2. Blatt.
Drud r«i zul-arr Heiieitbnittrei in 5,nl6a.
T - —
Fuldaer Leitung.
JW (90.
Sienslag 19. August Wö
vrutsches Reich.
+ Im 8. badischen Reichstagswahlkreis Rastatt- Suhl, der bisher von dem verstorbenen Abg. Lender vertreten wurde, wird das Zentrum Amtsgerichts- direkwr Gießler-Mannheim als Kandidaten aufstellen. G i e ß l e r gehörte bis zum Jahre 1909 dem badischen Landtag an, unterlag aber dem Großblock. Der Wahlkreis darf als sicherer Zentrumsbesitz gelten. Mit Gießler wird das badische Zentrum einen seiner besten Männer in den Reichstag senden.
-7- Die Missstimmung gegen die sozialdemokratische Reichstagsfraktion kommt in zahlreichen sozialdemokratischen Versammlungen immer mehr zum Ausdruck. In Breslau meinte Genosse Bartsch,die Zustimmung der Fraktion zu der Deckungsvorlage sei ein schwerer Fehler gewesen. Bei der Beratung scheine die Furcht vor Mandatsverlusten bei einer Neichstagsauflösung maßgebend gewesen zu sein. Bartsch muß seine Genossen ja kennen. Auch in Danzig ist man mit der Fraktion sehr unzufrieden und verlangt von ihr für die Zukunft mehr Festhalten an den sozialdemokratischen Prinzipien. Doch will man ihr mildernde Umstände zugestehen. In Berlin bezeichnete Rosa Luxemburg die Taktik der Fraktion in der Steuerfrage als ein Vergehen gegen das Proletariat. Die Stellung, die von der Fraktion den Liberalen zuliebe eingenommen worden sei, müsse geradezu als eine Saiyre auf die sozialdemokratischen Forderungen bezeichnet werden. '
O Die sozialdemokratische Jugendbewegung soll eine neue Stütze erhalten. Ein Bebel-Fonds soll gegründet werden, der ausschließlich der Jugendbewegung zugute kommen wird. Die Drahtzieher rechnen damit, daß den Arbeitern jetzt kurz nach dem Tode Bebels die Groschen etwas loser in der Tasche sitzen. So werden sie mit ihrem Appell wobl Erfolg haben. ___
t AnMnö.
■ * Ter Verband katholischer Eisenbahner Frankreichs hat in Paris seine diesjährige Tagung abgehalten. Von den 55 000 Mitgliedern des Verbandes, die 447 Gruppen bilden, waren 6000 als Delegierte erschienen. Begreiflicherweise erregt schon das Bestehen eines so starken Verbandes außerhalb der sozialistisch-revolutionären Organisation den Haß und Neid der Kirchenfeinde. In der radikalen und sozialistischen Presse erschienen daher Aufrufe, gegen die Jahresversammlung der „klerikalen" Eisenbahner solle protestiert werden. Ein Pseudo-Märtyrer des freien Gedankens, De La Barre, dessen Statue vor einigen Jahren eigens in der Nähe der Basilika von Montmartre errichtet wurde, mußte den Vorwand zu der Kundgebung abgeben. Die Polizei hatte Vorkehrungen getroffen, die sich aber.zum Glück als weit übertrieben erwiesen. Die sozialistische „Humanits" ist ganz außer sich wegen der 55 000 katholisch Organisierten. Ganz heimlich, scheribt sie, hätten die Pfarrer diese Scharen gesammelt, die eine Schutztruppe des Staates feien. Ist das auch nur mit Einschränkung wahr, so ftimmt doch, daß ein neuer Stceikver- such bei den Eisenbahnern bei der großen Zahl katholisch Organisierter zum Fehlschlag verurteilt wäre.
* Weltausstellung in San Francisko. Frank- r e i ch und I t a l i e n haben offiziell ihre Teilnahme an der aus Anlaß dec Eröffnung des Panamakanals stattfindenden Weltausstellung zugesagt.
Stadtverordneten-Versammlung.
△ Fulda, 19. August 1913.
An der gestrigen Sitzung nahmen 27 Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung teil. Den Vorsitz stlhrie der Stodtu^rrrdnetenvorsteher Justizrar Gegen- baur. Der Magistrat war durch den Oberbürgermeister Dr. Antoni vertreten, der nach einem längerem- Urlaub gestern vormittag seine Dienstgeschäfte wieder übernommen hat.
1. Mitteilung von Eingängen. Die Vereinigten Schuhstoff-Fabriken Fulda haben zu der „Ordnung zum Schutze gegen Verunstaltung" ein Schreiben an die Stadtverordnetenversammlung gerichtet, worin um Befreiung von den in § 12 der Ordnung vorgesehenen Baubeschränkungen für schon bestebende industrielle Betriebe ersucht wird. Die Vereinigten Schuhstoff-Fabriken planten, so heiht es in dem Schreiben, zwar zurzeit einen Umbau ihrer in der Löherstratze gelegenen Fabrikräumc nicht, könnten sich aber vielleicht aus technischen Gründen einmal genötigt sehen, ihren Hochbau in niedergebaute Werkstätten umzüwan- deln. — Der Besitzer des „Hotel zum Kurfürsten", Stadtrat Müller, hat den Tenor einer Entscheidung des Provinzialrates aus dem Jahre 1902 übersandt, worin entgegen der in der letzten Stadtverordnetensitzung geäußerten Ansicht, eine Entschädigungspflicht der Stadtverwaltung gegen die durch Baubeschränkung beeinträchtigten Besitzer ausgesprochen wird.
2. Ausbau der verlängerten Josephstraße «nd Bewilligung der Kosten. Der Ausbau der Josephstraße ist durch die Absicht, an dieser Straße drei Gebäude für die Spezialkommissionen Fulda und Rotenburg zu errichten, notwendig geworden. Die Besitzer des Eieländes, die Herren B. Birkenruth und Jakob Plaut hier, haben mit der Stadt Verträge vorbereitet, wonach die zum Straßenbau nötigen Grundstücke gegen eine gewisse Entschädigung an die Stadt übergehen. Des weiteren haben sie sich bereit erklärt, der Stadt ein Tarlehn von 21 000 Mark zu gewähren. Aus diesem Darlehn sind die Baukosten der Straße zu bestreiten. Die 4s4prozentige Verzinsung des in Anspruch genommenen Kapitals fällt von dem Augenblicke an fort, in dem die Straße hergestellt ist. Das Kapital wird den Herren Birkenruth und Plaut zurückerstattet in den Beträgen, die als Straßenbaukosten von den Anliegern eingehen. Gehen die erwäbnten Anliegerkosten aus irgend einem Grunde nicht ein, so tragen die Herren Plaut und Birkenruth den Schaden. Die Straße erhält einen chauffierten Fahrdamm und Bürgersteige mit Mosaikpflaster. Stv. Schwarz: An dem dortigen Gelände sind nur die beiden Konsortien, Birkenruth und Schwarz beteiligt. Letzteres hat das Gelände durch die Parkstratze erschlossen. Tas Konsortium Birkenruth will jetzt durch die verlängerte Josephstraße das Terrain aufschließen. Dadurch werden aber die Bauarundstücke der Parkstraße benachteiligt, da die zur Verfügung stehende Grundstückstiefe zu gering sein wird. Im übrigen ist es bisher nicht üblich gewesen, für die Heber« lassung von Gelände zum Straßenbau den Vorbesitzern Entschädigungen zu gewähren. Der Baugrund der Parkstraße, der Adalbertstraße, der Josephstraße usw. sind kostenlos in den Besitz der Stadt übergegangen. Auf Grund dieser Bedenken wird die Vorlage der Flucht- linienplankomMission überwiesen.
3. Ausbau der Berbindungsstratze zwischen Park- und Adalbertstraße und Bewilligung der Kosten. Bezüglich dieser Verbindungsstrahe sind mit den Besitzern dieses Geländes, den Herren Birkenruth und Plaut, die gleichen Verträge wie für die Josephstraße in Erwägung gezogen. Hier ist jedoch kostenloser Uebergang des Straßenbaugrundes in den Besitz der Stadt vorgesehen. Der Betrag der Straßenbaukosten, der hier auf 11200 Mark veranschlagt ist, wird unter den gleichen Bedingungen, die unter Punkt 2 erwähnt sind, der Stadt vorgeschossen. Der Fahrdamm soll hier Kleinpflasterbelag, die..Bürgersteige sollen Mosaikpflaster erhalten. Eine
Ueberwer,ung auch dieser Verträge an die Kommission wird angeregt, jedoch für unzweckmäßig erklärt, da an die Ausführung der neuen Bauten als. bald herangetreten werden soll und eine Der- zogerung als Unfreundlichkeit gegen die hochwillkommene Behörde gedeutet werden könnte. Die Verträge werden deshalb genehmigt unter der Voraussetzung, daß auch ein nicht erwähntes Stück des Straßengeländes kostenlos übereignet wird.
4. Beratung der §§ 7 bis einschließlich 16 der Ord- itung zum Schutze gegen Verunstaltung und über die Bauweise in verschiedenen Stadtteilen. Die Beratung der Vorlage gegen Verunstaltung wird bei § 8 fort, gesetzt. Darin sind die Bestimmungen enthalten, die für das der landhausmäßigen Bebauung einge- raumte Gelände gelten sollen. Nach der Vorlage darf bei der landhausmäßigen Bebauung kein Grundstück zu mehr als drei Zehntel, bei Eckgrundstücken bis zu vier Zehntel, „ der hinter der Straßenflucht verbleibenden Grundfläche, bebaut werden. Weiter sind für diese Bebauungsart borgeschrieben die Entfernung von den Nachbargrenzen und die Höhe (zwei Geschosse und ein Dachgeschoß). Diese Häuser dürfen nur von zwei Familien bewohnt werden. Eingangs der Diskussion werden nochmals grundsätzliche Bedenken gegen die Ordnung geäußert. Slv. Schwarz teilt mit, er habe sich von einem Juristen sagen lassen, im Gegensatz zur Ansicht des Stadtverordnetenvorstehers sei eine Entschädigungs- Pflicht der Stadt gegenüber den in ihren Bauplänen behinderten Besitzern nicht ausgeschlossen. Wenn z. B. der Besitzer des „Hotel zum Kurfürsten" infolge der Entwicklung des Geschäfts zum Aufbau eines dritten Stockwerkes genötigt sei, und diese Erweiterung auf Grund der Vorlage ihm untersagt werde, so müsse er entschädigt werden. Der Oberbürgermeister weist schlagend nach, daß eine solche Entschädigungspflicht seitens der Stadt auf Grund des der Ordnung zugrunde liegenden Gesetzes vom Jahre 1907 durchaus nicht in Frage kommen kann. Der Stadtverordneten- vorsteher: Herr Schwarz, was sagt nun Ihr Jurist? (Große Heiterkeit.) Gegen die Ordnung sprechen noch die Stadtverordneten Dux und Kircher. Der O b e r- bürgermeister: Tie Bürgerschaft wünscht, wie ich oft gehört habe, ein möglichst scharfes Statut im Sinne des Schutzes gegen Verunstaltung. Man macht, abge- gesehen von gewissen Kategorien, dem Magistrat sogar Vorwürse, daß er nicht längst e:- -egriffen har. Ver- bessernngsoorschläge sind immerhin erwünscht und ein allzu strenges Statut ist nicht nach meinem Geschmack. — Nach längerer Spezia-'dckatte wird dann ker § b nut geringen Aenderungen genehmigt. Unter anderem wird ausdrücklich festgelegt, daß die Anlage von Läden und Büroräumen in den Villenvierteln gestattet sein soll. Im § 7, der alsdann beraten wird, sind die Bezirke namhaft gemacht, die der oben erwähnten Beschränkung unterworfen werden sollen. In der Debatte werden einzelne Straßen zur Streichung vorgeschlaeen. Die Srodtverordneten Fritz und Schwarz verlangen auch vergrößerte Kartenskizzen, in die die Fluchtlinienviäne und alle bereits errichteten Gebäude einzutragen wären. Der Oberbürgermeister: Die Karten, die von den Herren verlangt werden, würden nicht unter einem Jahr an Lnfertraunaszei: erfordern. Damit würde also die Vorlage „ad cälendes graeeas" vertagt werden, was auch bei einigen Herren der Wunsch zu sein scheint. Stv. Trabert: Warum sollen wir uns denn auch so eilen? Der Oberbürgermeister: Die Vorlage schwebt nämlich jetzt seit 6 Jahren. (Hei- terkeit.) Und wenn einzelne Herren meinen, ein Villenviertel entstehe ganz von selber, so ist nur darauf hinzuweisen, wie das Villenviertel am Westabhange des Frauenberges durch die sog. Kartoffelsberge beeinträchtigt worden ist, dwch ein Gebäude, möglichst protz'g und möglichst unvornehm. — Nach längeren Auseinander, setzungen wird dann das VitlenviertelamFrau- enberg begrenzt rurch d-.n Horasorweg, Gen'.arkunzs- grenze Horas, Oberhessische Eisenbahn, eine Linie hinter der Riesigerstraße, Parkstroße und Leipzigecstraße ent. lang der städtischen Anlagen, die Grenzlinie zwischen dem Schmittschen Garten und dem Lehrerseminar bis zur Waides, der Stadtmauer hinter der Orangerie, den Weg, der nordwestlich tim Eichsfeld gleichlaufend mit diesem in den Lichtweg mi-ndet und den Lichiweg bis an den Horaserweg. Dann wird die Beratung abgebrochen.
5. Freigabeurkunde. Eine Freigabeurkunde, die ein Grundstück des Herrn Hofbäckermeisters ©immer an der Straße Hinter den Löhern betrifft, wird genehniigt.
Elf Punkte der Tagesordnung werden vertagt. Schluß gegen 11 Uhr.
Lokales.
Fulda, 19. August 1913.
' Spallasseufrageu. Auf der am 4., 5. und 6. September 1913 in Rinteln angesetzten 18. Hauptversammlung des Sparkassen-Verbandes für Hessen-Nassau und Waldeck, auf dem auch die hiesigen städtischen Körperschaften vertreten iein werden, stehen u. a. zwei wichtige Fragen zur Erörterung. Die erste dreht sich darum, was seitens der Sparkassen geschieht, wenn Gemeinden ihres Bezirks verkoppeln und nach Eintragung ins Grundbuch mr: so und so viel Anteile der neuen Grundstücke für die zugunsten der Sparkasse eingetragenen Hypotheken verpfändet werden — in den Fällen nämlich, wo der Kasse nicht sämtliche Grundstücke vorher verpfändet waren. Wird dann auf Nachverpfändung der übrigen Wertanteile bestanden? Selbst unter den chwierigstcn Verhältnissen? Haben Sparkasien bet Zwangsversteigerungen etwa dieserhalb schon Unannehmlichkeiten und Weiterungen oder gar Verluste gehabt, falls sie die beitreibende Gläubigerinnen waren ? Ein weiterer Punkt betrifft die Frage, welche Schritte die Sparkassen - Beamten bei ihrer vorgesetzten Behörde getan haben, um jeglicher Schadenersatzpflicht zu entgehen, wenn Personen (minderjährige Kinder über 7 Jahre) Gelder abgehoben Haden, welche auf dem Klagewege gerichtsseitig in ihrer Geschäftstätigkeit beschränkt erhalten werden und deshalb zur Rück- orderung von Einlagen die Einwilligung ihres ge- etzlichen Vertreters für erforderlich gehalten wird. Welche Instruktionen sind dieserhalb zum Schutze für die Beamten ergangen? Die Erörterung dieser beiden Punkte wird sicherlich viel Interessantes bringen.
Naturheilverein. Nus den Verhandlungen der gestrigen Monatsversammlung wird folgendes mitgeteilt: Es wurden 10 neue Mitglieder ausgenommen, odaß der Gesamtzuwachs im Jahre 1913 bisher 101 beträgt. In der diesjährigen Badezeit wurden für Luftbadkarten etwa 440 Mk. eingenommen. Die Luftbäder wurden bei schönem Wetter stark benutzt. In den Sommerferien hat die herrschende Kühle und nasse Witterung den Luftbadbesuch und damit auch die Einnahmen etwas beeinträchtigt. — Sonntag, den 7. Sevt. soll ein Kinder« und Familienfest (Spiele, Kinderbelustigung, Musik- und anvere Vorträge, Preiskegeln usw.) stattfinden. Die Vorbereitungen wurden einem 4zliedrigen Ausschuß übertragen. Der nächste Ausflug wird am 31. August unternommen; er wird die Beteiligten über Böckels und Gerhardsmühle nach Armenhof führen. Herr Lehrer Leube-Gera wird am 8. Okt. einen öffentlichen Vortrag über „Wärmekultur und ihre Bedeutung für die nervenleidcnde Menschheit halten.
□ Die archäologischen Ausgrabungen am hiesigen Domplatz legten nicht allein die Apsis der Johanniskapelle, sondern auch in östlicher Richtung eine ganze Anzahl Fundamentmauern aus verschiedenen Zeit
epochen frei. Teils untereinander, teils nebeneinander wechseln unbehauene und behauene Steine mit einander ab. Ganz unten zieht sich Mauerwerk aus Basaltfindlingen her, das wohl ein erhebliches Alter haben dürfte. Gestern legte man auch eine Brandstätte frei, welche Reste vom Schmelzen eines Bronzegegenstandes aufwies. Wie man hört, soll die Provinzialverwaltung um Bewilligung weiterer Mittel für diese Forschungen angegangen werden.
(?) Von einem schweren Verlust ist unser Sommertheater-Ensemble und im besonderen die Familie Direktor Herrmann betroffen worden. Fräulein Anny Herrmann, eines der trefflichsten und beliebtesten Mitglieder unserer Sommerbühne, ist gestern uner« wartet verstorben. Der Tod hat damit einer hoffnungsvollen Bühnenlaufbahn ein frühzeitiges Ende gemacht. Alle Theaterfreunde, von denen die Familie Robert Herrmann seit langen Jahren geschätzt wird, werden an dem tragischen Schicksal der jungen Künstlerin und an dem Schmerz ihrer Angehörigen innigen Anteil nahmen.
-2- Das neu eingerichtete Sparkaffenlokal im alten Rathaus am Friedrichsmarkt wird mit Ende dieser Woche in Benutzung genommen werden. Man erkennt die alten unzulänglichen Räume der städtischen Sparkasse nicht wieder, wenn man jetzt den großen, zeitgemäß, aber nicht übermäßig luxuriös hergerichteten Raum betritt, der aus drei kleineren Zimmern gebildet wurde. Da die städtische Sparkasse mit dem 1. Januar 1914 ihren Zinsfuß für Einlagen um */t Prozent erhöht, ist zu erwarten, daß das neu ein- gerichtete Lokal von der Stadt- und Landbevölkerung recht ausgiebig zu Spareinlagen aufgesucht wird.
j+j Das Schöffengericht beschäftigte sich in der heutigen Sitzung in fünf Fällen mit Vergehen gegen das Kinderschutzgesetz von 1903, wonach Kinder unter 12 Jahren weder aushilfsweise noch ständig, unent- geldlich oder gegen Bezahlung, in Geschäften beschäftigt werden dürfen. Der Kaufmann I. St. hier und die Ehefrau des Bäckermeisters V. hier wurden zu je 3 Mark Geldstrafe verurteilt; dagegen wurde der Metzgermeister E. L., der Kürschnermeister I. H. und die Büglerin E. H. freigesprochen, da in diesen Fällen die Beschäftigten von den angeklagten Geschäftsleuten nicht mit Botengängen beauftragt worden waren. — Wegen ruhestörenden Lärmens in der Nacht vom 16. zum 17. März hatte der 2l jährigeHilfsmonteur I. Z., früher hier, z. Zt. im Rheinland, einen polizeilichen Strafbefehl in Höhe von 9 Mark erhalten. Er beantragte gerichtliche Entscheidung. Tas Gericht erkannte auf die gleiche Strafe; zumal nächtliche Ruhestörungen und Lärm in unserer Stadt in letzter Zeit wieder überhand nehmen.
-y- Briestauben. Gestern vormittag wurden auf der Rampe neben dem Eilgutschuppen ungefähr 600 Brieftauben bet großen Aachener Reisevereinigung aufgelassen. Die Tiere sollten ursprünglich schon am Sonntag aufsteigen, mußten aber des ungünstigen Wetters wegen bis gestern warten.
E Schornsteinbrand. Gestern abend geg en Vr9 Uhr entstand im Mutterhaus (Kanalstr.) ein Schornstein- brand, der gefährlichen Umfang anzunehmen drohte. Durch das energische Eingreifen von Nachbarsleuten gelang es, den Brand zu ersticken, sodaß die Feuerwehr nicht ausznrücken brauchte.
-T-: Mit einer Schutzverletzung im Unterleib, die er sich beim Umgehen mit einer Schußwaffe zugezogen hatte, wurde ein Schüler einer höheren Erziehungsanstalt in der Umgegend heute morgen in das hiesige Landkrankenhbus eingeliefert.
* Tie neuen 20 Mark-Stücke. Mit der Ausgabe der neuen, in Berlin geprägten 20 Mark-Stücke ist jetzt begonnen worden. Sie tragen das Brustbild des Kaisers.
* Erlöschen der Maul- und Klauenseuche. Tie in der ersten Hälfte des Monats Juli auf dem Gutsbezirk Domäne Fasanenhos bei Kassel zum Ausbruch gelangte Maul- und Klauenseuche ist erloschen. Nunmehr ist der Regierungsbezirk Kassel wieder völlig von der Seuche befreit.
" Mit der Beitreibung der Steuer, Hundesteuer und Kanalbenutzungsgebühr pro 2. Vierteljahr und des Wassergeldes für das 1. Vierteljahr wird heute begonnen.
Aus dem Nachbargebiete.
Konstantin-Missions- und Bonisatiusvereins-Feier bet der Wendelinusknpelle.
X Steinhaus, 17. Aug. 1913. Arn Feste Maria Himmclsahrt versammelten sich bei dec St. Wende- linuskapelle trotz der ungünstigen Witterung zahlreiche Katholiken aus den umliegenden Dörfern des Haun- und Bicberarundes zur Feier des 1600jährigen Jubiäums des Ediktes von Mailand und zu der damit verbundenen Missions- und Bonifatiusvereins- feiert Es waren zusammen wohl über 600 Personen zugegen. Aus Mittelberg, Traisbach, Niederbieber, Hofbieber, aus Almendorf und Melzdorf, Margretenhaun, Stöckels und Götzenhof, aus Dietershan und Bernhards waren sie gekommen. Die Pfarrei Steinhaus zog in Prozession unter dem Gesänge des Lourdesliedes zur Kapelle. Hier fand einleitend erst Andacht zu Ehren der Mutter Gottes statt, worauf Herr Pfarrer illau die Bersammelten begrüßte, die an dem hehren Feiertag zu der altehrwürdigen Gebetsstätte gekommen waren. Auf ein Lied zum hl. Geiste folgte dann als erster Redner Herr P. Bernardi n aus Fulda.
Er sprach über das Konstantinische Jubiläum und feierte das Edikt von Mailand als den endaülligen Sieg der Kirche Christi über das Heidentum. Wir genießen noch heute die Früchte dieses Sieges und müssen aus Dankbarkeit mithelsen, daß der Sieg zur Vollendung schreite, und daß auch dem gegenwärtigen Heidentum das Kreuz leuchte. Jener Sieg des Kreuzes war ein übernatürlicher, Christus, Gott war es, der zum Siege führte. Soll die Kirche heute siegen über das Heidentum in Afrika, China und Japan und anderswo, so geht da? auch heute nur durch Gott. Aber die Menschen dürfen dabei nicht untätig sein. Opfer, Gebet und Tugend sind es, die auch heute den Sieg über daS Heidentum gewinnen. Die Anzeichen sprechen dafür, daß auch heute der Sieg über das Heidentum endgültig sein wird. Das Dekret, vas der Präsident der chinesischen Republik am 27. April dieses Jahres erließ, wonach ein allgemeiner Bettag einge- sührt wird, an dem zum Gott der Christen gebetet werden soll für die Republik, und das, nachdem kaum dreizehn Jahre seit der letzten Christenversolgung vergangen sind, ist saft wie ein Zeichen, als ob Gott nach 1600 Jahren jenes Schauspiel wiederholen wolle, daß ein Heide, der Herrscher über 450 Millionen Menschen, zum Gott der Christen betet. In 20000 katholischen Kirchen Chinas wurde der feierliche Gottesdienst gehalten. Der Vertreter des Präsidenten und der Minister des Aeußeren, der Katholik ist, die Mandarinen und Behörden wohnten dem Gottesdienst bei und neigten sich vor dem I allmächtigen Gott. Darum mit Mut und Entschloffen- I , k-'it ans MissionSwerk. Zu allem gehört Geld. Aber I
auch Gebet, Tugend und Heiligkeit sind nötig, damit die göttliche Gnade herniedersteige und in den Herzen jenes Feuer der Liebe entzünde, das Jünglinge und Jungfrauen entstammt, ihr Leben der Bekehrung der Heiden zu weihen. Am 15. Aug. 1549 betrat der hl. Franz Xaver den Boden Japans. Nachdem er Millionen für das Christentum gewonnen, kamen Verfolgungen und sein Werk schien zerstört. Doch es blieb der Stamm, und und er blüht heute auss neue hoffnungsvoll auf. Möge der heutige 15. August, so schloß der Redner feine schöne, wahrhaft apostolische Siebe, auch ein Tag des Segens werden für das Missionswerk. Möge hier vor der Lourdesgrotte eine geheimnisvolle geistige Quelle heiliger Liebe und Begeisterung und göttlichen Segens hervor- sprudeln, die hinüberströmt in die Herzen vieler armer Heiden und ihnen Heilung und Genesung zum ewigen Leben bringt.
Nach der Rede sang die Versammlung: „Den Gruß laßt erschallen zum ewigen Rom". In der darauffolgenden Pause spielte die Musik ein Konzertstück. Dann leitete das Bonisatiuslied die zweite Rede ein. Herr Professor Weber aus Kassel sprach in glänzender Beredsamkeit eine volle Stunde über den Bonifatiusvereiir.
Ausgehend von dem Wort des Bisckoss Konrad Martin von Paderborn, der die Förderung des Bonifaiius- vereins als die allerwichtigste Aufgabe bezeichnete, zeigte er, daß jeder Katholik verpflichtet ist, an den großen Aufgaben des Vereins mitzuwirken. Dann gab er einem geschichtlichen Ueberblick über den Verlauf der Christianisierung Deutschlands von Bonifatius dis heute. Er zeigt die Kulturarbeit der katholischen Kirche, und ging dann auf die Kirchenspaltung ein. Er machte weiterhin interessante Ausführungen über die Verluste der kath. Kirche durch die Säkularisation und leitete zur Gegenwart über. Der wirtschaftliche Aufschwung in unserem Vaterlande hat Deutschland zu einem großen Industriestaat gemacht. Der Abschluß bisher noch rein katholischer und rein protestantischer Gebiete hörte auf durch bie- Einwanderung kath. Arbeiter in protestantische Gebiets und umgekehrt. Viele wohnten nun zerstreut unter Andersgläubigen in der Diaspora. Unter Diaspora versteht man auch das geilig religiöse Elend, in dem oft die sich befinden, die in solchen Gegenden wohnen. An Beispielen wurde gezeigt, wie der Kirche Tausende von Seelen verloren gegangen sind. Die Bischöfe hatten in bet ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts eine zu schwierige Stellung, als daß sie hier erfolgreich hätten ducchgreifen können. Es fehlte außerdem jegliche Organisation. Auf der 3. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands 1849 zu Linz an der Donar, leitet Döllinger die Gründung des Bonifatiusverein^ in die Wege, der bei seinem 50 jährigen Jubiläum 1899 auf eine Sammlung von 50 Millionen Marli zurückblicken konnte, an 2209 Orten Kirchen gebaut hatte und jetzt noch 1100 Schulstellen unterhält. Aber trotz alledem ist die Not der zerstreut w »hnenden Glaubensbrüder noch längst nicht abgestellt. Für ganz, weite Gebiete sind nur wenige Priester vorhanden, katholische Schulen fehlen dort vielerorts gänzlich, a!8 Kirchen dienen Wirtshaussäle, Schulspeicher, umgebaute Ställe, Scheunen usw. Der BonifatiuSverein ist noch" nicht in der Lage, überall zu helfen. Daher kommen bie: vielen Bettelbriefe. Aber wo diese Herkommen, dort sind doch wenigstens Priester. Aus tausenden von Orten werden keine Bettelbriese versandt, weil sie keinen Priesters Haden. Viele Stunden weit liegt dort oft die nächste katholische Kirche entfernt Redner gibt Beispiele aus Mecklenburg und Sachsen. Das größte Elend in der Diaspora ist der Mangel an katholischen Schulen. Tausende und Abertausende katholische Kinder sind gezwungen,, protestantische Schulen zu besuchen und viele von ihnew haben nicht einmal katholischen Religionsunterricht. Können wir das ertragen? Müssen wir da nicht helfens Die Mittel, der Not zu steuern sind Gebet und Arbeit Sammlungen, auch außerhalb der Kirche in regelmäßiger Zeitabschnitten, wie es durch den BonifatiuSverein gej schieht, dein alle angehören müssen. Die kleinste Gäbe gilt vor Gott. Wer dazu im Stande ist, kann den Bonifatiusverein durch testamentarische Verfügungen unterstützen. Was uns zu diesen Opfern bewegen soll, ist das Bewußtsein der göttlichen Kraft des Glaubens in der katholischen Kirche und der Kraft der Liebe. Da- dttrch stören wir den konfessionellen Frieden nicht, wenn! wir unseren Glaubensbrüdern helfen, wir erhalten sie treu ihrem Glauben und ihrem Gott. Wer aber Gott: und seinem Glauben getreu ist, der ist auch seinem Fürsten treu. Wir dienen dadurch nicht nur ihren unsterblichen Seelen und der Kirche, sondern auch König und Kaiser und Vaterland. <
Nach der Rede, die mit gespannter Aufmerksamkeit angehört wurde und einen gewaltigen Eindruck hinterließ, sang die Versammlung die letzte Strophe des Bonifatiusliedes. Tann sprach Herr Pfarrer Nau das Schlußwort. Er dankte den Anwesendem für ihr Kommen und für die gespendeten milden Gaben (die Sammlung ergab 100 Mark). Er dankte den Rednern, welche die Herzen begeistert hatten.' So Gott will, sollen solche Feiern alle Jahre ahge- halten werden. Er schloß mit dem christlichen Gruße „Gelobt sei Jesus Christus", worauf die Versamm-' lung unter dein Gesänge: „Großer Gott wir loben dich" auseinanderging.
P. Besges, 19. Aug. 1913. Am Sonntag nachft mittag wurde in unserer Gemarkung an der Stelle/ wo am 22. Juli vergangenen Jahres zwei Personen vom Blitze erschlagen wurden, eine Statue des bl. Jakobus eingeweiht, die der Landwirt Kaspar Joseph Wehner zum Gedächtnis an seinen erschlagenen Sohn errichten ließ. Unter großer Teilnahme der Gemeinde zog eine Prozession nach dem am Walde: gelegenen Platze, wo Herr Kuratus Horst von Haim^ bacb nach einer ergreifenden Ansprache die kirchliche Weihe vornahm. Die Statue, angefertigt von Bildhauer Valentin Schreiner-Fulda, ist mit dem/ Sockel 3,30 Meter hoch und ist weithin sichtbar. Die! Statue ist ein neues, schönes Zeichen des religiösere Sinnes der Bevölkerung im Fuldaer Lande. ► △ Betzenrod Kr. Hünfeld, 18. Aug. 1913. Bei, dem letzten hier niedergegangenen Gewitter schlug bet Blitz in das massive Wohnhaus des Maurers Wilh. Lohfink. Die Wirkung des Schlages mar,; obgleich er nicht zündete, doch furchtbar. Der Strahl! zertrümmerte von den 25 im House befindlichen Fenstern 20 vollständig, und beschädigte 4_ weitere,! richtete am Dache großen Schaden an, außer etwcr 500 zerbrochenen Ziegeln waren fast sämtliche andere aus ihrer ursprünglichen Lage gehoben. In den Zimmern wurden Schränke, Betten und anderes Möbel demoliert, Uhren, Bilder und Porzellansacher», von den Wänden geschleudert, auch Decken u. WändT arg beschädigt. Die Bewohner des Hauses tarnen, glücklicher Weise mit dem Schrecken davon.
* Eschwege, 19. Aug. 1913. Zur Besetzung des Bürgermeisterpostens unserer Stadt sind bis zum Endtermin der Anmeldungen im ganzen 130 Bewerbungen eingegangen. Unter den Bewerbern befinden sich dem Berufe nach 47 Bürgermeister, 13 Beigeordnete und Stadträte, 57 Assessoren, 3 Rechtsanwälte, 1 Regierungsrat, 2 Referendare, 5 städtische: Beamte und 1 Forstmeister.
* HerSfeld, 18. Aug. 1913. Einen dummen Streich, der leicht schlimme Folgen hätte habens können, verübten am Samstag kurz vor Schluß einer- Theater - Vorstellung mehrere Jungen im Alter von 16 Jahren in der Nähe der Turnhalle. Durch Blasen: auf einem Horn und den Ruf „Feuer" erschreckten sie