Zuldaer Zeitung
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40. Zahrgang.
Samstag den 23» Huguft l9l3.
Erstes Blatt.
Nr. 194-
ßO. Generalversammlung
der Katholiken Deutschlands.
Die Nebeuversammlnngen.
Wie alljährlich bot die Versammlung der deutschen Katholiken in Metz auch in diesem Jahre zahlreichen katholischen Organisationen Gelegenheit, Heerschau zu halten und Rückblick und Ausblick auf ihr Arbeitsfeld zu Werfen. Zunächst seien die Veranstaltungen der katholischen Studentenschaft erwähnt:
Der Verband der katholischen Stu. dentenvereine Deutschlands (nicht far- bentraqend) veranstaltete am Montag vormittag eine prächtige Auffahrt seiner sämtlichen Vertreter zum Pontifikalamt im altehrwürdigen Dom. Es war ein überaus glanzvolles Bild. Nach Beendigung des Pontifikalamts fuhren die Vertreter des KV. mit fite, genden Fahnen zu der gemeinsam mit den Vertretern des CV. veranstalteten Huldigung vor dem Kaiser-Wil- helm-Denkmal auf der Esplanade. Am Montag abend vereinigte ein Kommers die Angehörigen des Verbandes, unter denen die lothringische Geistlichkeit besonders zahlreich vertreten war. Hinweisend auf die Tatsache, daß vor 100 Jahren die Anfänge der Erhebung Deutschlands in den Kreisen der akademischen Jugend sich gezeigt hätten, führte Universität-Professor Dr. Spahn (Straßburg) aus, daß der unsere Zeit kennzeichnende Pessimismus von der akademischen Jugend besiegt werden müsse. Die Ideale, die die Vereine des Kartellverbandes auf ihre Fahnen geschrieben hätten, seien nicht da, um die Mitglieder des Vereins zu entflammen, sondern umgekehrt Aufgabe des Akademikers sei es, die Ideale mit neuem Inhalt füllend das deutsche Volk zu hohem Streben, wie einst vor 100 Jahren, mit fortzureißen. Mit lautem Beifall wurde das vollzählig er- scheinende Präsidium des Katholikentages und der Präsident des Lokalkomitees begrüßt. Als Fürst Löwen- st e in sich dann als Verehrer der Ideale des Verbandes bekannte und auf ihre weitere Förderung und Stärkung einen Salamander kommandierte: da lohnte ihm der Dankesjubel aller Anwesenden. Im Namen der in Metz anwesenden Vertreter des Episkopates sprach der tn Begleitung des Trappistenabtes Petrus von Oelenberg er. schienene Bischof Dr. Faulhaber (Speyer). Seine Aufforderung an die Eltern, ihre Söhne in die katholischen Korporationen hineinzuschicken, fand begeisterte Zustimmung.
Der Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine Unitas hielt gleichfalls am Montag abend seinen Festkommers im großen Saal des Storchen ab. Bischof Faulhaber (Speyer), ehrte die Veranstaltung durch eine Ansprache. Wie der Katholikentag, so wolle auch die Unitas die alten übernommenen Werte der neuen Zeit rnpassen. In einer Zeit, wo es scheine, als ob man manchmal aneinander vorbeirede, brauche man einen großen Jugendverband, der der neuen Zeit das Wort Einigkeit ins Gedächtnis zurückrufe. Der Festredner des Abends, Pfarrer Kastert (Köln) betonte, daß der Unitasverband gemeinsam mit dem Katholikentag das diamantene Jubiläum feiere. Die Unitas sei die katholischste unter den katholischen Standesorganisationen gewesen. Niemals habe sie Polemik gegen die anderen geübt und gewollt, oft aber den Einigkeitsgedanken in die Praxis umgesetzt, wenn andere sich zu entzweien drohten. Die beiden höchsten Gewalten feierte Gymnasiallehrer Krause (Metz).
Der K a r t e ll v e r b a n d der katholischen deutschen Studentenverbindungen (sar. bentragend) hatte seinen Kommers am Dienstag abend. Mehrere hundert Kartellbrüder kamen hier zusammen. Unter Fanfarenklängen zogen über 80 Chargierte in Bollw'ichs in den mit buntbemützten Scharen dicht besetzten Saal. Das gesamte Präsidium des Katholikentages war erschienen, dessen sämtliche Mitglieder dem C. V. angehören. Rechtsanwalt Trunk sprach namens des Präsidiums dem C. V. herzlichen Dank dafür aus, daß er so machtvoll auch nach außen aufgetreten sei und seine katholische Gesinnung bekundet habe. Eine ausgezeichnete, von tiefster Ueberzeugung für den Kartellge- ianken durchdrungene Festrede hielt Rechtsanwalt E s ch° köln. Mit tosendem Beifall begrüßt, hielt dann Bischof Eaulhaber eine glänzende Rede. Wir Bischöfe wol- n, so führte er aus. Sie öffentlich als unsere Zukunft,
Zur Fahne einberufen
Von P. Hagel 0. M. I.
Es ist eine ernste Stunde für die Familie, wenn in Sohn seine starke, nervige Hand in die zitternde xktecn^md legt, um Abschied zu nehmen zum „Ein- iücken". Wenn der junge Mann auch singend dem tage entgegengeht, wenn er auch mit frohem Stolz een bunten Hut mit den farbigen Bändern schwingt, atit ernstem Auge schaut er doch nach dem Datum »es Kalenders, das er sogar vielleicht rot angestrichen iat. Schweigen nicht beim Nahen der Wirklichkeit -as lärnchafte Juchhe und die schreienden Jodler? Ls wird ernst, eisenharter, wirklicher Ernst. Ruhe ivird in der wogenden Seele des angehenden Sol- baten wie die Stille auf dem Meere vor dem losbrechenden Sturm. Zweifelt da nicht so mancher in der Wahrheit des Wortes: „O welche Lust, Soldat zu fein!'7 So seltsam klingen jetzt des Li-des Worte:
„Schön ist's unter freiem Himmel, Stürzen in das Schlachtgetümmel!"
Mit edlem Swlz schaut der Vater, der vor Jah- ,en ja auch Soldat gewesen, vielleicht gar bei der Garde gedient hat, auf seinen Sohn; er erinnert sich des Armeebefehls: „Soldaten, seid eingedenk meres Berufes!" Gar manches erwartet er von der Dienstzeit. In der Armee lernt man gehorchen, pünktlich und aufs Wort. In strenger Schule Wersen wie in einer Schmiede feste, zuverlässige Männer geschmiedet. Unter dem Truck der strammen Disziplin werden vollwertige Charaktere geprägt, wie rchte Goldmünze im Prägswck. Viele zogen unfertig sen bunten Rock an, als fertige Männer zogen sie hn wieder aus.
Und doch, drückend wie Gewitterschwüle lastet auf dem Vaterherzen eine Frage. Wird er brav bleiben? Wird er die Waffen, die einst der Vater Hände siegreich geführt, in Ehren tragen? Der alte Soldat weiß ja aus Erfahrung, wie groß die Gefahren für den jungen Mann in der Großstadt sind. Werden nicht die schmutzigen Wellen der wirumeln- ren Hauptstraßen ihren giftigen Gischt in das reine Jünglingsantlitz spritzen?
als den Swlz des Episkopates dokumentieren. (Jubelnder Beifall.) Wir möchten es nicht bloß den Studenten sagen, sondern wir möchten auch vor dem ganzen Lande, vor allem Eltern, die studierende Söhne haben, offent- lich dokumentieren, daß wir Bischöfe die Farben und Wappenbilder unserer Studentenkorporationen segnen. (Stürmischer Beifall.)
Die Generalversammlung der aka- demischen Bonifatiusvercine wies einen überaus zahlreichen Besuch auf. Nach dem Vorstandsbericht sind an fast allen Universitäten Ortsgruppen gegründet worden. Der finanzielle Aufschwung ist außerordentlich günstig. Besonders erfreulich war die hohe Anerkennung, die das Verbandsorgan, die akademische BonifatiuS-Korrespondenz, fand und die dazu sührt, daß der Verband der akademisch gebildeten Katholiken das Blatt in Zukunft als fein Publikationsorgan gebrauchen wird. In einer großen Studenten. Versammlung der akademischen Bonifatiusvereme waren als Ehrengäste erschienen Weihbischof v. Häh- ling, die Grafen Galen und v. Droste-Vischering meh- rere Universitätsprofessoren aus Bonn und Straßburg. Rechtsanwalt Dr. Nuß-Seligenstadt hielt eine mit großer Begeisterung aufgenommene Rede über die reli- giöse Betätigung der Studenten. Wahre Beifallsstürme entfesselte er, als er die Notwendigkeit betonte, daß Studenten und Klerus einander kennen lernen müßten. Sodann sprach Weihbischof v. H ä h l i n g , indem er in sinniger Weise aus der Zeit seiner Diasporatätigkeit er- zählte und die Herzen mit wahrer Wärme für die akademischen Bonifatiusvereine zu entzünden wußte. Hierauf ergriff Geheimrat Dr. P o r s ch das Wort und berichtete aus den Gründungstagen des Vereins. Zum Schluß sprach Generalsekretär Dr. W e i n a n d über die religiöse Vertiefung bei den Studenten. Diese Forderung der Bildung, der Zeit und der Religion sei nicht bloß für die breiten Schichten, sondern auch für die an- spruchsvolleren Geister.
Für den akademischen Pius verein fand Dienstag vormittag ein Festgottesdienst in Notre Dame statt. In den beratenden Versammlungen wurde besonders das Thema erörtert: wie fördert die Piana unter ihren Mitgliedern am besten das soziale Studium, Weiter beschäftigte man sich mit der Schulfrage und empfahl dringend, daß jeder Verbandsverein der Schul, organisation Beitritt. In der Festversammlung am Mittwoch nachmittaa. der Herr Scheller-Fulda prasi. dierte, sprach Prof. Dr. Margrath-Mainz über „religiöse Innerlichkeit und äußeres Werk".
Die 5. Generalversammlung des S e- kretariats sozialer Stude n t e n arbeit fand unter zahlreicher Beteiligung statt. U. a. waren anwesend als Vertreter des Volksvereins Justizrat Trimborn-KLIn, sowie der zweite Vizepräsident Trunk. Nach dem Jahresbericht bestehen in 227 Bezirken soziale Ferienvereinigungen, die die praktische soziale Arbeit in den verschiedenen Vereinen fördern. Besonders hervorgehoben wird das wachsende Interesse für akademische Vinzenzarbeit. Eine ganz eigenartige Arbeitsmethode hat das Sekretariat seit zwei Jahren in Anwendung gebracht, die sogenannte Residenzarbeit. Sie verpflanzte Studierende für einen Monat aus der Heimat <*•* *irre, an denen soziale Arbeit besonders intensiv Betrieben wird. Eine starke Aufwärtsentwicklung weist die Literatur des Sekretariats auf. Im Anschluß an den Jahresbericht hielt der Leiter des Sekretariats, Dr. Sonnenschein- M.Gladbach ein kurzes, inhaltreiches Referat über das „Interesse der deutschen Katholiken an der sozialen Erziehung ihrer Studierenden."
Der Albertus -Magnus-Verein tagte am Montag. Der Vorsitz. Weingutsbesitzer Hartrath (Trier) hielt einen interessanten Vortrag über die Entstehung, die Zwecke und die Tätigkeit des Albertus-Magnus-Ver- eins Er regte eine Aussprache über die verschiedenen Tätigkeitsgebiete des Vereins an, besonders über die Zuwendung der finanziellen Unterstützungen an hülfs- bedürftige Studierende, über die Fürsorge für die Studenten in seelsorglicher wie materieller Hinsicht, vor allem auch über die Errichtung von Bursen und endlich den Anschluß der süddeutschen Vereine an den Zentralverband. Eine rege Diskussion schloß sich an diesen Vortrag an.
Der katholische Lehrerverband und Verein katholischer Lehrerinnen hielt gemeinsam eine Festversammlung, zu der Bischof Dr.
Während der junge Marssohn noch lockere Rekrn- tenlieber singt, härmt sich in tausend stillen, brennenden Sorgen ein Herz — das Mutterherz. Aengst- lich blickt ein Auge suchend nach der verschleierten Zukunft — das Mutterauge. Sieht es nicht im dunklen Wald der kommenden Tage unheimlich böse Wesen kauern — unklar verschwommen und deshalb um so fürchterlicher? Die Mutter des angehenden Soldaten, wäre sie auch nie über den Meilenstein vor dem Dorfe hinausgekommen, sieht die Gefahren der Großstadt, denen ihr Sohn entgegengeht. In herzlicher Ermahnung spricht sie zu ihrem Sohne: „Bleib brav, vergiß das Beten nicht!" Ein Wärmestrahl vom Mutterherzen und ein innig flehender Blick vom Mutterauge begleitet ihr bittendes Wort.
Mit Recht Die Alten sagten, die Paserne ist keine Tugendschule. Das will sie auch gar nicht sein. Können auch viele, recht viele von sich sagen, mir hat das Soldatsein nicht geschadet, eher genützt, so muß doch mancher ein anderes Geständnis machen. Viele zogen aus dem Vaterhaus, schmucke, stramme Burschen, lebensfrisch und lebensfroh. Die Brust hatten sie voll Zuversicht, christallklar funkelten die Augenpaare, und Stirnen mit Adelssiegeln trugen sie in die Welt hinein, wie Edelsalken, wie Adler begannen sie ihren Flug.
Aber, aber, aber doch. Und ein letztes aber noch mußte so mancher beifügen, als er nach zwei oder drei Jahren wieder in die Heimat zurückkam. Ein düsteres, unruhiges Jünglingsauge schaute dann verstört ins Mutterauge und tonnte dessen prüfenden und fragenden Blick nicht mehr ertragen. Das feierliche Morgenrot war untergegangen über einer entweihten Jugend, das Herz war voll Reue, brennen- der Reue, das Blut vergiftet und aus dem Grab der Unmoral und Sünde mußte der Appell im Elternhaus ihn wieder heraus rufen.
Wer war schuld daran? Die Kaserne an und für sich war es nicht. Wir dürfen nicht so gering denken von den Schulen unserer deutschen Krieger. Mit berechtigtem Stolz sei es gesagt, die Atmosphäre in der Kaserne ist nicht so ungesund, wie überängstliche Gemüter meinen. Es weht ein christlicher
Fritzen (Straßburg) erschien. Im Namen des Metzer Ortsvereins hieß Lehrer Siegwart, im Namen des Ver. eins katholischer Lehrerinnen Frl. Weiß (Trier) die Versammelten willkommen. Hierauf nahm Bischof Dr. Fritzen das Mort zu einer herzlichen Begrüßung. Rektor Brück (Böckum) schilderte das Werden und Wachsen des Verbandes. Sodann sprach Frl. Weiß (Saarbrücken) über die wechselseitigen Beziehungen zwischen Schule und Kirche. Weitere Vorträge wurden noch gehalten von Rektor Hämmerling (Saarbrücken) und Dr. Didio (Straßburg).
Der Verband der katholischen Kaufleute trat am Dienstag durch zwei Veranstaltungen hervor. Am Nachmittag veranstaltete er die übliche geschäftliche Sitzung. ' Der Vorsitzende des Verbandsvorstandes Dr. Tewes-Essen gab vor allem einen Ueberblick über die wichtigsten Beschlüsse und Kundgebungen der Leipziger Hauptversammlung. Abends vereinigte ein Festkommers im gießen Saale des „Storchen" die dem Verband mwehörenden Teilnehmer des Katholikentages. Nicht wenige Ehrengäste waren erschienen, an ihrer Spitze das Ehrenmitglied des Verbandes, Kommerzien- rat Abg. C a h e n s I v und in späterer Stunde das ganze Präsidium des Katholikentages, dem auch ein Verbandsmitglied. der Abg. Hoen angehört. Dr. T e w e s sagte u. a.: Der „Friede von Metz" bedeutete auch für unseren Verband das Ende vielen Unmuts und daß wir uns wieder mit ganzer Kraft rückhaltlos der Ausdehnung des Verbandes und der Wahrung unserer Standesinteressen zuwenden können. Wir sind eine kaufmännische, paritätische Standesorganisation auf der Grundlage unserer Religion. Das ist unsere hervorstechende Eigenart, daß wir mit Stolz auf der Brust das Zeichen des Kreuzes tragen. Abg. Cahenslh schildert auf Grund seiner eigenen Erfahrungen die Notwendigkeit der kath. kaufm. Auslandsvereine und forderte die Vereine der Neichslande dringend auf. dahin zu arbeiten, daß es bald auch in den wichtigen Handelsplätzen des benachbarten Frankreich, vor allem in Havre, Bordeaux und Marseille kath. kaufm. Vereine gebe. Weiter mahnte er die kath. Kaufleute, sich mehr als bisher dem Auslandshandel zuzuwenden und besonderes Augenmerk zu richten auf die Tätigkeit in den deutschen Kolonien und Südamerika. Die eigentliche Festrede hielt dann der Landtagsabg^ Maas- Straßburg. Pros. Meyers- Luxemburg erfreute hierauf die Versammlung durch eine schwungvolle Lobrede auf den K. K. V. Im Auftrage des Präsidiums des Katholikentages rief hierauf Abg. Hoen, der erste Vizepräsident, dem Verbände den Wunsch zu: Beherrschet die Welt, macht Euch untertan ihre Reichtümer, ihre irdischen — aber auch ihre geistigen Güter! — Vom Fuldaer K K. V. nahm an den Veranstaltungen der 2. Vorsitzende teil.
In der Versammlung des Borromäus- Vereins wurde mitgeteilt, daß dieser Verein jetzt die größte Bücherorganisation Deutschlands sei. Er habe im letzten Geschäftsjahr bei 250 000 Mitgliedern einen Bücherumsatz von 1 500 000 Bänden gehabt. Mit allen Mitteln werde jetzt von allen Seiten um die Volksbücherei gekämpft. Der Staat habe große, Mittel dafür flüssig gemacht. Die vom Geiste der Freimaurerei getragenen Organisationen und nicht, zuletzt die Sozialdemokratie seien eifrig tätig und hätten sich gegen den Borromäusverein zu einem Kartell zusammengeschlossen, dem es entgegenzutreten gelte.
Auf der Versammlung der Vincenz- vereine am Mittwoch nachmittag berichtete Dr. A. Löhr (Köln) über die Organisation und die Tätigkeit der Vincenzvereine in Deutschland. Es war eine schlichte aber erhebende Schilderung der vielseitigen Arbeiten der Vereine Bischof Benzler von Metz beteuerte den Vin- cenzbrüdern, wie sehr er die Vincenzarbeit schätze. Sodann sprach Kaplan Gescher (Köln) über „Friedrich Ozanam, sein Leben und sein Werk".
Der kath. Mätzigkeitsbund hatte für Mittwoch abend eine Versammlung anberaumt. Dr. Adelmann (Metz) führte aus, die katholische Mäßigkeitsbewegung stehe nickt auf dem Standpunkt der absoluten Enthaltsamkeit, erkenne aber an, daß es zeitweilig notwendig sein könne, völlig frei von griff. Getränken zu leben und daß vor allem Trinker nur durch völlige Abstinenz geheilt werden könnten. Vereinssekretär Knichel (Leutesdorf! schilderte die wirtschafllichen und sittlichen Schäden des Alkoholismus. Von den 400 000 notorischen Trinkern in Deutschland gehörten mindestens 140 000
Geist durch die Räume der Kaserne, aber eben ein militärischer. Wer im harten Kampf des Lebens sich erprobt, vielleicht feit Jahren in der sittlichen und religiösen Schwüle der Fabrik sich bewährt hat, der wird keine Schwierigkeit in der Kaserne finden. Ein sittlicher und religiöser Wandel wird von jedem Soldaten gefordert. Das Gute und Edle wird von oben herab gestützt und beschützt.
Ein Beispiel für Tausende sei hier angeführt. Ein braver, junger Mann, tief fromm und religiös war nach K. zur Infanterie eingestellt worden. Wegen seiner Redlichkeit, seinem Fleiß und gutem Betragen war er der Liebling seiner Vorgesetzten, obwohl er von Natur aus nicht gerade zum Soldaten geboren war. Es war Kompagnieererzieren und da Passierte es ihm, daß er eine falsche Wendung machte und, wie man sagt, die ganze Kompagnie umwarf und das noch in Gegenwart des Herrn Oberst. Als nun der gerechte Zorn des Herrn Hauptmanns sich über den ungeschickten Uebeltäter entlud, wandte dieser die Augen zum Himmel, ein zartes Lächeln, wie man es beim Soldaten nicht gewohnt ist, umspielte die leise flüsternden Lippen. Das war dem 6ernt Hauptmann nickt entgangen und fünf Tage „Mittel" (Arrest bei Wasier und Brot) waren ihm als Sühne diktiert worden. Doch bevor der arme „Verbrecher" abgeführt werden sollte, wollte der Herr Hauptmann ihm noch ordentlich ins Gewissen reden und frag ihn dabei auch, was er gesprochen und weshalb er gelächelt habe. „Herr Hauptmann", antwortete der biedere Bursche, „ich habe mich gefreut, daß ich etwas leiden konnte und habe gebetet: „Alles meinem Gott zu ehren." Das kam so treu und wahr aus be_r guten Seele, daß der Hauptmann ihm den Arrest schenkte und mit dem früheren Wohlwollen behandelte. Wenn auch nicht alle, so geben doch manche Offiziere ein schönes Beispiel von Rechtschaffenheit und Christentugend und in allen Graden finden wir mustergültige Katholiken.
Wie mancher junge Mann findet während seiner Dienstzeit den Anschluß an seine Kirche wieder, da kommt er von Zeit zu Zeit wieder zur Sonutags- mesie, die er sonst leichtsinnig versäumte. Jetzt ist ihm Gelegenheit geboten, mehrercmale im Jahre die heil. Kommunion zu empfangen, die er vielleicht seit
dem katholischen Volksteile an, und von den 3% Milliarden Mark, die das deutsche Volk jährlich für den Alkohol ausgebe, flössen 1—1% Milliarden aus den Ta. schen der katholischen Bevölkerung.
Das Kreuzbündnis abstinenter Katholiken hielt eine erhebende Versammlung am Montag abend, ab. Pater Elpidius richtete an die Versammlung er-, munternde Worte, wobei er energisch gegen tolle Angriffe protestierte, die in der sattsam bekannten Kölner Korrespondenz erschienen sind und die aus tieffteri Glaubensüberzeugung hervorsprudelnde Begeisterung der Katholikentage zum großen Teil dem Alkohol zuschreiben.
Der Verein kath. kaufm. Gehülfinnen und Beamtinnen hielt eine schöne Festversamm- lung ab. Bischof Dr. v. Faulhaber von Speyer sprach zu den Gehülfinnen Perlen christlicher Lebenserfahrung. Pfarrer Kastert (Köln), der Festredner, sprach mtf Wärme und rheinischem Humor.
X Das Echo der Gegner von Metz.
Die falschen Propheten, die der 60. Generalversammlung der • Katholiken Deutschlands ein Mißlingen voraussagten, sind recht kleinlaut geworden. Kleinlaut vor der gewaltigen Kundgebung katholischen Glaubens, katholischer Schaffensfreudigkeit, katholischer Einigkeit. Sie hatten anderes erwartet, und, da sie doch einmal den Katholikentag benörgeln und kriteln müssen, klammern sie sich krampfhaft an Kleinigkeiten, die sie zur Haupt- und Staatsaktion machen. Das Wort Erzbergers: „Von der Energie der Katholiken wird es abhängen, oh das Gesicht Oftasiens ein katholisches oder neuheidnisches wird", wird so gedeutet, als habe Erzberger neuheidnisch für protestantisch gesetzt. Das ist bewußte Entstellung. Die „Tägl. Rundschau" regt sich über Bischof Faulhaber auf, weil er vom „Intoleranz- Edikt von Berlin" sprach. Das sei eine „Ausschreitung", „Demagogie niedrigster Sorte". Wenn die „Tägl. Rundschau" über katholisches schreibt, verwirren sich ihr die Begriffe. Das . darf sie als Milderungsgrund für ihre Ausfälle beanspruchen. Im übrigen mißfällt es dem Renegaten-Blatt sehr, daß man „in der Schulfrage und in der Jesuitenfrage die schärfsten Töne anschlug, die jeden Zweifel an ahsolu- ter Gesinnungstüchtigkeit und Rornergebenheit beim päpstlichen Stuhl ausschließen sollte". Die „Freisinnige Ztg." meint, „der Katholikentag habe an sich nichts Bedeutsames zutage gefördert, aber, vielleicht deutlicher als sonst, die Bestrebungen des Zentrums auf geistigem und kulturellem Gebiet aufgedeckt." Zu den Blättern, welche einen großen „Krach" erwarteten", gehört die „Nationalztg.", die lange Zeit alÄchas Hauptorgan der Nationalliberalen galt. Ihre Enttäuschung gibt sie unumwunden zu: „Wer sich der Hoffnung hingegeben hat, nun endlich mal etwas Genaueres über die Machtverteilung der Kölner und der Berliner Richtung zu hören, war unangenehm enttäuscht, und konnte nur die schätzenswerte Gewandtheit der Vorsitzenden bewundern, mit der et diese unangenehme Situation vermieden." Aber der Katholikentag hat chr doch imponiert:
„Das einzig Auffällige beim ganzen Katholikentag ist die Art und Weise, in der sich im heutigen Katho. lizismus mittelalterlicher Glaubenszwang mit moderner Organisation der Massen paart Man staunt unwillkürlich, wie hier das Problem des Massenaufmarsches gelöst ist. Die Verfassung der ka> tholischen Welt ist bisher nicht genügend gewürdigt wor- den, ihr Kennzeichen ist straffste zentrale Leitung, wöbet die dezentralisierten Interessen für sich entschieden werden. . . In praktischen Dingen ist der Katholizismus ganz modern."
Und dann entrüstet sich die Nationalzeitung über die treffende Art, wie Bischof Koppes das Freimaurerregiment in Luxemburg charakterisierte.
Jahren, seit der Schulentlassung nicht mehr empfangen hatte. Schreibt doch der Hochw. Herr Armeebischof int Fastenhirtenbriefe von 1912: „Wie oft mußten wir die Erfahrung machen, daß viele Rekruten seit der ersten heil. Kommunion nicht mehr die heil. Sakramente empfangen hatten."
Aber trotz alledem ist die Zeit im Königsrock eine äußerst gefahrvolle für den Soldaten. An erster Stelle muß die Loslösung von der Familie genannt werden. Der junge Mann wird durch die Dienstzeit aus der Familie, von der engeren Heimat losgerissen. Tort war er gehalten und geschützt durch viele gute Gebräuche, christliche Sitten, durch das enge Zusammenleben mit guten Menschen. Dies alles verschwindet nun plötzlich. Er steht allein, vielleicht zum erstenmal allem auf sich selbst angewiesen. Das Verantwortungsgefühl ist in dem jungen Streiter nicht geweckt worden, und die vollständige Verantwortungslosigkeit über sein privates Tun und Lassen bekommt ihm schlecht. Das frühere Leben stand im Banne eines strengen, christlichen Vaters, einer guten treu besorgten Mutter. Jetzt schweigt ihr Mund, niemand mahnt und warnt diesen Soldaten; kein Mensch kümmert sich um ihn, niemand zeigt auf ihn mit den Fingern, wenn er Sonntags nicht in die Kirche geht, wenn er ein ausgelassenes Leben führt. So fühlt er sich in religiöser und moralischer Richtung frei. Diese schrankenlose Freiheit hat für den Soldaten etwas anziehendes, reizendes, verlockendes, fast bezauberndes. 3)ie)e Freiheit wird ihm zur Gefahr wie einem kraftschäumenden Araberpferd, das in der Lust, zäum- und sattelfrei zu sein, zu weit in die Wüste hinausstürmt und dort zu Grunde geht.
Zu diesem Mangel an Aufsicht, diesem Gefugt des Freisinns kommt die Gefahr der s ch l e cy t e n Kameraden. Ernstlich sei davor gewarnt, den deutschen Soldaten zu verdächtigen, mit Steinen nach ihm zu Wersen. Die besten und edelsten Sohne unse, res Volkes, der Sohn der Arbeit, wie Komgs- und Fürstensohne tragen den Waffenrock. Aber auch der Sohn des Verderbens, das seelenkranke Kmd bei Straße der verleitete und verführte Anyauger del Umsturzes muß durch das Kasernentor und seinen Dienst leisten, ob er will oder nicht. Unter diesen