Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Zeitung

erscheint »glich mit «usnayme Oer Sonn- und Selertage. viertel- jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In Zulda sowie auswärts 1.50 Mark. •••• Rotationsdruck und vertag der ;

- - julöaer flctienbruckerel In Zulda. Zernsprecher Nr. i. ::

~ s wochen-VeNage: s s ? s z ITIonots-Behäge: ~ s Illustrierte Sonntagszeihmg < Fuldaer SeschichtsblLtter s Ziehungslisten der preußisch-süddeutschen Klaffen-Lotterie. — gaibjShrilch Taschenfahrplan, e

«njelgen: Der Reum einer einspaltigen Colonel)eite, 4T em breit, kostet 14 pstz. Reklamen: Der Raum einer Colonelzeile, 74 mm breit, kostet 40 Pfg. Bet Wieberholungen Rabatt $ür Offert- und stuLkunstavzeigen 20 Pf. extra. 3a Konkursfällen wirb der bewilligte Rabatt hinfällig. Erfüllungsort für das An­klagen con Sortierungen ist $ulba. stnzeigen-stnnahme bis JO Uhr vormittags. u :: Größere Anzeigen erbitten wir uns tags vorher. :: 4

Montag den 18, August 1913,

Crstes Blatt.

Nr. 189,

40. Jahrgang.

60. Generalversammlung

der Katholiken Deutschlands.

Erster Tag — Sonntag.

X Metz, 17. August 1913.

Mit feierlichem Festgeläut von allen Türmen der Stadt ist die 60. Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands eingeläutet worden. Eine festliche Menge durchwogte schon am Samstag nachmittag und abends die Straßen der Stadt, und wenn hie und da in den Herzen des Lokalkomitees die bange Frage sich erhob,' ob der Besuch der diesjährigen Heerschau der Katholiken Deutschlands nicht allzusehr abstechen werde von dem ihrer Vorgänger, so dürsten sie dieser ihrer Sorge enthoben sein. Am Sonntag in aller Frühe schon bringen nahezu 100 Extra­züge Tausende und Abertausende in die alte Bischofsstadt. Mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen marschieren die Vereine durch die Stadt. Ueberall freudige Gesichter, überall helle Begeisterung. In der Festhalle haben im Laufe des Vormittags hl. Messen stattgefimden, um den von außerhalb herbeigeeilten Scharen den Besuch eines Gottesdienstes zu ermöglichen. Während von all' den schönen Metzer Türmen Glockengeläut zur hl. Messe rief, fiel auch vom Turm der herrlichen Kathedrale die berühmte Stadtglocke in das eherne Gebet ein, um zum

Pontifikalamt

zu rufen. Von allen Seiten strömten die Gläubigen herbei, die mit dem Hochw. Bischof Benzler den hl. Geist auf die diamantene Tagung der deutschen Katholiken herabflehen wollten. Die weiten, festlich geschmückten Hallen des ehrwürdigen Domes faßten die Scharen nicht, die Einlaß begehrten. Von einem Meer von Licht war der Hochaltar umflossen, an dem der Hochw. Bischof von Metz das Pontifikalamt zele­brierte. In den Chorstühlen hatten die Hochw. Herren Bischöfe Fritzen-Straßburg, Koppes-Luxem­burg und AUgeyer-Sansibar Platz genommen. Im Vorchor erblickten wir auf den reservierten Plätzen des Zentralkomitees zahlreiche Abgeordnete, geistliche Herren und bekannte Führer im öffentlichen katho­lischen Leben. Die Zöglinge des Metzer Priester­seminars bildeten den Choralchor; ein trefflich ge­leiteter, 250 Stimmen starker Männerchor, den ein Knabenchor wirksam unterstützte, sang eine herrliche von Witt komponierte Messe.

Um 11 Uhr vormittags begann mit der

1. geschlossenen Versammlung

die eigentliche Arbeit der 60. Generalversammlung im Festsaale des Hotel Terminus. Anwesend waren die Hochw. Bischöfe Benzler-Metz, Fritzen-Straßburg und Koppes-Luxemburg; außerdem waren zahlreiche Ver­treter der deutschen Parlamente, soivie andere hervor­ragende Führer des katholischen Volkes zugegen, an ihrer Spitze der Präsident des Zentralkomitees, Gras Droste-Vischering,

Präsident des Lokalkomitees Kintzinger eröffnet die Versammlung mit dem Stufe: Gelobt sei Jesus Christus! Unsere diesjährige Tagung steht unter dem Zeichen der Ko n st a n t i n i sch e n Jubelfeier. Wie die da­maligen Christen stehen auch wir heute vor harten Kämp­fen mit dem modernen Heidentum, das in feiner Art für unser Geschlecht größere Gefahren in sich birgt, als jenes Heidentum, welches die ersten Christen zu über­winden hatten, weil es vielfach unter falscher Flagge segelt, und die Ahnungslosen doppelt und dreifach be­lügt. (Sehr wahr!) Gott soll vom Throne gestürzt und der Götze „Ich" auf denselben erhoben werden. Die verheerende Seuche der Gottentfremdung hat einen er­schreckenden Umfang angenommen. Darum mutz ge­waltsam aufgerüttelt werden aus dem Win­terschlaf der Saumseligkeit und Gleichgültigkeit zu de­mütiger Tatkraft wahrer Männlichkeit, die mitsorgt und leidet und kämpft für das Heil der in ihrem Glauben gefährdeten Mitmenschen. (Lebh. Beifall.) Möge Gott rmseren Arbeiten reichsten Segen geben, somit sie in diesem . Sinne fruchtbar werden. (Lebh. Beifall.) Hierauf wird das von uns bereits mitgeteiltc Breve S. H. P ap st Pius X. auf die Adresse des Lokal- konntees durch Herrn Dr. Cunh-Mctz verlesen. Prof. Kintzinger schlictzt seine Ansprache mit den Worten: in aller Ehrerbietung und in aller Liebe danken wir S. Heiligkeit für das gütige Schreiben und für den hohe- priesterlichen Segen. Ich bitte Sie, sich von Ihren Plätzen zu erheben und diesen unseren Gefühlen dadurch Ausdruck zu verleihen, daß Sie mit mir einstimmen in den begeisterten Ruf: S. Heiligkeit unser glorreich re­gierender Papst Pius X., er lebe hoch!

Die Versammlung stimmt begeistert in das Hoch ein. (Lebh. Beifall.) Sodann schritt man zur Konstitu­ierung des Vorstandes. Der Präsident des Lo- kalkomitees, Professor Kintzinger bedauert, daß die deutschen Katholiken in diesem Jahre nicht den hochver- dienten Veteranen um die katholische Sache in ihrer Mitte begrüßen könnten, der kürzlich in stiller Kloster, zelle seinen 80. Geburtstag feiern konnte, den hochw. Pater R a v m u n d u s, den Fürstei' zu Löwenstein. Im Sohne aber können wir den Pater ehren (lebh. Beifall), und darum schlage ich vor, zum Präsidenten des diaman­tenen Katholikentages den Fürsten A l o y s zu Lö­wenstein zu wählen. (Lebh. Beifall.) Der rau­schende Beifall berechtigt mich, die Erwartung auszu­sprechen, daß S. Durchlaucht die Wahl nicht ablehnen kann.

Präsident Fürst Löwenstein: Durch die Art feiner Begründung hat der verehrte Vorsitzende des Lokal­komitees mir die Möglichkeit genommen, die Wahl ab­zulehnen. Wenn Sie mich wählen, um meinen Vater zu ehren, so werden Sie es verstehen, wenn ich mich an dieser Ehrung beteiligen muß. (Lebh. Beifall.) Da­rum will ich Sie nicht aufhalten mit all den zahlreichen Bedenken, die ich Vorbringen könnte, sondern glatt er­klären: ich nehme die Wahl an. (Lebh. Beifall.) Ich danke Ihnen für das große Vertrauen, aber ich bitte Sie, nicht bloß heute mit der Autorität des ersten Prä­sidenten mich zu bekleiden, sondern auch durch die fünf Tage zu unterstützen, damit ich mich dieser Autorität würdig erzeigen kann. lBeifall.) Ich erwarte von die­ser Tagung, obwohl der Metzer Katholikentag von angeb­lichen Freunden und aufrichtigen Feinden allerlei Un­heil prophezeit ist (Heiterkeit), daß auch in Metz alles gut gehen werde. Legen Sie es mir nicht als unbe­gründetes Selbstvertrauen aus, wenn ich sage, ich trete .mein Amt ohne jede Nervosität-an. (Beifall.) Die Ar- .beitslast. die auf den Präsidenten, einer Katholikenver­

sammlung lastet, ist eine so große, daß sie ihn schier erdrücken könnte, und sie wird in diesem Jahre noch gesteigert durch die Doppelsprachigkeit der Ver­sammlung. Diese französischen Versammlungen haben der liberalen Presse viel Kopfzerbrechen gemacht. Die Sache liegt außerordentlich einfach. Die einheimische Bevölke­rung Lothringens und besonders die ländliche Bevölke­rung, beherrscht zum großen Teile die deutsche Sprache nicht so vollkommen, um ernsten Verhandlungen mit vollem Verständnis folgen zu können; da wäre es recht töricht gewesen, wenn wir hier ausschließlich in einer Sprache verhandelt hätten, die die Bevölkerung zum Teil nicht versteht. Wenn eine Berliner Zeitung das Programm dieser französischen Parallelversamm­lungen bringt und entrüstet ausruft: und so was nennt sich „d e u t f ch e r Katholikentag" — so sage ich: nein, meine Herren, so was nennt sie sich nicht und hat sich nicht so genannt, fondern es nennt sich: die General­versammlung der Katholiken Deutschlands. (Beifall.) Zu Deutschland gehört nun einmal diese schöne Provinz, deren Bewohner schon französisch gesprochen haben, als sie noch dem alten deutschen Reiche angehörten, und die auch jetzt trotz der Verschiedenheit der Sprache treu zum deutschen Vaterlande halten. (Lebh. Beifall.) Und des­halb gehören auch sie mit allen ihren Stammeseigen- tümlichkeiten als vollberechtigte Mitglieder zu den Ge­neralversammlungen der Katholiken Deutschlands. (Leb­hafter Beifall.) Wenn ich mein schweres Amt ohne Nervosität antrete, so geschieht das vor allen Dingen im Vertrauen zu Gott, der jederzeit unsere General­versammlungen mit seiner besonderen Gnade gesegnet hat. (Beifall.) Möge er in Gnaden ersetzen, was mir schwachem Menschen abgeht, um auf dieser Tagung meine Pflicht zu tun. (Lebh. lang anhaltender Verfall.)

Tribüne an die Hochw. Herren eine kurze Ansprache richtete, in der er die Hochw. Bischöfe bat, von den Festzugsteilnehniern das Gelöbnis der unentwegten Treue entgegennehmen zu wollen. Seine begeisterten Worte weckten sowohl auf der Tribüne, als bei der umsiehenden Menge lebhaften Beifall; dann setzte sich der Festzug wieder in Bewegung und in endloser Reihe folgten sich Gesellen«, Jünglings-, Arbeiter­und Turnvereine, die durch die festlich geschmückten Straßen, wo Tausende Spalier bildeten, zogen, um sich in verschiedenen Lokalen zu verteilen, wo Fest­versammlungen veranstaltet wurden.

Kurz vor 5 Uhr eröffnete der Präsident des Lokal­komitees, Prof. Kintzinger, die große

Arbeiterversammlung in der Aesthallr

mit dem katholischen Gruß. Auf der Ehrentribüne be­fanden sich neben dem Präsidenten des Zentralkomitees Graf Droste-Vischering, der Präsident Fürst Löwenstein sowie der 1. Vizepräsident Hoen. Prof. Kintzinger gibt der allgemeinen Freude über den glänzenden Verlauf des Festzuges Ausdruck und bittet den Präsidenten des Zentralkomitees Grafen Droste-Vischering um die lieber» nähme des Vorsitzes.

Graf Droste-Vischering: Sie haben mir eine hohe Ehre erwiesen, indem Sie mich an diese Stelle berufen haben. (Beifall.) Aus allen Gauen und aus feinen Nachbarländern sind Scharen von Katholiken nach Metz geeilt, um ihren Glauben öffentlich zu bekennen, und um mit unserem hl. Vater und mit der ganzen katholischen ' Welt das 1600jährige Jubiläum der Konstantinffchen I Großtat zu feiern, durch die die hl. Kirche befreit wurde

Hierauf wird zum 1. Vizepräsidenten ge­wählt Landtagsabg. H o e n-Groh-Blittersdorf und zum 2. Vizepräsident en Rechtsanwalt Trunk-Karls. ruhe. Beide Herren nehmen die Wahl mit Dank an.

Zu Schriftführern werden gewählt Landtags­abg. Heß-Ahrweiler, Rechtsanwalt Brüning- Trier, Frhr. von S ch o r I e m e r-Echiernach und Se­kretär W e i d m a n n-Stratzburg.

Zu Vorsitzenden des 1. Ausschusses wurden gewählt: Amtsgerichtstat G i e tz l e r-Mannheim und Rechtsan­walt Krämer-Metz, des 2. Ausschusses Prälat Dr. Piepe r-M.Gladbach und Hausgeistlicher Till Y-Metz, des 3. Ausschusses die Herren Prälat Werthmann. Freiburg und Domkapitular Dr. E h t m a n n-Metz, des 4. Ausschusses Oberlandesgerichtsrat Mar x-Tüsseldorf und Oberlehrer Dr. Cun Y-Metz.

Präsident Fürst Löwenstein bat hierauf um die Er­mächtigung, an den Papst und Kaiser nachstehende Te­legramme abzuseuden:

An S. H. Papst Pius X.:

Die in ihrer 60. Generalversammlung in Metz ver­einigten Katholiken Deutschlands entbieten Dir, Hl.

Vater, den ehrerbietigsten Ausdruck freudigen Gehor­sams, unwandelbarer Treue und kindlicher Liebe. Mit banger Sorge hoben sie die Tage Deiner Krankheit durchlebt und danken Gott, daß Du, der treue Hüter der Reinheit der Lehre, der unerschrockene Vorkämpfer für die Freiheit derKirche, Deiner Herde erholten bliebst, Erfüllt von der Erinnerung an Konstantins glorreiche Tat, welche der Kirche Christi die Freiheit der Entwick­lung gab und der Menschheit dadurch die größte Wohltat erwies, sprechen die Katholiken Deutschlands den inni­gen Wunsch aus, daß bald die unwürdigen Fesseln fallen mögen, die heute noch vielfach der hl. Kirche auferlegt sind und erflehen für den Stellvertreter Christi auf Erden volle Freiheit in der Verwaltung seines hl. segenbriugenden Amtes. Ehrerbietigst er­bitten sie von Dir den apostolischen Segen für ihre Beratungen. (Lebh. Beifall.)

An S. M. Kaiser Wilhelm II., Homburg:

Viele tausende katholischer Männer, die zur 60. Ge. neralversammlung der Katholiken Deutschlands in Metz versammelt sind, bringen Ew. Kaiser!, und Kö­nig!. Majestät ihre Huldigung dar und das Gelöbnis der unverbrüchlichen Treue und Anhänglichkeit zu Kaiser und Reich. Dankbar freuen sie sich des Frie­dens, den Ew. Majestät durch 25 Jahre mit starker und weiser Hand dem deutschen Reiche erkalten ha­ben. Sie Beten zu Gott, dem König der Könige, daß er Ew. Majestät noch viele Jahre einer glücklichen und segensreichen Regierung schenken möge zum Wohle des Vaterlandes. (Lebh. Beifall.)

Mit dem katholischen Gruße wird die Versammlung geschlossen.

Ein heiterer Himmel begünstigte am Nachmittag den Festzug

der 30000, die aus Nah und Fern im festlich bekränz­ten Metz zusammengeströmt sind, um vor ihren Kirchen- fürsten in glänzendem Auszug ein begeistertes Be­kenntnis zu ihrem katholischen Glauben abzulegen. Pünktlich um 2 Uhr begannen die endlosen Kolonnen sich in Marsch zu setzen, um an der Tribüne in der Moselanlage vorbei zu defilieren. Dort hatten sich die Hochw. Herren Bischöfe Benzler, Korum, Fritzen, Faulhaber, von Hähling, Koppes und Allgeyer, sowie das Zentralkomitee, das Präsidium, zahlreiche geist­liche Herren und Abgeordnete wie auch der Bürger­meister von Metz, Foret, versammelt. Drei Herolde zu Pferde eröffneten de» imposant« Festzug, an dessen Svitze,Herr H a ment schritt der vor der

von den Fesseln des Heidentums. Wir werden in den nächsten Tagen öfter Gelegenheit haben, für die Frei­heiten unserer hl. Kirche einzutreten. Der morgige Tag ist hauptsächlich der Schulfrage gewidmet, wir müf- fen verlangen, daß die Schulen konfessionell bleiben, und daß der Einfluß der Kirche auf die Schule gesichert wird. (Lebh. Beifall.) Weiter erheben wir immer wie­der die Forderung: wir wollen unsere Jefuiten wieder haben. (Stürm. Beifall.) Und die Ordensfrauen vom hl. Herz und die Lazaristen. (Erneuter stürm. Beifall.) Endlich wollen wir den 100. Geburtstag Kolpings feiern, der durch die Gründung der Gefellenvereine fo unend­lich viel Segen gestiftet hat. (Lebh. Beifall.) Wenn Sie nicht alle in diesen Tagen in Metz bleiben können, so bitte ich Sie doch, zu Hause das Festblatt zu lefen, um so teilzunehmen an den Segnungen dieser Versamm­lung. _ (Lebh. Beifall.)

Präsident Fürst Löwenstein (stürmisch begrüßt) dankt den Arbeitern für das herrliche Beispiel des Glaubens und Opfersinns, das sie heute gegeben und wünscht der christlichen Arbeit und der treukatholischen Arbeiterschaft Gottes Segen.

Hierauf erhält das Wort Herr Tilly, Metz: Die katholische Weltanschauung und die Heilung der so­zialen Schäden. In packenden Ausführungen, oft von lebhaftem Beifall unterbrochen, legt er bar, daß alle wirt­schaftlichen und gesellschaftlichen Uebel entstanden sind durch Uebertretung der christl. Grundsätze. Eine Rettung aus der Not der Zeit sei daher nur möglich, wenn die christ­liche Weltanschauung wieder allgemein zur Anerkennung komme. Die katholische Weltanschauung zeige dem armen Manne den Weg aus der Wirklichkeit des Le­bens, aus Arbeit und Leid, sich ein inneres Himmel­reich zu Bauen. Sie Belehre uns über unsere Bestim­mung und sage dem armen Manne, daß das Leben mit seinem Leid nur eine Durchgangszeit für ein bef- seres Jenseits ist. Erst diese Endaussickt gebe dem Ar­beiter einen festen Halt und Inhalt. Wo der Gottes­gedanke lebendig ist, da leuchtet die Sonne über das Leben und die Welt hat ihren Schrecken verloren trotz Arbeit und Leid.

Während der Rede beS Herrn Tilly erscheint in der Versammlung der Hochw. Herr Bischof Benzler (Metz). Der Vorsitzende Graf Droste Vischering begrüßt ihn und bringt auf ihn ein brausend auf genom­menes Hoch aus. Sofort ergreift darauf

Bischof Benzler das Wort wnd führt aus: Meine Herren und lieben Freunde! Wir stehen unter dem Eindruck der gewaltigen Kundgebung, deren Zeugen wir soeben gewesen sind. Die katholischen Arbeiter haben ein öffentliches, herrliches Zeugnis ab- gbgelegt für ihren Glauben; durch die Huldigung, die sie ihren Bischöfen darbringen wollten, haben sie das Gelöbnis der Treue an die Kirche und ihre Hirten er­neuert. Meine lieben katholischen Arbeiter! Bewahren Sie stets diesen heiligen Glaubensmut, dann braucht uns nicht zu Bangen. Durch den SlauBen werden Sie den Sieg erringen üBer alle gottfeindlichen Mächte, denn „das ist der Sieg, der die Welt üBcrtoinbet, unser Glaube"! Der Glaube allein ist imstande, uns glück­lich zu machen für Zeit und Ewigkeit. Ihnen und uns allen zeigt der Glaube den Wert und die Würde der christlichen Arbeit. Die Arbeit ist eine Pflicht, die der Schöpfer dem Menschen auferlegt hat. Der Mensch soll tätig fein, arbeiten und durch diese Arbeit feine Kräfte entfalten und vervollkommnen. Die Sünde hat die Ar­beit zur harten Buße gemacht: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen!" so lautet die Straf- sentenz des erzürnten Gottes. Doch die Buße ist nicht bloß Strafe, sie ist auch Heilmittel; sie versöhnt Gott und zieht Gotte? Segen auf uns herab. Und damit uns diese Buße nicht zu hart erscheine, so hat Gottes Sohn sie mit uns teilen wollen. Er ist ein Arbeiter geworden und hat dadurch der christlichen Arbeit eine überaus hohe Würde verlieben, liniere Arbeit wird Nachahmung des

J • • ') 1 tz . J -.J

menschgewordenen Gottessohnes. Wie erhebend, tote trö­stend ist dieser Gedanke. So wird die Arbeit zu einem kräftigen Heilmittel; mit dem Gebete gibt sie der Seele das Flügelpaar, das sie zum Himmel trägt. Darum muß auch die Losung des katholischen Arbeiters fein: bete und arbeite. Meine lieben Freunde! Möge diese christliche Auffassung der Arbeit stets die Ihrige sein. Dann wird die Arbeit Sie glücklich machen für Zeit und Ewigkeit. Sa rufe ich denn Gottes Gnadenfülle herab auf die christlichen Arbeiter und die christliche Arbeit und erteile Ihnen allen von Herzen den Bischof! i-ch-en Segen.

Herr Tilly (Metz) fährt hierauf in seiner Rede fort: Freudige und fleißige ArBeiter kennt nur das lebendige Christentum. Es lehrt, daß die Ar­beit den Menschen adelt, daß jede Arbeit, geheiligt durch die gute Meinung, Gott so angenehm ist, wie das Gebet. Berufsarbeit ist das Eintrittsgeld in den Himmel. Also nicht lähmend, sondern anspornend zur höchsten Kraft, anftrengung wirkt der Gedanke ans Jenseits. Die katho­lische Weltanschauung ist auch ein Hort des Friedens und der Liebe in den sozialen Bewegungen der Gegenwart. Wo alle insgesamt beten: Vater unser, der du bist im Himmel, kann kein Platz mehr sein für den Klassen, kämpf, aber auch nicht für die Herrenmoral, die dem Arbeiter die Gleichberechtigung verweigert. Katholische Brüder, wenn es euer Ernst ist, der Rot unserer Zett abzuhelfen, dann folgt unserem hl. Vater, der in seiner Enzyklika singulari quadem die katholischen Ar. beiter auffordert, stets der fundamentalsten Pflicht des katholischen Christen treu zu bleiben. Wir können im. serem hl. Vater keine größere Freude Bereiten, als toerni wir den Treuschwur erneuern, in nie wankender Treue an dem Banner der katholischen Kirche festznhaüen. Treu zu Papst und Kirche, sei unser Losungswort. Wir wollen aber auch beherzigen die Mahnung unseres hell! Vaetrs, der Streitigkeiten untereinander sich zu enthalten, und wenn doch eine Schwierigkeit ent­stehen sollte, sich zu deren Lösung an ihre Bischöfe zu wenden. Meine lieben Freunde, eine wahre katholische Aktion verleugnet nie das Wort des Apostels: „Alle eure Dinge lasset in Liebe geschehen." Wer Großes leisten will auf sozialem Gebiete, der gehe an das Herz dessen, der sein Leben und Blut für das arme Volk hingegeben hat, dann wird auch sein Herz von jener Liebe zmn Volke erfüllt, von welcher der Apostel sagt: sie überwindet alles. Wenn einmal 1500 Millionen lebendige Tabernakel tag­täglich den Erdkreis erfüllen, wenn in jedem Mensch«, Christus lebt, dann ist die soziale Frage gelost. Das ist ja das Welt und Weltgeschichte umspannende RieserPvo- gramnt unseres hl. Vaters: Omnia instaurare in Christo. (Stürmischer Beifall.) I

Graf Droste-Bischering dankt allen denen, die zum Gelingen des Festzuges beigetragen haben, insbesondere der „schönen Stadt Metz" und ihrem Oberhaupt und schließt mit einem Hoch auf Papst und Kaffer, tni-ba® die Versammlung begeistert einstimmt.

Hieraus schließt er die Versammlung nrit 'bem kcttho. lischen Gruß.

♦

Gleichzeitig fanden noch an verschiedenen DrknÄwa 10 Parallelversammlungen statt, darunter eine eigene Gesellenversammlung, in welcher Oberlandesgerichtsrat Marx sprach.

Brgrüfinngsabend.

Pünktlich um 8 Uhr eröffnet der

Präsident des Lokalkomitees Prof. Kintzinger >die erk wartungsfrohe Versammlung. j

Gelobt sei Jesus Christus. (Die Ver, sammlung: In Ewigkeit Simen.) Mit jubelndem. Her° gen rufe ich Ihnen diesen ehrwürdigen Gruß zu zur Eröffnung der 60. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands. Wir rufen diesen Gruß heute hinaus aus tiefster Ueberzeugung und wünschen, daß er sich fortpflanzen möge durch alle Länder und Meere, uni daß er mit millionenfachem Echo Wiederkehre. Er möge emporsteigen zum Throne Gottes als unser Feldgeschrei im Kampfe mit den Feinden seines heiligen Namens, als unfe-e Huldigung, die wir öffentlich fernem Sta­rten darbringen. (Beifall. I Ter Redner dankt sodann allen denen, die zum Gelingen der Tagung beigetragen haben, dem Zentralkomitee, vor allem dessen Vorsitzen, den Grafen Droste-Vischering, der trotz seiner 81 Jahr, mit bewunderungswürdiger Frische die Geschäfte leitet; sowie den Herren des Lokalkomitees. Ganz besonderen Dank spricht der Redner der Stadt Metz und ihrem Bürgermeister Dr. Foret für die Untefftiitzung, die die Stadt dem Lokalkomitee gewährt habe. Endlich dankt er auch den staatlichen Behörden, der Post-, Eisen­bahn- und Militärverwaltung für deren bewiesenes Ent­gegenkommen.

Hierauf dankt Redner in französischer Sprache den französisch sprechendekt Teilnehmern der Versammlung und fährt dann fort:

Die Geschichte der deutschen Katholikentage fft eine glorreiche. An Anfeindungen hat es ihnen allerdings nie gefehlt. Die hat man auch der diesjährigen Ta­gung in die Wege gelegt, und ganz besonders erleuch­tete Geister haben schon vor Wochen orakelt, was die Welt da alles an greulicher Selbstzersleischnng erleben würde. (Gelächter.) Von ehrlichen Gegnern sind der vornehme Ton auf allen Katholikentagen, sowie die mühevolle Arbeit, die nur dem eigenen Acker galt, jederzeit rückhaltlos anerkannt worden. Ich kann heute schon Vorhersagen, das wir auch in Metz dieser vor­nehmen Tradition treu bleiben werden. (Lebh. Beifall.)-

Der Segen, der im Laufe der Jahrzehnte von die­sen Versammlungen ausgegangen ist und der als wer­dende Kraft das Glaubensleben erwärmte und kräf­tigte, steht im Buche der Ewigkeit verzeichnet. Tie Männer, die an ihrer Wiege gestanden und durch all die Jahre hindurch ihr ganzes Wissen und Können in ihren Dienst gestellt haben, waren ganze Männer, die ihren Glauben als ihr Kostbarstes auf Erden in schwe­ren Zeiten furchtlos verteidigten. Die Stürme, in denen sie ihre Kraft erprobten, haben nicht zu toben aufgehört. Die Sage erzählt, daß der hl. Clemens den Grauli, ein geschwänztes Ungeheuer, welches hier sein Unwesen trieb, mit dem Kreuze in der Hand be­zwungen bat. Seit des hl. Clemens Zeiten hat mit dem Grauli des Unglaubens und der Gottesfeindschaft noch mancher heiße Kampf getobt. Was sind alle jene Prüfungen, die unsere Kirche heimgesucht haben, ange­fangen mit den schweren Zeiten des apostolischen Zeit­alters, durch die blutigen Jahrhunderte der Christen­verfolgung hindurch bis auf die unwürdige Sage, die man unserem geliebten heiligen Vater geschaffen, die schmähliche Kn-'^elung der Kirche in Frankreich und in der Schanbrüt? 'lik- Portugal, die offene und versteckte Sucht, Christus aus der Schule zu verbannen; mit einem Witte,'alle die gewaltigen Stürme, was^sind sie anders, als Schwanzschläge dieses Ungeheuers, ^a, auch heute noch umkreist der Grauli des Gotteshai;e» das Schifflein Petri und peitscht _bic Wellen turmhoch, sc­hätz Peirusnaturen im Schiffe manchmal bange wer-.