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2. Blatt.

Druck der z«ld««r Actienrrnütrei in 8»lda.

Fuldaer Leitung.

Jß M.

Montag 18. August 1915.

Lokales.

Fulda, 18. August 1913.

.- + Dem Stadtältestsn August Müller hat Seine Majestät der König durch allerhöchsten Erlaß vom 22. Juli die Genehmigung zur Anlegung des vom Papste verliehenen Komturkreuzes des Sylvesterordens in Gnaden erteilt.

* Forstpersonalien. Der Förster D a n n e w i tz zu Mosborn, Oberförsterci Flörsbach, ist vom 1. Ok­tober 1913 ab nach Höchst, Oberförsterei Kassel, ver­setzt worden. Die Försterstelle Mosborn-Nord, Ober­försterei Flörsbach, ist vom 1. Oktober 1913 ab zu besetzen. — Die Stelle eines Stadtförsters zu S o - d e n, Kr. Schlüchtern, soll am 1. November 1913 mit einem technisch qualifizierten Beamten besetzt werden.

r. Verliehen wurde dem aus Fulda gebürtigen Sergeanten Hans Bursche!, Regimentsschreiber im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116, die Kronen-Orden-Medaille.

(!) Jubelfeier der 83 er in Kassel. An der Hundert- jahrfeier, die, wie an anderer Stelle berichtet wird, gestern in Kassel stattfand, nahmen aus Fulda und Amgegend folgende Veteranen teil, die in Kurfürst­licher Hessischer Armee gedient haben und deshalb die vom Kaiser gestiftete Denkmünze erhalten. Aus Fulda: Erbe, Adam, gedient 1861—66), Kling, Heinrich Wilh., (64—66); aus Margrethenhaun: Vogel, Christian, (64—66); aus Großenlüder: Völlinger Ambrosius,(65—66); aus Hünhan: Weber, Ferdinand, (65—66) und Gutberlet, Jnozentius, (63—66); aus Michelsrombach: Körbel, Dominikus.

§ Kapitelsitzung. Am Samstag fand im Freiade­ligen Stift Wallenstein hier die alljährige Kapitel­sitzung statt, der beiwohnten die Herren Landeshaupt­mann Freiherr v. Riedesel und der Landrat von Schwertzell-Ziegenhain als Koadjutor. Neu ausge­nommen wurde die Gräfin Münster. Nach der Ka­pitelsitzung fand ein Diner statt, an dem u. a. teil­nahmen die Herren Oberbürgermeister Dr. Antoni- Fulda, Oberstleutnant Landauer, Landrat Frhr. von Dörnberg-Fulda, Kammerherr von Bothmer, Erb- marschall von Riedesel zu Eisenbach, Rittergutsbesitzer von Bodelschwingh, Superintendent Ruhl. Während des Diners konzertierte die Kapelle des hiesigen Ac- tillerieregiments.

(!!) Der „Schützenverein 1834" Fulda veranstal­tete gestern nachmittag auf dem Kriegervereinsschieß­stand am Neuenberg unter sehr starker Beteiligung sein diesjähriges Vereinspreisschießen. Es wurden hierbei gute Resultate erzielt. Die fünf ersten Preise erhielten folgende Herrn: 1. Preis Heinrich Nüchter, 2. Preis Willy Görgen, 3. Preis Joseph Bosold, 4. Preis Sturmius Grosch, 5. Preis Wilhelm Winkler.

Der Männergesangverein Winfridia hielt am gestrigen Sonntage anstelle eines im Gerloser Wald geplanten Waldfestes, das leider durch die Ungunst der Witterung nicht zur Ausführung kommen konnte, eine Familienfeier in Horas in der Gastwirt­schaft zum Bonifatiusbrunnen ab. Recht zahlreich hatten sich die Mitglieder mit ihren Familien ein­gefunden. Unter Leitung des Vizedirigenten Herrn Jos. Ebert trug der Verein mehrere Chöre müster- giltig vor. Auch der Patenverein des Gesangvereins Winfridia, der Gesangverein „Gemütlichkeit"-Loras (Dirigent Herr Jos. Ebert), ließ es sich nicht nehmen, den Tag durch einige schöne Männerchöre zu verherr­lichen. Besonderen Beifall erntete dieser Verein mit seinem Chor .Waldesrauschen". Der Ehrenpräsident des Männergesangvereins Winftidia, Herr Clemens Latsch, sprach dann auch in einer kurzen Ansprache seine Befriedigung und Anerkennung über die großen Fortschritte des Patenvereins aus. Auch der übrige Teil des Festes nahm einen schönen Verlauf.

- Die Herbstübungen im 18. Armeekorps. In- folge der durch das schleckte Wetter hinausgeschobenen Ernte wurden die Manöoerdispositionen insoweit geändert, .als die einzelnen Brigademanöver der Verbände nicht in dem Manövergelände, sondern auf den Truppenübungsplätzen, auf dem Großen Sand bei Mainz und in Griesheim bei Darmstadt stattfinden. Die dem Brigadeexerzieren vorangehenden Hebungen im Regimentsverband finden überall von der Garnison aus statt.

△’ Der 26. „Deutsche Wandertag". Die Haupt- Versammlung des Verbandes deutscher Gebirgs- und Wandervereine, dem bekanntlich auch der „Rhönklub" «»geschloffen ist, findet in der Zeit vom 5. bis 8. September d. Js. in Kodurg patt.

. A Jahrmarkt. Am Dienstag und Mittwoch die- ser Woche findet am Viehmarktplatz hier der Som­mer-Krammarkt statt. Mit dem Aufstellen der Ver- laufsbuden hat man heute begonnen. Die Zahl der

/ Das Münchner Kindl.

70] Roman von Felix Nabor.

Während er das Glas noch einmal füllte, aina die Ture auf und eine sanfte Stimme jagte: „Guten Abend, Hardh!

Er erschrak zusammen, als ob er über einem Verbrechen ertappt worden wäre, wandte sich um und starrte die weiße Gestalt an, die bei der Türe stand. „Annie — Du?"

„Verzeihe, daß ich Dich störe", sagte Annie, die in ihrem weißen, fließenden Hauskleide mädchenhaft zart und lieblich aussah. Ich möchte von Dir Ab­schied nehmen, ich will nicht im Unfrieden von Dir scheiden —"

„Wie — Tu willst wirklich gehen?"

„Es ist das Beste so — für mich uud für Dich. Ich gehe heim zu meinem Vater. Morgen mittag reise ich — und da Du morgen den ganzen Vor­mittag nicht zu Hause sein wirst, so will ich Dir heute Lebewohl sagen."

• Hardh nagte an seiner Unterlippe und senkte den (Blick vor den reinen Augen seines Weibes, die wie iin stummer Trauer auf ihn gerichtet waren.

„Höre", sagte er nach einer langen Pause, „das ist doch seltsam, daß Tu morgen abreisen willst, am gleichen Tage, an ich meinen großen Flug ausführe. Willst Du Deine--Deine Reise

nicht um einen Tag aufschieben?"

„Wenn Du es wü.njchest — ja."

ft „Schien. Ich werde Dir auch eine Einttittskarte zum Flugplatz geben —"

Annie erhob wie beschwörend die Hände. „Um Gottes willen -— nein, nein, nur das nicht! Ich Mtt-ts das nicht mit Qnft-r.cn, ich würde beständig vor Furcht zittern, Wernen oder gar in Ohnmacht fallen.

patze nicht unter diese schaulustige Menge." i ®t pkckte bedauernd die Schultern und dachte: £ doch recht gehabt: sie ist ein unbedeulen- biamnes Dina, rmd paßt nicht in die moderne nicht m sie GrnßL'-dt. Mag sie gehen — viel an ihZ."

Verkäufer scheint die des vorigen Marktes bei weitem nicht zu erreichen. Beim letzten Krammarkt im Mai waren durch besondere Umstände (Ausfallen von son­stigen Märkten usw.) sehr viele Verkäufer, meist zum ersten Male, zum Markt hierher gekommen, sodaß dieser ungewöhnlich viele Verkaufsstände aufwies.

(—) Beim Rangieren verunglückt. Am Samstag abend gegen 10 Uhr geriet auf dem hiesigen Bahnhof beim Rangieren der etwa 24jährige Joseph Bott aus Petersberg zwischen die Puffer zweier Wagen. Er erlitt eine schwere Brustquetschung und mußte dem Landkrankenhause übergeben werken.

-y- Fahrradviebstahl. Gestern nachmittag wurde aus dem Hofe einer Wirtschaft am Abtstor ein Fahr­rad gestohlen. Von dem Täter fehlt noch jede Spur.

A Laternenzcrtrümmerer waren heute nacht wie­der an der Arbeit. Auf der Kurfürstenstraße fielen ihnen 5 Stück zum Opfer. Als Täter wurden eine Anzahl hiesiger Artilleristen ermittelt.

E Unbegründeter Alarm. Am Samstag abend verbreitete sich in der Stadt ein Gerücht, wonach beim Bahnbau an der Strecke nach Kohlhaus zwischen K oaten eine große Stecherei stattgefunden haben sollte. Tatsache an jener Meldung war nur, daß die ausländischen Arbeiter mit der Frau des Schranken­wärters in Wortwechsel geraten waren, der in Tät­lichkeiten überzugehen drohte. Man tief die Polizei­direktion um Hilfe an. Alsbald erschienen nicht nur die zwei Kriminalschutzleute, sondern auch mehrere uniformierte Schutzleute auf dem Kampfplatze. Kurz vor ihrem Eintreffen hatten sich die Heißsporne jedoch beruhigt.

a Fourage-Preise. Die monatlichen Durch­schnittsbeträge der höchsten Tagespreise mit einem Aufschläge von fünf vom Hundert, welche für die Vergütung der im Monat August 1913 verabreichten Fourage maßgebend sind, werden amtlich angegeben in den Kreisen Fulda, Hünfeld und Gersfeld mit 8,93 Mk für den Zentner Hafer, 3,15 Mk. für den Zentner Heu und 2,36 Mk. für den Zentner Stroh.

? Gegen das Zigarrenrauchen der Kraftwagenlenker wird von verschiedenen Seiten Einspruch erhoben. Vor kurzem verunglückte ein Auto dadurch, daß dem Lenker Zigarrenasche ins Auge flog. Das Auto jagte die Böschung hinab und begrub die Leute unter sich. Man kann sich nur wundern, daß derartige Unglücks­fälle nicht öfters Vorkommen, oder — sagen wir bester — zur Kenntnis gelangen. Während das Rauchen im Dienste bei allen verantwortungs­reichen Posten streng verboten ist, sieht man Chauffeure leider oft genug mit der Zigarre im Munde ihren Wagen steuern. Es mag dabei ganz unerörtert bleiben, daß hierbei von einem Genuß der Zigarre nicht die Rede fein kann, daß eS banausenhaft ist, dieses Symbol des ruhigen Behagens in der Hetze und Spannung des hastenden Straßenlärms zu ent­weihen. Es mag auch nur kurz erwähnt werden, daß der zurückschlagende Rauch Kehlkopf, Lungen und Magen mehr als sonst gefährdet. Viel schlimmer ist die G efährbung der öffentlichen Sicher­heit. Bei der gespannten Aufmerksamkeit, mit der der Chauffeur die Umgebung verfolgen muß, ist alles zu vermeiden, was ihn hierbei auch nur im geringsten stört. Noch bedenklicher sind aber die plötzlich ein­tretenden Blendungen, denen der rauchende Wagen­führer jeden Augenblick durch herumfliegende Aschen­teile ausgesetzt ist. Ein unbedingtes Rauch­verbot für Chauffeure während des Dienstes ist deshalb ebenso notwendig, wie die Untersagung des Genusses alkoholischer Getränke.

Als er aber dann den liebevollen und besorgten Blick sah, der ihn aus ihren Augen traf, wurde er wieder irre an seiner Meinung. „Sie hat ein gutes Herz", sagte er sich. „Aber sie wird ewig im Staube bleiben, während ich zur Sonne fliege — wir passen nicht zulammen. „Nun — wie Tu willst!" sagte er laut. Es gibt nun einmal in der Natur Tauben und Adler. — Also gut: leb' wohl!"

Annie schüttelte den Kopf. „Nicht so, Hardh", sagte sic. „Ich habe, ehe ich von Dir scheide, eine Pflicht zu erfüllen, ober vielmehr eine Bitte an Dich zu richten —"

„Nun?" fragte er, da sie schwieg.

Da verschlang sie ihre Finger ineinander und heb ihre Hände bittend zu ihm empor: „Fliege nicht, Hardh!" kam es mit dem Ausdrucke qualvoller Angst von ihren Lippen.

Er lachte ihr ins Gesicht! „Seltsame Bitte, das!" sagte er. „Ter Flug ist angekündigt und wird ans- geführt. Daran ist nichts mehr zu ändern —"

„Allmächtiger Gott", stammelte f!e und ließ die erhoben,, Arme finken. „Tann bleibt mir nur eines übrig: für Dich zu beten, daß Dir kein Unheil widerfährt —"

Er schnitt ihr mit einer unwilligen Handbeweaung ihre Rede ab „Du redest wie ein kleines f’-mb" Was hat beim mein Flug mit „Gott" zu schäften — unb was soll mich Dein Beten nützen? Ich löse ans eigener Kraft, bnrch meinen Verstanb unb meine Intelligenz ein Problem ber Technik — bas ist alles. Ich bezwinge bie starre Materie des Eisens und Stahls, hauche ihr Leben, Bewegung ein — unb werde so zum Schöpfer einer neuen Kunst! Dein Gott und Dein Gebet nützen und schaden mir dabei nichts."

„Das ist eben das Furchtbare, daß Du so ver­messen denkst, daß Tn, obwohl Du vielleicht dem Tode entgcgeiigehst, keinen Glauben hast."

„O", unterbrach er sie „darin irrst Tu Dich: ich habe einen Glauben — den Glauben an mich selbst!"

„Frevle nicht! — Seine Selbstvergötterung ist ein glänzender ÄlaSstob. der zerbrich!, wenn der

Aus dem Nachbargebiete.

V Aus drm Kreise Fulda, 17. Aug. 1913. Zur Warnung vor auswärtig en Kolporteuren! Vor einigen Tagen boten zwei junge Mädchen aus Hamburg in einem Dorfe des Kreises eine Art Kalen­der an gegen eine freie Gabe; zur Empfehlung wiesen sie hin auf gute Artikel in demselben über Gesund­heitspflege. Als dieselben aufgefordert wurden, eine Bescheinigung vom Ortspfarrer vorzulegen, sagten sie, beim Pfarrer hätten sie nichts zu tun. Daraufhin kaufte niemand im Orte den Händlerinnen ein Heft ab. Es sei jedenfalls gewarnt vor solch' unbekannten Kalendern, da von katholischer Seite genug gute Bücher und Kalender angeboten werden.

::: Neuenberg, 18. Aug. 1913. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurden einem hiesigen Hasenzüchter zwei wertvolle Zuchthasen gestohlen. Dem Täter ist man auf der Spur.

Marbach. 16. Aug. 1913. Gestern, am Mariä Himmelfahrtstage, konnte hier eine schöne Lourdes- Grotte feierlich geweiht werden. Ein frommer Stifter hat die Muttcrgottes-Statue geschenkt, von den Land­

wirten wurde das Material zur Grotte unentgeltlich angefahren und von hiesigen Maurern unter Leitung eines Fachmannes zu einer Grotte aufgeschichtel. Die Statue selbst ist von der Firma Fleck-Fulda geliefert und macht der Firma alle Ehre. Mittags um 2 Uhr zog die Gemeinde von der Kirche aus zur neuen Gnadenstätte, einem schön gelegenen Platze am Dorf­ende, — im sogenannten Pfarrwäldchen. Nach der Weihe der Statue hielt Herr Pfarrer Weber eine Ansprache und eiferte an zur Verehrung Marias. Er dankte dem ungenannten Stifter der Statue und allen an der Herrichtung Beteiligten. Der hiesige Jung­frauenverein brachte alsdann ein eigens einstudiertes zweistimmiges Muttergotteslied unter Leitung der Fräulein Lehrerin Hillenbrand zum Vortrag, worauf der Zug wieder seinen Weg zur Kirche nahm, wo ein Te Deum gesungen wurde. Das Wetter war während der Feier sehr günstig.

* Lauterbach, 17. Aug. 1913. Die Pferde eines Landwirts gingen gelegentlich des Viehmarktes mit einem mit Schweinen beladenen Wagen durch und warfen den Straßenwart Listmann zu Boden. Der Wagen ging über Listmann hinweg. Er erlitt eine Nierenquetschung. Der Landwirt erlitt einen doppelten Armbruch.

* Kloster Kreuzberg, 17. Aug. 1913. p. Josue Kolb, Vikar, wurde nach Grafrath versetzt; für ihn lonimt P. Gabriel Bauer vom Kloster Berching nach hier.

* Bad Orb, 17. Aug. 1913. Wegen Verdacht des Meineids wurden gelegentlich einer Zeu­genvernehmung in Hanau drei Personen von hier verhaftet. Die Affäre bildet ein Nachspiel zu einer im verflossenen Herbste vorgekommenen Schlägerei.

6 Groß-Auheim, 17. Aug. 1913. Einen origi­nellen Sitzungssaal besitzt die Gemeindever­tretung im hiesigen Rathause. Der Saal liegt zu ebener Erde und vom Zuhörerraum vollständig ab­geschlossen. Will man aber als Zuhörer den Sitzungen beiwohnen, so wirb ein Schiebefenster m der Wand geöffnet, durch das man dann allerdings in der Lage ist, den Bürgermeister und etliche Räte zu sehen, die übrigen Herren hört man nur. Wenn eine geheime Sitzung ist, dann wird das Fensterchen einfach zu­gemacht, und die Oeffentlichkeit ist ausgeschlossen.

* Kassel, 17. Ang. 1913. Das Oberhofmarschall­amt hat mitgeteilt, baß ber Kaiser als seinen Vertre­ter bei ben Veranstaltungen zur Tausendjahr­feier d er Stadt Kassel den Prinzen August Wilhelm von Preußen bestimmen wolle.

* Arolsen, 15. August 1913. Der hiesige Ge­meinderat beschloß, für das Realgymnasium i. E. einen Neubau in dem Kramer'schen Garten an der Großen Allee auszuführen. Die Kosten für den Bau sollen 200 000 Mark nicht übersteigen.

* Aus dem Großherzogtum Hessen, 17. Aug. 1913. Die reichste Stadt des Großherzogtums Hess en ist auch in diesem Jahre wieder Darm­stadt. Darmstadt ist bei einem Bermögenssteuer- betrag von 580107 Mark mit einem steuerbaren Vermögen von 610 639 000 Mark veranlagt. Mainz bringt demgegenüber nur 480 327 Mark an Ver­mögenssteuer auf, das einem steuerbaren Vermögen von 503503000 Mark entspricht. Das steuerbare Vermögen berechnet sich für Offenbach mit 327 Mil­lionen, für Worms auf 225 Millionen, für Gießen auf 162 Millionen Mark. Das geringste steuerbare Vermögen unter den Städten hat Alzey mit 31415 000 Mark.

♦ Aus Thüringen, 17. Aug. 1913. Der Groß­herzog stattete am Samstag der Eifenacher Schutzengilde einen Besuch ab und tat mehrere treff­liche Schüsse auf die Festfcheibe. — Im Bereich des 11. Armeekorps werden in der Zeit vom 24.—30. September d. I. große kriegsmäßige Hebungen zwi­schen Ohrdruf, Ilmenau und Meiningen statt- finden, zu denen Landwehr- und Reservebataillone gebildet werden. — Zum Direktor des Museums in Weimar ist Dr. Anton Mayer aus Berlin ge­wählt worden. — Im Garnifonlazarett in Erfurt wurde ein Veteran von 1870 mit Röntgenstrahlen durchleuchtet, wobei man im Körper des Mannes eine Kugel fand, die er damals von den Franzosen erhalten hatte. 9hm kann ber alte Soldat Renten­ansprüche geltend machen. — Dem früheren Stadt- sekretär Dupho r n in Eisenach, der vom Schwur­gericht wegen amtlicher Unterschlagung zu zwei Jah­ren Gefängnis verurteilt worden ist, wurde jetzt vom Großherzog auf dem Gnadenwege der Rest der zu verbüßenden Strafe erlassen.

-> Limburg, 17. Aug. 1913. Die Stadtverord­netenversammlung beschloß einstimmig, den bekann­ten Zentrumsparlamentarier, Vorstandsmitglied des kathol. kaufmännischen Verbandes und des katholischen

Hammer des Allmächtigen ihn trifft. Der Gottes­glaube aber ist ein Fels, auf dem Du Welten auf- bauen kannst. Und das Gebet, das Du sehr ver­achtest, ist der Himmelstau der Demütigen, der Armen und ber mit Sorgen Beladenen. Es bringt Trost in der Trübsal und Hilfe in der Not. Es dringt wie Weihrauch zum Himmel! — Ta Du meine erste Bitte abweisest, so wirst Du wenigstens meine zweite erfüllen: Bete, ehe Du Dein großes Wagnis unternimmst, wenigstens ein Stoßgebet! Empfiehl Dich Gott, Deinem Schöpfer und Herrn! Denkst Tu noch des Liedes, das wi» bei unserer Brautfährt zwischen Himmel und Erde sangen? — „Tie Himmel rühmen des Ewigen Ehre!" —"

Er nickte. „Das liegt weit, weit zurück!" sagte er leise.

„Ja — so weit, wie das verlorene Paradies. Hardh — willst Tu wenigstens diese meine zweite Bitte erfüllen."

„Ach, laß das! Ich habe c3 verlernt, zu beten! Arbeit ist auch Gebet! — Mein Ringen unb Streben, meine Kunst unb mein Himmelsflug: das ist auch Gottesdienst!"

„Nimmermehr! — Ach, Du armer Mann! Du hast das kostbarfte verloren, was ein Mensch besitzen kann: den frommen, starken Kinderglauben! So reich Dein Geist auch ist — im Herzen bist Du ärmer als ein Bettler und an Deiner eigenen Schwäche wird Dein stolzes Glück zerschellen! Be­denke doch, daß es diesmal nicht um einen Preis, um Ruhm, und Ehre geht — sondern um Tein Le­ben! Fliege nicht, Hardh! Ter Tod ist Tein Be­gleiter! — Und Du bist nicht vorbereitet, vor Seinen Richter zu treten! —"

„Ich fliege", kam cs stolz zurück.

„Tann mag Gott Dir gnädig fein. Ich gehe, für Dich zu beten. Lebe Wohl!"

„Leb' wohl, Du kleine, arme Tanbe! — Ich — ich. bin der Adler! —"

Die Türe ging unb sie war entschwunben wie ein lichter, Weitzer Engels

Caritasverbandes, Herrn Kommerzienrat Cahens- I y, wegen seiner hervorragenden Verdienste um seine Vaterstadt Limburg zum Ehrenbürger ber Stabt Limburg zu ernennen. Diese Auszeich­nung ist um so höher zu bewerten, als Kommerzien­rat Cahensly zur Zeit ber einzige Ehrenbürger ber Stabt Limburg ist.

* Aus Nassau, 17. Aug. 1913. In einem Stein­bruche in ber Nahe von Dorndorf bei Limburg wollten zwei Arbetter einen Schuß, ber tags zuvor stecken geblieben war, losbohren. Dabei ging ber Schuß los unb verletzte beide schwer. Der 15;äh- rige Adolf Bill starb sofort. Die Verletzungen des Arbeiters Zeiß sind zwar schwer, aber doch nicht lebensgefährlich. Ein dritter Arbeiter aus Salz kam mit einer leichten Wunde am Kopfe davon.

* Aus Franken, 17. Aug. 1913. Der Kirchen­rechtslehrer der Würzburger Universität Profes­sor Dr. Franz Gillmann begeht am 19. August das silberne Priesterjubiläum. — Am 20. und 21. August findet in Neustadt a. S. der berühmte Bartholo- mäusmarkt statt. — Der im Mai v. I. in den dürf­tigsten Verhältniffen verstorbene Handelsmann^ Leo­pold Bamberger, vulgo Lord Bamburg in Würz­burg, als Darlehengeber in Studentenkreisen früher viel bekannt, hatte, obwohl sein Vermögen über 800 000 Mark beträgt, keine Steuern bezahlt. Die lachenden Erben müssen jetzt die befraubierte Summe nachzahlen. Der Staat erhält 28 500 Mark, die Stadtgemeinbe Heibingsftlb, wo Bamberger wohnte, 17 000 Mark. Nun kommen noch bie Distriktsum- lagen, bie er ebenfalls nicht zahlte.

Die Hundertjahrfeier des Infanterie-Regiment. Nr. 837 in Kassel.

§§ Kassel, 17. Aug. 1913. Unter Beteiligung von üver 22 000 ehemaligen Regimentsangehörigen und mehr als 500 Kriegsveteranen gingen die Hundertjahrfeierlich, ketten des Infanterie-Regiments von Wittich (3. Kurhes­sisches) Nr. 83 gestern und heute hier vor sich. Auf den Straßen entwickelte fick ein beispiellos lebhafter Verkehr, der zeitweilig das Vorwärtskommen überaus erschwerte. Die Stadt hatte ganz besonders festlich geschmückt. Zur Feier war auch der Chef des Regiments, Fürst Fried­rich II. von Waldeck und Pyrmont nebst Familie erschie­nen, weiterhin Vertretungen der Städte Hanau, Hers­feld, Witzenhausen, die dem Stammregiment früher als Garnisonsorte nahegestanden haben; die Stadt Kassel ließ eine Ehrengabe von 3500 Mark überreichen, und zwar wurden 2500 Mark in bar mit der Bestimmung überreicht, daß von den Zinsen notleidende Unteroffi­ziere und Mannschaften Unterstützungen erhalten sollten; 1000 Mark wurden zum Ankauf von Tafelsilber ver­wandt, das mit entsprechender Widmung dem Offizier-! korps gestiftet wurde. Generalmajor z. D. v. Roques. Kassel überreichte im Auftrage der ehemaligen Offiziere eine Ehrengabe von 10000 Mark mit der Bitte, die Zin­sen zugunsten notleidender Kameraden zu verwendens Die fünfte Kompagnie ehemaliger 83er ließ 1000 Mark mit der Bestimmung, von den Zinsen alljährlich die besten Schützen der fünften Kompagnie mit Geldgeschen­ken entsprechend den Bestimmungen des Kompagniechefs - auszuzeichnen, überreichen. Das Fe st p r o g na m m! brachte am Samstag Zapfenstreich und Kompagniefeiern, am Sonntag Festgottesdienst und Parade. Nach der Parade gab der kommandierende General des 11. Armee­korps die Auszeichnungen und Ordensverleihungen be­kannt, die der Kaiser aus Anlaß des Regimentsjubiläums verliehen hatte. Nach dem Vorbeimarsch der Truppen und der ehemaligen Angehörigen des Regiments, der bei strömendem Regen vor sich ging, wurden die Mannschaften und die ehemaligen Regimentsangehörigen gespeist, worauf am Nachmittag die Mannschaftsspielen in der Kaserne bei regnerischem Wetter vor sich gingen ;■ dann fanden im Kasino die Festessen für die Offiziere statt. Eine Mannschaftsfeier am Abend beschloß das Fest, dem sich noch eine Nachfeier in Arolsen, too ein Teil des Regiments steht, anschließen wird. | . )

Amt Geisa und Umgebung. >

Eine wichtige Verkehrslinie.

W Geifa, 17. Aug. 1913. Die geplante Post-i autolinie Geisa—Dermbach, ber mit Recht für die Erschließung ber Rhön besonbere Bedeutung bei», gemessen wirb, soll in Schmalkalben beginnen und, über Wernshausen—Roßdorf—Wiesenthal—Denn«! bach—Oechsen—Gehaus—Geisa—R a sb o r f nachH ö n< selb führen. ________

* Dermbach, 17. Aug. 1913. Um ben hiesigen Hanb- werkern Gelegenheit zu geben, sich ber Meisterprüfung! zu unterziehen, veranstaltet ber Gewerbe- unb Fort- bilbungsverein Anfang Oktober einen Unterrichts» kursus für bie Meisterprüfung. Als Lehrer sind erste Kräfte gewonnen worben. Auch Nichtmitglieder unb Auswärtswohnenbe können anbem Vorbereitungs» kursus teilnehmen.

* Vacha, 17. Aug. 1913. Der Gerichtsschreiber- gehllse Registrator Richard Reiße in Blankenhain <

Hardh v. Sandow war allein mit feinen Ge­danken, feinen Plänen und Träumen. Er suchte Ruhe, aber fand sie nicht. Bis in feine Träum» hinein verfolgten ihn die Gespenster und Dämonen seines Hochmuts, seines Stolzes und seines Ehrgei­zes, er kam sich vor wie ein unbesiegbarer König, ber morgen ein weites, ungeheures Reich erobern wollte! Er griff nach den Sternen, nm sie herabzu­holen und sich als Krone aufs Haupt zu setzen! —-

Sieben Kilometer südöstlich von Berlin liegt am Teltow-Kanal der erste deutsche Flugplatz Johannis­tal, eine Riesenfläche von 150 Hektaren, bie mit rauchenden Fabrikgebäuden, in welchen der Bau von Flugapparaten betrieben wird, begrenzt sind. Eine neue Industrie, eine neue Welt wächst hier aus ber Erde und Tausend und Abertausende strömen ans bet Zweimillionenstadt herbei, so oft ein Flieger neue, kühne Probleme zu lösen sucht.

Die Tribünen waren überfüllt, alles harrte voll Spannung der kommenden Dinge.

Der Morgen war kühl und grau und ein leichter Wind strich über das endlos lange Flugfeld. Als Hardh unb sein Vater im Automobil anfuhren, reckte alles die Köpfe. „Tas ist er! — Das ist er!"

In dem großen Schuppen stand der Flugapparat bereit. „Ist alles in Ordnung?" fragte Hardh den Mechaniker, der die Motoren bediente.

„Jawohl, Herr Baron", eroberte der Mann int blauen Schntzanzuae. „Es klappt alles. Die Mo­toren sind anjeworfen und es is eene Pracht, wie se arbeeten. Tadellos, Herr Baron."

„Schön. Tann bringt den Adler auf die Bahn — ich bin bereit!"

Zehn kräftige Hände griffen zu unb schoben ben Flugapparat aus dem Schuppen.

„Willst Du wirklich auffliegen, Hardh?" fragte Leo v. Sandow.

„Auf alle Fälle! — Hör' nur, wie ber Motor rattert."

(Fortsetzung folgt.)