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Lokaler.

Fulda, 30. August 1913.

(!) Krankenkasse und kaufmännische Angestellte.

Mit Beginn des nächsten Jahres treten die Bor. schriften der Reichsversicherungsordnung über die Krankenversicherung in Kraft. Es werden damit außer- ordentlich wichtige Aenderungen eingeführt, die von den Kaufleuten und ihren Angestellten genau beachtet werden müssen. Unter anderem sind ab 1. Januar 1914 alle Handlungslehrlinge ohne jede Ausnahme krankenversicherungspflichtig. Es ist also ganz gleich« giltig, ob die Lehrlinge von ihrem Prinzipal irgend­eine "Vergütung erhalten oder nicht. Ferner ist zu be­achten, daß die Versicherungsgrenze von 2000 Mark auf 2500 Mark hinaufgesetzt worden ist, so daß weite Kreise von Angestellten, die bisher versicherungsfrei waren, versicherungspflichtig werden. Sodann muß beachtet werden, daß die freiwillige Fortsetzung der Mitgliedschaft bei Orts-, Betriebs- und Innung?« krankenkassen nur noch zulässig ist bis zu einem Ge­samteinkommen von 4000 Mark. Wer also durch jahrelange Beitragszahlung Rechte auf Krankenhilfe und Sterbegeld in einer Zwangskrankenkasse erlangt hat, verliert sein Anrecht, wenn sein gesamtes jähr­liches Einkommen 4000 Mark übersteigt, er ist somit in vorgerückten Jahren, sobald er ein auskömmliches Gehalt erreicht hat, unversichert. Einsichtige Prinzipale werden daher von vornherein ihre Lehrlinge und Angestellten einer kaufmännischenErsatzkranken- kasse zuführen, in der die Rechte der Versicherten nach jeder Richtung gewahrt bleiben und mit der Dauer der Mitgliedschaft wachsen.

lieber diese Ersatzkassen nun sind u. a. fol­gende Bestimmungen getroffen:

Die in kaufmännischen Krankenkassen — Ersatzkassen — versicherten kaufmännischen Angestellten, soweit solche versicherungspflichtig sind, müssen, wollen sie von der Beitragspflicht zur Ortskrankenkaffe befreit sein, sogleich nach dem 1. Januar 1914 bei den zuständigen Kranken­kassen den Antrag auf Ruhen ihrer Rechte und Pflichten stellen. — Eine Aufkündigung der Mitgliedschaft bei der Ortskrankenkasse ist für diejenigen Bersicherungspflichtigen, die zum 1. Januar 1914 aus einer Ortskrankenkasse auszutreten beabsichtigen, um die Mitgliedschaft zu einer von der Beitraaspflicht zur Ortskrankenkaffe befreienden kaufmännischen "Krankenkasse — Ersatzkrankenkaffe — zu erlangen, nicht erforderlich. Es genügt, wenn sie unter Vorlage des Nachweises ihrer Mitgliedschaft zu einer Ersatzkasse rechtzeitig das Ruhen ihrer Rechte und Pflichten bei der Ortskrankenkaffe beantragen. — Die Ortskrankenkassen sind verpflichtet, die vom Prinzipal für die in einer zugelassenen kaufmännischen Kranken­kasse versicherten Angestellten gezahlten Beitragsanteile zu Vierfünftel an die betreffende kaufmännische Kranken­kasse abzuführen. Den kaufmännischen Ersatzkassen fließen daher neue reichliche Mittel zu, die zum Ausbau der Kasse und Ausgestaltung der Kassenleistungen Verwen- oung finden können.

Die kaufmännischen Verbände sind bemüht, über die neuen Bestimmungen möglichste Klarheit zu ver­breiten. So teilt uns die Ortsgruppe Fulda desDeutschnationalenHandlungsgehilfen« Verbandes mit, daß die Deutschnationale Kranken« und Begräbniskasse in Hamburg eine kleine, über die Neubestimmungen unterrichtende Schrift zusammen­gestellt habe, die umsonst und postfrei versandt wird. Die Schrift ist hier am Platze bei Richard S chunke, Friedrichsmarkt 10, zu haben, wo auch sonstige Aus­kunft über die Deutschnationale Kasse erteilt wird. Die Deutschnationale Kranken- und Begräbniskasse hat in 15 Jahren ihren Mitgliederbestand auf 42000, ihr Vermögen auf 750 000 Mark gebracht.

Auch die Krankenkasse des Verbandes kathol. taufm. Vereinigungen Deutsch­lands in Hannover bringt zur Zelt an ihre Mit­glieder Rundschreiben zur Versendung, in denen die Neubestimmungen in ausführlicher und leicht ver­ständlicher Weise behandelt werden. Die Kranken­kasse des K. K. V., die als Ersatzkasse zugelassen ist, zählt 9000 Mitglieder und 150000 Mk. Vermögen. Nicht zum geringen Teil verdankt die Kasse ihre Ausbreitung den im Vergleich zu anderen Kranken­kassen unerreicht geringen Verwaltungskosten, wodurch es möglich wird, daß die eingezahlten Beiträge bis auf einen geringen Bruchteil an die Mitglieder in Form der Krankenfürsorge zurückfließen. Auf den geringen Verwaltungskosten beruhen zum Teile auch die günstigen Abschlüsse der letzten Jahre, die es dem Vorstände ermöglichten, der letzthin tagenden Generalversammlung der Kasse erhebliche Erweite­rungen der Kaffenleistungen vorzuschlagen. Die Ver­sammlung hat diese Vorschläge gutgeheißen. Die Kasse hat an jedem größeren Orte örtliche Zahlstellen, die zu jeder Auskunft gern bereit sind. Kassierer der örtlichen Verwaltungsstelle Fulda ist Kauf­mann Ludwig Weisbecker, Heinrichstraße 48.

3>er Mrnndstifter.

I] Eine Bauerngeschichte aus dem Taunus von Fritz Ritzel.

1. Heimkehr.

So erschlaffend auch die in den letzten Tagen herr­schende Hitze war und so sehr sich die mit dem Ein­heimsen des Korns auf den Feldern beschäftigten Leute nach einem erfrischenden Lufthauche sehnten — von einem Gewitter mit vielleicht darauf folgendem andauernden Regen wollte keiner der Bauern etwas wissen, denn erst vor einigen Tagen war mit dem Schnitte begonnen worden und mutzte die Trocken­heit wenigstens noch drei bis vier Tage anhalten, wenn man alles gut unter Dach und Fach bringen wollte. Doch das launische Wetter hat sich noch nie nach dem Wunsche der Erdenkinder gerichtet, oder gar darauf Rücksicht genommen, datz sein Tun oder Las­sen alle hosfnungsfreudigen Erwartungen über den Haufen wirft und vielleicht die Früchte monatelangen Schaffens zerstört — im Gegenteil scheint es häufig Gefallen daran zu finden, gerade dann sein grim­migstes Gesicht aufzusetzen, wenn dies der geplagten Menschheit am Allerunerwünschtesten ist.

Dies mochten auch wohl die Gedanken des alten weißhaarigen Schnitters fein, der mit Hilfe eines jungen Burschen soeben mit dem Blähen des breiten Roggenfeldes begonnen hatte, das sich die Berglehne hinauf bis zum Waldrande zog unb- der gerade einen Augenblick in seiner Arbeit inne hielt und mit prü­fenden Blicken, auf feine Senfe gestützt, das fahl- blaue Firmament betrachtete. Denn entschieden prägte sich in dem wetterharten Gesicht und bem offenen Blick der blauen Augen etwas wie Besorg­nis aus und wie abwehrend hob der Alte die Hand gegen den westlichen Horizont, an dessen äußerstem Rande sich einige verschwindend kleine weiße Wölkchen zeigten. Die gefielen ihm nicht, noch we­niger der leise Luftzug, der von horten herüberstrich. Und feinen Gedanken Worte gebend, sagte er zu dem

Ä Krankenkasse-Wahlr». Am Mittwoch, den 1. Okt. d. Js., finden die Neuwahlen für die Allgemeine Ortskrankenkaffe der Stadt Fulda statt. Die Arbeit­geber, die 20 Vertreter und 20 Ersatzleute stellen müssen, wählen von abends 5 bis 8 Uhr im Ball­haus. Der Wahlakt für die Versicherten ist von mittags 12 bis 2 Uhr und von abends 5 bis 9 Uhr im weißen Saale deS Orangeriegebäudes angesetzt. Die Versickerten haben 40 Vertreter und 40 Ersatz­leute zu wählen. Arbeitgeber und Versicherte müssen bis zum 16. September ihre Wahlvorschläge beim Vorstand der Krankenkaffe einreichen.

-4- Ein Kursus zur Ausbildung don Jugend­pflegern ist vom 18. bis 25. August hier abgehalten worden. Geleitet wurde der Kursus von Krezsfckul- inspektor Wulf (theoretischer Teil) und SemiWarbHÄ'r Fromm (praktischer Teil). Wenn auch in früheren Jahren schon Turn- und Spielkurse abgehalten wur­den, bei denen die Jugendpflege mehr oder weniger mit behandelt wurde, so galt dieser Kursus ausschließ­lich der Heranbildung von Jugendpfleger auf dem Lande. Von morgens 9—12 Uhr wurden die Kur- sisten (21 Herren) auf dem Turnplatz neben der städti­schen Turnhalle hauptsächlich mit dem sog. „Täglichen Hebungen" und dem „Volkstümlichen Turnen und Spielen" bekannt gemacht. Mittags von halb 3 bis 5 Uhr hielt Kreisschulinspektor Wulf sehr interessante Vorlesungen über Jugendpflege der schulentlassenen Jugend, namentlich der Landbevölkerung. Unter den behandelten Themen seien erwähnt: Lebens- und Bildungsstand der jugendlichen Landbevölkerung und des Bürgersohns; Das Entwicklungsalter; Entwick­lung der Seelen; Gefühlsleben der Jugendlichen; Hygiene der Jugendlichen; Bürgerliches Recht; Vor- mundschaftsrecht; Zwangserziehung; Minderjährige im Strafprozeß und Strafrecht; Vereins- und Ver- fammlungsrecht; Allgemeine Pädagogik des Entwick­lungsalters; Träger der Jugendpflege; Einrichtung von Jugendheimen; Jugendpflege im Anschluß an die Fortbildungsschule; Jungdeutschlandbund zc. Am Schluß traten'die Kurfsisten zu einem Jugend- pfleger-Verein (Vorsitz. Lehrer Will-Langen- bieber) zusammen, welcher bezwecken soll, die Jugend- Pfleger von Zeit zu Zeit zu bereinigen, um gemachte Erfahrungen auszutauschen und sich mit neueren Zie­len auf dem Gebiete der Jugendpflege vertraut zu machen.

-t. Ans dem Manöverg-ländr. Im südlichen Kreise Fulda, namentlich im Dorfe Flieden, herrscht feit einigen Tagen großes militärisches Leben. In Flieden allein sind etwa 40 Offiziere, darunter der Regiments- Kommandeur deS 116. Jnfanterie-Regimentes, ferner 269 Unteroffiziere und 650 Mann ein quartiert Gestern früh zog das Militär hinaus ins Gefecht; das Ziel war die Höhe zwischen RückerS und Hutten. Fort­gesetzt sprach der eherne Mund der Gewehre. Die »blaue Armee", dargestellt von den Infanterie-Regi­mentern Nr. 116 und Nr. 168, hatte durchaus keine leichte Aufgabe, die feindliche „rote Armee", von den 115ern gebildet, zu schlagen. Erst nach mehrstündigem „Kampfe" gelang eS der „blauen Armee", die Stel­lung deS Gegners zu stürmen. Um 11 Uhr fand Kritik statt und Flieden wurde wieder „besetzt". Doch nicht allzu lange sollte die Ruhe von den Strapazen am Vormittag dauern; schon gegen 31/« Uhr wurde zu einem Nachtgesecht alarmiert, das sich sehr in die Länge zog. Aber bann winkte die sehnsüchtig be­gehrte Ruhe; am SamStag und Sonntag ist nämlich Ruhetag. Am Montag wird der „Krieg im Frie­den" seinen Fortgang nehmen.

*:♦ Der gewaltige Lichtkegel eines Scheinwerfers, dessen Standpunkt wohl bei Flieden ober Schlüchtern im Manövergelänbe zu vermuten ist, erregte am gestrigen Abenb bie Aufmerksamkeit ber abenblichen Spaziergänger om Frauenberg. ('Bergt bie Notiz: »AuS bem Manövergelänbe".)

a Handwerker - Erholungsheim. Im landschaftlich reizvollster Lage im Kautenbachlale, etwa 3 Km von ber Stabt Traben-Trarbach auf ber rechten Moselseite, erhebt sich ein Hanbwerker-Erholungsheim. ES wurde in den Jahren 1912/13 in ber Hauptsache durch bie Handwerkskammern der drei Provinzen, Rheinland, Westfalen und Hessen-Nassau mit Ausnahme der Handwerkskammer zu Köln errichtet. Auch die Stadt Fulda hat mit einem namhaften Betrag den Bau unterstützt. Wie schon der Name ergibt, ist das Heim bestimmt, erholungsbedürftigen Handwerkern eine Er­holungsstätte zu fein. Die Gebäulichkeiten bergen alle Einrichtungen, bie eine solche Anstalt dieser Art bieten kann. Die vorhandene Badeanlage wird gespeist von dem in der Nähe des HeimeS einem langen Stollen entströmenden Quellwasser, das eine Wärme von 35 Grad Celsius besitzt. Die Quelle zeigt ganz hervor­ragende Heilwirkungen bet Ischias, Gicht, Rheumatis­mus und Hautkrankheiten. Um auch den minder­

jungen Burschen, der ihn, gleichfalls mit Mähen innehaltend, erwartungsvoll betrachtete:

„Dohinne die klaane Wölkcher gefalle mir nit, Kunrad! Es sollt mich Wunner nemme, wenn's nix gab in de nächste zwaa Stund! Es is ja awer aach e Hitz zum Umfalle und die Bremse fein wie wütig — des bedeut nix Gutes! Wenn's nur erst glücklich Widder vorüber wär!"

Und in die schwieligen Hände speiend, griff er wieder zur Sense und fuhr, weit ausholend, nut dem in der Sonne blitzenden Gerät in die goldgelben Halme. Wie die hohe Gestalt so dahinschritt, mutete sie wie ein Bild von ungebrochener Kraft und Frische an Der unter dem breitkrämpigen Strohhut her- vorquellende Schnee des Alters patzte eigentlich wenig zu dem Manne — wären nicht die unzähligen Run­zeln in dem von einer gesunden Röte überhauchten Gesicht gewesen, so hätte man annehmen können, datz der Schnitter in der Vollkraft der Jahre stände, denn auch in allen seinen Bewegungen jab sich nichts Greisenhaftes kund, vielmehr waren dieselben^ so be- stimmt und energisch, wie etwa bei einem Dreißig­jährigen. So viel war gewiß, daß er dem jungen Knechte Konrad, einem stattlichen Burschen mit einem luftigen Gesichte, nicht das Geringste an Schaf­fenskraft »achgab. Das.mochte dieser auch empfin­den, als er die Bewegungen des Alten mit den Blicken verfolgend, bemerkte:

„Wenn nier Eich zusi'ht schaffe, Lenhard, dann könnt mer Eich sor e:i Barsch von fünfundzwanzig Johr Halle! Des glaubt Inaner, daß Ihr schon die siebzig uff dem Buckel habt!"

„Maanst Tu vielleicht, ich tät's nit mit aam von siinfundzwanzig Johr uffnemme?" erwiderte, sich umwendend, der Alter mit einem munteren Lächeln, das dem verwitterten Gesicht etwas ungemein An­ziehendes gab. Eich sein • (ich bin) noch aaner bum alte Schlag, wo Saft un Kraft in de Knoche Hot! Ich denk noch lang nit nn's Altwern (Altwerden)."

„Wie habt Jhr's bann nur angestellt, daß Ihr so gerast (frisch) gebliewc seih, Lenhard?" fragte der Knecht, indem er mähend \ langsam weiterschritt. „Wenn mer des Metzlers Hankuurad und des Frische

bemittelten Handwerkern den Aufenthalt in dem Heim zu ermöglichen, hat sich der Verein Handwerker« ErbolungSheim angelegen sein lassen, den Pensions­preis möglichst niedrig zu gestalten bei bester Verpflegung. Je nach Sage des ZimmerS kostet der Aufenthalt im Erholungsheim einschließlich voller Pension 3 bis 4Mk. pro Tag. Thermalbäder werden zu äußerst mäßigen Preisen berechnet. Gäste, die nicht auf eigene Rechnung, sondern für Rechnung irgend einer Organisation, Hand­werkskammer, Krankenkasse, Gemeinde oder Stiftung ihren Aufenthalt im Heim nehmen, erhalten dieselbe aufmerksame Behandlung und Bedienung wie Selbst- tahler. Das Heim sendet einen illustrierten Prospekt Interessenten gern zu.

* Ter Wanderpreis des Herrn Landrats. Zu der gestrigen Anregung betreffend den Wanderpreis des Herrn LandratS schreibt man uns:

Die Anregung, den Kampf um den Wanderpreis, der für Schüler unter 14 Jahren bestimmt und im Schlagballspiel zu bestreiten ist, ausnahmsweise hier in Fulda auszutragen, ist mit Freuden zu begrüßen. Wenn sich die zum Rdöniurnsest gemeldeten Schulen, 20 an der Fahl mit 240 Schülern beteiligen würden, so würde der Wettbewerb sicherlich ein erfreuliches Schauspiel gewähren und dem schönen Schlagballspiel, daS leider durch andere Spielarten allzu sehr verdrängt worden ist, wieder neue Freunde gewinnen. Den Wettbewerb gelegentlich des Sedanturnens auSzusühren wird jedoch nicht möglich fein, einmal wegen der Kürze der Zeit für Reisevorbe­reitungen usw., sodann wegen der Plahverhältniffe im Irr­garten. DieUnebenheit desPlatzes, dieBäume in der Hinteren Hälfte, die fehlende Gelegenheit zum Umkleiden macht üch dort hinderlich bemerkbar. Tennisplätze, Fußball­plätze und Turnplätze sind vorhanden, aber Tummelplätze zur Ausführung von echten, deutschen Turnspielen für die Schuljugend, besonders für die VolkSschüler, fehlen uns noch. Unsere Stadtbehörde, die immer ein warmeS In­teresse für unsere Schuljugend zeiat, wird gewiß einer An­regung folgen, die Bodenverbältniffe im Irrgarten in Ord­nung zu bringen und vielleicht die nur ganz unvoll­kommen ausgenutzte Reithalle, für Garderobezwecke, zum Turnen und Aufbewahrung der Ge-äte der Allgemeinheit zngängig zu machen. Nachdem diese Mängel beseitigt sind, wäre dem Rhönturnfest-Ausschuß zu empfehlen, am 19. Okt. zur Erinnerung an die Schlacht bei Leipzig die Austragung des Schlagwettipieles im Irrgarten zu ver­anstalten, vorausaesetzt, daß sich bann noch auf gutes Wetter rechnen läßt.

§ In der städtischen Müllabfuhr tritt mit bem kom­menden Montag, den 1. September eine Reform ein. Die Abfuhr erfolgt nunmehr im 1. Bezirk MontagS und Donnerstags, im 2. DienSlagS und Freitags, im 3. und 4. Bezirk Mittwochs und SamstagS. Welche Straßen zu den einzelnen Bezirken gehören, ergibt sich aus bem von städtischen Angestellten aus» getragenen Zirkular. ES fei noch besonders auf die Bestimmungen über die zu benutzenden vorschrifts­mäßigen Aschenbehälter aufmerksam gemacht, da die städtischen Arbeiter angewiesen sind, diejenigen Haus­bewohner zur Anzeige zu bringen, bie keine vor­geschriebenen Aschenbehälter verwenden.

§ Aibeitsjnbtlare. Am vergangenen Mittwoch konnte der Vorschlosser in der Schlosserei der hiesigen Eisenbahn-Hauptwerkstätte Aug. Rehbock auf eine 35jährige Tätigkeit zurückblicken. Ihm wurde von der Direktion ein Geldgeschenk zuteil. Heute, SamS­tag, begeht der Vorschlosser in der Werkzeugschlosserei der Eisenbahn-Hauptwerkstätte HanS S ch ü r g e r eben­falls fein 35jährigeS Arbeitsjubiläum. Auch er wurde in der üblichen Weife geehrt.

-y- Der neue Schießstand der Schützengefellfchaft Fulda in der sogenannten Sandhohle bei HoraS, der als Ersatz für den früheren Stand am Neuenberg dient, geht seiner Vollendung entgegen. Seine Länge beträgt 135 Meter; $ Scheiben sind vorhanden, überdies ist Raum für weitere Scheiden vorhanden. Die Maurerarbeiten führte aus Maurermeister Michel- Hora?, die Zimmerarbeiten Otto Schneemann-Fulda, bie Dachdeckerarbeiten Diegelmann und Han-Fulda und die Schreinerarbeiten I. Weber-Fulda, Heinrich­straße. Die Einweihung beS neuen, sehr schönen SchießstanbeS erfolgt voraussichtlich Mitte September.

-z- Heißes Blut. Gestern abenb kurz nach 6 Uhr entspann sich zwischen zwei Kroaten am Bahnbau Künzellerstraße ein Wortgefecht, baS in Tätlichkeiten auszuarten drohte. Einer der Streitenden ging auf den Kollegen mit blank gezogenem Messer loS. Dies wurde von einem anderen Arbeiter beobachtet. Rasch entschlossen nahm dieser einen Stein und traf damit den Messerhelden derart in bie Seite, baß er kampf­unfähig zu Boden stürzte. Inzwischen hatte man um polizeilichen Schutz gebeten, der in ausreichender Stärke in kürzester Zeit eintraf. Der Steinwurf war derart gefährlich, daß der Getroffene nach bem Landkranken- hause verbracht werden mußte und gestern abenb nicht vernehmungsfähig war. — Nach heute früh einge­zogenen Erkundigungen hat ber Verletzte burch ben Sleinwurf keine innere Verletzungen erlitten. Philipp gege Eich sieht, die doch aach in EierndAlter sinn, dann maant mer bald, Ihr wärt en Hexe- maafter! Uff der letzte Kerb hab ich in erer Budik fo e Mühl gefehe, do sinn owe die alte Weiber hin- emgeschütt' toor’n un unne als junge Mädcher Widder Herauskumme — am End wißt Ihr aach wo's e Mühl sor alte Männer gibt?"

„Do host Du jetzt richtig gerate, Kunrad, wenn's aach grab kaa Mühl is, in der ich mich als cmol e bische uffrischc loste! Des Hot bei mir c klaa Spru­ch elche besorgt, wo ich mir gemerkt hab un dem ich feit meine jüngste Johr gefolgt bin! Des haatzt:

„De Kopp halt kalt, die Füß hglt wann Un stopp nit allzufest de Darm!"

„Do leiht mehr Verstand drin, wie in de dickste Bücher! Wenn Du dem folgst, dann kannst Du hun- nert Johr alt Wern!"

„Des haaßt: mer derf sich nit satt esse und soll aach nie als cmol en Schoppe trinke?" meinte der Bursche.

„Awer kaa Spur! Este un Trinke hält Leib un Seel zusarnme! Mer muß sich nur verstehe köckne — muß wisse, wann mer genung Hot! Un schafft mer dann, wie sich's gehört, micht sich immer Bewegung in unserer gute Luft, dann kimmt aam kaan Doktor und kaan Apotheker in's Haus! Awer aans darf mer nit vergesse, Kunrad' Unncr „dem Kopp kalt Halle" — do ist aach zu verstehe, daß mer sich von nix im Lewe unnerfriege läßt! Immer bei der Hand blcitoe un Alles uff bie leicht Achsel nemmc — immer denke: in hunnert Johr is ja doch alles egal!"

Der alte Lebensphilosoph hielt nach diesen Wor­ten einen Augenblick in seiner Arbeit inne, richtete wieder die Blicke nach dem westlichen Horizont und schüttelte bedenklich den Kopf.

„Des kimmt schneller, als ich gcglaabt hab!" meinte er dann. „Wann der Ernst mit dem Vier­uhrzug kimmt, könnt's ihn grab uff bem Weg er­wische! Wenn's nur kaan Hagel bringt! Wir wolle uns nur branhaltc, daß wir soviel wie's geht her- unnermähe un zusamrnesctze! Kimmt's schlimm, bann hawe wir wenigstens getan, was wir konnte!"

Seine Entlastung bürste schon bie ersten Tagen er­folgen.

A Tie Pachtgebote für die Bahnhofswirtschaft Fulda wurden, wie uns ein Telegramm rneldet, auf dem Eifenbahndirektionsgebäude in Frankfurt a. M. eröffnet. Es sind 64 Bewerbungen eingelaufen. Das niedrigste Gebot beträgt 6000 Mk., das Höchstgebot 18 000 Mk. Der Zuschlag wird in Kürze erwartet,^ da die jetzige Pachtzeit bereits am 1. Oktober d. I. abläuft.

= Fahrraddiebstahl. Am Donnerstag abenb würbe, baS bem Kutscher beS „Hotel zum Kurfürsten" ge­hörende Fahrrad, baS vor bem HauStor ftanb, ge- stohlen.

-T- Folgen der Hitze. Im Laufe beS gestrigen Tages sind mehrere Personen, die von leichten Schlaganfällen? betroffen worden waren, im Automobil dem hiesigen! Landkrankenhause zugefübrt worden. Bei der her» ichenben Hitze empfiehlt sich vor allem für korpulente) Leute große Vorsicht.

Ans dem Nachbaraebiete

/X Nieflg, 29. August 1913. Zum Beschluß vor Ottilien-Oktav findet hier am Sonntag um 9 Uhr morgens feierlicher Gottesdienst statt. Der Gesang­verein ,Gemütlichkeit"-HoraS, der schon wiederholt mit seinen anerkannten Leistungen hervorgetreten ist, wird bei dieser Gelegenheit mehrere vierstimmige Lieder vortragen.

? Vom Lande schreibt man unS: Tie.Fuldaer Zeitung' brachte diestr Tage die Nachricht, baß zirka 40 Reservisten auS ben Kreisen Fulba unb GerSseld zu einer vierwöchentlichen Hebung nach Bitsch, im Elsaß eingezogen seien. Diese Einberufung zu ein« Zeit, wo in unserer Gegend, besonders in der Rhönj die Ernte im vollen Gange ist, steht in schroffstem Gegensatz zu der feierlichen Erklärung beS Kriegs- Ministers bei ber Beratung ber letzten Militärvor­lage, baß keine Leute mehr zu Hebungen in ber Erntezeit eingezogen werden sollten. Man sieht barauS, roaS auf derartige Versicherungen unb Zusagen bei Militärbehörden zu geben ist. Gerade in diesem Jahre, wo infolge ber langen Regenperiobe alle Erntearbeiten sich auf wenige Wochen zusammen- brängen, hätte man wohl mehr Rücksicht auf bie Not­lage ber Landbevölkerung erwarten dürfen. Wo soll man denn jetzt mitten im Jahre bei bem ohnehin schon bestehenden Leutemangel Ersatz für bie ein­gezogenen Arbeitskräfte herbekommen? Besonders bedauerlich ist eS, baß zuweilen selbst bie wohl- begründetsten Befreiungsgesuche einfach ohne Angabe der Gründe abgelehnt werben, während andere der eingezogenen Reservisten, bei denen gar keine Not-- wendigkeit vorliegt, nach Hause geschickt werben. ES wirb sich empfehlen, wenn alle derartige Einzelfälltz den zuständigen ReichstagSabgeordneten mitgeteilt werben, bamit diese bei Beratung des MilitäretatS auf Grund ihres Materials Abhilfe verlangen können.

* Vom Vogelsberg, 29. Aug. 1913. Beim Ab­mähen eines Gerstenfeldes fand der Landwirt Scheich von Wallenrod in Oberhessen einen kleinen Luft­ballon nebst Ansichtskarte. Aus dem französischen Text ging hervor, daß der Ballon anläßlich eines Festes in Enghien-les-Bains, Departement Seine et Oise, nahe bei Paris, ausgelassen war unb, nach Zurücklegung von 600 Kilometer Luftlinie gelandet ist. Dem Bürgermeister des Auflaß- ortes wurde wunschgemäß der Name des Finders unb des Fundortes mitgeteilt.

u. Frankfurt a. M , 29. Aug. 1913. Die Inten­danz beS Opernhauses hat bie Erstausführung bes „Parsifal" auf Donnerstag, ben 1. Januar 1914 festgesetzt, den ersten Tag nach Ablauf der Schutzfrist für baS Werk. Dadurch wirb vielen Frank­furtern eine unliebsame Ueberraschung insofern bereitet als biefe bereits Karten für bie am 2. Januar in Mainz ftattfinbenbe Parsifal-Premiere bestellt Hattens um sich ja die erste Aufführung nicht entgehen zu lassen. (Daran erkennt mau die echten Snobs, zu deutsch Gecken.) Jetzt suchen nun bie voreiligen Parsisal- liebhober vielfach die für Mainz gegebenen Bestellungen rückgängig zu machen. — Die rasche Ausdehnung beS Flugwesens auf bemEuler-Flu gplatzebeiNiederrad macht eine Verlegung deS Platzes in absehbarer Zeit zur Notwendigkeit. DaS Gelände ist allseits durch andere Betriebe so eingeengt, daß eine Erweiterung unmöglich ist. Diese aber ist für bie großen Flüge absolut erforderlich. Wohin der Platz verlegt wird, ist noch nicht entschieden. Gestern fanden bereits bie letzten Pilotenprüfungen statt. Am Montag beginnen bei Griesheim Hebungen mit einem Wasser« fing zeug, bas von Euler gebaut unb für die Marine bestimmt ist.

Und ungeachtet der drückenden Schwüle begann der alte Mann aufs Neue, die Sense zu handhaben. Ter Knecht blieb ebenfalls nicht müßig — aber trotz­dem, daß die beiden Männer ununterbrochen über eine Stunde lang schafften, war erst ein winziger Teil des riesigen Kornfeldes abgemäbt, als schon einige pfeifende Windstöße von dem sich immer dich­ter im Westen zusammenballenden Gewölk herüber­fuhren und ein leises, aus weiter Ferne klingendes Rollen die Luft durchzitterte. £

Wie auf ein gegebenes Kommando legten bie beiden Schnitter die Sensen zur Seite und griffen zu den Rechen, um die gemähte Frucht zu sammeln und in Garben zu binden. Noch waren sie damit beschäftigt, die Garben auf einen Haufen derart zu schichten, daß der zu erwartende Regen abiief, als der Donner immer näher grollte und einzelne schwere Tropfen schon zu fallen ■ begannen. Als eben der letzte Haufen geschichtet war, stand das Weite? in unmittelbarer Nähe und Blitz auf Blitz, gefolgt vom krackenden Tonnerschlägen fuhr hernieder. Eilig lic-- fen die beiden Schnitter mit rasch über den Kopf ge­worfenen Säcken nach dem am oberen Staub' bes Feldes befindlichen Walde, wo sie unter den Zweigen einer mächtigen Buche einigermaßen Schutz gegen; die jetzt mit voller Wucht niederstürzendeu Wasser massen fanden.

„Wenn's nur kaan Hagel-briugt!" sagte der dlh Lenhard wieder, indem er mit prüfenden Blicken bas jetzt von allen Seiten aufsteigende Gewölk musterte. „Der Rege hot nix zu söge! Wenn der Schutt aach die Frucht c bische umlegt — wie die Sunu druff- scheint, hebt sie sich Widder — awer die schwere! Schlöffe, wie wir sie im letzte Johr gehabt hawen die schmeiße alles in Grund un Boden hinein.

is kaan Stern mehr, der leucht! Der schwefelgelb Dunst, der do von der Palmbach herüberklmmt, der gefällt mir qar nit! Awer was is dann baß r unter« brach er sich rückwärts blickend, wo ent ichmaler Fußpfad durch den Wald ben Berg herabltef — -Me. maant, do tat aaner singe? Sollt des schon der Ernst fein? Dann Hot er awer de Weg gehörig zwflche bte Baan genumme!" ^(Fortsetzung folgt.!