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Zuldaer Zeitung

Amt Geisa und Umgebung.

* Vacha, 26. August 1913. Der gestrige Kram, und Schweinemarkt hatte von außerhalb nur wenig Besuch airsznweisen. Auf dem Krammarkt brachen einige Geschäftsleute wegen des flauen Ge­schäfts ihre Buden schon gegen Mittag ab. Bei dem schönen Augustwetter halten die Landwirte es voi- gczogcu, den Tag zuni Einernten des Getreides zu benutzen. , ..

* Stadtlengsfeld, 26. Aug. 1913. Dre hreftge Porzellanfabrik erzielte im abgelaufenen Ge­schäftsjahr einen Bruttogewinn von 219 900 Mark gegen 205 000 Mk. im Vorjahre: der Reingewinn Hai sich von 5600 Mk. auf 32 200 Mk. erhöht. Es ist die Gewährung einer Dividende von 6 Prozent in Bor schlag gebracht worden.

* Kaltennordheim, 27. Aug. 1913. Als der A e- richtsvollzieher Rudolph von einem Dienst- gang von Unterweid her kam, wurde er auf dem Weidbero von 2 Individuen überfallen und der­artig geschlagen, daß er schwer verletzt worden rst. Nur mit Mühe konnte er sich nach Hause schleppen, wo er heute noch krank darniederliegt. Leider konnte er die Strolche in der Dunkelheit nicht erkennen.

Handel und Industrie.

Berlin, 26. August 1913. Die Börse zeigte anfangs eine schwache Haltung, konnte sich aber zum Schlüsse infolge guter Nachrichten von den Auslands- börsen befestigen. Bon deutschen Anleihen waren 4proz. Konsols 0,05 Prozent niedriger. Privat- Diskont unverändert.

Märkte.

* Frankfurter Getreidemaritbericht vom 25. Aug. 1913 Am heutigen Markt war das Angebot sowohl in neuem Landweizen als auch Roggen sehr stark und zu rück­gängigen Preisen von den Mühlen gekauft, yremoe Werren waren dagegen unverändert offeriert. Gerne sehr ruhig. Hafer war heute gleichfalls teils in sehr schönen Qualitäten offeriert und zu notierten Preisen bezahlt. Mais unverändert. Mehl von dem Muhten- ring unverändert offeriert. Futterartikel ruhig» Futter- gerpe auf Lieferung wesentlich billiger offeriert. Es notierten nach Qualität: Weizen, hiesiger und Wettermier 20.40—20.60 Mk., auf dem Lande abgeholt 20.00—00.00 Mark, kurhessischer 20.50—20.60 Mark, norddeutscher 00.00—00.00 M., Manitoba 22.75 bis 23.50 M., Kansas 23.00—23.75 M., russischer Nlcolaieff 23.00-23.50 Mark, Saxonska 22.75—23.50 Mark, Ulka 23.00-23.75 Mark, Auma 23.75—23.50 M., La Plata 23.25-24.00 Mark, rumän. 23.50—24.25 Mark, Sa- mara 23.50-24.00 M. - Roggen: hiesiger, 16/15 bis 16.85 M., auf dem Lande abgeholt 16.10—16.25 9Jc., lurhesfischer 16.80-17.00 Mk., nordd. 00.00 -00.00 M., russischer 18.00-18.50 M., Amerikaner 00.00—00.00 M., Walla Walla 00.00-00.00M. — Gerste: hiesige 16.75 bis 17.50 Mark, Pfälzer 17.00-17.50 M., fränkische 17.00-17.50 M., Riedgerste 17.00-17.35 M., ungarische 23.00—23.50 M. —Hafer: hies. u.Wetterauer 16Tobis 17.75M., kurhesf. 17.00-17.75 M., bayer. 17.00—17.7»M„ La Plata 18.00 — 18.75 M-, russischer 18.50-20.00 Mark. — Mais fMixedj 15.00-15.25 Mark, Donau­mais 14.20—14.40 M-, La Plata 14.25—14.3a Mark, Cinqantin 18.75-19.50 M., russischer 00.00—00.00 Mark. — Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: unverändert. — Es notieren nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 32.00—32.25 Mark, ludd. Nr. 0 32.00—32.25 M., hiesiges Nr. 1 30.00 —30.2d M., süddeutsches Nr. 1 30.00 -30.25 M., hiesiges Nr. 3 27.00-27.25 M., süddeutsches Nr. 3 27.00—27.25 M., hiesiges Nr. 4 23.00-23.25 Mark, süddeutsches Nr. 4 23.00-23.25 M. — Roggen mehl, hiesiges, Nr. 0 26.00 bis 26.25 M., do. Nr. 01 25.00-25 25 M., do. Nr. 1 24.25—24.50 M. Alles per 100 Kilo inklusive Sacr loko hier. — Futterartikel: fest. Weizenschalen 10.85-11.00 Mk., Weizenkleie 10.10-10.25 Mark, Roggen- {leie 11.00—11.15 M., Weizen - Futtermehl 14.50 bis 15.00 M., Biertreber, getrocknet, 12.40—12.60 M„ Malz­keime 12.00—12.25 M., Rapskuchen 13.25—13.50 Mk., Palmkuchen 15.10-15.25 Btark, Futtergerste 14.00 bis 14.25 M. Alles per 100 Kilo netto effektiv loko hier bei Abnahme von 10900 Kilo.

Literarischer.

Mctz, diese durch so viele Schicksalswechsel hochberühmte Feste und ehemalige freie deutsche Reichsstadt em der oberen Mosel war Heuer das Ziel vieler tausend Kalho- lkken, fand doch in ihren Mauern die 60. Generalve^amm- lung d-- Katholiken Deutschlands statt. Einen recht flott geschric nen Artikel über Metz und seine vielen Sehenv- würdig.eilen (neunzehn Illustrationen beleben das Ganze) von Leonz Niderberger finden wir im neuesten Heft der illust irrten Familienzeitschrift „Die katholische Welt" iBerlag der Kongregation der Pallotiner, Limburg a. d. Lahn, jährlich 12 Hefte ä. 40 Psg.) Außer verschiedenen andern, sehr lesenswerten und lehrreichen Beitragen dürsten wohl vor allen die beiden Romane .Das Pappeln­haus" von Marianne Maidorf und „Ohne Rast und. Ruh" von Eckensteen den meisten Beifall finden. Auch der den Lesern dieser Zeitschrift wohl bekannte Natur- freund Dr. Kohl ist wieder mit einem Beitrage vertreten und zwar ist sein Thema diesmal „Die Heide". D>e ganze Zeitschrift empfiehlt sich schon auf den ersten Blick durch gefällige Ausstattung wie besonders durch den den sanieren Druck.

Rathausturrnes, wurde dieser Tage eine interessante Entdeckung gemacht. Während der letzten Tage war: der häufige Flug großer Raubvögel um den Rathaus-- türm ausgefallen. Gestern erkannte man durch Fernrohre, daß sich inmitten der Krone, die das fünf Meter hohe goldene Standbild trägt, ein Raub- Vogelpaar ein Nest errichtet hat. Welcher Gattung diese Raubvogelsamilie angehört, hat man bisher noch nicht seststellen können.

2. Blatt.

Druck der .ruldaer Aetiendntck«rei in zuida.

Aus Oberhessen u- den Hess. Aemtern.

[:] Nustadt, 26. Aug. 1913. Ein bedauerlicher j Unalücksfall ereignete sich Hierselbst dadurch, daß das zehnjährige Töchterchen der Witwe B. beim Mähen mit einem Bein in eine Sense 0er:ct unö so schwer verletzt wurde, daß das Kind nach v. iarburg in die Klinik transportiert werden mußte. — Die drei hiesigen Dreschmaschinen sind seit Beginn der Kornernte in voller Tätigkeit, um für die nach- folgende Hafer- und ®rummeternte Platz zu schoflen, da durch die reiche Heuernte die Scheunen vielfach zu klein geworden sind. — Der Unterricht an der hiesigen Volksschule wird von jetzt bis zu den Herdft- serien mit Rücksicht auf die Ernte und dewSchulneu- bezw. Umbau in der Zeit von 8 bis 1 Uhr erteilt.

* Gemünden, 26. August 1913 Eine Frau von hier, die bei ihrer in Langendorf verheirateten Tochter zu Besuch weilte, war wegen eines Gewitters aus dem Bette aufgestanden. Als sie im Dunkel aus dem Schlafzimmer ging, kam sie der Treppe zu nahe, stürzte hinab und blieb mit einer schweren Schadel- verletzung bewußtlos liegen. Nach kurzer Zeit trat der Tod ein, anscheinend infolge Gehirnerschütterung.

* Gudensberg, 26. Aug. 1913. Bei einem Feste kam es in der Nacht vom Sonntag zum Montag zu einer Schlägerei, bei der einem Apothekereleven das Schlüsselbein am linken Arm zerschlagen wurde, wie er auch sonst bedeutende Verletzungen am Kops erlitt. Er mußte im Krankenhause Ausnahme suchen.

* Schlierbach (Kr. Fritzlar), 26. August 1913. Ein dem Oekonomen Burkhard dahier gehöriger w e r t - voller Jagdhund, den er erst vor wenigen Wochen erworben, wurde von dem Pachter der angrenzenden Jagd erschossen. Der Spaß dürste dem Schützen teuer zu stehen kommen.

* Fritzlar, 26. August 1913. Gestern morgen zwischen 2 und 3 Uhr entstand in der oberen Haddamar- straße zwischen Personen, die des Guten etwas zu viel getrunken hatten, eine wüste Schlägerei, bei der das Messer eine Hauptrolle svielte. Der 64 Jahre alte Nachtwächter Pohl, der Ruhe stiften wollte, erhielt einen Stich in den Kopf, desgleichen 'N die Schulter und mußte dem Hospital zugeführt werden. Gleichialls das Spital aussuchen mußte sein 20 jähriger Vohn, der 5 Stiche in den Rücken erhalten hatte.

„Mir ergeht es wie Dir: ich vermisse meinen Baler jeden Tag und jede Stunde. Und wenn ich mir nicht mehr Rats weiß, bann gehe ich zu seinem Grabe — und manchmal kommt mir dann ein guter Ge­danke — oder ich finde einen neuen Weg. Aber für die Tauer ist diese Unselbständigkeit nicht aufrecht zu erhalten. Ich muß mich auf meine eigene Kraft und auf mein eigenes Urteil verlassen und ein Mann sein, der sich mit fester Hand seinen Weg voczeichnet. So ist es auch bet Dir, Annie — wir müssen selb­ständig und unabhängig werden."

„Das liegt bei Dir doch anders", erwiderte Annie. „Tu hast das Geschäft Deines Baiers übernommen und damit ist Dir ein ganz bestimmter Lebensweg vorgezeichnet. Aber ich — was soll ich beginnen?"

„Tu mußt Arbeit haben, Annie! — Das füllt das Leben aus."

„Tas habe ich mir auch schon hundertmal gesagt! Aber was für Arbeit?"

„Ja — wenn ich das nur wüßte!" — Ohne es zu ahnen, gingen sie denselben Weg, den Pirkheimer an dem Tage aemachl hatte, als ihm der Unfall zu- stieß — den Todesweg des Meisters. Sie umschrit­ten die Friedhofsmauer, gingen Über die Wittels­bacher Brücke durch die Jsarauen. Tie Sonne brannte beiß, aber sie fühlten es kaum, da sie zu sehr mit ihren Sorgen und Plänen beschäftigt waren. „Wenn Du Talent zum Zeichnen hättest", sagte Lud­wig Heuberger nach einer langen Pause, „dann könntest Tu wohl in unser Geschäft cintrcten. Mir fehlt eine lüch.ige Kraft."

„Nein, das ist nichts für mich, Ludwig! Tas, ist mir ein fremdes Gebiet und erfordert einen großen Künstler und einen ganzen Mann."

„Das sage ich mir auch. Aber wo finde ich ihn? Puck wäre der rechte Mann gewesen, wenn er erst vergoren hätte, aber er ist aus München verschwun­den, ohne eine Spur zu hinterlassen."

„Puck ist doch tn Berlin! — Ich habe ihn zwei­mal gesehen —"

Aus dem Nachbargebiete.

* Gersfeld (Rhön), 26. August 1913. Ter Bild­hauer Steiger aus Aschaffenburg ist soeben mit der Aufstellung des hiesigen Kriegerdenkmals auf dem Marktplatz beschäftigt. Das Denkmal besteht aus einem Sockel mit Wasserbecken, in welches zwei Köpfe frisches Quellwasfer spenden, auf vier kantigen Säulen ruht auf einem Gesims der preußische Adler. Das etwa 4 Meter hohe Denkmal ist aufs sauberste gearbeitet und macht sowohl seinem Schöpier, wie auch dem Kriegerverein Gersfeld große Ehre. Nm Sonntag Nachmittag wird der Weihcakt vorgenommen.

* Frankfurt a. M., 27. Aug. 1913. Auf dem Fußball-Spielplatz am Ostpark flog einem 12 Jahre alten Schüler beim Fußballspiel ein Ball gegen den Kehlkopf und verursachte einen so starken Druck auf die Luftröhre, daß dem Knaben der Atem aus­ging. Die Rettungswache des Heiliggeist-Hofpitals holte den Verunglückten ab. Schließlich war die Luftröhre so stark angeschwollen, daß eine Er­stickung zu befürchten war. Es mußte deshalb der Luftröhrenschnitt vorgenommen und eine Kanüle eingesetzt werden.

Stadt) hat der Kreis nach dem Gesetz vom 7. August I 1911 in der Taubstummenanstalt in Homberg I unterbiingen müssen. Für 1913 werden die Kosten der außerordentlichen Ar men la st über 8000 Mark größer fein als in 1912. 25 Geisteskranke waren in Familien untergebracht, 21 in eigener und 4 in fremden Familien. Im Antoniusheim waren 159 Idioten untergebracht, im Herz-Jesu-Heim zum Schluffe des Berichtsjahres 35 männliche krüppelhaste Per­sonen.

*♦ Von besonderer Seite wird uns geschrieben: In den hiesigen Lokalblättern werden die Mitglieder 6er Tnrngemeinde auf eine schöne Rheinfahrt auf­merksam gemacht und zur Teilnahme eingeladen. Bei der Durchsicht des Programms finden w r genau die Zug- und Dampserverb.ndungen, sowie die Haupt- fäcfchdiftcn Orte, die befuckt werden sollen, verzeichnet. Nur eins geht aus dem Programm nicht hervor, ob nämlich die -Katholiken bis zum Abgang des Ertra- zuges Gelegenheit sinden können, ihrer Sonutags- pflicht zu genügen. Tie zahlreichen Katholiken im Turnverein können verlangen, daß bei Kundgebungen ihres Vorstandes auch solche Umstände erwähnt wer­den, die sur die Erfüllung ihrer religiösen Pflicht von größter Bedeutung sind.

a. Wichtig für Odstbaumbesitzer! Aus Beschluv des Bundesrats findet im deutschen Reich am 1. Dezember 1913 eine allgemeine Viehzählung statt, mit der in Preußen die gleichfalls vom Bundesräte an geordnete Obstbaumzählung verbunden ist. Die Obstbaumbesitzer (Verwalter, Pächter u. s. w.) nnd deren Vertreter werden vom kgl. Landratsamte anfgefordert, sich baldigst die Angaben über die Tragfähigkeit nnd tue Zahl der Obstbäume, gesondert nach den sieben Obst­arten (Apfelbäume, Birnbäume, Pflaumen- und Zwetschenbäume, Kirschbäume, Aprikosenbäume, Pfir sichbäume, Wallnußbäume) durch Besichtigung der Bestände zu beschaffen, damit sie diese am 1. Dezember richtig in die Zählkarten einzutragen vermögen. Be­merkt wird, daß tragfähige Obstbäume solche sind, die schon getragen haben.

*//* Bedeutsame Erfindung siir Sprengarbeiten. Dem Betriebssührer Otto Lellau am Kaliwerk zu Neu- Hof sowie dem Betriebsleiter Richard Heidecke in Fallersleben ist ein deutsches Reichspatent Nr. 263378 auf ein neues Zündmagazin für Cprengzwecke erteilt worden unter dem Titel: „Mit Einsührnngsröhren versehenes doseftartiges Verbindungsstück für Zünd­schnüre, nm eine beliebige Anzahl gleichzeitig zur Detonation zu bringen." — Durch diese Erfindung, so schreibt man uns von sachverständiger Seite, wird ein großer Uebelstand beseitigt, welcher bisher bei den Verbindungsstücken für Zündschnüre bestand, sobald die Zündschnüre unter Tag und bei großer Feuchtig­keit des Gebirges verlegt werden mußten. Das neue Zündmagazin gestattet die Zündschnüre an Ort und I Stelle ohne weiteres einzuführen (selbst unter Wasser), I wobei ein selbsttätig wirkender Verschluß das Ein- I bringen jeglicher Feuchtigkeit verhindert.,

xD Schärfere Bewachung der Bahngleije. Infolge der m letzter Zeit wiederholt vorgekommenen ver- I brecherischen Anschläge auf Eisenbahnzüge hat I der Eisenbahnminister verfügt, daß überall da, wo I es angezeigt erscheint, auf die Einführung verstärkter I Bahnbewachung Bedacht zu nehmen ist. Alle Be- I triebsbeamten und insbesondere die Streckenbeamten I (Bahnmeister, Bahnwärter usw.) sind zu erhöhter I Aufmerksamkeit anzuhalten. Für die Entdeckung I von Bahnfreveln und Ermittelung der Täter werden I hohe Belohnungen ausgesetzt.

Lokales.

Fulda, 27. August 1913.

§8 Geheimer Ober-Postrat Hofsmann, der Chef bec Oberpostdirektion Kassel, ist der Lungenentzün­dung, an der er, wie wir gestern meldeten, in Bad Brucken au erkrankt war, gestern nachmittag ge- gen 5 Uhr erlegen. Oberpostdirektor Hoffmann, bet im Alter von 64 Jahren stand, befand sich aus einer Dien st reise durch die Rhön zwecks Besprechung über die neuzuschaffenden Automobil- poftlmien auf der hohen Rhon zux schnellem Post- verbindunq zwischen den bayerischen und preußischen Teilen der Rhön. Er hatte sich vor einiger Zeit einer Gallensteinoperation unterziehen müssen, die aut verlaufen war; bald nach Ablauf seines Urlaubs am 11. August d. I. erlitt er einige Gallenstcinkolik- anfälle, zu denen sich noch eine Lungenentzündung gesellte als Folge einer Erkältung. Trotzdem wollte Geheimrat Hoffmann die wichtige Besprechung mit anschließender Dienstreise durch die hohe Rhön zwecks I Erledigung der Verhandlung wegen Schasfung der längst als notwendig erkannten Automobilpostverbin­dungen zwischen den Stationen der preußischen und bayerischen Rhön nicht aufgeben, da Mel von fernen persönlichen Verhandlungen abhing; in Bad Brirne- I nau erkrankte er infolge der Anstrengungen der vor­ausgegangenen Bereisungen plötzlich sehr schwer und I ist dann an den Folgen eines Lungenschlages ziemlich unerwartet gestorben. Der Verstorbene war 1819 in Nordstemmen in Hannover geboren, widmete sich nach bestandenem Abiturium dem Postsache u. wurde 1866 in Hannover zur höheren Postlaufbahn znge- lafitit. I« verhältnismäßig jungen Jahren bekleidete n bereits einflußreiche Stellungen _uni> 1890 rückte I er bereits zum Oberpostdirektor tn Schwerin tn Mecklenburg auf; im Sommer 1900 wurde er in gleicher Amtseigenschaft als Chef der Oberpostdtrek- ftott Kassel nach Kassel versetzt, wo er eine überaus ersprießliche Tätigkeit entfaltete. Unter seiner Amts­tätigkeit, die für immer den ihm unterstellten Coer- poswirekionsbezirk ihr Gepräge aufdrücken wird find zahlreiche und einschneidende Verbesserungen im Vost- und Telegraphen- und speziell int Telephonwesen durchgefüHrt worden. Trotz dieser Tätigkeit war der Verstorbene unermüdlich beschäftigt, um auch tut Po­litischen Leben hervorzutreten, weniger als Partei- politiker, wie insbesondere als Mitbegründer und Hauptvorstandsmitglied des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie, sodann als Vorstandsmitglied der Deutschen Kolonialgesellschaft, der Gesellschaft für Gemeinwohl und zahlreicher sozialpolitischer Ber­einigungen.

(!) DaS Gesundheitswesen im Kreise Fulda. Das Jahr 1912, über das vom Kreisausschuß letzt Bericht erstattet wird, hat ebenso wie das Vorjahr im allge- meinen einen Rückgang der übertragbaren Krankheiten «bracht. Zur epidemischen Verbreitung gelangten in einzelnen Bezirken nur Masern; alle übrigen übertragbaren Krankheiten traten nur vereinzelt aus. Den Hauptanteil unter den letzteren haben noch nnrner Diphterie und Scharlach. Andere übertragbare Krank­heiten sind, abgesehen von der Tuberkulose, fast gar nicht vorgekommen. Lungen- und Kehlkopftuber- kulose kommt zwar im Kreise nicht außergewöhnlich häufig vor, ist aber trotz Ausklärung und Desinfektion bis jetzt auch nicht wesentlich zurückgegangen. Die außergewöhnlich nasse Witterung im vorigen Sommer hat di« Zahl der übertragbaren Krankheiten nicht un- günstig beeinflußt und anscheinend auch auf die Säug- lingSsterblichkeit keinen nachteiligen Einfluß gehabt. — Die 9 geprüften Desinfektoren im Kreise haben im Berichtsjahr 198 Desinfektionen nach Beendigung d« Krankheit ausgeführt und zwar 131 bei Diphtherie, 11 bei Scharlach, 6 bei Typhus, 44 bei Tuberkulose und 6 bei sonstigen Krankheiten. Hinsichtlich der Nahrungsmittelhygiene ist zu bemerken, daß auS der Stadt Fulda 101 und aus dem Landbezirk 92 Proben von Nahrung?, und Genußmitteln und 6 Proben von Wasser in der landwirtschaftlichen Versuchsstation in Harleshausen untersucht wurden. 24 Milchproben hat die Polizeidirektion in der hiesigen Molkereischule untersuchen lassen. Aus der Stadt sind 6 Proben von Nahrungs- und Genuß­mitteln (1 Probe Salz, 2 Proben gebrannten Kaffees und 3 Proben Rüböl) und aus dem Landbezirk 1 Probe Cichorie und 1 Probe Leberwurst beanstandet worden. — Von 1788 impspflichtigen Kindern sind 1671 Kinder geimpft woiden; 104 Kinder blieben wegen Krankheit ungeimpft und 5, weil sie nicht auf­zufinden waren; 8 Kinder sind vorschriftswidrig der Impfung entzogen worden. Die 1454 wieder- impfpflichtigen sind bis auf 20 kranke ober ortsabwesende geimpft worden. — Arn Schluffe des Jahres 1912 waren 59 arme Geisteskranke in Anstalten unter­gebracht, 21 waren aus der Stadt Fulda und 38 aus dem Landbezirk. 9 Kinder (1 davon stammt aus der

l Das Münchner ttindl.

. W] Roman von Felix Nabor.

Zum Glück erhielt sie beit Rest der Lebensversiche- «mgssumme ausbezahlt, den sie nach Abzug des vou ihrem Vater erhobenen Darlehens zu sordern hatte. Nachdem sie allen Verpflichtungen nachgekommen toter, blieben ihr nicht einmal zweitausend Taler. Sben Zinsen aus diesem Kapital konnte sie un- jltdj leben und es stand bei ihr fest, den Haus­halt in der Villa aufzulösen, alles Entbehrliche zu verkaufen, nur das Allernötigste, sowie die teuren Andenken an dkl» Toten zu behalten, und sich in der Stadt eine bescheidene Wohnung von zwei Zimmer- chen zu mieten.

Das war wenigstens nach außen hm em Lebens­plan.

Aber schwerer war die Frage zu lösen, womit sie ihr Leben in Zukunft ausfüllen sollte, daß es Wert und Inhalt hatte. Dienen, in Stellung gehen — neht, das wollte und konnte sie nicht. Dazu war sie eine zu freie, selbständige Natur. Und sie hatte sich in der Zeit ihrer Ehe zu sehr in ein fremdes Joch beugen, hatte sich zu tief dem Willen anderer unter­ordnen müssen, als daß sie Verlangen darnach ge­habt hätte, sich vor Fremden zu bücken, ihnen Magd­dienste zu Iststen.

Sie quälte sich tage- und nächtelang mit hundert Plänen für die Zukunft ab und verwarf sie wieder. Der Zwiespalt in ihrer Seele wollte sich nicht lösen, die Schatten, die ihr Leben verdüsterten, wollten nicht weichen.

Wenn Not itnb Bedrängnis gar zu groß wurden, flüchtete sie zum Grabe ihres Baiers, redete mit ihm tm Geiste und begehrte seinen Rat. Aber die Toten schweigen. —

Einmal, an einem Sonntag, traf sie mit Ludwig Heüberger zusammen, der vom Grabe seines Vaters ; kam. Und als st? ihm ihre Not klagte, sagte er:

M 197.

Mittwoch 27. August 1915.

Reklamen- nnd Anzeigenteil.

Eine reizende Neuheit, welche die Kinder spielend Geschicklichkeit erlangen täßr und gleichzeitig Anregung verschafft, erhält auf Wunsch jeder Leser dieser Zeilen kvsiensrei von Netzle's Kindermeht G. m. b. H„ Berlin W. 57. Es ist dies eine Ausschneidepuppe mit drei ver­schiedenen, allerliebsten Gewänder», womit die Kinder sehr gern und lange spielen. Auf Wunsch wird auch eine Probedow des derühmien Kindermehls umsonst oergesugl.

— Ist das nicht schrecklich? Jst.es nicht, um selber wabnsiimiq zu werden? — Diese schönste und herr­lichste aller Frauen, dieses kunstsinnige, geistvolle Weib - geistig tot! - Ach, ich habe schreckliche Tinqe erlebt, Annie! — So schreckliche, daß mir oft per d-m Leben und seinen Abgründen graute. Wie eite ist ab es! — Wie schwach und klein sind die Menschen! — Rur eines hat Bestand: die Tugend, das reine, selbstlose Leben, das ganz auf den Him­mel gerichtet ist." ' "x

„So fromm bist Du geworden?"

Das Leben hat es mich gelehrt, fromm unb be« mütiu zu fein, nicht nur auf feine eigene Kraft, fon- dern vor allem auf Gott zu vertrauen. Auch im modernen Leben und in allen wirtschaftlichen und sozialen Kämpsen soll man die beiden Worte „Ora inbüra!" zu Brennpunkten des Lebens machen, bann' wi'd es groß und schön'. Aus sie ist mein gan­zes Leben, Ivie aus zwei reine, volltönende Saiten ge- stimmt Darum bin ich trotz alles Unglückes zufrie­den und glücklich."

„Tas ist freilich ein beneidenswertes Los, Lud- Iniq", erwiderte Annie ernst. „Glücklich, wer sich zu dieser hohen Lebensauffassung, zu dieser reinen, ab« oeUärten Weltanschauung durchgerungen hat.

ist ein Ideal — und ich will Deinem Beispiele zol- geu und ihm nachstreben."

„Das freut mich", rief Ludwig, „und heran wikst Du gut tun. Glück auf! — zu dieser Lebensfahrt.

„Nun aber sage mir, Ludwig, was wolltest '4>u' mir vou Deiner Mutier berichten?" . '!

Ludwig wurde plötzlich wieder ernst. ,,l§s Hegt ein Geheimnis über dem Leben mentet Jtutter ,, sagte er, „aber für Dich will ich den Schleier lüsten. Meine Mnticr war — eine Diebin!

„Unmöglich!" rief Annie und Prallte förmlich zurück.

-Fortsetzung folgt .)

vermischtes.

* Mit einer Etaisüberschreitung um einen Pfen­nig hatte sich die letzte Stadtverordnetenversammlung in Königsberg zu beschäftigen. Zum Bau eines Sprungturmes in der Badeanstalt im Hammerteich standen 350 Mark zur Verfügung, doch hat sich dieser Voranschlag nicht als ausreichend erwiesen; als der Turm fertig war und man die gesamten Kosten zu­sammenaddierte, da fand man, daß ein Pfennig mehr ausgegeben war. Was blieb also übrig, als den Stadtverordneten, die. doch nur 350 Mark bewilligt hatten, eine Vorlage zu unterbreiten, damit sie auch noch den mehr verausgabten einen Pfennig nachbe­willigten und glücklicherweise fügten sich die Stadt­väter auch dem Wunsche des Magistrats, nachdem der Referent, Stadtverordneter Schwonder, ihnen eingehend die Gründe bärgeleqt hatte, die diese Etatsüberschreitung veranlaßt haben.

* Ein Raubvogelnest aus einem Rathausturm. Auf dem Wahrzeichen von D r es d e n, dem „Golde­nen Scanne" auf der.Spitze des 120 Bieter hohen

Ludwig ioandte sich blitzschnell zu ihr. „Was lagst Du — in Berlin? — Das ist mir ja eine kost­bare Neuigkeit. Wenn ich ihn gewinnen konnte, würde ich vertrauensvoller in die Zukunft blicken."

„Das wird Dir kaum gelingen. Er ist ein ande­rer geworden: ein ernster, strebender Künstler und ein Charakter — ein ganzer Mann! Ich glaube, er will in Berlin ausreifen — und zugleich eine strenge Lehrzeit durchwachen: die ernste, schwere Schule der Selbsterziehung! Er ist in einer großen Möbelfabrik als Zeichner angejtellt —"

„Was Tu nicht fagst! — Wenn er seine „Lehr­zeit" hinter sich hat, und wenn er dann _•— bei mir Eintreten würde, ah, das wäre eine Perspektive! — Weißt Du seine Adresse? —- Ich will ihm morgen schreiben."

„Es wird . Vergebliche Mühe sein, Ludwig", sagte sie, gab ihm aber gleichwohl Straße und Hausnum­mer an, welche ihr Puck genannt hatte. „Warum versuchst Tu es nicht mit Max? Ter ist doch immer der reinste Tausendkünstler gewesen."

„Auf dem Parkett und im Ballsaal, ja. Aber sonst — nein, da ist nichts zu machen. Uebrigens ist er jetzt auf dem besten Wege, ein tüchtiger Kauf­mann zu werden. Er sitzt stramm am Pult, manch­mal muckt er auf wie ein junges, feuriges Roß, aber wenn ich ihn dann fest an der „Kandare" nehme — fo pariert er und fügt sich in das Unvermeidliche. Er arbeitet sich rasch und leicht ein, und wenn ich ihn erst hiucmsschicken kann in die Welt, wird er mit seinen gesellschaftlichen Talenten, seinen vornehmen Manieren und seinem einnehmenden Wesen glän­zende Erfolge zu verzeichnen haben."

„Siehst Tu, das freut mich, daß er doch noch den rechien Weg gefunden hat. Und wie geht es Deiner Mutter — Frau Marguerite?" -

Ludwigs Gesicht verdüsterte sich; ein grenzenloser Schmerz sprach aus seinen Zügen. „Ihr Zustand ist | hoffnungslos", erwiderte er. „Geistige Umnachtung!