Zuldaer Zeitung
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40. Zahrgang.
Montag den l. September 1913»
Crstes Blatt.
Nr. 201.
3* Der „Friede von Metz" und die «ene Schrift Roerens.
Unsere Gegner möchten gar zu gern, b iß in unserem Laaer der Unfriede herrsche. Darum i reifen sie gierig alles auf, was sich als Zeichen der Zwietracht d euren läßt, und suchen es krampfhaft zur Verhetzung auszubeuten.
Der frühere Abg. Geheimrat Roeren hat soeben ein neues Büchlein erscheinen lassen „Zentrum und Kölner Richtung", das den alten Standpunkt der Osterdienstags-Konferenz wiederum i cr- tritt. Sofort heißt es nun in gegnerischen Blättern: da sehe man, daß der Friede von Metz nicht verhalle, vielmehr der Streit von neuem aufflackere. Usw.
Das beruht auf einer Verwirrung und Verwechselung. Der Friede von Metz betraf den sogen. G e - Werkschafts st reit und nichts anderes; die Roeren'sche Schrift aber greift darüber hinaus auf das' parteipolitische Gebiet, auf die Frage nach dem Wesen und der richtigen Definition der Zentrumspartei
Einen inneren Zusammenhang haben ja diese Dinge insofern, als bei beiden das Zusammengehen von Katholiken mit Andersgläubigen zu wirtschaftlichen oder politischen Zwecken in Betracht kommt. Aber bei der praktischen Behandlung dieser Frage ergaben sich sofort die größten Verschieden- heiten.
In den sozialen Angelegenheiten, insbesondere bei der Organisation der katholischen Arbeiter, stehen die religiös-sittlichen Grundsätze und Interessen im Vordergrund. Daher gebührt hier das entscheidende Wort der kirchlichen Autorität. Und die höchste kirchliche Autorität hat gesprochen durch die Enzyklika Singular! quadam- Deshalb konnte der Präsident des Katholikentags unter Zustimmung der Generalversammlung sagen: diese Sache ist" entschieden, der Streit ist zu Ende, die beiden Organisationen sollen und müssen friedlich nebeneinander leben und wirken gemäß den Vorschriften des hl. Vaters.
Das Zentrum ist eine politische Partei. Ueber deren Wesen und Definition will die kirchliche Autorität nicht entscheiden. Auch die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands oder deren Präsident hat niemals den Anspruch erhoben oder den Versuch gemacht, der Zentrumspartei politische Direktiven zu geben. Es ist nichts anderes, als Irrtum oder absichtliche Entstellung, wenn die gegnerischen Blätter den Katholikentag eine „Zentrumsparade" oder gar den Parteitag des Zentrums nennt. Die Frage, ob das Zentrum eine katholisch-konfessionelle Partei sei oder nicht sei, ist endgültig von den geordneten Partei i n st a n z e n s e l b st, zu entscheiden. Diese haben gesprochen. Die Fraktion des Zentrums im Reichstage und im Landtage, Landesausschuß und Reichsausschuß der Partei haben nach eingehender Beratung die von der Osterdienstagskonferenz vorgeschlagene Definition abgelehnt und einfach den alten Charakter der Partei bestätigt. Damit ist der Streit innerhalb der Partei ausgeräumt. Wer sich dem Spruche der Parteiautorität nicht fügen will, stellt sich außerhalb der Partei.
Da zeigt sich wieder ein bedeutsamer Unterschied: die kirchliche Verfügung wegen der Gewerkschaftsfrage läßt ein Nebeneinander zu: die Enzyklika erklärt, daß auch die gemischten Gewerkschaften unter bestimmten Voraussetzungen geduldet und erlaubt werden könnten, uno knüpft daran die Vorschrift, daß die beiden Organisationen sich nicht gegenseitig befehden sollen. Darauf fußte die Friedensforderung des Präsidenten von Metz, daß die eine Richtung nicht die andere für untauglich oder unerlaubt erklären falle. Die rechtlichen und tatfächlichen Grund-
Der Brandstifter.
fg] Eine Bauerngeschichte aus dem Taunus von
*2 Fritz Ritzel.
, Durch das Tosen des Gewitters drang in der Tat immer näher kommend eine Helle Menschenstimme. Deutlich vernahm man jetzt:
„Mit Gewitter und Sturm aus fernem Meer Mein Mädel bin ich dir nah, Ueber turmhohe Flut von Süden her Mein Mädel ich bin da!
„Mein Mädel, wenn nicht Südwind wär, Ich nimmer wohl käm zu dir;
Ach lieber Südwind, blas noch mehr, Mein Mädel verlangt nach mir!
Hohohe, Joloje, Holoze, ho ho!"
’ Bei dem letzten, mit vollem Brustton wie jubelnd hervorgestoßenem Verse erschien der Sänger an der dem Ende des Waldes nahen Biegung des Pfades und blieb verstummend einen Augenblick betroffen stehen, als er die unter der Buche Wartenden gewahrte. Es war ein junger Mann in elegantem Touriftenanzug mit überhängendem Regenmantel, ein kleines Hütchen auf dem dunklen Lockenkopf, unter welchem ein paar blaue, mit Kneifer bewaffnete Augen unternehmend in die Welt blickten. Ein flotter, kühn nach aufwärts gedrehter Schnurrbart gab dem bildhübschen Gesicht ittoaS Schneidiges; die auf der linken Wange sich scharf abzeichnende Narbe ließ vermuten, daß der Ankömmling ein Bruder Studio sei, worauf auch der Gruß hindeutete, den er jetzt beim Nähertreten vernehmen ließ.
„Servus! Scheußliches Wetter! Das gießt ja wie mtt Kübeln! Jupiter Pluvius hätte, auch noch warten können bis — ah sieh da, das ist ja der alte Lenhard!" unterbrach er sich, als der alte Knecht sich von feiner Hülle jetzt etwas befteite und ihm mit herzlichem Lächeln die Hand entgegenstreckte.
„Na Alter, immer noch mobil?" fuhr er dann fort, indem er die Hand des Mannes ergriff und nach leichtem Druck gleich wieder fallen ließ. „Hätte übrigens gar nichts dagegen gehabt, wenn du mit der Kalüche <**i die Bahn gekommen wärest und mich
lagen dieses Friedens im Gewerkschaftsstreit werden nicht berührt, wenn Geheimrat Roeren oder ein anderes Mitglied der Osterdienstagskonferenz fort- fähri, über den Charakter des Zentrums oder seine definitive Ansichten auszusprechen, die von den Parteibeschlüssen abweichen. Der sogen. Friede von Metz ist nichts anderes, als die getreue Ausführung der Enzvklika, und die Enzyklika kann durch keine Flugschriften nach der einen oder anderen Richtung abge- änderi werden. Nun bringt es aber die Namr des Zentrums als einer politischen Partei,mit sich, daß dort ein Nebeneinander von Richtungen und Bestrebungen, die über das W c s en der Partei auseinandergehen, nicht möglich ist. Wer Parteimitglied sein und bleiben will, muß sich der Autorität der geordneten Parteiinstanzen fügen. Kann oder will er das nicht, so ist leider die Trennung vollzogen. Die weitere Auseinandersetzung hat dann den Charakter eines häuslichen Zwistes verloren.
Wer sich das gegenwärtig hält, wird dem Wiederauftauchen der bereits regelrecht erledigten Osteidienstagsdefinition keine übermäßige Bedeutung beilegen. Vor allem wird er sich darüber klar fein, daß der sogen. Frieden von Metz durch die Roeren'sche Schrift nicht berührt wird. Dessen Bestand hängt aber von der Treue it^b Vorsicht der Führer der beiden Organisationen ab.
Deutscher Reich.
= Die Kaisertage in BreSlau.
Das Kaiserpaar besuchte am Samstag mit den Prinzen die historische A u s st e l l u n g und nahm eine Huldigung von 21000 jungen Schlesiern, Angehörigen des Jung« Deutschland • Bundes, entgegen. Abends fand im Schlosse Festtafel für die Provinz Schlesien statt. Das Kaiserpaar reiste um 10.15 Uhr nach Berlin zurück. Die Ankunft dort erfolgte gestern früh 71/s Uhr. Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht eine große Reihe von Auszeichnungen, Ordensverleihungen und Titelverleihungen an zahlreiche Persönlichkeiten der Provinz Schlesien. Außer einer Reihe von Standes« Herren sind es in der Hauptsache Beamte, die dekoriert wurden.
♦ Dem Freiherrn v. Hertling widmet anläßlich seines 70. Geburtstages die ,Rordd. Allg. Ztg/ in ihrer Samstags-Rummer folgende Zeilen:
Der bayessche —Ministerpräsident, Staatsminister' Dr. Frhr. von .Hertling vollendet morgen das 70. Lebensjahr. Als Frhr. v. Hertling durch das Vertrauen des Prinzregenten Luitpold zur Leitung der baherrschen Staatsgeschäfte berufen wurde, stand er nach einem an Arbeit und Verdiensten reichen Leben bereits in vor« gerücktem Alter. Für die große Aufgabe, die ihm zu- fiel, brachte er zwar nicht die Vorbildung einer regelmäßigen Bearntenlnufbahn mit, wohl aber allgemein anerkannte hohe staatsmännische Fähigkeiten, die er vielfach bei wichtigen Anlässen auch in den Dienst des Reiches gestellt hatte. Als Führer der Zentrumspartei hat er seit Jahrzehnten in unserem politischen Leben eine von allen Parteien hoch geachtete Stellung eingenommen, die durch glänzende persönliche Eigenschaften tote durch die vornehme Führung der parlamentarischen Waffen er- worben war. Als Politiker wie als Staats, mann hat Frhr. v. Hertling stets und überall seine nationale Gesinnung mit Würde und Nachdruck vertreten. Als bäuerischer Ministerpräsident hat er sich die sorgfältige und vertrauensvolle Pflege der bundesfreundlichen Beziehungen im Reiche besonders angelegen sein lassen. Der glänzende Anteil, den Bayern an den Jahrhundertfeiern genommen hat, legte noch jüngst hrer- für beredtes Zeugnis ab. Mit dem Wunsche, daß dem Frhrn. v. Hertling als dem Vertrauensmann und ersten Mitarbeiter Seiner Königlichen Hoheit des Prmzregen- ten Ludwig noch lange Jahre fruchtbaren Schaffensbe- schieden sein mögen, schließen wir ilns den Glucktoun- abgeholt hättest! Habe bestimmte darauf gerechnet! Warum ist denn —"
„Ernst!" unterbrach ihn der Alte, — „bist Du » dann Merklich? Gott, was werd sich die Mutter freie! Host Du Dich awer schön herausgewachse, bist ja en Statsborsch worn! — Sinn aach zwaa Johr, seit Du zum letzte Mol deha-m gewese bist — in dere Zeit tut wer in Deine Jahre en gehörige Schuß!
„Na — es geht so!" erwiderte der junge Mann mir einer abwehrenden Handbewegung. „Das alles hättest Du mir viel schöner am Bahnhof im Trock- neu sagen können, anstatt mich den weiten Weg hierher rennen zu lassen!"
Es lag in der ganzen Sprechweise des Ankömmlings etwas, als passe ihm die vertrauliche Art und Weise nicht recht, mit welcher ihn der alte Lenhard angeredet hatte — abweisend kühl begegneten seine Blicke denjenigen des alten Mannes und nicht der Schimmer eines Lächelns flog bei dessen herzlich gemeinten Worten über sein hübsches Gesicht- Schwer von Begriff war der Alte offenbar nicht, denn seine freundlich lächelnden Mienen nahmen erst einen verlegen zweifelnden, dann einen betrübten Ausdruck an, als er erwiderte:
„Du scheinst ja in bene zwaa Johr en vornehmer Herr wor'n zu sein, der sich mit unseraam uit gern gemein micht! Do darf ich am End gar nit mehr „Tn" sage? No — is mir aach recyr! Sie sein jö der Herr im Haus von heit an, wie mir die Mutter gesagt Hot — do schickt sichs am End nit, daß ich —"
Die wehmutsvolle Bitterkeit, die in den im gedämpften Dmfalle gesprochenen Worten lag, schien doch Eindruck auf den jungen Mann zu machen. Oder war es die Mitteilung, daß er von heute ab Herr im Hause sei, die einen Ausdruck von Besorgnis auf seinem vorher hochmütig gleichgültigen Gesichte her- vocrief und ihn veranlaßte, den Sprecher mit der hastigen Frage zu unterbrechen:
„Ich der Herr im Haus von heute an Lenhard — was soll das heißen? Davon kann doch gar keine Rede sein!" '
„Ja no — die Mutter werd s Ihne expleziere! Ich'schwätz nur npvch, was ich gehört hab! Dobei wer'« Sie aach höre, daß die Kalefch schon vor ewe
scheu an, die den verehrten Staatsmann in das achte Jahrzehnt seines Lebens geleiten.
♦ Besteuerung der Zünvholzersatzmittel. Nach Berliner Blättern wird neuerdings die Frage der Besteuerung der Zündholzersatzmittel wieder in Erwägung gezogen. Anlaß hierzu hat eine aus den Handelskreisen an den Bundesrat gerichtete Eingabe gegeben, in der auf die seit dem Jahre 1909 eingetretene wesentliche Verschlechterung der deutschen Zündholzindustrie hingewiesen wird.
Diese unbestreitbare Verschlechterung sei nicht nur auf die damals eingeführte Besteuerung der Zündhölzer, sondern insbesondere auf das seitdem erfolgte Aufblühen einer neuen Industrie, die sich mit der Herstellung von Ersatzfeuerzeugen befaßt, zurückzu- führen. Es liege daher auch im Interesse der Reichskasse, die künstlichen Feuerzeuge zu besteuern; denn es sei nicht einzusehen, daß Feuerzeuge, die denselben Zwecken dienen sollen wie Zündhölzer, steuerfrei bleiben, während Zündhölzer einer sehr fühlbaren Steuer unterliegen.
Das Reichsschatzamt hat sich früher derselben Forderung gegenüber ablehnend verhalten, da es sich von einer solchen Steuer weder finanziellen, noch sonstigen Erfolg versprach. Inzwischen ist aber in Frankreich die Besteuerung der Ersatz-Feuerzeuge eingeführt, sodaß man in dieser Hinsicht praktische Erfahrungen sammeln konnte, die vielleicht auch der Besteuerung in Deutschland die Wege ebnen werden.
+ Regelung des Apothekenwesens. Ueber den gegenwärtigen Stand der gesetzlichen Regelung des Apothekenwesens erfahren Berliner Blätter, daß bereits Verhandlungen zwischen den beteiligten Ressorts des Reiches und Preußens stattgefunden haben, die sich auf eine etwaige Abänderung des § 6 und auch des § 51 der Reichsgewerbeordnung be- ziehen. In Frage steht nicht nur die Errichtung und Verlegung von Apotheken, sondern das Apothekenwesen aus der Gewerbeordnung überhaupt auszuschalten, um eine landesgesetzliche Regelung der Materie vornehmen zu können, die bereits in Aussicht gestellt ist. Die Frage ist außerordentlich schwierig, und da die Beratungen sich noch in den ersten Stadien befinden, so ist kaum damit zu rechnen, daß eine entsprechende Novelle zur Gewerbeordnung noch in diesem Winter dem Reichstage vorgelegt werden kann.
)( Kein Religionsunterricht für katholische Kinder. Wie in Preußen-Deutschland katholischen Schulkindern der Religionsunterricht ihres Bekenntnisses vorenthalten wird, darüber liegen jetzt wieder zwei straffe Fälle vor:
Im Stadtteile St. Arnual in Saarbrücken müssen 81 katholische Kinder die evangelische Schuke besuchen. Alle Bemühungen der katholischen Eltern zur Errichtung einer katholischen Schule bleiben erfolglos. Vor fünf Jahren trat der katholische Pfarrer Weber mit entsprechendem Antrag an die Stadt, ohne ein positives Ergebnis zu erzielen. Auffallend ist, daß die liberale Rathausmehrheit der mehr als zur Hälfte katholischen Stadt nur für simultane Schulen ein tritt und diese gegen die konfessionellen in Schutz nimmt, hier aber an dem evangelischen Charakter der St. Arnualer Schule festhält. .
Der andere Fall stammt aus Mariendorf bet Berlin. Dort hat man dem zuständigen katholischen Pfarramt von Tempelhof sogar das Recht verweigert, den 12 katholischen Schülerinnen der höheren Mädchenschule katholischen Religionsunterricht unent- geltlich zu erteilen, obgleich der Schulleiter zugestimmt hatte. Schultechnische Bedenken bestanden also nicht, finanzielle auch nicht, da der Unterricht nichts kosten sollte. Dort hat sich jetzt der auf katholische Mieter spekulierende Haus- und Grundbefitzerverein der katholischen Sache angenommen, und der wird dem „liberalen" Herrn Bürgermeister diese Art „Liberalismus" schon austreiben. Der Katholizismus selbst würde demgegenüber machtlos sein.
Johr verkauft is wor'n — drum könnt ich Ihne nit an der Bahn abhole! Hot's Ihne die Mutter nit ge- schriewe?"
„Die Kalesche verkauft?" rief der junge Mann offenbar bestürzt. „Aber Lenhard, was geht denn vor? Warum ist denn der Wagen verkauft worden, der doch immer so notwendig gewesen ist? Alle paar Tage ist er doch von durchreisenden Fremden gemietet worden! Der Pater selig hatte doch sogar die Absicht, noch einen zweiten Wagen, einen Landauer, anzuschaffen?"
„Ja _ des war emol!" erwiderte der Alte mit trübseligem Kopfnicken. „Die Zette sinn vorbei, wo's bei uns zuging wie in eme Dauweschlag!" Seitdem die Eisenbahn von Wiesbade un voll Frankfurt nooch Limburg geht, seitdem sage sich die Füchs und Hase in Oberhause gute Nacht! Doch es kimmt mir nit zu, Ihne dadrüber Moore Wein einzuschenke — des sein Ihrer Mutter ihre Sache — ewe kimmt's awer gehörig" — unterbrach er sich, als wieder einige krachende Tannerschläge erfolgten und ein Knattern wie Kleingewehrfeuer durch die Lüste fuhr — „hab ich mir's nit gedacht: Kisselc! (Hagel)."
Und dichter zog er den Sack zum Schutze gegen die durch das dichte Buchenlaub hin und wieder durchbrechenden Hagelkörner um den Kopf und Schultern und fuhr fort:
„Stelle Sie sich e bische dichter an de Baum, junger Herr — sonst könnte Sie e paar^ schöne Knaupe (Beulen) davontrage! Des sinn jo Schlosse, so dick wie Dauweeier (Taubeneier)! O Weh, unser schön Frucht! Des hot grab noch gefehlt — be§ hot grob noch gefehlt!" Die schwere Bekümmernis, die aus den Worten herausklang, war allerdings gerechtfertigt. Gerade über dem breiten Kornfeld wütete die entfesselte Naturgewalt am schlimmsten und innerhalb des Zeitraums von wenigen Minuten lag die wogende Flut der goldenen Halme zerstampft am Boden, als wäre eine Riesenwalze darüber hingegangen — ein jammervoller Anblick, der dem alten Lenhard das Wasser in die Augen treten ließ. Und als wäre das Unwetter nach Anrichtung der grausamen Verwüstung befriedigt und besänftigt, fo ließ die Gewalt des Sturmes fast Plötzlich nach — in
Ä Die Trennung von Kirche und Staat. Das Protokoll einer geheimen Konferenz gegen die christ« lieben Kirchen ist dem evangelischen .Boten aus Kurpfalz" in einer Abschrift zu Händen gekommen. Daraus geht hervor, daß sich am 1. November v. I. Freigeister, Freidenker, Freimaurer, Monisten und Anti« ullramontane in Baden-Baden zu einer Besprechung eingesunden hatten mit dem Zwecke, die Trennung von Kirche und Staat vorzubereiten. Als ersten Schritt hierzu betrachten sie die Entziehung jeglicher Zuwendungen aus Staatsmitteln an die Kirche. Der badische Landtag hatte nämlich vor mehreren Jahren, als der Block die Mehrheit hatte, ein Gesetz eingebracht, wonach die Kirche das Recht erhält, selbst Steuern zu erheben, einstweilen aber sollte sie noch eine sogen. Staatsdotation erhalten. Als die Parteiverhältnisse wieder etwas besser wurden, hat man einfach die vom Staate an die Kirche gewährten Zuschüsse verlängert; dagegen suchte nun diese Atheisten« und Freimaurer - Gesellschaft vorzugehen. In dem Moment, wo der Staat alle ihm aus der Sätulari- sation der Kirchengüter erwachsenen Pflichten abschüttelt, keinen Pfennig mehr für die Kirchen aufwendet und es diesen überläßt, durch eigene Besteuerung allen Bedarf aukzubringen, ist der wichtigste Schritt zur Trennung von Kirche und Staat geschehen. Dabei haben die »Verschwörer" beschlossen, daß eine Ablösung der Pflichten des Staates nicht eintreten solle. In dieser Gesellschaft befinden sich vor allem Sozial demokrateu, Jungliberale, Fortschrittler, aber auch Nationalliberale. Wegen der am 21. Oktober bevor« stehenden badischen Landtagswahlen sollte jedoch die Agitation bis nach Abschluß derselben verschoben wer« den. Aus diesen Tatsachen kann das christliche Voll erkennen, was es von den genannten Parteien zü erwarten hat, wenn diese einmal das Heft in die Hand bekommen sollten.
* Eine erschreckliche Geschichte. Die.Köln. Volksztg. äußerte sich vor einigen Tagen zu einem Artikel der ,Nationalliberalen Korrespondenz, der sich mit dem Geschich tsunterricht beschäftigte, den kath Oberlehrer, welche den Antimodernisteneid geleistei haben, an höheren Lehranstalten erteilen. An diesen Artikel hatten wir in Nr. 198 und 199 einige auf den Fuldaer Fall bezügliche Bemerkungen geknüpft. Der ,Kölu. Volksztg." wird nunmehr aus Oberlehrerkreisen geschrieben:
Protestantische Theologen unterrichten nicht nur unbeanstandet, zum Teil auch ohne Fakultät, in Deutsch und Geschichte auch vor katholischen Schülern, sondern sie wollen auch gerade zum Teil infolge ihrer Eigenschaft als Religionslehrer den Unterricht in den Gesinnungsfächern Geschichte und Deutsch ha- ben, die sich ja mit Religion zu den sogenannten Gesinnungsstoffen int Sinne der Herbartschen Schule zu- sammenschließen und auch eng zusammengehören. Dieser Wunsch ist ganz berechtigt, da alle drei Fächer ein starkes erzieherisches und ethisches Moment bergen, das darum noch lange nicht konfessionell zu sein braucht. Derselbe Wunsch muß dann aber den katholischen Theologen zugebilligt werden. Der Eid spielt für den Un. terricht überhaupt keine Rolle, da er sich nicht gegen feststehende Resultate der Forschung richtet und überhaupt nicht richten, kann. Vor allem sollten alle katholischen und positiv protestantischen Eltern dagegen ihre Stimme erheben, daß der Unterricht in den Gesinnungsfächern von christentumsfeindlichen Lehrern erteilt Wirtz; denn deren gibt es auch im Unterricht der höheren Lehranstalten nicht wenige, aber danach fragen weder die liberale Presse noch auch die Regierung.
2luslan&.
* Jahrhundertfeier in Oesterreich. Zu Ehren der vor hundert Jahren in der Schlacht bei Kulm gefallenen österreichischen Soldaten wurde am Samstag am Noroostende des Dorfes Kulm ein Gedenk^
immer längeren Intervallen folgten sich die Blitzschläge und das Donnergepolter, bis das letztere schließlich in der Ferne murrend verklang und nur noch ein ausgiebiger Regen von dem immer heller werdenden Firmament herabströmte. Jetzt blitzten sogar einige helle Strahlen der sich dem westlichen Htmmelsrande nähernden Sonne durch den grauen Tunst und ließen die von den Bäumen niederfallenden Tropfen wie Diamanten erglänzen — immer leuchtender zitterte der Schein durch die wallenden Nebelmassen, bis sich in funkelnder Farbenpracht ein Regenbogen über die von dem Unhold Sturm mißhandelte Erde spannte, gleichsam als schwebe , ein gütiger Genius heran, der mit Darbietung eines märchenhaft schönen Naturschauspiels den um die Früchte ihrer Mühen gebrachten Erdenkindern Trost und Hoffnung spenden wollte.
Betreten betrachtete der junge Student den alten Knecht, dem der durch den Hagelschlag angerichtete Schaden offenbar so zu Herzen ging, daß er sich wiederholt die Augen wischte. Das war man doch früher gar nicht an dem Lenhard gewöhnt, der alles, wa? das Leben Schlimmes mit sich brachte, mit Gleichmut zu ertragen Pflegte und der selbst bei den schwersten Schicksalsschlägen immer den Kopf oben behalten hatte. War die unverwüstliche, stets einen heiteren Zug zeigende Gelassenheit des Alten, der schon bei Ernst's Großvater im Dienste gestanden, nicht sowohl im Hause, wie auch im ganzen Dorfe geradezu sprichwörtlich geworden? Und jetzt geberdete sich der Mann, als wäre ein nimmer gut zu machendes Unglück geschehen? Daß der Hagel die Frucht zerschlagen hatte, das war ja recht traurig — aber kam dies nicht alle Paar Jahre einmal vor und mutzte man nicht als Landwirt auf berortige unglückliche Zufälle gefaßt sein? War es nicht zu seiner, Ernst's Bubenzeit gewesen, als das nämliche Feld von dem gleichen Schicksal betroffen worden war und hatte damals nicht der nämliche Lenhard, der sich jetzt so verzweifelt geberbete, — Ernst erinnerte sich genau des Vorgangs — den über die Zerstörung tiefbeirübten Vater mit den einfachen Worten getröstet: „Was der lieivr Gott schickt, müsse wir mit Ergebuna trage. Philipp!"?
(Fortsetzung folgt.)