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2. Blatt.

Drud 6cr Znldaer 2Ictienöre<itrci in Snllc.

Zuldaer Leitung.

J» 203.

Mttwsih S. September 1913.

Lokales.

Fulda, 3. September 1913.

L Das 70. Lebensjahr vollendet heute Frl. Elise Gcharf, die allverehrte und beliebte Vorsteherin de- hiesigen Privatlehrerinnenseminars im Institut der Englischen Fräulein in seltener Rüstigkeit. Am 1. April 1911 konnte sie ihr oOjähriges Lehrerin- Jubiläum begehen, aus welchem Anlaß ihr viele Ehrungen, auch seitens der königl. Regierung, zuteil wurden. Im Laufe des heutigen Tages trafen viele Glückwünsche von ihren ehemaligen Schülerinnen, die in allen Gegenden als Lehrerinnen wirken, bei der Jubilarin ein. Wir wünschen ihr noch einen recht langen, ungetrübten Lebensabend.

X Fuldaer Kommunalfinanzen, lieber die Ent­wicklung einer Anzahl Kommunalsteuern in Fulda geben folgende Aufzeichnungen Auskunft: Die V er- brauchsabgabe von Bier erbrachte hier im Jahre 1911 15 949,19 Mk. Ertrag, gegen 17 931,18 Mk. im Jahre 1905; von Branntwein 10 587,88 Mk. gegen 15 211,26 Mk. in 1905; von Essig 1508,54 Mk (1574,82 Mk. in 1905) und Obstwein 424,83 Mk. (300,97 Mk. in 1905). Hier ist abgesehen von Obstwein (Apfelwein) ein nicht unerheb­licher Rückgang in den Steuereinnahmen zu konstatieren. Der Konsum der alkoholhaltigen Ge­tränke (mit Ausnahme des Obstweines) ist in den letzten Jahren zweifellos zurückgegangen, wie ja auch festens der Wirte fast durchweg über den geringen Besuch der Wirtschaften geklagt wird. Ohne Zweifel darf auch hier die Hauptursache in der wirtschaftlichen Konjunktur der letzten Jahre wie auch in der letzten Bier- und Branntweinsteuer-Erhöhung erblickt wer­den. — Die Hunde st euer brachte in Fulda 1893 bei 491 Hunden 2562 Mk. Steuer; 1905 bei 501 Hunden 5517,75 Mk. und 1911 bei 402 Hun­den 4564 Mk. Die am 1. Oktober 1907 einge­führte Kreishundesteuer hatte eine erhebliche Ein­schränkung in der Hundehaltung (Abschaffung vieler Hunde) zur Folge. — Die Lustbarkeitssteuer brachte 1905 1988 Mk. und nach der neuen Ordnung im Jahre 1911 in diesem Jahre 8398,20 Mk. — Auch der Ertrag der sog. Umsatz st euer (Steuer vom Erwerb von Grundstücken) läßt Wohl einen Schluß auf die wirtschaftliche Lage zu. So betrug bet Ertrag dieser Steuer 1905 bei 3 987 846,17 Mk. Jmmobilienumsatz 39 759,26 Mk. und 1911 bei 1713 302,72 Mk/ nur 16 773,02 Mk. — Die im Jahre 1907 eingeführte Schankkonzessions- steuer brachte 1907 1500; 1908 3900; 1909 2100; 1910 2850 und 1911 3000 Mk. Ertrag. — Die mit dem 1. April 1911 in Kraft getretene Wertzu­wachssteuer brachte in genanntem Jahre ins­gesamt 4704,08 Mk., von welchem Betrag auf die Stadt allerdings nur 35 Proz., d. i. 1646,44 Mk- entfallen; von den übrigen 65 Proz. entfallen 50 Proz. (2352 Mk.) auf das Reich, 5 Proz. (235,18 Mk.) auf den Staat (in diesem Falle Preußen) und 10 Proz. (470,41 Mk ) auf den Kreis. — Mit der Wander- lagersteuer ist so gut wie nicht zu rechnen, da sie in den 20 Jahren 1892-1912 insgesamt erst 400 Mark eingebracht hat.

(!) Krrissiechtuhans Fulda. Im Jahre 1912 zählte das Siechenhaus 144 Insassen, 49 männliche und 95 weibliche. Zu ihrer Verpflegung standen im Rech­nungsjahre 1911 29193 Mark zur Verfügung. Davon wurden 28 677 Mark aus dem Kreis-Siechenhausfonds überwiesen. Der Rest wurde durch den Verkauf von Kälbern und Kuhfellen aufgebracht. Die dem Schutz- oorstande unmittelbar oder durch das Pflegepersonal für das Siechenhaus überwiesenen Geldspenden und Naturalien, sowie das sog. Antoniusbrot sind in obiger Summe nicht enthalten. Ausgegeben wurden von dem Schutzvorstande insgesamt 26 915 Mark. Mithin wurden von den nachgewiesenen Geldern 2278 Mark erspart. Aus dem Ueberschusse, der der Rechnung für 1912 vorgetragen wurde, sind die Kosten für die elektrische Lichtanlage für das Krcissiechenhaus mit rund 1300 Mark gedeckt worden. — Der Kreissiechen- hausfonds hat laut Rechnung für 1911 an Beiträgen zur Unterhaltung der Pfleglinge 26014 Mark verein­nahmt. Wie der Kreisausschußbericht bemerkt, erklärt sich diese Erhöhung der Beiträge dadurch, daß jetzt immer mehr selbst und besser zahlende Pfleglinge auf« genpmmen werden. Das reine Grundstocksvermögen des Fonds ist im Laufe des Rechnungsjahres 1911 um 6298 Mark, und zwar auf 68 560 Mark ange­wachsen.

1 X Weibliche Lehrlinge. Gemäß Verfügung des Ministers für Handel und Gewerbe vom 4. Juli er. ist die Mindestdauer der Lehrzeit für die weiblichen Lehrlinge im Damenschneider-, Putzmacher- und Damenfriseur-Handwert für den Bezirk der Handwerkskammer Kassel bis zum 31. Dezember 1917 auf zwei Jahre festgesetzt worden. In einem Betriebe ohne volljährige Ge­hilfinnen dürfen von jetzt ab nur bis zu 3 Lehr­mädchen beschäftigt, auf je eine volljährige Gehilfin kann ein weiteres Lehrmädchen gehalten werden, doch darf die Höchstzahl die Ziffer 9 nicht überschreiten. Durch die neuen Vorschriften wird die Befugnis des Lehrherrn (Lehrherrin), nicht gewerbliche Lehrmädchen zu beschäftigen, nicht berührt. Als solche gelten jene, welche das Gewerbe für ihren Hausgebrauch lernen und deren Lehrzeit 6 Monate nicht übersteigt. Eine Ueberschreitung der Höchstzahl der Lehrlinge (Lehr- mädchen) darf nur ausnahmsweise mit Genehmigung der Handwerkskammer erfolgen, doch sind Gewerbe­treibende, die bei Inkrafttreten dieser Bestimmungen Lehrmädchen über die höchst zulässige Zahl beschäf- tigen, berechtigt, diese auszulehrcn.

O Die Filiale Kassel der Landwirtschaftlichen Zentral-Darlchnskassc für Deutschland hatte im Jahre 1912 im Verkehr mit 398 Spar- und Dar- lehnskassen-Vcreinen einen Umsatz von 57 298 000 Mark. Dieser Umsatz ist um rund 3 Millionen Mark höher als derjenige im Vorjahr. Tie Einzahlungen der Vereine an die Landwirtschaftliche Zentral-Dar- lehnskasse beliefen sich im Jahre 1912 im ganzen auf 9 996 450 Mk, dagegen die Auszahlungen auf 11 294 200 Mk. Es sind somit von der Landwirt­schaftlichen Zentral-Tarlehnskasse 1 297 750 Mk. mehr an die Vereine ausgezahlt, als von diesen an sie ein- gezohlt. Die Gutbaöen der hessischen Vereine bei der Landwirtschaftlichen Zentral-Darlehnskasse waren von 5 898 01-'1 Mk, anfangs Januar auf 5 400 260 M. Ende Dezember zurückgegangen, hatten sich also im Jahre 1912 um 497 750 Mk. verringert. Tie Schulden der hessischen Vereine bei der Landwirt­schaftlichen Zentral-Darlehnskasse waren dagegen in derselben Zeit von 3 895 435 Mk. auf 4 705 014 Mk. gestiegen, hatten sich also um 809 579 Mk. vermehrt. 178 Vereine standen Ende 1912 im Guthaben-, 220 Vereine im Schuldenverhältnis zur Landwirtschaft­lichen Zentral-Tarlehnskassc. Ansehnliche Guthaben bei der Landwirtschaftlichen Zentral-Darlehnskasse hatten die Vereine in Oberbimbach mit 284 200 3KL, Neukirchen (Kreis Hünfeld) mit 132 000

Mk., Obcrzwehren mit 99 300 Mk., Oberndorf mit 93 700 Mk., Oberaula mit 93 500 Mk. Einzelne Ver­eine aber hatten auch hohe Schulden int Betrage von 273 600 Mk., 141 400 Mk., 100 200 Mk., 82100 Mk., 73000 Mk. Immerhin i st Uebermmgslkrcdit im ganzen nur wenig in Anspruch genomweflt

,Q Tie Reinignngs- und Abstiiubkmgsarbeiten im Tom, über die wir früher schon berichteten, werden jetzt wieder ausgenommen. Gestern wurde zu diesem Zwecke damit begonnen, in der Tomkuppel ein Ge­rüst herzurichten.

-7- 3mfernerem. Auf dem gestrigen Vereinsabend wurden verschiedene Honigproben vorgezeigt. All­gemein wurde über das diesjährige schlechte Honig­jahr geklagt. Von hiesigen Imkern haben die meisten noch keinen Zentner Honig geschleudert

(!) Krankenkassenwahlen. Zu den demnächst statt­findenden erstmaligen Ausschußwahlen haben die Ortskrankenkassen gemäß einer Bekanntmachung des Reichskanzlers Wählerlisten aufzustellen, dagegen die Versendung von Wahlrechtsbescheinigungen (Wahl- karten) zu unterlassen selbst dann, wenn die den Satzungen der betr. Kasten angesügte Wahlordnung in diesen Punkten das Gegenteil bestimmt. Die hiesige Allgem. Ortskrankenkaste wird für die Ver­sicherten eine alphabetisch geordnete, drei Hefte um­fassende Wählerliste ausstellen, damit gleichzeitig an drei Tischen gewählt und so die Wahlhandlung rascher erledigt werden kann. Der Wahlberechtigte hat an dem Wahltische seine Stimme abzugeben, an dem er den Anfangsbuchstaben seines Familien­namens verzeichnet findet. — Ein Agitations­flugblatt zu den Krankenkassenwahlen gibt soeben der Volksoerein für daS katholische Deutschland heraus. Das zweiseitige, vierspaltige Flugblatt legt die Bedeutung der unmittelbar bevorstehenden Wahlen zu den Krankenkassen auf Grund der Reichsoer­sicherungsordnung dar. Das Flugblatt D 38: Auf zur Krankenkassenwahl! ist für Ortsgruppen des Volksvereins durch die Ortsgeschästssührer gratis zu beziehen, in andern Fällen gegen vorherige Ein­sendung von 50 Pfg. für 100; 1 M. für 100—200; 1,50 Mk. für 300-400 ; 2 Mk. für 400- 600; 2,50 Mk. für 600—800; 3 Mk. für 800-1000 Exemplare und weitern 30 Pf. für jedes weitere Hundert.

V Man hüte sich! Es kommen Nachrichten aus der Umgegend, wonach ein angeblicher Sch'üst- steller, wohnhaft zur Zeit in Fulda, gezwungen von der harten Notwendigkeit und vertrauend auf gütige Nachsicht und die christliche Charitas den Geistlichen Bettelbriefe schreibt. Den Betrag ver­spricht der Bittsteller in Kürze zurückzuerstatten, da er nur leihweise und ausnahmsweise erbeten wird. Er treibt diese offenbar ergiebige Art der Bettelei schon seit Jahrzehnten und beruft sich auf geistliche Gymnasialkollegen der Diözese in den Jahren 1860/69. Wir möchten auf Grund zuverlässiger Tatsachen besonders die jüngeren Geistlichen warnen, auf diese Bettelbriefe in irgend einer Weise zu antworten; den älteren ist der Lebensgang des betr. Schriftstellers und sein Verhalten in den Kulturkampfsjahren be­sonders auch gegen unsere Kirche und Priester noch recht wohl bekannt, so daß sie von selbst wissen, wie sie fick zu verhalten haben.

* Die Arbeitsnachweisstelle der Landwirtschafts­kammer für den Reg.-Bez. Kassel in Witzenhausen hat im abgclaufenen Berichtsjahre vermittelt 11 Knechte und 2213 russisch-polnische Wanderarbeiter. Davon waren 741 Männer, 336 Burschen, 1136 Mäd­chen resp. Frauen. Der landwirtschaftliche Arbeits­markt wurde durch die Kriegsunruhen sehr beeinträch­tigt. Wenn auch die Grenzen nicht direkt gesperrt waren, so sind doch kaum Dreiviertel der Leute über die Grenze gekommen als in anderen Jahren. Kon­traktbrüche sind im vorigen Jahre sehr wenige vor­gekommen.

rt Schöffengericht. In der gestrigen Sitzung wurde weiterhin gegen den 28jährigen K. D., Kolonialwaren- Händler und Inhaber des „Wach- und Schließinstitutes" hier, verhandelt. D. soll sich des Diebstahls von leeren Bierflaschen aus einem Lager am Fran­zosenwäldchen schuldig gemacht haben. Nach Aussage des betreffenden Lager-Aufsehers kamen längere Zeit fortgesetzt während der Nacht leere Bierflaschen fort; um den Dieb einmal zu fangen, wurden nun mehrere Flaschen gezeichnet. Diese verschwanden. Da nun während der Nachtzeit niemand in jenes Lager kommt, als der Inhaber des Wach- und Schließinstitutes, so lenkte sich der Verdacht auf ihn und die bei ihm durch die Kriminalpolizei vorgenommeneHaussuchung förderte auch tatsächlich die gezeichneten Flaschen zum Vorschein. Um die Sache aus der Welt zu schaffen und einer gerichtlichen Vernehmung zu entgehen, lieferte D. dem Lager-Verwalter 100 leere Flaschen als Ersatz ab. Dcr Amtsanwalt beantragte gegen D. eine Woche Gefängnis. Der Verteidiger bat um eine mildere Strafe. Das Gericht beschloß Festsetzung eines neuen Termins und Ladung weiterer Zeugen. — Der 26jährige Maurer K. R. von Hattenhof war des Betruges angeklagt. Er hat in einem hiesigen Geschäft für 12,50 Mark Waren auf Kredit entnommen und sie auf- den Namen seines Vaters, des Schneidermeisters R. aufschreiben lassen. Die Verhandlung ergab, daß K. R. keine Täuschung beabsichtigte. Folglich wurde auf Freisprechung erkannt. — Der Kaufmann A. M. in Unterliederbach (Kreis Höchst a. M.) mußte wegen rückständiger Zahlung von dem Möbelfabrikanten K. L. hier verklagt werden. L. erzielte ein vollstreckbares Urteil und es kam zum Verkauf zahlreicher Sachen. Mit dem erzielten Erlös war M. nicht einverstanden und schrieb einen Brief, der viele sckwcr beleidigende Stellen aufwics, an den Fabrikanten K. L. hier. M. wurde daher wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 10 Mark verurteilt. — Lange Zeit nahm die Privalklage ter Ehesrau F. B. hier gegen den Bau­unternehmer A. Sch. hier in Anspruch. Die Frau behauptete, von Sch. körperlich mißhandelt worden zu fein. Ter Rechtsbeistand der Privatklägerin bat um Bestrafung des Beschuldigten, während der Verteidiger des Sch. Freisprechung beantragte, zumal der in Betracht kommende Vorgang durch die Zeugen­vernehmungen nicht vollständig aufgeklärt fei. Das Gericht kam auch zu dieser Ueberzeugung. Es sprach daher den Angeklagten Sch. frei und verurteilte die Privatklägerin zurTragung sämtlicherKosten. — Eine weitere Privalklage und Widerklage zweier hiesigen Ehefrauen, die teilweise unter Ausschluß der Oeffenttichkc.t verhandelt wurde, fiel der Vertagung anheim.

;; Da sich der Abschied naht . . . Die Einstel - lungszciten der Rekruien sind in diesem Jahre wie folgt festgesetzt worden: Mannschaften der Bezirkskommandos, Oekonomiehandwerker am 1. Ok­tober; Kavallerie, Train und Fahrer der Maschinen- gewehr-Kompagnien am 3. Oktober; Infanterie und Jäger sowie der Hauptteil der Artillerie am 15. Ok­tober. Tie angehenden Vaterlandsverteidiger seien auf nachstehende wichtige Bestimmung aufmerksam

gemacht. Vor ihrem Eintritt in den Truppenteil sind sie verpflichtet, von einem etwa gegen sie schwebenden Gerichtsverfahren der zuständigen Militär­behörde Mitteilung zu machen. Unterlassen sie diese Anzeige und wird wegen des Falles gerichtlich eine Strafe verhängt, so werden sie zur Verbüßung der Strafe entlassen, ohne daß eine Anrechnung der be­reits abgedienten Zeit erfolgt; im nächsten Jahre werden solche Rekruten dann von neuem ausgeboben und eingezogen. Will sick ein Rekrut vor seinem Eintritt in den Truppenteil verheiraten, so hat er bei dem zuständigen Bezirkskommando die Ausstellung eines Eheschließuugskonsenses zu beantragen. Aus der Eheschließung können keinerlei Unteifftützungen für die Ehefrau oder etwaige Kinder an den Staat ober eine Gemeinde geltend gemacht werden; ebenso wie die Verheiratung ohne jeden Einfluß auf die Ab­leistung der aktiven Dienstjahre bleibt. Rekruten ha­ben sich bei der Einberufung zum aktiven Dienst bei der Polizeibehörde ihres Wohnortes abzumelden, und tun in ihrem Jntereffe gut, dies auch der Steuer­behörde mitzuteilen. Die Jnvalidenkarten sind durch die Behörde mit einem bezüglichen Vermerke zu ver­sehen und aufzubewahren, da sonst Weiterungen ent­stehen können.

A Manöverzwischenfälle. Auf Befehl des komman­dierenden Generals Exzell. v. Scheffer-Boyadel kehrt das 11. Artillerieregiment, das zusammen mit dem 47. Art.-Regf. das Brigadeexerzieren bei Rudol­stadt milmackte, wegen Ausbruchs einer brüst- feucheverdächtigen Krankheit unter den Pferden von dort nach Kassel zurück. Das Regiment wird in drei Sonderzüg en von Rudolstadt ans nach Kassel und Fritzlar befördert und macht die Herbstmanöver nicht mit. — Bei dem Nachlgesecht zu Ende voriger Woche im Manövergelände bei Flieden, stürzte der in Flieden einquartierte Regi­mentsadjutant Oberleutnant Eisenhart Rotbe und erlitt schwere Schenkelverstauchungen. Er befindet sich auf dem Wege der Besserung.

-y- Viehsonderzüge. Anläßlich des morgigen Vieh- Marktes wird auf hiesiger Station bei Aufgabe von mindestens 10 Waggons Vieh, je ein Viehsonderzug in der Richtung nach Gießen, Bebra und Frank­furt a. M.-Süd eingelegt.

X Wiirmeschllhwagen. Es verkehren nunmehr auch auf den Strecken Hamburg-Bebra- Fulda -Elm- Gemünden-München und umgekehrt Wärmeschutz­wagen. Diese laufen Dienstag und Mittwoch von Hamburg nach München und Donnerstag und Frei­tag von München nach Hamburg.

Aus dem Nachbargebiete.

A Bad Orb, 2. Sept. 1913. Nach dem „B. B." ist es zwischen den beiden Obergutachtern Forstrat a. D. von Nathusius-Berlin (für bett Militärfiskus) unb bent Forstrat Mudra-Wächtersbach (für die Stadt Bab Orb), bezüglich bes Walbverkaufs an ben Militärfiskus zu einem befriebtgenben Ergebnis gekommen. Die Gutachter waren sich dar­über einig, baß ber Bobenbestand in einer höheren Bonitätsklasse zu bewerten sei unb setzten als Ent- schäbigungssumme 2 570 000 Mark fest, wobei noch über 100 Hektar Wald in städtischem Besitz verblei­ben. Einer enbgiltigen Entscheidung ber Militär­verwaltung wirb bis zum 15. b. M. entgegengesehen.

(!) Frankfurt a. M, 3. September 1913. Im Ver- b and der katholisch en Studentenvereine Deutschlands finbgt am kommenden Samstag, den 6. September in Frankfurt der dritte Kongreß für das gesamte Philistertum statt, nachdem zuWiesbaden vor vierJahren und ebenda im Anschluß an die MainzerKatholikenversammlung vor zweiJahren sol­che Kongreffe tagten. Der Kongreß beginnt mit einer Be­grüßung der Teilnehmer am Freitag abend im Winter­garten des Restaurants Kaiserhof, Goetheplatz. Die Beratungen werden am Samstag im Saale dieses Restaurants um 9 Uhr vormittags unb 3V? Uhr nach­mittags ftattfinben. Am Samstag abend ist ebenda Kommers mit Damen. An den Kongreß schließt sich am Sonntag, den 7. Sept, ein gemeinschaftlicher Ausflug nach Homburg-Saalburg-Oberursel.

* Bad Nauheim, 2. Sept. 1913. Der im Balkan­kriege viel genannte russische Gesandte am serbischen Hofe, Exzellenz von Hartwig, ist mit Familie in Bad Nauheim eingetroffen.

* Wetzlar (Lahn), 2. Sept. 1913. Beim Entladen eiyes Waggons verunglückte am Samstag der auf ben Buberusschen Eisenwerken beschäftigte 27 Jahre alte Arbeiter Jakob Kegel aus Wetzlar-Niedergirmes tödlich.

• Limburg a. b. Lahn, 2. Sept. 1913. Nachdem nunmehr endgültig feststeht, baß die lanbesherrliche Anerkennung bes erwählten Bischofs von Limburg, Dr. Augustinus Kilian in ben nächsten Tagen hier eintreffen wirb, ist als Tag ber Konsekration unb Inthronisation ber nächste Montag, 8. September (Mariä Geburt) befinitiv festgesetzt wor­den. Die Weihe bes neuen Bischofs wird der Metro­polit der oberrheinischen Kirchenprovinz, Erzbischof Nörber von Freiburg unter Assistenz der Bischöfe Kirstein von Mainz und Schmitt-Fulda vor­nehmen. Außerdem werden noch Bischof Keppler von Rottenburg und ber apostolische Präfekt für Kamerun, ber Missionsbischof Bieter, an ber Feier teilnehmen, zu ber u. a. auch ber Oberpräsident ber Provinz Hessen-Nassau, Exzellenz Hengstenber^ Käs­se l, erwartet wirb.

Amt Geisa und Umgebung.

* Buttlar, 2. Sept. 1913. Einen überraschenden Ausgang halle die am Samstag vorgenommeue Bürgermeisterwahl. Man nahm allgemein an, daß der bisherige langjährige Bürgermeister Manuel wieder gewählt werden würde. Mit 7 Stimmen Mehrheit wurde jedoch Gastwirt Winter zum Orts- obertjaupt gewählt. Nach der,Dermb. Tageszeitung' wird gegen die Wahl Einspruch erhoben werden.

* Weilar, 2. Sept. 1913. Der Geflügel- und Kaninchcnzuchtverein veranstaltet am Sonntag, den 7. September Geflügel- unb Kaninchenschau.

Aus Oberhessen u. den Hess. Aenttern.

* Marburg, 2. Sept. 1913. Ter hiesige Literatur­historiker Pros. Tr. Ernst Elster wird zu Ende des Winter-Semesters einer Einladung der Cornell- Universität zu Jthaea im Staate Newyork folgen, um daselbst während zweier Monate einen Zyklus von Vorlesungen über neuere deutsche Literaturgeschichte zu halten. Er wirb d» einen erst neuerbingS be- grünbeten Lehrstul-I siege bes Deutschtums be- kleiben, auf ben c(: j für ein halbes Semester

ein deutscher Gelehrier berufen werben soll; als erster hat in Jthaea ber jüngst nach München berufene Ge­

heimrat Erich Marcks im Frühjahr 1913 über die Errichtung des deutschen Reiches gesprochen.

* Kirchhain, 1. Sept. 1913. In der Stadl- verordnetensitzung wurde über den Umbau des Rathauses verhandelt. Architekt Tauber-Marburg hatte ein Holzmodell des Umbaues anfertigen lassen, das zur Ansicht bereit stand. Nach kurzer Beratung wurde beschlossen, die Mehrkosten für den Umbau des Erdgeschosses nach den Plänen des Herrn Tauber M bewilligen. — Es wurde beschlossen, ein Darlehen in Höhe von 50000 Mark zur Deckung der Kosten des Wasserleitungsbaues aufzunehmen. — Zur Deckung der Kosten für die Zuchtböcke wurde der Betrag von 1 Maik als Abgabe für Zlegenhalter festgesetzt.

* Neustadt, 2. Sept. 1913. Bei der Weihefeier des Hessischen Landesmuseums in Kassel am 23. b. Mts., wurde besonders die ausgestellte originelle „©diroälmerftube' bewundert. Die Stube ist ein Werk des Amlsgerichlssekrelärs Wessel, zur Zeit in Marburg. Während seiner 7 jährigen dienstlichen Tätigkeit am Amtsgericht in Neustadt sammelt« und kaufte er in der angrenzenden Schwalm die besten Stücke bäuerlicher Kleinkunst, um sie dem Landesmuseum einzuverleiben. In dem Gasthaus zur Krone in Wiera wurde die Sammlung sortiert unb ausgestellt, lieber 10 Puppen wurden hergerichlek Mehr als ein Jahr ist W. von der Justizbehörde beurlaubt gewesen und hat in dieser Zeit in mehr als hundert Ortschaften die seltenen Trachtenslücke aufgekauft. Auch die Jnnenmalcrei der Bauernstube ist von seiner Hand. Ferner wurden von ihm die Butzensensterscheiben und die mit ornamentaler Schnitzerei versehenen Slubenlüren erworben. In Anerkennung seiner Verdienste um die hessische Kunst, und Trachtcnsammlung wurde Herrn Wessel bei Kronenorden 4. Klasse überreicht.

# Homberg (Esze), 2. Sept. 1913. Eine hervor- ragende Leistung hat Herr Z. Blum vom hiesigen Landmesserbüro vollbracht. In klarer und deutlicher Schrift hat er auf eine Postkarte 6000 Worte qe. schrieben.

* Homberg a. d. Ohm, 1. Sept. 1913. Gestern abend brach in dem Gehöft des H. Sartorius Feuer aus. Lichterloh brannten Stallungen und Scheuer, so daß das Vieh mit knapper Not gerettet werden konnte. Das Inventar wurde ein Raub der Flam­men. Auch das Nachbarhaus des Schreinermeisters Hemmel wurde von den Flammen ergriffen, konnte aber vor völliger Vernichtung gerettet werden.

* Welter, 2. Sept. 1913. In dem Nachbardorfe Niederwetter kam beim Weizenmähen das dreijährige Söhnchen des Landwirts Eckel der Mähmaschine so nahe, daß ihm beide Beine abgeschnitten wurden.

* Bürgeln, 2. Sept. 1913. Hier kam es unter den Brüdern F., wie man glaubt, wegen bei Hinterlassenschaft ber vor kurzem verstorbenem Muller, zu Streit und Schlägereien. Der eine Bruder wurde mit dem Messer böse zugerichlet, so daß er sich sofort in ärztliche Behandlung begeben mußte.

vermischtes.

* Ein Opfer der Rennwetten. Die Kriminal­polizei in Karlsruhe verhaftete auf dem Iffezheimer Rennplatz einen Kaufmann, ber der Firma Michels in Köln 10 000 Mark unterschlagen und sie verwettet hatte.

* Die Einführung einer städtischen Gemüsezucht wurde von den Stadtverordneten in Barmen im Rheinland beschlossen.

* Gin Ordensritterbrunnen. Auf dem Platze vor der Jnfanteriekaserne in Marienburg soll dem­nächst ein monumentaler Brunnen errichtet werden, ber die Figur eines Hochmeisters des deutschen Rit­terordens darstellen wird.

♦ Ein polnisches Dorf niebergebrannt Der un- toeit Lodz liegende Flecken Kurif ist durch eine Feuersbrunst vernichtet worden. 50 Wohnhäuser brannten nieder, ohne daß die Bewohner ihr Be­sitztum retten konnten. In den Flammen kamen d t e r Personen, darunter drei Kinder, um.

* Ausschreitungen unzufriedener Passqzicre. Die haarsträubenden Zustände auf der Bahnlinie Neapel- Rom haben zu tumultartigen Ausschreitungen und Gewaltakten ber Passagiere geführt, die nicht nur unter ber Verwahrlosung bes rollenden Materials, sondern auch unter Verspätungen von einer bis zwei Stunden schwer zu leiden hatten. Die Arbeiter der Armstrongwerke bei Puzzuoli hatten sich schon vor einigen Tagen einen Urlaub erbeten, um sich in einem Demonstrationszug zu den Neapeler Behörden zu be­geben und Beseitigung der Mißstände zu erbitten. Da man sie mit leeren Worten abspeiste, so schritten sie nun zur Tat, zer st orten zwei Waggons, be­schädigten die Lokomotive und empfingen die herbei­eilenden Carabinerie mit einem Steinhagel, ber meh­rere verwunbete. Die Bahnlinie ist jetzt militärisch besetzt. i

* Fliegerlandung in Russisch-Polen. In der Nähe von Kalisz ist vorgestern der Flieger Niels Jen­sen, der von Paris aus über Oesterreich geflogen war, gelandet. Er gedenkt zwei Tage zu rasten und dann nach Paris zurückzufliegen.

* Hebet Schülerselbstmorde in den Lehranstalten Rußlands im Jahre 1911 ist ein? Statistik erschienen. Es fanden 155 Selbstmorde statt (107 Schüler und 48 Schülerinnen) und 91 Selbstmordversuche (59 Schüler und 32 Schülerinnen). Aus die unteren Lehranstalten entfallen 29, auf die mittleren 111, auf die höheren 15 Selbstmorde und 13 bezw. 77 bezw. 1 Versuch. Dem Alter nach geht die Manie schon mit 11 Jahren an. Erschöpfend ist die Statistik aber nicht, man darf die Zahl der Schülerselbstmorde jebensolll bedeutend höher schätzen.

Handel und Industrie.

-5 Berlin, 2. Sept. 1913. An ber Börse bauen die Begeisterung fort. Als ein Hauptmoment bei günstigen Gesamtabstimmung kommt bic vorteilhaft« Entwicklung der Geldmarktverhältnisse in Betracht. Bon deutschen Anleihen gaben 3prozentige Reichs- anleihen 0,10 Prozent nach. Ter Privatdiskont wurde für kurzfristige und für langfristige Sichten besonders notiert. Die Notiz für kurze Sichten zog um Vt Pro­zent auf 5 Prozent an, während bic für lange Sich­ten mit 4% Prozent unberänbert blieb.

Reklamen- und Anzeigenteil.

Müller fürchte« nichts fo sehr wie einen Brech­durchfall, der das Leben ihres Säuglings au;s stärkste bedroht. Eine richtige Ernährung ist das beste Vor­beugungsmittel, und zwar ist dort, wo Muttermilch nicht vorhanden ist, „Kufeke« mit Milch die Nahrung, die keine schlimmen Darmoärungen cnukommm läßt.