Zuldaer Leitung
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Wochen-Deilage:
Ziefjungsliften »er preußisch-süddeutsch« Klaffen-Lotterie. — halbjährlich Taschenfahrplan, k
Montag Öen 25. August 1913
Nr. 195
erfcheint täglich mit Husnatjme ctr bann- und Stkrlage. viertel- »hrUcher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in ßulda iowie auswärts 1.50 Mark. •••• Bolatlonsöru» und Verlag der - - Zuldaer flcfienbrudterd In Zulda. Zemsprecher Nr. 9. ::
Burschenschaft „Teutonia aufspielen zu können. Es sei jedenfalls minder belastend, wenn sozialdemokratische Redakteure mit bürgerlichen Kollegen zusammensäßen, als wenn Herr Geck mit seinen nationalen Bundes« brüdern, die bei der Wahl Schlepperdienste gegen ihren „Alten Herrn" geleistet hätten, am Kneiptische nationale Lieder singe.
— Bei dem angeblichen Brief Bebels (Vergleiches Nr. 194), der zuerst in der Londoner ,Pall Mall Gazette', sodann im Pariser ,Matin' ubgedruckt ist/ handelt es sich, wie wir gleich angenommen haben/ um eine dreiste Erfindung. Dem .Vorwärts' wird aus London gemeldet: »Der offenbare Schwindel wird mit der Agitation der englischen Milista^ r ist en zusammenhängen, deren Leiborgan ,Pall Mall Gazette' ist. Diese Herren sind gerade dabei, die Rüstungsvermehrungen in Deutschland und Frank» reich ihren eigenen Zwecken dienstbar zu machen und versuchen daher, mit der Autorität Bebels dem Volke etwas vorzuschwindeln." Der ,Vorwärts' schreibt: »Natürlich handelt es sich, wenn nicht um eine plumpe Mystifikation, so um einen dreisten Schwindel."
rtnjcigen: Der Reum einer einseitigen Colonel»eile, 4T am breit, kostet HPfg. Reklamen: Der Raum einer CotoneljeUe, 74 mm breit, kostet 40 Pfg. Bet Wieberhotungen Rabatt. $ür Offert- unb fiusfunftenteigen 20 Pf. extra. 3n Konkursfbllen wirb bet bewilligte Rabatt hinfällig. Erfüllungsort für bas Einklagen oon Sortierungen Ist Sulba. flnjelgen-finnahme bis 10 Uhr bormittags. :: •: Größere flnieieen erbitten mir uns tags vorher. :: N
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Illustrierte Sonntagszeitung Zuldaer Seschichtsblätter
Villa.
Gusti brach bei ihrem Anblick in Tränen aus. „Jesus, Maria — solch ein Unglück! —" rief sie mit gerungenen Händen.
„Wie ist es denn geschehen?" fragte Annie.
„Abg'stüczt ist der Herr Professor! — Beim Fried'nsdenkmal, unten auf der Prinz-Regent'n-Ter- rass', da bam'ns ihn g'funden — über und über voll Bluat —"
Und jetzt, da Annie den ersten Schritt über die Schwelle des Hauses tat, drückte sie das Unglück, das sie erwartete, nieder. Eine schwere, dumpfe Luft schlug ihr entgegen; es roch nach Kampfer und Karbol und schon das allein genügte, um sie mit Angst und Sorgen zu erfüllen.
„Wie geht es Papa?" fragte sie flüsternd.
Gusti schüttelte den Kopf, weinte laut und wischte sich mit dem Handrücken die Tränen weg.
„Also steht' es schlecht!" sagte Annie, legte Hut und Reisemantel, Schirm und Handtasche ab und ging zum Schlafzimmer ihres Vaters. Leise öffnete sie die Türe und trat ein. Eine Krankenschwester saß an dem verhängten Fenster; ihr weißes Gesicht war dem Kranken zugewendet.
Bei Annies Eintritt erhob sie sich und kam mit raschen, lautlosen Schritten auf sie zu.
„Wie geht es Papa?" fragte Annie hastig.
„Er ist ohne Bewußtsein. Arn Abend stellt sich immer Fieber ein. Sie muffen vorsichtig auftreten,
40. Zahrgangc
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Ausland.
** Eine neue „deutsche" Gefahr will der französische Senator Beranger entdeckt haben, der eigens zum Studium dieser Frage das deutsch-französische Grenz» gebiet, Luxemburg und Süd-Belgien im Auto durch» fahren hat. Er spricht sich int Pariser Matin' über die auf seiner Reise gemachten Erfahrungen aus, kommt darin zu dem Schluß, daß Frankreich zwar an seiner Ostgrenze gegen Elsaß»Lothringen eine schlagfertige Armee zur Verfügung habe, fei jedoch im Nordosten und an der Ardennengrenze völlig ungeschützt. Zwischen Verdun und Maulbeuge, gegenüber von Luxemburg, gebe es weder Sperrforts noch genügend Truppen. Der deutschen Heeresleitung sei es möglich, innerhalb 24 Stunden durch Süd-Luxemburg 100000 Monn aus Longwy, Longuyon, Stenäy und Dun für Meuse zu werfen.
* Französische Zünder. Zu der französischen Pulvermisere, die unsere westlichen Nachbarn nach wie vor lebhaft beschäftigt und trotz der verschiedenen Untersuchungen und Versuche auch jetzt immer noch als eine ungelöste Frage betrachtet werden muff, scheint sich nunmehr auch das Vorhandensein mangelhafter Zünder zu gesellen. Bei dem seit einiger Zeit für die Geschosse der französischen Marine angenommenen Zünder der Firma Schneider haben sich, wie die „Mil. pol. Korr." mitteilt, veschiedentlich schon vorzeitige Explosionen von Zündern ergeben, die u. a. durch Schläge gegen die Verpackungskiste hervorgerufen worden sind. Es hat dabei sich herausgestellt, daß die Messingsperringe, die vier Sek/ toren festhalten und dadurch das Freiwerden des Schlagbolzens verhindern, vorzeitig schlaff geworden sind. Wenn die Firma Schneider diese Vorkommnisse auch mit der an die Zünder gestellten Forderung größerer Empfindlichkeit erklärt und eine Verbesserung der Sicherheitseinrichtung in Aussicht gestellt hat, so haben die veschiedenen Vorfälle mit solch mangelhaften Zündern doch recht lebhafte Beunruhigung hervorgerufen.
* Der Weltfriedenskongreß hielt am Samstsag feine Schlußsitzung ab. Es wurde beschlossen, ein Telegramm an den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu richten und ihm für seine Haltung gegen« über der Friedensbewegung zu danken. Der nächste Kongreß tritt 1914 in Wien zusammen. Für 1915 hat San Francisko den Kongreß eingeladen.
A Ein Beitrag zur russischen Kirchenpolitik. Der seltene Fall, daß ein Erzbischof Pfarrer wird, hat sich in Krakau zugetragen. Nach langer Verhandlung mit Rom, den zuständigen österreichischen Behörden und dem russischen Ministerium, wurde der frühere Erzbischof von Plock in Russisch- Polen, Dr. Simon, zum Pfarrer der Marienkirche in Krakau ernannt und als solcher vorn Kaiser be-
gnäbige Frau, weil das leichteste Geräusch den Kranken erschreckt. Dann zuckt er zusammen und zittert."
Annie nickte und trat an das Bett. Sie erschrak, begann zu zittern. War das ihr lieber, schöner Papa?
Er schien um zwanzig Jahre gealtert. Haar und Bart waren völlig grau, das Gesicht abgezehrt, die Augen eingesunken. Ein Verband von Watte und weißen Bandagen verhüllte den Kopf bis herab zu den Brauen und gab ihm eine unförmliche Gestalt. 9htr die Hände waren weiß und schlank wie früher, aber ein schmerzliches Zucken lief durch die Finger, dem dann immer ein leises Stöhnen folgte.
?(nnie küßte die blassen Hände und das gealterte Gesicht ihres Vaters in heißer Liebe und ihre Tränen fielen darauf. Sorge und Kummer brachen ihr fast das Herz und zu den alten Wunden, die brannten und bluteten, kam eine neue, die ebenso schmerzlich war wie die andern.
Sic saß am Krankenbette ihres Vaters, lauschte seinen Atemzügen und quälte sich mit der Frage, was die Zukunft ihr bringen, ob sie ibr auch das Letzte und Teuerste auf Erden, ihren geliebten Vater, entreißen würde? — Und sand keine Antwort auf ihre Frage, stand wieder vor einem der dunklen Rätsel des Lebens, die keiner zu lösen vermag. —
Wie gerne hätte sie dem Kranken Liebes unb Gutes erwiesen, aber sie konnte nichts für ihn tun, muffte still unb untätig neben ihm sitzen unb mit zuckendem Herzen mitansehen, welche Qualen er litt.
Sie fing an zu beten, rief in ihrer Not um Hilfe zum Himmel, aber sie fand nur Tränen und ein inbrünstiger Schrei nach Rettung, nach einem Wunder ,ranc sich ans ihrer Seele. Sie wußte, daß reines aescheben würde, baff die Krankheit ihren natürlichen Verlauf nahm, unb das erfüllte sie mit Schmerz unb Weh. Warum konnte dieses Unglück geschehen? — Welche neuen Rätsel verbargen sich hinter chm?/ — War auch ihr Vater ein Schuldbeladener^
(Fortsetzung folgt.)
Eecilie" des Norddeutschen Lloyd, im kleinen geladenen Kreise eine dreitägige Fahrt von Bremerhaven nach der englischen Küste unternehmen. — In Berlin eingetroffenen amtlichen Nachrichten zufolge hat der Rebellenführer Hohainin dem deutschen Konsul in Nanking und dem Kommandanten des K r e u- zcrs „E mde n" schriftlich fein Bedauern wegen des gemeldeten Vorfalles ausgesprochen. Damit ist der Zwischenfall erledigt. — Der R e ich s k a n z l e r begibt sich demnächst zur Teilnahme an der Gedenkfeier nach Kelheim und wohnt im Anschluß hieran den Kaisertagen in Pofen und Breslau bei.
+ Ein angebliches Reichstagsgcricht soll für die Wahlprüfungen nach Blältermcldungen in Aus- sicht genommen werden. Beim Wiederzusammentritt des Reichstags, so heißt es, wird sich die verstärkte Geschäftsordnungskommission im Zusammenhang mit dem Antrag Bassermann, die Wahlprüfungen einer richterlichen Instanz zu übertragen, mit einem Vor- schlag auf Errichtung eines Reichstagsgerichts für Wahlprüsungen zu befassen haben. Der Vorschlag geht dahin, dieses Gericht mit fünf Mitgliedern aus den Reihen der Reichsgerichts- und Oberverwalrungs- gerichtsräte und einem rechtskundigen Mitglieds des Reichstags zu beietzen; die Erhebungen und Ver- nehrnungen über Unregelmäßigkeiten sollen besonderen Ermittelungsrichtern übertragen werden. Die,Tägl. Rundschau' ist von dieser Nachricht entzückt:
„Wenn diese oder ähnlichen Vorschläge sich verwirklichen sollten, wäre das nur mit Freude zu begrüßen. Gerade wir haben immer wieder auf die unhaltbaren Zustände unserer bisherigen Erledigung der Wahlprüfungen hingewiesen, die nachgerade drohten, zum Gespött der Welt zu werden." ,
Die ,Deutsche Tageszeitung' meint nicht mit Un- recht, daß es sich vermutlich nur um die Gedanken eines einzelnen Abgeordneten handeln werde; daß der Reichstag der Errichtung eines solchen Gerichtes zustimmen werde, halte sie für ausgeschloffen. Insbesondere würde der Reichstag keinesfalls dem geplanten Gerichte die Befugnis zugestehen, durch einen Beschluß die Ausübung eines Mandates vorläufig zu untersagen.
* Bassermann zur Wanderschaft verurteilt. Wenn man der freisinnigen „Blies- und Oster-Ztg." Glauben schenken darf, dann hat die „allmächtige Saar- indüstcie bereits Bassermanns heimatpolitisches Todesurteil gesprochen", und Bassermann wird bei den nächsten Reichstagswahlen wieder einmal auf die Wanderschaft gehen müssen. Die Großindustrie so beabsichtigen, bei der nächsten Reichstagswahl an Stelle Bassermanns, unter Umständen sogar gegen Bassermann, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Das Blatt behauptet, daß schon 1912 die Kandidatur Bassermanns in Frage gestanden habe, und daß lediglich die Rücksicht auf die damals nicht mehr fern liegenden Landtagswahlen die Großindustrie bewogen habe, „die Kandidatur Bassermanns zu schlucken, aber es war ein Schlucken unter der Parole: Einmal und nicht wieder". Das Neunkirchener na tionalliberale Blatt bezeichnet allerdings diese Meldung, die von der freisinnigen Zeitung mit vollem Nachdruck wiederholt wurde, als „Hundstagsphan- tasie", und die „Kölnische Zeitung" nennt sie ein „Märchen, wie es toller noch kaum in die Welt gesetzt wurde". Dagegen glaubt auch die mit der Großindustrie in enger Fühlung stehende nationalliberale „Rhein.-Westfälische Zeitung" davon gut unterrichtet zu fein, baff bie Mißstimmung ber maffgebenben in- bustriellen Schichten gegen Bassermann sehr groß ist, wenn sie sich auch noch nicht so weit verdichtet haben wirb, baß man Bassermann ben Laufpaß gibt.
-4- Die „Genossen" unter sich. Der badiiche Genosse Adolf G e ck ist darüber erzürnt, daß die Redakteure des Karlsruher sozialdemokratischen, Blattes Mitglieder des Vereins „Karlsruher Presse" sind, also gegebenenfalls mit bürgerlichen Kollegen an einem Tisch zusammensitzen. Das Karlsruher Blatt revanchiert sich mit der kleinen Bosheit, daß es dem Genossen Geck von neuem nachsagt, er sei stolz daraus, sich als „Alter Herr" dxr durch und durch nationalen
Das Münchner Ktnöl.
$51 Roman von Felix Nabor.
„Das Unglück hat uns in letzter Stunde näher gebracht", erwiderte Annie. „Du warst immer gütig und liebevoll zu mir wie ein Vater und ich werde dich immer so lieben, wie man einen Vater liebt."
„Das war ein liebes Wort, Kind! — Ich danke dir dafür. Ich werde deiner stets in väterlicher Liebe qebenren und wenn sich der Schmerz in meiner Brust gemildert hat, bann komme ich zu bir nach München. Dann soll der Freundschaftsbund zwischen Nord unb Süb aufs neue erblühen. Leb' wohl, liebes Kinb. Leb' wohl, meine Tochter!"
Draußen hob er nochmals grüßend den Hut, daß sein Haar wie eine weiße Krone auf dem Haupt des alten Edelmannes 'leuchtete, — bann trug ber Zug Annie in rafenbem Saufe davon. Sie staub am Fenster unb sah bie Stabt mit ihren Tausenden von Lichtern in der Dunkelheit versinken wie ein riesenhaftes Ungetüm, das sie mit glühenden Augen anstarrte—■
Aber sie empfand keine Furcht mehr vor diesem Dämon Berlin — sie war frei und der Heimat wieder gegeben! Die Furcht verwandelte sich in schön- heitstrunkenes Staunen beim Anblick des gewaltigen Bildes, das sich vor ihren Augen auf rollte. Das war bie Königin ber deutschen Städte. Die Nacht umhüllte ihre Glieder mit einem dunklen Königsmantel, die Tausende von Lichtern, die Augen der Stadt, strahlten in Hellern Glanze, wie lichte Sterne, wurden kleiner unb kleiner, unb bereinigten sich zu einer strahlenben Krone, bie über bem Haupte ber Königin schwebte und ihren goldenen Schimmer hinauswars ins Land —•
Diese Stadt und dieses steinerne Meer hatten nichts Beängstigendes mehr für Annie. Der Tod hat alles verklärt und ausgelöfcht, was an Schmerzen und Kämpfen hinter ihr lag. Und so nahm sie auch das verklärte Bild dieser Stadt mit sich in die Heimat.
war sie kein sinkender Tropfen int Meer, sondern eine Persönlichkeit, ein Mensch unter Menschen. Allen hätte sie die Hand drücken, allen zurufen mögen: „Seht, ich bin wieder hier! — Die Heimat hat mich wieder und ich lieb' euch alle, alle —"
Dann aber fiel ihr die Sorge um ihren Vater schwer aufs Herz. Doch sie, die fchon soviel Schmerz und Kummer ertragen hatte, muffte auch dieses neue Unglück auf sich nehmen. „Stark und tapfer fein!" sagte sie sich und betrat mit diesem Gedanken die
Richtig an diesen Ausführungen ist ohne Zweifel die Erkenntnis, baff ber Katholizismus ber schärfste Gegner ber Sozialdemokratie ist. Daher auch ber unermüdliche Kampf ber Sozialdemokratie gegen die katholische Kirche; ein Kampf, fo unermüdlich, wie ihn die Sozialdemokratie sonst nur noch gegen die ihr so verhaßten christlichen Gewerkschaften führt. Der „Vorwärts" gibt denn auch unverhohlen seinem Aerger darüber Ausdruck, daß der Gewerkfchaftsstreit in Metz nicht auf die Tagesordnung kam. Einigermaßen befriedigt hat ihn "die Beobachtung, die er machen zu können glaubte, daß die „Berliner" im Vormarfch und die „Christlichen" recht bescheiden geworden seien.
Wie war es nun mit der Gewerkschaftssrage in Metz in Wirklichkeit? Darüber schreibt Julius Bachem ”n ",?Dle Gewerkschaftssrage ist gleich in der ersten öffentlichen Sitzung von dem Vorsitzenden der Generalversamm- lunq, Fürsten zu Löwenstein, ausgeschieden worden. In dem Antwortschreiben des Papstes auf die Adresse des Lokalkomitees wurde die Gewerkschaftssrage gar nicht berührt. Was Fürst zu Löwenstein darüber sagte, war nichts neues. Unter dem religiösen Gesichtspunkte gibt der Papst, wie doch selbstverständlich ist, den konfessionellen Arbeiterorganisationen den Vorzug; aber wo innerkonfessionelle Gewerkschaften nach Lage der Verhältnisse wünschenswert oder gar notwendig sind, da werden sie kirchlicherseits nicht angefochten. In seinem Schlußwort hat der Präsident der Generalversammlung noch ausdrücklich betont, daß in der Enzyklika Singulan nuadam die entscheidenden Worte lauten: „Declaramus to'erari posse et permitti". (Wir erklären, daß sie geduldet werden können und gestattet sind.) Unb der Papst spreche in diesem Zusammenhang von Arbeitern, die den christlichen Gewerkschaften beigetreten sind und ihnen beitreten wollen. Hört man auf der ben christlichen Gewerkschaften abgeneigten Seite auf, diese Organisationen mit religiös-kirchlichen Gesichtspunkten zu bekämpfen, so ist man dem „Frieden von Metz", ben Fürst zu Löwenstein proklamierte, um vieles näher gekommen. Mit ber Zerschmetterung der „Kölner", — um mit ber liberalen Presse zu reben, bie sich dieses von den „Integralen", wie sie sich selbst mit Vorliebe bezeichnen, in Kurs gesetzten Schlagwortes bedient — war es in Metz erst recht nichts. Die Arbeitervereine „Sitz Berlin" haben eine besondere Versammlung neben den zahlreichen allgemeinen Arbesterversammlungen gehalten. Das war die richtige Lösung: schiedlich — friedlich".
Das Quertreiberorgan des Herrn Dr. Kaufmann, bie „Kölner Korrefponbenz" merkt jetzt, baff sie mit ihrem Schmähartikel über die Katholikentage eine D u m m h e i't gemacht hat unb spricht, wie wir aus einem Blatt bes Evangelischen Bunbes ersehen, ihr Bebauern über ben Artikel aus. Wenn bieses Bebauern wirklich ernst gemeint wäre, so wäre bas sehr zu begrüßen. Einstweilen haben wir aber noch sehr berechtigten Grunb zu ber Annahme, baff es ber „Kölner Korrespondenz" lediglich darum zu tun ist, ihren Ruf, ber immer schon zweifelhaft war, nach Möglichkeit etwas aufzubeffern, um nachher umso schärfer wieber bie Organisation ber beutschen Katholiken bekämpfen zn können. Wir glauben kaum, baff die „Kölner Korrespondenz" künftighin davon ablassen wird, die liberale und sozialdemokratische Presse mit Material gegen die deutschen Katholiken zu versorgen und in ausländischen Blättern die tollsten Dinge über d«s katholische Deutschland zu verbreiten. Uebrigens hat sie ja nicht nur in „einem" Artikel „unhaltbare und bedauerliche Behauptungen" aufgestellt. Sie hat bereit, wie von ber „Trierischen Lan- besztg." hervorgehoben wirb, eine ganze Reihe geschrieben, bie nicht mittber Erbitterung Hervorrufen mufften. Darüber hören wir auch jetzt noch kein Wort bes Bebauerns. Mit einem aus taktischen Rücksichten ausgesprochenen Bebauern ist es nicht getan. Man zeige in Zukunft burch bie Tat, baff man ablassen will von ber unheilvollen Fehde.
Deutsches Reich.
Berlin, 24. Aug. 1913. Sie. Kronprinzessin wirb am 18. September d. I. auf ihrem 'Patenschiffe, bem Schnelldampfer „Kronprinzessin
Sie lächelte. Der Helle Schimmer, der durch die Nacht zitterte, dünkte ihr wie ein freudiger Gruff! —
XX.
Im Hellen Sonnenschein lag die Münchner Stadt, als Annie in den Bahnhof einsuhr; die Frauentürme mit ihren grünen, glitzernden Hauben, unb ben verschlafenen Augen barunter, grüßten wie alte, liebe Bekannte. —v
Ihr schien es eine Ewigkeit her zu sein, seit sie all biese Herrlichkeiten zum letztenmale gesehen hatte, trotzbem aber waren ihr alle Dinge lieb unb vertraut — bie Häuser, bie Straßen unb bie Menschen
Vor bem Bahnhof herrschte reges Leben, aber gegen Berlin war das doch nur Kleinverkehr und sie ertappte sich immer wieder bei bem Gebauten, Vergleiche mit Berlin anzustellen. Das war sicher ein Beweis bafür, welch tiefen unb mächtigen Eindruck die Reichshauptstadt auf sie gemacht hatte. Aber die Freude, wieder in der Heimat zu fein, überwog alles andere.
Sie nahm eine Droschke unb fuhr hinaus nach Bogenhaufen. Auf bem langen Wege hatte sie Gelegenheit, ihre Heimat mit ganzer Seele zu grüßen, zu betounbern, zu bestaunen — Immer wieder entdeckte sie neue Schönheiten und neue Wunder. Dinge, die sie früher nicht beachtet hatte, fielen ihr auf, traten wie etwas Neues, Niegekauutes in ihren Gesichtskreis, waren von geheimnisvollem Licht umflossen — Die Freunde, das Leben in der großen Stadt und bas eigene Leib hatten ihren Blick geschärft. Sie sah Menschen und Dinge mit anbern Äugen an, ihr Blick war vertieft, war wiffenb geworben! — Die Häuser waren ihr kein totes, steinernes Meer mehr, sondern sie atmeten, lebten! — Auf ihrer Stirne stauben tau- fenb Menschenschicksale geschrieben, hinter jeder Maner thronte ein Mysterium, aus jedem Fenster blickte bie Freube — ober bie Sorge! — Unb bie Menschen hier waren ihr keine Fremben, fonbern Vertrante, Brüder und Schwestern, denen sie Lust unb Leib, Hoffnungen unb Sorgen von, den Gesichtern
+ Pretzstirnmen zum Katholikentage
Noch immer beschäftigt sich die Presse mit dem Metzer Katholikentag. Im großen unb ganzen kann man sagen, baff bie Kritik ber gegnerischen Presse nicht von der grenzenlosen Gehässigkeit getragen ist, bie ihren Ausführungen über frühere Katholikentage sehr ■oft anhaftete. Diese Tatsache ist ein gutes Zeugnis für ben Katholikentag infofern, als sie zeigt, wie fehr wir in Metz auch bem schärfsten Gegner imponiert haben. Hätten wir bie Erwartungen der liberal» sozialdemokratischen Presse erfüllt, hätten wir uns auseinandergesetzt und gezankt, — schallendes Hohngelächter wäre das Echo der Gegner gewesen. So aber stellt man auf gegnerischer Seite mit Bedauern fest, baff man zwar „auf Grunb gewisser Präludien von Berliner Seite" geglaubt hatte, „in Metz würde der Streit zwischen Köln und Berlin mit großem Lärm auferstehen und die Teilnehmer in hitzige Kämpfer verwandeln" (Freisinnige Ztg.), daß aber ber „Streit gebämpft", fogar ber „Friede von Metz" proklamiert worden fei. „Hier aber," meint die Freisinnige Ztg., „hat Fürst Löwenstein weniger eine Prophezeiung, als einen Wunsch aussprechen wollen, und sein Optimismus, seine Hoffnung, daß der Friede von Metz so wichtig fein werde, daß man ihm ein Denkmal setzen müßte, waren weniger be- ggifterte Ueberzeugung als begeisternde Taktik."
Dieselbe Beobachtung will auch die „Post" gemacht haben: „Man weiff, wie schroff und unversöhnlich sich bie „Kölner" unb bie „Berliner" gegenüberstan- ben, unb es kann gar keine Rede davon sein, daß sich He Standpunkte genähert hätten". Immerhin muff aber auch bie „Post" zugestehen, baff man sich auf bem Katholikentag in Metz einig war: „Der Stil ist rein geblieben, unb fo wäre es unbillig, ben Katholiken zu widersprechen, wenn sie ihre Generalversammlung als eine machtvolle innerlich wie äußerlich u n - gemein wirksame Kundgebung des katho- -lischen Gedankens bezeigen." Auch der „Vorwärts" kommt nochmals in einem Leitartikel, betitelt „Die schwarze Woche", auf den Katholikentag zu sprechen. Er zitiert die Schmähung der Kölner Korrespondenz, baff bie Begeisterung der Katholikentage zu 50 % bem Alkohol zu danken sei Dazu sagt er: „Wenn sonst Katholiken Böses übereinander sagen, pflegt's ja Nicht ganz unzutreffend zu sein. Diesmal aber hat der Fanatismus ber christlichen Bruderliebe vorbeigehauen. In Metz ist ganz gewiß nicht mehr getrunken worden — unb auf früheren Katholikentagen war's nicht an» ders — als das bei ähnlichen Veranstaltungen im trinkseligen Deutschland auch sonst Wohl der Fall ist und als das auf einem Katholikentage der Fall sein würde, der von der Berliner Richtung beherrscht wäre. Nein, bie Begeisterung ist auf ben Katholikentagen auch ohne Alkohol vorhanben, sie ist echt, weil sie ben Wegen des Klerikalismus entfpringt. . ." Doch zweifelt ber Vorwärts an der Echtheit der Gesinnung derjenigen, „die auf ben Katholikentagen bas große Wort führen." Der „Vorwärts" vergißt, daß auf ben Katholikentagen anbere Zustande herrschen als auf fozialbemokratifchen Parteitagen unb baß er bie Erfahrungen mit ben sozialdemokratischen Führern nicht auf bas katholische Saget übertragen bars. Im übrigen, meint er, hätten bie Sozialdemokraten keinen Grund, den „Ultramontanen" wegen ihrer Katholikentage zu grollen:
„Sie sollen sein eine Kundgebung für den katholischen Glauben und die Mitramontane Politik. Sie sind in Wirklichkeit vielmehr ein Zeugnis für die Festig- feit und den unaufhaltsamen Fortschritt des Gedankens. WaS ist die Versammlung des Volksvereins für das katholische Deutschland, was die deS Vereins zur Verteidigung der christlichen lEchule, waS sind die Reden wider den Umsturz in den öffentlichen und die meisten Beschlüsse in den geschlossenen Versammlungen anderes als ebensoviele Beweise, daß der Klerikalismus, der einstmals die Welt beherrschte, sich in der Verteidigungsstellung gegenüber der modernen Welt, nicht zum wenigsten gegenüber seinem schlimmsten Feinde: dem Sozialismus befindet."
ablas, mit denen sie jauchzte unb weinte! — Hier ~ ..... topfen im Meer, fonbern eine
fch unter Menschen. Allen