Zuldaer Leitung.
2. Blatt.
vruck ter Xnlbcer Xctientnictrti in Jnlta.
Lokales.
c^ulba, 29. August 1913.
(!) Stadtverwaltung und zweite Hypothek.
Mit dem Problem, wie die Kommunen dem Kredit- bedürfnis der Jmmobiliengeschäfte entgegenkommen können, beschäftigen sich bekanntlich zurzeit auch die Fuldaer Kommunalpolitiker sehr lebhaft. Da ist es intereffant zu erfahren, welche Stellung der Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. zu dieser Frage einnimmt. Nach Zeitungsmeldungen hat er es abgelehnt, die Errichtung eines eigenen städtischen Pfandbrief i n st i t u t e s für zweite Hypotheken in Erwägung zu ziehen. Ein solches Eintreten der Stadt für die Beschaffung zweiter Hypotheken würde eine zu erhebliche Anspannung der eigenen Kredits der Stadt bedeuten. Um aber den Hausbesitzern entgegen zu kommen, schlägt der Magistrat vor, eine andere Organisation des Hypothekenkredits in die Wege zu leiten, und zwar will die Stadt die Bürgschaft für Hypo- theken bei dritten Geldgebern (leistungsfähigen Banken) übern-''wen. Im weiteren soll eine Vereinheitlichung des Taxwesens für alle Hypothekengeschäfte, welche die Stadl berühren, angestrebt werden.
Zur Verwaltung der Hypothekengeschäfte der Stadt soll ein „Slädtisches'Hypothekenann" als gemischte Deputation im Sinne des § 65 des Ge- meinde-Berfassungsgesetzes errichtet werden. Diese Deputation besteht aus vier Magistratsmitgliedern und acht von der Stadtverordnetenversammlung gewählten stimmfähigen Bürgern. Unter letzteren sollen vier Stadtverordnete sein. Die Deputation entscheidet über die Anlegung der Gelder, die ihr überwiesen werden; sie prüft die Darlehnsgesuche und setzt die Bedingungen fest. Sie prüft periodisch den Stand der Grundstücke und die fortdauernde Sicherheit für das gewährte Darlehen und beschließt über etwaige Kündigungen und Geltendmachung des Rechtes auf iosortige Rückzahlung des Darlehens. Sie hat weiter Vorsorge zu treffen, daß insbesondere für Erschließung städtischen Grundbesitzes und zur Förderung des Kleinwohnungswesens die nöligen Mittel beschafft werden.
Die Prüfung der Darlehensgesuche soll durch einen Schätzungs-Ausschuß (Taxbehörde) geschehen, welche aus 3—5 Mitgliedern der Deputation besteht. Er kann durch besondere Sachverständige und zwei aus der Reihe der Hypothekenschuldner gewählte Mitglieder verstärkt werden. Für die Gewährung von hypothekarischen Darlehen sollen folgende Grundsätze maßgebend sein: 1. Erste Hypotheken können bis zum Höchstbelrage von 60 Prozent der Taxe entweder als kündbare nicht amortisable oder als unkündbare amortisable Darlehen gewährt werden. 2. Zweite Hypotheken werden bis zum Höchftbetrage von 80 Prozent der Taxe nur als amortisable in der Regel unkündbare Hypotheken für Bauten gewährt, welche gemeinnützigen Zwecken dienen, oder für Wohnhäuser mit höchstens fünf Zimmern, unter Bevorzugung von Kleinwohnungsbauten. Der Mindesttilgungssatz beträgt in der Regel 1'/- Prozent. 3. Für Hypotheken im Gesamtbeträge bis zu 80 Prozent, welche in einer Summe gegeben werden, gelten hinsichtlich der Beleihungsfähigkeit der Objekte die gleichen Bestimmungen wie zu 2., ebenso hinsichtlich Tilgung und Bürgschaft für den 60 Prozent des Taxwertes übersteigenden Betrag. 4. Auf Verlangen hat der Hypolhekenschuldner zur Sicherung für Verzinsung der Hypothekenkapitalien die Miet« oder Pachtzinsen einem vom Hypothekenamte zu benennenden Treuhändler abzutreten. — Für die zweiten, 60 Prozent des Beleihungswertes übersteigenden Hypothekenbeträge ist die Aussallgarantie durch Rückversicherung bei einem dritten Institut zu decken, soweit im Einzelfalle nicht anderweite ausreichende Sicherheit geleistet ist. Für die Rückversicherung und die sonstigen Berwaltungskosten hat . der Hypothekenschuldner an die Stadt einen festen Zuschlag zu zahlen.
Die Frankfurter Körperschaften werden schon in allernächster Zeit an die Erledigung dieser Vorlage Herangehen.
** Eine regelmäßige Sitzung der Stadtverordneten- Bersammlung findet Montag, den 1. September 1913, abends 71/» Uhr statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Weiterberatung der Ordnung zum Schutze gegen Verunstaltung und über die Bauweise in verschiedenen Stadtteilen. (Adam und Kircher.) 2. Beschickung der Hauptversammlung des Sparkassenverbandes. (Kapp.) 3. Herstellung eines Teiles der Schloßgartenmauer zwischen dem Orangeriegebäude und der Schmitt'schen Besitzung. (Wehner.) 4. Nachbewilligung der Kosten für Herstellung des Fußbodenplattenbelags im weißen Saal der Orangerie. (Adam.) 5. Einrichtung der elektrischen Beleuchtung und der Wäscheeinrichtung mit elektrischem Betrieb im Heilig-Geisthospita!. (Weber.) B. Bereitstellung eines Kredits zur Beschaffung von Multiplex-Fernzünder. (Eickenscheidt.) 7. Niederlegung des Manvats als Stadtverordneter seitens des Herrn Dr. Schulte. (Kapp.) 8. Aufstellung von 4 Trinkanlagen im Schulhofe der Stadlschule und Bewilligung
TK. Wie der Friedeuspatast im Haag entstand.
' Tie Entstehungsgeschichte des Friedenspalastes, der gestern im Haag feierlich eingewciht wurde, ist jetzt gewiß von Interesse.
Der erste Stein wurde am 30. Juli 1907 gelegt, als die zweite Friedenskonferenz im Haag stattfand. Exzellenz Nelidow, der Vorsitzende der Konferenz, verrichtete in Gegenwart der Mitglieder den Akt. Der Grundstein, aus bayerischem Granit, bildet den Eckstein des Gebäudes; er trägt die Jmchrfft: PACI JÜSTITIAE FIRMANDAE HANG AEDEM ANDREAE SARNEGII MUNIFICENTIA DEDICAVIT (zu deutsch: Dem Frieden, den das Recht stärken soll, hat Andrew Carnegies Spende dies Haus errichtet). Andrew Carnegie hat für den Bau 3 Millionen holländische Gulden im Jahre 1903 geschenkt; 1904 wurden die Statuten der Stiftung sestgelcgt; dann mußte der Platz gesucht werden, wo sich das Friedensmonument erheben sollte. Den Suchenden kam die Gemeinde Haag entgegen; sie bot einen Teil des königlichen Parks am Scheveninger Weg an; durch Zukauf wurde das Grundstück auf 6y2 Hektar gebracht/ Tann erst erfolgte das Preisausschreiben für-die Architekten. Aus aller Herren Länder liefen die Entwürfe ein, im ganzen 216 Entwürfe und über 3000 Zeichnungen; die Jury, die, sich aus den hervorragendsten Architekten der zivilisierten Staaten zusammensetzte, entschied am 11. Mai 1906, daß dem Erbauer der Amsterdamer Börse Cordonnier zu Rijssel der erste Preis zuzuerkennen sei; weitere Preise erhielten: Marcel (Paris), Wendt (Charlot- tenburg), Wagner (Wien), Greenlay und Olin (New- York) und Schwechten (Berlin). An Cordonniers Plan wurde dann freilich noch eine kleine Abänderung vorgenommen; die Bauleitung übernahm Cordonnier gemeinsant mit dem Holländer van der Steur, den das Komitee ernannte.
In seiner jetzigen Gestalt umfaßt der Palast 78 Meter im Geviert; die skandinavischen Länder gaben den Granit, der Backstein kam aus Leidcrdorp, der Sandstein aus Obernkirchen bei Hannover; das Dach .ist mit Schiefer gedeckt, die Dachreiter sind auS Küp
s'er Kosten. (Fritz.) 9. Antrag Adam: a) Kenntnisgabe an den Magistrat über das Zustandekommen eines Beschlusses der Stadtverordnelen-Versammlung; b) Streichung der 2 letzten Sätze des § 9 der Geschäfts, ordnung der Stadtverordneten-Versammlung. (Adam und Dux.) 10. Uebernahme von Grundstücksparzellen in städtisches Eigentum und Löschung einer Belastung. (Wehner.) 11. Nachbewilligung einesBetrages zu den Kosten der Stadtpfarrkirche. (Keil.) 12. Schreiben der Firma Mölders u. Co. betr. Kanal in der Bor- giasstraße. (Fritz.) 13. Gewährung von Zuschüssen an die beiden hiesigen LY- ceen. (Schwarz.) 14. Löschungsurkunde. (Singer.) 15. Aufnahme eines Darlehns zur Herstellung von Stallerweiterungsbauten in der Art.-Kaserne. (Dux.) In geheimer Sitzung: 16. Aufnahme eines Darlehns zwecks Ankaufs des Militärlazaretts. (Dux.) 17. Führung eines Rechtsstreites wegen Grenzstreisigkesten. (Kircher.) 18. Führung eines Rechtsstreites wegen einer Darlehns- fordcrimg. (Kapp.) 19. Uebernahme einer Kanalisationshypothek auf die Stadtkasse. (Laux.)
# Personalien. Verliehen wurde dem Universitätszeichenlehrer, Oberlehrer a. D. Friedrich Schürmann zu Marburg der Rote Adlerorden vierter Klasse, dem Kontordiener August Rudolph und dem Hofarbeiter Konrad Klapp zu H a n a u das Allgemeine Ehrenzeichen, dem Marmorschleifer Johannes Nix zu Hanau das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze.
(:) Tas Projekt des Gruppenwasserwerkes zur Versorgung des östlichen Teiles des Kreises Fulda wird nach dem Kreisausschußbericht vorläufig noch nicht ausgeführt werden. Für den Ankauf von Quellen waren bis Ende 1912 insgesamt 5243 Mark ausgegeben worden. Von den für die Versorgung des Gruppenwasserwerkes in Betracht kommenden 6 Quellen sind bisher 2 Eigentum des Kreises geworden. Vorläufig sind weitere Quellenankänfe nicht geplant. Die dem Kreise gehörenden Quellgrundstücke sind für 10/ Mark jährlich verpachtet worden. — Im Jahre 1912 wurden in Rückers und Steinhaus neue Quellwasserleitungen angelegt. Es bestehen jetzt im Kreise Fulda 51 Leitungen mit Qnellwasser und 3 mit Grundwasser.
-x- An der Beerdigung des Oberpostdirektors Hoffmann, die morgen in Kassel stattfindet, nimmt eine Abordnung der hiesigen Postbeamtenschaft teil. Der Postnnterbeamtenverein entsendet eine Fahnendepu- taiiort und legt ebenso wie die Beamten einen Kranz nieder.
In die Zahnärztekammer wurden gewählt im Wahlbezirk Hessen-Nassau als Mitglieder die Zahnärzte Adolf Scheele in Kassel, Fritz Schäfer in Frankfurt o. M.; als Stellvertreter die Zahnärzte Funcke in Wiesbaden und Dr. Mosessohn in Frankfurt a. M. Die Zahnärztekammer ist durch Verordnung vom 16. Dezember 1912 ins Leben gerufen worden. Die erste Wahlperiode umfaßt die Zeit vom 1. Juli 1913 bis Ende Dezember 1915.
s. Neue Hundert- und Zehnmarkscheine. Beim Direktorium der Reichsbank sind die Entwürfe für den Typ eines neuen Hundertmarkscheines, die auf Veranlassung der Reichsbehörde von Künstlern gefertigt wurden, bereits eingegangen, und voraussichtlich dürfte die Zeichnung eines Düsseldorfer Künstlers gewählt werden. Die Entscheidung hierüber soll in nächster Zeit erfolgen. Der neue Hundertmarkschein, der zur Ausgabe gelangen soll, dürfte das Format des alten kleinen Scheines erhalten, das sich im Verkehr durchaus bewährt hatte. Was die Ausgabe der Scheine anbetrifft, so ist zu berücksichtigen, daß ihre technische Herstellung verhältnismäßig lange Zeit erfordern wird, sodaß ihr Erscheinen für den öffentlichen Verkehr noch geraume Zeit auf sich warten lassen muß. Im preußischen Parlament war weiter seitens eines Regierungsvertreters erklärt worden, daß auch eine Abänderung der Reichskassenscheine im Werte von zehn Mark vorgenommen werden solle. Die Erwägungen die über die Ausgabe eines neuen Typs für die Zehnmarkscheine schweben, sind aber zunächst zurückgestellt worden, da vorerst wieder 100 Millionen Mark Zehnmarkscheine zur Erhöhung des Reichskriegsschatzes benötigt werden. Mit der Herstellung dieser Scheine ist bereits begonnen worden.
A Die Drigademavöver des 18. Armeekorps haben heute ihren Anfang genommmen, die auch den südlichen Kreis Fulda berühren werden. Es übt die 49. Jnfanteriebrigade (Jnf.-Regt.«115, 116 und 168) vom 29. August bis 2. September bei Schlüchtern; die 50. Jnfanteriebrigade (Jnf.-Regt. 117 und 118 und Pionierbataillon 25) vom 30. August bis 3. September bei Wittgenborn; die verstärkte 49. Jn- fan t eriebri gäbe mit Drao.-Regt. 24, Feldart.-
fer hergestellt. Der Vorderbau, der von llen 80 und 50 Meter hohen Türmen flankiert ist, dient dem Schiedsgerichtshof; einen besonderen Teil nimmt die Bibliothek ein; der „kleine Rechtssaal" liegt hinter dem großen Turm. Im Mittelhof spendet eine prächtige Fontäne inmitten eines wohlgepslcgten Gärtchens erfrischende Kühle. Für die Wände, Fenster, Türen sind die kostbarsten Zutaten verio endet worden, griechischer und italienischer Marmor, seltenes Holz, Elfenbein, (apanische Seidenstickerei und köstliche Vorhänge. Bekannt ist, daß jedes Land einen Beitrag stiftete, so Deutschland das schmiedeeiserne Gitter mit den Pfeilern, Amerika die Bildcr- gruppen an der Freitreppe, Oesterreich bronzene und kristallene Kandelaber; aus Frankreich, England und Japan kamen Gobelins, gemalte Fenster, Wandgemälde und Seidentapeten, aus Rußland eine 3 Meter hohe Jaspisvase; der Niederländische Friedensverband schenkte eine Büste Hugo de Groots, des Begründers des modernen Völkerrechts. Die Haupttreppe ist ein Geschenk der Gemeinde Haag; sie ist der Ehrentreppe an der Großen Oper in Paris nach- gcbildet, bestehend aus weißem mit schwarzen Adern durchzogenen Marmor; sie führt bis in den ersten Stock Besonders kostbar ist auch die Treppenhalle und das große Vestibül ausgestattet. Der untere Teil der Wände ist reiner Marmor, der obere Teil feiner, heller französischer Kalkstein mit Verzierungen aus Marmormosaik. Auch die Türen nach diesen Hallen zeigen erlesenes Material und künstlerischen Geschmack: sie sind reich mit Elfenbein ausgelegt. Die weihevolle Stimmung, die über diesen Räumen liegt, wird noch erhöht durch die hohen Marmorsäulen mit ihren schönen Sockeln und Kapitälen. Ringsum bekränzen den Palast Terrasien, Gärten und "Weiheranlagen; die einzelnen Weiher sind durch Vcrbmdungsbrücken im Stil von barockartigen Säu- lcngängen mit einander verbunden.
So" hat sich die internationale Friedensbewegung ein großartiges Friedensmonument errichtet; die Hauptsache wäre nun aber, daß dieses Prächtige Friedensmonument auch in Wahrheit ein Friedens- instrumcnt wird.
Regt. 61 und 2 Kompanien des Pionierbataillons 25 und einer Kompanie des Trainbataillons 18, vom 4. bis 6. September zwischen Steinau und Opperz; die verstärkte 50. Jnfanteriebrigade mit Drag.-Regt. 23, Feldart.-Regt. 25, 2 Kompanien des Pionierbataillons 25 und einer Kompanie des Trainbataillons 18, vom 5. bis 8. September zwischen Gelnhausen und Freien-Steinau. Die 21. Feldartilleriebrigade (Nr. 27 und 63) und zwei Batterien des Fußartillerie-Regts. 3 üben vom 30. August bis 2. September bei Windecken. Die 25. Feldartilleriebrigade (Nr. 25 und 61) und zwei Batterien des Fußartillerie-Regts. 3 üben vom 30. August bis 2. September bei Ulmbach. Die 42. Jnfanteriebrigade, zu der die Jnfanterie-Regimenter 80 und 81 gehören, manöveriert zunächst im südlichen Vogelsberg und in der Wetterau.
X Am hiesigen Landratamts-Gebäude, welches zurzeit eine durchgreifende Erneuerung erfährt, wurde heute anstelle der alten hölzernen Madonnen - Figur eine im gleichen Stile gehaltene Steinfigur der hl. Maria angebracht. — Mit den Umbau«Arbeiten am alten Rathause (Ecke Borgiasstraße) ist begonnen worden.
(l) Volksbüchereien bestehen zur Zeit'im Kreise Fulda insgesamt 31. Im Laufe des Jahres 1912 sind Büchereien neu geschaffen worden in Dipperz, Haimbach, Horas und Kämmerzell. 14 Büchereien haben in 1912 Beihilfen aus Kreismitteln von insgesamt 800 Aik. erhalten.
Ter Wanderpreis des Herrn Landrats. Wir geben folgende Anregung wieder, die uns zugegangen ist: Beim heurigen "Rhönturnfeste auf der Wafferkuppe wurden trotz des schlechten Wetters die Kämpfe um alle Wanderpreise ausgetragen und den Siegern ausgehändigt; nur der Wanderpreis unseres Herrn Landrats, der im Schlagballspiel von den Volksschülern bestritten werden sollte, konnte in diesem Jahre nicht zugesprochen werden. Die Volksschüler mußten bekanntlich infolge des Eintritts des schlechten Wetters die Wasserkuppe alsbald verlassen. Wie hatten sich die Jungens auf das Schlagballspiel gefreut! Auch die Lehrer hatten sich mit voller Hingabe der Einübung der Spiele gewidmet. Der 7. September, an dem das Jugendturnen stattsindet, könnte nun vielleicht Gelegenheit bieten, den ausgefallenen Wettkampf nachzuholen. Die Schüler des Kreises Gersfeld können wohl auch einmal nach Fulda kommen, um sich mit den Fuldaer Schülern statt auf der Wasserkuppe in unserem schönen Schloßgarten zu messen. Vielleicht ist es dem Rhönturn- Ausschuß möglich, auf diesen Vorschlag einzugehen.
△ Gegen das frühe Ernten des Obstes wendet sich eine Bekanntmachung des Landrats des Obertaunuskreises, die außerhalb des Kreises Beachtung verdient. Sie führt u. a. aus, daß durch da? frühzeitige Ernten nicht nur der Wert des Obstes sehr herabgemindert werde, da das Tafelobst geschmacklos und wenig haltbar, das Kelterobst minderwertig wird, sondern auch besonders die Obstbäume selbst sehr notleiden, da durch das Abschlagen und Abschütteln des noch nicht baumreifen Obstes die Fruchtzweige mit vernichtet werden. Der Grund der zu frühen Ab- erntung liege häufig darin, daß die Gemeinden das Obst zu früh zur Versteigerung bringen. Die Bürgermeister werden daher ersucht, die Versteigerung des Gemeindeobstes nicht vor dem 15. Sept, vornehmen zu lassen. Die Obstzüchter und Besitzer von Obstbäumen werden ersucht, aus den oben angeführten Gründen nicht vor Anfang Oktober das Obst abnehmen zu lasten. Dem Obstdiebstahl solle durch Ehrenseld- fchützen entgegengetreten werden.
-X- Unvorsichtige? Begießen von Blumen auf Ballone oder vor Fenstern, £ie nach der Straße liegen, ist wieder an der Tagesordnung. Es ist daher angebracht, die Blumen-Liebhaber darauf aufmerksam zu machen, daß nach § 366,8 des Strafgesetzbuches he- straft wird, wer nach einer öffentlichen Straße oder nach Orten, wo Menschen zu verkehren pflegen, Sachen ausschüttet, daß dadurch jemand beschädigt oder verunreinigt werden kann. Auch gegen die Straßenpolizei- Verordnung vom Juni 1906 wird hierdurch verstoßen.
;; Militärverhältnisse im Kreise Fulda. Von den 1275Militärpflichtigen wurden in 1912 42 als dauernd untauglich ausgemustert, 83 dem Landsturm überwiesen, 135 wurden für Ersatzreserve bestimmt. Von den letzten erfolgt bei 9 die Zuteilung zur Ersatz- rescrve wegen bürgerlicher Verhältnisse. Ausgehoben wurden 227 junge Männer, 70 sind freiwillig eingetreten, darunter 7 Einjährig-Freiwillige und 10 Voltsschullehrer. — Im Jahre 1912 haben 286 Veteranen die Veteranen-Beihilfe bezogen.
== Die Ansschachtungsarbeiteu am Neubau der dom- pfarrlichen Turnhalle am Kronhof gehen mit Rücksicht auf die ungeheuren Wastermengen, die aus der Tiefe cmpordringen, nur sehr langsam voran. Zuweilen müssen dre iPumpen in Tätigkeit treten, um das angesammelte Wasser aus den Schächten berauszupumpcn.
** Dem Konzerte der Kapelle des Großh. Hessischen Leibgarde-Regiments aus Darmstadt (Dirigent Obermusikmeister Hausle), das am nächsten Sonntag, abends 8 Uhr, in den Stadtsälen statifindet, liegt ein vorzüglich gewähltes Programm zugrunde. In künstlerischer Zu- jammenstellung bringt es eine Reihe nur besserer Tonwerke ernsten und heiteren Inhalts. Es wird jeder Geschmacksrichtung nach Möglichkeit entsprochen. Siehe auch Inserate._____
2lu$ dem Nachbaraebielc.
* Gersfeld, 28. Aug. 1913. Bei der hier abge- haltenen Vertreterversammlung der Bienenzüchtervereine des Kreises Ger'sfeld hielt Lehrer Mcilinger-Wüstensachsen einen auf praktischer Sachkenntnis beruhenden Vortrag über die Herbst- behandlung der Bienenvölker. An denselben schloß sich ein sehr lehrreicher Meinungsaustausch. Bei der endgültigen Vorstandswahl des Kreisbienenzüchter- Vcrbandes wurden Lehrer Hillenbrand-Hildcrs als Vorsitzender, Lehrer Gramm-Rönshausen als Schriftführer und Hegemeister Fischer-Wüstensachsen als Kassierer, sowie Berufsimker Laidig-Wüstensachsen Lehrer Mcilinger-Wüstensachsen und Straßenmeister- Steinwachs-Hilders als deren Stellvertreter gewählt. Nach cinm gestellten Antrag soll dahin gewirkt werden, daß diejenigen Bienenhalter, welche Kasten mit altem verdorbenem Wabenbau, Wachsmüll usw. geöffnet an ihrem Bienenstände steben lassen, wodurch der so sehr gefürchteten Faulbrut der Bienen Vorschub geleistet wird, polizeilich bestraft werden können.
Q Hanau, 28 Aug. 1913. Das hier wohnende Ehepaar Heck, das dem homöopathischen Heilverfahren Interesse cnlgegenbringt, hatte bei der Erkrankung seines dreijährigen Kindes den früher hier ansässigen, jetzt in Heilbronn wohnenden Heilkundigen Karl Bahner zu Rate gezogen, der die Behandlung übernahm. Tas Befinden des Kindes verschlechterte sich, sodaß der Tod eintrat. Die Sektion ergab, daß das Kind an den Folgen einer verkannten Erkrankung, an Diphtheritis, gestorben fei. Nun wurde gegen Bahner Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben und die Strafkammer erkannte heute auf 6 Monate Gefängnis.
* Bad Wildungen, 28. Aug. 1913. Auf dem hiesigen Postamt 2 wurde am Montag ein falsches
Xs
Freitag 29. August 19)3.
Fünfmarkstück angehalten. Das Geldstück, daS ein Kurgast auf dem Postamt abgeben wollte, trug das Bildnis des Königs Georg von Sachsen, die Jahreszahl 1904 und das Münzzeichen E.
§§ Kassel, 29. August 1913. Die für gestern abend angesetzte Oberbürgermeisterwahl in Kassel wurde verschoben, da eine Bestätigung des bisherigen Oberbürgermeisters Dr. Scholz für Charlotten- burg noch nicht stattgefunden hat. Die Entscheidung ist Mitte nächster Woche zu erwarten. — Das 150« jährigeGeschäftsjubiläum beging gestern unter großen Ehningen die Blaudruckereiund Leinen» f ä r b e r e i von FriedrichEngelhardkim Stadtteil Bettenhausen, die nicht nur eine der ältesten mitteldeutschen Blaudruckereien ist, sondern seit Be« stehen der Firma sich immer vom Vater auf den Sohn vererbt hat. Polizeipräsident Frhr. v. Dalwigk« Lichtenfels überbrachte die Glückwünsche der Staats« regierung und überreichte dem Inhaber der Firma den Kgl. Kronenorden 4. Klaffe, einer größeren An» zahl von älteren Mitarbeitern und Färbern Silberne Verdienstkreuze und Allgemeine Ehrenzeichen. Die Handwerkskammer und der Kaufmännische Verein ließen Ehrenurkunden überreichen.
* Langenschwalbach, 28. Aug. 1913. Der in Toulouse verstorbene Rentner Ernst Grebert hat seiner Vaterstadt Langenschwalbach sein gesamtes Vermögen, das ungefähr eine Million Mark beträgt, vermacht. In seinem Testament traf er folgende Bestimmungen: 500000 Mark sollen für den Bau eines Genesungsheims für Frauen, 100 000 Mark für den Bau einer Klein-Kinderschule, 50000 Mark für ein Volkshaus und 50000 Mark für den Baw eines Heims für alte Leute Verwendung finden., 25000 Mark vermachte der Spender auch dem Kur»/ verein in Langenschwalbach.
* Offenbach, 28. Aug. 1913. Das 20jährige Dienstmädchen Marie Röder verübte heute morgen einen Selbstmordversuch durch Vergiften mit Heizgas; sie wurde von ihrer Herrschaft in bewußtlosem Zustande in der Küche aufgefunden und nach dem Kran- kenhause gebracht, wo sie bedenklich darniederliegt. Ein hinterlassener Bries gibt als Ursache der Tat Liebeskummer an.
* Aus Franken, 28. Aug. 1913. Das aus dem Jahre 1520 stammende Rathaus in Stadtprozelten wird erneuert. Im Vorfrühling wurde mit den Ausbesserungen begonnen; dabei zeigte sich gar bald, daß die Zerstörung weiter vorgeschritten war, als man glaubte. Es mußten Hintere Mauern neu aufgesührt, das Gebälk vielfach erneuert und höher gewunden und Säulen im Parterre durch neue ersetzt, sowie verschiedene Dach- und Verkleidungsarbeiten usw. vorgenommen werden. Der Voranschlag von 5000 Maik war zu niedrig unter solchen Umständen, und es mußten neuerdings noch über 10000 Marl genehmigt werden. Zurzeit werden die Jnnenarbeiten vorgenommen. Die Möbel, Türgewänder und Säulen im Saale zeigten bisher dicken Oelfarbenauflrich. Durch Zufall kam man auf den Grund und sand bei völligem Weglaugen des dreimaligen Anstrichs h er r- licheEinlagen und Schnitzereien. Bei einem Schränkchen fand sich bei eingelegter Arbeit die Zahl 1589 vor. Nach vollständiger Fertigstellung wird, das Rathaus eine große Sehenswürdigkeit darstellen. Verhaftet wurden in Haßfurt die beiden Zigeuner (Sibert und Konrad Wiedemannn aus Karkeberg in der Pfalz, welche in Gemeinschaft mit einem dritten, inzwischen verhafteten Zigeuner kürzlich den Privatier Preis von Schweinfurt auf der Jagd bei Schonungen überfallen und bedroht hatten. —.Die Badfrequenz in Bad Kissingen betrug nach Nr. 167 der Kur», liste 32 199 Personen in 22112 Parteien.
2his Oberheffen u. den Hess. Aeintern.
* Frankenberg, 27. Aug. 1913. Der 8 Uh r Ladenschluß ist sür unsere Stadt gesichert, denn die Zahl der zustimmenden Ladeninhaber ist aus 65 gestiegen, und somit die erforderliche Mehrheit von Zweidrittel der Gesamtzahl 90 erreicht. Mit dem 1. Oktober dürfte der ftühere Ladenschluß zur gesetzlichen Einführung gelangen.
A Allendorf, Kr. Kirchhain, 27. Aug. 1913. Das vor kaum 3 Jahren hier errichtete Schwestern- Haus, in dem seither zwei Gemeindeschwestern wohnten und das mehrere Räume für Vcrsamm- lungszwecke aufwies, hat sich schon jetzt als zu klein erwiesen und soll daher durch einen Umbau bedeutend erweitert werden. In dem Neubau sind Räume zur Ausnahme von solchen Kranken vorgesehen, denen in ihrem Hanse keine genügende häusliche Pflege zuteil werden kann. Ebenso finden auch altersschwache Personen, die allein stehen, Aufnahme. Die hiesige Einwohnerschaft bringt diesem Projekte volle Sympathie entgegen.
[:) N-ustadt, 28. Aug. 1913. Hiesige Einwohner, welche auS dem Felde"'heimkehrten, fanden gestern abend auf der Chaussee nach Allendorf einen bewußtlosen Wanderer. Auf Anordnung der Polizei wurde er in's hiesige Schwesternhaus transportiert. Wie aus den Papieren hervorgeht, ist es ein gereifter Peter Monz aus St. Wendel (Rheinprovinz). Der Verunglückte wurde auf fein Verlangen durch einen hiesigen Geistlichen versehen.
* Aus dem Kreise Fritzlar, 28. Ang. 1913. Nach- dem in Schlierbach und Obermöllrich Rats f eil cn- Vereine in Wirksamkeit getreten sind, ist die Zahl derselben ans 16 angewachsen. Die Mitgliederzahl stieg von 1722 auf 1830, wobei 10 Vereins Zunah. men und nur 2 eine ganz geringe Abnahme erfuhren. Der am Schluffe des Jahres 1911 festgestellte Bestand an Sparkassen - Geldern betrug 2,9 Millionen; trotz der besonders ungünstigen Geldverhältnisse des Jahres 1912 flieg der Bestand auf 3,07 Millionen.
Ami Geisa und Umgebung.
* Dermbach, 27. Ang. 1913. Immer wieder kommt es vor, daß Radfahrer die sogenannte „Hohle" im hiesigen Orte in eiligster Fahrt hinab- sahren. Ganz abgesehen von dem starken Gefälle der Hohle, ist sie wegen der fast rechtwinkligen Kurve des unteren Teiles sür jede schnelle Fahrt ungeeignet und es schweben Menschen wie Geschirre in ständiger G e- fahr, hier umgesahren zu werden. Es ist dringend nötig, daß der oberhalb sichtbar angebrachten Warnungstafel „Langsam fahren!" auch von den Radfahrern Rechnung getragen wird.
* Stadtlengsfeld, 27. Aug. 1913. Der „Felda- Werra-Tnrngaü" veranstaltet am nächsten Sonntac aus dem Baiershos ein B c r g t u r n f e st in Verbindung mit öffentlichem, volkstümlichen Wetturnen.
* Kaltennordheim, 27. Ang. 1913. Wie verlautet, wird die verwaiste Snperintendenten- stelle Mitte Oktober wieder besetzt werden.