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Zuldaer Zeitung

trfmelm »Sali» m» Ausnahme oer Sonn- und Stiertage. Giertet- Mhrtifter Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Sulöa fotoie auswärts 1.50 Mark. •••• Rotationsbru» und Verlag der - - Zuldaer flctienSrudterei in Sulöa. Fernsprecher Nr. 9. : =

x s IDodjen-Beitßge: s s f ~ s HIonats-Beliage: s s Illustrierte Sonntagszeifung ! Zuldaer Seschichtsblätter L Ziehungslisten der preußisch-süddeutsch« Klaffen-Sotterie. — tzaldjährlich Taschenfahrplan, r.

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Freitag den 5. September 1913»

Nr. 205.

40. Zahrgang.

® Zur Polenfrage.

Der Jubel der Kaisertage in Posen ist verklun­gen, aber sein Echo in der polnischen Presse will nicht verhallen. Bei der eigenartigen Stellung der Ost­mark im preußischen Staat und im deutschen Staats­verband ist dem Besuch des Kaisers in Posen mit Recht besondere Bedeutung beigelegt und größere Aufmerksamkeit zugewendet worden. Die deutscne -r)ü- mark sollte zeigen, in welchem Maße sie deutsch em­pfindet und deutsch denkend geworden sei und darum knüpften sich an das Weilen des Kaisers in seiner Pfalz teils hoffnungsfrohe Erwartungen, teils trüber Pessimismus. Heute müssen wir eingestehen, daß die P e s s i mi st e 'n größtenteils recht behalten haben; der Nachhall der Posener Kaisertage ist für jeden deutsch empfindenden Mann tieftraurig und beriihrt den um so peinlicher, der mit dem polnischen Volk in den deut­schen Reichsgrenzen fühlt und für ihre berechtigten Forderungen mit Wort und Tat sich einsetzt. In der Kaiserpfalz hat der Kaiser den Wunsch ausgesprochen, daß die Provinz Posen „sich immer mehr zu einem festgefügten, zuverlässigen ©liebe des herrlichen Bau­mes unseres preußischen und deutschen Vaterlandes entwickeln" möge, und daß „ihre Bewohner, gleich­viel welcher Nationalität und Konfession, eng ver­bunden durch das Band der Liebe zur gemeinsamen schönen Heimat und das Band der Treue gegen Kö­nig und Vaterland, sich die Errungenschaften deut­scher Natur zu eigen machen und ihres Segens froh werden" mögen. Damit hat der Kaiser an die Ost­mark Ansprüche gestellt, die er als Landesherr stel­len muß und deren Gewährung den Bewohnern der Ostmark Gewissenspflicht ist.

Aber weit davon entfernt, die Kaiserrede gewissen­haft zu prüfen und objektiv zu beurteilen, nehmen fast alle polnischen Preßorgane dieselbe zum Anlaß, jede Politik der Versöhnung weit von sich zu weisen und in einer Weise gegen die Landsleute, die dem Kaiser den schuldigen Tribut der Verehrung gezollt haben, zu eifern, daß jeden vaterländisch Gesinnten Zorn und Entrüstung bewegen müssen. Das deut­sche Volk ist in seiner überwiegenden Mehrzahl noch treu monarchisch gesinnt und weiß sich einig in der schärfsten Verurteilung der widerlichen Hetze, die von der polnischen Presse jetzt gegen den „ver­räterischen Polenadel" betrieben wird, weil derselbe den an ihn ergangenen Einladungen zum Festmahl in der Kaiserpfalz nachgekommen ist. Es wider­strebt uns, eine Blütenlese der gehässigen Ausfälle der polnischen Presse gegen den königstreuen Adel wiederzugeben, denn dann müßten Auslassungen zu­sammengestellt werden, die selbst in unserer sozial­demokratischen Presse zu den Seltenheiten gehören. Wohin soll diese Raserei der polnischen Presse noch führen! Wohin treibt das polnische Volk, wenn es sich gegen den Terrorismus seiner Presse, die sich nachgerade zum obersten Gerichtsherrn über alles aufwirst, nicht zur Wehr setzt!

Das christliche Sittengesetz verlangt Unterwer­fung unter die gesetzmäßige Obrigkeit und Achtung vor' dem Träger der höchsten Autorität im Staate; laber fast will es scheinen, als ob zum mindesten in 'der polnischen Presse das christliche Sittengesetz nicht mehr zu seinem Recht kommen darf, daß vielmehr dort uferlosen politischen Leidenschaften freies Spiel gegeben wird. Es ist wirklich an der Zeit, daß unsere polnischen Reichsangehörigen ihrer sittlichen Ver­pflichtung sich bewußt werden, ihren staatsbürger­lichen Pflichten nachzukommen. Nur von einer Po­litik der Versöhnung können wir uns in der Ostmark das Zustandekommen friedlicher und erträglicher Ver- hältnisie versprechen und wir sind bereit, wie in bet Vergangenheit so auch in Zukunst mit allem Ernst uns bet Aufgabe zu widmen, daß der preußische Staat auch in seiner O st m a r k die Gerechtig­keit zum höchsten Grundsatz seiner Regierung er-

Der Brandstifter.

«J ®ne Bauerngeschichte aus dem Taunus von Fritz Ritzel.

J^or dich Klärche?" fragte der Alte mit einem verschmitzten Lächeln entgegen. „Wart'st du uff was? Bis jetzt host du der Post doch noch recht wenig zu verdiene gewe! Host du dir am End en Schatz an- qeschafst mt darf mer dir bald gratuliere?" f „Wer's waaß, werd's wisse!" entgegnete das Mäd­chen munter. „Aber mit dem Porto, das mein Schatz for mich ausgibt, do könnt Ihr von der Post nit fett wer'« — der gibt nix Schriftliches von sich!" j „Do is der mehr for's Mündliche?" scherzte der ; Posthannes weiter. „No — Wenn ich dreißig Johr i jünger wär, un wär dein Schatz» dann tat mir des Mündliche aach besser gefalle1 Aw er fchreiwe Howe doch die Barsch in Kercherod aach gelernt!"

„®ie Barsch in Kercherod?" fragte das Mädchen und sah den Alten mit einem befremdenden Blick an. i „Wie kommt Ihr dann uff die Barsch in Kercherod?" i „Ei uo — ich hab so was läute gehört, als wenn dort in Kercherod aaner gar nix begegc härt, wenn ihm so e schön Rotschwänzchc in's Haus fliege tat! Die Rotschwänzcher baue zwar gewöhnlich in Hecke, ' awer vielleicht tat aach emol aans in de Eicher c ganz schön Nestche sinne!"

,Mas Ihr nit alles herausspintisiert, Posthan- nes!" lachte das Mädchen. „Awer do seid Ihr gründ­lich nff dem Holzweg! Ich un des Eichers Jakob? Des is jö zum Lache — do tat ich mir bann doch en Annern heraussuche wie die Schloshaub!"

Mst sichtlichem Interesse hatte Frau Rother, die wieder emsig strickend auf dem Stuhle saß, dem ne­ckenden Gespräch der Beiden zugehört und ein be­friedigender Ausdruck legte sich über ihr Gesicht, als ifte die letzten Worte Klärchens vernahm. Der Blick, ■ weichen fir nach dem, sich eben vor dem Postboten ' droLg vervecheLden Mädchen warf, hatte etwas sWWßMches v* «tf ihrem strengen Gesicht erschien «m fc^t neckischer Zug, Äs sie jetzt sagte: .. .

hebt; dann muß aber auch die entschiedene Forderung gestellt werden, daß von polnischer Seite nicht immer und immer wieder alles Streben nach Frieden und Versöhnung durch Unversöhnlichkeit illusorisch ge­macht, ja mit Hohn zurückgewiesen wird.

X Gemeinschaftsarbeit.

Die Grundlage zu einer wirtschaftlichen Arbeits­gemeinschaft, die auf dem dritten reichsdeutschen Mit­telstandstag von Vertretern des gewerblichen Mittel­stands, der Industrie und der Landwirtschaft gewon­nen worden ist, hat in der breitesten Oesfentlichkeit lebhafte Erörterung.hervorgerufen. Auf der einen Seite, besonders im Lager der K o n s e r v a l i v c n, wurde dem „Kartell der schaffenden Arbeit" wärmste Anerkennung gezollt, während auf dem linken Flü­gel besonders die Freisinnigen in schärfster Weise den „Bund der Wirtschaftskonservativen" verurteil­ten.

In der nationalliberalen Partei gingen die Ansichten über das neue wirtschaftliche Gebilde auseinander. Die „Kölnische Zeitung" billigte das vcn den drei Verbänden ausgestellte Programm, das die redliche Unterstützung sämtlicher bürgerlicher Parteien verdiene; die altnationalliberale Reichs- korrespondenz glaubte sogar eine „in allen Einzel­heiten bestehende llebereinftintmung der vom Mittel- staiidstage angenommenen Leitsätze mit den partei­politischen Anschauungen der Partei" feststellen zu können. In Zentrum s kreisen stand man auch nicht an, den gesunden Gedanken einer wirtschaft­lichen Arbeitsgemeinschaft zu begrüßen, ohne sich im einzelnen auf die vom Mittelstandstag aufgefteHten Grundsätze festzulegen, da noch nicht zu erkennen ist, auf welchen Wegen die vereinigten Erwerbsstände ihren Forderungen durchhelfen wollen. Mittlerweile haben sich die drei Verbände auch dagegen verwahrt, daß sie eine Interessengemeinschaft oder ein Kartell gebildet hätten; die „Westfälischen Politischen Nach­richten" geben den Tatbestand kurz so wieder: die drei größten wirtschaftlichen Verbände, der Zentralver- band deutscher Industrieller, der reichsdeutsche Mit- telstandsverband und der Bund der Landwirte ein­schließlich des Verbandes christlicher Bauernvereine, sind überein gekommen, diejenigen Punkte ihrer wirt­schaftlichen Programme, die allen drei Verbänden seit jeher gemeinsam sind, zwecks nachdrücklicher For­derung Hand in Hand zu vertreten. Im übrigen bleibt jedem einzelnen der Verbände seine Unab­hängigkeit und Selbständigkeit unbenommen.

Diesen Sachverhalt können wir begrüßen, denn zur Erreichung der gesteckten Ziele ist es auch wohl nicht vonnöten, ein neues Kartell zu schaffen. Wenn die genannten Verbände sich zur Verfolgung gemein­samer Ziele und zur Wahrung gemeinsamer Inter­essen zusammenfinden, dabei aber ihre Unabhängig­keit voll und ganz sich wahren, dann wohnt ihnen doch die Kraft inne, die zur Durchsetzung ihrer For­derungen nötig ist und auch durch ein förmliches Kartell nicht erhöht werden könnte.

Wie zeitgemäß und gesund jedoch der Gedanke eines wirtschaftlichen Zusammenschlusses der Ver­bände ist, zeigt am besten der Unwille, der dadurch auf der freihändlerischen Linken hervorgerusen wor­den ist. Dort ist man natürlich bestrebt, die friedliche Gemeinschaftsarbeit der drei Verbände als partei­politischen Tendenzen dienend hinzustellen. In Wirk­lichkeit sind es jedoch keine parteipolitischen Forderun­gen, die auf hem Mittelstandstag ausgestellt worden sind, sondern rationale, zu deren Durchbringung alle den vaterländischen Interessen dienenden Parteien sich zusammenfinden können. Auf die praktische Aus- sührung und Ausdeutung der gestellten Grundsätze kommt es ja vor allem an und da scheint es uns, als ob das Zusammengehen des Bundes der Land­wirte mit Vertretern der Industrie gerade zu einer Mäßigung der Ansprüche führen muß.

„No Klärche — werf den Jakob nur nit so weit weg! En sauberer Barsch is es doch — des muß ihm der Neid loste! Mit seine schwarze Aaage un sein Grollekopp Hot er schon mehr wie aam Mädche de Kopp verdreht! Der darf ankloppe wo er will mit feint viele Geld un es werd ihm uffgetan!"

„Awer God — Ihr maant doch nit im Ernst, daß ich jemals an des Eichers Jakob denke könnt?" sagte das Mädchen in etwas gedämpftem Ton, indem es näher an Frau Rother herantrat. „Wenn er aach en sauberer Barsch is — mir könnt er nit gefalle, auch wenn" — das Mädchen unterbrach sich, als fürchte es zu viel zu sagen und fuhr dann fort: „Er Hot fo was Sfflles, in sich Gekehrtes, guckt aam mit feine schwarze Aage als emol an, daß es aam angst und bang toer’n könnt! Grad als töt er über was noochsinniere, von dem kaan Mensch was wisse dürst!"

„Des Hot er von seiner Mutter, des Steinhofer's Magret," sagte Frau Rother. „Die is jo aus mei’rn Ort getoefc un is mit mir in die Schul gange. Schon als Kind Hot die immer e Gesicht gemacht, als töt sie in e ganz nnner Welt gucke un wie sie c Jahrer fünf verheiratet getoefe is, do hat's emol geheiße, die Fraa wär nit ganz recht do owe" — die Sprecherin machte eine bezeichnende Geberde mit dem Finger an die Stirn — „tiefsinnig — melancholisch oder, was waaß ich, wie's die Dokter genennt hawe, wär sie! So viel is sicher, daß sie nit von Herze gesund war — sie is jo aach früh genug gestorwe!"

Der Posthannes hatte indesten seine Ledertasche umgehängt, den schweren Knotenstock ergriffen und war wieder an das Fenster getreten, um nach dem Weiter zu sehen. So rasch dasselbe gekommen, war es auch vorühergegaugen. Nur noch schwach riefelte der Regen herab und über den östlichen Höhen des Gebirges lugte es zwischen den zerrissenen grauweißen Wolkenstreifen schon wieder blau hervor.

„Gestrenge Herr n regiern nit lang — ich kann mich Widder uff de Weg mache!" meinte der Alte und schritt nach der Türe. Die Klinke derselben in die Hand nehmend, wandte er sich noch einmal herum und sagte komisch lächelnd: „Also Klärche, wenn's so weit is, mach'? nur nit wie die Dornely- •> Leut un

Von der Verständigung der drei Erwerbsstände, deren Interessen durchaus nicht einheitlich sind, ist vielleicht der größte Vorteil des Zusammenschlusses zu erhoffen. Sie alle wissen recht Wohl, daß der dem einen Teil gewährte Schutzzoll den anderen drückt, daß nach den Erfahrungen, die wir mit unserer Schutzzollgesehgebung gemacht haben, dieser Druck je­doch weit erträglicher und leichter ist, als wenn die heimische Produktion der Schlcuderkonkurrenz des Auslands preisgegeben würde. Wenn jetzt von der freihändlerischen Linken zum Kampf gegen den Schutzzoll aufgerufen wird, bann muß der Zusam­menschluß der Stände und Erwerbsgruppen, die sich der Konkurrenz des Auslands nicht ausliesern wol­len, noch fester und ausgedehnter werden.

X Die betrogenen Wähler

Der Großblock in Baden führt zur V c r k ü r - zung der Wählerrechte, und zwar in zwei­facher Weise. Einerseits wird dadurch, daß die Block- zentrale die einzelnen Wahlkreise einer best,mmten Partei zuweist, die von der Verfassung vorgesehene freie Auswahl der Abgeordneten durch die ö r t- liche Wählerschaft vereitelt; andererseits ist von einer Vereinigung „sreigeistiger" Blockpolitiker beschlossen worden, die hochwichtige Frage der Kirchendotation erst nach den Wahlen aufs Tapet zu bringen, also den Wählern das Mitreden und Mittaten bei dieser Sache absichtlich unmöglich zu machen und die Entscheidung vollstänig in die Hände der Abgeordneten. zu legen, die ohne Rücksicht aus die Angelegenheit gewählt wor­den sind.

Eine Kränkung, Täuschung und Bevorm»»»^ung der Wähler, die in allen liberalen Blättern gewiß als Betrug ober Tyrannei, vielleicht sogar als „juri­stische" Gewalttat gebranbmarft würbe, wenn sie vom Zentrum ober von"den Konservativen versucht würbe. Aber diese „reaktionären" Parteien versteigen sich nicht zu einer solchen Mißachtung und Mißhandlung des Volkes; das bleibt den „Demokraten" überlassen, die von Bölkerherrschast reden und ihre eigene Herr­schaft über das Volk anstreben.

Die Verfassung gibt dem gewählten Abgordnelen eine unbegrenzte Lertretungsmacht auf 4 ober 5 Jahre, auf bie Dauer der Wahlperiode. Der Abge­ordnete ist an Aufträge ober Instruktionen nicht ge­bunden; er soll als Vertreter des ganzen,Volkes nach seiner Ueberzeugung und seinem Gewissen frei ab- stimmen über alle Fragen, die in der Wahlperiode zum Austrag kommen, auch über die neu auftauchen- den Fragen, über die er sich vor der Wahl mit feinen Wählern nicht bespreche konnte. Aus praktifchen Gründen lasten sich die Vollmachten der Abgeordneten nicht durch Paragraphen begrenzen. Die Wählerschaft kann aber erwarten, daß das Pflichtgefühl ihres Ver­treters die gebührende Rücksicht auf die Willens Mei­nung und die Interessen der Wähler verbürgt. Er darf' nicht den eigenmächtigen Herrn spielen wollen, sondern soll sich immer als Mandatar, als Vertrau­ensmann und Sachwalter fühlen und benehmen. Ob und inwieweit der Abgeordnete sich bei dem Auftau­chen von neuen Fragen mit seinen Wählern nachträg­lich besprechen soll, ist eine Frage des Gewissens und des Taktes, die wir für heute dahingestellt sein lassen können. Aber das steht unzweisehalt fest als strenges Pflichtgebot, daß der Kandidat, der sich so große Voll­machten übertragen lassen will, vor der Wahl sei­nen Wählern volle Klarheit über seine Grund­sätze und seine Absichten geben muß. Wenn er vor der Wahl schon weiß, daß eine wichtige Frage, tote z. B. die der Kirchendotation, an die Kammer kom­men wird, und nun absichtl. über diese Angelegenheit schweigt, um auch die Stimmen der andersdenkenden Wähler miteinzuheimsen, so ist das nichts anderes als ein Betrug. Ein solcher hinterlistiger Volks­betrug ist nun in Baden von der „freigeistigen" Kon- schick mir kaa Verlobungskarte herum! Denk dran, daß ich sie mit meine alte Baan Herumtrage muß! Loß es einfach in's Blättche rücke!"

„Dodrüber könnt Ihr ruhig schlofe, Hannes — bis dahin laaft nach viel Wasser de Rhein hinunner! rief das Mädchen luftig entgegen und trat, als der Postbote hinter der Türe verschwunden war, kichernd zu der hinter dem Schenktisch hantierenden Gefähr­tin.

Diese konnte wohl als der verkörperte Gegensatz zu dem goldlockigen Klärchen gelten. Die auffallende Aehnlichkeit mit Frau Rother ließ sie sofort als deren Tochter erkennen. Das war in das Jugendliche über­setzt, genau die nämliche nur etwas kleinere Gestalt, das ebenmäßig geschnittene Gesicht mit den dunklen, fest und doch sinnig blickenden Augen, das tiefbraune Haar, das einfach am Hinterkopf in einem Flechten- trcmz zusammengesteckt war. Auch die gelassenen Be­wegungen schien Gustel Rother ihrer Mutter auf bas Genaueste abgelauscht zu haben, sodaß sie, trotz­dem die beiden Freundinnen im gleichen Alter stan­den, viel gereister wie das anmutige Klärchen er­schien, von dessen ganzer Erscheinung es tote ein Hauch von prickelnder Lebenslust ausging. , Beide konnten als entschieden hübsche Mädchen angesprochen toerben, die trotz ihrer einfachen Kleidung keine Spur von bäurischer "Derbheit erkenne« ließen, und toenn sie auch der, den Stadtkindern durch verfeinerte Er­ziehung angewöhnten Grazie entbehrten, so wurde die­ser Mangel durch den über den beiden blühenden Mädchengestalten schwebenden frischen Dust reiner Natürlichkeit und züchtiger Weiblichkeit reichlich er­setzt.

„Host Du emol uff de Fahrplan geguckt, Gustel, wann der Zug in Samberg anlimmt? Der Ernst hot geschriwe, daß er um Ühre zwaa von Wiesbade fortfährt!" fragte jetzt Frau Rother.

,chlurz vor vier!" antwortete die Tochter gelassen.

„Dann könnt er schon do fein! Mehr tote ztoaa Stund geh'n ihm doch nit druff un ctoe geht's schon stark uff sietoe!" meinte die Fragerin, indem iie einen Blick auf di- m der Ecke der Gaststube stehende alter­tümliche Schrankuhr toarf.

ferenz geplant und vorbereitet worden, und es haben auch uationalHberalc Leute an dieser Versammlung teilgenommen. Diese Herren halten es für ihr Recht, das Volk zu täuschen und den Wählern die Belun-i bung ihres Willens unmöglich zu machen. Der Ab-i geordnete, der sein Mandat mit Hilfe des heimtücki­schen Stillschweigens erschlichen hat, soll nachher für die Beseitigung der Kirchendotation stimmen, auch wenn er die Ueberzeugung hat, daß feine Wähler an=! derer Meinung sind und daß er das Mandat nicht erlangt hätte, wenn er ihnen reinen Wein eingeschenkt hätte. Das ist ein Frevel gegen Treu und Glauben, gegen den Geist der Verfassung, gegen Ehre und Anstand. i

Der Geist der Verfassung wird auch noch in an-' derer Weife von den Blockpolitikern vergewaltigt. Die gesetzgebende Körperschaft, in der die Mehrheit ent­scheidet, hat einen zentralistischen Charakter. Dem­gegenüber sieht die Verfassung die Wahl in einzelnen Kreisen vor, bie über das ganze Land verteilt sind. Durch die Verteilung der Mandate auf die einzelnen örtlichen Bezirke soll ein Doppeltes erreicht werben: 1. Die Vertretung auch solcher Parteien, die zwar nicht im ganzen Lande, aber doch in diesem ober jenem Kreise bie Mehrheit haben, 2. die Vertretung der besonderen Interessen der einzelnen Landesteile durch bie sachkundigen Abgeordneten aus biesen Krei­sen. Diese zweckmäßige Auswahl der Abgeorbneten durch bas freie Spiel ber Wahlkräfte in jebene Kreise wirb nun durch bie Blockpolitik vereitelt; benn deren Führer wollen von ihrer Zentralstelle ans vorschrei­ben, wer in den einzelnen Wahlkreisen nur als Scheinkandidat aufzutreten hat und wer wirklich ge­wählt werden soll.

Hinterlistiger Betrug und zentralistische Bergetval- . tigung der Wählerschaft! Wenn die „aufgeklärten"; Wähler in Baden sich es gefallen lassen, bann sind sie um ihre „Aufklärung" unb ihr Selbstbewusstsein nicht zu beneiden!

Deutsches Keich.

** Berlin, 4. Sept. 1913. Der Kaiser wird nach; Beendigung der Manöver von Salzbrunn in Schlesien! sich nach Kromnitz begeben, wo er als Gast des Fürsten Pleß auf Hirsche jagen wird. — Das griechische Königspaar wird am Samstag in Berlin eintreffen. Der König und bar Kronprinz von Griechenland nehmen em den deutschen Kaisermanövern teil.

D Berufe gcnossenschasteu und Krankeukasieuver- bünde. Unter dem Vorsitz des Präsidenten des Reichs- versicherungsarnts, wirklichen Geheimen Oberxegie- rungsxat Dr. Kaufmann, sand am 3. September n. int Reichsversicherungsamt eine Konferenz Mischern Vertretern des Verbandes der Deutschen Berufsge­nossenschaften und der verschiedenen deutschen Kram kenkassenverbände statt. Es handelte sich nach 2Jlit=‘ teilung der „Nordd. Allg. Ztg." darum, nach wieder-^ holten Verhandlungen des Reichsversicherungsamtch mit den einzelnen Verbänden die Beziehungen zwischen den Berufsgenossenschaften und Krankenkas­sen beim Heilverfahren für Unfallverletzte allgemein vertraglich zu regeln. Die Beratungen waren von dem Gedanken geleitet, bie Heilbehand­lung der Unfallverletzten möglichst wirksam zu ge­stalten, die Uebernahme des Heilverfahrens durch die Berufsgenossenschaft innerhalb der Wartezeit in den hierfür geeigneten Fällen zu fördern und ein möglichst einträchtiges Zusammenarbeiten von Berufsgenossen, schäften und Krankenkassen auf diesem Gebiete sicher zu stellen. Die Vertreter aller Verbände waren da einig, daß bie neue Vorschrift der Reichsversicherungs­ordnung, wonach als Ersatz für Krankenpflege drei Achtel des Grundlohns gelten, nach dem sich das Krankengeld bestimmt, weder für die Berufsgcnos-

„Wahrschcins is er in Beuerbach ein gekehrt un wart dort des Gewitter ab!" erklärte Gustel in ihrer ruhigen Weise. „Do könnt immer noch e Stund druff gehe, bis er kimmt!"

„Wenn er nur glücklich bis Beuerbach komme is!" äußerte Frau Rother mit einem Anflug von Besorg­nis im Ton. „Wenn ihn des Wetter im offene Feld erwischt hätt, bann wär mir’S Merklich angst und bang!"

„Ter Zeit nooch war er gewiß in Beuerbach," tröstete bie Tochter, „un so gescheidt is doch der Ernst gewiß, daß er nit weiter geht, wenn so e schwer Wet­ter am Himmel steht."

Als wäre es ihre einzige Sorge, daß die Scheiben des hinter dem Einschenktisch stehenden GlasschrankeL keinen trüben Hauch zeigten, putzte Gustel, während sie sprach, an denselben ununterbrochen mit einem Wischtuche herum. Klärchen hatte bem Gespräch ztoi scheu Fran Rother und ihrer Tochter ansöb-inLnd mit wenig Aufmerksamkeit zugehört und beichäftiqt« sich damit, von den auf bem Einschenktisch stehenden farbenprächtigen Feldblnmenstrauß einige toclfgetoor bette Blüten zu entfernen. Ein lchaffer Beobachter hätte jeboch gewahren können, daß ihr keine Silbe der Gespräches entging und daß ein ängstlicher Zug aut ihrem lieblichen Gesichtchen erschien, als bie Möglich leit einer bem heimkehrenben Sohn des Hauset drohenden Gefahr von dessen Mutter erwogen wurde Offenbar um die Röte, welche ihr über Hals uni Wangen lief, zu verbergen, nahm sie bie Vffe. m welcher der Strauß stand, herab und stellte sich mit bem Rucken gegen die Frauen, sodaß ft» ei'»’m bei auf ber Straße gehenden Fenster.boS Gesicht zu wendete. Ta zuckte sie plötzlich wie elektrisiert zu jammen und hätte sie n.cht die Base rasch wieder am ihren Platz gestellt, so wäre bie'/lbe woA in Gefahr geraten, ihren zitternden Händen zu entfallen unb auf dem Fußboden zu zerschellen. Mck einer Stimme in welcher es wie verhulirxer Jubel m b wie bangt Erwartung klang, sagte sie Li,c: „er kommt!", un? dann mit vorgeneign-m O Körper unb bleichgetoov. benem Gesicht nach der T. 1 zu lan'chen, vor weichet jetzt rasche Mö-nenrine hord»r wurden.