oktoberfest wird der hiesige Bayernverein am 21. September im Etadtsaale feiern. Wenn man daß Programm ansieht, glaubt man sich wahrlich auf die Therestenwiese nach München versetzt. Mehr kann dort beim Ur-Oktoberfest auch nicht geboten werden. Es gibt u. a. Vorträge deS evangelischen Männer-GesangvereinS mit 70 Mann, deS Männer-Quartetts Fulda 1912, eines Original-Humoristen neuerer Schul», eines Damen-Quar- tetts in LandsmannStracht und eines Doppelquartetts der Bayern. Artilleriemusik wechselt ab mit Zither- und Gittarespiele. Auch die sonstigen Zutaten eines Oktober« festes fehlen nicht.

** Die Liliputaner, die kleinsten Schauspieler der Welt, werden am Dienstag in den Stadtsälen gastieren. ES geht der Truppe, deren Mitglieder 88, 90, 99 Zenti­meter groß sind, ein guter, künstlerischer Ruf voraus.

— Ein interessante» Fußballspiel stellt der Erste Fuldaer Fußballklub „Borujsta" für morgen nachmittag in Aussicht. Die Borussiamanuschaft wird mit der Union-Düsfeldorf, dem ^..-Meister im Westdeutsch. Spiel­oerband, einer der besten Mannschaften im Rheinland, kämpfen. Die Leistungsfähigkeit der Union geht u. a. auS dem Umstande hervor, daß sie in der vergangenen Saison bei den Schlußspielen um die Meisterschaft Sieger wurde gegen das wohl auch hier gutbekannte Marburg mit 7:0 Toren. Marburg ist zurzett unser hessischer Kreismeister.

(!) Die Viehzucht im Kreise Fulda. Im Jahre 1912 hat für die Landwirtschaft treibende Bevölkerung des Kreises Fulda die Viehzucht eine besonders wichtige Rolle gespielt. Die mißratene Ernte hat nämlich viel­fach die Landwirte veranlaßt, daS sonst unbrauchbare Getreide als Viehfutter zu benutzen. Sie haben dies mit Erfolg getan und haben dergestalt über keinen Verlust zu klagen. Sie erzielten höhere Preise für Fettvieh und werden auch in diesem Jahre höhere Einkünfte ans dem Viehstande haben. Bei der Vieh­zählung am 2. Dezember 1912 sind gezahlt worden: 3732 (gegen 3474 im Vorjahr) Pferde, 33655 (27309) Stück Rindvieh, 2583 (3199) Schafe, 22693 (21477) Schweine. Die Pferde haben sich also um 258, die Rindviehstücke um 6346, die Schweine um 1216 ver­mehrt, dagegen haben die Schafe wiederum um 616 abgenommen. Außerdem wurden in 1912 gezählt 3692 Ziegen, 73 630 Stück Federvieh und 3198 Bienen­stöcke. Es ist erfreulich, daß im Kreise Fulda demnach fast auf jeden 12. Landbewohner ein Bienenstock ent­fällt.— Was die Rindviehzucht-Verhältnisse an­langt, so wird diese durch einen besonderen Fonds gefördert. Dieser Fonds zur Förderung der Rindvieh­zucht hatte im Rechnungsjahre 1911 eine Einnahme von 1120 Mark. Für Prämien wurden daraus 879 Mark ausgegeben. Das Kapital betrug am Schluffe des Rechnungsjahres 9937 Mark. Von der Gemeinde Neuenberg wurde das Kaufgeld für den letzten vom Kreise beschafften Bullen zurückgezahlt. In dem diesjährigen Kreisausschußbericht heißt es schließlich: Die von Einzelnen angestrebte Aufstellung von Kreuzungsbullen widerspricht allen Grundsätzen der Züchtungslehre und würde die junge Zucht ruinieren. Die Simmentaler Viehzucht ist hier vorherrschend; daneben findet schwarzbuntes Niederungsvieh, besonders auf den größeren Gütern und in der Nähe der Stadt Fulda immer mehr Eingang.

-T- Eine Erhöhung der Veteranenbeihilfe« von 120 auf 150 Mark ist bekanntlich ab 1. Oktober vorge­sehen. Jeder Veteran, der bisher die Beihilfe bezog, wird ohne weiteres in den Genuß der Erhöhung treten. Am 1. Oktober treten auch die neuen Gesetzes­bestimmungen über die Leistungen von vierteljährlichen Beihilfen an Witwen verstorbener Veteranen in Kraft.

!! Durch ausländische Lotterieunternehmer wer­den, wie uns die Staatsanwaltschaft in Kassel schreibt, auch jetzt noch Tausende geschädigt. Trotz aller War­nungen, trauen noch immer viele den ausländischen Versicherungen, daß die Beteiligung an Spielgesell­schaften und der Erwerb von Lospapieren gegen Mo­natszahlungen besonders günstige Gewinnaussichten böten. Dies ist unrichtig. Die Spieler müssen, wenn sie auf Monatszahlungen kaufen, wucherisch hohe Preise zahlen; spielen sie als Mitglieder von Losgesell­schaften, so erhalten sie von Gewinnen nur den hun­dertsten (oder fünfzigsten) Teil. Sie setzen sich aber auch der Strafverfolgung aus, fofern durch Bildung von Losgesellschaften usw. unerlaubter Weise eine Lot­terie veranstaltet wird. Bei der Staatsanwaltschaft Kassel lausen Verfahren besonders gegen die in der Presse schon oft genannten Cornrnerce- und Credit- bank (auch Effekten-Abteilung oder Inkasso-Abtei­lung), weiter gegen die Allgemeine Centralbank, All­gemeine Volksbank, (auch Institut Merkur), Deutsche Effektenbank, Spar- und Vorschußverein (auch Hol­ländische Kredit- und Obligationenbank,) alle in Am- ’terbam; ebenso gegen die Zentralbank in Arnheim und Firmen in Kopenhagen. Wer mit solchen Firmen schlechte Erfahrung gemacht hat, würde im Interesse der Allgemeinheit handeln, wenn er hiervon der Staatsanwaltschaft Kassel Mittei­lung machen wollte. Zur Aufilärung etwa hervor­getretener Mißverständnisse sei hierbei darauf hinge­wiesen, daß die dänische Kolonial- und die Ungarische Klassenlotterie nichts mit ausländischen Schwindel- I Unternehmungen zu tun haben. Das Spielen ihrer I Lose ist aber in Deutschland, abgesehen von Hamburg, überall strafbar; schon viele Spieler haben zum Teil I recht erhebliche Strafen zahlen müssen.

L- Vom Dom. Bei den Reinigungsarbeiten im Dom I hat sich der Staubaufsaugapparat nicht bewährt. I Der Apparat griff den Anstrich der Wände zu sehr I an, sodaß dieser teilweise abbröckelte. Die Abstaub- I arbeiten werden nun durch Handarbeit von der Firma I Jean Kramer ausgeführt. Die Andreaskapelle und I daS südliche Nebenschiff bis zum Sakramentsaltar ind auf diese Weise schon gereinigt und sehen f ehr I ander aus. Der Staub ist nicht, wie man vermuten ’önnte, ein leichtfliegender, der sich wieder anderswo I estsetzt, sondern er ist fettig-schwer und fällt leicht zur I Lrde. Die Arbeiten werden auf Leitern, die im Haupt- I chiff besonders hoch sein müssen, ausgeführt. Nur n der großen Kuppel ist ein Gerüst notwendig, I das innerhalb dreier Tage von Zimmermeister Fritz I ausgestellt wurde. Das Gerüst wurde nicht, wie bet I

Das ist der schlimmste Feind. Mit den großen Raubtieren wird der Mensch leicht fertig; aber diese kleinen Raubtiere, die ihm das Blut in winzigen Tröpfchen absaugen und dabei vergiften, die sind chwer zu bekämpfen. Da hilft nur das Verstecken hin­ter Moskitonetzen und sonstigen Verhüllungen. Der Mensch in all seiner Größe, Kraft und Weisheit muß die Waffen streck« n vor entern Schwarm rmziger Mücken. Wir nennen uns die Herren der Welt und ind die Opfer des Ungeziefers.

Das niederträchtigste im Denken und Handeln der Mücke ist die hinterlistige Undankbarkeit. Das Tröpf- lein Blut, das die hungrigen Tierchen von uns ver­langen, könnten wir ihnen ja schließlich von unserem Ueberflnß gern opfern. Aber sie gleichen dem Fecht­bruder, der zum Dank für die erhaltene Suppe den Hausflur beschmutzt. Sie sind Blutsauger und Gift­mischer zugleich. Dem Wohltäter setzen sie eine Gift- Pritze. Undank ist der Mücken Lohn. Wollen wir uns »arüber entrüsten? Am Ende summt uns eine er- ahrene Mückenmutter ins Ohr: Gibt es nicht auch Menschen, die ihre Wohltäter schlecht behandeln, die Guttaten benörgeln und verdächtigen, durch hämische, hetzerische, verleumderische Redensarten an dem für­sorglichen Lehrherrn, dem sozial gesinnten Arbeitge­ber aber dem menschenfreundlichen Nachbarn ihr Mütchen kühlen! In der Tat, es gibt Menschen, die jeden Wohltäter als ihren Feind behandeln, weil sie sich dadurch gedemütigt fühlen, daß überhaupt ein Mitmensch in der Sage ist, ihnen etwas Gutes zu er­weisen. Unter solchen Mückenstichen der beschenkten Bosheit hat schon mancher wohltätige Mensch schwer gelitten.

Aber wenn wir auch die Frage der Wohltat und des Undanks beiseite lassen, so finden wir noch genug Stechmücken in Menschengestalt. Der giftige Stachel ist die Klatsch- und Lästerzunge. Da wird fortwäh­rend gepetzt und gehetzt, getratscht und geklatscht, alles Unliebsame aufgebauscht und ausgetauscht; ost geht man geradezu mit Lügen und Betrügen der Ehre bes Nächsten zu Leibe. Diesen Giftzungen macht es Spaß, wenn sie die Mitmenschen aus ihrem Frieden ar;= scheuchen und ihnen recht schmerrhafte Blasen und