Einzelbild herunterladen
 

Zuldaer Zeitung

Crfdjrirt »gNch mR fiusnal)mt Oer Sonn- unb Sekrtoge. viertel, jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda sowie auswärts 1.50 mark. •••• Rotattonsbru» und Verlag der ~ - julöoer flctienbrudterei in Zulda. Zemsprecher Nr. S. r s

s * IDodjen-Bdtage: s s I 's s THonats-Behäge: s s Illustrierte Sonnfogszetfung | Zuldaer Seschichtsblätter s Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen KtofTen-Iotterie. — halbjährlich Taschenfahrplan, k

Itnjelgen: Per Reum einer elnfpolflgen celeneheNe, 47 nm breit, hoffet !5 pfg. Reklamen: Der Raum einer Colonetjeile, 74 mm breit, kostet 40 Pfg. Bei Wiederholungen Rabatt. $<k Offert- unb Auskunftonjeigen 20 Pf. extra. 3n Konkursfallen wird der bedingte Rabatt hinfällig. Erfüllungsort für bas Ein­klagen eon Sortierungen Ist $u‘tba. flnteigen-Annahme bis 10 Uhr bormittags. N u 6räßere Anzeigen erbitten wir uns tags vorher. - '-t

Mittwoch den Z. September 1913»

Crftes Blatt

Nr. 203.

40. Zahrgang.

Friedenspalast und Sedanseier.

Ist unsere Sedanfeier wirklich „kriegerisch" oder gar cherausfordend", wie ihr manchmal zum Vorwurf gemacht wird? Steht unsere Sedanfeier in Gegen­satz zu den Friedensbestrebungen, denen man im Haag soeben einen Tempel erbaut hat?

Gewiß, am Sedantage gedenken wir des Sieges, den unsere braven Truppen vor 43 Jahren errun­gen haben. Aber nicht mit der Schadenfreude, die sich an der Niederlage des Gegners weidet, sondern in dem Dankgefühl für die e i g e n e E r r e t t u n g, für die Abwehr des feindlichen Angriffs und die Be­währung der eigenen Kraft. In diesem Sinne wird auch der Gedenktag von Sedan zu einem Frie­de n s f e st. Wer die Ereignisse von 1870/71 selbst noch miterlebt hat, der wird Zeugnis davon ablegen können, daß der erste und vorherrschende Gedanke bei der Siegesbotschaft von Sedan war: Gott sei Dank, jetzt gibt es Frieden!

Der Friede ließ freilich noch fast ein halbes Jahr auf sich warten. Das war aber nicht die Schuld der Deutschen. Die Franzosen rafften alle ihre Kräfte zusammen, um das Kriegsglück wieder zu wenden. Das wollen wir auch ihnen nicht als Schuld anrech­nen, sondern auf Rechnung des Niturtr' bes setz n, der die kräftigen Männer und die gesunden Völker zwingt, das äußerste zu versuchen, ehe sie sich für besiegt erklären. Diese Scheu vor dem Nachgeben führte leider zu einer Vermehrung der Opfer, die der Krieg forderte. Doch bei allem menschlichen Mit­leid muß man als Realpolitiker doch anerkennen, daß bte Fortsetzung des Krieges über Sedan hinaus auch gute Wirkungen hervorgebracht hat. Denn wäre die Kraftprobe nicht vollständig zum Austrag gebracht worden, so hätten wir schwerlich einen Frieden von 43jähriger Dauer bekom­men. Dann würde aller menschlicher Berechnung nach schon in den nächsten Jahren nach 1870 eine neue Kraftprobe veranstaltet worden sein.

Von demselben Gesichtspunkte aus muß man die Bringungen des Friedensvertrages von 1871 be­trachten, namentlich die Abtretung von Elsaß-Lothrin- gen. Wer da sagt, daß Deutschland durch die „har­ten" Bedingungen die unversöhnliche Feindschaft Frankreichs herausgefordert habe, der verkennt die politischen Naturgesetze und zugleich die Absichten Bismarcks. Deutschland war zur Verteidigung ausgezogen und hatte keine Eroberungen im Sinn. Die Logik der Tatsachen zwang uns aber zur Annektierung der Reichslande. Der entscheidende Gesichtspunkt war keineswegs die Landgier, sondern vielmehr die Erkenntnis, daß wir Straßburg und Metz notwendig gebrauchen zur Sicherung unserer Westfront, zur Verhütung von neuen Angriffen Frankreichs. Das ist durch die Geschichte der letzten vier Jahrzehnte in vollstem Maße bestätigt worden. Wir haben einen Frieden erreicht, der jetzt schon saft ein halbes Jahrhundert vorgehalten Hal. Das ist wahrlich eine Frucht des uns ausgezwunge­nen Krieges, die sich schon sehen und feiern lassen kann.

Sonach könnte man die Sedanfeier auch im Frie­denspalast vom Haag begehen, als der Gedenktag der Begründung des andauernden europäischen Friedens.

In Deutschland sind bei der Sedanfeier auch schon Kampftöne angeschlagen worden, nämlich in der Kulturkampfszeit, als die hitzigen Gegner des Ka­tholizismus am Sedantage zum „Kampfe gegen den inneren Feind" aufzurufen liebten. Das war häß­lich und töricht; aber diese innere Zwistigkeit ging ja das Ausland nichts an. Das Ausland kann sich über unsere Sedanfeiern wirklich nicht beklagen. Es gibt ja freilich in einem Volke von 50 oder 60 Mil­lionen immer einige „nationalistische" Heißsporne, die gelegentlich in der Fistelstimme lauter schreien, als gut ist; doch diese „alldeutschen" Lärmmacher sind stets vereinzelte und belanglose Ausnahmen ge-

.Her Mrandstifter.

M Eine : Bauerngeschichte aus dem Taunus

von Fritz Ritzel.

Doch war es das nicht allein, was ihm die Heimat derleidete — ein schwerwiegender Grund, an den er sich zu denken scheute, hielt ihn ferne und veran­laßte ihn, bei gelegentlichem Zusammentreffen mit Mutter und Schwester, wenn die eine oder die an- bere derselben ihn während seiner Dienstzeit im ver­flossenen Jahre in Wiesbaden besucht hatte, tntnter wiürer Borwände zu ersinnen, um sein Wegbleiben zu rechtfertigen. Ein recht törichter Jugendstreich war es von ihm gewesen, mit dem hübschen Klärchen Kayser, eines der reichsten Bauern im Dorfe, eine förmliche Liebschaft anzufangen, als er vor zwei Iah' ren kurz vor dem Plötzlichen Tode seines Vaters, in den großen Ferien zu Hause weilte. An deut hüb­schen Sing mit den sammetbraunen Augen und dem rötlichen Haar hatte er damals entschieden Gefallen gefunden; seiner Eitelkeit schmeichelte es, daß das Mädchen immer heiß errötete, sobald er in dessen Ge­sichtskreis kam und daß es offenbar jede Gelegenheit wahrnahm, ihn zu sehen. Wenn er sich auch damals hundertmal sagte, daß seine zukünftige Lebensgefähr­tin anders geartet sein müsse wie Klärchen Kayser, oaß er nur neben einem Weib von gebildetem We­sen und idealem Charakter wirklich glücklich Werben könne, nicht aber mit einem ungebildeten Bauern­mädchen, so reizte ihn doch die frische Anmut und die reine Natürlichkeit des rosigen Kindes.und unwillkür­lich gab er sich dem Zauber, welchen dessen Persön- kchkeit auf chn ausübte, willig hin. Das ganze We­sen Märchens entsprach so sehr der schönen Heimat mit ihren romantischen Tälern und Triften, den waldbÄvochsenen Höhen und silberhell sprudelnden Bäche, daß es damals wie ein Moment des Ver- gefieur Aber ihn gekommen war, wie die lleberzeu- aunx, ete Kinne ihm trotz der Verschiedenheit des tei- bcrieinsnt Bildungsgrades tntr an der Hand des lie­

blieben. Auch in den Sedanfeiern hat sich die Frie­densliebe des deutschen Volkes bekundet.

Am Sedantage wünschen wir ebenso herzlich, wie an den anderen Tagen des Jahres dem Friedens- Werke vom Haag den besten Fortgang, wenn wir auch leider nicht zu hoffen wagen, daß der „ewige Friede" noch zu unseren Lebzeiten gesichert werden könnte. Die Ausbildung der Schiedsverträge und der Schiedsgerichtsbarkeit ist aber doch anzustre­ben, da hiermi? die Zahl der Kriege eingeschränkt werden kann. Deutschland hätte gewiß nichts da­gegen einzuwenden gehabt, wenn im Juli 1870 ein Schiedsgericht bestanden und über den fran- zösisch-deutschen Streit wegen der spanischen Hobcn- zollern-Kandidatur zu entscheiden gehabt hätte. Denn zweifelsohne wäre der Spruch des Schiedsgerichts so ausgefallen: „Nachdem die Kandidatur des Prinzen von Hohenzollern in aller Form zurückgezogen wor- den ist, hat Frankreich keine Veranlassung mehr zu Beschwerden oder Forderuügen an Preußen; die Sache ist erledigt, die Mobilmachung ist einzustellen, die Akten sind zu reponieren. V. R. W.!"

Wer gerecht und friedlich ist, braucht den Spruch eines ehrlichen Schiedsrichters nicht zu scheuen. Da cs aber in der Welt nicht immer ehrlich und gerecht zugeht, muß man sich wehrfähig halten. Und wenn wir in der Sedanwoche uns über die verbesserte deutsche Wehrkraft freuen, so geschieht das auch nur in dem Bewußtsein, daß sie uns den Fortbestand des Friedens verbürgt.

O Gelbe Gefahr.

Auf dem Metzer Katholikentag ist von verschiede­nen Seiten auf die dringliche Notwendigkeit hingewie­sen worden, daß die deutschen Katholiken der Misiio- nierung des chinesischen Riesenreiches ihre Aufmerk­samkeit zuwenden müssen, weil eine neue Zeit dort anhebt, das Alte stürzt und alles nach neuer Gestal­tung drängt. In die Tiefen des unermeßlichen Lan­des und in die Geister und Herzen der weitaus über­wiegenden Mehrheit dieses Millionenvolkes haben Kultur und Gesittung noch nie sich Bahn brechen können, aber jetzt, wo das alte System in Trümmer geschlagen ist, und die Freiheit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens sich Wege ebnet, weht auch ein Zug geistiger und sittlicher Erneuerung durch das Land und es bedarf nur kundiger Hände, das willige Volk auf den rechten Weg zu führen und vor allem seeleneifriger Männet, die dem Ruf nach dem neuen Gott die rechte Antwort zu geben vermögen.

Europa hat an der christlichen Misiionierung Chi­nas ein weit größeres Interesse, als auf den ersten Blick scheinen möchte; die gelbe Gefahr, die dem Abendland von Osten her droht, ist mehr als ein Schlagwort und hat sich heute schon zu einem Macht­faktor gestaltet, mit deut Europa rechnen muß. Fast erschreckend kommt jetzt die Meldung, daß zwischen Japan und China ein vorläufiges Abkommen ge­schlossen sei, jedenfalls ein regelrecht chinesisch- japanisches Bündn-s in Vorbereitung sei. Welch ungeheure Macht die verbündete gelbe Rasse darstellt und welch ftirchtbare Stoßkraft die gelben Massen unter der klugen und kundigen japanischen Führung ausüben köynen, läßt sich gar nicht aus- denken.

Ein chinesisch-japanisches Zusammengehen richtet sich allerdings in erster Linie gegen Rußland, dessen Machtansprüche und dessen Vordringen im fernen Osten beiden Reichen gefährlich werden. Kluge Poli­tische Erwägung hat Japan jetzt nur veranlassen kön­nen, die von China dargebotene Hand zu ergreifen und der jahrelangen Zwistigkeiten zu vergessen, die Japan und China entzweit haben. Gerade jüngst noch in der südchinesischen Rebellion hat Japan durch die Unterstützung von Aufrührern seine alte Feind­schaft gegen China gezeigt und nur die äußerste Not hat die chinesische Regierung veranlassen können, den

ben MädckenS ein wahres, sein ganzes Herz voll be­friedigendes Glück erblühen und unter Liebkosungen hatte er der verschämt in seinen Armen Ruhenden unveränderliche Liebe und Treue geschworen. Als aber nach seiner Rückkehr in die Musenstadt wieder die nüchterne Ueberlegung einsetzte und die inan- nigfachen Eindrücke des Studentenlebens seine, wie er sich sagte, im Rausch des Augenblicks emporgeflammte Neigung überwucherten, als er in den feinen Gesell­schaftskreisen, zu welchen er Zutritt erlangt hatte, mit der Blüte der weiblichen Jugend verkehrte und fein- geistige Frauen kennen lernte, da gestand er sich im Lause der Zeit ein, daß er doch etwas übereilt ge­handelt hatte, als er Klärchen seine Liebe erklärte. Hätte er "dem Mädchen wenigstens nicht den Ring, den ihm seine. Pate zur Konfirmation gegeben, als Zeichen feiner Treue geschenkt! So konnte Klärchen die Sache wirklich für ernst nehmen und wenn sie das tat, dann stand es mit feinen Aussichten, »inmal durch Heirat -eine feinen Kenntnissen und seiner Bil­dung entsprechende Stellung im Leben zu erlangen, recht schlimm — er hatte wirklich wie ein recht dum­mer Junge gehandelt, hatte sich verplempert, hatte wegen ein paar Küssen auf einen hübschen Mädchen­mund, nach denen es ihn einen Augenblick gelüstet, seine ganze Zukunft in die Schanze geschlagen, seine Freiheit geopfert. Gott fei Dank, daß er wenigstens keinen Briefwechsel mit Klärchen vereinbart und das Mädchen auch gebeten hatte, die Sache streng geheim zu halten — so war doch zu hoffen, daß alles mit der Zeit im Sande verlief, wenn er einfach von zu Hause wegblieb und seine Torheit als nicht geschehen be­trachtete.

Wohl verspürte er bei dieser Vorstellung int in­nersten Winkel seines Jchs ein schmerzliches Empsin- denj als würde ihm bei Beharren auf seiner Absicht ein unendlich teures Gut entrissen — es war wie ein fernes melodisches Klingen, in dem sich Bachgemur- mel, Vogelsang und Waldesrauschen cutten, das jenes dumpfe Wehzcsüh! in ihm auslöste. . Er hatte ärger­lich sich selbst verspottend, die Stimme zum Schweigen gebracht und war den Weg gegangen, der ihm allein

japanischen Feind um Hilfe und Freundschaft zu bit­ten. Wenn man sich in Tokio zum Bündnis mit China versteht, so geschieht es ans der Erkenntnis heraus, daß der russisch-japanische Gegensatz den , Wi­derstreit der Interessen Japans und Chinas über­wiegt und daß das aufstrebende japanische Staats­wesen von einem hilfesuchenden China nur Vorteile erwarten kann.

Auf der anderen Seite ist aber auch J u a n- s ch i k a i ein kluger Mann, der die Tragweite feines Schrittes wohl überschaut. Für ihn ist es jetzt die dringlichste Pflicht, dem unaufhaltsamen Drängen der russischen Truppen in der Mongolei Einhalt zu gebieten, und wenn sich Japan dabei auf feine Seite stellt, dann dürste Rußland in der Mongolei-Frage wieder sanftere Töne anschlagen. Es kann aber auch fein, daß China und Japan jetzt gemeinschaftlich auf einen Krieg mit dem russischen Erbfeind hindrängen, um endlich einmal die Frage der Hegemonie im fer­nen Osten zu entscheiden.

Wir stehen jedenfalls bei diesem, bevorstehenden japanisch-chinesischen Bündnis vor einem Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung, das in seinen Fol­gen gar nicht zu übersehen ist. Wenn der Osten jetzt aus "seinem jahrtausendelangen Schlaf erwacht und seiner Macht sich bewußt wird, dann helfen keine Dämme und chinesischen Mauern gegen eine Völker­welle, die sich von dort zum Abendland hin ergießen würde. Gerade aus der Erwägung, heraus, daß Europas Sicherheit und Bestand vom Osten her be­droht werden könnte, ergibt sich doppelt dringlich die große Aufgabe, im Osten die Fahne des Christentums aufzupflanzen. Gelingt uns dies, bann mag vielleicht einmal die Zeit kommen, wo uns vom Osten her nicht mehr Verderben droht, sondern uns Heil kommt.

)( Frankreich in Not.

Die rcvanchelustige sranzösische Republik hatte sich in den letzten Jahren in den Glauben hineingelebt, daß nur eine außerordentlich große Erhöhung der Friedenspräsenzstärke der Armee, also eine außer­ordentliche Vermehrung der ohne Mobilmachung un­mittelbar ins Feuer zu schickenden Truppen den Frie­den aufrecht erhalten könne. Daß man bei dem fort­dauernden Sinken der Geburtenziffer eine Vermeh­rung der Präsenzstärke innerhalb der beiden Jahr­gänge nicht erreichen könne, darüber war man sich feit langem klar, und alle Welt jubelte in Frankreich auf, als man entdeckt zu haben glaubte, daß ja mit der Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit eine Vermehrung der Friedenspräsenzstärke um fast die Hälfte erreicht werden könne. Unter steigender Erbitterung unb grenzenloser Selbstüberhebung gegen­über Deutfchland hat man dann die Wiedereinfüh­rung der dreijährigen Dienstzeit abermals beschlossen und dadurch in Frankreich eine berüchtigte Stimmung erzeugt, die sich bei jeder nur denkbaren Gelegenheit in Ausschreitungen gegenüber Deutschland Lust machte. So glaubte man, Armeen aus der Erde ge­stampft zu haben. Aber die Kehrseite der Medaille war den Herrschaften noch nicht ausgefallen. Zu ben Armeen gehören nicht bloß Soldaten, dazu gehört vor allen Dingen ein ausgedehntes, zahlreiches neues Ausbildungs Personal, und das läßt sich nicht einfach durch Vermehrung der Dienstzeit her- vorzaubern. Man befindet sich augenblicklich tn einer geradezu komisch wirkenden Verlegenheit, und das verleitet die leitenden militärischen Stellen dazu, sehr laut für die Gewinnung solchen Ausbildungsverso- nals die Werbetrommel zu rühren. Der französische Kriegsminister hat einen Erlaß hinausgesandt, worin es heißt:

Die Truppenkommandeure werden sich bemühen, unter den demnächst zu entlassenden Leuten Kapi­tulanten zu werben, aber die Ergebnisse müssen un­genügend bleiben, wenn nicht auf die Mannschaften der Reserve zurückgegriffen werden kann. Auf

als der richtige nach des Lebens Höhen führende er­schien und als erst während seiner Dienstzeit die schöne Elvira, die Tochter des Geheimrats Werthauer in seinen Gesichtskreis trat und mit ihrer blendenden Engelsgestalt und ihren sprühenden Geistesgaben sein ganzes Fühlen und Denken in Fesseln schlug, da er­losch auch der letzte Funken von Liebesneigung für die einfache Mädchenblume im heimatlichen Dorfe unb nur ein beunruhigenbes Gefühl durchzuckte ihn, wenn er Klärchens gedachte und erwog, daß von ihr viel­leicht Rechte auf ihn geltend gemacht werden könnten. Das gäbe einen schönen Eklat — jetzt nachdem die schöne Elvira ihm ihre Liebe gestanden hatte — wenn Klärchen oder ihre Angehörigen jetzt auf einmal An­sprüche an ihn stellten, ihn an fein Derfprechen crin- neten — aber daran war ja nicht zu denken! Klär­chen war ja viel zu schüchtern, viel zu verängstigt vor ihrem sittenstrengen Elternpaare, als daß sie diesem eine Mitteilung von seiner Liebeserklärung gemacht hätte — er hatte sie ja dringend gebeten, darüber un­verbrüchliches Stillschweigen zu beobachten, bis er nach einigen Jahren in der Sage sei, um ihre Hand anzuhalten! Vielleicht hatte das Mädel die ganze Geschichte längst vergessen und sich mit einem An­deren getröstet? An Bewerbern konnte es ihr ja nicht bei ihrer Schönheit und ihrem Vermögen fehlen! Da war gewiß nicht das Geringste zu befürchten! Und von einem großen Herzeleid Klärchens um ihn konnte wohl erst recht nicht die Rede fein, sonst hätte sie doch gewiß während der zwei Jahre einmal an ihn ge­schrieben und ihn um eine Erklärung für sein Schwei­gen, wie auch dafür ersucht, warum er sich gar nicht mehr in der Heimal sehen ließ' Du lieber Gott — er machte sich wahrscheinlich übe" bi# ganze Geschichte viel mehr Kopfzerbrechen, als yöi^ war. Er hatte cinept jungen Mädchen ein paar Küsse gegeben und ihr eiwaS "von Liebe vorgeschwatzt — das hatte ihm und. ihr Spaß gemacht und damit Punktum! Diese allzugroße Gewissenhaftigkeit in den Anschauungen über diese Dinge, die chm von Eltern unb Großeltern vererbt worden war, die gewissermaßen in feinem

diese einzuwirken, fehlen jedoch der Heeresverwaltung fast alle Mittel; ich bin hauptsächlich auf Ihren Eifer und Ihre Tätigkeit angewiesen, um die dienst- entlaffenen jungen Leuten im Alter bis zu 26 Jahren auf die außergewöhnlichen Vorteile auf­merksam zu machen, die ihnen bei einer Dienstver­pflichtung für ein ober zwei Jahre in der Zeit zwi­schen dem 15. August und dem 15. November ge­boten werden. Diese Vorteile sind folgende:

1. Eine Prämie von 400 Mark für die Ver­pflichtung auf ein Jahr, von 880 Mark auf zwe i Jahre, zahlbar am Tage des Abschlusses der Kapitu­lation:

2. ein Löhuungszuschuß von täglich 80 Pfennig.; Ein Kapitulant erhält also, außer seiner Löhnung/ im ganzen 629 Mark für ein Jahr, 1464 Mark für zwei Jahre." ;

Es hat Schwarzseher in Deutschland gegeben, unb' auf der anderen Vogesenseite hält ihnen sranzösischer Chauvinismus die Steigbügel, die da glaubten, daß Frankreich nach der so erheblichen Vermehrung seines Efseksivbestandes sofort losschlagen werde. Aus den angeführten Tatsachen spricht jedoch eine tödliche Ver­legenheit der französischen Armeeverwaltung. Wir brauchen uns deshalb keine Sorge zu machen, daß der Revanchekrieg gegen Deutschland sobald komme/ wird.

Deutsches Reich. ,

♦♦ Berlin, 2. Sept. 1913. Die Herbstpctra d e des Garbekorps fand am Dienstag vormittag vor dem Kaiser auf dem Tempelhofer Felde bei Berlin statt. Punkt 8 Uhr begann der Kaiser, der die Uniform:bes 1. Garde-Regiments trug, die Front abzuschreiten. Im' sechsspännigen Wagen folgte die Kaiserin, neben, i^ die Prinzessin August Wilhelm. In einem zweiten vierspännigen Wagen folgten die Gemahlinnen.der! anderen in Berlin weilenden Prinzen. Das Gefolge; des Kaisers war diesmal besonders glänzend. Ter Vorbeimarsch war der Wärme wegen, um die Truppen/ denen ein anstrengendes Manöver bevorsteht, _ $u; schonen, nur kurz. Während der Parade treiften ' über dem Tempelhofer Felde verschiedene Flugzeuge. — Herzogin Alexandrine Mathilde von Würltem- berg ist am Dienstag im Alter von 83 Jahren in; Karlsruhe in Schlesien gestorben. ff

-s. Das neue Kaligesetz gefährdet. Wie Berliner. Blätter erfahren, ist bas Schicksal des neuen Kali-! gesetzes, bas dem Reichstag schon in der bevorstehend ben Tagung vorgelegt werben sollte, sehr sraglich ge* worben, lieber eine Reihe ber wichtigsten Bestim-^ rnungen des neuen Gesetzes bestehen unter den Bun-! desregierungen erhebliche Meinungsverschiedenheiten, unb es besteht vorerst keine Aussicht auf Einigung/ Vor mehreren Wochen hat in Berlin eine Bespre­chung von Vertretern der Bundesregierun- g en stattgefunden, die die Kalifrage zum Gegenstand hatte. Dte anwesenden Vertreter ber Bundesregie­rungen wurden mit dem vom Reichsamt des Innern ausgearbeiteten Entwurf vertraut gemacht. Eins Reihe wichtiger Bestimmungen fand aber starken Widerspruch, unb man ist übereingekommen, auf dem Wege weiterer Verhandlungen eine Einigung zu versuchen. Die stärksten Meinungsunterschiede bestehen bezüglich der geplanten Aufhebung der Ka­renzzeit. Das bestehende Gesetz enthält nämlich eine Bestimmung, daß ein Werk feine vollständige Quote erst nach Ablauf von fünf Jahren erhält. Ist aber der Fiskus mit i/2 an dem Werke beteiligt, fo erhalt es seine volle Quote sofort. Diese Bestimmung hat mit dazu beigetragen, baß bie Zahl ber Kaliwerke in den letzten Jahren ganz außerordentlich zugenommen hat. Die Beseitigung dieser fiskalischen Bevorzugung begegnet bei einzelnen Bundesregierungen kräftigem Widerstand, u. a. bei Baden, wo jüngst erst neue Kalilager entdeckt wurden, bei Bayern und mehreren mitteldeutschen Bundesstaaten. Auch Preußen, dal.

nassauischen Bauernblute lag, mußte er sich entschio den abgewöhnen.

Der Regenbogen war verblaßt und zwischen lang, gezogenen grauweißen Wolkenstreifen lugte wieder das Blau des Firmamentes hervor. Unter dem, in­folge des Gewitters das Tal herabstreichenden lind, kühlen Hauch ging es nach der brütenden Hitze des Tages wie ein erquickendes Aufatmen durch die ganze Natur. Wie Perlen glitzerten die Wassertropfen aus den sich leise wie in wonnigem Behagen hin- und her. bewegenden Halmen und Gesträuchen — mit jubeln­dem Tosen strömten die lehmgelb gewordenen Wasser des Baches das Tal hinab und helles Vogelgezwitscher tönte von den waldbedeckten Hängen der umliegenden Berge. — Der Fahrweg, den der Heimkehrende der-, folgte, begann jetzt zu steigen und bald konnte der Wanderer, auf der Höhe angekommen, das in einer stachen Mulde liegende, von Wiesen und Feldern um­gebene Heimatsdorf übersehen. Es hatte sich nichts in den zwei Jahren feiner Abwesenheit verändert. Genau wie damals ragte der schiefergebeckte Kirch­turm mit feiner verwitterten schmutzig-grauen Tünche zwischen den, mit graugrünen Schichten überzogenen Ziegeldächern der Häuser empor — das Grün der Obstbäume schimmerte freundlich zwischen den Gc-. Höften und fcheinbar endlos zog sich die von Wies­baden nach Limburg dicht am Dorf tiorüberfubrenbe Landstraße mit ihren weißgestrrchsnen Randsteinen in bie Ferne. Hinter dem Dache bes an der Land­straße liegenden elterlichen Hauses wölbte sich bie Krone des uralten gewaltigen Lindcnbaumes — ein eigentümliches, fast wehmütiges Erinnern durchzuckte den in Gedanken Verlorenen. Dort unter ber Stobt hatte er sie geküßt und hatte in jenem Augenblick ge. glaubt, der Glücklichste der Sterblichen zu sem! War es die Luft ber Heimat, war cs der Anblick 3tt Statte, wo sich jener Jug-ndtccmm abgespielt, was wieder jenes trauernde Empsirtden wachrief -— das Empfin­den fern wahres Seb.-»--glück des äußeren Glanzes willen, hahingegrden zu hal-en?