2. SIM.
Druck -er S»l6«r Actkendn»ck«rn in Selb«.
Fuldaer Leitung.
M 202.
Vienrtag 2. September 1915.
cer
offene Bcüauung bestimmten Bezirken gelten sollen. Nach dem einstimmigen Beschluß dürfen b offenen Bebauung die Gebäude höchstens drei Wohn-
«eschosse und darüber ein ausgeboutes Dachgeschoß er. alten. Tie Entfernungen vom Nachbargrundstück muß 4 Meter betragen, bei geschlossenen Vorbauten minde- stens 2% Meter. Zwei oder auch drei Gebäude dürfen ausnahmsweise unter besonderen Voraussetzungen zu einer Gruppe aneinander gebaut werden. Für diese offene Bebauung werden im § 9 vorgesehen die Stadtbezirke, die begrenzt werden 1) von den Gemarkungsgrenzen Äüngetl, Edelzell, Kohlhaus, Johannesberg, Sickels, Neuenberg, die Fulda, einem Weg, der oberhalb der Hornungsbrücke von dieser nach dem Badegarken führt, die Frantfurterstraße, die Hundsenggasse, Edelzellerweg, Künzellerweg bis zur Gemarkung Künzell, 2) von der Gemarlung Ziehers, Gemarkungsgrenze Leh- nerz und dem Wirtschaftsweg ck-e-k-g-li, 3) von der Gemarkungsgrenze Lehnerz, Horas, der Oberhessischen und der Bebraer Tißni-ahn. Im § 12 werden Bestimmungen getroffen, die aus gewissen Bezirkes Belästigun. gen durch gewerbliche Anlagen fernhalten bezw. mildern tollen. Verboten sind hier bauliche Anlagen, die nach 8 16 und 27 der R.-S.-O. genehmigungspflichtig sind. .Bauliche Anlagen, die durch Ruh, Rauch, üble Gerüche loser ~ärm gesundheitsschädlich oder verkehrsbelästigend ; wirken, müssen mindestens 30 Meter hinter die Bauflucht zurücktreten. — Hier regt sich wieder die Opposition.
। Stv. Trabert glaubt, man dürfe der Polizei nicht I noch mehr Befugnisse anvertrauen. Sie habe schon so- I wieso sehr weitgehendes Recht. Sie gehe jetzt schon in I die Werkstätten und frage die Lehrlinge, wie sie mit [ ihrem Meister zufrieden seien. — Einer Anregung der I Vereinigten Schuhstoff-Fabriken entsprechend wird ein I erleichternder Absatz ausgenommen, wonach schon be- I stehende gewerbliche Anstalten bei etwaigen Um- und I Erweiterungsbauten nicht behindert werden dürfen. — I Für die Anwendung dieser beschränkten Bebauung I wird schließlich bestimmt ein Bezirk, der begrenzt wird von I der Eisenbahnunterführung am Petersbergerweg, dem I Petersbergerweg, der Straße am Franzosenwäldchen, Künzellerweg, Schildeckstraße, Löherstraße, Königstraße, I Abtstor, Kronhofstraße, Horaserweg, Lichtweg, Grenze I der landhausmäßigen Bebauung, am Bahnhof, Bahnhof- zufuhrstraße. Oberhessische Bahn. Im § 13 wird unter I allgemeiner Zustimmung angeordnet, daß die Vorgärten I als Ziergärten mit angemessener Bepflanzung anzulegen I und zu unterhalten sind, soweit sie nicht als Zugänge I oder Zufahrtswege benutzt werden. Sie dürfen nicht I ZU gewerblichen Zwecken oder Lagerplätzen benutzt wer- I den. — Der Schlußparagraph bestimmt, daß die Ord- I nung mit deni Tage der Veröffentlichung I in Kraft tritt. Der erste Berichterstatter empfiehlt diese I schleunige Inkraftsetzung unter besonderem Hinweis auf I einen sehr entstellenden Giebelanbau, der gerade jetzt am I südlichen Frauenberg in Angriff genommen worden fei. I Das Entstehen dieses Baues w-rd auch vom Stadt- I Verordnetenborsteher und vom Oberbürgermeister be- I dauert. Der Polizeibehörde sei es leider bislang nicht I möglich gewesen, einzuschreiten. Stv. Dux sieht gerade I darin, daß nach Erlaß dieser Ordnung ein polizeiliches I Einschreiten in einem solchen Falle möglich sei, ein I Argument gegen die Ordnung. Dem Idealist werde I durch die Ordnung Rechnung getragen, aber der Haus- I und Grundbesitzer werde geschädigt. Der Oberbür- I ger meist er: Mit der Theorie, die Herr Dux hier I vorträgt, würden wir die Stadt in ihrem Aeußeren bald I vollkommen zu Grunde richten. Wenn die Ordnung auf I die Bodenpreise drückend einwirken sollte, so wäre das I gar nicht so schlimm. Sie sind in einer Weise gestiegen, I die vorn Standpunkte der Allgemeinheit aus nicht sehr I erwünscht ist. Der Stadtverordneten-Vor- I steher: Wenn der Grundsatz des Herrn Dux gelten I sollte, dann könnte auch einer Herkommen und am Frau- I enberg eine Scheune bauen und dann könnte er ange- I sichts der entrüsteten Einwohnerschaft von Fulda sagen: I Was gehen mich die andern an, ich treibe Landwirtschaft I und dazu brauche ich eine Scheuer. — Bei der nun fol- | denden Gesamtabstimmung stimmen 19 Mitglieder für I die Ordnung. Diese ist also mit der großen Mehrheit I von 12 Stimmen angenommen. Der Stadtverordneten- I Vorsteher und der Oberbürgermeister stellen diese An- | nähme mit Genugtuung fest. Letzterer dankt noch be- I sonders den Herren von der Baukommission und na- I mentlich dem Stv Adam für ihre aufopferungsvolle I Arbeit an dem Zustandekommen des Statuts. Stv. I D u x bedauert, daß vor der Gesamtabstimmung nicht I nochmals Gelegenheit zu einer Debatte gewesen sei. Er | müsse befürchten, daß man in den grundlegenden Pa- I ragraphen des Statuts der Polizei eine zu große Macht- I Befugnis eingeräumt habe. Stv. Adam regt an, die I Bekanntmachung der Ordnung mit einer entsprech en- | den Karten s k i z z e zu versehen und größere Karten- I skizzen für Interessenten Herstellen zu lassen. Der I Oberbürgermeister sagt dies zu. Es wird noch I ausdrücklich eine Resolution angenommen, der Ma- I gistrat möge der Bekanntmachung dieser Ordnung einen I Plan Beifügen, der die Grenzen der einzelnen Baubezirke kenntlich mache. Dieser Plan soll auch käuflich
I sein.
2. Beschickung dir Hauptversammlung des Sparkassenverbandes. Die in Rinteln vom 4. bis 6. September stattfindende Versammlung, die eine reichhaltige Tagesordnung aufweist, (wir haben sie bereits früher mit» geteilt. Die Red.), wird von den hiesigen leitenden Sparkassenbeamien besucht werden. Die Stadtverordnetenversammlung ist auf dieser Tagung in den letzten Jahren nicht vertreten gewesen. Auf Vorschlag des Stv. Kapp soll Heuer eine Vertretung stattfinden. Auch der O b e r B ür g e r m e i ft e r wünscht im Interesse des Ansehens der Stadt Fulda eine. Beteiligung an dieser und auch an anderen Tagungen, woBei ihn Stv. We- B e r lebhaft unterstützt. Als Vertreter der Stadtverordneten werden gewählt Stv. Singer als Fachmann und Stv. Reith, der der Masse der Sparkasseneinleger besonders nahe stehe.
3. Herstellung eines Teiles der Schloßgartenmauer zwischen dem Lrangericgcbäude und der Schmitt'schen Besitzung. Die jetzige Mauer ist unvorhergesehener Weise baufällig geworden und drohte einzustürzen. Sie soll deshalb durch eine 4 Meter hohe neue Mauer ersetzt werden. Tie Kosten werden 3500 Mark Betragen, die aus dem Kapitalstock des Stadtschlosses entnommen und im nächsten Etatsjahr ersetzt werden sollen. Die Mauet wird am oberen Rande mit Sandsteinplatten Belegt werden und äußerlich der Mauer des Stiftes Wallenstein am Bonifatiusplatz gleichen. Stv. -Fritz bemängelt, daß die Mauer nur 4 Meter hoch werden soll. Es könne dadurch eine starke Beeinträchtigung des Bildes der Orangerie und ihrer Umgebung cintreten. Auch Stv. Adam ist für eine höhere Mauer. Der Oberbürgermeister hält eine höhere Mauer für Verschwendung. Er ist überhaupt Gegner jeder Mauer an diesem Platze und würde eine lebende Hecke vorziehen. -— Da der Ausweg bleibt, auf die zunächst 4 Meter hohe Mauer später ein Stück aufsetzen zu können, wird der obige Magistratsantrag einstimmig angenommen. Stv. Keil rügt Bei dieser Gelegenheit, daß das schmiedeeiserne Gitter am Schloßgarten starke Verwüstungen durch den Rost erfahren habe und einer Aus- Besserung dringend Bedürfe.
4. Nachbcwilligung von Kosten für Herstellung bis FußbodeiivlatteubolagS im weißen Saal der Orangerie. Im diesjährigen Etat ist für diese Herstellung bereits ein Betrag von 575 Mk. vorgesehen. Da eine größere Anzahl Platten schadhaft war, als man zunächst an- nahm und der schöne Saal einwandfreier Instandhaltung würdig ist, sollen noch 295 Mk. nachbewilligt werden. Der Betrag soll aus dem Stadtsaalfonds vorgeschossen werden. Stv. Dux, der sich grundsätzlich gegen Nachbewil- ligungcn im Laufe des Etatsjahres ausfpricht, will den Betrag erst im nächsten Jahre bewilligt sehen. Diese Ansicht wird gebilligt und der Magistratsantrag ab- gelehnt.
5. Einrichtung der elektrischen Beleuchtung und der Wäfchereieinrichtung mit elektrischem Betrieb int Heilig- Gcisthospital. Diese Arbeiten sollen insgesamt 3750 Mk. kosten, die aus der Generalarmenkasse entnommen werden sollen. Die Gas- und Wasserwerkskommission Bat die Einrichtung der elektrischen Wäscherei gutgeheißen. Sie kostet 2900 Mk. Der Referent, Stv. Weber, hält, nachdem er eine solche Wäscherei im „Hotel zum Kurfürsten" in ihren technischen und wirtschaftlichen Vorzügen kennen gelernt Hai, die Einrichtung für sehr wünschenswert. Dagegen spricht er sich im Einklang mit der Kommission gegen die elektrische Beleuchtung aus. Es sehe ja so aus, als ob der Magistrat das eigene städtische Gaswerk verleugnen wolle. Tas sei gerade so, als wenn ein Schuhmacher sich bei einem andern Schuhmacher feine Schuhe kaufen wollte. (Heiterkeit.) Der Oberbürgermeister hält die Elektrizität für das Institut mit feinen jugendlichen, alten und kranken Insassen für beouemer, ist jedoch mit der Beibehaltung des Gaslichtes^ einverstanden. Was die elektrische Wäscherei anbetreffe, so seien eine Reihe hiesiger Institute bereits mit einer solchen ausgestattet. U. a. habe Herr Richard Müller dem Jcsephsheim sofort eine solche zur Verfügung gestellt. Stv. Trabert rühmt in längeren Ausführungen die Billigkeit und Annehmlichkeiten der Elektrizität, die nicht bestritten werden können. Stv. S u n I e I fragt an, warum der Gaswerksdirektor in der Sitzung fehle, um über diese Kostenverhältnisse fachmännische Auskunft zu geben. Die Debatte über das Thema „Gas oder Elektrizität" zieht sich sehr in die Länge. Es wird allgemein, besonders vom Stv. ©immer anerkannt, daß di: Einrsihtuna der Wäscherei nötig
Stadtverordneten-versammlung.
♦ △ Fulda, 2. September 1913.
Zu der gestrigen Sitzung waren 26 Stadtverordnete erschienen. Den Vorsitz führte der Stadtverordneten- vorsteher Justizrat OegenBaur. Der Magistrat war durch den OBerBürgermeister Dr. Antoni vertreten.
Lor Eintritt in die Tagesordnung erhält der O B e r° Bürger m ei ft er das Wort zu etwa folgender Erklärung:
In der Stadtverordnetensitzung vom 8. Januar d. I. hat gelegentlich der Magistrats-Ergänzungswahlen Stv. Fritz nach dem Zeitungsberichte, mit hem die Aufzeichnungen von Mitgliedern dieser Körperschaft üBerein- , stimmen, gesagt: „Sodann komme ich noch auf einige Punkte zu sprechen. Bei Gelegenheit der Rechnungsprüfungen über die Kanalisation hat sich seiner Zeit ergeben, daß man sich in einem Falle vertragsmäßig verpflichtet hatte. Bestimmte Fabrikate nur von der Firma eines Magistratsmitgliedes zu entnehmen. Das hat in manchen Kreisen Mißstimmung hervorgerufen und dürfte leicht zu Mißtrauen Anlaß geben. Jedenfalls dienen solche Vorfälle nicht dazu, das Ansehen eines Ehrenpostens,zu heben."
Diese Worte haben bewirkt, daß einige Stadtverordnete und einige Herren außerhalb der Körperschaft der Meinung wurden, daß der Magistrat eines seiner Mitglieder bei der Vergebung bevorzugt hätte. Der Magistratsvertreter hat damals nicht antworten können, da die Akten beim Oberlandesgericht in Kassel waren. Nunmehr ist die Sache verfolgt worden u. über das Ergebnis habe ich mit Herrn Fritz bereits eine Besprechung gehabt. An die Firma Mölders (die Unternehmerin der Kanalisation) ist ein Brief gerichtet worden, worin mitgeteilt wurde, man habe dem Magistrat vorgeworfen, daß vieler ein Mitglied bei der Vergebung von Lieferungen bevorzugt habe. Diese Behauptung habe sich auf den 1903 abgeschlossenen Vertrag bezogen, worin der Firma Möl- derS vorgeschrieben worden ist, die Ziegelsteine von der Firma Karl Kramer zu beziehen. Man wolle sich bemühen, das Zustandekommen dieser Bestimmung unparteiisch aufzuklären. Auf Veranlassung der Firma Mölders hat sich darauf deren Vertreter, Herr Wolf, ju der Angelegenheit geäußert. Danach sind seinerzeit zunächst von der Firma Mölders mehrere Offerten eingefordert worden. Unter den Fuldaer Ziegeleibesitzern bot die Firma Karl Kramer das beste Produkt an. Gleichwertig war das Produkt der Ziegelei in Sannerz, jedoch war dieses erheblich teuerer als das Kramersche. Die Firma Mölders hat auf Grund ihrer Prüfungen und Berechnungen das Kramersche Produkt als das ^Geeignetste erklärt, worauf in der im übrigen geltenden -Weise die Beauftragung dieser von Mölders vorgeschla- genen Firma durch den Vertrag erfolgte. Nach diesem Tatbestand hat also der Magistrat von vornherein keinen Dorschlag gemacht. Er hat es der Firma Mölders anheimgegeben, eine Firma für die Lieferung der Ziegelsteine vorzuschlagen. Mölders hat Offerten eingeholt und schließlich dem Magistrat seinen Vorschlag unterbreitet, oie Lieferung der Firma Karl Kramer zu übertragen, was auch geschehen ist. Ich glaube nicht, daß man auf ®runb dieser Sachlage dem Magistrat irgend einen j Portourf machen kann. Stv. Fritz: Es ist richtig, daß ich die Bevorzugung der Firma Karl Kramer hier zur Sprache gebucht habe. Ich bedauere es sehr, daß diese Angelegenheit hier zum dritten Male besprochen werden fttuß, zumal als eine wirkliche Veranlassung jetzt nicht tot lag. Der Briefwechsel, von dem der Herr Oberbürgermeister sprach, ändert an der Sache nichts. Dafür sind die Akten maßgebend. Bei der Ausschreibung der Steinlieferung durch die Firma Mölders haben damals die Fuldaer Ziegeleien gleichlautende Offerten abgegeben. Es war verabredet, daß jede der in Betracht kommenden vier Ziegeleien ein Viertel des Bedarfes liefern sollte. Diese Tatsache bestätigt ein Schreiben des Herrn Stadtrat Karl Kramer vom 17. April 1903 an den Obmann der Ziegeleibesitzer: „Ich bin mit der Abmachung einverstanden, vorausgesetzt/ daß seitens der I Baiwerwaltring fein bestimmtes Fabrikat vorgeschrieben I wird." Herr Kramer hat damit von vornherein kund I getan, daß er den Willen gehabt hat, seinen Cinsluß I im Stadtrat geltend zu machen, daß nur sein Fabrikat I als zulässig bezeichnet werde. Der Oberbürger- I m e ister: Herr Fritz hat heute nicht mehr behauptet, I baß den Magistrat irgend ein Vorwurf trifft, sondern I ix. hat jetzt alles auf Herrn Kramer geschoben. Wenn I sich die vier Ziegeleien wirklich verabredet hatten, bei der I Submission gemeinsam vorzugehen, so wäre das für I ■bie Stadt gar nicht angenehm gewesen. Im übrigen I muß Herr Fritz jetzt durch Taten und nicht durch Worte I beweisen, daß Herr Kramer im Magistrat seinen Ein- I fluß in der erwähnten Weise geltend gemacht hat und I daß der Magistrat diesen Einflüssen nachgegeben hat. I Stv. Fritz: Stadtrat Kramer hat am 17. April 1903, I al? er den Brief an den Obmann, schrieb, g e w u tz t, I bafj die Bauverwaltung ein bestimmtes Fabrikat vor- I /schlagen würde. Daß Herr Kramer feinen Einfluß im I Magistrat geltend gemacht hat, das kann mau nicht so I geradezu beweisen, aber das versteht sich doch nach alldem I tan selbst. Was im übrigen her Herr Oberbürgermeister I ober über die Submissionsverabredung der vier Zie- I geleien gesagt hat, läßt seine oft betonte Handwerker- I Bildlichkeit m einem eigenartigen Lichte erscheinen. I
CBc r bti r g er m e i ft e r : Seit wann sind denn I leleibefifcer Handwerker? Ich habe sie bisher immer I zu den Großunternehmern gerechnet. Der Stadt- I verordneten vor st eher: Eine weitere Debatte! wird sich an dieser Stelle erübrigen. Diese Frage wird I nun wohl an anderer Stelle ausgetragen werden müssen. Es wäre wünschenswert, wenn I die in Betracht Kommenden sich veranlaßt sähen, dieser I anderen Stelle die objektive Prüfung der sich einander I hegenüberstehenden Behauptungen zu übertragen. I
1. Fortsetzung der Beratung über die Ordnung zum Schutze des StraßenbildeS usw. Die Beratung betrifft S'ichft noch den § 7. Er handelt von den Gelände- I
rken, die für die la ndhaus mäßige Bebauung I bestimmt werden. Das Villengelände am Frauenberg I äst bereits in der letzten Sitzung festgesetzt worden. Jetzt I stvird noch, der Vorlage gemäß, der Bezirk, den die I Maberzellerstrahe und die Gemarkungsgrenzen von Ho- I raS. Maberzell, Haimbach und Neuenberg (feg. Mün- I fterfelb) umschließen, und der Bezirk, den die Gemar- fungsgrenzeii von Künzell, Petersberg, Ziehers und I der Feldweg unterhalb der Gcorgstraße umrahmen, der I landhausmäßigen Bebauung eingeräumt. Im § 10 I Wird feftgelcg:, welche Bau-Beschränkungen in den für I
sei. Die Hilfskräfte der Schwestern seien in ihrer Leistungsfähigkeit durch Alter und Krankheit behindert. So ziehe sich die alle 14 Tage stattfindende Wäsche 4 bis 5 Tage hin und nehme die Schwestern ganz erheblich in Anspruch. Ein Schlußantrag des Stv. Eicken- s ch e i d t macht, obwohl noch 4 Redner auf der Sprecherliste stehen, der Diskussion ein Ende. Der Antrag auf Einrichtung der elektrischen Wäscherei wird einstimmig und der Antrag auf elektrische Beleuchtung (Kosten: 850 Mk.) mit 14 gegen 12 Stimmen angenommen.
6. Nicderlcgung des Mandats als Stadtverordneter seitens des Herrn Dr. Schulte. In einem Schreiben vom 28. Juli 1913 hat Herr Dr. Schulte sein Amt als Stadtverordneter niedergelegt. (Wir haben es seinerzeit gemeldet. Die Red.) Da. Herr Dr. Schulte das Stadtverordnetenmandat drei Jahre wahrgenommen hat, hat er die Bedingungen des § 85 der Städteordnung erfüllt und kann zu einer weiteren Wahrnehmung nicht an- gehalten werden. Magistrat und Stadtverordnefenver- sammlilng genehmigen demgemäß die Niederlegung. Stv. Adam bittet, daß der Magistrat die -
Ersatzwahl
für den Stv. Dr. Schulte und den verstorbenen Stv. Breitenborn
möglichst bald anordnen möge und nicht erst gelegentlich der allgemeinen Ergänzungswahlen im Herbst. Der Oberbürgermeister erklärt, daß er int Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen in dieser Weise verfahren und die Wahl baldigst veranlassen werde.
7. Aufnahme eines Darlehens zur Herstellung von Stallcrweiterungsbnnteit in der Artillerie-Kaserne. In einer früheren Sitzung ist bereits zu einem Anfrage der Militärbehörde Stellung genommen worden, wonach vor Uebergang der Kaserne in den Besitz des Fiskus eine Reihe von Erweiterungs- und Erneuerungsbauten vorzunehmen sind. Die von den städtischen Körperschaften, namentlich -m Hinblick auf Submissionswünsche der Handwerker, vorgelegten Bedingungen, sind vom Fiskus zugestanden worden. Die entstehenden Kosten, die vom Militärfiskus verzinst werden, betragen 45 bis 50 000 Mark. Es handelt sich u. a. um Einziehung neuer Decken und um Dachhäuten. Die Vorlage handelt von der Beschaffung dieser Gelder. Die Landeskreditkasse hat mitgeteitt, daß sie der Stadt höchstens 25 000 Mark darleihen könne. Der Zinsfuß beträgt 4% Prozent bei 0,75 Prozent Amortisation. Der Oberbürgermeister teilt mit, daß die erwähnten Arbeiten die letzten seien, Bft von der Stadt zu übernehmen wären. Von jetzt ab würden die Bestimmungen des kürzlich abgeschlossenen llebereignungs-Vertrages in Kraft treten. Die Erweiterungsbauten, die durch die bevorstehende Verstärkung der hiesigen Garnison um
etwa 12 0 Mann
anläßlich der allgemeinen Heeresvermehrung hier nötig würden, müßten bereits vom Fiskus selbständig aus- geführf werden. Da die Aufnahme des Restbedarfes nicht ausgeschlossen erscheint, wird der Aufnahme eines Darlehens von 25 000 Mark bei der Landeskreditkaffe zutzesti m mt.
Die weiteren Punkte der Tagesordnung werden als nicht dringlich vertagt. Schluß halb 11 Uhr.
Lokales.
Fulda, 2. September 1913.
§ Sedantag. Zur Erinnerung an den Tag von Sedan haben die staatlichen und städtischen Gebäude Flaggenschmuck angelegt. — In den Schulen fanden heute morgen Festversammlungen statt.
& Doppel-Jubiläum. Sein 25jähriges Jubiläum als Zugführer und gleichzeitig sein 40jähriges Jubiläum im Staatsdienste konnte am 1. September Herr Zugführer Egid Schreiner hier begeben.
):( Der Stand der Zusammenlegung im Kreise Fnlda. Nach dem Kreistagsvericht ist im Jahre 1912 das Zusammenlegungsverfahren m den Gemarkungen Lütterz und Lüdermünd durch Ausstellung der Regresse beendet worden. In den Gemarkungen Besges, Harmerz, Rodges und Steinhaus fand die Ueberweisung der neuen Pläne statt. In der Zusammenlegungssache von Müs werden die neuen Pläne im Herbst 1913 überwiesen. In Tiefengruben wurde das Zu- sammenlcgungsverfahren eingeleilet. Gesetzlich begründete Anträge auf Zusammenlegung liegen vor aus den Gemeinden Kleinlüder, Pfaffenrod und Poppenrod. Der Bericht sagt: Es ist sehr erfreulich, .daß die Grundbesitzer aus den noch rückständigen Gemeinden immer mehr zu der Ucberzeugung gelangen, daß die wirtschaftliche Zusammenlegung der Grundstücke ein unabweisbares Bedürfnis ist.
Q Arbeitet Wohnhäuser. Im abgelaufenen Berichtsjahre wurden dem Hessischen Verbände ländlicher Genossenschaften zu Kaffel (Raiffeisen) 56 Darlehensgesuche für Arbeitcrwohnhäuser zur Weitergabe an die Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau eingereicht. Davon mußten 13 Gesuche wieder zurückgewiesen werden, weil von den betreffenden Antragstellern die von der Versicherungsanstalt für die Bewilligung von Darlehen gestellten Bedingungen nicht in vollem Umfange erfüllt werden konnten, während der Rest von 43 Gesuchen erfreulicherweise Berücksichtigung fand und hierauf insgesamt 164300 Mark gegeben wurden. Dadurch konnte wieder einem Teil der Mitglieder zu einem eigenen Häuschen vcrholfen und ein gut Stück ländlicher Wohlfahrtspflege geleistet werden. Seit dem Jahre 1900 sind insgesamt Mark 1832 880 an 575 Mitglieder der zum hessischen Verbände ländlicher Genossenschaften gehörenden Darlehnskassenvereine zur Auszahlung gekommen.
! Acndrrungcn der FriedenSsanitätsordnung veröffentlicht bas ,Almceoerordnungsblatll. Danach werden vom 1. Oktober ab die Kosten d er Beförderung der in Fricdenszeiten während der aktiven Dienstzeit oder während einer Ucbung verstorbenen Unteroffiziere und Mannschaften zur Beerdigung in die Heimat von dem Mili tärf is kus getragen. Von demselben Zeitpunkte ab daN den Ellern und nächsten Angehörigen, die zum Besuche eines schwererkranklcn Familienmitgliedes, Unteroffiziers oder Gemeinen, in dessen Standort usw. reisen, im Falle der Bedürftig- kcil durch die Korps-Intendantur, in deren Bezirk der Erkrankungsort liegt, eine Reisekostenvergütung in Höhe der wirklich entstandenen Eisenbahnfahrtkosten 3. oder 4. Klasse ohne Nebenkosten gewährt werden, sofern die Reise auf Grund der ichristlichcn oder telegraphischen Mitteilung des Gorni- sonlazaratis über die lebensgefährliche Erkrankung ausgesührt wird.
~ Ein Deutsches Reich-patent Nr. 265155 ist dem Ingenieur Ferdinand Schneider in Fulda auf eine „Empsangsvorrichtung für elektrische Wellen" laut ,Reichsanzeiger' erteilt worden.
(t) Tic Submission betr. Oberbauaibeiten zur Her- stellung eines Glei-provisoriums „Bahnbau Fulda" Halle folgendes Ergebnis: Ehr. Hendler 3350 Mk., Äug. Gärtner 4360 Mk., I. Kollmann 4910 Mk., Ernst Kramer 6420 Mk., Rützel 6550 Mk., Hobes 6600 Mark, Hautumm 6690 Mk., Grosch 6720 Mk.
Neue Signale auf der Strecke Fulda Gießen. Am Samstag hat die Inbetriebnahme der Toppel- lichtvor- und Langsamfahrsignale aus der Strecke,
Fulda-Gießen stattgesunden. Die alten Signal« haben keine Geltung mehr. Tas Vorsignal zeigt, wenn am Hauptsignal Fahrt frei zu erwarten ist, am Tage schmale Ansicht der gedrehten Scheibe, bei Nacht zwei grüne Lichter in schräger Stellung nach rechts steigend. Ist am Hauptsignal Halt zu erwarten, so zeigt das Vorsignal am Tage gelbe Scheibe mit schwarzem Ring und weißem Rand, bei Nachi zwei gelbe Lichter in schräger Stellung nach rechts steigend. Das Langsamfahrsignal besteht aus dem Anfang- und Endsignal. Tas Anfangsignal zeigt am Tage gelbe Scheibe mit weißem Rand, bei Nacht zwei gelbe Lichter in schräger Stellung rechts steigend, ba§_ Endsignal zeigt bei Tage grüne Scheibe mit weißem Rand, bei Nacht zwei grüne Lichter in. schräger Stellung nach rechts fallend. — Durch dies neuen Signale wird die Betriebssicherheit erhöht, aber auch die Eisenbahner müssen ihr Signalgedächtnis erheblich mehr in Anspruch nehmen wie bisher.
(?) Jagdticbhabcr, schützet die Brieftauben! Der Beginn detz Jagd bringt für die Brieftaubenzüchter eine sorgenschwere Zeit, verschwinden doch erfahrungsgemäß bann nicht selten viele ihrer Lieblinge, die sic jahrelang gepflegt, die von weiten Touren ihr Heim wiederfanden. Ein echter Waidmann wird niemals sich dazu verstehen können, im Feld befindliche zahme Tauben zu erlegen. Aber aus Ueberdruß, wenn den ganzen Tag über sonst nichts vor die Flinte gekommen ist, oder aus Unkenntnis wird doch noch vielmals gesündigt. Sehr viele Jäger haben noch keine Ahnung von der Bedeutung der Brieftaube und dem Wert derselben. Jede int Feld angetroffene Taube wird nicht höher cingeschätzt, wie eine ge- toöhnliche Fcldtaube, die für 30—40 Psg. als Schlachtobjckt zu haben ist. Die Brieftaube aber, die ihrer Natur nach gern das Feld aufsucht, hat einen Wert von ebenso vielen Mark, wie die Feld- taube Pfennige kostet. Die Brieftaubenbesitzer haben ihre Tauben für den Ernstfall der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt. Wer daher eine Brieftaube tötet, fügt dem Staat einen indirekten Schaden zu. Das Gesetz schützt ausdrücklich die Brieftauben. An alle Jünger des edlen Weidwerks ergeht daher die Bitte „Schützet die Brieftauben". An alle Feldhüter, Gendarmen usw. ergeht die besondere Bitte, Tauben- schützcn unnachsichtlich zu verfolgen und unbedingt zur Anzeige zu bringen.
= Ein Jubiläum, das in unserer jetzigen Zeit selten zu feiern möglich ist, konnte dieser Tage Frau Maria Schmitter, Witwe, hier begehen. 35 Jahr« wohnt sie bereits ununterbrochen in dem Hause Heinrichstraße 23. Trotzdem dieses Haus vor mehreren Jähren einen Besitzwechsel erfahren hat, es ging damals an den jetzigen Besitzer Schreinermetster Jos. Weber über, behielt sie die Wohnung bei.
Zn der Schöfsengerichtssitzung, die unter dem Vorsitze des Amisgerichtsrats Diehls heute stattfand, wurde zunächst über den Einspruch verhandelt, der der Student Z. von hier gegen ein Polizeimanda! von 12 Mark wegen Teilnahme an einer nächtlichen Ruhestörung erhobest hatte. Da die Verhandlung ergab, daß Z. in keiner Weise an der in Frage stehenden Entfernung eines Schildes mitgewirkt hat, beantragte der Vertreter des Amtsanwalts Freisprechung. Diesem Antrag gab das Gericht statt. — Der 36- jährige Dienstknccht V. K., seit 5 Jahren auf der Domäne Neuenberg, entwendete im Mai d. I. seinem Arbeitgeber Ih'r Zentner Weizen, l1/« Zentner Gerste und eine größere Quantität Hafer und Saubohnen. Er gibt an, durch Krankheit und Todesfälle von 2 Kindern in Not geraten zu sein. Der Amtsanavalt hatte 1 Woche Gefängnis beantragt. Das Gericht verurteilte ihn zu 2 Tagen Gefängnis, da der Angeklagte noch nicht vorbestraft ist. — Aus der Haft vorgeführt wurde der 47jährige Maler N. Sch. aus dem Kreise Ottweiler, der am 24. August d. I. ohn< im Besitze von Geldmitteln zu sein, in einer hiesige'. Wirtschaft sich einlogicrte und sich morgens heimlich entfernen wollte. Das Gericht verurteilte den Angeklagten, dem Anträge des Amlsanwalts gemäß, zu einer Gefängnisstrafe von 3 Tagen, die durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt zu erachten ist.
! Ta» gestohlene Fahrrad. Wie wir kürzlich meldeten, hat ein in Hanau festgenommener Arbeiter Viola angegeben, in einem Orte bei Fulda ein Fahrrad gesunden zu haben. Es hat sich jetzt herausgestellt, daß das Rad nicht aus der Nähe von Fulda stammt, sondern in Höchst bei Gelnhausen gestohlen worden war.
■= Diebstähle in Garten und Feld sind jetzt an der Tagesordnung. Zum Teil sind die Täter ermittelt. Gestohlen wurden u. a. in einem Garten an der Schildeckstraße eine Menge Zwetschen, aus den Schrebergärten Bohnen und dergleichen. — Aus einem Garten in der Leipzigerstraße wurden in einer dei letzten Nächte eine größere Menge Gemüse gestohlen
Ans dem Nachbargebiete.
* Gersfeld, 1. Sept. 1913. Der Weihcakt de hier schon beschriebenenen Kriegerdenkmals verlief gestern in würdiger Weise. In vier Felder des Denkmales sind die Namen der 112 Soldaten gemeißelt, die aus dem Kreise Gersfeld den deutsch- französischen Feldzug mftgemacht haben. Fünf von ihnen sind nicht wieder heimgekommen; sie fielen auf dem Felde der Ehre; von den anderen ist der größte Teil inzwischen zu der „großen Armee" einberufen worden. An der Denkmalsweihe, mit der man die Scdansfcier verband, nahmen alle Krieger- vercine aus dem Kreise Gersfeld, viele solcher aus den Kreisen Fulda, Hünfeld und Schlüchtern, sowie zahlreich die Bevölkerung aus Stadt und Land freudigen Anteil, sodaß das kleine geschmückte Städtchen Gersfeld mit seinen engen Gassen und feinem welligen Gelände bei schönem Wetter von Menschen wimmelte. Zum Weiheakt stellten fast alle Gersfelder Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden Redner, deren rhetorischer Reigen vom Vorstand des Gersfelder Kriegerveeins, Büg.meister Fasold, eröffnet wurde. Mit der Uebcrgabe des mit etlichen 20 Kränzen geschmückten Denkmals in den Schutz uni Schirm der Stadt war der Weiheakt beendigt.
Amt Geisa und Umgebung.
* Vacha, 1. Sept. 1913. Gestern gegen Mittag war Feuer in dem Hause des Äcschirrführers Glock auf dem Sandwcg ausgebrochen. In Abwesenheit der Eltern hatten die Kinder mit Feuer gespielt, wodurch einige Kleidungsstücke in Brand gerieten und schnell die Flammen hochlodertcn. Dem besonnenen Eingreifen der Nachbars lcute ist es zu verdanken, daß das Feuer sich nicht ausbreiten und im Entstehen gelöscht werden konnte.
* Östheim v. b. Rhön, 1. Sept. 1913 Einen alten Dachziegel fand man hier hei einer Dachrcpa- ratitr. In den Ziegel war eingebrannt: „Andreas Landaras anno 1603"-