2. Blatt.
Drud der (ylbett Aetiendrucerei in Selbe.
Fuldaer Leitung. -
JV® ^88.
Samstag <6. August 1913.
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Lokales.
Fulda, 16. August 1913.
*** Eine regelmäßige Sitzung der Stadtverordneten» Versammlung findet am Atontag, den 18. August 1913, abends 71/» Uhr statt, mit folgender Tagesordnung: 1) Mitteilungvon Eingängen. 2) Ausbau der verlängerten JosepLstraße und Bewilligung der Kosten. (Berichterstatter Keil.) 3) Ausbau der Verbindungs straße zwischen Park» und Avalbertstraße und Bewilligung der Kosten. (Keil.) 4 Beratung der Paragraphen 7 bis einschließlich 16 der Ordnung zum Schutze gegen Verunstaltung und über die Bauweise in verschiedenen Stadtteilen. (Adam und Kircher.) 5) Beschickung der Hauptversammlung des Sparkassenoerbandes. (Singer.) 6) Herstellung eines Teiles der Schloßgarienmauer zwischen dem Orangeriegebäude und der Schmitt'schen Besitzung. (Wehner.) 7) Nachbewilligung von Kosten für Herstellung des Fußbodenplattenbelags im weißen Saal der Orangerie (Adam.). 8) Einrichtung der elektrischen Beleuchtung und der Wäscheeinrichtung mit elektrischem Betrieb im Heilig. Geisthospital. (Weber.) 9) Bereitstellung eines Kredits zur Beschaffung von Multiplex-Fernzünder. (Eicken- scheidt.) 10) Niederlegung des Mandats als Stadtverordneter seitens des Herrn Dr. Schulte. (Kapp.) 11) Freigabe-Urkunde. (Singer.) 12) Aufstellung von 4 Trinkanlagen im Schulhofe der Stadtschule und Bewilligung der Kosten. (Fritz.) 13) Antrag Adam: 1. Kenntnisgabe an den Magistrat über das Zu- standekommen eines Beschlusses der Stadtverordneten- Versammlung. 2. Streichung der zwei letzten Sätze des § 9 der Geschäftsordnung der Stadtverordneten- Versammlung. (Adam und Dux.) 14) Uebernahme von Grundstücksparzellen in städtisches Eigentum und Löschung emer Belastung. (Wehner.) In geheimer Sitzung: 15) Führung eines Rechtsstreites wegen Grenzstreitigkeiten. (Kircher.) 16) Uebernahme einer Kanalisationshypothek auf die Stadtkasse. (Keil.)
* Zu besetzen ist die Rentmeisterstelle bei der Königlichen Kreiskasse in Gelnhausen, Reg.- Bezirk Kassel.
-$■ Eine machtvolle Glaubenskundgebung war die gestrige Feier des Titularfestes der Marianischen Bürger« und Junggesellen-Sodalität. Mehr als 700 Sodalen, die der Gottesmutter Männertreue geschworen, fanden sich am Morgen des Festtages am Tische des Herrn ein. Auch an der um 9 Uhr zur Stadtpfarrkirche ziehenden, imposanten Kerzen» Prozession beteiligten sich die Sodalen in stattlicher Zahl. Ohne die beiden Jünglings-Sodalitäten dürften es 750 Sodalen gewesen sein. Die Festpredigt hielt Herr Stadtpfarrer Gramm. Das feierliche Levitenamt verherrlichte der stadtpfarrliche Kirchenchor, der unter Leitung des Herrn Kantors Scherer die fünfstimmige Missa in honorem Beatae Mariae Virginia de Lourdes von Edgar Tinel, ein Meisterwerk der Tonkunst, in vollendeter Weise zur Aufführung brachte. Zum Offertorium sang der Chor das stimmungsvolle „Ave maris stella“ von P. H. Thielen und zum sakramentalen Segen das feierliche 5 stimmige „Tantum ergo“ von Haller mit Orgelbegleitung. Der Rückweg der Prozession erfolgte unter dem Gesänge des „Großer Gott wir loben dich". Am Nachmittag wurden nach einer Ansprache des Präses, Herrn Domkapitular Herbener, 28 Mitglieder der Sodali- tät zugeführt. Bei der Generalkommunion am Morgen machte der Herr Präses die Mitteilung, daß die Sodalität ihr apostolisches Wirken auch dadurch betätigt habe, indem sie 300 Mark für den Bonifatiusverein und denselben^ Betrag für die Sturmiuskirche bewilligt habe.
Zum grohen Sommerfeste des kath. Gesrllen- vercins waren gestern trotz des ungünstigen Wetters große Scharen aus alten Schichten der Bevölkerung berbeigeströmt. Es war dies ein Beweis, daß die Veranstaltungen des Gesellcnvereins eine große Zugkraft ausüben. Die Leitung des ganzen Festes lag in den Händen des Gesellenpräses Herrn Stadtkaplans Kräh. Für Abwechselung war auf alle mögliche Art gesorgt. In den dichtbesttzten Sälen konzertierten die Musikkapellen des dompfarrlichen Jünglingsvereins und des stadtpfarrlichen Jünglingsvereins abwechselnd. Die Gesangsabteilung des Gesellenvereins errang sich durch den Vortrag von schönen Liedern, (darunter „Morgenfeier* komponiert vom Dirigenten) unter Leitung des Herrn Lehrers Sauer stürmischen Beifall und Bravorufe. Die Turnabteilung marschierte im Garten auf und vollführte Stabübungen und stellt Pyramiden auf der Bühne bei bengalischem Feuer; auch die Gerätevorführungen fanden allseilige Anerkennung. Viel Interesse erregte besonders der Reigen der Oberklaste der stadtpfarr-
Pas Münchner Kinöl.
69] Roman von Felix Nabor.
Darauf schloß er sorgfältig den Schlag, winkte Wassilow und rief: „Fertig zur Abfahrt — ab!"
Der Wagen ratterte, spie Rauch aus und schoß davon.
Das blasse Gesicht der Fürstin erschien hinter den Spiegelscheiben; ihre schönen, dunklen Augen umspannten noch einmal mit heißen, dürstenden Blicken die Herrlichkeiten Berlins, und eine tiefe Traurigkeit erfüllte sie.
Straße um Straße durchraste das Auto und trug die Fürstin immer weiter weg von dem Orte, an hem ihre Seele zurückblieb.
Langsam versank das Städtcbild vor ihren Augen — und die Tore der Welt schlugen hinter ihr zu.
XVIII.
An den folgenden Tagen brachten die Berliner Zeitungen kurze Andeutungen von einer Aufsehen erregenden Erfindung auf dem Gebiete der Aviatik und kündeten zugleich für den nächsten Sonntag einen Schauflug an, den der Sohn des bekannten Architekten L. von Sandow ausführen werde.
Es hieß darin:
„Hardy v. Sandow, der als erster Sieger aus dem Preiswcttbcwcrb um die Entwürfe zu einem Opernhaus hervorging, ist nicht nur ein vorzüglicher Architekt, sondern auch ein Ingenieur von ganz hervorragenden Qualitäten. Seit einem Jahre arbeitete er an dem Problem der Vervollkommnung der Flugtechnik und es ist ihm gelungen, ein Luftfahrzeug zu konstruieren, das in seiner Vollendung geradezu ideal genannt werden darf. Ans naheliegenden Gründen erscheint es nicht angezeigt, das Geheimnis des genialen Erfinders preiszugcbcn: nur soviel sei verraten, daß der Flugapparat den illamcn „Doppeladler" führt, zivei Motoren von je 100 PS. und zwei Propeller besitzt, von denen jeder selbständig für sich oder zu gleicher Zeit in Bewegung gesetzt werden rönnen. Ein besonders sinnreicher Mechanismus gestattet dem Flieger, längere Zeit an einem bestimmten Punkte in der Luit ru ballen, was für
lichen Mädchenschule, der gut eingeübt war. Groß war die Kmderzahl, die sich am Fähnchenzug unter Vorantritt der Musikkapelle beteiligten und ebenso war der Kletterbaum stark belagert. " Große Heiterkeit erregte das Kasperletheater mit seinen drolligen Figuren und Darstellungen. Weiter war für allerlei Kurzweil gesorgt durch Preisspiele sowie Schieß- und Ringwerfbuden. Den Verkauf von Obst und Süßigkeiten in besonderen Buden hatten mehrere Damen in liebenswürdiger Weise übernommen. Ueberall herrschte fröhliches Leben und Treiben und kein Mißton störte das ganze recht gelungene Sommerfest.
0 Fulda als Kongretzstadt. Der hessische Forstverein, der, wie an anderer Stelle berichtet wird, in Birst ein tagte, beschloß seine nächste Jabresver- sammlung in Fulda abzuhalten. Mit der Tagung wird eine Exkursion in die Rhön und in die Freiherrlich Riedesel'schen Waldungen bei Lauterbach verbunden sein. Auch der Allg. Deutsche Jagdschutz verein, Landesverein Kurhessen, dürfte im Anschluß an obige Tagung hier »usammentreten.
a Errichtung von Geflügelzuchtstationen. Die Landwirtschaftskammer beabsichtigt, in diesem Herbst neue Geflügelzucht-Stationen zu errichten. Meldungen sind unter Darstellung des derzeitigen Geflügelzuchtbetriebes des Antragstellers bis zum 1. September d. Js. an die Landwirtschaftskammer zu Kassel zu richten.
• Tas Regiment der Siebenschläfer ist gestern zu Ende gegangen. Diesmal haben sie's den Ungläubgien gezeigt, daß sie noch existieren; denn wie es Freitag, den 27. Juni, geregnet hat, so sind seitdem nur wenige Tage ohne Regenguß verflossen und gestern war es nochmal besonders schlimm. Vor zwei Jahren freilich war's ganz anders. Da regnete es auch am Siebenschläfertag und dann setzte die unheimliche Hitzeperiode ein, in der wochenlang kein Tropfen Regen fiel.
* Reue v-Züge. Nach dem ersten Entwurf des ab 1. Oktober geltenden Fahrplans der Direktion Mainz werden die seitherigen, auch von Fulda aus viel benutzten Eilzüge49/48 Frankfurt-Köln-Amster- dam-Rotterdam-Haag (ab Frankfurt 10 früh, ab Köln nach Frankfurt 6.18 nachmittags) am 1. Oktober in V-Züge mit 1.—3. Klasse umgewandelt.
+ Die nachgeprägten Zubiläumsmünzen, deren Ausgabe anfänglich erst Anfang Oktober geplant war, sollen nunmehr doch frühzeitiger zur Ausgabe gelangen. Vor kurzem ist bereits ein Teil der nachgeprägten Jubiläumsmünzen, von denen vorerst drei Millionen Dreimarkstücke gefertigt werden, an die Zentralkassen der Bundesstaaten versandt worden. Nach Ablieferung der Regierungsjubiläumsmünzen wird mit der Ausprägung von drei Millionen Erinnervngsmünzen zur Jahrhundertfeier der Erhebung Preußens begonnen werden, man kann damit rechnen, daß, bis Ende September die Ausgabe dieser Münzen an die Kassen erledigt sein wird.
s Eine weitere Arbeiterfürsorge auf Bauten — jüngst wurde schon von dem Verbot offener Koksöfen berichtet — ist durch einen für Arbeitgeber wichtigen ministeriellen Runderlaß in die Wege gele'tft worden. Danach dürfen vom 1. November bis 1. April Stukkateur-, Maler- und Töpferarbeiten in Neubauten und solchen Umbauten, die diesen gleichzuachten sind, nur dann ausgeführt werden, wenn die Räume, in denen gearbeitet wird, durch Türen und Fen st er verschlossen sind. Erforderlichenfalls kann von der Polizeibehörde angeordnet werden, daß die Räume, in denen gearbeitet wird, erwärmt werden. Bei strengeren Temperaturverhältnissen kann der angegebene Zeitraum noch weiter ausgedehnt werden. Dies gilt auch für Hochbauten, wenn einschließlich der Poliere und Lehrlinge mehr als 10 Personen zurzeit der Rohbauausführung gleichzeitig beschäftigt sind, und bei Tiefbauten, die von Unternehmern ausgeführt werden, wenn an einer bestimmten Stelle des Baues mehr als 10 Personen länger als eine Woche gleichzeitig beschäftigt sind.
(!) Sonntagsheiligung und Sportfeste. Wir haben kürzlich Mitteilung von einem Erlaß des Frankfurter Polizeipräsidenten gemacht, wodurch die Veranstaltung von öffentlichen Fußball-Wettkämpfen während der sonntäglichen Gottesdienstzeit von 10—12 Uhr vormittags und 1 und 3 Uhr nachmittags untersagt wird. Wem es mit der öffentlichen Sonntags» Heiligung Ernst ist, der wird diesen Erlaß mit Beifall begrüßt haben. Tenn, wenn es die staatliche Gesetzgebung mit Recht für angebracht erachtet hat, der wirtschaftlichen Arbeit im Interesse der christlichen Sonntagsfeier für gewisse Tageszeiten ein Halt zuzurufen, so muß ein solches Eingreifen noch weit mehr am Platze sein gegenüber sportlichen Veranstaltungen mit ihren Anforderungen an die körperliche Leistungsfähigkeit, ihren Anlockungen
militärische Zwecke, sür das Abwcrfen von Geschossen uftv. von weittragendster Bedeutung werden dürfte. Die bisher konstruierten Flugzeuge müssen bekanntlich in der Luft stets in Bewegung gehalten werden; wenn diese aufhört, so bleiben nur Sturz oder Gleitflug übrig. Herrn von Sandows Erfindung eröffnet für die Flugtcchnik völlig neue Perspektiven und man darf gespannt sein auf seinen Hochslug am nächsten Sonntag. Möge ihm und seinem „Doppeladler" ein glänzender Sieg bcschiedcn sein!"
Das Großstadtpublikum liebt nichts mehr als Sensationen und so waren Hunderttausende von Berlinern die Woche über in fieberhafter Spannung und konnten den Sonntag kaum erwarten.
Auch Hardy v. Sandow war in beständiger Aufregung und traf die Vorbereitungen zu seinem Ausstieg: ‘ infolgedessen war er den ganzen Tag von Hause weg und kam erst spät in der Nacht zurück. Daher sah er seine Fran fast eine Woche lang nicht, ahnte auch nicht, welche entsetzliche Angst sie ausstand, seit sie in der Zeitung die Nachricht von seinem Schaufluge gelesen hatte.
Hardy b. Sandow sah infolge der beständigen lleberarbeitung blaß und angegriffen aus und sein Vater riet ihm selber, sich mehr Ruhe zu gönnen. „Ein Flieger muß Nerven wie Stablsaiten haben", sagte er, „sonst mißlingt ihm sein Wagnis. Ruhe Dich aus, sammle Kraft, daß Tein Auge klar und Deine Hand, die das Steuer führt, fest und sicher ist. Uebrigens verstehe ich nicht, warum Du solche Eile mit Deinem Fluge hast. Laß Dir Zeit, erprobe erst Dein Flugzeug —"
„Es hat sich erprobt — und ich bin meiner Sacke sicher", erwiderte Hardv. „Daß ich mich so bald als möglick von der Vorzüglichkeit meines Flug- avparates überzeugen will, ist doch selbstverständlich, lind nackdem mein Entwurf zum Overnhaus niemals zur Ausführung kommen wird, ist es erklärlich, daß ich mir auf einem anderen Gebiete Ruhm erwerben, meinen Namen weltbekannt machen will —"
„Die Sache ist mir trotz dieser Versicherung etwas rätselhaft", saate Leo b.~ Sandow. „Du schweigst Dick über Deinen Besuch bei dem Fürsten Ostrawitz völlig aus —"
der jugendlichen Menge, ihren lärmenden Kundgebungen usw. Als edle Sonntagserholungen wird doch kein Eingeweihter diese Veranstaltungen zu bezeichnen wagen. Wenn man nun in einer Stadt wie dem als in jeder Hinsicht sehr weitherzig bekannten Frankfurt zu der Erkenntnis gelangt ist, daß sich Sportfeste und sonntägliche Gottesdienstzeit nicht miteinander vertragen, so muß man sich umsomehr wundern, daß in Fulda, dessen weitaus meisten Bewohner eine strenge Sonntagsheiligung aus ihrer religiösen Ueberzeugung heraus auf das entschiedenste wünschen, diese Unzuträglichkeit noch nicht überall erkannt worden ist. So geht vielmehr aus dem Programm der IV. olympischen Spiele, die der Fußballklub „Boruffia" morgen veranstalten will, hervor, daß um lOUHr vormittags die sportlichen Wettkämpfe einsetzen sollen, nachdem schon um 61/» Uhr sich die Wettgeher in Bewegung gesetzt haben werden. Es ist nicht das erstemal, daß wir auf diesen Mißstand Hinweisen. Wir hatten im Vorjahre den die Spiele veranstaltenden Verein nachträglich auf die Störung der Sonntagsheiligung durch seine Programm-Gestaltung aufmerksam gemacht und ihm eine Abstellung empfohlen. Da jener Hinweis wirkungslos geblieben ist, müssen wir jetzt abermals diese Feststellung machen und gleichzeitig den maßgebenden Stellen zu wissen tun, daß weite Kreise der hiesigen Bevölkerung sehr ungehalten darüber sind, daß zur Zeit des sonntäglichen Hauptgottesdienstes solche sportliche Veranstaltungen vor sich gehen.
rt Die Fericustrafkammer beschäftigte sich am Donnerstag mit einer Berufungssache des 48jährigen Tagelöhners Wendelin Waitz aus dem Kreise Den« hausen. Er ist wiederholt wegen Bettelns vorbestraft. Gegen ein Urteil des Schöffengerichts in Hünfeld vom Juli d. I. hat er Beschwerde eingelegt. Er war dort wegen Bettelns zu 4 Wochen Haft und Ueberweisung an die Landespolizeibehörde verurteilt worden. Die Berufung wurde verworfen. — Eine zweite Berufung mußte wegen Zuziehung eines medizinischen Sachverständigen vertagt werden.
[] Sport. Gestern nachmittag fanden auf dem Borussia-Sportplatze „Sportpark Neuenberg" aus Anlaß der IV. Olympischen Spiele die Schülerwettkämpfe statt, die sehr unter der Ungunst der Witterung zu leiden hatten. Trotzdem wurden sehr gute Leistungen erzielt; konnte doch Lindenlaub-Oberrealschule Fulda im Schleuderballweitwerfen 46,17 Meter erreichen; derselbe erzielte auch im Weitsprung 5,60 Mtr. Die beste Zeit im 100 Meter-Laufen lief Hausmann-Gymnasium Fulda. Verschiedentlich durchlief er die Strecke in 12 Sek. Die Stafette gewann wiederum Kgl. Lehrerseminar Fulda gegen Bieberstein und Borussias Jugendmannschaft. Die einzelnen Resultate sind folgende: 100 Meter-Lauf: 1. Hausmann G. F. V. Fulda 12; 2. Adams Kgl. Lehrers. Fulda 12,1; 3. Kirchner G. F. V. 12,2; 4. Lindenlaub 12,2." Weitsprung: 1. Adams Lehrers. Fulda 5,57 Meter; 2. Ludwig Bieberstein 5,45 Mtr.; 3. Klassert Lehrers.Fulda 5,37 Mtr.; 4. Staubach Borussia 5,30Mtr. Schleuderball: 1. Lindenlaub Oberr. Fulda 46,17; 2. Korzilius Lehrers. 40,18; 3. Adams Lehrers. 36,10; 4. H. Winter Borussia Fulda 32,27. 600 Meter- Stafette (100, 200, 200, 100): 1. Kgl. Lehrers. Fulda 1 M. 21,1 Sek.; 2. Bieberstein 1 M. 25 Sek.; 3. Borussias Jugendm. 1 M. 28'Sek. — Die Ehrenpreise für das morgige Fest sind von heute ab in der Zentral» Drogerie von Karl Pauly, Buttermarkt, ausgestellt.
* Heber das Zigeunerkonzert, das am Samstag, den 17. August im Sladtsaal oder Garten stattfindet, liegen uns günstige Kritiken vor. So schrieb das „Franks. Volksblatt": Die eigenartigen Darbietungen der im Nationalkostüm auftretenden Künstler wurden von dem Publikum immer und immer wieder mit schallendem Beifall ausgenommen, sodaß sich die Kapelle zu mehreren Einlagen verstehen mußte. Das Programm der Kapelle ist sehr reichhaltig und abwechslungsvoll. Eine besondere Eigenart in der Besetzung ist das „Zigeunerklavier", welches der „Pianist" meisterhaft beherrscht. Die Serpentintänze waren elegant und farbenprächtig.
Ans dem Nachbargebiete.
* Ein Aussichtsturm auf dem Kreuzberg.
Die neugegründete Rhönklub-Se'-tion Kreuzberg (Vorsitzender der Guardian des Franziskanerklosters auf dem Kreuzberg Pater Fortunat Döring) beabsichtigt auf dem Gipfel des Kreuzberges neben dem baufälligen Observatorium und dem 25 Meter hohen hölzernen Kreuze einen 25 bis 30 Meter hohen Aussichtsturm zu erstellen. Die Rhönklub- uation wird das Projekt bald verwirklichen, wenn die Mittel hiezu reichlich fließen. Bei klarem Wetter ist bekanntlich dort oben die Fernsicht wahrhaft großartig. Nördlich die Rhönberge, nordöstlich die Höhen des Thürmgerwaldes, östlich die Veste Koburg, Bad Kis- singen, Steigerwald, südöstlich die Festung Marienberg und der Spessart, weiter der Taunus und das
„Diese Angelegenheit", versetzte Hardy rasch, „ist zwischen uns abgetan — in der Art, wie es Männern ziemt! Frage nicht weiter! — Ich habe die Opernhausfrage vorderhand abgeschlossen und muß all' meine Gedanken auf meinen neuen Plan richten."
„Tue das — aber befolge auch meinen Rat und gönne Dir Ruhe!"
Hardy erfüllte den berechtigten Wunsch seines Vaters wenigstens soweit, daß er am Samstag sich jeder Arbeit enthielt/ einen längeren Spaziergang nach Grünewald machte, und abends zeitig zu Hause war, um am Tage vor dem großen Ereignis einmal gründlich auszuschlafen, um am Sonntag frisch und kräftig zu fein. —
Er zog sich bald in fein Amtszimmer zurück, trank ein Glas Wein und rauchte eine Zigarre. Im Hause war es stille wie in einem Grabe. Diese Ruhe tat ihm nach der arbeitsreichen, an Aufregung reichen Woche unendlich wohl. Der Zauber einer eigenen Häuslichkeit umfing ihn und ein weiches Gefühl, wie er es seit langem nicht mehr an sich erlebt hatte, stieg in seiner Seele empor. Er gedachte seiner Brautzeit an Annies Seite, wo ihm die Welt zum Paradies geworden war! Wie schön wäre es gewesen, wenn dieser selige Zustand ewig gedauert, wenn sein junges Weib ihn verstanden hätte und an seiner Seite als treuer Kamerad stehen könnte! Aber dos war vorbei — durch seine Schuld! Mit Absicht hatte er sie von sich gedrängt, die Arbeit, der Ehrgeiz, die Sucht nach Ruhm und Ehren hatten ihn gleich zornigen Dämonen erfüllt und vorwärts getrieben, so daß für Liebe kein Raum mehr in seinem Herzen war und sich eine Kluft austat zwischen ihm und seinem Weibe. Sie waren sich fremd geworden und die Fürstin, die so tief in sein Leben eingriff, und ihn immer wieder zu neuem Hochflug anspocute, hatte auch das ihrige dazu beigetragen, daß er Annie weit hinter sich zurückließ, daß er das arme, bescheidene Veilchen nicht sah, das für ihn im füllen Garten blühte.
In diesem Augenblicke ernster Sclbstprüfung erkannte er, daß er an seiner Gattin unrecht und lieblos gehandelt hatte. Aber er war zu stolz, sie um Verzeihung zu bitten; er, der stolze Herrenmensch,
Vogelsgebirge. In der Ferne der Brocken usw. Der Aussichtsturm wird auch mit einer hübschen Veranda versehen werden. Um vor den Unbilden der Witterung, namentlich im Herbst und Winter, geschützt gu1 ein, soll die Veranda auch überdeckt werden. Die' Fernsicht, die mit der Zeit durch die bewaldeten Höhen! und durch die auf dem Plateau angelegten Kulturen beschränkt wird, dürfte bann eine bedeutend bessere werden. Erwähnt fei auch noch, daß das hölzerne Kreuz, das 1882 errichtet wurde, weil das vorige den Stürmen zum Opfer gefallen war, demnächst mit einem neuen Blitzableiter versehen wird. Fürstbischof Julius von Mespelbrunn errichtete 1582 erstmals ein großes steinernes Kreuz aus dem Berge zur Erinne- rung an die Einführung christlicher Kultur und Sitte,
;; Petersberg, 16. Aug. 1913. Gestern fand die Abschieosfeier des hochw. Herrn Kaplan B c e h l e r,' der nach zweijähriger Tätigkeit nunmehr nach Neu- tabt M.-W.-B versetzt ist, statt. Je ein Vertreter der politischen Gemeinde, des Kirchenvorstandes und des Lehrpersonals sprachen dem hochw. Herrn Kap-! Ian nach dem Hauptgottesdienst ihren tiefgefühlte»! Dank für seine Tätigkeit während seiner hiesigen Amtsperiode aus. Mit Eintritt der Dunkelheit zog der Jünglingsverein unter dem Scheine brennender Wachsfackeln und unter Vorantritt seines Trommler-' und Pfeiferkorps vor das Pfarrhaus, um seinem! verehrten Herrn Präses unter Ueberreichung eines Geschenkes ein Abschiedsständchen zu bringen und einen schuldigen Dank auszusprechen; ihm folgten der Turnverein, dessen Ehrenvorsitzender Herr Kaplan! Brehler.seit einigen Wochen war. Auch dieser ehrte' den scheidenden Herrn durch Ueberreichung eines Ge- chenkes. Der sich anschließende Gesangverein Konkordia" brachte ergreisende Abschiedslieder zum Vortrag. Fast alle Einwohner des Ortes waren dem Zuge vorangeeilt oder gefolgt, um der Abschiedsfeier beizuwohnen. Tief ergriffen dankte Herr Kaplan Brehler für die feierliche Kundgebung. Auch der anschließende Kommers im Saale der Birkenbach'sche»' Wirtschaft brachte innige Dankbarkeit zum Ausdruck.' — Der Petersberger Spar- und Darlehns - kassenverein überbrachte gestern seinem langjährigen Verdienstreichen Vorsitzenden Herrn Philipp Bug in Petersberg ein Ehrendiplom aus Anlaß seines Rücktritts aus dem Vorstände genannten Vetff «ns» „ '
.][. Hünfeld, 15. Ang. 1913. Der hiesige käthou Meister« und Gesellen-Verein veranstaltete am Mittwoch abend seinem scheidenden Präses, Herrn Kaplan Goldbach, eine sehr herzliche Abschiedsfeier.' Der Protektor des Vereins, Herr Dechant Schmelz,! sowie der Obermeister, Herr Buchdruckerei«Besttzep A lbi ez, richteten an den Scheidenden herzliche Worte des Dankes sür das, was er im Verein und für ihn getan, und brachten ihm die besten Wünsche des Vereins für sein ferneres Leben zum Ausdruck. Herr Kaplan Goldbach dankte mit bewegten Worten, versicherte die Vereinsmitglieder steten, treuen Gedenkens und wünschte dem Verein alles Gute, besonders daß; das vor 4 Wochen gefeierte, so erhebend verlaufene' goldene Jubelfest reiche Früchte tragen möge. In? weiteren Verlaufe des Abends gedachte Herr Dechant Schmelz noch des Namenstages des anwesenden Herrn Rektors Sondergeld, der dem Scheidenden ebenfalls freundliche Abschiedsworte widmete und mit einem Hoch auf den Herrn Dechanten dankte. Gemein«' schaftliche Lieder, Gesang- und Musik-Vorträge der Hofaschenbacher Kapelle füllten mit den Ansprachen den Abend aufs schönste aus. ■ j
? Ans der Rhön, 14. August 1913. In Stein-- bad; bei der Milseburg starb im 92. Lebensjahr die älteste Person der Pfarrei Eckweisbach,' die Witwe Sibylle ©eng; sie war geboren am 10. Mai 1822. Bis in die letzten Tage ihres Lebens erfreute sie sich großer körperlicher lytb geistiger Rüstigkeit. s
o. Vom Vogelsberge, 15. Aug. 1913. Durch eine eigenartige Ursache wurden mehrere Hauptleitungen der Ueberlandzentrale Schotten gestört, indem bei Sprengarbeiten im Ortenberger Basaltbruch große Steine sortgeschleudert wurden und die Drähte durchschlugen. Auch die Fernsprechleitungen der Post wurden auf die gleiche Weise zerstört. — Durch Kreisrat Schliephake (Friedberg) wurde gestern Wilhelm Hahn als Bürgermeister von B u r g - Gräfenrode in sein Amt eingeführt. Das neu-' gewählte Dorfoberhaupt zählt er ff 25 Jahre und ist das jüngste Mitglied unter seinen hessischen Kollegen.
* Hanau, 15. Aug. 1913. Im hiesigen St. Vin- cenzkrankenhaus starb der 60 Jahre alte Werkmeister Kaiser aus Schimborn. Seine beiden Söhne hatteü
der nur an sich selber glaubte, schob dieses unangenehme Gefühl des Selbffvorwurss beiseite, wie man ungenießbaren Wein wegstellt und labte sich an seiner eigenen Größe, bewunderte sein eigenes Genie, seinen Mut, seine Tatkraft und seine Gottähnlichkeit.
Stolz und eigenherrisch, wie er nun einmal war, kannte ec keine "Reue, berauschte sich vielmehr schon zum Voraus an dem Ruhme, den ihm der folgende Tag bringen mußte. !
Er erhob sich, dehnte im Bewußtsein seiner Kraft und seiner eigenen Unfehlbarkeit seine Glieder und reckte die Arme empor. „Ha — das wird ein Sieg, werden!" sagte er. „Die ganze Welt wird davon! reden! — Nur eines fehlt mir in meinem Glücke:! daß die Fürstin Ilona nicht an meiner Seite empor- steigen kann zu den Sternen! — Welch' ein Triumph müßte das sein für mich — für sie, die mich stets! zum Höchsten anfeuerte! —** ]
Er ging cinigcmalc im Zimmer auf und a§,> blies den Rauch feiner Havanna vor sich hin, daß! er in blaue Wolken gehüllt war und dachte nach.! „Ich weiß", sagte er sich, „daß die Fürstin keinen' sehnlicheren Wunsch hat als den, mit mir diesew Flug zu unternehmen. Und in dieser Stunde — in’ diesem Augenblick denkt sie an mich und an meine Fahrt, darauf möchte ich schwören. Himmel wenn sie morgen ganz unerwartet käme! ■— Wenw sie sich an meine Seite im „Adler" setzte! Mir wirbelt der Kovf bei diesem Gedanken — und je länget ich ihn erwäge, um so glaubhafter erscheint er mir.« Ja — sie wird kommen! Zuzutrauen ist ihr ein so kühner Entschluß und die nötige Energie besitzt siv auch, um ohne Wissen ihres Gemahls eine solches Tat anszuführen. Gewiß, gewiß — sie wird kommen und ich werde ein Wunder erleben! Nun freue! ich mich wie ein Gott auf den morgigen ^ag — er wird der schönste meines Lebens werden. Exzelsior. — das ist mein alter, bewährter Schlachtruf und rch stimme ihn auch jefct wieder jubelnd an: ExzAsivr! ■— leerte das Glas mit Wem und oach-e. „Dvö weihe ich biefen Trank, Ilona, bu hohe, fürstliche Frau, dir meiner Mule, meinem GL-sins! —"
(Fortsetzung folgt.)