Einzelbild herunterladen
 

3. Blatt-

vrwTtet $*16«tr r<tt«»dr»a«rei in S«H«.

Zuldaer Leitung. - Samstag 25. August 1915.

Wochen-Rundschau.

[:] Fulda, 22. August 1913.

Von den vielen Kongressen, die alljährlich im Laufe des Sommers stattfinden, findet keiner solche Beachtung, wie die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands. Schon lange vorher Pflegen gerade unsere schärfften Gegner ihr die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden, und die gar zu kecken pflegen auch zu prophezeien. Aber sie er­wiesen sich als schlechte Propheten, wenn sie voraus­sagten, daß die Metzer Tagung mißlingen werde, weil die deutschen Katholiken uneinig untereinander seien. Die Generalversammlung in Metz ist herrlich verlausen und hat den Gegnern gezeigt, daß das kath. Deutschland nicht gewillt ist, seinen Gegnern die Freude zu machen, in inneren Kämpfen seine Kräfte aufzureiben. In Metz wurde die Einigkeit aufs neue befestigt. Die paar quertreiberischen Wochenblättchen, die sich alle Mühe gaben, den Erisapfel in die Metzer Generalversammlung zu werfen, und, als ihnen dies mißlang, selbst vor den gröbsten Schmähungen nicht zurückschreckten, konnten dies nicht hindern. Der äußere Verlauf des Metzer Kacholikentages übertraf alle Erwartungen. Zahlreich war der deutsche und der ausländische Episkopat erschienen, und an dem großen Arbetteiffestzug am Sonntag nahmen trotz der nicht gerade günstigen Lage von Metz an die 30 000 Arbeiter teil, eine herrliche Kundgebung katholischer Glaubenstreue! „Als ich diesen Festzug mit den Tausenden und Abertausenden gesehen habe, sagte Bischof Faulhaber nachher in der Arbeiterversamm- lung, da kam mir der brennende Wunsch: Wenn doch unser hl. Vater, der Papst, einmal Zeuge eines solchen Festzuges und eines deutschen Katholiken­tages sein könnte! Welch ein unbeschreiblicher Trost würde das seinem Herzen sein, und wie würde er sich freuen über die Festigkeit, Treue und Glaubensbe­geisterung dieser ungezählten Männerscharen!" Der diesjährige Katholikentag erhielt noch ein besonderes Gepräge durch die überaus zahlreiche Anteilnahme der nicht deutsch sprechenden Katholiken aus Elsaß, aus Lothringen, aus Luxemburg, aus Frankreich, aus Belgien usw., für die besondere Versammlungen mit französischer Sprache abgehalten wurden. Daß auch die Schweizer und Oesterreicher nicht fehlten, braucht kaum besonders erwähnt zu werden.

Einen schweren Verlust erlitt die sozialdemokra­tische Partei durch den Tod ihres Führers August Bebel. „Es gab und gibt unter den Führern der deutschen Sozialdemokratie keine einzige Persönlich­keit, die einen so tiefen Einfluß auf das deutsche Pro­letariat ausgeübt hat, wie Bebel — auch Marx und Engels, auch Lasiale nicht, schreibt der Vorwärts in seinem Nachruf. Denn diese wärxn doch Intellektuelle, Bebel aber war selbst ein Produkt dieses Proletariats. So erblickt die Arbeiterschaft in ihrem Bebel etwas ihrer Eigenart Wesensverwandtes." Auch die bürger­liche Presse spricht, von wenigen Ausnahmen abge­sehen, im allgemeinen mit Hochachtung von dem Menschen Bebel, wenn auch ihr Gegensatz zu dem Politiker zum Ausdruck kommt. Die sozialdemokra­tische Partei wird auf dem kommenden Parteitag Bebel, der in den letzten Jahren ausgleichend zwi­schen dem radikalen und dem revisionistischen Flügel gewirkt hat, schwer vermiffen. Denn die Auseinan­dersetzungen werden diesmal besonders scharf. In zahlreichen sozialdemokrat. Versammlungen kommt die Mißstimmung gegen die sozialdemokrat. Reichs- tagsfraknon scharf zum Ausdruck.

In den Tagen vom 16. bis 18. August hat in Linz der erste deutsches st erreichische Ka­tholikentag stattgefunden. Kann er sich auch nicht unter den in Oesterreich obwaltenden Verhält- nisien mit dem deutschen Katholikentag messen, so nahm er dock einen glänzenden Verlauf.

Auf dem Balkan will es immer noch nicht zur Ruhe kommen. Die Türkei hat sich an den Buka­rester Vertrag nicht gestört und die Zwischenzeit dazu benutzt, ihre Truppen über die Maritza vorrücken zu lasten. Offenbar will man in Konstantinopel außer der Adrianopelfrage eine zweite Frage schaffen, um die Lage der Türkei hinsichtlich der Adrianöpel-Frage gewissemaßen zu entlasten. Es ist kaum anzunehmen, daß die Türkei in der Lage sein wird, auf den von ihr jetzt neu besetzten Gebieten Erfolge zu erreichen, die sie nachher halten könnte. Es kann keinerlei Zwei­fel unterliegen, daß die Bulgaren nach verhältnis­mäßig kurzer Zeit Kräfte genug gewonnen haben wer­den, um die Türken aus solchen Stellungen wieder

UnpEsche 5eitI8nfe.

N. Metz, 21. Aug. 1913.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Ein weiter Weg von Berlin nach Metz; aber die Reise hat sich Wucherhast gelohnt. Erstens wegen der herrlichen Versammlung und zweitens wegen der Berührung mit den Lothringern in ihrer ehrwürdigen Hauptstadt.

Ich kann nur sagen: die Lothringer sind nette, liebe Leute, und Metz ist eine schöne, gastfreundliche Stadt.

Wieviel Geschrei ist in gewissen Blättern erhoben worden wegen der sogen. Sprachenfrage. Ich habe weiter nichts bemerkt, als daß hier zu Lande zwei Sprachen im Gebrauch sind. Jeder spricht die Sprache, die seinem Schnabel am besten paßt; sehr viele können in beiden Sprachen sich verständlich machen, und fast alle können beide Sprachen ver­stehen So gibt es gar keine Schwierigkeiten, keine Reibungen, überhaupt keine Sprachenfrage. Ja, wenn von oben her eingegriffen wurde mit irgend welchen Geboten oder Verboten oder Schikanen, dann würde man aus Demonstration sich auf die bekämpfte Sprache verbeißen. Jetzt aber hat jeder­mann bei dem Gebrauch seiner Sprachwerkzeuge nichts anderes im Sinn, als sich seinen Mit­bürgern verständlich zu machen. Man treibt mit der Sprache keine Politik, sondern sucht einzig und allein das Erbübel vom babylonischen Turmbau nach besten Kräften abzuschwächen. Freiheit gibt Frieden. Wenn man doch in den Ostmarken auch ,ede Zunge nach ihrer Fasson frei reden ließe, so würde man auch dort viel unnützen Acrger und Zank sich ersparen.

Die alldeutschen Sionswächter fragen, ob denn das halbfranzösische Metz auch eine deutsche Stadt sei. Ach, lieb Vaterland, kannst ruhig sein; fest steht und treu die Wacht in der Mosel. In dieser Grenzfeste bedroh: dich kein „innerer Feinds Der wirkliche in­nere Feind sitzt weiter drinnen im Reich, sogar an den Ufern der Spree.

Die gute Stadt Metz — was hat sie nicht alles durchmatzen müsten! Sie hat vor 120 Jahren die Schrecknisse der „großen" Revolution auskosten und vor 43 Jahren das Elend des Krieges in der schlimm­sten Form über sich ergehen lüsten müsten. Auf die Guillotine folgte also schon nach zwei Menschenaltern

hinauszudrängen. Adrianopel fteilich wird den Tür­ken wohl erhalten bleiben. Die Türken würden in ihrem eigenen Interesse handeln, wenn sie sich mit Adrianopel begnügten. Es wird Sache der Groß­mächte sein, den türkischen Staatsmännern mit Ein­dringlichkeit klar zu machen, daß die türkische Feld­armee durch eine Strategie der Augenblickserfolge ihrem Vaterlande leicht das Grab graben kann. Es ist ja begreiflich, daß die türkische Militärpartei die Gelegenheit benutzte und durtz Waffengewalt die schon verlorenen Gebiete wieder zurückerobern wollte, während die europäischen Großmächte über eine Re­vision des Bukarester Friedens stritten. Aber sie soll doch den Bogen nicht Überspannen. Eine Revision, die Bulgarien stärken würde, wird nicht zustande kom­men, aber auch die Türkei hat nichts mehr zu erhof­fen. Der einzige, der sich noch für eine Revision ins Zeug legt, ist der Leiter der österreichischen Auslands- Politik, Graf Berchtold, doch ohne Erfolg. Erfolg kann ihm um so weniger beschieden sein, als einfluß­reiche Politiker Oesterreichs sich gegen seine Revi­sionspolitik ausspretzen.

Die mexikanischen Wirren bedrohen plötzlich den Frieden zwischen den Vereinigten Staa- ten von Amerika und der Republik Mexiko.. Schon zweimal in den beiden letzten Jahren schien ein Vor­marsch der Truppen der Union bevorzustehen. Aber einer bewaffneten Intervention standen so viele und schwere Bedenken entgegen, daß man in Washington über ernste Mabnungen und Drohworte nicht hinaus- gegangen ist. Selbst ein glücklicher Erfolg in einem Kampfe mit Mexiko könnte die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den lateinischen Staa­ten des amerikanischen Kontinents nur verschlechtern.

v Sieg der Bischöfe Frankreichs in der Schulsrage.

Das Rundschreiben des Ministerpräsidenten Bar­th o u über die Schulbücher in den staatlichen Volks­schulen und das reglementarische Dekret, das ihm bcigegeben ist, stellen die vollkommene Rechtser ■» tigung des seinerzeit viel umstrittenen Kollettiv- hirtenschrcibens der' französischen Bischöfe dar, das gewisse Schulbücher verurteilte, weil sie der Religion feindselig und gehässig, trotz der versprochenen Neu­tralität, gegenüberstehen. Ebenso sind Rundschreiben und Dekret die Rechtfertigung der großzügigen Be­wegung, die zur straffen Organisation der katholischen Familienväter zwecks Schutzes für die Seele ihrer Kinder führte.

Zweifellos kann man unter einem radikalen Re­gime nicht erwarten, daß die Rechte der Katholiken auf den ersten Schlag in ganzem Umfange anerkannt werden, die Feststellung des bis jetzt Erreichten gleicht aber doch schon einem historischen Vorkommnis. Das Kontrollrecht der Familienväter wird durch den Ministerpräsidenten proklamiert. Diese Proklamation kommt einem Verzicht des Ministe­riums Barthou auf alle Gesetzgebung gleich, die die­ses Recht verneint. Der alte Streit, ob das Kind dem Staate oder den Eltern, gehöre, ist zugunsten der Eltern entschieden. Vergleicht man damit die Er­folge der katholischen Deputierten bei der Beratung der „Schulgesetze" für die Laienschule, so toirb man finden, daß auch diese Annahme der Äbänderungs- antrage katholischer Redner dem gleichen Gedanken­gang entspricht: Das neu festgestellte Recht der ka­tholischen Eltern, über ihre Kinder zu verfügen. ' Ob es sich nun um die Kontrolle der Bücher handelt, die die Kinder in die Hände bekommen sollen, oder ob es sich um die nun verbürgte Straffreiheit von El­tern har.delt, die ihre Kinder aus Gewissensnot aus der Schule fortlassen, wo ihre Religion verunglimpft wird — es ist das heilige Elternrecht, das über den Unsinn einer überspannten Staatsidee den Sieg da- vongetragea hat. Der Sieg dieser These ist den fran­zösischen Bistzöfen und den von ihnen geschaffenen Familienväter-Vereinigungen zu verdanken.

Nun kann eingewendet werden, die Berufung sei ja eine sehr schöne Sache, aber der Minister könne sie jederzeit zurückweisen; bisher hätten die Fami­lienväter auch das Netzt des Protestes beim Minister gehabt. Das ist nicht richtig, denn das Recht war nicht festgelegt und die Ausübung desselben nicht organisiert. Es bleibt die Möglichkeit des Unrechtes, aber der Minister hat die Verantwortung dafür zu tragen. Im Reglement, das Barthou seinem Rund­schreiben hinzufügt, wendet er sich an die Rektoren

die Heimsuchung durch die Kugeln, die Hungersnot und die Seuchen.

In dem „Führer durch Metz" hat mich nichts so sehr gepackt, als die Wiedergabe eines Maueranschlags aus dem Jahre 1795. Fünf fettgedruckte Worte, die ganze Bände reden:

Kathedrale von Metz, zu vermieten!

Die altehrwürdige Kathedrale, der Stolz und das Wahrzeichen von Metz, nicht nur ein Heiligtum, son­dern zugleich ein Kunstwerk von unvergleichlicher He'-rlichkeit — sie wurde zur Vermietung ausgeboten wie ein leerstehender Laden! Diese Schreckensman- ner hatten vor der Kunst ebensowenig Respekt wie vor der Religion.

Kann so etwas sich wiederholen? Kann es noch zu einer Revolution kommen, die abermals die Ka­thedralen zum Vermieten ausbietet und die Ware auf den Schutthaufen wirft? Der Himmel bewahre uns davor, aber die M ö g l i ch k e i t kann man leider nicht bestreiten. Es gibt auch in der Gegenwart Leute die nicht besser sind, als die Nmsturzmänner vom Ende des 18. Jahrhunderts. Nach aller mensch­lichen Wahrscheinlichkeitsberechnung würbe aber eine solche höllische Reaktion eher noch in Frankreich als in Deutschland ausbretzen. Die Kathedrale von Metz und die dortigen Katholiken haben den besseren Teil erwählt in ihrer Zugehörigkeit zu Deutschland.

Metz ist eine Stadt voll frohen Lebens, und doch gibt es nirgends einen größeren Friedhof. Die Schlachtfelder" um Metz Hilden ein riesiges und reich besetztes Totenfeld. Die Massengräber stimmen weh­mütig, aber zwei tröstliche Gedanken sprießen aus diesem Blutacker: Die Leute sind in treuer Pflicht­erfüllung gestorben und der grimme Krieg von 1870 hat uns einen andauernden Frieden gebratzt, der hof­fentlich zu den bisherigen 43 Jahren noch viele Jahre und Jahrzehnte hinzufügt.

Die vielgeprüften Metzer haben offenbar gefühlt, daß die Katholiken Deufftzlands zu ihnen kamen in der Absicht die Wiederkehr der schlimmen Zeiten nach Möglichkeit verhindern zu helfen. Wir kamen und wurden empfangen als Mitverteidiger der Religion, der Ordnung und des Friedens. —

Saure Arbeit, frohe Feste! Das Wort paßt auf die Katholikentage. Biel Mühe, aber auch viele Freude. Und die festliche Herzerhebung ist auch lei­

der Universität, sie sollten sich „vom weitherzigen Liheralismus und traditionellen Toleranz" leiten las­sen, wie sie an der Universität zuhause sind. Bücher gegen dir Moral, gegen die Verfassung, gegen die Ge­setze, Bücher mit heftiger und aggressiver Polemik, Bücher, die Hatz und Zwietracht säen, seien auszu­merzen. Zum Schluffe heiht es: „Der Staat hat die Sorge übernommen, die ernsthaftesten Garan­tien gegen die Verwendung von Büchern zu geben, die die Familien durch die Verletzung der versproche­nen Neutralität beunruhigen können." Vom katho- listzen Standpunkte aus ist das nicht viel, aber vom radikale.: ungläubigen Standpunkte aus ein bemer­kenswertes Zugeständnis und ein ins Auge sollender Umschwung.

Aus dem Nachbargebiele.

* Kassel, 23. August 1913. Zu der heute statt- findenden feierlichen Eröffnung des Hessischen LandeSmuseums an der Wilhelmshöher Allee wird der Kultusminister von Trott zu Stolz mit seinem Fachreferenten für Kunst und Wissenschaft, Professor Dr. Schmidt, in Kastel eintreffen. Auch werden die Spitzen der Provinz al- unb Kommunal- sowie bet Militärbehörden bei der Feier anwesend sein.

* Großauheim, 22. Aug. 1913. Gestern nachmit- tag ist das 6jährige Söhnchen eines hiesigen Arbeiters in die offene Jauchengrube gefallen, in der es seinen Tod gefunden Hot.

* Mainz, 22. Aug. 1913. Die seit vier Wochen andauernde Lohnbewegung der Metallarbeiter in der Bcleuchtungsbranche hat jetzt zum offenen Konflikt geführt. Gestern wurden die Arbeiter der einschlägigen Fabriken, etwa 500, ausgesperrt.

* Wiesbaden, 22. Aug. 1913. Ter Jahrestericht des städischen Schlachthofs für 1912 stellt einen noch nie erreichten Rückgang der Schlachtungen und des Auftriebes fest. Die Abnahme betrug mehr als 20 000 Stück, die der Schlachtungen 9000 Stück. Mit der Vergünstigung des Bezugs ausländischen Fleisches hat die Stadt schlechte Erfahrungen gemacht; sie bezog nur 4872 Kilogramm Fleisch aus Däne­mark, stellte den Versuch aber rasch wieder ein, da sie beim Absatz an die Konsumenten auf Schwierig- kesten stieß.

Derntifdrtes.

△ Ucbertriit einer Prinzessin zum Katholizismus. Aus Madrid kommt die Kunde, daß die Prinzessin Beatrice von Koburg, die Gattin des Her­zogs von Orleans, zur katholischen Kirche übertreten wird. Der feierliche Ilebertritt soll tm Oktober nach Rückkehr des spanischen Hofes nach Madrid stattfin­den. Prinzessin Beatrice ist protestantisch.

* Schußwaffen in Kinderhänden. In Elmpt im Rheinland machte sich der siebenjährige Sohn des Land­wirts Beck an einer glinte zu schaffen, die von der Kirch­weih noch geladen an der Wand hing. Plötzlich ging ein Schutz los und traf die im Bett liegende Mutter in die Stirn. Der Tod trat auf der Stelle ein.

* Juwclcndicbstöhle. In einem Godesber­ger Hotel wurden einer Dame, während sie das Frühstück einnabm, Brillanten und Schmucksachen im Werte von 10 000 Mark und 100 Mark Bargeld aus ihrem Zimmer gestohlen. Der Täter, ein Hotelgast, ist mittels Auionwbils *t der Richtung nach Köln geflüchtet. — Freche Diebe drangen Mittwoch nacht durch ein in die Decke gebohrtes Loch in das Geschäft des Harnburger Hofjuweliers Knapp und Schlesinger auf dem Jungfernstieg ein. Soweit bis­her festgestellt wurde, haben sie für 50 000 Mark Schmucksachen gestohlen.

* Bezeichnend für die Verhältnisse im Baugewerbe tn Berlin ist der Konkurs der Baugesellschaft „Haus Karls­bad G. m. b. H.' Diese Gesellschaft war seinerzeit mit einem Barkapital von 75 000 Mk. gegründet worden. Schon nach einem halben Jahre war es nicht einmal möglich, die erste Hypothek abzuschlietzen, um wenigstens die Handwerkerforderungen im Betrage von 150 000 Mk. bezahlen zu können! Das zu bauende Bureauhaus sollte etwa 450 000 Mk. kosten. Mit 75 000 Mk. also sing man an, ohne überhaupt Aussicht auf Hypotheken zu baben!

* Infolge des Hochwassers in Sachsen sind bei Pol­bitz in der Nähe von Zwickau vier Kinder in die hoch- gehende Mulde gestürzt. Drei konnten gerettet werden, während der neunjährige Sohn eines Sandgrubenbe­sitzers ertrank. Bei Mitteldorf im Erzgebirge stürz­ten die Geschwister Schettler, Kinder eines Maurers,

neswegs ein unnützer Zeitvertreib. Die gemütliche Geselligkeit knüpft alte und neue Bande der Freund­schaft, "der gegenseitigen Anregung und des gemein­samen Strebens; das Festgepränge erhöht die Schwungkraft der Seele, die Begeisterung für die Ideale.

Ein Mann, der früher auch zwischen uns ging, aber inzwischen ein verärgerter Pharisäer geworben ist, hatte kürzlich zu schreiben gewagt, bet Alkohol bilde bie Quelle ber Begeisterung, unb bie Teilnehmer hät­ten es weniger auf bett Katholikentag, als vielmehr auf bie Katholikennächte abgesehen. Wir können bas ruhig niebriger hängen. Sogar am Sonntag, wo ber Festzug mit seiner Ermübung bie zugeströmten Maffetr reckt burstig machte, war von Mißbrauch des Alkohols nichts zu merken. Unb was hie „Nächte" angeht, so war ber Tag von Metz ganz besonbers schlecht gewählt, um eine solche Verbächtigung in Kurs zu bringen. Denn Metz gehört zu bett solidesten Städten rhn- Nachtleben. Um zwölf Uhr ist dort die Sperrstunde auch in den großen und feinen Fremden Herbergen. Ein Festkommers der Studenten zieht sick freilich etwas länger hin; aber das kann man doch nicht als unsolide Nachtschwärmerei hinstellen. Solche Verlängerungen eines festlichen Abends gestattet man sich gelegentlich überall, und die harmlose Fröh­lichkeit ist sicherlich eher zu rechtfertigen, als die lieb­lose. ungerechte Nachrede einer bösen Zunge.

Daß die Studenten sick am Katholikentag be­teiligen, ist sehr zu begrüßen. Daß sie zum Gottes­dienst mit ihren Fahnen und in Burschenwichs antre­ten, ist sehr zu loben. Etwas Prunk nach altem Brauch gehört dazu. Es muß nur das rechte. Maß eingehalteit werden. In dieser Hinsickst finde ich es erfreulich, daß bereits die eine Hälfte unserer katholi­schen Studentenkorvorationen von der kostspieligen Auffahrt abgesehen hat und zum feierlichen A u f- marsch übergegangen 'ff Ich habe übrigens nicht bloß bett Kostenpunkt int Auge, wenn ich ber Fuß- prozeffion ben Vorzug gebe. Wenn alte Herren fahren, so hat das auch auf kürzere Entfernung noch Sinn und Zweck. Doch wenn Jünglinge es sich auf ben Wagenpolstern bequem machen, so sieht bas nicht frisch und forsch aus. Die sollen boch eigentlich als junge Kriegshelden erscheinen. Wenn sie allzumal ein ebles Reitpferd besäßen, so würbe ich sie gern als Kavallerie sehen. Da bas nicht geht, so ist bie Infanterie in festem Schritt unb Tritt vorzu-

Keklamen- «nd Anzeigenteil.

Der Kinder bester Schutz gegen Krankheit ist außer Sauberkeit und Abhärtung eine einfache tegelmaipge- Ernährung. Zu letzterer roäblt eine tluge Muller das Nestlehche Kindermehl, eine naturgemäße, leicht verdau« ttche und gern genommene Nahrung, welche die Klemen vor Darm- und Magenkatarrhen schützt und das Ent­wöhnen der Säuglinge bedeutend erleichtert. Probedoje graus durch NeNle-GeseUschaft, Beilm W. 57.

ziehen. Aber nur ben Train-Aufzug mit zweifel­haften Mietswagen sollte man aufgeben. —

Als alter Teilnehmer weiß ich, wie sich bie Ka­tholikentage erst nach und nach bie Gunst unb Bei­hilfe ber Stadtbehörden erobern mußten. Es ging aber immer vorwätts in dieser Beziehung. —■ (Ausgenommen die letzte Versammlung in Bres­lau, die sich ohne Begrüßung durch die Stadtväter Väter behelfen muhte. 9hm ja, der Katholikentag war ja auch kein Hauptmann'sches Puppenspiel!) In Metz hielt der Bürgermeister eine ganz vortreffliche wahrhaft erbauliche Begrüßungsrede, und die Stadt hatte für die Illumination der schönen Esplanade am Moselufer sowie für das Feuerwerk großartige Veranstaltungen getroffen.

Schön war es. Ob auch fruchtbar? Am Tage nach der Aussaat kann man noch nicht die Ernte taperen. Man muß ab warten; doch wenn das Saatkorn und der Boden gut ist, dann darf man doch wohl hoffen, daß gute Frucht bie Arbeit lohnt.

Ungebulbige Leute sind jetzt, gerade wie ber der Straßburger Tagung, alsbald mit der Frage bei der Hand was denn für die Eingliederung des Retchs- laudes in das öffentliche Leben Deutschlands, nament­lich in das Parteigetriebe, erreicht worden-sei. Wer da sofort nut Maßstab und Wage über die Herzen -und die Gefühle herfallen will, der hat keinen Schim­mer von ber rechten Entwicklungslehre. Wir kommen hierher, wir zeigen uns den Einheimischen, wie wir sind, und lassen uns zeigen, wie sie sind; wir tauschen freundliche Worte und herzliche Händedrücke. Daun gehen wir heim zu unserer Arbeit und sie gu ber ihrigen. Jeder verarbeitet in Stille und Gemachltch- keit die Eindrücke und Erfahrungen, daraus erwachst dann die Frucht — Wachsen lassen — das ist bie ergiebigste Kunst. —

Neber bie inhaltsschweren Reben unb Beschlüsse kann ich hier natürlich nicht im einzelnen berichten. Ich sage aber allen, bie nickt da waren: N: m m unb lies! Lies die ausführlichen Berichte, bu tonit viel Freude und viel Nutzen haben. Denn du findest auch manche Anregung für dich selbst, für d e: n Ver­halten für deine Mitarbeit an dem gemeinsamen qp.,cf ' Das ist jo gerade das erhebende bei solchen Tagungen: man silhst sich als nützliches, werttätiges, vollberechtigtes Glied des großen Körpers. Es ist eine Ehre, Katholik zu sein, die Ehre muß aber durch Pflichttreue verdient werden.

im Alter von zwei und acht Jahren in den angeschwol« lenen Gablenzbach und wurden vom reißenden Wasser bis nach Swllberg getrieben. Dort gelang es, den Kna- ben aus Land zu ziehen und wieder ins Leben zurück­zurufen, während die achtjährige Tochter bereits tot war.

* Ein Mesothorium-Konzert, dessen Ertrag zur Anschaffung des Mesothorium (das neue Krebsheil­mittel) zugunstcii der Königl. Frauen- und Chirur­gischen Klinik bestimmt ist, findet demnächst in M ü n- ch e n statt. Nur für sehr reiche Leute ist das Kon­zert bestimmt, betragen doch die Eintrittspreise 100, 50, 20, 15 usw. Mark! Allerdings treten nur aller­erste musikalische Größen auf: Hermine Bosetti, Edith, Walker, Alfred v. Bary, Karl Braun, Fritz Feinhals, Hemr. Knote, Max Krauß, Leo Slezak u. a.

* Wieder mal btt Fremdenlegion. Eine sonder­bare Geschichte von ber Verhaftung eines an­geblichen Frembenlegionärs berichten Pariser Blät­ter aus Descanes'in ber Provinz Oran. Die bär­tige Genbarmerie verhaftete einen Mann in ber Um­gebung bes Ortes, ber die Uniform eines Fremden- legwnärs trug. Bei seiner Festnahme gab er an, Wilhelm Bauec zu heißen unb aus Köln zu stammen. Nach feinen Angaben hätte er nie in ber Frembenlegion gedient, sondern er trage nur bie blaue Uniform nut ben grün-roten Achselstücken, weil er gegenwärtig im Besitze keines anderen Kleides sei. Ein Kölner Kaufmann namens Mever habe ihn nach Algier geschickt, um seinen Sohn Robert, der sich für die 'Fremdenlegion habe anwerben taffen, zur Desertion zu veranlassen. Dafür habe er 500 Mark erhalten und weitere 500 Mark würden ihm gezahlt werden, wenn bie Desertion des jungen Mannes gelingen würde. Sein Vorhaben sei auch geglückt, denn Meyer sei mit seiner Hilfe desertiert. Wahrend er Mever seine Zivilkleider gegeben habe, habe er selbst besten Legionärsuniform angezogen. Tie Polizeibehcrdc fft augenblicklich mit der Prü­fung ber Angaben Bauers beschäftigt.

» Ein Kassierer der Bank von England vor Gericht. Joseph Philipps, der zweite Kassierer der Schatzverwal­tung der Bank von England, der unter der Anklage steht, 120 000 Mark unterschlagen zu haben, hatte sich vor­gestern vor dem Polizeigericht in London zu verant­worten. Die Angelegenheit wurde nach längerer Ver- Handlung dem Schwurgericht überwiesen. , .

— Gezwungene Milde. .Willy', sagt dte Lehrerin zu dem ungezogenen Jungen, „hat Dich Dein Vater, auch tüchtig verhauen, für bas, was Du gestern tn der Schule gemacht hast?' — „Nein, Fräulein', er- wieberte Willy, „er sagt, bas Prügeln würbe ihm mehr weh tun wie mir.' — „Das ist aber sehr un- recht', meint nun bie Lehrerin mißbilligend. „Dem Vater ist zu nachsichtig.' — „O nein, Fräulein", er­klärte Willy, „aber er hat solchen Rheumatismus tn beiden Armen."

Literarisches.

Deutscher Hausschav. Das soeben erschienene 22. Heft bringt: Kain und Abel. Kriminalroman von A., Hruschka. Wogendes Feld. Gedicht von Bruno Pom- pecki. Der Siegeszug des Automobils. Aus einem großen Kunstauktionsbause. Von Dr. Rosenberg. Skla­vin . . . oder Königin. Von M. Delly. Autorisierte Uebersetzung von F. von Barmen. Altes und Neues vom Mohn. Von Georg Hoerner. Im Lande der tau­send Seen. Von A. Kett, St. Petersburg. . Geheim­nisse des Meeres. Wissenschaftliche Plauderei von Dr. phil. Fr. Windolph. Heimkehr. Von M. von Weser. Die Landshuter Hochzeit 1475. Von Sofy Fuchs-Ster- mose. Wie Du . .! Gedicht von H. Raymann. Ern literarischer Skandal. Von C. Dransfeld. Himmels­erscheinungen im September 1913. lieber Wetter und Sternentemperaturen. Von Dr. Warnatsch. Litera­rische Ecke. Hausschatz-Chronik: Rundschau. Bilder- schau. — Für die Frauenwelt: Ohne Aufsicht. Von Frau Grete. — Die Mode und ihre Opfer. Von Dr. Verns. — Sparsamkeit in der Küche. — Kochrezepte. — Vermischtes. — Für die Jugend: Seppeles Ende. Eine sehr traurige Geschichte. Erzählt und muftnert von Maria Batzer. — Unterhaltung. — 48 Illustra­tionen.