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Zuldaer Zeitung.

2. Blatt.

vrua ocr xulöcer Actien-rmierei in Fulda.

JV? 191.

Mittwoch 20. August 19X3.

Frankreich nn- Rußland.

Das Bündnis zwischen Rußland und Frankreich macht gegenwärtig eine kritische Stunde durch, und die Presse der beiden Länder verschärft noch die Mei­nungsdisserenzen, die zwischen Paris und Petersburg bestehen. Bis vor wenigen Tagen noch war die Di­plomatie der dritten Republik eine willfährige Die­nerin des Panslavismus; die großen Blätter von Paris „Temps", Journal des Debats", „Echo de Paris" wetteiferten miteinander in Liebedienerei ge­genüber Petersburg und dessen Politik. Wer gestern noch die geheimsten Absichten Rußlands kennen lernen wollte, der mußte die Pariser Zeitungen lesen, die von Iswolski ihre Direktiven und auch noch anderes nahmen.

Jetzt hat sich plötzlich die Sache von Grund auf geändert. Die Pariser Presse mit dem, Organ Cle- menceaus ,,l' hommo libre" an der Spitze greift die russische Politik aufs heftigste an. Die russischen Blät­ter — von der „Nowoje Wremja" und vom „Rjetsch" geführt — antworten womöglich noch in heftigerer Weise und treiben ihren Groll soweit, eine Revision des französisch-russischen Bündnisses zu verlangen. In dem Bündnisvertrag zwischen Rußland und Frank­reich findet sich ein Artikel, der bestimmt, daß Frankreich die russischen Pläne in dec Orient Politik unterstützen müsse. Frankreich sei von diesem Schrift nur dann befreit, wenn fran­zösische Interessen direkt berührt werden sollten. Die Ueberredungskunst des Herrn Delcasss wird schwer­lich imstande sein, den Herren an det Newa begreif­lich zu machen, daß Frankreich in dem Streit zwischen Bulgarien und Griechenland direkt uninteressiert sei. Gegenwärtig ist Frankreich vor-die Entscheidung ge­stellt, entweder das Bündnis mit Rußland aufzuge­ben oder die russische Politik zu unterstützen. , Das Bündnis mit Rußland kann aber Frankreich nicht so sehr aus politischen als vielmehr aus finanziellen Gründen unmöglich aufgeben. An dem Tage, da Frankreich den Bündnisvertrag kündigen würde, würde sich die französische Republik vollständig isoliert sehen, was die Herren am Quai d' Orsay unmöglich wollen können. Es bleibt also nur eines übrig, die russischen Wiinsche weiter zu erfüllen. Es drängt sich nun die Frage auf: Warum bat Frankreich so plötz- lich seine Stellungnahme den Balkanfragcn gegenüber geändert. Die Antwort fällt nicht schwer: Die Angst vor Italien hat Poincare bewogen, sein Verhalten so radikal zu ändern.

Als nach dem deutsch-französischen Abkommen in der Marokkofrage bekannt wurde, daß Frankreich Deutschland den Kongo überlassen habe, da war die französische öffentliche Meinung äußerst empört und drohte mit Revolution. Um sie zu beruhigen und sich die Gunst der Massen wieder zu erobern, mußte etwas geschehen. Von Deutschland den Kongo zu- rückzuverlangen, das ging nicht. Es mußte also ein anderes Mittel ausfindig gemacht werden, um die Chauvinisten zu beruhigen. Poincarß verfiel nun auf die Idee, Italien anzuremveln. Die Affäre der „Manowa" und der „Carthago" kamen wie gerufen. Den Franzosen stieg wieder der Kamm und Poin- carg ließ keine Gelegenheit vorübergehen, um Italien zu sticheln. Aber Italien, das sich bewußt war, daß Poincarö mit seiner Politik nur die Losreißung Jta- liens vom Dreibünde bezwecke, ließ Frankreich schreien und erneuerte den Vertrag mit seinen Bundesge­nossen. Um diese Niederlage zu decken, warf sich Poincar« Griechenland in den Arm, um durch ein Bündnis mit dem hellenischen Königreich die italie­nische Mittelmeerpolitik mit Erfolg zu bekämpfen.

Auf der Londoner Botschafterkonferenz bot der Franzose Eambon alles auf, um den österreichisch­ungarischen und italienischen Vorschlag zu Fall zu bringen. Aber den Dreibund blieb dank der korrekten Haltung Englands und Rußlands Sieger und zwang Eambon zur Kapitulation. Der Gegensatz zwischen Paris und Petersburg kam nun offen in der Kawcil- lafrage zum Ausdruck. Man ist hier bereits der An­schauung, daß die Politik Poinearös große Gefahren bedeutet. Man wirft ihm vor, daß er durch seine chauvinistisch-imperialistische Politik in wenigen Wo­chen die langjährige Arbeit Barreres zerstört habe, dec sich als Aufgabe eine Annäherung zwischen Ita­lien und Frankreich gesetzt hatte. Diesbezüglich schreibt die „Croix": „Tie französische Regierung ist scharf zu tadeln: sie hat im Jahre 1903 in brüsker Weife mit dem Vatikan gebrochen, um sich die Gunst des Quirinals zu erringen. Was hat uns dieser Tausch gefruchtet? Es hat Tripolis dem Italiener und uns den Haß Italiens eingetragen. Der Orient geht für uns immer mehr verloren. Aber nicht ge­nug an dem, Rußland verlangt kategorisch, daß Frankreich sich dem russischen Staate unterwerfe und

Das Münchner Kindl.

72] Roman von Felix Nabor.

„Dann in Gottesnamen, mein Junge!" Die Stimme des alten Herrn klang seltsam weich und un­sicher. In seinen Augen stieg ein seuchter Glanz auf. Sie reichten sich mit festem Druck die Hände und blickten sich sekundenlang in die Augen. In Hardys Blicken brannte Stolz, in denen seines Vaters — Sorge!

„Ich gehe jetzt zu Mama auf die Tribüne," sagte Leo von Sandow. „Alles Glück wünsche ich dir, Hardy! —"

„Danke, Papa' — Auf Wiedersehen nach dem Siege! — Und grüße mir Mama! —"

Der alte Herr nickte und ging mit gesenktem Kopfe zu seinem Sitzplatz.

Harbh warf den Ulster ab, reichte ihn einem der Arbeiter und erschien nun in dunklem, fast schwarzem vlieger-Dreß, sodaß er mit der enganliegenden Haube Die den ganzen Kopf einhüllte, u. nur das Gesicht frei ließ, fast unheimlich aussah. Er untersuchte noch ein' mal die Motoren, die Steuerung, sah nach, ob der Barograph in. Ordnung und versiegelt sei und nickte dann. „Alles klappt." —

Und doch zögerte er, den Befehl zum Aufstieg zu geben. Er blickte um sich, suchte jemanden mit ^en Augen. Immer hatte er die heimliche Hoffnung gehegt, die Fürstin werde im letzten Augenblick er­scheinen und an seinem Fluge teilnehmen. Jetzt, da diese Hoffnung verloren ging, fühlte er ein schneiden­des Weh in der Brust. „'Also allein?" dachte er. „Kein Mensch, der mir vertraut, der den Flug mit mir wagt? — TaS ist bitter! — Aber cs muß auch so gelingen, denn ich glaube an mich 'elber. — Ich bin ich! — Und nun weg mit allen kleinen Beden­ken: Exzelsior!"

'Noch einen Blick warf er aus den Zugang und er­blaßte. Eben war Fürst Ostrawitz im Auto angekom­men — allein! Mit seinen großen Schritten kam er näher, grüßte kurz und eisig und sagte: „Da droben wird's kühl sein, Arbeiten die Motorc gut?"

droht uns mit der Kündigung des Bündnisvertrages. So ist die Bilanz der französischen Politik eine recht traurige zu nennen."

Ausland.

△ Der österreichische Katholikentag findet zur Zeit in der festlich geschmückten Tonaustadt Linz statt. Viele Tausend Katholiken und zahlreiche Kirchen- ürften sind anwesend. Der heilige Vater sandte den Versammelten telegraphisch seinen Segen. Eine Hauptrolle spielte die katholische Presse, deren Unter« tützung von den Katholiken dringend gefordert lunrbe. Es ist jetzt schon gewiß, daß der diesjährige österreichische Katholikentag sich den bisherigen wür- big an die Seite stellen kann.

△ Die Eröffnung des Friedenspalastes findet am 28. August in Haag statt. Das stattliche Bauwerk, das dank einer Stiftung Carnegies in großzügiger Form errichtet werden konnte, erhebt sich inmitten eines prächtigen Parkes. Aus Deutschland stammen alle Schlössereisenteile und die schönen schmiedeeiser­nen Türen, Frankreich sandte Gobelins und Stzvres- Porzcllan, England die Glasfenster, Italien das Marmormaterial, aus Japan kamen prachtvolle Seidenstoffe, aus China Porzellan und aus der Tür­kei kostbare alte orientalische Teppiche. Die Schweiz teuerte die großen Uhren bei, Amerika die kostbaren Holzarten zur Innendekoration und Holland lieferte als Wandschmuck Gemälde der flämischen Schule. Bei der festlichen Eröffnung werden, so weiß das „Journal" zu berichten, Kanonen ihre Stimmen zu Freudensalven erheben, sodaß am 28. August aus­nahmsweise die Artillerie für die Sache der Frie­densfreunde wirken wird.

A Die Gefangenen der „freien" Republik Portu­gal. Mr. E. M. Tenison stellt im letzten Heft der englischen Zeitschrift „Spektator" fest:, In Lissabon wurden zahlreiche politisch verdächfige Personen kriegsgerichtlich (!) zu sechsjähriger Einzelhaft in den Peniteneiaria verurteilt, eine Strafe, die unter dem verworfenen ntonarchischen Regime nur für über­führte Mörder und in ganz verzweifelten Fällen zur Anwendung kam. Ueberleben diese Delinquenten diese Strafe, so haben sie noch eine mindestens zehn­jährige Deportation.in eine Acafkolonie zu gewärti­gen. Nach den in Liflabon kursierenden Gerüchten sollen schon 195 gefangene Royalisten infolge der fort' währenden körperlichen und seelischen Qualen wahn­sinnig geworden sein. „Mit Sträslingskleidern an­getan, den Kopf rasiert, das Gesicht mit einer an drei Stellen durchlöcherten Maske bedeckt, eingeschloffen in dunkle Zellen, in die nie ein Strahl der Sonne bringt, abgeschnitten von jedem menschlichen Verkehr, sind sie im vollsten Sinne des Wortes lebendig be­graben." ___________

Lokales.

Fulda, 20. August 1913.

G Personalien. Verliehen wurde dem bisherigen Postagenten Franz Bub zu Poppenhausen im Kreise Gersfeld das Verdienstkreuz in Silber, dem pensio­nierten Oberpostschaffner Heinrich Kraft zu Kirchhain, Bezirk Kassel, das Allgemeine Ehrenzeichen.

(!) Die Beteiligungsziffer der Mittelschullehrerkurse, die in Fulda veranstaltet werden und deren zweites Semester am 6. August begonnen hat, ist nach der ,Kath. Schulzeitung für Mitteldeutschland' nicht un­bedeutend gesunken.

□ Versicherungspflicht der Werkmeister. In ver- sicherungscechtlichem Sinne bildet der Werkmeister eine Mittelstufe zwischen dem Betriebsbeamten und dem Gewerbegehilfen (Vorarbeiter, Lohnarbeiter), in der die betriebsleitende und hie auf eigener körper­licher Mitwirkung gerichtete Tätigkeit sich ungefähr die Wagschale halten. Uebertoiegt dagegen die letzt­genannte Tätigkett erheblich die erstere, oder fehlt jene — die betriebsleitende — überhaupt, so gehört die betresfende Person nicht zu der Gruppe der Werk­meister und zwar auch dann nicht, wenn ihr die Be­zeichnung vom Arbeitgeber oder von den Arbeitskame­raden beigelegt wird. Solche Personen, die nur dem Namen, nicht aber in versichecungsrechtlichem Sinne dem Wesen nach Werkmeister sind, unter­liegen der Jnvalidcnversicherungspflicht ohne Rück­sicht auf die Höhe des Jahresarbeitsverdienstes; sie bleiben also auch der Jnvalidenversicherungspslicht unterworfen, wenn sie mehr als 2000 Mark jährlich verdienen. Die wirklichen Werkmeister unterliegen, sofern ihre Beschäftigung als solche ihren Hauptbe­ruf bildet, sowohl der Versicherungspflicht nach den

„Tadellos!"

„Kein Defekt?"

„Nein."

„Ist das so sicher?"

„O ja. Ich kenne meine Maschine wie mich selbst." Hardy blickte dem Fürsten kalt in die Augen und sagte leise: Auf Wiedersehen!

Der Fürst zuckte die Schultern, antwortete aber nicht auf diese Herausforderung. Er grüßte kurz und sagte int Weggehen leise: „Wer ist tote Gott?" —

Hardy fühlte, tote ihm das Blut ins Gesicht schoß und in hellem Trotz sprang er auf den Adler und preßte sich auf seinen Sitz.

„Los!"

Der Motor ratterte, bte Propeller setzten sich erst langsam und dann immer schneller in kreisende Be­wegung, in weiten Sviralen schraubte sich der „Dop­peladler" höher und höher empor

Auf den Tribünen ward es stille; die Gläser wur­den in zitternder Erwartung in den Händen und vor die Augen gehalten — und Tausende von brennenden Augen blickten hinauf zu dem mächtigen, schwarz- toeißen Adler, der so stolz die Höhe nahm. Hardys Name lief halblaut von Mund zu Mund!

Leo von Sandow und seine Frau saßen stumm nebeneinander. Sie hörten, was um sie her gespro­chen wurde, wie man Wetten schloß, die Flughöhe abschätzte und den „Adler" verfolgte, der höher und höher stieg und immer kleiner und kleiner wurde. Jetzt sah er aus wie ein großer „Drache", dann wie ein Adler, wie eine Taube —■ und zuletzt wie etwa ein Sperling. —.

Der stolzen, kalten Frau v. Sandow gab es doch einen Stich in die Brust, als sie ihren Sohn in so schwindelnder Höhe sah und sie dachte: „Wie wird ihm jetzt wohl zu Mute fein? — Was wird er den­ken? — Es ist ein Glück, einen so stolzen, wage­mutigen Sohn zu haben, aber auch eine Sorge! — Man lebt in beständiger Aufregung und Angst! — Daß doch dieser Tag glücklich vorüber wäre!" e

Ein kühler Wind strich über das Flugfeld und Frau v. Sandow hüllte sich fröstend in ihren Mantel,

Bestimmungen über die Invaliden- und Hin­terbliebenen- als auch über die Ange- telltenversicherung. Sofern der Jahres­arbeitsverdienst mehr als 2000 Mark erreicht hat, hört der Jnvalidenverficherungszwang auf, und es besteht sodann nur noch die Bersicherungspflicht auf grnnd des Bersicherungsgesetzes für Angestellte. Mit i Jrreidjung eines Jahresverdienstes von mehr als 5000 Mark hört auch der Versicherungszwang nach dem Angestelltenversicherungsgesetz auf. In beiden Fällen steht den Versicherten das in ihrem Jntereffe liegende Recht zu, die erworbene Anwarffchast auf Rente durch freiwillige Versicherung aufrecht zu er­halten.

-7- Was dir Stadtverordneten-Wählerlisten verraten. Ans den jetzt aufliegenben Wählerlisten ist zu ersehen, daß Fulda zurzeit 3703 wahlberechtigte Bürger zählt mit einer Steuerleistung von 556 795 Mark. Außer­dem sind wahlberechtigt drei juristische Personen (2 Fabriken und die Eisenbahnverwaltung) mit einer Steuerleistung von 94 636 Mk. Int Jahre 1912 besaßen das Wahlrecht insgesamt 3596 Bürger mit insgesamt 519127,43 Mk. Steuern und zwei juristische Personen mit zusammen 62866,58 Mk. Steuern. Es wählen in der 1. Abteilung 142 Wähler mit zusammen 232556,99 M. Steuern (1912: 139 mit 216 762,99 M3, der letzte Wähler der 1. Ableitung zahlt 686,64 M. (1912: 664,98 Mk.) Steuern. In der 2. Abteilung wählen 575 Wähler mit zusammen 185 384,51 Mart Steuern (in 1912: 541 mit zusammen 172 942,33 M.). Der letzte Wähler bet 2. Abteilung zahlt 165,12 M. (1912: 172,23 Mk.) Steuern. In der 3. Abteilung wählen 2986 Wähler mit zusammen 138854,05 Mk. (Steuern (1912: 2916 Wähler mit zusammen 129422,11 Mark Steuern). Der erste Wähler dieser Abteilung entrichtet 165,04 M. (1912: 171,84 M.) und der letzte Wähler 3 Mark Steuern.

= Am Königl. Gymnasium hier begann heute vor­mittag die schriftliche Prüfung von 17 auswärtigen Bewerbern, die das Reifezeugnis erlangen wollen. Die mündliche Prüfung ist voraussichtlich Mitte September.

krl. Für Wirte im Regierungsbezirk Kassel dürste eine Entscheidung des höchsten preußischen Verwal­tungsgerichtshofes von besonderem Interesse sein, wonach die Polizei keine Einrichtung der Bieraus­schankstelle in der Weise verlangen darf, daß es den Gästen möglich ist, das Einschenken des Bieres zu beobachten. Eine derartige Anbringung fordert aber die zur Zeit geltende Polizeiverordnung des Regierungspräsidenten zu Kassel, betr. die Einrichtung und den Betrieb von Bierdruckvor- richtnngen. Verfügungen, die die Polizeibehörde auf gründ dieser Bestimmung an Wirte richtet, brauchen diese nicht zu entsprechen. Zur Begründung der Ent­scheidung des Oberverwaltungsgerichts (HL A. 62. 10) wirb ausgeführt: Es sei nicht erkennbar, welche gesetzlichen Vorschriften die Polizeibehörden zum Er­laß der erwähnten Bestimmungen ermächtigen. Ein besonderes Gesetz, das hierfür in Frage komme, be­stehe nicht. Es könne sich deshalb nur fragen, ob die Vorschrift in der Generalklausel des Allgemeinen Landrechts (§ 10, II, 17), die ja bekanntlich den Grund- und Eckstein des gesamten Polizeirechts bil­det, ihre Stütze finde. Danach ist es das Amt der Polizei, die nötigen Anstalten zur Erhaltung der Hsentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung und zur Abwendung der dem Publikum bevorstehenden Ge­fahren zu treffen. Die Vorschrift der Verordnung des Regierungspräsident« würde demnach nur dann rechtsverbindlich sein, wenn in der Einrichtung von Bierausschankstellen, die es den Gästen nicht ermög­lichen, das Ausschenken des Bieres zu beobachten, eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit erblickt wer­den müßte. Das könne jedoch nicht anerkannt wer­den. Bei der Zubereitung von Speisen sei eine Ge­fährdung der Gesundheit der Besteller weit eher zu befürchten, als beim Bierausfchenken. Die Erfah­rung spreche aber bisher nicht dafür, daß die Zube­reitung der Speisen vor den Augen der Gästen nötig sei, um eine Gefährdung ihrer Gesundheit zu ermög­lichen.

ZS Der hiesigen evangelischen Gemeinde wurde von der in Felsberg abgehaltenen 64. Hauptversammlung deS Hessen-Kaffel'schen Houptvereins der Gustav- Adolf-Stiftung eine Unterstützung von 800 Mk. bewilligt. An sonstige Gemeinden der hessischen Diaspora wurden an Unterstützungen bewilligt: Het­tenhausen 200, Dalherda 100, Tann 400, Weyhers 100, Hilders 150, Eckweisbach 75, Uttrichshausen 200 und Bad Orb 300 Mark.

r Bezüglich der Eröffnung der Universität Frankfurt, die auch für die Studenten aus Fnlda und Umgegend von großer Bedeutuna ist, wird uns gemeldet, daß

Von dem Flieger war nichts mehr zu sehen — das Grau der 'Wolken hatte ihn verschlungen.

Die beiden sahen sich bang in die Augen und seufzten.

Dann blickten sie wieder zur Höhe, suchten mit ihren Blicken den Sohn, ihren Einzigen! —

Zur selben Stunde kniete vor dem Marienaltare der St. Matthiaskirche eine junge, blaffe, weinende Frau und slehte ohne Unterlaß: „O Madonna, Hohe, Gnadenvolle: schütze den Vermessenen!"

Hardy von Sandow war voll stolzer Siegeszuver­sicht. Der „Adler" ftieg höher und höher und mit Befriedigung las er die Höhe vom Barographen ab. „Elfhundert! — Zwölfhundert! —“ Es ging ihm zu langsam. Eine Zeit lang hörte er auf das Rattern der Motoren, auf das Surren der Propeller — dann riß er das Höhensteuer empor. „Ich muß unbedingt 4500 Meter erreichen!" — Der „Adler" stieg und stieg mit solcher Geschwindigkeit, daß ihm beinahe schwindelte.

„Jetzt kaltes Blut! — Exzelsior!" —

Ein Zittern ging durch den ehernen Leib des Ad­lers. Was war das? — Ein Windstoß? — „Kaltes Blut! — Nur jetzt keine Nerven haben! — Exzelsior!"

Die Sonne stand blaß am Himmel, ein eisiger Wind faßte ihn, daß ihm beinahe das Blut in den Adern erstarrte — unter ihm war ein graues Wol- kengewoge, das ihm das Angesicht der Erde ver­hüllte.

„Zweitausend Meter! — Viktoria — das ist schon ein halber Sieg! — Aber es genügt nicht: höher! im­mer höher!"

Und während der Adler weite Spiralen beschrieb und sich höher und höher schraubte, dachte er an die Fürstin Ilona und an den Fürsten, der ihm den Bau des Opernhauses weggenommen, und ihm damit die Krone seines Künstlertums entrißen hatte.

Und er dachte an seine Frau, an das arme Weib, das jetzt wohl in Tränen zerfloß — aus weibischer Schwäche! — indes er als Sieger durch die Lust stürmte! Dachte an seine Eltern, an die schöne Welt da unten mit ihren tausend lockenden Freuden! — „Wenn erst mein Flug vollendet ist, toenn sich mein

die Befürchtungen, zum 1. Oktober 1914 werde nur eine Teilelöffnung der Universität stattfinden, nicht zutreffen. Zum genannten Zeitpunkt ist die Eröffnung aller Fakultäten zu erwarten, liebet oie Anrechnung der in der Akademie für Handels- und Sozialwiffen- chasten verbrachten Semester auf das spätere Uni« lersitätsstudimn finden augenblicklich zwischen dem Kuratorium und dem Kultusministerium Verhand­lungen statt.

xftl Bor dem Schöffengericht hatte sich gestern weiterhin ein Handlungsgehilfe E. W. wegen Sach­beschädigung zu verantworten. Er sollte mutwilliger- weise die Tapeten in zwei Zimmern seiner damals in der Leipzigerstraße belegenen Wohnung herunter­gerissen haben. Die Verhandlung ergab, daß das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit nicht vorlag, zumal dem Angeklagten von seinem damaligen Hausherrn wiederholt Neutapeziernng der Wohnung in Aussicht gestellt, aber stets verzögert worden war. Das Ge­richt erkannte dem Antrag des Amtsanwalts und des Verteidigers gemäß auf Freisprechung. — Der Be- zirksschornsteinfegermeister C. B. hier war wegen nicht ordnungsmäßigen Reinigens der Schorn- teine in einem Haufe der Johannisstraße in eine Polizeistrafe von 6 Mark genommen worden. Nach Anhörung eines Sachverständigen und einem Augenscheinterrnin erkannte das Gericht auf Frei- prechung. — Ein zweiter Termin stand gegen den Kaufmann T. W. wegen öffentlicher Beleidigung des Buchhändlers F. P. an. W. hängte im April die Nummer einer Sportzeitung in fein Schaufenster und machte eine Notiz, die sich u. a. auch mit P. be» chäftigte, durch Blaustiftstriche und dergleichen sehr kenntlich. In dieser Privatklage waren 8 Zeugen geladen, jedoch wurden nur 3 vernommen. Durch die Aussagen eines der Zeugen, eines Metzgermeisters, gestaltete sich die Verhandlung humoristisch. Die Zuhörer mußten wiederholt zur Ruhe ermahnt werden. Der Angeklagte W. wurde in eine Geld­strafe von 10 Mk. verurteilt und dem Privatkläger die Veröffentlichung des Urteilstenors auf Kosten des Angeklagten zugesprochen.

! Sonderzüge zur Tausendjahrfeier Kassels. Aus Anlaß der Tausendjahrfeier der Residenzstadt Raffel, die in den Tagen vom 27. dis 30. Sept. d. I. statt­findet, sollen von wichtigeren Eisenbahnknotenpunkten aus Sonderzüge zum ermäßigten Preis von l?/iPsg. für den Kilometer eingelegt werden. Die Ausgangs­punkte der Sonderzüge richten sich nach den ein­laufenden Anmeldungen, die schon jetzt vom Stadt­verkehrsamt Kassel entgegengenommen werden.

[] Der Hebung des heimischen Flachsbaues wird wieder das Wort geredet. Früher wurde fast von jedem Bauer Flachs gebaut, und es war nicht die schlechteste Zeit bäuerlichen Wohlstandes, als noch selber Leinwand gewoben und gebleicht wurde. Heute gehen viele Millionen für Flachs ins Ausland, speziell nach Rußland. Da aber dort der Flachsbau auch zurückgeht, erhöhen sich die Preise. In der „Chemn. Allg. Ztg." wird von fach wissenschaftlicher Seite ausgeführt, daß auch heute noch der Flachsbau für die deutsche Landwirtschaft lohnend sei; er könne u. a. einen Ersatz dafür bieten, wenn infolge gewisser Verschiebungen der Zuckerrübenbau zurück­gehen muß.

* Riemenlose D-Zugseuster. Die riemenlosen Fenster in den Eisenbahnwagen haben sich so bewährt, daß jetzt alle D-Zugwagen damit ausgerüstet werden sollen. Das Kgl. Eisenbahnzentralamt hat eine Anweisung für den Einbau und die Unterhaltung der Neuein­richtung herausgegeben und macht besonders daraus aufmerksam, daß nur Glasscheiben von der vor­geschriebenen Art und Stärke verwendet werden, dürfen, da die gute Gangbarkeit und Haltbarkeit des Fensters hiervon abhängen.

& Die St. Zoskph-BÜcher-Bruderschaft, die in hiesiger Gegend viele Anhänger zählt, bringt soeben ihre 20. Jahresgabe heraus, die bei Herrn Zahntechniker Kapp abzuhoien ist. Es sind fünf Bücher von bleibendem Wert, die nur 2,15 Mark kosten; wer 6 Bücher oder 7 Bücher wünscht, zahlt je 50 Pfennig mehr. Mit dieser Jahresgabe ichließt der erste Band „Die hl. Schrift, für das Volk erklärt". Aktuell ist das Buch .Allerlei vom Kriege", sehr reich illustriert. Unter' anderem ziehen der Waffengang Deutschlands mit Frankreich 1870/71 und Bilder aus dem Balkankriege an unserem Auge vorüber. Besonders für Landwirte und Viehbesitzer lehrreich ist das inhaltreiche .Buch von der Tierhilfe". Die „Bunte Geschichten" bieten 11 reich illustrierte Erzählungen. Der „St. Maria- und St. Joseph-Kalender für 1914* ist wie die früheren Jahrgänge sehr reichhaltig. Auch das übliche Gebeft buch, diesmal ein Josephsbuch, fehlt nicht.

§ Als Schutzmann ist der Kanzlist Kobold beim Amispecich: Hanau (früher lange Jahre hier als

System bewährt, werden mir Millionen zufließen —- und ich werde alle Freuden und alles Glück der Erde kosten, und Ruhm und Ehre, Macht und Größe ruhen dann in meiner Hand wie der Reichsapfel in der Hand eines Kaisers! Mein Name wird durch die ganze Welt klingen, tote der eines Helden, eines Got­tes! — Exzelsior! Exzelsior! —"

„Dreitausend! — Dreitaus endsünfhundert! —- Noch tausend Meter: Exzelsior!"

Er blickte empor. Seltsam! Die Sonne stand so hoch und unerreicht, als stünde er tief unten auf der Erde. Keine Armlänge schien er ihr näher gerückt zu sein! Nun, das war auch erklärlich! Die Son- nentoeite betrug 149 Millionen Kilometer — toas be­deuten da seine 4000 Meter Höhenflug dagegen? —- Er hatte die Empfindung, ein kleiner, winziger Vogel zu fein, der sich im Sonnenscheine badet. Dabei erin­nerte er sich,'von einem ähnlichen Gefühl erfüllt ge- toefen zu fein, als er eines Tages nach mühsamem Ausstieg ans dent Gipfel des Matterhorn 4500 Meter hoch über dem Meeresspiegel stand! — Da war der Himmel über ihm noch eben so hoch wie unten im Tale der Rhone. Auch jetzt wieder faßte ^n em Schauer der Ehrfurcht vor diesen unermeßltchen Wer­ten. Wie ein Blitz durchzuckte cs ihn, wie ein Ahnen von der Unermeßlichkeit des Weltalls und der All­macht dessen, der es schuf. Wohnte er wirklich u<xr den Sternen? — Uebcr jenen Fixsternen, von denen der nächste, der Gentauri, so weit entfernt ist, daß fern Licht 41/3 Jahre braucht, um auf die Erde zu getan» gen! — Wenn dem so war, bann mußte feine Macht und Größe unbegrcnzbar fein! — Dann war alles Menschenwerk gegen ihn wie ein Sandkorn gegen einen himmelragenden Berg, und der Menschengctst wie ein kleines Oelflämmchen gegen bte strahlende Sonne mit ihrem Lichtmeer!--Was bedeutete da

fein kleines Luftschiffchen. das er gebaut ljatte und voll Stolz einer Handvoll Menschen vorfuhrte. Es war ein kleiner Vogel, eine surrende Fliege tm Ver­gleich zu den Gestirnen, die, ohne stch zu berühren öder ihre Bahnen zu kreuzen, seit Tauj enden von Jahren frei im Weltall kreisten, in göttlichem^^luge durch Aeonen schwebten! —c