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Zuldaer Zeitung

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Ziehungslisten der preußisch-süddeutsche» Klaffen-Lotterie.

40. Zahrgang. ,

Nr. 196

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Dienstag den 26. August 191Z.

Deutsches Reich.

= Der Fürstentag in Kelheim.

Gestern war die Befreiungshalle bei dem alten Donaustädtchen Kelheim, das berühmte Seiten­stück der Walhalla, der Schauplatz einer eigenartigen Feier. Sämtliche Bundesfürsten und die Vertreter der Freien Städte fanden sich hier zu einem ckurzen Festakt zusammen. Die Befreiungshalle, die auf dem 451 Meter hohen Michelsberg steht, wurde zum Andenken an die Befreiungskriege von König Lud­wig I. erbaut und vor 50 Jahren in Anwesenheit des Königs eingeweiht. Der Entwurf stammt von Gärtner, der 1842 mit dem Bau begann; Klenze, der Schöpfer der Wslhalla, vollendete nach dem Tode Gärtners den im italienischen Stil sich erhebenden Bau. Auf achtzehneckigem Unterbau, zu dem eine Freitreppe emporführt, ragt der 58 Meter hohe Kup­pelbau, dessen größter Durchmesser an der Basis 69 Meter beträgt, über den dunklen Wäldern und Ber­gen der Donau. Ein offener Bogengang mit 7 Säu­len umzieht die ragende Rotunde. Auf ihren 18 Strebepfeilern thronen die Kolossalstatuen von 18 germanischen Jungfrauen, die Schilder mit den Na­men der deutschen "Volksstämme halten, lieber diesen Statuen zieht sich eine aus 54 Säulen gebildete Ga­lerie rings nm den herrlichen Bau.

Programmäßig trafen in dem kleinen Bahnhof seit den frühen Morgenstunden die Sonderzüge mit den Kricgervereinen und offiziellen Festgästen von München und aus dem ganzen Lande ein. Zuletzt, kurz vor mittag, kommt der Kaiser. Nach der Begrü­ßung fahren Kaiser und Prinzregent die Feststraße entlang, die durch Kelbeim zur Höhe des Michelsber- ges führt. Das Städtchen zeigt selbst auch ohne den überaus reichen Festschmuck ein freundliches Bild. Am Stadttor -st die Fischerinnung in ihren Trachten und auf dem Marktplatz die Gemeindeverwaltung mit den Ehrenjungfrauen zum Willkommen aufgestellt. Nach rascher Faprt langt der Kaiser vor dem Banketthaus an, in dem die Bundesfürsten schon seiner harren. Geschützdonner kündet den Beginn des Festaktes. Dann bewegt sich ein farbenbunter Zug vom Ban­ketthause zur Befreiungshalle. Voran ziehen die große Freitreppe zum hohen Rundbau hinauf die Deputa­tionen der bayerischen Armee mit den Fahnen der Regimenter, tue schon im Jahre 1813 bestanden. Dann kommen Kinderschareu in den Gewändern je­ner Zeit und hinter diesen schreiten die Bundes- fürsten, an ihrer Spitze der Kaiser neben dem Prinzregenten. Hinter den fürstlichen Gästen und den Vertretern der freien Städte folgt der Reichs­kanzler v. Bet h mann Hollweg, die Vertretung des Bundesrats, das Präsidium des Reichstags, das bayerische Staatsministcrium unö_ eine Reihe von Delegationen der staatlichen und städtischen Behörden aus dem Reich und aus Bayern. Unter Glockenge­läute betreten die Gäste die festlich geschmückte Be­freiungshalle.

Sodann ergriff der Prinzregent das Wort. Er feierte in markiger Rede das geeinte deutsche Va­terland als den erprobten Faktor der Mäßigung und des Friedens, der aber auch stets bereit sei, für die Ehre und Interessen des Deutschtums einzutreten, wo immer sie bedroht würden. Der Prinzregent schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und die Bun­desfürsten.

In seiner Antwort auf die Ansprache des Prinz­regenten betonte der Kaiser, die begeisterte Teil­nahme aller Kreise des Volkes an den Feiern dieses Jahres lege Zeugnis davon ab, wie tiefe Wurzeln das vaterländische Empfinden geschlagen habe, und wie innig sich das deutsche Volk mit seinen Fürsten verbunden fühle. Des Kaisers Hoch galt dem Prinz­regenten und dem Hause Wittelsbach.

Beim Verlassen der Halle tönt der Festversamm­lung im Gesang des Massen chores Beethovens „Die Himmel rühmen" entgegen, und während sich dec

■ Das Münchner KinM.

76f Roman von Felix Nabor.

Stuf diese Fragen fand sie keine Antwort — und ihre Seele, die sich einen Augenblick zum Himmel ge­schwungen hatte, kehrte wieder zur Erde zurück. — Als Annie den Kranken so gebrochen und hilflos da- liegen sah, ergoß sich all ihre Zärtlichkeit über ihn und aus dem Schoße der Erinnerung stiegen alle lichten Bilder empor, die ihre Jugend und ihr Le­ben an der Seite des Vaters verklärt hatten. Jetzt erst erkannte sie so recht, wie viel Liebe er an sein Kind verschwendet hatte. Jeder Tag und jede Stunde, sein ganzes Leben war ein beständiges Opfer für dasselbe gewesen und aus tausend Quellen ergoß sich der goldene Strom seiner Liebe über sein Son­nenkind. Ihr Herz erbebte bei dem Gedanken, daß sie ihn verlieren könnte. „Wenn ich doch für ihn leiden dürfte! dachte sie. „Oder wenn ich mit ihm sterben könnte, im gleichen Augenblick! Dann wären wir für immer vereint." In dieseyi Lichte beschaut, hatte, der Tod für sie nichts Schreckhaftes: er erschien ihr wie ein Erlöser, ein Befreier von Schmerz und Erdenleid, ein Verkünder des ewigen Friedens ewiger Glückseligkeit in der Anschauung Gottes und in Ge­meinschaft derer, die man auf Erden geliebt hatte! —

Als sie am Abend den Arzt über den Zustand ihres Vaters befragte, gab er eine ausweichende Ant­wort. „Man muß erst abwarten, wie sich die Krank­heit weiter entwickelt", sagte er. „Gehirnerschütte­rung äußert ihre Wirkung nach zwei Seiten. Be­wußtlosigkeit unter Aufhebung des Empfindungs­und aktiven Bewegungsvermögens, Sprachhemmung, Erkalten der Extremitäten, eventuell — Tod! — Od^ aber Rückkehr des Bewußtseins unter Aus­schluß der Erinnerung, langsame Erholung und Ge- ucsmw Ich hoffe, gnädige Frau, daß der letztere Fall hier vorliegt, und empfehle absolute Ruhe, Küh­lung des Krankenzimmers, unter Umständen äußere

Fug wieder zur Banketthalle zurückbewegt, Hingt aus tausend jungen Kehlen die „Wacht am Rhein" Wie­der erfüllt Lied und Fanfarenklang, Geschützdonner und helles Jubelrufen die Lust und tönt von der stei­len Bergeshöhe der Befreiungshalle herab ms Tal, wo die Donau im Glanz des soümghellen Tages ruhig ihre Straße zieht. . . m „

Kurz nach H/, Uhr begann in der Banketthalle die Galatafel. Prinzregent Ludwig wies m seinem Trinkfpruch auf das innige Band zwischen den deutschen Bundekfürsten und allem, was die mit ihnen durch geheiligte Ueberlieferungen verbundenen Stämme und Volker bewegt. Sein Hoch widmete der Prinzregent dem Kaiser, den Bundesfursten und den Bürgermkistern der Freien und Hansastädte.

Um 334 Uhr begaben sich der Kaiser und der Prinzregent mittels Kraftwagen zum Bahnhof. In den kaiserlichen Sonderzug war ein Salonwagen des Prinzregenteu einrangiert. Der Kaiser und der Prinzregent verließen Kehlheim um 4 Uhr. Die Ankunft in Posen erfolgte heute früh 714 Uhr.

** Berlin, 25. Aug. 1913. Während der Kaiser, tage in Breslau wird die gesamte kaiserliche Familie mit Ausnahme des Prinzen Adalbert und der Prm- zessin Eitel Friedrich in Breslau weilen.

* Rückschau auf die Tage von Metz. Das halb­amtliche Organ des Vatikans, der Osservatore Romano bringt einen längeren Schlußartikel über den Katholikentag in Metz und feierte ihn als einen der wichtigsten in der Geschichte der religiösen Erhebung der deutschen Katholiken. Die Tagung verdiene die herzlichste Anerkennung und aufridjtigfte Bewunderung seitens der Katholiken der ganzen Welt. Das Blatt bespricht sehr anerkennend die Resolutionen betreffend die römische Frage, die Auswandererfürsorge und die Jesuitenfrage. Dank der Erklärung des Fürsten Löwenstein seien die Befürchtungen der Pestimisten betreffs Zwistigkeiten auf dem Katholiken- tage glänzend zuschanden geworden. Der Artikel schließt unter großen Lobeserhebungen auf die Disziplin der deutschen Katholiken, welche der Tagung zu einem wahren Triumphe verhalf. Auch die Unita Cattolica bringt einen begeisterten Leitartikel. Das Blatt stellt fest, daß dieser Katholiken­tag sich aufs würdigste den früheren anreihe.

4. Wirtschaftliche Gemeinschaftsarbeit. Der 3. rcichsoeutsche M i t t e l st a n d s t a g, der in Leipzig abgehalten worden ist, hat dadurch eine besondere Bedeutung erlangt, daß er den Grund zu einer wirt­schaftlichen Arbeitsgemeinschaft des gewerblichen Mit­telstandes, der Industrie und der Landwirtschaft ge­legt hat. Der Hauptvorstand hatte folgende Leitsätze darüber ausgestellt:

1. Zusammengehen der drei Gruppen: Gewerblicher Mittelstand, Industrie und Landwirtschaft zwecks gegenseitiger wirtschaftlicher Unterstützung und Be­kämpfung der Auswüchse im Organismus unseres Wirtschaftslebens.

2. Aufrechterhaltung der Autorität in allen wirtschaft­lichen Betrieben.

3. Schutz der nationalen Arbeit, Sicherung angemessener Preise und Schutz der Arbeitswilligen.

4. Bekämpfung der Sozialdemokratie und sozialistischer Irrlehren.

Dieser Zusammenschluß erwerbstätiger Stände kann im Wirtschaftsinteresse unseres Volkes nur be grüßt werden und die Durchführung dieser gesunden Idee wird den auf sie gesetzten Erwartungen hoffent­lich entsprechen. Die „Deutsche Tageszeitung" ist von dem neugeschaffenen Kartell der Arbeit ganz begei­stert. Sie schreibt:

Der Gedanke, der dem Kartell zu Grunde liegt, ist so gesund und so selbstverständlich, daß ihm die Zukunft gehört. Und wenn sich der Mann des Handwerks, der Industrielle, der Landwirt, wenn sich Kleinhandwerk und Großgewerbe, Kleinbauer und Gutsherr die Hand reichen zu gemeinsamer Wahrung und gemeinsamer Abwehr, dann sind sie unüberwindlich; dann blüht auch der deutsche Handel, dem ein kaufkräftiger Markt im Inland gesichert

Reizstoffe. Was zu tun war, ist geschehen; nun muß die Natur wirken —"

Das war ein leiser Hoffnungsstrahl, der sich in ihre Brust senkte und sie mit Mer Freude erfüllte. Sie überließ den Kranken der Pflege der Schwester und begab sich in die Küche, um ein weniges zu ge­nießen und Gustl einzuschärfen, jedes Geräusch zu vermeiden. Gusti nickte. Sie war so froh, daß Annie da war; das war doch die einzige Vertraute, die hierher gekörte, alle anderen, die bisher aus- und eingegangen waren, waren ja nur Fremde.

„Ja kamen denn Papas Freunde nicht?" fragte Annie.

„O ja, sie kamen, fragten, wie es dem Kranken gehe, erhielten einen Trost-Bescheid und gingen, da sie den Kranken nicht sehen durften.

„Und Tante Betty?" , . ,

Die war rein verrückt, seit sie ihren Liebling Puck nicht mehr in München hatte; niemand wußte, wo sie sich herumtrieb. —

Gegen Mitternacht löste Annie die Kranken­schwester ab. Sie setzte sich neben dem Krankenlager nieder und blickte in stummem Schmerze in das qualverzerrte Gesicht ihres Vaters. . All ihre Liebe, all ihr Wünschen und Hoffen vereinigten sich in dem heißen Notschrei ihres Herzens' „Gott erhalte mir den teuren Vater!"

Gegen Morgen wurde der Kranke unruhig. Seine Hände lasteten umher und suchten einen Halt. Annie erfaßte sie und flüsterte: „Papa, liebster Papa, ich hin bei Dir! — Deine Annie, Dein Kind, ist da!"

Es schien, als habe ihre Stimme den Bann ge­brochen, der den Kranken umfangen hielt. Der Körper bäumte sich auf, die Hände preßten Annies Finger, der Mund öffnete sich ein wenig, die Lider der eingesunkenen Augen hoben sich. Erst war der Blick noch verschwommen und vage, dann klärten sich die Augen, gewannen Glanz und Leben und schauten Annie mit dem Ausdruck grenzenlosesten Staunens an. —>

Sie war glücklich, eilte rasch zu der Kranken­

wird, dann entwickelt sich nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die politische Zukunft des Reiches m ge­sunden, glücklichen Bahnen.

Das „Berliner Tageblatt" ist über den „Bund der Wirtschaft-konservativen" allerdings sehr ungehalten, denn es erblickt in seinem Streben nur einen Kampf für den Hochschutzzoll und ein Verlangen nach Aus­nahmegesetzen. Uns scheint, daß die Gründung in Leipzig nickt in parteipolitisches Fahrwasser geleitet werden will, daß ihr Zweck vielmehr ein durchaus wirtschaftlicher ist. Wir haben jedenfalls vorderhand keine Ursache, in Sorge über den Zusammenschluß der genannten erwerbstätigen Stände zu sein.

(*) Das „nationale" Hauptmann-Festspiel. Die Breslauer Sozialdemokraten planen für die An­wesenheit des Kaisers in Breslau eine ebenso eigenartige wie bezeichnende Demonstration. Wie Stadtverordneter Löbe am Samstag abend bei der Bebel-Gedächtnisfeier im Gewerkschaftshause mit­teilte, soll am 28. August das Hauptmannsche Fest­spiel durch einen Rezitator öffentlich v 0 rge­tragen werden. Jene Kreise, die mit so großer Begeisterung vor einigen Wochen die hohe nationale Bedeutung des Festspiels feierten, werden ob dieser Maßnahme der Breslauer Sozialdemokraten etwas peinlich überrascht werden. Eine bessere „Bestäti­gung" des „nationalen Gehalts" der Hauptmann- scheu Knüppelverse ist wohl nicht mehr gut denkbar.

* Der bayerische Ministerpräsident Freiherr von Hertling wird am 31. August seinen 70. G e 6 u rts- tag feiern. Er wird diesen Tag in aller Stille auf seinem Sommersitz Ruhpolding verleben.

© Rach Haiti. Das fortschrittliche Reichstags- Mitglied für den schleswig-holsteinischen Wahlkreis Tondern, Rechtsanwalt Dr. jur. Stund, wird nach Berliner Blättern voraussichtlich auf vier Monate, Anfang September nach Haiti reisen als vom Aus­wärtigen Amt bestimmter Schiedsrichter. Es handelt sich am die Erledigung verschiedener größerer Forderungen deutscher Reichsangehöriger an Haiti, über welche jetzt ein Schiedsspruch entscheiden soll. Das Deutsche Reich und Haiti wählen je einen Schiedsrichter, der König der Belgier hat den Ob­mann zu ernennen.

* Reichstagsersatzwahl. Als Kandidat für die durch den Tod des Prälaten Lender tm achten badi­schen Reichslagswahlkreis notwendig gewordene Reichstagswahl wurde von der Vertcauensmänner- versammlung einstimmig der bisherige Landtagsab­geordnete Zigarrenfabrikant August Neuhaus in Schwetzingen ausgestellt. Neuhaus stammt aus der Nähe von Olpe i. W Er ist seit 28 Jahren in Baden ansässig, seit 12 Jahren badischer Abgeord­neter und seit 18 Iahten Mitglied der Handelskam­mer Mannheim,

[] Ein sozialdemokratisches Steuerprogramm. Der Referent über die Steuerpolitik auf dem kommenden sozialdemokratischen Parteitage, Abg. Wurm, wird eine Resolution zu seinem Referate vorlegen, die jetzt be­reits veröffentlicht wird. In der Resolution selbst wird der Parteitag u. a. aufgefordert, zu erklären:

Für die Bewilligung von Steuern im Reich, Bundesstaaten und Gemeinden ist aber nicht allein maß. gebend die Art der Steuern, sondern auch ihr Ver­wendungszweck . . . Jede direkte Steuer, selbst wenn sie allein den Mehrwert trifft, ist abzulehnen, falls der Verwendungszweck den Interessen der Arbeiterklasse widerspricht, es sei denn, daß die Ablehnung der direkten Steuern durch unsere Genossen die Annahme der be­kämpften Vorlage nicht bindert und eine für die Ar- beiterklafse ungünstigere Besteuerung zur Folge haben würde.

% Bundesrat und Dr. med. dent. Nach den Ferien wird nach Berliner Blättern sich der Bundes­rat mit der Frage der Verleihung des Titels Dr. med. dent., sowie mit anderen dringenden Wünschen der Zahnärzte befassen. In einer neuen Eingabe ist die Verleihung des Titels beantragt worden, was einem einmütigen Wunsche des gesamten zahnärzt­lichen Standes entspricht. In der Eingabe wird

schwester und sagte: „Papa ist erwacht. Könnte man einen Priester holen?"

„Es wird kaum angehen — um diese Zeit", er­widerte diese. „Aber Sie können ruhig sein: der Kranke hat die hl. Oelmig und die Generalabsolution empfangen."

Da kehrt? sie rasch zu dem Kranken zurück und beugte sich über ihn.

„Papa — lieber, lieber Papa!" flüsterte Annie. „Ich bin bei Dir! Erkennst Du mich?"

Ein wehes Lächeln legte sich uni feinen Mund. Mit tiefer, hohler Stimme klang es ihr entgegen: „Annie — mein Kindl?" —"

„Ja, Papa, ich bin's! — Ich bin so froh, daß Du erwachst — nun ist's gut. Nun wirst Tu gesund werden —"

Die Sprache schlug ihc plötzlich in einen Schrei um. Das wa- ja nicht Leben und Genesung, das war — ach Gott! — das war der Tod! —

Das war das letzte Aufflackeru der erlöschenden Lebensflamme gewesen, ein Aufleben und Erkennen in dem Augenblick, da das Leben erlosch. Die Augen waren weit geöffnet, als ob sie ein ungeahntes Wun­der geschaut hätten, um den Mund lag ein frohes Kinderlächeln. —

Und die Hände, die Annie in den ihren hielt, be­gannen zu erkalten. —

Sie eilte in das Nebengemach. „Schwester — kommen Sie! — was ist das? —"

Und als sie dann nebeneinander standen und in das erblaßte G-sicht blickten, da wußten sie: das war der Tod! — Still und friedvoll, einen letzten Gruß mit seinem geliebten Kinde tauschend, war Professor Pirkheimer hinübergegangen. —

Das kam so plötzlich und unerwartet, daß Annie unter diesem neuen Schicksalsschlage zusammenbrach.

Mer das Leben und die Wirklichkeit forderten ihr Recht. Es gab in diesen Tagen der Trauer so viel £u tun und zu ordnen, daß sie keine Zeit zum

weiter besonders hervorgehoben, daß ein von dem sonstigen Studium der Medizin geteilter Studiengang nnd ein gesondertes Examen notwendig ist, um der Zahnheilkunde die ibr gebührende Entwickelungs- möglichkeit zu schaffen. Erwünscht sei vor allem die Hinzufügung eines achten Studienfemesters zu den bestehenden sieben Semestern. Während die Schaffung des Titels Dr. med. dent. ein Recht der Krone darstellt, würde die Frage der Hinzufügung eines weiteren achten Studiuinsemesters zu den bis­herigen sieben von den Beschlüssen des Bundesrats abhängig sein.

Ausland.

** Ei» österreichischer Katholikentag. In Laibach ist am Sonntag der kroatisch-flovenische Katholikentag eröffnet worden. 20000 Personen, unter denen sich zahlreiche Deutsche befinden, sind zu der Tagung er­schienen.

** Spanien. Die spanische Regierung hat das vor einigen Tagen an gekündigte Dekret veröffentlicht, welches die Höchstza hl der wöchentlichen Arbeits­stunden auf 60 sestsetzt. Arbeitgeber, die gegen das Gesetz verstoßen, werden mit Geldstrafen belegt, die in die Kaffen der Arbeiterinvalidenversicherung fließen.

** Katholiken und Sozialdemokraten. Die Ka­tholiken in dem französischen Seebad Boulogne für Mer haben mit ter Sozialisten, die die Mehrheit im Stadtrate haben, ein Kompromiß abgeschlossen, wo­nach die Sozialisten in der Angelegenheit der Aus­übung des Kultus keinerlei Schwierigkeiten den Katholiken in den Weg legen, so daß zum ersten Male wieder katholische Prozessionen in der Stadt stattfinden können. Das duldsame Verhalten der Sozialisten gefällt den Freimaurern nicht, die dem sozialistischen Deputierten Myrens fürchterliche Rache bei den kommenden Wahlen androhen.

** Die Vereinigten Staaten verstärken ihre Grenzi truppen. Infolge der Meldungen, daß Huerta einen Gesandten nach Washington entsendet, hat die Re­gierung der Vereinigien Staaten Huerta mitteileri lassen, falls sein Gesandter keine entgegenkommende Antwort auf ihre Note mitbrächte, würde seine Mission! fruchtlos sein. Dagegen sind, wie verlautet, in Washington die Pläne ausgearbeitet, um die Division- amerikanischer Truppen, die an den Manövern an der mexikanischen Grenze teilnehmen, ausgiebig zu, verstärken. Gegenwärtig stehen dort unter Kommando von General Caner 11000 Soldaten, die den Waffen­schmuggel nach Mexiko verhindern und Grenzüber­schreitungen der von den Bundestruppen bedrängten Rebellen verhinoern sollen. Es wird beabsichtigt, diese Truppen durch 14000 Mann zu verstärken.

totales.

Fulda, 26. August luio.

G Personalien. Oberlehrer Dr. Paulus vom Realgymnasium i. E. in Arolsen wurde zum 1. Ott d. Js. als Direktor an das König!. Realprogym­nasium in Biedenkopf berufen.

(!) Die Kreis-Kommunalkasse des Kreises Fulda hatte im Rechnungsjahre 1911 eine Gesamt-Einnahme von 287,285 Mark 79 P;g. Die Summe aller Ausgaben betrug 253,342 Mark; es ergibt sich also ein Kassen­vorrat von 33,943 Mark 6 Pfg. Nach Abzug der Betriebsfonds in der Höhe von 13,500 Mark bleibt ein Uebers chuß von 20,443 Mark 4 Pfg.; hiervon sind 6500 Mark zur Verstärkung der Betriebsfonds auf 20,000 Mark verwandt worden, 6000 Mark für die Beschaffung eines Kranken - Automobils zur Ver­fügung gestellt und der Rest vorläufig ohne bestimm­ten Zweck verzinslich angelegt worden. . lieber die einzelnen Einnahme- Posten wird im Verwaltungs- Berichle u. a. gesagt: Durch die pünktliche Einziehung

Grübeln fand: es galt, dem teuren Toten die letzte Liebe, die letzte Ehre zu erweisen. —-

In der Stadt weckte die Todesnachricht die Shm-, pathien, die man von jeher für den beliebten Künst­ler gehegt hatte, aufs neue. Die kleinen Absonder­lichkeiten seiner letzten Lebenszeit waren vergessen, man erinnerte sich der großen Verdienste, die er sich um die Pflege der Kunst erworben hatte, und alle Schönheit, die von ihm ausgestrahlt war, erblühte wieder. i

Und als man den Sarg in feierlichem Kondukt, in dem Tausende schritten, zur letzten Ruhestätte brachte, da gingen Hunderte von Frauen Münchens int Zuge, trugen Blumensträuße und blühende Zweige in den Händen, legten sie dem Troubadour ins Grab und weinten dem neuen „Frauenlob", der so oft von Minne gesungen und ihre Würde und ihre Tugenden gepriesen hatte, aufrichtige Tränen nach. Dazu Hangen von den Türmen der Stadt, die er so heiß geliebt hatte, die Glocken und sandten dem toten Meister ihren letzten Scheidegruß hinab ins Grab. —

Für Annie war es ein süßer Trost, daß man ihrem Vater noch im Tode so viel Liebe entgegen» brachte; aber als sich das Grab über ihm geschlossen hatte, stand sie dock allein und suhlte doppelt schwer den Verlust. In bet Villa herrschte in den ersten Tagen nach dem Begräbnis die Stille des Todes und in Aaities Leben klaffte eine Lücke, die nicht auszu­füllen war.

Die Ordnung der persönlichen Angelegenheiten ihres Vaters half ihr über den ersten dumpfen Schmerz hinweg; dann aber traten häßliche ~-tnge an sie heran — rohe Menschen kamen mit Mahnun­gen und Drohungen, forderten ungestüm, daß ihre Rechnungen bezahlt würden, und wichen nicht, bis Annie ihren letzten Taler weggegeben hatte. Nie hatte sie es empfunden, wie bitter die Armut ist;! jetzt wußte sie es. —

(Fortsetzung folgt.)