Fuldaer Zeitung
ITlonats-Beiiage:
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Erstes Blatt
Freitag den 22♦ August 1913
40. Zahrgang.
Nr. 193
der Geschichte"; durch all das geh hunc ' regnare super nos — Ehr
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christus hat uns nichts
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alle Nuancen, in allen Schichten der Gesellschaft, in allen Tonarten, vom leisen, zaghaften Geständnis noch mit christlichen Traditionen verwachsenen Kreise, bis zum offenen und fanatischen Sturm gegen alles Christentum, wie ihn Nietzsche's wahnsinniger Satz kundgibt: „Das Christentum ist der große Schandfleck in
2 “ Wochen-Beilage: “ s
Illustrierte Sonntagszettung
s Ziehungslisten der preußisch-süddeutsch« Xlassen-Lotterie. — halbjährlich Taschenfahrplan, a
Erscheint «glich mit kturnohme der 5o»n- uns felertoge. viertel, j jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda sowie auswärts MO Mark. •••• Rofafionsörudt und Verlag der r s Sulbaer fktienbrudterel in Zulda. Zernsprecher Nr. 9. ::
folgt dem Kampf gegen alles Heilige, gegen das Christentum und die Kirche, die sittliche Fäulnis; Ein Gift geht durch den Organisnrus des Volkes, dessen zersetzende Arbeit uns dem Verfall entgegenführt^
mehr zu sagen! Hinaus mrt dem Kruzifix aus allem öffentlichen Leben, aus allen Straßen und Plätzen, aus Gerichtssaal und Parlament, aus Schule und öffentlichen Gebäuden — die antichristliche Wissenschaft bat sich der Universitäten — auch Gymnasien gibt es, die nicht ganz frei davon sind — bemächtigt; sie schließt den Bund mit der anderen modernen Großmacht, der Presse, um durch die Macht des Kapitalismus ihre antichristlichen Tendenzen zu popularisieren. (Beifall.) Und diese Presse, das Sprachrohr und die Schule der öffentlichen Meinung steht zum weitaus größten und einflußreichsten Teil nicht im Dienste ewiger Ideen, sondern im Dienste des Kapitals, insbesondere des jüdischen, mit Vernachlässigung, Nichtbeachtung oder nur zu offener aggressiver Haltung gegen alles Christentum. (Zustimmung.)
Auch die K u n st, „die ßmfriin Gottes", wie Dante sie nennt, die Tochter der Religion, die Himmelsrochter ist unter dem Einfluß dieses antichristlichen Geistes vielfach zur Dirne geworden, die den Stoff kredenzt, aus dem die Menschen den Rausch des Lebens und das Gift des Todes trinken. Das gilt von der Kunst insbesondere, die am meisten der Geist der Zeiten widerspiegelt, der dramatischen. Das Theater, eine Großmacht ersten Ranges im öffentlichen Leben, ist dem Christentum nahezu verschlossen. (Zustimmung.) Die am tiefsten den Menschen erfassende, die hinreißendste Kunst, die der Bühne, sollte nach Schillers Wort-und Willen eine Verstärkung der Religion und Gesetze werden und sie untergräbt dieselben, sie sollte eine Schule der höchsten Tugend sein und sie ist vielfach eine Schule des Lasters geworden, sie sollte ein Spiegel der Geschichte sein und sie ist ein Zerrbild derselben, sie sollte eine Schule der Bildung fein und, „wer erzählt uns —• um mit Molitor zu reden — .-das ganze Elend so vieler Herzen, welche geblendet von dem falschen Zauber unserer Bühne, berauscht von den Leidenschaften, die fte verherrlicht, verlockt von der Sünde, deren glänzenden Erfolg sie vorspicgelt, mit der Religion, die dort verspottet wurde, auch den Halt und Ernst verloren, um einem geistigen Verderben anheimzufallen, aus welchem es für sie kein Auferstehen gibt." (Beifall.)
Und erst das Leben! Ja, es lebe das Leben! Als ob der Zustand des Rausches eine Erhöhung der wahren Lebensfreude bedeute! Das Erwachen und die Ernüchterung konnten nicht ausbleiben. Und was sie: seihen, ist namenloses Elend. Sie haben uns eine Moral ofim- Gott und ohne Christus verheißen. Wer: an den Früchten werdet ihr sie erkennen! Und das Erkennen ist grauenvoll. Wie die Pest dem Krieg, so
(Heiterkeit.) Wer heute noch die Presse ■ für eine Erfindung des Teufels hält, die man aus den katholischen Familien möglichst ferne halten soll, der paßt in die harte Wirklichkeit nicht mehr'herein: Nicht in eine Zeit, wo die höchsten Probleme des Geistes in der Presse ausgefochten werden; Ivo eS keine Frage mehr gibt, die sie nicht in populärer Form bei dem einfachsten Mann im fernsten Gebirgsdörflein einzuschmuggeln suchte; kein Verderbnis in irgend einem modernen Sodoma. das nicht als pikante Neuigkeit aufgetischt würde. Verbrämt mit dem Schein sittlicher Entrüstung oder klug versteckt unter den üppigen Rauken des Feuilletons wird es auch dem unverdorbensten Naturkinde in breiter Schilderung mitgeteilt, gelehrt, vertraulich gemacht. Als „das tag. liche, oft das einzige Brot", bezeichnet sie Dr. Eberle in seiner beachtenswerten Untersuchung über die Macht des Kapitalismus in der Presse. Er erfreut sich hierbei der Zustimmung des Leipziger Nationalökonomen Karl Bücher. Dieser nennt die Zeitung den „Univer- sallieferanten geistiger Nahrung für ganze, große Volksschichten, der nichts anderes neben sich duldet. Politische und soziale Willensbeeiuflnssung, Unterhaltung, Belehrung, wirtschaftliche Jnteressenförderung, das alles vermischt sich mit der Nachrichtenpublikation zu einer einzigen breiten Masse des Lesestoffes, der Tag für Tag durch Tausende von Blättern dem sozialen Körper der Menschheit zugesührt wird." Als Nationalökonom denkt Bücher zunächst an die politische und soziale Willens- beeinflussung durch die Presse. Und als Katholiken interessiert mehr ein anderes Wort von ihm, „daß kaum etwas so feststehe, wie die Tatsache, daß die Presse je länger je mehr das gesamte geistige Massen-, leben der 8?öII er bestimme." (Sehr wahr!)
Wo einmal in einer Familie ein kirchenfeindliches Blatt sich eingeuistet hat, da wird der Pfarrer vergeblich predigen. Er kann es ohnedies nur einmal in der Woche nur zu einer bestimmten, nicht Jedem passenden Stunde. Das Blatt aber kann es 6- unb ,7 mal und noch öfter; und zu jeder Zeit des Tages, selbst bei Tisch und in der Ruhe. „Der Glaube kommt vom Hören," sagt der Apostel. Er hat nur mit der damaligen Art der Uebermittlung von Elaubenswahrheiten gerechnet. Wer aber nichts mehr hört und nichts mehr lieft, dem klingen bald überhaupt nicht mehr die Glocken ans Ohr. Den Weihrauchduft verdrängt das Parfüm, welches das Leibblatt in der Familie verbreitet. Und in dieser kirchlich gleichgiltigen oder gar kirchenfeindlichen Atmosphäre wachsen die Kinder heran. Und leider lesen diese öfter die Zeitung als die Eltern vermuten, und mehr heraus, als ihnen lieb ist.
Der wirksamste Missionär für Erhaltung und Verbreitung der christlichen Glaubenslehre ist daher derjenige, der mithilft, daß in jeder katholischen Familie eine, katholische Tageszeitung gehalten wird. Gewiß ist der Äonifatius-Verein absolut notwendig, um die in der Zerstreuung lebenden Katholiken der Kirche zu erhalten. Aber der Heilige Vater Pius X. mahnt bei ähnlicher Gelegenheit den Domherrn Ärdent v. Limoges: „Vergeblich würdet tfir Kirchen bauen, Missionen Salten, Schulen gründen; all' eure guten Werke, all eure Anstrengungen wären ohne Erfolg, wenn ihr nicht zugleich die Verteidigungs- und Angriffswaffe der, katholischen Presse handhaben würdet." Gewiß sind heutzutage die verschiedenen katholischen Vereine notwendig. Notwendig und ganz unschätzbar für Erhaltung des Glaubens sind auch unsere katholischen Orden. Aber diese „schönsten Früchte am Baume der katholischen Kirche" schrumpfen ein, wenn nicht „d i e Blätter" neue Nahrung zuführen: sie werden unbarmherzig abgeschüttelt beim ersten Sturme, der über daS Land dahinbraust, wenn nicht „die Blätter" vorbeugend Schutz gewähren. Ich denke, Frankreich und Portugal reden laut genug.
„Aber welches ist denn die katholische Presse, die in jede katholische Familie kommen soll?" fragen höhnend die Gegner unter Hinweis auf die bedauerlichen Streitigkeiten einzelner katholischer Preßorgane unter einander. Das deutsche Volk in seiner übergroßen Mehrheit will nichts davon wissen. (Beif.) Wir Zeitungsleute haben auch wahrlich Besseres zu tun, als uns, wie die Balkanvölker, selbst gegenseitig die Köpfe einzuschlagen wegen einiger unbedeutender „Grenzregulierungen". _ (Sehr gut und Heiterkeit.) Wir sind dazu . in der glücklichen Lage sie durch ein Schiedsgericht entscheiden zu lassen, das ist in technischen Fragen aller Art unser Augustinusverein; hinsichtlich der Streit- objekte, die Glaube und Sitte berühren, unser Episkopat, und der Papst. Wir setzen uns auch über deren Entscheidung nicht so leicht weg, wie die Balkanstaaten über die der Staiusquo-Mächte. (Beifall und Heiterkeit.) Schließlich treffen die ©treitigfeien gar nicht das Wesentliche der katholischen Religion.
Mögen die Gegner unbesorgt fein: Unser katholisches Volk weiß, was unter katholischer Presse verstanden wird. Aber selbst wenn es bei der Auswahl unter den katholischen Blätter in Zweifel geraten sollte^ das eine weiß es ganz sicher, nämlich, was die schlechte Presste ist, die in kein katholisches Haus gehört. (Sehr richtig.) „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. (Lebhafter Bestall.) Diese Früchte kennzeichnete der Literarhistoriker Adolf Bartels vor kurzem mit den Worten: „Gesittung und Sittlichkeitsgefühl, ohne die ein Volk nicht existieren kann, sind zum guten Teil schon in die Brüche gegangen. Es paßt so ziemlich alles bei uns auf die Zustände im zerfallenen römischen Kaiserreich. Mißverstehen Sie nicht," fügte er bei, „ich denke nicht, den Sittenrichter zu spielen, ich weih als Historiker, daß alle Zeiten ihre Schwächen gehabt haben: Jedoch eine so systematische Verwirrung der Begriffe über sittliche Dinge wie in unserer Zeit, ist nie und nimmer betrieben worden, nicht einmal in Frankreich vor der Revolution; konnte damals auch gar nicht betrieben werden, denn es fehlte ja das Mittel dazu, die allgemein verbreitete Presse." Professor Bartels an der Hochschule in Berlin, der Stadt der größten Intelligenz, kommt sicher nicht in den Verdacht, ein „römischer Finsterling" zu sein (heitere Zustimmung), wie der Kulturkämpfer Herr C o m b e s, der am 29. März 1908 in der N. Fr. Preffe eingestand: „Man kann ohne Verwegenheit behaupten, daß die radikale und sozialistische Presse der katholischen Kirche in Frankreich zwei Drittel, vielleicht drei Viertel ihrer Gläubigen entrissen hat." (Hört, hört!)
Respekt vor den Gegnern, die ehrlich ihre Absicht eingestehen. Größer ist die Gefahr von Seite jener, die sie vo-sschtig verschleiern ober unter dem Aushänge, schild der „Farblosigkeit" das unschuldigste Gesicht der Welt machen. Abgesehen davon, daß solche Organe, Generalanzeiger und sog. Amtsverkündiger, unserer Presse Luft, Licht und Nahrung entziehen, es gibt keine farblose Blätter. (Sehr richtig.) ES ist unmöglich, in gleicher Weise Juden und Christen, Sozialisten imb Konservativen zu gefallen, wenn man nicht die höchsten Fragen in Kirche und Staat überhaupt totschweigen will. Dann aber ist farblos — blutlos. Wer mir nichts meldet von den Leiden
60. Generalversammlung
der Katholiken Deutschlands.
Bierter Tag — Donnerstag.
X Metz, 21. August 1913.
Heule morgen sanden in allen Kirchen der Stadt heilige Meffert nach den Intentionen des Bonifatius ve rein s statt. Kurz nach 8 Uhr begann bereits die
letzte geschlossene Versammlung, die noch ein sehr großes Arbeitspensum zu erledigen hatte.
Ein Antrag auf Unterstützung der Bestrebungen des Katholischen Frauenbundes wird nach -ur- zer Befürwortung durch Prälat Dr. Pieper angeuom- men, ebenso ein Antrag auf Förderung der M r l t ta r - für sorge. Prälat Dr. Werthmann-Freiburg befur-. woxtet einen Antrag zur Förderung der Obdachlosen- und Wandererfüriorge und empfiehlt, daß in den Großstädten entweder die bestehenden Vereinigungen, wie der Vincenzverein ober ein zu diesem Zweck eigens gebildetes Komitee ihr spezielles Augenmerk der Obdachlosen-Fürsorge schenken und eventl. bje Gründung eines Asyls nach dem Kölner Muster ins Auge fassen mögen. Generalsekretär Wcybmann- Stratzburg führt aus, bei der Fürsorge sur die Wan- berarmen, namentlich auf bem Laube, müsse au bem Grundsatz festgehalten werden: Arbeit statt Almosen. Besonders wichtig sei eine Zentrale der Waiiderarmen, damit sie eine bestimmte Wanderroute einschlugen. Pater Dr. Ephrem Ricking-Dorsten betont die Notwendigkeit, die Wanderarmen zu lehren, daß sie wieder arbet- ien inib beten lernen. Vor allem bmfc man warten, bis die armen Läute in ihrer Not kamen, sondern man müsse ihnen nachgehen, fte auftuchen, in dieser Beziehung könne mar. sich an der Heilsarmee ein Beispiel nehmen. — Der Antrag wird angenommen, ebenfo .ein Antrag, de- Ui Unterstützung und Fo-oe- rung der V i nee n z v e r er n e empfiehlt.
Es folgen die Anträge des Ausschusses für christliche Bildung. Der Vorsitzende, Oberlandesgerichtsrat Marx bedauert, daß die Anträge des Ausschusses auch diesmal wieder an die letzte Stelle gekommen seien. Es dürfe nicht der Anschein erweckt werden, als ob H-ragen der Kunst und Wissenschaft auf den Katholikentagen hinter anderen zurückgestellt würden (lebh. Beifall) und deshalb sollte künftig in bet Reihenfolge der Ausschüsse abgewechselt werden. (Beifall.) Religionslehrer Dr. Kaaf-Äachen begründet den Antrag zur Forderung des Fortbildungsschulwesens. Der Antrag wird jedoch schließlich zurückgezogen, dagegen wird eut Antrag angenommen, dafür zu sorgen, baß auch in den gehobenen Volff Sschuke'U (Mittelschulen) der Unterricht auf konfessionelle Grundlage gestellt werde. Ein weiterer Antrag beschäftigt sich mit der Frage der Kinematographen-Theater. 'Gr verlangt einerseits zur Bekämpfung der Auswüchse, andererseits aber auch tm Interesse der. Verwirklichung der zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten der Lichtbilder die reichsgesetzliche Eiiisührung der zionzessionspflicht, die reichSgesetzliche Regelung der Film- und Pläkatzensur und den Erlaß von Vorschriften, wonach Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren der Besuch der Kinernatographentheater ganz verboten wird, ausgenommen die besonders als Kindervorstellungen genehmigten Vorführungen. Weiter empfiehlt der Antrag eine nachdrückliche Unterstützung der Gemeindekinoreformbewegung. Oberlandesgerichtsrat Marx empfiehlt den Antrag, der int Ausschuß eingehend durchberaten sei; es sei notwendig, den Kinematographen nach Möglichkeit so zu gestalten, daß er unfern Anforderungen entspreche. Dr. Hüttermann- Beckttm hebt den Nutzen des Kino für die Schule hervor. Der Unterricht werde durch Anschauung mit Hilfe des Kinos belebt und gefördert. Nach weiterer kurzer Debatte wird der Antrag mit einem Zufatzagtrag des Lehrers Sengelin-Sulzbach angenommen, wonach in Kindervorstellungen nur solche Nummern vorgeführt werden dürfen, die vorher von Sachverständigen-Komi- teeS, in denen Geistliche und Lehrer vertreten sein müh. ten, genau geprüft sind.
Ein weiterer Antrag, der den engeren Zusant- menschlutz der akademisch gebildeten Katholiken zur Festigung ihrer religiösen Ueberzeu- gung empfiehlt, wird" debattelos angenommen, ebenso ein Antrag, der den Beitritt zur Gesellschaft für christliche Kunst empfiehlt. Ein, Antrag auf Förderung der Bestrebungen des Borromäus-Vereins wird nach eingehender Begründung durch Generalsekretär Braun-Bonn angeonmmen, ebenso ein Antrag auf Unterstützung des Albertus-Magnus-Vereins. Damit find die Anträge des Ausschusses für christliche Bildung erledigt.
Endlich werden auf Vorschlag des Vorstands in das Zentral-Komitee gewählt: Graf Droste-Vische- ring, Erbdroste; Fürst zu Löwenstein. Fabrikbesitzer Dranbts-M.Glabbach; Verleger Franz Bachem; Rektor Brück-Bochum; Dr. meb. Burguburu-Stratzburg; Kommerzienrat Cahensly-Limburg; Graf von Galen-Mün- fier; AmtSgerichtSrat Gießler-Mannheim; Landgerichts- direkkor Groeber-Heilbronn; Prof. Hitze-Münster; Pros. Kintzinger-Metz; Oberlandesgerichtsrat Marx-Düsseldorf; Prälat Propst Nacken-Paderborn; Generaldirektor Prälat Dr. Pieper-M.Gladbach; Geh. Jusfizrat Dr. Porsch-Breslau; Generalvikar Dr. scharmer-Pelplin; Dr. Schmitt-Mainz; Grat von Schönburg-Glauchau, Wechselburg-Sachsen; Domkapitular Stadler-Würzburg; Prälat Dr. Werthwann-Freiburg; Dr. meb. Wienands- Aachen. Als Generalsekretär fungiert Domprediger Dr. Donders. — Hierauf wirb die Versammlung mit dem katholischen Gruß gefchlossen.
Letzte öffentliche Versammlung.
Mit dem katholischen Gruß eröffnet Vizepresident H»en die letzte öffentliche Versammlung, zu der auch wieder die Hochw. Bischöfe Benzler, Dr. Fritzen, Faulhaber und Allgeher erschienen sind. Er verliest zunächst ein Danktelegramm des Abtprimas Fidelis von Stotzin- gen-Beuron für die Anteilnahme der Generalversammlung am Ableben des Abts de Hemptinne. Ferner ist ein Danktelegramm der in Fulda versammelten B i - schosskonferenz eingetroffen. Es hat folgenden Wortlaut: „Die Bischosskonferenz dankt für den Ausdruck treu kirchlicher Gesinnung im gestrigen Telegramm imb segnet herzlich die Generalversammlung und ihre Herren Präfidenten. Kardinal Kopp."
Al? erster Redner sprach Abg. Gersienberger über D i e P r e s s e.
Isst es wirklich notwendig, wieder einmal auf einem Katholikentag üver die Bedeutung der Presse zu sprechen? Das hieße Soldaten nach Metz bringen.
und Sorgen meiner Mutter, der Kirche, wer ihre Großtaten in der Welt behutsam verschweigt, der gleicht dem Hehler (lebh. Beifall), der nicht warnt, wenn Gefahren drohen, nicht hilft, sie abzuwehren nicht zu raten wagt, in Bedrängnissen, nichl zu rufen, wenn wir getreten werden, der paßt nicht als Hausgenosse in meine Familie. (Wiederholter lebhafter Beifall.) Deutlicher hat niemand über solche „neutrale" Menschen geurteilt, als der Stifter der katholischen Kirche mit den Worten: „Wer nicht für mich ist, der ist wider mich; wer nicht mit mir erntet, der zerstreut." (Beifall.) Auf dein Katholikentag Koblenz 1890 sprach der in diesem Jahre verstorbene Prälat Dr. S ch ä d l e r, dem ich auch an dieser Stelle für seine Wertschätzung der Presse und seiner Tätigkeit in und für die kath. Presse ein dankbares Gedenken weihen möchte (l. Beif.), von der Gefahr, die uns aus dem Ueberwuchern der farblosen Presse drohe und zitierte den bekannten Vers: „Zum Hassen ober Sieben wirb alle Welt getrieben! 's bleibt keine anbere Wahl. Der Teufel ist neutral." Stürmische Heiterkeit und Beifall folgte diesen Worten. Der Redner mochte damals eine kleine Pause und fuhr dann fort: „Es ist ja nicht wahr. Der Teufel ist gar nicht neutral. Und auch nicht bas kleine Preßteufelchen." (Heiterkeit unb Beifall.)
Von all den guten Werken, die auf den Katholikentagen empfohlen werden, dünkt mir daher keines besser, als die Unterstützung der katholischen Presse. (Bf.) Von den wichtigen Aufgaben, deren Durchführung uns hier nahegelegt wird, scheint mir keine vordringlicher, als die Förderung der katholischen Presse. Mit ihr und durch sie werden auch alle anderen Aufgaben unb guten Werke geförbert. Denn erst bie Presse macht sie bem katholischen Volke bekannt; sie empfiehlt, verteidigt und sichert sie für die Zukunft. Darum höchstes Ziel: „In jede katholische Familie eine katholische Zeitung!" (Stürm. Beifall.)
Hieraus erhält das Wort P. Bonaventura-Berlin über das Thema:
D i e Entchristlichung des öffentlichen Lebens.
Im Zeichen des Kreuzes steht dieser Katholikentag. 1 Aller Segen geht von ihm aus. Aber in bem Jubeljahre der kirchlichen Freiheit erstrahlt das Kreuz über Rom unb der Kirche in besonderer Pracht. Heute möchte ich hier zu einem Kreuzzug aufrufen — zu dem Kreuzzug des 20. Jahrhunderts. (Lebh. Beifall.) Wir müssen uns den Umfang des Unternehmens und die Größe der Gefahr vergegenwärtigen, die in der Entchristlichung des öffentlichen Lebens vor uns liegt, wir müssen unsere Aufgabe erkennen unb unsere Waffen bereit halten zum Kampf gegen bie Entchristlichung unb wir müssen alle, jeben an ber ihm zugewiesenen Stelle, das Kreuz aufrichten unb unser Bestes leisten bis zum Ende — in hoc signo vinces! Zum Kreuzzug also im 20. Jahrhundert, gegen die Entchristlichung des öffentlichen Lebens!
Noch waren unb sind Millionen Christen auch außerhalb der Kirche und es war eine hocherfreuliche Kundgebung, die vor Jahren in Berlin 10 000 evangelische Christen in der Bekundung des Glaubens an Christ is einte und bewies, daß auch dort noch Christentum lebt. Wollte Gott, daß alle jene von dem Geiste erfüllt wären, ber aus bem Worte Kaiser Wilhe I m s I. spricht, ber einmal im Gespräch mit Bismarck über Orthodoxie im protestantischen Sinne auf die von bem Fürsten gegebene Definition, orthodox seien jene, die an Christus als den Sohn Gottes glauben, der für die Sünden der Welt am Kreuz geftorbpn ist, geantwortet fiat: Ja, ist denn jemand so von Gott verlassen, daß er daran nicht mehr glaubt! (Lebh. Beifall.)
Und doch, das Beben ber gegenwärtigen Menschheit, wie es sich nach außen kundgibt, trägt unverkennbare unchristliche, wenn nicht a n t i ch r i st l i ch e Züge. Zwar verlangt man noch vielfach beit Taufschein unb den dekorativen christlichen Einschlag bei gewissen An- lässen. Daß noch viele Kreise in Militär und Beamt en- schaft christlich erscheinen, liegt zu einem großen Teil an bem Beispiel unseres Kaisers, bem Deutschland nicht genug danken kann für sein mannhaftes Bekenntnis zum Christentum. (Lebh. Beifall.) Bei vielen aber ist ihr Christentum das, was Nordau die religiöse Lüge, eine von den Kulturlügen der Menschheit, nennt. Aber bie das öffentliche Leben bestimmenden und führenden Größen, Rächte unb Strömungen sind zum weitaus größten Teil u n ch r i ft I i ch. Sehen Sie die modernen Großmächte des öffentlichen Lebens — ich meine auch hier nicht die Großmächte int politischen Sinne — wiewohl auch in dem sog. Konzert der Mächte das Kreuz unb das Christentum auch nicht einmal eine einzige Roke zu spielen haben — unb wiewohl bie Wirren auf bem Balkan bas Hohnlachen ber nicht- christlichen Nationen auf die christlichen Völker geradezu fierausgefordert haben (Zustimmung) — ja, wenn ein Funken jener großen Gedanken unb jener edlen Begeisterung in diesen sog. christlichen Völkern geglüht, wenn etwas von jenem Wehruf nachgezittert bätfie, ber im Jafire 1453 durch Europa ging, als Konstantinopel — bie Stadt Konstantins wohlgemerkt, in der ein Jahrtausend das Christentum geherrscht, in diesem Heiligtum das hl. Opfer gefeiert unb über dessen Spitzen bas Kreuz gefunkelt hatte, wenn fte durch Schonung und Milde sich des christlichen Namens würdig gemacht hätten, — doch still davon, es ist gut, daß das Spiel zu Ende ist — nur schade um daS Menschenblut, das dafür vergossen ward (Zustimmung) — nur schade um den christlichen Namen; ich will auch nicht reden von der eisernen Notwendigkeit, die christliche Völker bi? zu den Zähnen in Waffen starren läßt, um sich vor einander zu schützen — ich weiß wohl, es ist leider notwendig — aber daß all' das bem Jbeal des Christentums entspreche, wird doch im Ernst kein Mensch behaupten (sehr richtig) —- aber das alles meine , ich nicht, ich meine jene Großmächte. die die öffentlich» Meinung bilden und das öffentliche Leben in weitem Sinne, die Großmacht Wissenschaft, bie Großmacht Presse, die Großmacht Kunst und Literatur.
All diese Mächte, irt deren Heerbann der große Menschenhaufe unserer Tage geht, selbst wieder eine Aber, tausende mit sich sortreißende unheimlich» Macht — alle die Götzen unserer Tage, bie an Stelle des einen Gottes und feines Christus getreten sind, haben ausgesprochen antichristlichc Tendenzen. Die Großmacht Wissenschaft, die die meisten ihrer Anhänger Li den Wahn geschlagen hat, als fei sie die Wahrheit, während sie — wie Faulhaber in seiner herrlichen Rede so schön gesagt hat — ja nur ein Weg zur Wahrheit sein soll, — hat längst bie Tempel des Glauben? im öffentlichen Leben niederzureißen versucht.
Der Monismus, der moderne Buddhismus, da? Freidenkertnm, die Freimaurerei, die Sozialdemokratie bedeuten wie viele athesitische ober antichristliche Bc- kennftisse, ss viele Organisationen und Verbände, deren Arbeit und Ziel die Entchristlichung des öffentlichen Lebens »st. Vom liberalen Theologen angefangen durch
Ein entsetzlich langer Zug vom Laster gezeichneter Menschen, Abertausende geschändeter Mädchen, das un» ablässig sinkende, sittliche Niveau, trotz aller Erfolgs technischer Kultur. (Lefifi. Zustimmung.) Man lacht über den Begriff „Sünde", wenn nichts mehr absolut wahr ist, ist auch nichts mefir. heilig. Alles ist erlaubst die größten Verbrechen finden Verherrlichung oder doch Interesse, eine Sittenlosigkeit frechster Art, die ungescheut in die Oeffentlichkeit bringt, das Gewand bei Kunst stiehlt, um zur Not ihre Scheußlichkeit zu decken, eine durch die ganze Skala ber Raffiniertheit getriebene Genußsucht, oft bis zu Dingen, die an die Orgien bei sinkenden römischen Welt erinnern — wahrlich, es bedarf keines Peter von Amiens, um diese Greuel zu schildern, sie sind so handgreiflich, daß nicht nur Theologen unb Pädagogen, sondern weite Kreise einsichtiger Männer die Große des liebel? zur Abwehr zwingt.
Ja einem der letzten Kriege wurde der Sproß einer altadeligen Familie, ein junger Offizier, der einzige Sohn seiner Mutter, die Witwe war, von feindlichem Kugeln durchbohrt und starb mit vielen Soldaten sei-» nes Regiments den Heldentod. Der Kommandeur gab der Mutter davon telegraphische Nachricht. Ihres Alters unb ihres enffetzlichen Schmerzes nicht achtend, reiste sie auf das Schlachtfeld. Sie wollte ihren Sohn wenigstens als Leiche noch einmal sehen. Von einem Offizier begleitet, durchwanderte sie bie Reihen bet Gefallenen, ihren Einzigen suchend. Da endlich! — Und sie kniet nieder, die Seite ihres Sohnes in den Armen und mit einer vom schwersten Leid durchzitterten Stimme ruft sie aus: „O Feind, was hast du mir geraubt, o Krieg, was hast du mir genommen!"--
Ich kenne eine Mutier mit ähnlichen Schmerzen, die zu den bas öffentliche Leben heute beherrschenden anti- christlichen Mächten sagt: „O Feind, was hast du mir geraubt! O was habt ihr uns genommen! Ihr fragt nichts darnach, was kommen wird, wenn nur wir noch unser Vergnügen haben! Warum habt ihr unfern Glauben zerstört, ohne einen Ersatz dafür geben zu können! Warum habt ihr die Ideale zertrümmert, um uns mit euren ohnmächtigen Idolen zu betrügen, warum uns den christlichen Boden zerstampft, auf dem unsere Geistesncchrung wuchs, warum den Brunnen vergiftet, aus dem wir tranken, warum unsere Kraft gebrochen, warum ins Mark des Volkes dieses entsetzliche Gift träufeln lassen! (Stürm. Beifall.) Warum habt ihr das Elend vergrößert, da- Leid vermehrt unb bem armen Volke den Heiland und Erlöser genommen? Ihr gebt uns eine verfeinert» „Seifenkultur" und wißt doch, daß sie bie Seele nicht rein machen kann. '<r weiset uns an bie Stärkuna ser Muskeln und die Pflege des Körpers, unb tut olles, um uns eine vollendete öffentliche Hygiene zu geben — und wir danken Euch — aber wir brauchen auch moralische Kraft zum Entsagen unb Opfern, Ihr beruft euch auf bie Erfolge ber modernen Kultur — und wir bewundern daran alles, was in ihr gesund, groß, frei mache — aber ihr vergeßt, daß wir eine Seele haben, und daß die Seele aller Kultur Christus ist — gestern, heute unb in Zukunft. (Tosender Beifall.) Die Jahrhunderte verkünden ihn, den Schlüssel für das Verständnis der Weltgeschichte, den Einzigartigen, nie Erreichten unb Unerreichbaren für alle Zeiten, den, ber die Welt auf allen Gebieten erneuert, der uns eine neue unersetzlich segensreiche Welk gegeben, neue Kräfte erschlossen, neue Ziele gewiesen hat. ihn, der gesetzt ist zur Auferstehung und zum Falle, je nachdem man zu ihm steht. (Wiederholter Beifall.) Hie.' Christ — hie Antichrist! _ Für Christus gegen die Mächte der Finsternis —- das ist der Kreuzzug gegen bie Mächte der Finsternis — das ist ber Kreuz- zw- hn 20. Jahrhundert, zu dem ich aufrufen möchte, t Beifall.)
Wir kämpfen nicht gegen andersgläubige Christen. Begeisterte Söhne unserer hl. Kirche, in unerschütterlichem Glauben an Jes um Christum, den
Hn;dgen: Der Raum einer einspaltigen toloneljelle, 4? mm breit, »astet löpsg. Reklamen: Der Raum einer Colonelieile, 74 mm breit, kostet 40 Pfg. Bet /Z - fj,;4,4f Wieberholungen Rabatt. Sür Offert- unb Ruskungonjeigen 20 Pf. extra. 3n
3 U IV Q CT ’SCjUJlCIJlSVlUlICt Konkursfblkn mirb ber bewilligte Rebell hinfällig, irfülluncsort für bas €in- klagen non Sortierungen Ist Sulba. flnieigen-flnnahme bis 10 Utzr vormittags. :: :: 6räßere tin,eigen erbitten wir uns tags vorher. :: 3