Fuldaer Zeitung
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- s tDodjen-Beilage; s 3 f s s TTlonats-Beiiage: 3 =
Illustrierte Sonntagszeitung ! ZulÄaer SeschichtsblLtler s Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Klaffen-Eotterie. **■ Halbjährlich Taschenfahrplan, ß
ftnielgtn: Der Roum einer einspaltigen Colonel;eile, 47 mb breit. boftd U PfB» Reklamen: Der Raum einer (olonelzeile, 74 mm drelt, kostet 40 pfg. Bel Wiederholungen Rabatt. Zür 0fiert- und fiuskun|lon;eicen 20 Pf. extra. Jn Konkursfällen wird der bewilligte Rabatt hinfällig. €rfCUuncsort für bos Anklagen von Joröerungen Ift $ulöa. flnieicen-flnnohme bis JO Uhr vormittags. •: u Größere fln;eipen erbitten wir uns tags vorher. u 3
40. Zahrgang.
Donnerstag Öen 28. flugufl 1913.
Erstes Blatt.
Nr. 198.
X Etwasfriedlicher und freundlicher!
Fest auf Fest! Katholikenfest in Metz, Fürstenfest in Kelheim, Königsfest in Posen. Schon ist die Feststimmung; nur müssen dre Herzense.hcbung und die Veredelung der Gefühle auch für den Werktag nachwirken.
Der Katholikentag in der Westmark hat gezeigt, daß über wirkliche oder vermeintliche Gegensätze und Schwierigkeiten ohne Aergernisse Hinwegzukommen ist, wenn man nur Gerechtigkeit und Freundlichkeit auf Gegenseitigkeit walten läßt. In der O st m a r k des Reiches ist der Friede unter den Sprachen und Rassen noch viel schlimmer gefährdet, als in der Westmark. Woran liegt die Schuld? Darüber rückschauend zu rechten, bringt nur Oel ins Streitfeuer. Besser ist es, auf Abhilfe zu sinnen. Und da drängt sich doch vor allem die Frage auf: Wenn wir dem polnischen Bevölkerungsteil dieselbe Sprachcnfreiheit gäben, die der französisch sprechende Volksteil im Reichslande genießt, wäre dann nicht ein aditus ad pacem, einZugangzum Frieden gefunden? Denn darüber kann doch kein Zweifel bestehen: was am meisten die Polen aufrcgt und den radikalen Agitatoren die besten Waffen liefert, das sind die kleinen und die großen Schikanen gegen die Muttersprache. Wenn man die Leute, Kinder und Erwachsene, ungestört so reden ließe, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, so wäre die Vorbedingung für ein friedliches Zusammenleben gegeben.
In Kelheim ist bewnt worden, daß alle deutschen Staaten und Stämme nach bestem Können rnitge- arbeitet haben an des neuen Reiches Herrlichkeit. Nun ja, unsere Polnisch sprechenden Landsleute haben auch 1870 und 71 treu und tapfer mitgekämpft. Ihre besondere Muttersprache hat sie nicht in der Erfüllung ihrer staatsbürgerlichen Pflicht verhindert. Lassen wir ihnen doch ihre Muttersprache! — Der Entschluß zu solcher Toleranz und Gerechtigkeit müßte eigentlich auch den Hakatisten nicht schwer werden, wenn sie nur die Augen aufmachen wollten vor der klaren Tatsache, daß all die Versuche zur Verdrängung der polnischen Sprache erfolglos sind und vielmehr »as G e g e n t e i l, als den erstrebten Zweck erreichen. Die Sprache gleicht dem Mantel, den nicht der Wind, vielleicht aber der warme Sonnenstrahl bescittgen kann. —-
Die Friedens- und Freundschaftstage in Metz erinnern ferner an einen unliebsamen Aktenrest, bei noch im Bundesrat der Erledigung harrt. Tie reichsländische Regierung hatte bekanntlich in ihrer absonderlichen Weisheit dieses Frühjahr einen Antrag auf ein neues Ausnahmegesetz, Beschränkung der Vereins- und Preßfreiheit in den Reichslanden, beim Bundesrat eingebracht. Im Anschluß an den gegenwärtigen Aufenthalt des Statthalters Grafen W e - vel in Berlin wird jetzt gemeldet, daß die elsaß- lothringische Regierung wahrscheinlich ihren Antrag zurückziehen werde, da sie hoffe, mit Verwaltungsmaßnahmen auszukommen. Die Androhung von Verwaltungsmaßnahmen soll vermutlich nur den Rückzug verdecken. Die Trauben der neuen gesetzlichen Vollmachten hängen zu hoch; der Reichstag ist für ein Ausnahmegesetz erklärter Maßen nicht zu haben. Aber sollte man nun nicht aus dem Fiasko dieses Vorstoßes die Weisheitslehre ziehen, daß im Reichslande die Kraft- und Gewaltpolitik überhaupt nicht am Platz ist, sondern vielmehr mit Ruhe und Friedlichkeit alles zu erreichen ist, was man braucht? — Entweder Systemwechsel oder Personenwechsel!
Es freut uns, daß wir in einem alldeutschen Blatte der schärferen Tonart, in der Berliner „Deutschen Zeitung", eine begeisterte Verherrlichung des Pr i n z- regenten Lu d w i g und des ganzen „alt-deut-
Dar Münchner Kindl.
78] Roman von Felix Nabor.
„ES ist leider so", versicherte Ludwig. „Hast Du fe etwas von Kleptomanie gehört? — Von dem krankhaften Trieb, reizbarer, nervöser und hysterischer Frauen, sich fremde Gegenstände anzueignen? — An dieser Krankheit, die Wohl eine Folge ihres krankhaft gesteigerten Sammeltriebes war, litt meine Mutter. Sie hatte von ihrem Vater eine kleine Sammlung von Juwelen geerbt und suchte dieselbe mit geradezu wahnsinniger Gier zu vergrößern. Wo ihr ein Edelstein gefiel, da ruhte sie nicht, bis er in ihrem Besitze war. Und wenn ihr das Geld zum Ankauf fehlte, so nahm sie ihn heimlich! Sie ging dabri mit solchem Raffinement vor, daß sie nie entdeckt wurde. Bei der Ordnung ihrer Gemächer sand ich diese Juwelen-Sammlung, erkannte auch, daß etwa sechs — gestohlen waren! — Ein herrlicher Rubin brachte mich auf die Spur, weil ich von einem Iitwelendiebstahl tn der Zeitung gelesen hatte. Tu kannst Dir meinen Schrecken denken! Mit Hilfe der Etuis, in denen die Edelsteine lagen, fand ich die Eigentümer heraus, gab ihnen die Edelsteine zurück und erkaufte mit schweren Opfern ihr Schweigen. So ist wenigstens unser Name vor Schande bewahrt geblieben. Dir kann ich vertrauen, denn ich weiß, daß Tu dieses unselige Geheimnis nicht verraten wirst."
Annie drückte ihm warm die Hand. „Ich danke Dir für dieses Vertrauen, Ludwig! Du sollst Dich nicht in mir täuschen — ich werde schweigen wie das Grab! Deine Mutter bemitleide — Dich aber bewundere ich! Das bist Du für ein edler, großer Mensch! Dir muß noch ein großes Glück in den Schoß fallen, als Lohn für Deinen Edelmut, Deine Treue! Tu wirst gewiß einmal ein braves, treues Weib gewinnen und glücklich sein."
„Ich denke nicht daran, zu heiraten", gab er zurück. „Weißt Du, was Paulus sagt? — Mit dem halte ich es"
„Aber warum denn?"
„Ich habe nicht Zeit für die Launen und Kaprizen
scheu Hauses Wittelsbach" finden. Das ist gerecht und heilsam für die nationale Entwicklung. Aber angesichts der großen nationalen Tugenden und Verdienste der bayerischen Dynastie fallen uns doch wieder die schweren Angriffe ein, die gegen Bayern und sein Königshaus in der kulturkämpferischen und demokratischen Presse gerichtet worden sind, well man sich in Bayern ein Ministerium Hertling gestattete, das dem Volkswillen und der Eigenart des Landes entsprach. Frhr. v. Hertling und seine Kollegen nahmen an der gepriesenen Feier von Kelheim als verantwortliche Mitarbeiter teil. Soll nun nach dem Feste die Hetze gegen ihre angeblich reichsgefähr- liche Politik wieder einsetzen? Oder wollen wir uns nicht endlich etwas mehr Gerechtigkeit und Friedlichkeit augewöhnen auch in solchen Dingen, wo das konfessionelle und religiöse Moment in's Spiel kommt?
Die Feste sind nur gut, trenn sie zum Frieden führen.
Deutscher Reich.
♦* Die Kaisertage in Posen.
Die scharfen Gegensätze zwischen der deutschen und poluijcheu Nationalität sind natürlich auch bet einem so außerordentlichen Ereignis wie dem Hoshalten des deutschen Kaiiers in dem Posener Schloß keineswegs völlig geschwunden. Die polnischen Stadlväter lehnten nach wie vor eine Beteiligung an den Ein- zugsfeierlichkeiten ab. Unter den laugen Reihen der iroygeschmückten Häuser, aus deren Fenner eine zu- jubelnde Menge dem Kaiser Blumen streute, taten festgeschlossene Häuser mit schmucklosen und unbesetzten Fenstern den Groll der Polen gegen die „Fremdherrschaft" kund. Aber als auffallendes Kennzeichen einer größeren Versöhnlichkeit als bisher wurde bemerkt, daß der Bazar, das größte polnische Hotel in Posen, seine gewaltige Vorderfront von vierzig Fenstern in den Festcharakter der Straße rückhaltlos angepaßt hat. Gegenüber den Bemerkungen der polnischen Blätter über den Teil des polnischen Adels, der an den Hoffesten teilgenommen hat oder teilzunehmen gedenkt, veröffentlicht das Mitglied des Herrenhauses Kasimir v. Chlapowski folgende Erklärung:
Der „Kurher Poznanski" vom 21. d. Mts. stellt jene, welche die Einladung zum Festessen im Schloß am 27. d. Mts. annehmen, als außerhalb der polnischen Volksgemeinschaft stehend hin. Ich habe auf die Einladung geantwortet, daß ich sie annehme und an dem Essen teil. nehmen werde. I n d e r P'o l i t i k d a r f m a n k e i n Doktrinär sein und nicht nur seinem Herzen fol- gen. Pflicht ist es, zu erwägen, was für das Volk, wenn es auch keinen Nutzen bringt, so doch wenigstens das Schlimme vermindern kann. Es ist nicht erlaubt, sich eine Unannehmlichkeit zu ersparen, wenn damit die Gefahr einer Verschlimmerung der Lage heraufbeschwört wird. Eine jede Zeitung hat das Recht, ihre Meinung klar und entschieden auszusprechen, aber der Ostrazismus und der diktatorische rücksichtslose Ton kann niemanden überzeugen."
Am Mittwoch vormittag wurde in Posen die K a- pelle im königlichen R e s ide n z s ch l o ß durch einen liturgischen Gottesdienst feierlich einge- weiht. Die Weiherede hielt Oberhofprediger Dr. Dryander, der auch den Weiheakt vornahm. Der Kaiser überreichte nach dem Gottesdienst dem Maler Professor Oetken-Berlin den Kronenorden 2. Klasse.
Gegen 12 Uhr fuhr das Kaiserpaar im offenen Kraftwagen bei prächtigem Wetter vom Schlosse nach dem Rathause, von einem dichtgedrängten Publikum stürmisch begrüßt. Das Kaiserpaar, der Kronprinz, die Kronprinzessin und die andern anwesenden Prinzen wurden vor dem Rathause vom Oberbürgermeister Dr. Wilms und den städtischen Behörden begrüßt und in die historische Halle geleitet.
einer Frau! Und eine solche, wie ich sie mir denke, finde ich in der ganzen Welt nicht: darum bleibe id) Junggeselle! Ich gehöre ganz der Arbeit, habe auch bereits Familie —"
„Was sagst Tu da? — Du hättest Familie?"
„Ja, Annie. Meine 800 Arbeiter — das ist meine Familie! Für sie will ich sorgen, ihnen will ich ein liebevoller Vater sein! Ist das nicht eine herrliche Lebensaufgabe?"
„Ach, Du lieber, guter Mensch! — Du Perle von einem Manne! —"
Sie schwiegen eine Zeit lang, dann sagte Ludwig: „Du stehst, daß ich zufrieden bin. Wenn ich nur Dir helfen könnte, Annie! Wie ist es denn — du hast doch ein schönes musikalisches Talent, nicht? — Bist in bet Meisterschule Deines Vaters ausgewachsen und groß geworden, hast Dich in allen Zweigen der Musik so gründlich ausgebildet, daß Du doch wohl Unterricht bann erteilen könntest —"
„Gewiß. Ich habe sogar Papa in seiner Klasse oft vertreten, llnb wenn ich bte Berechtigung^ zur Ausübung des Lehrberufes erlangen wollte, bedürfte es bloß eines Examens. Vor dem wäre mir aber wahrlich nicht bange."
„Nun sieh — das wäre ein Weg! —"
Annie blieb stehen und sah sinnend vor sich nieder. „Das wäre ein Weg! — Und frohe Arbeit im Dienste der Kunst! Ludwig, nun kann ich Dich nicht mehr weiter begleiten. Ich muß allein fein, muß über diesen Plan nachdenken, muß mir eine Zukunft bauen —"
„Tue es, Annie! — Und wenn ich Dir irgendwie helfen kann, fo rufe mich. Ich komme. Ich will Dir bauen helfen. Und ich wünsche Dir alles Gute und eine Helle, sonnige Straße, auf der Du rüstig voranfchreiten kannst."
Sie reichten sich die Hände und gingen auseinander. —
Und Annie saß bis in die Nacht hinein in dem Arbeitszimmer ihres Vaters, an dem eichenen Schreibtisch, und schrieb Zahlen und Namen auf einen großen Bogen und sagte schließlich: „Wenn ich ein wenig Glück hätte, könnte es so gehen! — Tann brauchte ich dies Haus, das mir lieb geworden
Oberbürgermeister Dr. Wilms hielt eine Ansprache, in welcher er dem Kaiserpaare namens der Bürgerschaft den innigsten Dank für die hohe Ehre aussprach, die der Stadt durch den Besuch zuteil wurde und gab im weiteren einen Ueberblid über die Geschichte des Rathauses.
Der Kaiser erwiderte in herzlicher Rede, hervorhebend, das Rathaus möge stets eine Pflanzstätte einträchtigen Gemeinsinnes und wahrer Vaterlandsliebe bleiben. Dann könnten alle die, die darin taten und taten, gewiß fein, daß die landesväterliche Huld sie allzeit bei ihrer Arbeit zum Heile der Stadt geleiten werde. Der Kaiser leerte den Pokal auf das Blühen und Gedeihen der Stadt Pofen.
Sodann folgte ein Rundgang durch das Rathaus. Gegen 1 Ubr verließen die Fürstlichkeiten das Rathaus. Die Kaiserin fuhr nach dem Residenzschlofse zurück, der Kaiser begab sich zum Offizierkorps der Königsjäger zu Pferde, wo er an dem Frühstück teilnahm. ___
♦♦ Berlin, 27. Aug. 1913. Wie die Londoner «Daily Mail' aus Tanger meldet, hat das spanische Kanonenboot „Layo" an der Küste von Marokko einen deutschen Dampfer, der mit Kriegskonterbande beladen war, beschlagnahmt. — Der deutsche Kreuzer „Emden" hat bei Wuhu einen chine- sijchen Dampfer an gehalten, der mißbräuchlich die deutsche Flagge führte und für die Rebellen Truppen, sowie Geld und Proviant für Nanking an Bord hatte. Die Flagge wurde beschlagnahmt und der Dampfer nach einer Verwarnung entlassen. — Der König und die Königin der Hellenen habm sich für Anfang September bei dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen zu einem Erholungsbesuch auf Schloß Friedrichshos bei Kronberg im Taunus angesagt. Von Kronberg aus wird sich der König, der Einladung des Kaisers folgend, auch zur Teilnahme an den Kaisermanövern begeben.
(*) Für dm Aufenthalt des Kaisers auf Bahnhöfen hat der preußische Eisenbahn-Minister eine Verfügung erlassen. Nachdem in der letzten Zeit auf einer Station während des Lokomotivwechsels für den Kaiser!. Sonber- zug ein Vci n ohne Genehmigung Ausstellung genommen hatte, t der Kaiser erneut den Wunsch ausgesprochen, daß ohne vorherige Genehmigung oder Äe- fehl niemand zur Begrüßung zugelassen wird. Der Eisenbahn-Minister hat durch einen besonderen Erlaß angeordnet, daß die Absperrung streng durchzuführen und nur solchen Personen der Zutritt zu gestalten ist, welche sich als befohlen ausweisen können.
4- Eine Novelle zmn Reichsbeamtengesctz. Dem Bundesrat liegt zurzeit der Entwurf für eine Novelle zum Reichsbeamlengesetz vom Jahre 1873 vor, durch die die Wiederaufnahme eine» Diszip linarver. fahrens ermöglicht werden soll. Die Novelle wird nach Berliner Blättern unterlcheiden zwischen der Wiederausnahme eines Disziplinarverfahrens zugunsten des Verurteilten und zugunsten des Beamten. Der erst Fall soll eintreten, wenn auf Entfernung aus dem Amt anerkannt worden ist und neue Tatsachen beigebracht sind, die in Verbindung mit den früheren Feststellungen bartun, daß kein begründeter Verdacht cines die erkannte Strafe rechtfertigenden Dienstvergehens vorliegt. Zuungunsten des Beamten soll eine Wiederaufnahme pattfinben, sofern anzunehmen ist, baß in einem neuen Verfahren auf Dienstentlassung erkannt werden wird. Für diese Wiederaufnahmen ist eine Frist von 5 Jahren vorgesehen. Das Gesetz soll rückwirkende Kratt ohne Beschränkung erhalten, sodaß alle vor dem Inkrafttreten dcs Gesetzes stattgehabten Disziplinarverfahren wieder ausgenommen werden können. Der Gesetzentwurf wird jedenfalls ti der nächsten Tagung an den Reichstag gelangen.
** Sitte Abänderung der Retchsversicherungsorbnung?
Wir lesen in der,Post':
ist, nicht zu verlassen. Mir selbst genügt mein ehemaliges Mädchenzimmer und für die Gnsti ober ihre Nachfolgerin wäre auch noch Platz da. Die ganze untere Etage könnte zu Musikzimmern eingerichtet werden und es müßte herrlich sein, hier, in dieser Stille, fern von dem Lärm der Großstadt, zu, unterrichten. Drei, vier Klassen für Gesang, Klavierspiel, vielleicht auch Violine, dazu Tonsatz, ein wenig Aesthetik und Literatur — ach, das wäre ja köstlich! Und wenn ich nur 20 kleine, liebe Mädels in meine Schule bekäme, bann wäre mir geholfen! Dann brauchte ich mein kleines Kapital nicht anzugreifen. — Und schließlich — die Gegend hier ist doch vornehm und fein. Es wohnen viele reiche Leute hier und feit bei Eröffnung des Prinzregenten-Theaters entsteht hier das vornehmste Villenviertel. Da wären doch gewiß 20 Schülerinnen zu bekommen! — Ach, ich wag's! — In der Stadt hat der Tod meines Vaters eine Lücke gerissen, die irgend einer ausfüllen muß. Warum ich nicht, seine Tochter! Wenigstens soweit ich es vermag. Vielleicht erhalte ich auch Zuzug aus der Stadt, wir haben doch so viele Bekannte und so viele Verbindungen! Ja, ich wag's, ich wag's! — Noch heute melde ich mich bei der Akademie der Tonkunst zum Examen an. Ich will mir meine Zukunft durch ehrliche Arbeit bauen — durch eigene Kraft — und mit Gottes Hilfe!"
Sie erhob sich und ging mit ihrem leichten, anmutigen Gang im Zimmer auf und ab. „Tapfer fein, Annie! — tapfer fein!" fagte sie sich. „Eine neue Welt will ich mir erschaffen und in ihr Vergessen, und — Frieden suchen: die Welt der Kunst! — Den Unschuldigen und Reinen will ich die Mysterien der Kunst erschließen und sie hineinführen in ihren heiligen Tempel! — Die Jugend dieser Stadt will ich geleiten zum heiligen Gral und ihr seine Wunder erschließen. Kein starres System soll hier walten, nicht unter Qualen und Torturen sollen die Kinder in das hehre Reich der Tonkunst eingeführt werden, fondern in heiterem Spiel will ich sie durch blühende Auen führen und die Liebe soll Lehrmeisterin sein. Dann wird wohl auch Segen auf meiner Ark-^ ruhen." —
-un war sie ruhig und gefaßt und fand das
Die Reichsversicherungsordnung schreibt ganz allge- mein für alle Zweige der Arbeiterversicherung vor, daß zu den Organen der Versicherungsträger nur volljährige deutsche Staatsangehörige wählbar sind. Das Krankenversicherungsgesetz enthielt eine solche Bestimmung nicht. Vielmehr waren hier auch Ausländer wählbar. Die neue Vorschrift hat nun, wie sich in der Praxis herausgestellt hat, bei den Betriebskrankenkassen an der Grenze für Betriebe, in denen vorwiegend oder ausschließlich Ausländer beschäftigt sind, die täglich zur Ar- beit über die Grenze kommen, Zweifel Über das zu beobachtende Verhalten hervorgerufen. Da Ausländer in den Ausschuß und Vorstand der Krankenkassen nicht ge- wählt werden dürfen, wählbare Deutsche aber nicht in genügender Zahl vorhanden sind, so wird von manchen Seiten eine Abänderung dieser Bestimmungen angeregt. Die Zweifel sind zurzeit an der holländischen Grenze hervorgetreten, wo es eine Anzahl Fabriken gibt, die fast nur Ausländer beschäftigen.
4- lieber den Wehrbeitrag der Bundessürsten wird' ber ,Tägl. Rundschau' von unterrichteter Stelle gefebwebett. ^riVermögensverzeichnissen für den kommenden Wehrbeitrag ift von den bündessürstlichen Vermögensverwaltungen schon seit einiger Zeit in Angriff genommen. Da die Bundessürsten bisher weder Reichs» noch Staatsfteuern bezahlt haben, so fehlt eine geeignete Unterlage für die Beurteilung des wehr» steuerpflichtigen Vermögens und es verursacht den verantwortlichen Leitern der fürstlichen Vermögen große Mühe, die Ziffern einwandfrei festzustellen. In bett Ausführungserlässen des Bundesrats wird sich bre Be» stimmung stnden, daß zur Entgegennahme der Wehrbei-, träte bet Bundessürsten bte obersten Finanzbehörden brr Bunoesstaaten zuständig sind. Diesen sind die Vermögens- belenntnisse einzureichen. Nachdem aber bte Beiträge freiwilliger Natur sind, so können für die Fürsten die gesetzlichen Ueberprümngsmittel nicht in Anwendung kommen und wird e ne Kontrolle nur dann ftattfinben, wenn sie ausdrücklich verlangt wird. Für bte Feststellung des kaiserlichen Privatvermögens ist das königliche HauS« minsierium zuständig. Uedrigens dürtten die Bundes fürsten von dem Recht, bett Wehrbeitrag tn biet jährlichen Teilzahlungen abzustatten, keinen Gebrauch machen, sondern ihren gesamten Beitrag ttn Frühjahr 1914 bejablen.^ bHt Hund gekommen. Durch
die Presse geht die Mitteilung, daß in Hamburg infolge bet Erhöhung der Hundesteuer 1400 Hunbe- besitzer aus der evangelischen Landeskirche ausgetreten seien, um die Kirchensteuer zu ersparen. Dazu schreibt die nationalliberale ,Köln. Ztg.':
„Man kann an der Denkweise, bte aus diesen Zellen, spricht, nicht vorübergehen. Sie kennzeichnet etnen er^ schreckenden Materialismus tn ber Auffassung des Verhältnisses des Bürgers »um Staat und zur Kirche, lieber den Mangel an staatsbürgerlicher Gesinnung in Deutschland wird viel geklagt. Hier, in der Aeußerung dieses Blattes und in der Haltung der 1400 Hunbebesttzer haben wir ein bezeichnendes Beiwiel für dielen Mangel; die kleinlichste Sleuerscheu - auch noch nor einer Luxus- steuer! — und die Bereitwilligkeit um einiger Mark willen bte Landeskirche, also einem Bestandteil des Staates, zu schädigen. Ob man selbst kirchlich gesinnt! ist oder nicht, der Mangel an innerer Zugehörigkeit zur Kirche, den diese „Christen" da äußern, ist nicht nur als ein Zeichen ber inneren Gleichgültigkeit gegen die, Kirche, sondern ebenso sehr als ein Zeichen ber völligen „Wurschtigkeit" den Zwecken des Staates und ber, Gemeinschaft gegenüber bedauerlich." ,
Man kann diesen durchaus zutreffenden Be-, merkungen des liberalen Blattes nur juftimmen,, könnte sie sogar noch verschärfen. Ohne Religion/ kann ber „moderne" Mensch wohl auskommen, nicht aber ohne Hund.
(!) „Eidesleister" als Geschichtslehrer. Eine erschreck^ liche Gefchichte verbreitet die Nationalliberale Sorte») sponbenz in folgenden Ausführungen:
Bekanntlich sind von der Leistung beS Eides gegen den Modernismus seinerzeit lediglich die Untversiiats- professoren der katholtlchen Theologie vom Papste de- treit worden, nicht aber auch diejenigen katholischen Theologen, die an h ö h er en Schulen Unterricht geben. In den Debatten, die vor zwei Jahren im preußischen^
Leben schön und begehrenswert. Eine stille Freude, war in ihr, weil ihr das Glück zuteil wurde, in die Fußstapfen ihres teuren Vaters treten zu dürfen, unb; weil sie eine schöne und große Aufgabe hatte, eine, hohe Mission, die ihr Leben ausfüllte und ihm In-) halt und Wert gab. —
Sie machte sich gleich daran, ihren Vorsatz au-^ zuführen und fand in der Stadt genügend Förderung und Unterstützung. Der Name ihres Vaters war für। sie ein Adelsbrief der Kunst, war der goldene schliff-, fei, der ihr Türen und Herzen öffnete. Und als es bekannt wurde, daß sie das reiche Erbe ihres Gatten ausgeschlagen hatte und sich aus eigener Kraft durchs Leben kämpfen wollte, da wuchs sie in den Augen der Menschen und man blickte mit Bewunderung auf die junge, schöne, edle und tapfere Frau.----
Als das Oktoberfest auf der Theresienwiefe feine bunten, lärmenden Reigen schlang, eröffnete Anme Pirkheimer in aller Stille ihre Musikschule. Um den prächtigen Flügel, der ihr mit ihrer gesamten Brautausstattung von Berlin aus zurückgesandt worden war, standen dreißig junge, frische Mädels im Alter von 12 bis 16 Jahren und fangen mit ihren Hellen Stimmen, von denen manche schon eine schöne Durchbildung und Reife zeigten, den Mozartschen Morgenhymnus — einzeln, zu zweien, zu dreien als Terzett — und bann im Chorus. Frau Annie lächelte und nickte ihren Schülerinnen zu. „So ist's /echt. Nun proben wir nochmals! — Noch ein wenig Heller rm Klang, noch ein bißchen frischer im Rhythmus! Die Freude muß den Sang durchglühen, die Freude! —-
Und die Augen der jungen Schar blitzten in Jugendlust und "bte Wangen brannten vor Freude und Eifer- —
„Bald prangt, den Morgen zu verkünden,
Die Sonn' auf goldner Bahn; ,
Bald wird die Nacht, die düst're, fchwmden, Ter Tag der Freihett nah'n.
O holde Ruhe, steig hernieder,
Kehr' in der Menschen Herzen wieder, Dann wird die Erd' ein Himmelreich, Und Sterbliche den Göttern gleich —
und Sterbliche den Göttern gleich! —" e