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2. Blatt.

vrilck b« zulbarr Aetiendnräerei in §nlba.

r. Fuldaer Leitung. *$*

-JVs 205.

Freitag 5. September 1913.

n’^iir die Rekruten.

Bei den engen Wechselbeziehungen, in denen die Rekrutenfürsorge zu unseren Jugendbestrebungen steht, interessiert weitere Kreise die nachsolgende durch Oberstleutnant Hasse- Aachen vorgetragene Be­gründung des diesjährigen Beschlusses der Katholikeu- versammlung:

Nicht einen Siegeszug, aber doch ein siegreiches Durchringen kann man es nennen, wenn der Ge­danke der Rekrutenfürsorge zunächst als Rekruten­seelsorge gedacht, im Jahre 1905 vom Niederrhein ausgehend, jetzt bis nach Ostpreußen rind Oberschle­sien, im Süden bis nach Tirol Anklang gefunden hat. „1905" sage ich, weil die ersten Anfänge einer Re­krutenfürsorge auf katholischer Seite sehr viel weiter zurückliegen.

So sagt Herr Provinzial Pater Kassiepe auf der Konferenz 1911 in Mainz: „Unsere anwesenden Freunde aus Elsaß-Lothringen wird es interessieren, zu hören, daß in der französischen Zeit vor dem Kriege die Generalbeichte und die gemeinsame Kommunion in der heimatlichen Pfarrkirche nebst Ansprache des Pfarrers fast allgemein üblich war."

Wie dieses unsere katholischen Jugendvereine schon seit Jahren mit gutem Erfolge erstreben, sind bei einer Jugenderziehung Seele und Körper nicht zu trennen, der ganze Mensch muß erfaßt werden. Um es pädagogisch auszudrücken, die Rekrutenfürsorge der katholischen Vereine Deutschlands schreibt die Worte religiös-sittlich mit zwei dicken Bindestrichen und be­treibt im Hinblick auf das interkonfessionelle Verhält­nis der Armee und Marine in den sogenannten Re­krutenvorbereitungskursen die r e l i g i ö s - s i t t l r che Erziehung — hierin einbegriffen sanitär-hygienische Belehrung — als Hauptfach, dagegen Turnen, Schwimmen, militärische Vorträge und etwa Gelände­übungen als Nebenfächer.

In unserem Hauptfach, richtiger: in der Haupt­sache, legen wir uns immer wieder die Frage vor: Wie kann die Bedeutung der hl. Eucharistie für den Soldaten in Friedens- aber auch in Kriegszeiten ge­hoben werden? Tas wäre ein Thema für den näch­sten in Deutschland stattfindenden Eucharistischen Kongreß.

Im Jahre 1912 haben von 80 000 katholischen Re­kruten sich 8000 in Rekrutenexerzitien (im Kloster auf dem Krcuzberge werden Rekruten­exerzitien in den Tagen vom 20. bis 23. September gehalten), auf den Eintritt ins Heer vorbereitet. Wer auch die Zahl derjenigen, welche dies aus dem Wege der hl. Kommunion in der heimatlichen Pfarr­kirche getan haben, ist entsprechend gestiegen.

Bei allem bleibt zu bedenken: durch eine systema­tische Nekrutenvorbereitung wollen wir Gott, der Hci- nat und dem Vaterlande und hierdurch dem Rekruten selbst am meisten dienen, daher heißt es Glaubens-, Wehrfreudigkeit und — was dem Soldaten oft recht nottut — eine wohlverstandene Lcbensfreudigkeit fördern.

Hiermit bin ich am Schlüsse der Begründung des Antrages bei einer dritten Devise mit drei Stellen angelangt. Leider werden die einzelnen Stellen nicht immer richtig bewertet. Unser Kaiser hat sie jedoch in seinem Jubiläumsjahr dankenswert eindringlich und dankenswert häufig uns zugerufen. Schreiben wir sie dem Rekruten, noch ehe er sie äußerlich auf der Helmspitze trägt, tief ins Herz ein:

Mit Gott für König und Vaterland, Mit Gott für Kaiser und Reich.

Lokales.

Fulda, 5. September 1913.

(!) Schul- und Kirchenbauten im Kreise Fulda. Im Kreise Fulda wurden in den letzten Jahren für Schul­neubauten große Aufwendungen gemacht. So ist der Schulhausneubau in Niederbieber im Rohbau vol­lendet und wird in diesen Tagen bezogen werden. Schulhausneubauten werden ferner ausgesührt in Buchenrod, Döllbach, Engelhelms und in dem zur Gemeinde Flieden gehörigen Ortsteil Döngesmühle. Ou den Kosten des Neubaues des Schuchauses in ngelhelms ist gleich wie für Döllbach neben dem Staatsbeitrag von 1ls der Baukosten eine Bei­hilfe von 10000 Mark aus der Gräflich Bose'schen Stiftung erwirkt worden. Zu den Kosten des Schul­hausneubaues in Döngesmühle hat der Staat neben dem gesetzlichen Beitrag von */s der Baukosten eine Staatsbeihilfe von 10 000 Mark gewährt. Für den Schulhausneubau in Vuchenrod sind 17500 Mark bewilligt worden. Am 13. Juni 1912 wurden In 32 Gemeinden des Kreises die Schulhäuser des Kreises von Kommissaren des Kultus- und des Finanzministers einer Besichtigung unterworfen. Die

Kleines Feuilleton.

— Wozu ein Klavier gut sein kann. . . Edison hat einen jungen Hilfsarbeiter, den offenbar der Ruhm seines Meisters nicht schlafen läßt. Er wollte auch etwas erfinden oder entdecken und diese Absicht ist ihm jetzt geglückt' er hat das Geheimnis des — Klaviers entdeckt. Er hat berechnet, wie viel unnütze Zeit die Klavierspieler an dem Marterinstrument zu- brinaen, er hat vor allem die aufgewendete Energie berechnet. Und da sich seine Berechnungen hauptsäch­lich auf die Damen erstreckten, hat er herausgefundeu, daß das Klavier eigentlich der idealste Kochapvarat von der Welt ist. Und erfinderisch wie die Leute um Edison sind, hat er einen kleinen Energietransformator erdacht; diesen Apparat braucht man nur an ein Klavier anzusckließen; er sammelt die Kraft auf, die der Klavierspieler, ob er nun forte oder piano spielt, durchs Behämmern des Instrumentes verbraucht und so kann sich eine Dame getrost ans Klavier setzen und einen Walzer oder ein Wiegenlied spielen, während zu gleicher Zeit der Apparat ein halb Dutzend Pfann­kuchen macht. Mit wahrer Engelsgeduld hat der Ent­decker dieser großartigen Geheimnisses ferner berech­net, daß der Klavierauszug eines Wagnerschen Musik­dramas etwa einem Hochzeitsdiner' entspricht; der Gounodsche Faustwalzer läßt sich ganz famos zu einem Schweiusbraten, das Intermezzo aus Caval- lerie Rusticana zu einer Hammelkeule am Spieß ver­wenden; aber diese Erfindung eröffnet noch viel wei­tere, noch ganz ungeahnte Perspektiven; so kann man ans Klavier auch eine Nähmaschine angliedern; die „Träumerei" von Schumann stopft Strümpfe, „das Gebet einer Jungfrau" bestickt Mützen, der Hochzeits- Erarsch aus Lohengrin näht Baby-Wäsche und was ergleichen wirklich nützliche Dinge mehr sind. Künf­tighin wird man in den Notenbuchhandlungen nicht mehr nach den neuesten Walzern fragen, sondern sich nach seiner Handarbeit richten; der Verkehr zwischen Verkäufer _nnb Klavierspielerin wird sich etwa so ent­wickeln: »Ich möchte heute mittag Numsteak macken.

Vorschläge über die noch in 20 Gemeinden erforder­lichen Schulhausneubauten wurden geprüft. — Was die kirchlichen Bauten anbetrifft, so wird in Kerzell anstelle der alten Kapelle eine neue errichtet. Auch soll die Kapelle in Seit ft einbad) baulich erweitert werden. Die Bischöfliche Kindererziehungs-Anstalt in Maberzell ist durch einen Neubau, der Kapelle und einen Schulsaal enthält, erweitert worden.

= Am Köuigl. Lehrerseminar beginnt am 10. Sep­tember die schriftliche und am 17. September die mündliche Abgangsprüfung. «Der Prüfung werden sich 28 Bewerber unterziehen.

X Was die Landesversicheiungraiistalt im Kreise Fulda leistet. Aus dem soeben im Drucke ersck)ieuenen Verwaltungsbericht der Landesoersicherungsanstalt Hessen-Nassau für das Jahr 19l2 ist zu ersehen, daß im Berichtsjahre zum Bau von Arbeiterwohnungen zusammen 1697890 M an Darlehen zur Auszahlung gekommen sind, davon 30600 M. zu 3,5 Prozent an den Bauverein für den Kreis Fulda. Im Berichtsjahre wurden neu gewährt 217 Altersrenten und sind 482 Krankenrenten, 3618 Invalidenrenten, 140 Witwer- und Witwenrenten und 451 Waisen­renten bewilligt worden. Insgesamt blieben am Schluß des Berichtsjahres zu zahlen: 2012 Altersrenten, 632 Krankenrenten, 25 217 Invalidenrenten, 140 Witwer­und Witwenrenten und 438 Waisenrenten. Die Rentenbewilligunoen infolge der Hinterbliebenenfür­sorge haben gemäß der Reichsversicherungsordnung im Jahre 1912 erst begonnen. Für Fulda-Stadt wurden 1912 ein Antrag auf Altersrente in Höhe von 180 Mark bewilligt. Es waren Ende 1912 für Fulda-Stadt insgesamt noch 19 Altersrenten mit jährlich 3024.20 Mk. zu zahlen. Auch für Fulda- Land wurde im Berichtsjahre ein Antrag auf Alters­rente mit 202.20 M. bewilligt. Es blieben hier Ende 1912 noch 20 Renten zu 3065.40 Mark jährlich zu zahlen. Krankenrenten kamen im Berichtsjahre für Fulda-Stadt neu hinzu 4 zu einem Jahresbetrage von 657 Mark. Ende 1912 blieben noch 8 Kraukeu- reuten zu 1379.60 Mk. zu zahlen. Für Fulda-Land kamen 8 Krankenrenten mit 1425 Mark neu hinzu. Es blieben Ende des Berichtsjahres noch 11 mit 201420 M. jährlich zu zahlen. Invalidenrenten wurden für Fulda-Stadt 1912 neu bewilligt 26 (13 männliche und 13 weibliche Empfänger) zu einem Gesamtjahresbetrage von 4761 SOlart Es blieben in Fulda-Stadt Ende 1912 noch 41250 Mark an 264 Empfänger zu zahlen. Für Fulda-Land wurden 1912 neu bewilligt 71 (58 männl, und 13 weibl.) Invalidenrenten zu 13139.40 Mark. Hier blieben Ende des Berichtsjahres an 417 Empfänger insgesamt 66534.80 M. zu zahlen. Witwenrenten schließlich wurden 1912 für Fulda-Stadt 2 bewilligt; ebenso wurden für Fulda-Land an 2 Witwen zusammen 154.20 Mk. Rente bewilligt. Waisenrenten wurden für Fulda-Stadt in 1912 201 Mk. in 3 Posten für 6 Kinder bewilligt und für Fulda-Land 624 60 M. in 7 Posten für 20 Kinder. — Der Vermögens- be stand der Landesoersicherungsanstalt Hessen-Nassau betrug Ende 1912 = 67537715 64 Mk. (gegen 1911 ein Mehr von 5 620 262.25 M.). DieVerwaitungs- kosten betrugen im Berichtsjahre 555085.44 Mk. Von dem Gesamtvermögen der Landesversicherungs­anstalt sind 21713 292.87 M. in Hypotheken angelegt. Es zählen zu den Schuldnern der Anstalt u. a. der Bauverein des Kreises Fulda in Fulda mit 237 395.08 Mk., die Stadt Fulda selbst mit 87260.24 Mk. (auf­genommen 1899 mit 105000 Mark für Ankauf von Kasernengelände) und der Kreis Fulda mit 8240.18 Mark.

a Statistik des Standesamtes. Im Monat August wurden 14 Aufgebote erlassen und 9 Ehen geschlossen. Im ganzen wurden 50 Geburten angemeldet (21 männlichen und 29 weiblichen Geschlechts.) Hiervon waren Lebendgeborene 19 männl., 24 weibl., Tot­geborene — männl., 3 weibl., auf Neuenberg, Leh­nerz und Ziehers entfallen 2 männl., 2 weibl. Ge­schlechts. Im Bezirke der Stadt Fulda starben 18 männl., 13 weibl. Personen. Hiervon entfallen auf das Landkrankenhaus 4 männl., 5 weibl. Ortsfremde. Außerdem starben in Nenenberg, Lehnerz und Ziehers 1 männl., 2 weibl. Personen. “

!! Wandschmuck in Staalsgebäuden. Künstlerischer Schmuck an Decken und Wänden in Staatsgebäudeu bedarf der Zustimmung der Minister. Wenigstens gilt dies für das Bereich der öffentlichen Arbeiten, des Innern und der Finanzen. Diese drei Minister haben die Oberpräsioenten, Regierungspräsidenten und ebenso auch die Ministerial-Baukommifsion ent­sprechend angewiesen. Es ist sogar die vorherige Zustimmung des Ministeriums einzitholeu. Ehe ein solcher Schmack hergestellt wird, muß dem Minister der öffentlichen Arbeiten rechtzeitig Anzeige

was empfehlen Sie?" Ta erwidert dann der Laben- jüngling mit verständnisinnigem Augenaufschlag: „Rumpfsteak? Rumpfsteak? Ich glaube, daß sich da­zu ganz famos die ^s-ckur-Ballade von Chopin eignet. Sollte es nicht weich werden, dann nehmen Sie viel­leicht Strauß, Vorspiel zu Elektra dazu!" So wer­den, wenn das keine jener fetten amerikanischen Hundstagsenten ist, die jetzt über den großen Teich geschwommen kommen, in Zukunft unsere holden Da­men das Unangenehme (nämlich das Kavierspielen) in der Tat mit dem Nützlichen zu verhindeu in der angenehmen Lage sein! tk

— Richtiges Sprechen. Sehr wenig Wert wird bei der Erziehung auf eine sorgfältige Sprache und gewandte Redeform gelegt. Es ist manchmal er­schreckend, zu hören, wie falsch und oberflächlich sich Kinder, selbst größere Kinder, auszudrücken pflegen. In der Schule wird sicher das Möglichste getan, um den Kindern eine ruhige, sichere Sprechweise und klare Satzbildung anzugewöhnen, mau sollte nun aber auch zu Hause darauf sehen, daß das in der Schule Beigebrachte immer fester sich einwurzelt. Abgebrochene Sätze lassen sicher auf Zerstreutheit schließen, und ein: stotternde Redeweise läßt meist mangelndes Nachdenken erkennen, beides Fehler, welche gewissenhafte Eltern und Erzieher niemals dulden sollten. Langsames, bedächtiges Sprechen und gerundete klare Satzbitdung sind prächtige Erziehungs­mittel, sie bilden den Charakter zur Ruhe und Sicher­heit aus und stärken das Selbstvertrauen der Kinder. Nachlässigkeit in der Sprechweise ist stets von großem Hebel. Man braucht deshalb noch lange keine Ziererei zu treiben und die Kinder mit seinem Ver­langen ins Affektierte chinüberzuleiten, denn das wäre ebenso vom liebel. Es muß vielmehr der natürliche Trieb zu korrektem Ausdruck geweckt werden, dann wird jede künstliche Gewundenheit von selbst unter­drückt. An der Sprechweise und an der Darstellung seiner Gedanken erkennt man im persönlichen Verkehr sofort die Bildung und den Charakter eines Menschen. Wie ungemein wichtig ist es also, schon den Kindern ein folgerichtiges. bebacb,fame§ Sv:echen beizu- briugen * ef.

erstattet werden. Nötigenfalls sind Skizzen beizusügen. Es gilt dies selbst bann, wenn die Mittel dazu von anderer Seite bereiiaestellt werden.

(!) „Nächtliche Ruhestörung" durch ein Militär­luftschiff. Als gestern abend gegen halb 11 Uhr Straßen und Gassen der Stadt schon in nächtlicher Stille lagen und in den Häusern nach und nach die Lichter erloschen, erdröhnte plötzlich die Lust von wuch­tigem Gepolter. Wären wir nicht so moderne Men­schen, wir hätten an den Flügelschlag eines herau- uahenden Vorwelt-Ungeheuers gebucht. So war es selbst dem aus dem ersten SchlafeAusgeschreckten sofort klar, daß hier nur ein „Zeppelin" im Spiel sein konnte. Und in der Tat. Bald sah mau den Riesen- leib eines Zeppelinlustschiffes am Nachthimmel auf­tauchen. Es kam von Süden und steuerte zielbewußt nordöstlich. Zuweilen sah man die Bordlichter fun­keln. Es handelte sich nach den uns vorliegenden Meldungen um das in Frankfurt a. M. stationierte Militär-Luftschiff „Z. 1". Es stieg gestern abend 8.15 Uhr in Frankfurt zu einer Nachtfahrt in der Rich­tung nach Fulda auf. Es reifte nach Liegnitz in Schle­sien, um mit zwei anderen Zeppelinen an den Kai­ser m a n ö v e r n teilzunehmen. Liegnitz ist etwa 800 Kilometer von Frankfurt entfernt.

(?) Hausbeleuchtuug. Da die Häuser im allgemei­nen zwischen 9 und 10 Uhr abends geschlossen werden, die Dunkelheit jetzt jedoch bereits um 8 Uhr, auf Treppen und Fluren sogar noch eher ein tritt, ist es wieder notwendig, für einige Abendstunden Treppen und Flure zu beleuchten. Wem diese Verpflichtung int Einzelfalle zufällt, wird durch Mietsver - 1 rüge oder mündliche Vereinbarung zwischen Haus- iuirt und Mieter festgestellt. Ter zur Erleuchtung des Treppenhauses Verpflichtete ist jedoch sodann einzig und allein für alle Folgen, die aus einer mangelhaften oder gänzlich unterbliebenen Beleuch­tung eintreten, haftbar. Ist keinerlei Verabredung getroffen, so fällt die Haftung dem Hausbesitzer zu. Im eigenen Interesse muß jedem dringend geraten werden, lieber zu früh als zu spät mit Beleuchtung anzufangen. Die Gerichte Pflegen heutzutage eine sehr weitgehende Haftbarmachung vorzunehmen. Schon oft hat sich die Ersparnis einiger Pfennige durch Ausgaben von Hunderten von Mark für Kur­kosten usw. gestürzter Personen bitter gerächt.

iL Der Fenster-, Balkon- und Vorgartenschmuck, ist in unserer Stadt auch in diesem Jahre vorwärts gekommen. Schon im vorigen Jahre konnte die vom Gartenbauvereiic eingesetzte Kommission zur Blumenschau recht erfreuliches berichten und viele Ehrendiplome.für hervorragende Leistungen wurden an die Blumenliebhaber verliehen. Obschon in die­sem Jahre eine Prämiierung seitens des Gartenbau- Vereins nicht stattfindet, kann man doch die Wahr­nehmung machen, daß vielfach auf die Ausschmückung der Häuser und Vorgärten viel Mühe und Sorgfalt verwendet wurden. Der gute Eindruck unserer Stadt auf die Fremden wird dadurch erhöht, was man hin und wieder in lobenden Worten zu hören bekommt.

-y- Am Turnhaklen-Bauplatz am Kronhof, wo die Arbeiten immer noch durch Wassermassen ausgehalten werden, ist jetzt, um die Betonierungsardeilen zu be­schleunigen, eine Mischmaschine aufgestellt worden, die mit elektrischem Strom getrieben wird.

§ Eisenbahn und Viehmarkt. Anläßlich des gest­rigen Viehmarktes wurden auf der Station Fulda 100 Waggons Vieh verladen. Beim Augustmarkte waren es 102, beim Julimarkte 95.

W Postalisches. Aus Postanweisungen nach den o 11 o m a n i s ch e n Postansi^lten ist von jetzt ab die auszuzahlende Summe nicht mehr in türkischer Gold­währung, sondern in Franken und Centimen anzugeben.

Ans dem Nachbargebiete.

g Büdingen, 4. Sept. 1913. Der Prozeß der Stadt gegen die in Liquidation befindliche Aktienzucker­fabrik zu Stockheim wurde in zweiter Instanz zu ungunsten der Stadt entschieden. Die Verwaltung entschied sich deshalb für die Einstellung des Verfah­rens. Infolgedessen wird jetzt auch die Fabrik gänz­lich auf gelö st.

* Frankfurt a M., 4. Sept. 1913. Die Stadt Frankfurt will eine Plakette schaffen, die bet den zahlreichen Ausstellungen usw. den um diese Veran- ftaltungcit besonders verdienten Bürgern als Aner­kennung gegeben werden soll. Sie hat diese Arbeit dem Bildhauer Kraumann übertragen. Die Vorder­seite zeigt eine allegorische Frauengestalt, die Rückseite den gekrönten Frankfurter Adler, darüber die Worte: Ehrengabe der Stadt Frankfurt.

a Stierstadt i. T., 4. Sept. 1913. Ein Knecht verübte ans dem Hofe seines Herrn schwere A n s -

— Eine Krisis im Handel mit — falschen Haaren. Es gibt unstreitig geschäftliche Krisen, die allgemeine Heiterkeit erregen. Eine solch heitere Krisis ist nun im Handel mit falschen Haaren zu Tage getreten. Die Nachfrage übersteigt das Angebot; die Perrücken- bäubler wissen üverhoupt nicht, wie sie ihre an Haar­schwund leidende Kundschaft befriedigen sollen. Be­sonders in England ist die Krisis tühldar. 10 000 Zentntr werden alljährlich an falschen Haaren von China importiert und nahezu die Hälfte' aus Süd­europa; aber was wollen diese lächerlich geringen Mengen gegenüber den vielen tatsächlichen Kahlköpfen und solchen in spe besagen? Hierzu kommt noch, daß das chinesische Material so spröde wie Roßhaar ist; wer sichs leisten kann, kauft sich bessere Qualität, so z. B. böhmisches, südsranzosisches oder italienisches Haar; am höchsten im Presic stehen „blonde Locken", die mit 2000 Mark das Pfund bezahlt werden. Neuerdings gewöhnen sich auch d:e älteren Leute all­mählich ihr Vorurteil gegen die Perrncke ab; sie ziehen es vor, lieber falsches Silberhaar auf dem Kopse zu tragen als nur ein paar dürftige Strähnen oder — im Glanze deS leuchtenden Vollmonds gar nichts .. tk.

— MrrW Weisheit. Die höchste Brücke der Welt ist die über den Zambesi in Afrika. Sie ist 127 Meter hoch und 198 Meter lang. — Im Jahre 1905 wurden in London noch rund 450 000 Pferde gezählt, 1911 nur noch etwa 60 009. Soviel ist das Pferd in dieser kurzen Zeit vom Automobil verdrängt worden! — Nach genauen Beobachtungen herrscht die größte Lust­kälte zwischen 9,5 und 11,8 Kilometer Höhe über der Erde. Darüber hinaus wird die Lust wieder wärmer. — Die beiden Länder, in denen die größten und kleinsten Menschen wohnen, liegen merkwürdiger­weise dicht nebeneinander. Es sind Norwegen und Lappland. — In ägyptischen Gräbern fand man überraschend gut erhaltene, jahrtausendealte Brote, welche in denselben Formen als mehrpfündige Laibe gebacken wurden, wie noch heute das Brot gebacken iuirb.* . mo

— Ein Vorzug. Hänschen: „Es ist gut, daß es immer zu Ostern Zeugnisse gibt, da hat man doch noch Wuilerlwstn an!"

s ch r e i t u n g e n, indem er seinen Brotgeber fast zu Tode würgte und nur durch das Eingreifen beherzter Männer von weiteren Tätlichkeiten abgehalten wurde. Tann zerschlug er mehrere Türen und Fenster. Die hochbetagte Schwiegermutter des Landwirts er­schrak darob so sehr, daß sie einen Schlaganfall er­litt, dem sie sofort erlag.

* Bad Nauheim, 4. Sept. 1913. In der Nähe von Bad Nauheim soll ein Erholungs h e im für Hotelange st eilte errichtet werden, das unter der Leitung des Internationalen Genfer Verbandes stehen wird.

* Vom Eichsselde, 4. Sept. 1913. In Geis­mar stürzte der 69jährige Dachdecker August See- bode infolge eines Fehltrittes eine Treppe hinunter und spießte sich mit dem Kopfe an dem Türhaken der Haustüre auf. Er wurde schwer verletzt zur Göttin­ger Klinik gebracht. — Die Eröffnung der Rebhühner­jagd hat leider auch gleich einen schweren Unfall ge­bracht. In der in der Geismarer Flur belegener. Jagd des Göttinger Offizierkorps wurde das in einem Kinderwagen mit auf das Feld genommene halb­jährige Kind eines Landwirts von verirrten Schroten in den Kopf getroffen, sodaß es sehr schwer krank dar- niederliegt und an seinem Aufkommen leider gezwei­felt werden muß. Der unglückliche Schütze ist fast verzweifelt, _______________

Amt Geisa und Umgebung.

* Dorndorf, 4. Septbr. 1913. Die Gewerkschaft „Heiligenroda" darf vom 1. Januar 1914 an keine Salze mehr auf preußischem Gebiete verarbeiten. Als geeigneten Platz für die Fabrik erwarb man das östlich und südlich vom hiesigen Bahnhofe gelegene Gelände. Schon ragt die 75 Meter hohe Esse gewaltig über den Bahnhof und den ganzen Ort empor. Auch die Drahtseil - Bahn, welche die Salze von Heiligen- roda. Springen und Dönges heranschaffen soll, ist vollendet. i

_ * Dippach, 4. Sept. 1913. Ein Bienen-Prozeß beschäftigt zurzeit das Gericht. Ein hiesiger Einwohner glaubt nämlich, daß er sich nicht mehr in der Um­gebung seines Hauses aufhalten kann, weil die Bienen seines Nachbars ihn belästigen, ganz besonders aber seinen Garten besuchten. Es sind nun schon Sachver­ständige gehört worden und hat auch eine Ortsbesich­tigung stattgefunden.

Aus Oberhessen u. den Hess. Aemtern.

-t- Marburg, 5. Sept. 1913. Der Maurer­streik hat eine Reihe vo:r Strafurteilen zu Folge gehabt. Wegen Beleidigung Arbeitswilliger wurde ein streikender Maurer zu insgesamt 65 Mk. Geld­strafe verurteilt. Ein anderer Streikender, der einen Polizeibeamten beleidigt und eine falsche Namens­angabe gemacht hatte, wurde zu 23 Mark Geldstrafe verurteilt. Von drei anderen Streikenden, die Arbeits­willige bedroht haben sollten, wurde einer in eine Geldstrafe von 15 Mk. genommen.

* Kirchhain, 4. Sept. 1913. Die Zusammen- l e g u n g der hiesigen Gemarkung verursacht auch de»' Gerichtsbehörden gegenwärtig viele Arbeit. Eins große Anzahl hiesiger Einwohner sind von der Spe< zialkommission aufgeforbert worden, ihre Legitimation aufzuweisen: es müssen deshalb Testamentsvorschrift ten eingereicht und Erbscheine beantragt werden.

# Ziegenhain, 4. Sept. 1913. Im Lehrkör­per der hiesigen höheren Schule tritt am i. Oktober eine Aenbernng ein, da der wissenschaft­liche Hilfslehrer, Herr Tentscher, nach Witzenhausen versetzt tft. Ein Nachfolger für ihn ist noch nicht be­stimmt.

* Frantenberg, 4. Sept. 1913. Durch eine in Tä­tigkeit befindliche Mähmaschine verunglückte die 12- jährige Tochter des Heinrich Kraft aus dem nahen Mohnhausen. Das Kind lief in die Maschine hin­ein, wobei ihm ein Bein abgefahren wurde. Es mußte in die Marburger Klinik übergeführt werden.

Vermischtes.

* Kein Wasser nach Obstgenuß. Wie gefährlich es ist, nach dem Genuß frischen Obstes Wasser zu trinken, zeigt wieder ein Fall, der sich in Westermoor dor f bei Hannover ereignete. Dort hatten vier Kinder der Familie Assing nach dem Genuß von Birnen Wasser getrunken. Zwei Kinder sind unmittelbar darauf ge­storben, die beiden anderen liegen lebensgefährlich er­krankt darnieder.

* Die Deutschen in der Fremdenlkgio». Das Rekru» tierungSbüro der Fremdenlegion in Mezieres macht bekannt, daß im August sich 28 Deutsche zum Ein­tritt in die Fremdenlegion gemeldet haben. Auch sonst wird berichte', daß die Agitation gegen die Fremdenlegion den Andrang Deutscher nicht herab- geminbert habe. Bei der Art und Weise, wie sie stellenweise betrieben wurde, ist das allerdings kein Wunder. — Wann werden die Dummen endlich ein­mal alle werden!

* Beim Spielen auf dem Wasser ertrunken. Im neuen Kanal bei M e ib e ri ch im Rheinlanb spielten mehrere Schulkinber auf einem Floß. Ein neun­jähriger Junge verlor bas Gleichgewicht, fiel ins Wasser unb ertrank. Ein elfjähriger Kamerad sprang ihm nach unb ertrank ebenfalls. Die übrigen Schü­ler ergriffen hierauf bie Flucht. Die Leichen sind geborgen.

* Unterschlcise in einer Salinenverwaltung. Bei einer unvermuteten Revision ber städtischen Salinen­verwaltung in Kreuznach in ber Rheinprovinz wurden die Bücher nicht in Ordnung vorgesunden. Der Ver­antwortliche Verwaltungsbeamte Fritz Grün begab sich in seine Wohnung und schoß sich eine Kugel in den Kopf. Er ist schwer verletzt. Die Höhe der ver­untreuten Beträge ist noch nicht festgestellt.

* Tie längste Kanalbrücke der Welt. Tie mit einem Kostenaufwande von 12 Millionen Mark er­baute neue Eisenbahnbrücke bei Rendsburg, die am 1. Oktober d. I. dem Betriebe übergeben wird, ist 500 Meter lang und überbrückt bett Kanal in 40 Me­ter Höhe. Die Eisenbahnlinien Hamburg- Flens­burg und Kiel-Husum werben burch bie Brücke, die die längste Kanalbrücke der Welt ist, um 5 Kilometer verlängert und die Fahrpreise werden entsprechend teurer.

* Hainstcrplage. In Vorpommern tritt zum ersten Male der Hamster in ungeheuren Mengen auf. Tre Tiere Hhleppen große Mengen Getreide als Win. terborräte in ihre Bauten unb werden dadurch beben tenb schädlicher als bie Mäuse, bie bei der Näye auch in ber Vermehrung behindert worden sind. Für bie Häufigkeit der Hamster spricht ber Umstand, daß auf einem Rittergut an einem Tage über 100 Hamster ausgegraben wurden. Auch in Thüringen treten be- kcmntlich die Hamster stark auf.