5. Blatt
Brack der Salbtet Xcttenbmderei i« 8«lba.
Zuldaer Zeitung.
Vochen.Rundschau.
[:] Fulda, S. September ISIS.
Uster großer Anteilnahme nicht nur des katholi- Ischen Deutschland konnte am letzten Sonntag der baye- rische Ministerpräsident Frhr. v. Hertlrng seinen ,70. Geburtstag begehen. Die gesamte Presse hat an biefem Tage sich mit der markanten Persönlichkeit dieses katholischen Staatsmannes befaßt und Wohl nirgends ist mit der Anerkennung seiner hervorragenden politischen Befähigung und staatsmännischen Tüchtigkeit zurückgehalten worden. Vor allem haben die Katholiken Deutschlands und die Anhänger der Zentrumspartei Frhrn. v. Hertling an seinem 70. Geburtstage die herzlichsten Glückwünsche dargebracht und ihm gedankt für die segensreiche Arbeit, die er in der langen Zeit seiner öffentlichen Tätigkeit zum Wohle der Kirche und des Vaterlandes geleistet hat.
Jnnerpolitische Vorgänge von wesentlicher Be- deutung hat sonst die abgelaufene Woche nicht aufzuweisen. Der Kaiser ist aus der Ostmark nach Schlesien gefahren und in Breslau von der Bevölkerung jubelnd begrüßt worden. Die Posener Kaiser t a g e haben wegen der abstoßenden Haltung der radckalen polnischen Presse einen bitteren Nachgeschmack erhalten, sodaß das gesamte kaisertreue Deutschland sich einig weiß in der schärfsten Verurteilung der Kampfesart der polnischen PrMe und auch bte den Polen freundlich Gesinnten sich ernstlich die Frage vorlegen, ob bei einem solchen Verhalten eines großen Teils der polnischen Reichsangehörigen der Widerstand der preußischen Regierung gegen den Fall der oie Polen bedrückenden ungerechten Aus- ncchmegesetze gebrochen werden kann. Wenn einer Politik der Versöhnung die Wege geebnet werden sollen, dann muß verlangt werden, daß von polnischer Seite nicht jede Verständigung unmöglich gemacht »ab sogar mit Hohn zurnckgewiesen wird.
In H o l l a n d ist in diesen Tagen der Friedenspalast feierlich eingeweiht worden. Denkt man zurück an all die vielen und blutigen Ereignisse, die während seiner Bauzeit fast ununterbrochen die Welt in Angst und Schrecken versetzten, dann wird man den Gedanken nicht los werden können, daß auch in dem eben eingeweihten Friedenstempel der ewige Frieden nicht wird zur Tatsache werden. Die zutage getretene
Kritik, die Haager Bestrebungen seien zwar ein recht nettes, aber vollkommen überflüssiges Spielzeug, ist vielleicht nach dem ungeheuren Blutvergießen der letzten Jahre zu erklären. Ob diese Kritik ihre De- rechtiguna hat, ist eine zweite Frage. Leider Gottes läßt sich der Krieg mit seinen Greueln nicht vollends ausrotten, aber es läßt sich doch diesem und jenem Gemetzel vorbeugen. Gelingt es dem Friedenspalast, in einem Jahrhundert auch nur einen einzigen Krieg mit seinem unsäglichen Jammer und Elend zu verhindern, dann hat er damit schon seine Existenzberechtigung. Bei der Einweihung des Friedenspalastes ist auch das neue Kabinett bekannt gegeben worden. Es ist ein rein liberales, das so zustande kam, obwohl die Liberalen in der Kammer bloß 37 Sitze haben und, um eine Mehrheit zu erreichen, auf die Sozialdemokraten angewiesen sind. Bei den letzten Wahlen haben sich letztere 18 Sitze erkämpft, und erst durch die Bereinigung der Stimmen beider Parteien zusammen ergibt sich eine Mehrheit von 10 Stimmen. Um eine einigermaßen dauernde Mehrheit zu erringen, ist das neue Kabinett gezwungen, in seinem Programm die Punkte hauptsächlich in den Vordergrund zu stellen, in denen sich beide Parteien bea rühren. Wie lange sich das neue Kabinett halten wird, wissen nicht einmal seine Führer.
In Belgien hat sich die Kammer bis zu einer außerordentlichen Sitzung im Oktober, in der das Schulgesetz seiner Erledigung entgegengeführt werden soll, vertagt. Die abgelaufene Session hatte sich über Zwischenfälle der verschiedensten Art nicht zu beklagen. Einer der bemerkenswertesten war der zur Erkämpfung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts ins Leben gerufene Generalstreik.
Auf dem Balkan ist die Demobilisation ruhig vor sich gegangen. Die Entspannung zwischen Bulgarien und der Türkei hat weitere erfreuliche Fortschritte gemacht, und man kann annehmen, daß die direkten "Verhandlungen, zu denen man sich jetzt entschlossen hat, in Bälde eine für beide Teile befriedigende Lösung bringen werden. Die heiß umstrittene Adrianopelfrage wird voraussichtlich mit dem glatten Verzicht Bulgariens auf Adrianopel eine schnelle Erledigung finden. Die Bulgaren ihrerseits werden in Thrazien eine bessere Grenze erhalten, als sie nach dem großen Umschwung, der in ihrer Stellung vorging,
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△ Was kostet ein Krieg?
Länger als ein Jahr sind wir in ständiger Unruhe und Ungewißheit gewesen, und immerfort hat uns die Angst bedrückt, daß der verheerende Brand auf dem Balkan Feuergarben ins alte Europa entsenden werde. Aber jetzt schwindet die Besorgnis, Europa hat wieder Frieden. Das hohe Gut des Friedens lernt man erst bann richtig schätzen, wenn man sich einmal vor Augen führt, was ein Krieg kostet. Marc de Valet behandelt diese Frage im „Echo de Paris" wie folgt:
Es ist behauptet worden, der nächste europäische Krieg werde bloß einige Wochen dauern, weil schon allein die Zahl der ins Feld gestellten Soldaten eine rasche Lösung erheische. Nach Ansicht der deutschen Generäle Blum und Liebert ist diese Behauptung vollständig unrichtig. Die Feindseligkeiten werden einen außerordentlich heftigen Charakter haben und sich offenbar nicht über mehrere Jahre hinziehen, aber sie werden bis zur völligen Erschöpfung des einen Gegners dauern und daher ein ganzes Jahr in Anspruch nehmen.
Die Ländergier wird nicht Beweggrund des nächsten Krieges sein, weil die neuen Gebiete viele Milliarden kosten und daher eine unwirtschaftliche Erwerbung darstellen würden. Bei dem nächsten Kriege" wird es sich um den Einfluß auf die Weltpolitik handeln, den die großen Nationen im Hinblick auf ihre wirtschaftliche Fortentwickelung und ihre moralische Geltung nicht entbehren können.
Was kostet nun ein Krieg, der ein Jahr dauert dttb mit drei Millionen Soldaten geführt wird? Tie Kosten des letzten deutsch-französischen Krieges sind mit 7,50 Fr. pro Tag und Kopf berechnet worden, während Rußland für den Krieg in der Mandschurei eine Milliarde und 330 Millionen, d. i. 12,50 Fr. pro Tag und Kopf verausgabte. Diese Durchschnittsziffer somß angesichts der allgemeinen Teuerung auch der Kostenberechnung des nächsten Krieges zugrunde ge- legt werden. Danach würden die Gesamtkosten sich lauf 13 Milliarden Franken belaufen, wo- jbon ein Achtel, also rund eine Milliarde und 750 Millionen für die Mobilisation in Anrechnung käme.
Wie verhält diese Summe sich zu der deutschen Volkswirtschaft? Das deutsche Volksvermögen wird augenblicklich auf 290 Milliarden Franken geschätzt, sodaß die eben herausgerechneten Kriegskosten nur etwa 5 Prozent des Volksvermögens und etwa 37 Prozent des Jahreseinkommens der deutschen Nation ansmachen würden. Nach Ansicht des deutschen Generalstabsoffiziers Henke könnten die Kosten innerhalb vier bis fünf Jahren wieder hereingebracht werden, weil das Volksvermögen eine regelmäßige söhr- liche Zunahme von drei Milliarden Franken erfährt.
Diese Rechnung muß indes beanstandet werden, weil ein europäischer Krieg die Lahmlegung des gesamten Wirtschaftslebens der kriegführenden Nationen in Handel, Industrie und Landwirtschaft zur Folge haben würde. Das Mobiliarvermögen Europas beläuft sich augenblicklich auf etwa 800 Milliarden Franken in Werttiteln (Aktien, Obligationen, Han- belSeffeften usw.). Die einzige „Deckung" dieser Werttitel ist das gemünzte Metall, speziell das Gold. Den 800 Milliarden Kredittiteln stehen nun aber bloß 37 Milliarden gemünzten Metalles gegenüber, die zwar in normalen Zeiten genügen, aber in Kriegszeiten in den Händen der Privaten zurückgehalten werden. Damit bricht dann die Kreditwirtschaft zusammen, und zugleich sind die Betriebe still gelegt. Dieser Zustand dauert auch nach dem Kriege noch täte Zeitlang an.
Aus all den Erwägungen ergibt sich, daß die Kosten 6e8 nächsten Krieges für Deutschland nicht lediglich 5 Prozent des Nationalvermögens betragen, sondern ganz unberechenbar sein werden. Frankreichs Kriegs- loften werden kaum geringer sein als die Deutschlands. Jeder Schätzung entzieht sich zudem der Schaden am Volksvernwgen und am Volkskörper. - Der nächste Krieg, der hoffentlich nicht sehr nahe ist, wird viel grauenhafter werden, als die tollste Phantasie sich ihn auszumalen vermag, schreibt mit Recht das „Lux. Wort". Haben die Balkankriege sckuq, gezeigt, daß mit Hilfe der modernen kriegstech- gjBegJphttel bte höllischen Orgien organisiert wer
den können, so denkt man nur mit Schaudern an die Wirkungen der in Deutschland und Frankreich mit wissenschaftlichem Raffinement ausgebauten Kriegsmittel, wobei die militärische eine noch nicht absehbare Rolle spielen wird. Sobald eine neue Waffe erfunden ist, beschränkt der Gegner sich nicht darauf, sich dieselbe ebenfalls zuzulegen, sondern er konstruiert auch sofort geeignete Abwehrwaffen. So hat man jetzt u. a. bereits besondere Kanonen zur Beschießung der Luftschiffe und Aeroplane.
Laut einer Meldung des Pariser „Journal" wurde unlängst an der französischen Grenze ein Apparat erprobt, der geeignet erscheint, grundstürzende Umwälzungen, namentlich in der Kriegsmarine und in den Mitteln des Seekrieges hervorzurufen.
Der Erfinder des Apparates, Ingenieur Ulivi, soll mit seinem Apparate auf eine Entfernung von 20 Kilometern Pulverminen zur Explosion gebracht haben, und zwar durch Aussendung von infraroten sogenannten ^-Strahlen. Dir Torpedoboote, die „Zeppeline" und ähnliche metallische Angriffswaffen sind damit, nach Ansicht des „Journal", dem Untergang geweiht, weil sie für den Besitzer zu gefährlit^ werden.
Kl. C. Das Papier rrrrd seine Herstellung.
Eine der unentbehrlichsten Gebrauchsmittel der gesamten Kulturwelt ist heute das Papier. Der Name stammt von der ägyptischen Papyrusstaude, einer Wasserpflanze, bereit Schaft entrindet und von bereit Mark dünne Streifen abgeschnitten wurden, die man in abwechselnden Lagen kreuz und quer unter Zuhilfenahme des Wassers, das den Pflanzenleim löst, übereinanderklebte. Die so gewonnenen Blätter wurden bann getrocknet unb mit einem harten, glatten Gegen- ftanb geglättet. Diese Paphrusbogen, deren Herstellung später von den Griechen und Römern übernommen wurde, bildeten im Altertum den einzigsten Beschreibstoff von praktischer Bedeutung.
Wie so manche unserer heutigen Kulturerrungenschaften, wird die Erfindung des Papiers den Chinesen zugeschrieben, die bereits 100 v. Chr. aus den Fasern des Maulbeerbaumes und Chinagrases Papier zu bereiten verstanden. Fest steht, daß 751 n. Chr. Kriegsgefangene diese Kunst mit nach Persien brachten. Von dort kam sie nach Bagdad, wo am Ende des 8. Jahrhunderts eine stattliche Papierfabrik errichtet wurde, die als Rohmaterial Leinenhadern (Leinenlumpens gebrauchte. Bon den Arabern übernahmen die Mauren die Papierbereitung, die sie gegen 1100 in Spanien einführten und später in Marokko, besonders in Fez, zahlreiche Stampf- und Mahl- Vorrichtungen zum Zerkleinern des Hadernmaterials errichteten. Durch die Kreuzzüge kam die Kunst der Papierbereitung nach Europa. Die Entstehung der berühmten Papiermühle in dem italienischen Städtchen Fabriano ist auf jene Zeit zurückzuführen. In Deutschland entstanden die ersten Papiermühlen in der Zeit zwischen 1250—1300, und zwar in Regensburg, Kaufbeuren, Augsburg und Nürnberg. Mit der Erfindung der Buchdruckerkunst wurde natürlich der Bedarf an Papier größer, was zur Erfindung einer neuen Mahlvorrichtung führte, des sogenannten „Holländers", der quantitativ viel leistungsfähiger war, als die alte Stampfmühle. In der eigentlichen Bapiermacherei blieb vorläufig noch alles beim alten. Erst 1799 gelang es dem Franzosen Robert, eine Maschine zu konstruieren, die den Handbetrieb mit dem Schöpfsieb durch mechanische Einrichtungen ersetzte. 1810 erfand ein Engländer eine Maschine für endloses Papier, die 1816 in Deutschland eingeführt wurde. Dadurch wurde die Papierproduktion außerordentlich gesteigert, so daß bald ein Mangel an Rohmaterial entstand und für Ersatz gesorgt werden mußte. 1840 wurde von Robert Keller das Holz- schleifverfahren einpeführt, das Bölter-May 1860 verbesserten. Sväter wurde Stroh und das afrikanische Wüstengras Esparto zur Papierfabrikation verwendet. Lee und Mitscherlich erfanden 1870 das Verfahren der Gewinnung der Holzfaser auf chemischem Wege, das sogenannte Zelluloseverfahren. Besonders hat sich die letzte Methode entwickelt. Der englische „Zeitungskönig" Lord Northcliffe hat neuerdings auf der Insel Neufundland ein 5500 Quadratkilometer großes Waldgebiet erworben, das der Papierbereitung zum Opfer fallen soll. Er hat mitten in dem Gebiete eine ganze Stadt errichtet, wo die gefällten Bäume zu Holzbrei verarbeitet werden. Der Rohstoff kommt bann nach Gravesend in England, wo
erwarten dürften. Als beunruhigendes Moment tritt der Umstand auf, daß die Bulgaren Gebiete auf dem rechten Ufer der Maritza bis jetzt noch nichts besetzt haben. Schließlich kommt als sehr günstig in Betracht, daß die Forderungen Bulgariens und der Türkei sich nicht mehr weit von einander unterscheiden und wird sich deshalb wohl in aller Kürze das lange erhoffte Einverständnis herbeiführen lassen.
Tie Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko sind noch nicht gescheitert, entwickeln sich aber von Tag zu Tag mehr zu einem äußerst schwierigen Problem. Präsident Wilson zögert noch immer, den provisorischen Präsidenten Huerta, in welchem er den Mörder des Präsidenten Madero, des bekannten ehemaligen Rebellenführers und Anstifters zu vielen Bürgerkriegen, erblickt, anzuerkennen. Huerta hat sicher nicht mehr Blut an seinen Händen kleben, als seine Vorgänger auf dem Präsidentenftuhle und es berührt daher sonderbar, daß der amerikanische Präsident auf einmal in der mexikanischen Politik nach einer Feinfühligkeit und Zartheit fahndet, die in diesem Lande nun einmal nicht vorhanden ist. Wenn Präsident Wilson unter den Bewerbern für die Präsidentschaft Mexikos nur einen Mann dulden will, der nicht Anlaß zum Tode anderer merikanischer Bürger gegeben hat, so wird dieser Präsidentenstuhl, wenn er nicht gerade mit einer absoluten Null besetzt werden sollte, wohl für lange Zeit hinaus leer stehen müssen.
In China ist nach einer Meldung aus Wuhu die Revolution vollends zusammengebrochen. Die Eroberung Nankings ist nunmehr endlich Wirklichkeit geworden, und die Regierungstreuen haben gänzlich von der Stadt Besitz ergriffen. Die ganze Stadt ist vollkommen gesäubert und man hat strenge Maßnahmen getroffen, um einer etwaigen Plünderung vorzubeugen. Die Regierung gilt jetzt im ganzen Jangtsetale als Herr der Lage.
Ausland.
** Staatsverträge für die Volksversammlung. 6200 Bürger der Schweiz haben beim Bundesrat das Verlangen gestellt, sämtliche unbefristeten ober für eine
wöchentlich 1000 Tonnen Papier hergestellt werden. Wie sich die Papierproduktion in den letzten 30 Jahren gesteigeri hat, mögen folgende Zahlen veran- fchanlichen: Deutschland stellte 1875 2 298000, 1906 dagegen 12 805 500 Doppelzentner Papier her. Die europäische Gesamtproduktion stieg in dem gleichen Zeitraum von 7 754 300 auf 44 075 950 Doppelzentner. (Nach Johannsen, die Papierfabrikation.)
Als Rohmcwrial wurden bei der Papierherstellung fast nur Leinenhadern verwendet, daneben in beschränktem Maße noch Baumwollhadern. Nachdem das Tlaterial sortiert und notdürftig entstaubt war, wurde es angefeuchtet in Gruben ober Kellern aufbewahrt, unb fo zur Gärung gebracht. Darauf würbe es in großen Bütten durch auf- und niedergehende Stampfer unter fortwährendem Zufluß von frischem Wasser zerfajert. Diese bünnbreiige Masse kam dann zur weiteren Verarbeitung zu Papierstoff in eine mit einem Rührwerk versehene Bütte. Der „Schöpfgeselle" nahm bam ein flaches, bogengroßes Sieb, unb schöpfte bamit ben Brei aus der Bütte, schüttelte ihn so lange hin unb her, bis alles Wasser abgelaufen ivar unb die Fäserchen sich innig vermischt hatten. Das so entftanbene nasse Papierblatt wurde dann zwischen zwei Filzdeckel gelegt und gepreßt. Dadurch wurde bas Wasser mögWst herausgebrückt. Zum Glätten schichtete man bie noch feuchten Blätter ohne Filzzwiscbenlagl' übeteinanbei unb legte sie nochmals in ben Preßbock. Die fertigen Bogen würben in geheizten Räumen ähnlich wie Wäsche zum Trocknen aufgehängt. Bei ber Herstellung von Schreibpapier kam noch ein weiteres Verfahren hinzu. Die Poren mußten verstopft werben, bamit die Tinte beim Schreiben nicht ausfließen konnte. Man brachte zu biefem Zweck bie Bogen m eine mit Alaun versetzte Gelatinelösung unb trocknete sie bann noch einmal.
Hanbgeschöpstes Papier wird heute nur noch in geringen Mengen hergestellt, weil es zu kostspielig ist. Nur das im Handel als „Büttenpapier" benannte Erzeugnis ist mit ber Hand gearbeitet. Sonst ist an Stelle ber ©anbarbeit bie Maschinenarbeit getreten, bie schon bei bei Verarbeitung des Rohmaterials beginnt. Die Grundlagen zur Herstellung des Papiers sind im wesentlichen dieselben geblieben. Das feinste unb haltbarste Papier geben die Leinenfasern. Tas Rohmaterial wirb zunächst sortiert, bann entstaubt, darauf in kleine Stücke zerschnitten und schließlich nochmals entstaubt. Die so bearbeiteten Hadern kommen darauf in den Lumpen- ober Hadernkocher, einem kugelförmigen ober zylindrischen Gefäß das mit zwei Zapfen in einem Lager ruht unb sich langsam um seine Achse dreht. Durch bie Zapfen, bie hohl sind, wird bie Lauge (Soda ober Kalkmilch) zugeführt. Nach mehrstündigem Kochen werden bie Habern in eine Waschmaschine gebracht unb hier unter reichlicher Wasserzuführung gespült unb dadurch von ben anhaftenben Schmutzteilchen gereinigt. Sodann tritt ber sogenannte „Holländer" in Tätigkeit. Man gebraucht heute fast ausschließlich den Walzenholländer. Es ist dies ein länglich runder Trog mit einer mit stumpfen Messern versehenen Walze, bie sich in bauernber Bewegung befindet. Zwischen dieser Walze unb bem Boden des Troges werden die Hadern durch eine mechanische Vorrichtung so lange hindurchgetrieben, bis sie in ganz kleine Fasern zerrissen sind. Zugleich findet unter Zusatz verschiedener Chemikalien das Bleichen des Stoffes statt. In einer zweiten Maschine, dem Mischhollän- ber, findet das Mischen bes halbfertigen Fabrikates statt. Dem Habernstoff werben verschiedene andere Stoffe, tote Holzschliff, Strohstoff, Zellulose, Esparto zugesetzt, je nachdem, welche Qualität Papier erzeugt werden soll. Zum Schluß wird das Material bann in den sogenannten Ganzzeugholländer gebracht und hier durch Zusatz von weißem Pulver (Ton, Schtoer- spatl geweißt und durch Beimengung von Harzseife, bestehend ans in Soda gekochtem Harz, geleimt. Auch bie etwaige Färbung des Papiers erfolgt im Ganzzeugholländer.
Dieser so verarbeitete Papierbrei wird dann in große Behälter aus Zement oder Beton geleitet unb fließt von hwr aus durch eine Rinne auf bie Form, einem enblofen Metalldrahtsieb, das über zwei Walzen läuft und in fortwährender schüttelnder Bewegung gehalten wird. Daburch verfilzen die Fasern und das Wasser läuft ab. Von der Form läuft die Fasernschicht in die sogenannte „Gautschpresse", bie durch zwei mit Filz bekleidete Walzen gebildet wird. Dabei wird die Papierschicht von der Form abge» hoben. Um bie untere Walze wickelt sich das Sieb unb läuft so nach bem Ausgangsort zurück. Das Papierblatt wird durch mehrere andere mit einem Gummimantel versehene Walzen bis znm zweiten
JVs 206.
öomstag 6. September 1915.
Dauer von mehr als 15 Jahren abgeschlossenen Staatsverträge mit dem Ausland in Zukunft bem Schweizer Volk zur Abstimmung zu unterbreiten, wenn 30 000 Bürger es verlangen, lieber bieses Jnitiativbegehren, bem weder Bundesrat noch Bundesversammlung zustimmen werden, muß Volksab« stimmung ftattfinben.
** Frankreich unb bie Bazdabbahn. Der Londoner Korrespondent des „Echo de Paris" ist der Ansicht, daß Frankreich für seinen Verzicht auf die T e i l- nahme an der Bagdadbahn keine Entschädigung fordern dürfe, weil jede Ausdehnung ber französischen Aktion in biefem Laube auf mächtige Hinbernisse stoßen werbe. Eisenbahnkönzesiionen in Armenien aber könnten Frankreich keine Entschäbigung bieten für bie große Eroberung, bie Deutschlanb mache, in« bem es bie Hanb auf bie Bagbabbahn lege. Wäre es unter biefen Umständen, so meint ber Korrespondent des Blattes, nicht besser, wenn wir in bem Bagdad- unternehmen blieben, sogar auf die Gefahr hin, darin in ber Minberheit zu sein? Diese Minderheit in wirtschaftlicher und politischer Beziehung wäre wahrscheinlich vorteilhafter als der wirtschaftliche Nutzen, den uns armenische Eisenbahnen tragen können. Im schlimmsten Falle wird dabei wenigstens ber negative Vorteil herauskommen, den Schein eines internationalen Regimes der Bagdadbahn zu erhalten und zu verhindern, daß von einer „deutschen Zone" gesprochen wird. Aber indem England auf bie Internationalisierung ber anberen Bahnstrecken verzichtet, hat es bas Beispiel eines allgemeinen Verzichts gegeben, ben es vielleicht noch bereuen wirb.
** Die Statue des Erlösers im Freidenspalast. Der „Osservatore Romano" veröffentlicht einen Artikel, in dem er seiner Befriedigung Ausdruck gibt, daß dem Bilde des göttlichen Erlösers im Friedenspalast im Haag ber gebührende Platz zuteil geworden ist. Die Statue des Erlösers, welcher die Rechte segnend erhebt, während die Linke das Kreuz umfaßt, ist ein Geschenk der Gründerin der südamerikanischen Friedensliga Angela de Costa und eine Nachbildung ber Statue, die "anläßlich des Friedensschlusi 3 zwischen Argentinien unb Chile 1904 auf Initiative der Liga auf den Höhen der Kordilleren an der Grenze ber beiden Sänber errichtet wurde.
Hauptteil ber Papiermaschine, bem Trockenapparat, weiteraeführt. Der Trockenapparat besteht aus einer Reihe "mit Dampf geheizter Kupserzylinder, um bie sich bie Papierbahn wickelt. Zwischendurch muß sie noch bie sogenannte „Feuchtglätte" passieren, zwei Hartgußwalzen, die es glätten und strecken. Nachdem das Papier dann noch über einige Kühlzhlinder gegangen ist, kommt es in das Satmierwerk, mehreren schnell drehenden Hartgußwalzen, und erhält hier ben letzten Schliff. Die letzte Arbeit, die die Papiermaschine vornimmt, ist das Zerschneiden unb Auf- wickeln Von einem Schneidewerk mit kreisförmigen, rotierenden Messern wird die Papierbahn an ben Ränbern glatt geschnitten unb in soviel Einzelbahnen, wie erforderlich, zerlegt.9
Der ganze Weg, ben bas Papier von ber „Bütte" bis zur Schneibemaschine zurücklegt, ist runb 50 Meter lang. Ente Maschine liefert bei 3—4 Meter Bahnbreite in der Minute 120—150 Meter' Papier.
T. Das rechtssremde Publikum.
Eine unserer ständig wiederkehrenden Witzblattfiguren ist der Strolch, der sich mit großem Mutterwitze selbst verteidigt unb bann regelmäßig beginnt mit der Anrebe: „Herr Gerichtshof!" So sinnlos unb unmöglich biefe Anrede auch ist, so kann mau sie doch von Zeit zu Zeit tatsächlich in ben Gerichts- sälen hören. Unb wenn es nicht gerade der „Herr Gerichtshof" ist, so erlebt der Fachmann doch in dieser Hinsicht Wunderdinge. Unter dem „Herr Präsident" tut es überhaupt selten jemand, aber auch „Exzellenz" oder „Herr Geheimrat" ist nicht selten. Und wer Gelegenheit dazu hat, öfter bei Gerichtsverhandlungen zuzuhören, der wird mit wachsendem Erstaunen beobachten, daß unser Volk in den weitesten Schichten sich in einer bedauerlichen Unkenntnis ber einfachsten Begriffe über Gerichtsverfassung unb Prozeßverfahren befinbet.
Die infolge ber Unkenntnis ber Gesetze und ber Rechtsprechung vorhandene Rechtsfremdheit des Publikums hat zur Folge, daß zahlreiche unnütze Stier- tigleiten und kostspielige Prozesse entstehen, die bei besserer Rechtskenntnis vermieden werden können. Die Arbeits- und Nervenkrast und die Kosten, bie auf vermeidbare Prozesse verwendet werden, sind leider noch von keinem Statistiker in Zahlen aus- gedrückt worden; aber man sagt wohl nicht zuviel, wenn man behauptet, daß es sich hier um M i 111 o- nen handelt, die unnütz vergeudet werden. Hinzu kommt noch, daß infolge dieser überflüssigen, Bei besserer Rechtskenntnis vermeidbaren Prozeße unsere Gerichte ständig überlastet sind, und daß Prozesse, die schlechterdings nicht vermeidlich erscheinen, vier zu lange dauern.
Es gibt Leute, die wollen jemanden wegen Betruges verklagen oder einen Kunden, der ihnen oO l'latl schuldet, beim Staatsanwalt anzeigen; unb wenn sie dann klagen ober verklagt werden, sind sie emrüftet, daß der Richter sie nicht selbst ihre Behauptungen beschwören läßt.
Wahrlich man könnte mit noch mehr Berechtigung, als man vom weltfremden Richter spricht, vom rechtsfremden Publikum sprechen. Hand aufs ©cry. Wer kennt den Unterschied zwischen Straf- und Zivilprozeß? Wer weiß, wann man beim Amtsgericht, mann beim Landgericht klagt, ober wie man einen Zahlungsbefehl beantragt? Unb doch sind das nur die allereinfachsten Fragen, die auch für den Rentner, der ohne jede Anfechtung feine Kupons schneidet, iag- lich aktuell werden können. Erfreulicherweise kommt ja jetzt die Beweaung, die sür Staatsbürger- künde in den Schulen eintritt, immer mehr in Fluß und auch Fortbildungs-, Handels- und sonstige Fachschulen legen immer mehr Wert darauf das geltende Recht, soweit es für ihre Zwecke erforderlich ist, in ihren Lehrplan aufzunehmen. Aber auch die altere Generation, die nicht diele Gelegenheit gehabt dar sollte das Versäumte nachholen und sich v.bet oo> Wissenswerteste aus Büchern oder durch uen von Vorträgen unterrichten. Indem_man sim in jedem Zweifelsfalle Belehrung zu vericyastcn sucht, wird man sehr bald unb ebne große Mulle zu einer umfangreichen Rechtskenninis kommen, die vor vielen 'unangenehmen Streitigkeiten, kostspieligen unb, langwierigen Prozessen bewahren wird. Tie caifge^ wandte Zeit wird sich besonders beim Kaufmann ober beim Gewerbetreibenden später immer xx-v./i m bezahlt machen.