2. Blatt.
Druck der Sulbc« Ectieittnrt«« ™ $“:ta
M 192.
Donnerstag 2b August 1915.
);( Ein Kino-Gesetz.
Der Schrei nach dem Gesetzgeber, der von feiten aller Volksfreundc immer wieder gegenüber den ameri- lanifcbcn Einflüssen auf unsere so schnell zu großer Verbreitung gelangten Lichtbühnen erhoben worden ist, bat bekanntlich in Württemberg einen Gesetzentwurf ausgelöst, der in der Ersten Kammer des Landtages angenommen und in der Zweiten Kammer in 'einem Ausschüsse wcitcrverarbeitet worden ist. Tie ,„Natl. Korrespondenz" macht allerlei Mitteilungen über den Inhalt dieses Entwurfes:
Nach dem Entwurf können zu'öfMtlichen Lichtspielvorstellungen nur solche „Bilderstreifen"— so wird der Film verdeutscht — verwendet werden, die von der hierfür bestimmten Landesstelle geprüft und zu- gelassen sind. Es wird darüber eine Prüfungskarte ausgestellt. Ausnahmen von dieser Vorschrift sind zulässig für Bildstreifen, die schon von anderen Polizeibehörden geprüft und zugelafsen sind. Tie für Württemberg vorgesehene Einrichtung schließt sich an die seit 1. April 1912 in München bestehende Landes- stellc an, und zwar ist beabsichtigt, bei der demnächst zu errichtenden Landcspolizeizentrale einen oder zwei höhere gebildete Polizeibeamte nebenamtlich mit der Prüfung der Bildstreifen zu betrauen. Die Zulassung eines Bildstreifens ist zu versagen, wenn seine öffentliche Vorführung „geeignet ist, die Gesundheit oder Sittlichkeit der Zuschauer zu gefährden oder eine verrohende und die Phantasie aberreizende oder den Sinn für Recht und für öffentliche Ordnung verwirrende oder abstumvfende Einwirkung auszuüben." Für einzelne Bildstreifen kann bestimmt werden, dasz sie für Personen unter 16 Jahren nicht vorgeführt werden dürfen. Ebenso sind Bildstreifen ausgeschlossen, die die Augen der Zuschauer durch übermäßiges Flimmern zu schädigen geeignet sind.
Das Gesetz selber scheint danach mit juristisch einwandfreien Begriffen tu operieren. Ob inan das von der Begründung der Vorlage sagen kann, scheint nach den Mitteilunge:: der genannten Korrespondenz nicht so ganz sicher; danack droht vielmehr ans diesem Gesetz eine jener Buntscheckigkciten, die auf anderen Gebieten soviel Aergcr erregen:
Nicht jeder Film, in dem ein Verbrechen oder ein Selbstmord, eine vereinzelte grobe Gcschmackslosigkeit ■ ober ein derber Scherz vorkommt, fall ohne weiteres :git den „Schundfilmen" gerechnet werden. Der Schutz ! gegen eine übertriebene Splitterrichtcrei müsse, so wird in der Bearünduna ansgeführt, in dem gesunden Sinn der sorgfältig auswäblendeu Sachverständigen gefunden werden. AIS Sachverständige, deren Rat die polizeiliche Prüfungsbehörde einzuholen hat, kommen insbesondere Aerzte, Lehrer, Pfarrer, Redakteure, Organe der Schul- oder Kommunalverwaltuirg, Geschworene, Schöffen usw. in Betracht. Will ein Unternehmer Jugendvorstellunaen veranstalten, so hat er das in der Anzeige anzugeben und die Zeit des Beginnes solcher Veranstaltungen, sowie die vorzn- sührenden Bilder besonders zu benennen. Es ist darauf hinzuwirken, daß in den I u g e n d Vorstellungen in vernünftiger Abwechslung mit Bildern unterhaltenden Inhalts auch wissenswerte Vorgänge belehrenden Inhalts vorgesührt werden. Jugendvor- stellungen dürfen nicht länger als bis 8 Uhr abends dauern. Zu öffentlichen Lustspiclvorstellungen, die nicht als Jugendvorstellungen anerkannt sind, dürfen jugendliche Personen nur in Begleitung ihrer Eltern oder sonstiger aufsichtsbercchtigter Personen und auck nicht länger als bis 8 Uhr abends zugelassen werden."
Ohne Sachverständige wird man natürlich nicht auskommen. Aber sobald die Sachverständigen in München anders denken als in Berlin oder Stuttgart, Hilst den Theatcrbcsitzcrn die Sachkunde der Sachverständigen nichts: denn dann setzt cs wieder Scherereien für die Theaterbureanr ab, die vielfach unangenehmster Natur sein werden.
Aus dem Grunde scheint die reichsgesetzliche Regelung der Sache für das ganze Reick dringend aebotcn. Dafür spricht übrigens auch schon die finanzielle Seite der Sache; denn Warum soll man den Lichtbildtheatern, die sich doch mehr und mehr zu einem wichtigen Bildungsfaktor entwickeln, die Kosten der zweimaligen Prüfung auferlcgcn?
Noch durchgreifender ist übrigens der Vorschlag auf Schaffung eines Rcichsfilmmonopols, der von der „Sozialen Kultur" kM.Gladbach, Volksoerein) angeregt totrb., Danach sollen alle Films von einer staatlichen Gesellschaft bezogen werden müssen. Ob das Aussicht auf Verwirklichung hat, steht allerdings dahin.
Das Münchner Kinöl.
72] Roman von Felix Nabor.
Noch einmal empörten sich sein Stolz und sein , Trotz gegen diesen Ewigen, Allmächtigen, lehnten sich I auf gegen diese Gottesmacht — dann aber gab er es auf, wider sie zu kämpfen, denn ein Windstoß erfaßte ihn und sein Luftschiff und trug ihn in ein Meer von Nebeln und Wolken hinein, so leicht und spielend, als wäre sein Apparat ein kleiner Papierdrache tn eines Kindes Hand.
1 Es blieb ihm nichts anderes übri;. als den „Adler" im Gleitflug niedergehen zu lassen. —
' Nm ihn her war nichts als grauer Nebel, Wind- (Böen, kalt tote Nordwinde, peitschten sein Gesicht, und l jetzt prasselte eisiger Regen auf ihn nieder, der gleich Eisnadeln stach, gletch einem Hagelschauer auf seinen Kopf, auf Arme und Schultern schlug
i „Exzelsior!" schrie er zornig und faßte noch ein- mal noch dem Höhensteuer. Der „Adler" sprang an ein lauter Knacks und Knall, der wie der Schuß einer Kinderpistole zu Härdps Ohr drang, ein Zittern und Schwanken — dann sank der Sturmvogel zurück, 'glitt wie ans einer schiefen Ebene abwärts —
i „Ruhig Blut!" schrie sich Hardh selbst zu, „sonst ist alles verloren." Und es gelang ihm auch, wieder Herr über sein Flugzeug zu werd°n, so mie ein Reiter sein wildgewordenes Roß bezähmt. In großen, weiten Kreisen glitt es hinab *** die Tiefe, aber neue Sorge erfüllte ihn; an dem einen Motor schien irgend etwas in Unordnung geraten zu sein, er ar- beitete nicht mehr so ruhig und gleichmäßig, und der 'eine Propeller bewegte sich stoßweise und erinnerte an den krampfhaften Flügelschlag eines todwunden 'Vogels.
L Eine jähe Angst packte ihn. Nur fort aus diesem grauen Wolkenmeer! Hinab zur Mutter Erde! Doch 'es schien ihn nicht zu lassen, hielt ihn wie mit unsichtbaren Armen fest. Und ein Donnern und Tosen 'drklang aus der Höhe und von allen Seiten, ein Rollen und Dröhnen, als stürzten Welten über ihm zu- sammen. Waren das Natur- oder Limmelsstimmen?
Ausland.
** Ein politisches Duell sand in Budapest zwischen dem Ministerpräsiden'en Grafen Tisza und dem Markgrafen Georg Pallavicini statt, bei dem beide Duellanten leicht am Kopse verletzt wurden. Die Ursache des Duells war, baß Markgraf Pallavicini den Grasen Tisza beschuldigt hatte, er habe in dem Prozeß Lukacz-Desy versucht, Zeugen zu becin- flussen. Die Gegner versöhnten sich.
** Große Manöver der englischen Mittelmeersloite werden im September in der Nähe von Tetuan (Marokko) ajchchalten werden. Im Anschluß daran besteht die-Absicht, eine erhebliche Verstärkung der in Gibraltar stationierten ,flotte eintreten zu lassen. Das dortige Geschwader wird sich vorerst aus vier Dreadnought-Schlachtkreuzern, vier Kreuzern von „Herzog von Edinburgh"-Typ, zwei Kreuzern der „Cily"- Klasse, 16 Torpedobooten und 3 Unterseebooten zu- sammensetzeu.
Lokales.
Fulda, 21. August 1913.
= Bischofs-Konferenz.
Die Schluß and acht der Bischosskonserenz findet heute abend zwischen 6 und 7 Uhr in der Bomfatius- gruft statt. Der Beginn der Andacht wird kurz vorher durch das Domgeläute angekündigt.
X Tas Fuldaer Gaswerk kann im kommenden Herbste auf ein 50jähriges Bcsteh e n zurückblicken. Das Anlagekapital, mit dem es im Jahre 1863 errichtet wurde, betrug 156 000 Mark. Die Anstalt speiste anfangs nicht ganz 800 Privat- und 160 Straßenflammen. 1875 war die Zahl der öffentlichen Laternen erst auf 184 gestiegen, 1903 auf 425. Heute sind es rund 700 öffentliche Gas-Laternen, die unsere Stadt erhellen. Aus den 17 383 Zentner Kohlen, die 1874 vergast wurden, gewann man damals 187 286 Kubikmeter Gas; im Jahre 1893 aus 24942 Zentner 359432 Kubikmeter; im Jahre 1903 aus 71844 Zentner 1039000 Kubikmeter und 1911 aus 92000 Zenincr 1404300 Kubikmeter Gas. Die Gejamtlänge der Hauptstraßeilleitung betrug 1879 10600 Meter, 1893 rund 13000 Dieter, 1903 21895 Nieter und heute rund 25000 Meter. Der Gaspreis war anfänglich (bis 1878) 31,8 Pfennig für das Kubikmeter, ging dann bis auf 22 Pfennig im Jahre 1886 herunter. Im Jahre 1891 kam dann noch Heizgas hinzu. Der Preis wurde jetzt für Leuchtgas auf 20 und für Heizgas auf 18 Pfennig festgesetzt. Später ging der Heizgaspreis auf 13 Pfennig herunter und blieb nach kurz vorübergehenden Erhöhungen auch auf dieser Höhe stehen. Seit 1906 wird auch Automatengas abgegeben. Es kostet hier das Kubtkmeter 18 Pfennig. Im Lause der 50 Jahre seines Bestehens erfuhr das Werk entsprechend der Entwickelung der Stadl Fulda mannigfache Erweiterungen. So wendete die Stadt für Vergrößerungen in den 70er Jahren rund 50000 Mark auf. Ter große Umbau in 1901 kostete rund 313000 Mark und die Erneuerung der Rohrstränge 1906 — 1907 rund 91000 Mark. Der Reingewinn des Werkes war 1877 10035,97 Mark, 1893 betrug er 23 372,60 M., 190343 314 M. und 191156527,40 Mark. Zum Leiter des Werkes war von 1875—1902 Gaswerks- birettor Schramm bestellt, bet sich um die Entwickelung des Werkes sehr verdient gemacht hat. Mit dem 1. Mai 1902 wurde als Gaswerksdirektor M. Mewes aus Neu-Ruppin, bisher Leiter des Gaswerks in Langendreer berufen.
£s Wegen der Rückzahlung der einmaligen Kanal« beiträge mit Zinsen, die von den städtischen Körp r- schaftcn beschlossen worben ist, sind in letzter Zeit sehr viele Anfragen beim hiesigen Grund- und Hausbesitzer-Verein eingegangen. Dem Drängen seiner Mitglteber nachgebend, beschloß der Vorstand nun in seiner gestrigen Sitzung, Formulare herstellen zu lassen und in der Geschäftsstelle zu verteilen, durch die beim Magistrat innerhalb türzester Frist die Rückzahlung der Kanalbeiträge mit Zinsen verlangt, gegebenenfalls Klageantrag gegen die Stadt erhoben wird. — Wegen Beseitigung der gemeinen Wertstener hatte der Verein bei auswärtigen Hausbesitzervereinen über die in ihren Orten übliche Praxis die Besteuerung nach dem gemeinen oder Rutzuiigswert durch ein Rundschreiben Erkundigungen eingezogen. Die vielen eingegangenen Antworten sprechen sich saft alle gegen die gemeine Wertsteuer aus und stehen fo in Einklang mit den Bestrebungen des hiesigen Vereins. — Hinsichtlich der im November stattfindenden Stadtverordnetenwahlen wird sich eine eigens hierfür gewählte fünfgliedrige Kom-
Nie batte er so furchtbare Töne gehört; sie klangen ihm ans Ohr tote tausendstimmiger Posaunenschall und wiederholten immer nur den einen furchtbaren Stuf: „Wer ist wie Gott?"
Er biß die Zähne aufeinander, um nicht aufzuschreien. „Das ist Gottes Hand, die mich schlägt!" dachte er und steuerte abwärts. Aber die Stimmen verfolgten ihn — und er atmete erst wieder auf, als er die Wolkengebilde wie ein zürnendes majestätisches Antlitz über sich sah. —
Er stieg langsam zur Erde hinab; langsam enthüllte sie ihm ihr gütiges Antlitz und er jubelte auf: „Dorr ist mein Platz!"
Er sah Wälder, einen silberschimmernden Fluß, sah Menschen, Menschen! — Brüder! — eine Stadt!
Von unten aus erschien der „Doppeladler" wie ein kleiner, schwarzer Punkt, der immer größer wurde — erst tote eine Schwalbe, dann tote ein Häher, jetzt tote eilt Schwan — und nun wie ein riesenhafter Adler.
Die Menschen sprangen von den Tribünen auf, streckten die Arme empor, richteten die Gläser zum Himmel, schrien, tobten, jubelten.: „Er kommt! — Er kommt! —"
Und zwei Elternherzen zitterten in banger, namenloser Furcht: „Wird es gelingen?"
Automobile sausten über das Flugfeld hin, auf den Tribünen erhob sich ein tobender Lärm, von ollen Seiten strömten Menschen nach dem Flugplatz, um den kühnen Lustschisser landen zu sehen.
Die ganze Einwohnerschaft Berlins schien sich hier ein Stelldichein gegeben zu haben.
Und der „Adler" ging indessen im Steilflug nieder; jetzt waren seine Umrisse mit bloßem Auge erkennbar.
Hardh von Sandow spannte alle Kräfte an. Er gewahrte, wie die Motore unregelmäßig arbeiteten, füllte Benzin nach, faßte wieder das Steuer.
Run kam das Schwerste — das regungslose Schweben an einem Punkte! Wenn es gelänge! —
Er holte erst tief Atem, dann löste er mit fester Hand einen Hebel.
Der -Adler" hielt inne, wie ein Pferd mitten
Mission mit dem Zentralwahlkomitee in Verbindung setzen.
;; Mittclschullehrer-Kursus. Wie uns zu unserer gestrigen Notiz mitgeteilt wird, beträgt die Zahl der Teilnehmer in dem 2. Semester zwar nur 46 gegen 59 im ersten Semester. Aber dieser Rückgang erklärt sich daraus, daß vornehmlich eine Anzahl von Damen, welche, ohne ein Examen zu beabsichtigen, zu ihrer weiteren Fortbildung den Kursus eine zeitlang zu besuchen gebachien, auf die weitere Teilnahme am Kursus verzichtet hat. Ein Rückgang in den nächsten Semestern war übrigens angesichts der weiten Entfernung des Wohnortes mancher Teilnehmer von vornherein zu erwarten.
-y- Die drahtlose Uhr von Ford. Schneider Fulda war vorige Woche in Berlin ausgestellt, wo sie durch eine Reihe von Fachleuten besichtigt wurde. Veranlassung der Ausstellung war eine an der Uhr durch Herrn Schneider angebrachte Verbesserung, die darin besteht, daß d e drahtlose Empsangsuhr und die an» geschloffenen Rebenuhren auch dann weiter gehen, d. h. also nickt stehen bleiben, falls die elektrischen Wellen von der Sendestation ausbleiben mürben. Eine an der Uhr angebrachte- Vorrichtung schallet sich selbsttätig ein, sobald die dirigierende Welle, welche jede Minute von der Zentralstelle abgegeben wird, nicht eintreffen sollte. Dadurch wird der Gang der drahtlosen Uhr und Rebenuhren ungestört ausrechterhalten nur mit dem Unterschied, daß alsdann die Minuten-Korrcktion der elektrischen Wellen ausbleibt. Damit ist nun erreicht, daß der Betrieb der drahtlosen Uhren störungsfrei aufrecht erhalten wird selbst bann noch, wenn die Sendestationen auf Taoe außer Dienst treten müßten. Zur Besichtigung der Uhr war and) eine Vertretung des Kriegsministeriums erschienen. Tas Urteil der Fachleute lautete für das System sehr günstig.
Der Rückgang der Bieh-chlachtitngen, der sich vor allem auch für die Fuldaer Schlachthofkasse durch den erheblichen Gebührenausfall (Voranschlag für 1913: 82656 Mk.) unangenehm bemerkbar macht, ist im ganzen Reiche zu beobachten. In den Vich- schlachtungen des Reiches hat auch im 2. Quartal dieses Jahres wieder ein erheblicher Rückgang statt- gesunden. Bei Ochsen, Jungrindern und Kälbern war der Konsum so gering wie noch niemals seit 1905, in dem die amtliche Fleischbeschaustatistik begann.
= Der Ausbruch unseres Artillirie-Regimcnts in-5 Manöver wird am kommenden Dienstag vor sich gehen. Die Verladung der Pferde und Geschütze erfolgt am Dienstag abend. Nachts verläßt dann die Mannschaft in Sonderzügen ihre Garnison, um in Thüringen Manöverfreuden zu kosten.
= Zum Antritt einer viettvöchenllichcn Neseivcübuitg hatten sich gestern 48 Reservisten aus den Kreisen Fulda und Gersfeld auf dem hiesigen Meldeamte zu sammeln. Die Uebung wird beim Infanterie - Siegt« mente Nr. 166, früher in Hanau, jetzt in Bitsch in Garnison, abgcleistct. Die Abfahrt erfolgte gestern abend 647. Insgesamt sind zu diesem Regiment 250 R.ffervisten eingezogcn worden. Am Freitag früh geht es tn das Manöver, das in der Nähe der französischen Grenze stattsindet.
— Seine 8. Lokal-Ausstellung veranstaltet am 24. August 1913 der Kaninchen-Zuchtverein Fulda in den Räumen der „Harmonie".
△ Leute, die nicht gesät haben, suchen sich jetzt gleichfalls an der Ernte zu beteiligen. In der oer- gangenen Nacht wurden von einem Grundstücke längs der Ostmauer des mittleren Friedhofes eine erhebliche Menge Kartoffeln gestohlen.
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Ans dem Nachbargebiete.
* Bad Salzschlirf, 20. Aug. 1913. Die Gesamtzahl b er Kurgäste im Sommer 1913 beträgt jetzt 5438.
* Hünfeld, 21. Aug. 1913. Tie Sperrung der Hanau-Vachaer Straße von Hünfeld bis Neuwirtshaus wurde bis zum 24. d. Bits, verlängert.
* Aus der Rhön, 20. Aug. 1913. Die „Kreu z- bergwalleut" haben heute früh von Würzburg ihre alljährliche Wallfahrt zum Kreuzberg (Rhön) angetreten. Abends treffen die Wallfahrer in Euerdorf ein, wo übernachtet totrb. Morgen nachmittag erfolgt die Ankunft auf dem Kreuzberg und am Sonntag abend treffen die Wallfahrer wieder in Würzburg ein. — Dr. v. Brettreich, Kgl. Regierungspräsident und Staatsminister a D., der zurzeit auf Urlaub in Brückenau weilt, stattete der Stadt Brückenau einen Besuch ab. Er besiG- tigte das Kgl. Bezirksamt, den Siebener Sprudel nebst Badeantagen und Badehaus, die neuerbaute Synagoge, die am Freitag ihrem Zweck übergeben
tm Sprung! Ein Kreischen und Knirschen einem gellenden Schreie gleich, drang aus dem kreisenden Räderwerk — es klang wie ein verztoeislungsvoller Todesschrei!
Dann aber sauste der „Adler" tote ein vom Him- m.l geschleuderter Stein, blitzschnell, zur Tiefe! —
Hardh von Sandow war noch ein paar Sekunden bei Besinnung. In der ersten stöhnte er: „Das ist Gottes Hand, die mich, den Frevler, schlägt! —"
In der zweiten warf er die Arme zum Himmel empor und schrie in wahnsinniger Angst: „Mein Gott! —"
Tann schwanden ihm die Sinne.
Unten auf dem Flugfeld liefen die Menschen schreiend und weinend durcheinander. „Er stürzt! — Er stürzt! — O Jammer! — o Schrecken!"
Ein tausendstimmiger Schrei schallte zum Himmel empor. Wie ein Stein sauste der Apparat zur Erde, gleich dürren Zweigen splitterten die Propeller, die ?>< otoren bohrten sich in den Sand, die Flügel des „Adlers" zuckten und zerbrachen — ein Menschen- lorper wurde im weiten Bogen zur Erde geschlen- dett. —
Auf einem Sandhügel lag Hardh von Sandow, der trutzige Himmelsstürmer, tot — mit gebrochenem Genick.
XIX-
Tie Sonne ist Siegerin geworden über den grauen Tag und über die Nebel, die in den Talern und in den Tiefen brauten. Hoch und glänzend steht sie am Himmel und ihre Strahlenarme umspannen die ganze Welt: sie ist das Auge Gottes, das voll Majestät und voll Liebe auf bic Erde herabblickt!
Und hoch wie Gottes Himmel sind seine Werke und seine Gedanken überragen der Menschen Gedanken so hoch, wie die Sonne über der Erde steht. Und unser Wissen ist Stückwerk. Wer da vermeint, über Gott zu sein, ist ein Tor — oder ein Kind, das mit seiner Kind ersauft einen Berg stürzen will!
Klein und schwach ist der Mensch bet all seiner Größe und so große Taten er auch vollbringt: Unsterblichkeit gibt es für ibn ans Erden nickt! Sondern
wird, das Schlachthaus, die Schitle und das St. Ge> orgir« tter-Hospital.
)( Ans »ent Kreise Geissel», 21. Slug. 1913. Von der am 20. April d. Js. erfolgten Gründung eines KreiZ-Bienenzüchterverbandes Gersfeld hat unser Herr Landrat, der die edle Bienenzucht als .die Poesie der Landwirtschaft" auffaßt, mit Interesse Kenntnis genommen. Bis jetzt sind dem Verbände die Bienenzüchtervereine von Hilders und Umgegend, Wüstenfüchsen und Lütter beigetreten. Nachdem die Wiederbegründung der bereits früher bestehenden Jmkervereine von Gersfeld und Poppenhausen vor sich gegangen ist, werden auch diese der Kreisvereinigung beitreten. Daß die vor drei oder zwei Jahren, ins Leben getretene Bi.nenzüchtervereine von Hilders und Wüstensachsen sich die Hebung und Förderung ber Bienenzuckt in der hecken Rhön haben angelegen fein lassen, geht baraii- er vor, daß die Mitglieder der ersteren im Jahre 1912 314 Bienenstöcke aus- un» 427 e ui gewintert und diejenigen des letzteren 132 Völker aus- und 195 eingewintert haben. ,Bei ber vorjährigen Hvnigernte, die in unserer Rhön- geger.b nur mittelmäßig ausgefallen war, wurden durchschnittlich 15 Pfund Honig auf das Volk erzielt. Bei der nächsten Sonntag, den 24. d. Mts., nachmittags 1lt3 Uhr im Gasthause „Zum deutschen Kaiser" in Gersfeld stattfindenden zweiten Vertreter- Versammlung der Kreisbienenzüchtervereine soll u. a. die endgültige Vorstandswahl vorgenommen werden.
* Soden (Kr. Schlüchtern), 20. Aug. 1913. Der Magistrat hat die Stelle eines Stadtförsters ausgeschrieben, die zum 1. November d. I. zu besetzen ist. Das jährliche Gehalt beträgt 1200 Mark, steige: b von brei zu brei Jahren um 120 Mark bis zum Höchstbetrage von 1800 Mark. Außerdem wird eine Mietsentschäbigung von 200 Mark pro Jahr gezahlt unb ber Stellen-Jnhaber erhält 12 Raummeter Kuchen-Knüppelholz gegen Erstattung der Werbllngslosten. Die Anstellung erfolgt sofort aus Lebenszett mit Ruhegehaltsberechtigung und Hinter- bliebenen-Versorgung. Gesuche sind bis zum 11.1 Oktober an den Magistrat einzureichen.
u. Neu-Zsenburg, 20. Aug. 1913. Aus Liebeskummer sprang die hier geborene Büglerin Göringin Frankfurt aus dem Fenster ihrer Wohnung unb verletz-e sich dabei fo schwer, daß sie nach Inner Zell starb.
* Hanau, 20.-Aug. 1913. In den Steinbrüchsn im Bruchköbeler Walde hat sich ber 15 Jahre alte Lehrjunge Hoch ertränkt. Der junge Mann toar als Lehrling in einer Gärtnerei beschäftigt. — Falsche Zehnmarkstücke, sehr schleckt nachgemacht, würben in zwei hiesigen Geschäften in Zahlung gegeben.
* Offenbach, 21. Aug. 1913. In Offenbach rotttbe; gestern in einer Herberge ein Arbeiter namens Kunkel, ber sich im Bett versteckte, festgenommen. Man hack ihn im Verdacht, mit dem Raubmord an dem Holzgroßhändler Dr. Brecher in Verbindung zu stehen. , J
r Franksurt a. M„ 20. August 1913. Aus Anlaß seines diamantenen Doktorjublläums wurde Dr." Theodor Neubürger, der bekannteste Frankfurter Arzt heute znrn Professor ernannt. — Die Administration der Senckenberg-Stiftung ernannte aus Anlaß ihres 150jährigen Bestehens ihren Hospital-, meister (Sbelung jitnt Verwaltungsdirektor und den bisherigen Hitssbibliothekar der Senckenbergischen! Bibliothek, Dr. Rauschenberger, zum Leiter dieses; Instituts. Der König verlieh den Mitgliedern der Stiftung Tr. Röbiger und Dr. Ebenau den roten Slblerorben dritter Klasse und Sanitätsrat Dr. Baer« wfndt den roten Ülblcrorten vierter Klasse. — Mit dem Neubau desKruppelheimsfür den Regierungs« bezirk Wiesbaden ist begonnen worden. Die Anstalt: erhält ihren Platz am Schleufenrneistergehöft bei Niederrad. j
* Kassel, 21. Aug. 1913. Zum 111. Geburtstage Friedrich Wilhelms L, des letzten Kurfürsten von Hessen, prangten gestern die fürstlichen Gräber auf dem Lutherplatze int reichen Schmuck von Kränzen unb Palmenztoeigen, die von den Hinterbliebenen des verstorbenen Kurfürsten und alten Freunden unb Anhängern des Kurfürstlichen Hauses auf den Hügeln medergclegt wurden.
* Kassel, 21. Aua. 1913, Aus Anlaß ber_$au« sendjahr-Feier fällt der Unterricht in den Schulen am 27. und 29. September aus. — Die Eröffnung des hessischen Landes-Museums für das' Publikum findet am 31. August statt. Das Museum wird offiziell die Bezeichnung »König!. Museum Fridericianum tHefsisches Landes-Museum)* führen. — Die Gewerkschaft .Wilhelm-Höhe" veröffentlicht ein Gut- achten des bekannten Geologen Professor Bcyschlag, der dringend ernt siehst, die Bohrungen in Wil- heimshöhe, die jetzt eine Tiefe von 839 Meter erreicht haben, bis in den Platten-1 olomit fortzusetzen.'
nur ein Sterben, ein Versinken ins Grab — erst dann erblüht der Seele ein neues Leben! lieber allem Erschaffenen aber thront Gott — von Ewigkeit zu Ewigkeit!
Ob sie es glauben ober leugnen, die Zweifler, die Gottverächter — er besteht und seine Hand ist über uns. Denn der Mensch ist nur Staub und wird zu Staub werden. Jedem ist eine Grenze gesetzt, wo alles irdische Schaffen und Wirken aufhört!
Hardh von Sandow, der trotzige Himmelsstürmer- hat diese dein Menschen gezogene Grenze überschreiten ioollen und ist daran zerbrochen.
Im Atelier ber Sanbowschen Billa, too noch immer der festessrohe rotsamtne Tempelschmuck prangte, war Horbhs Leiche ausgebahrt. Trauer toar eingekehrt in dem Hanse, bas noch vor kurzem so frohe Feste, so stolze Siege gefeiert hatte.
Die Flagge wehte "auf Halbmast wie beim Tode eines gefallenen Helben, ber auf dein Schlachtfelde gestorben war! — lind toar es nicht ein Schlacht- felb, ruf dem er fiel? Eine utoberne Arena?---
Unb fiel er nickt tm ritterlichen Turnier, ein mutiger Kämpfer für eine große Sache? —
Friede den Toten! — Keine Anklage, kein Vorwurf im Angesichte ber Majestät des Todes! — Kein Urteil — oder doch ein mildes, versöhnendes: denn Gott ist die Liebe! —-
Noch liegt der Stolz einer großen, wenn auch mißglückten Tat auf seiner Stirne, und die Menschen die ihn bei seinem Todessturz gesehen haben, nennen ihn einen Märtyrer der neuen Zett. In seinen Zügen sicht aber noch etwas anderes geschrieben: ein grenzenloses Staunen, gleich als habe sich ihm ein Wunder offenbart, gleich als habe er ber Gottheit ins Antlitz geblickt! — Unb nun verkünden diese Züge ein Erkennen und ein Glauben, nun hat dieses unruhige Herz endlich Ruhe gesunden — und Frieden!
Zu Hänpten der Leiche stand das Bild des Opern. Hauses noch immer auf der Staffelei, jenes Werkes, das Hardys Leben hätte krönen sollen, und das ihm zunt Verderben geworden war. —
(Fortsetzung folgt,