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Fuldaer Zeitung

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Somstag den 16, August 1913.

40. Zahrgang.

Crstes Blatt.

Nr. ISS.

60. Generalversammlung -er Katholiken Deutschlands in Metz.

o Metz, 13. Aug. 1913.

Die festlichen Tage der 60. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands rücken näher heran. Höchste Anerkennung verdient die überaus eifrige Arbeit des Metzer Lokalkomitees, an dessen Spitze Pro­fessor Dr. Kintzinger steht, und aller seiner einzelnen "Unterabteilungen, von denen besonders die Presse­kommission, vor allem ihr Leiter Professor Dr. Bour, sowie die Rednerkommission mit Herrn Generalvikar Pelt an der Spitze Vorbildliches geleistet haben.

Das Lokalkomitee hat in diesem Jahre doppelte Arbeit zu leisten. Neben den deutschen Ver­sammlungen finden für die französisch sprechen­den Besucher französische Versammlungen statt, für die ebenso wie für die deutschen Versammlungen Redner von Ruf gewonnen worden sind. Die Auswahl der Redner und chrer Themata, die den modernen Zeitfragen gerecht werden sollen, bildet eine der vornehmsten, aber begreiflicherweise auch eine der schwierigsten Aufgaben des vorbereitenden Lokalkomi­tees. Und wenn, wie wir schon erwähnten, es dem Metzer Lokalkomitee gelungen ist, hinsichtlich der äußeren Vorbereitungen für die 60. Generalversamm­lung sich würdig an die Seite seiner Vorgänger zu steÜen, so darf ein Gleiches gesagt werden bezüglich der Auswahl der Redner und ihrer Themata. Neben Männern erprobter und weithin bekannter Redner­gabe, finden sich auch Männer, die zwar zum ersten Male der größeren Oeffentlichkcit bekannt werden, die aber dennoch den Anspruch darauf haben, zum Stolz unserer Generalversammlung gezählt zu werden.

Neben den offiziellen Veranstaltungen der Ge­neralversammlung werden auch in diesem Jahre wie­der die drei großen öffentlichen Versammlungen des Bolksvereins, der Schulorganisation und die allgemeine Missionsversammlung stattfinden. Auch für diese Versammlungen sind be­kannte Redner vorgesehen, die einen glänzenden Ver­lauf auch dieser Versammlungen gewährleisten.

Wenn wir der Redner- und Pressekommission be­sonders gedachten, so müssen wir dies auch tun hin­sichtlich der Wohnungskommission. Sie hat in außerordentlich umsichtiger Weise für die Beschaf­fung von Wohnungen, besonders von Massen- qu'artieren, gesorgt. Die städtische Verwaltung ist ihr dabei stützend zur Seite gestanden, indem sie städtische Gebäude für die Unterbringung der Besucher der Wohnungskommission zur Verfügung gestellt hat, die diese gegen ein billiges Entgelt den Wohnungs­suchenden anweist: Auch die Militärverwaltung hat geeignete Räume für die Unterbringung von Mosien- quartieren zur Verfügung gestellt. Nicht unerwähnt endlich darf auch die Ausschmückungskommission blei­ben, die mit reger Unterstützung der ganzen Bevölke­rung der ©tabt Metz Glänzendes geleistet.

Je näher die festlichen Tage rücken, so mehr ändert sich das äußere Bild der Stadt. Schon erheben sich in den Straßen der Stadt, die der Festzug am Sonntag berühren wird, auf dem weiten Platze vor dem prachtvollen Bahnhof Flaggenmaste und wuch­tige Säulen mit den Emblemen der Stadt Metz ge­schmückt, kurz überall, in den Straßen der Stadt, regt und webt es, um die alte Moselfeste mit einem f e st- lichen Gewände zu schmücken. Besonders glänzend wird die Ausschmückung der prachtvollen Moselanlage werden, wo auch die Tribüne für die Hochwürdigsten Bischöfe und Ehrengäste für den Fest- Mg aufgeschlagen ist. Für den Festzug selbst sind bereits rund 30 000 Personen angemeldet, sodaß auch hier eine glanzvolle Kundgebung katholischen Glau­bens gewährleistet ist.

Die Bewohnerschaft der Stadt Metz, ohne Un­terschied der Herkunft und der Sprache, bereitet sich vor, die 60. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands würdig und freudig bei sich aufznneh- men. Dieses friedliche Zusammenarbeiten der ver­schiedenen Bevölkcrungsschichten an den: großen Werk wird zweifellos seinen guten Eindruck auf die Teil­nehmer an der Generalversammlung nicht verfehlen. Sie alle haben es verdient, daß die Katholiken Deutsch­lands ihren Dank zum Ausdruck bringen durch recht zahlreiches Erscheinen in der, alten Grenzwacht an der Mosel, die mit ihrer erinnerungsrcichen Um­gebung so viel des Interessanten bietet.

Nicht unerwähnt endlich wollen wir die eigens aus Anlaß der 60. Generalversammlung herausgege- bene Festschrift „Lothringen und seine Haupt­stadt" taffen. Es ist ein Prachtwerk nach Inhalt sowohl, wie nach Ausstattung, und es bietet außer­ordentlich viel Wissenswertes über das Land Loth­ringen und die Stadt Metz. Auch bei dieser Gele­genheit hat sich wieder der Opfersinn der Stadr Metz bewiesen. Nur die Unterstützung der städtischen Ver­waltung und Privaten hat die Heransgabe dieses empfehlenswerten Werkes ermöglicht.

So ist denn alles geschehen, um den Besuchern der 60. Generalversammlung den Aufenthalt in Metz so angenehm wie möglich zu gestalten. Und wir rufen unseren Lesern zu: Auf nach Metz'.

'Die Redner «nd Reden auf dem Metzer Katholikentag.

In den offiziellen Versammlungen werden in deutscher Sprache reden:

Bischof Dr. Faulhaber, Speyer, über: Das Mailänder Edikt und die Freiheit der Kirche.

Seminardirettor a. D. Karl H o e b e r, Köln, über: Die religiösen Pflichten des gebildeten Laien­standes.

Stiftspropst Dr. Kaufmann, Aachen, über: Die Stellung der deutschen Katholiken zur Fortbil­dungsschule.

Chefredakteur Baumberger, Zürich, über: Moderne Volksbildung, ihr Segen, ihre Schäden.

Chefredakteur ® e r ft en berget, Würzburg, über: Der Katholik und die Presse.

Weihbischof Dr. H'a e h l i n g v. Lunzenauer, -Paderborn, über: Dir brrt^en Katholiken und ihre jJSIaubensbrüber in bt - L ora. .. , -

Cheficebakteur Joos, München-Glabbach, über: Welche Forberungen stellt bie neuzeitliche Entwicklung ber Jnbustrie an bie katholische Arbeiterwelt?

Prälat Schweitzer, Generalpräses ber Gesel­lenvereine, Köln, über Aböls Kolping. (Gebächtnis- rebe.)

Friebrich Graf v. Galen, Haus Assen, über: Die katholischen Orben in ber heutigen Zeit.

p. Bonaventura, 0. Pr-, Berlin, über: Die Entchristlichung bes öffentlichen Lebens.

In französischer Sprache werben reben:

Bischof Dr. Saturn, Trier, über: Das Mailänder Edikt und die Freiheit der Suche.

Advokat SR6lot. Mitglied der belgischen Sammer, Namur, über: Die Pflichten des Satholiken im öffentlichen Leben.

Dr. Gaston Louis, Domkapitular, Metz, über: Die soziale Pflicht der Satholiken.

UniversitätsprofessorDr.Eugen Müller, Straßburg, über: Religion, Familie und Schule.

Chefredakteur Teitgen, Rennes, über: Die Presse.

Brifaut, Advokat am Brüsseler Appellationsgerichts- Hof, Mitglied der belgischen Sammer, Brüssel, über: Laicismus und Neutralität.

Montag, Dienstag und Mtttwoch findet jeden Morgen in der Festhalle eine große Versammlung mit freiem Eintritt statt. Es werden dort sprechen:

Montags in der Versammlung zur Behandlung der Schulfrage:

Oberlehrer Dr. Cuny, Montigny, über: Die konfessionelle Volksschule.

Hauptlehrer Wehhaupt, Straßburg, über Vaterländische Erziehung und Konfessionelle Er­ziehung.

Waisenhausdiektor Mauel, Köln, über: Die Volksschule in ihrem Verhältnis zur Kirche und Staat.

Dienstags, in der Versammlung des Bolksvereins:

Justizrat Trimborn, Köln, und Universitäts­professor Dr. Eugen Müller, Straßburg.

Mittwochs, in ber Missionsverfammlung: p. Dio­nysius O'r tsiver, o. Fr- M., Düsseldorf, und Frei­herr v. Steinaecker, Generalleutnant z. D., Wilmersdorf.

Eine große Stubentenverfammlung veranstaltet der Akademische Bonifatiusverein am Dienstag mor­gen im großetl Storchensaal. Es werden dort auf­treten: sstechtsanwalt Dr. Aug. Nuß, Seligenftadt, Weihbischof Dr. Hae'hling v. Lanzenauer, Paderborn, und Generalsekertär Dr. W e i n a n b, Paberborn.

Nach bcm Festzug am Sonntag, an bem sich 25 000 Mann beteiligen, werden 12 Versammlungen abge­halten, zu denen eine Anzahl Redner aus dem Jn- lande und dem Auslände gewonnen sind.

„Fällt das Jesuitengesetz?"

Diese Frage stellt die „Tägliche Rundschau". Sie will das ihrige dazu beitt agen, daß es nicht fällt, und darum gibt sie einen Artikel wieder aus der sog. „Deutsch-Evangelischen Korrespondenz" des Evange­lischen Bundes, der von „Hofintriguen" der Jesuiten und von „Besorgnissen in weitesten protestantischen Kreisen" redet, um bie Regierung aufzufordern, ein „offenes, klärendes Wort" zur Beruhigung zu spre­chen.

Also die Regierung soll veranlaßt werden, sich vorzeitig in der Frage f e st z u l e g e n, und zwar für die Aufrechterhaltung des Verfolgnngsge- setzes! Nun sieht man doch,' wozu das krause Ge­schwätz in der Schweizerischen Presse gut war! Auf katholischer Seite wartet man in Ruhe die Be­schlußfassung des Bundesrates ab. Von der andern Seite aber verarbeitet man „Nachrichten", um Auf­regung hervorzurufen und auf die Staatsmänner, die etwa friedliche Regungen empfinden könnten, einen abschreckenden Druck auszuüben.

Das Organ des Evangelischen Bundes ist zu vor­sichtig, um sich mit den ganzen „Enthüllungen" der Schweizer Blätter solidarisch zu machen; aber es will doch aus der sensationellen Aufmachung einen „Kern" hetausschälen, der „zum mindesten" der preußischen Regierung Veranlassung geben müßte, aus ihrer „Reserve" herauszutteten. Dieser „Kern" soll die „nicht unglaubliche" Mitteilung sein, daß die Mutter des Königs Albert von Belgien, eine geborene Prin­zessin von Hohenzollern-Sigmaringen, die Sache der Jesuiten in Berlin geführt habe. — Schrecklich! —* Wir wissen nicht, ob diese hohe Frau sich irgendwie über das deutsche Jesuitengesetz ausgesprochen hat. Wenn es geschehen sein sollte, so wäre es noch sehr die Frage, ob die Jesuiten selbst diese Meinungs­äußerung veranlaßt oder auch nur gekannt haben. Es ist offenbar eine ganz willkürliche Behauptung ber genannten Korresponbenz des Evangelischen Bundes, wenn sie angibt, die Jesuiten hätten „ihre Macht in Belgien benutzt", um die Mutter des Königs zur Sachwalterin in Berlin zu machen. Man könnte fast vermuten, baß bie Herren vom Evangelischen Bunbe aufs geratewohl ben Jesuiten eine Praxis zuschrei­ben. die diese selbst zu üben pflegen.

Die Jesuiten sollen nämlich, wie die genannte Korrespondenz versichert, „Meister der H o f i n- trige" fein. Der „Beweis" ist etwas fonberjbar. Erstens habe ber bayerische Reichsrat Graf Tör- r i n g neben anderen Absonderlichkeiten auch das behauptet, und zweitens hätten die Jesutten „bei ihren Bemühungen am Sterbebett des Staatssekre­tärs Nieberding Seelsorge und Politik klug vereint". Nun freilich, wenn der Trost, dem man einem ster­benden, der weiteren irdischen Wirksamkeit enthobe­nen Glaubensgenossen spendet, Politik oder gar Hos- intrige sein soll, dann kann man schließlich alle pflicht­treuen katholischen Geistlichen zu fürchterlichen Rän­keschmieden stempeln und das Jesuitengesetz auf sämt­liche Priester ansdehnen!

Sehr sonderbar ist die Ansicht ber genannten Kor­respondenz, daß bei Abschwächung ober gar Aufhe­bung des Ausnahmegesetzes der Jesuiten audj_ bie „Tätigkeit an den Höfen" freigegeben würde.

Ach, wenn bie Jesuiten wirklich auf „Hofintrigen" ausgingen, so brauchten sie bamit nicht bis zur Aende' rung des Gesetzes zu warten. Das unglückselige Ge­setz behindert sie in ber priesterlichen Tätigkeit, aber biepolitische Arbeit, namentlich solche hinter ben Kulissen, ließe sich trotzbem entfalten, — wenn bie Jesuiten nichts besseres zu tun hätten.

Es zeigt sich immer toieber, baß die Gegner ber Jesuiten mit Ammenmärchen arbeiten. Leiber sinben unter ben Protestanten, bie von Jugend auf mit Vorurteilen gegen die Jesuiten genudelt worden sind, bie tollsten Fabeln immer noch Glauben. Man arbeitet systematisch auf bie „Beunruhigung" des protestantischen Volkes hin, itnb dieser Zweck soll auch die schlechtesten Mittel heiligen.

Wir warten in Ruhe ab, was der Bundesrat be­schließen wird. Die Herren Minister haben sich sel­ber in eine Art Zwickmühle gebracht; sie haben die neue Auslegung vom November v. I. beschlossen, die eine Verschärfung in sich schloß, und sie haben bann die feierliche Erklärung abgegeben, daß es keine Verschärfung fein solle, — was durch die Vorgänge in Pforzheim und Koesfeld widerlegt wurde.

Diese Unstimmigkeit ist nicht besser zu be­seitigen, als durch Aufhebung des ganzen Un­glücksgesetzes.

Deutsches Reich.

* Berlin, 15. Aug. 1913. Am 3. Sept, sind 25 Jahre verflossen, seit Kaiser Wilhelm zum schwedischen Flottenadmiral ernannt wurde. Ans diesem Anlaß wird am 31. August auf d-nn Panzer­schiff „Oskar II." eine Deputation in Stettin ein­treffen, die sich nach Berlin begeben wird, um bem Kaiser im Namen ber Offiziere ber schwedischen Ma­rine einen Ehrensäbel zu überreichen. — Der beutsch-russischeLiteraturvertrag. Am Donnerstag ist das neue deutsch-russische Abkommen über den Schutz von Werken der Literatur und Kunst in Kraft getreten. — Die Novelle zur Gewerbeord­nung, durch die die Bestimmungen über das G a ft» Wirtsgewerbe und andere mit diesem im Zu­sammenhang stehenden Gewerbebetriebe abgeändert werden soll, wird auch eine Erweiterung der Kon­zessionspflicht in Vorschlag bringen.

** Kaiserreisen, lieber das Reiseprogramm des Kaisers und der Kaiserin läßt sich in großen Zügen nach der,Voss. Ztg/ folgendes mitteilen: Abreise von Bad Homburg mittags. 25. August: Ankunft der Kaiserin in Posen. 25. August: Nachmittags Ab­reise des Kaisers vork Kelheim. 26. August: An­kunft in Posen. 28. August: Abreise des Kaisers und der Kaiserin nach Breslau. 30. August: Ab­reise nach Wildpark. 8. September: Abreise in das Gelände der Kaisermanöver. — Die durch die Presse gehende Meldung, wonach der Kaiser im Laufe des Monats September eine Reise nach Korfu antreten werde, ist nach Erkundigungen des Berliner Korrespondenten der ,Köln. Ztg/ unzu­treffend. Im Lause dieses Jahres wird der Kaiser nicht mehr nach Korfu reifen.

)( Gehaltserhöhung für 96 000 Postbeamte. Mit dem 1. Oktober werden zirka 96 000 Beamte der Reichs-, Post und Telegraphenverwaltung mit , Ge­haltsaufbesserung bedacht worden. Mit dem gleichen Termin tritt auch die Erhöhung der Tagegelbbezüge für bie Postboten in Kraft.

♦ Behörden und Handwerk. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt amtlich: Auf dem am 12. d. in Halle stattgehabten Handels- und Gewerbekammertag ist von verschiedenen Seiten die schon oft gehörte allge­meine Behauptung anfgestellt worden, daß die aus- führenden Behörden, von denen das Handwerk in wohlwollender Weise berücksichtigt wird, sich um den Verdingerlaß nicht kümmerten. Dem­gegenüber ist festzustellen, daß man an zuständiger Stelle auf Grund der Prüfung der bisher cinge- gangenen Beschwerden und nach den Ergebnissen eingehender örtlicher Erhebungen durch Ministerial- kommissare"jene Behauptung -nicht als be­rechtigt ansieht. Solche allgemeine und durch Tatsachen nicht belegte Beschuldigungen der ausfüh­renden Beamten sind nur geeignet, die guten Be­ziehungen zwischen bem Handwerk und ben ber» bingenben Behörden zu trüben.

♦* Zu Bebels Tod. Die ..Nordd. Allg. Zeitung" beschränkt sich zum Tod Bebels auf die Wiedergabe der Todesnachricht und auf eine kurze Biographie des Parteiführers, die mit folgenden Worten anfängt:

In ben Nachrufen aus bürgerlichen Blättern findet bie menschliche Achtung Ausdruck, die fich der Verstorbene, abgesehen von dem verwüstenden Einfluß seiner Agi­tation als einer der ältesten Abgeordneten des Reichs­tages, in langjährigem parlamentarischen Umgang bei Mitgliedern verschiedener Fraktionen erworben hatte.

In seinem letzten Willen hat Bebel die sozialdemokratische Partei Deutschlands mit einer ansehnlichen Summe bedacht. Außerdem vermachte er ber Partei von einem bestimmtet! Zeitpunkt an das ausschließliche Verlagsrecht seiner Werke. Als Testamentsvollstrecker bezeichnete er feinen Freund Bankier Ullmann in ^Frankfurt a. M. Bebel wünschte, in Zürich durch Feuer bestattet zu werden. — Donnerstag nachmittag ist die Leiche Bebels von Chur nach Zürich tzbergeführt worden. Arbeiter­vertretungen erwarteten dort ben Zug und geleiteten den Sarg ins städtische Vollshaus, wo die Leiche bis zum Sonntagnachmittag aufgebahrt bleibt. Für die Trauerfeier werden große Vorbereitungen getroffen. In einem von Musikkorps geführten Zug werden 500 Kranzträger einher schreiten. Den Leichen­wagen begleiten Abordnungen der sozialdemokratischen Reichstagsfraklion, Vertreter ausländischer Regierungen voran Frankreichs, Mitglieder ber Bundesversammlung sowie der kantonalen und städtischen Behörden.

)( Zum Krupp-Prozeß. Nachdem fast sämtliche Angeklagten im Prozeß Tilian und Genossen -8 e- rufung eingelegt haben, hat nun auch der Gerichts­herr von diesem Recht Gebrauch gemacht. Der Ge­

richtsherr ist mit dem Urteil gegen bie Zeugleutnants Tilian, Schleuder, Hinst, den Oberintendantursekretäi Pfeiffer und den Feuerwerker Schmidt nicht einver- standen. Außer Dröse haben bekanntlich sämtliche Angeklagten gegen bas Urteil Berufung eingelegt, so baß bas Oberkriegsgericht nach ben Ergebnissen ber Beweisaufnahme jetzt in ber Lage sein wird, auf höhere ober niebere Strafen zu erkennen. Gänzlich ausscheiben wirb in bem neuen Prozeß ber Angeklagte Dröse. Das gegen ihn erlassene Urteil hat Rechts­kraft erlangt. — Die „Braunschweigische Landeszei. tung" hält ihre vom „Wölfischen Tel.-Bureau" bementierte Nachricht, baß gegen sämtliche Mitglieds, des Direktoriums Krupp die Anklage er­hoben wurde, aufrecht. Sie behauptet, daß ber An­trag auf Eröffnung des Hauptverfahrens gegen fämb liche Mitglieder bes Direktoriums Krupp von bei Staatsanwaltschaft beschlossen ist. Auf ben Antra« ber Staatsanwaltschaft ist ein Beschluß ber Eröff «ungskammer lediglich wegen Einforberung bei Akten von bem Militäraericht noch nicht gefaßt wor ben. Dieses wirb aber in nur kurzer Zeit, sofort nach Rückgabe ber Akten bnrch das Milttärgericht, erfol­gen; bas Blatt teilt ferner mit, baß in bem Verfah­ren fünf Sachverständige unb 23 Zeugen einvernom- men worden sinb, und daß mit der Verhandlung in ber ersten Woche bes Oktober beftimmt zu rechnen ist.

* Eine wichtige Verstaatlichungsforderung wird in ber „Köln. Vztg." erhoben: Große Beachtung hat in letzter Zeit bis Entbeckung eines neuen Heil­mittels gegen Krebs, bes sog. Mesothoriums, gemacht. In einer Reihe von Stabten hat man be­reits beträchtliche Summen bewilligt, um dieses Mit­tel, von bem ein Gramm zurzeit 250000 Mk. kostet, zu beschaffen und Versuche damit anzustellen. Es ist nun bekannt geworden, daß bie Farmen, welche Mesothorium gegen Krebs erzeugen, bie Preise die­ses Heilmittels möglichst hoch halten. Ja, es soll sich schon ein Trust gebilbet haben, ber zwar unter harmloser Flagge segelt, in Wirklichkeit aber wohl nichts besseres sein wirb als alle die anderen Kon­ventionen und Trusts, die auf eine Beherrschung des! Marktes und damit auf eine den Konsum schädliche Preisstellung abzielen. Man denke sich nun: Da wird' ein Mittel erfunden, mit dem man einem ber ärgstem Feinbe bes Menschengeschlechtes auf ben Leib rücken' kann, ber Erwerb dieses Mittels ist aber von dem Belieben einiger Privatfirmen abhängig. Das heißt denn doch alle Begriffe von Kultur und Menschlichkeit einfach auf den Kopf stellen. Wahrscheinlich wird sich demnächst auch die Aktienspekulation dieser neuen ®e= winnanssichten bemächtigen, und wir werden Wieders wie nach der Entdeckung des Mittels gegen die Sy-j philis, das erhebende Schauspiel erleben, daß betl Spektilantengelbbeutel sich mit Profiten füllt, bie mach dem Menschenelenb abgeknöpft hat. Gegen solche, Ungeheuerlichkeiten gibt es nur eine Maßnahme: Detz Staat muß sich unter allen Umstänben bie All ein- Verwertung und den Alleinvertrieb von Präparaten sichern, bie nach bcm Urteil eines zu btlbenben Fach-- ausschusses ber kranken Menschheit Segen bringen- können. Wenn je eine Verstaatlichungsforberung> berechtigt war, so gewiß biese. Es barf nicht gedul­det werden, daß die Privatindnsttie und die Effekten- spekulativ» der Gesundheit des Volkskörpers ent­gegenarbeiten, Staat und Volk haben daran gleich­zeitig ein ganz außerordentliches Interesse. Es macht absolut nichts ans. wenn der Staat Jahr für Jahr einige Millionen für den Erwerb derartiger Mittel ausgibt, selbst wenn sich nachher herausstellt, daß die Hoffnungen, die man an die Wirkung der, Mittel gesetzt hat, sich nicht ganz oder gar' nicht erfüllen.

□ In ber eigenen Falle gefangen. Man schreibt uns: Das Wort des alten Zentrumsführers von Schorlemer-Alst: „Germanisieren ist Protestantisieren" scheint auch in Lothringen praktische Geltung finden zu sollen. Ganz besondere „Gcrmanisations"- arbeit hat der G u st a v - A d o l s -V e r e i n in Merlenbach-Freimengen aufzuweifen, wie man aus seinem Jahresbericht 1912 ersehen kann. Nach Erwähnung des Uebergangs ber Gesellschaft „Saar und Mosel" ans französischem in deutschen Be­sitz wird die Vermehrung ber Beamten und Arbeiter cingehenb besprochen. Es heißt da:

Die Verwaltung war wegen der dünnen Besiedelung ter hiesigen Gegend und der großen Rückständig­keit der Bevölkerung gezwungen, Beamte und Arbeiter in großen Scharen aus anderen Bergbaubezirken heranzu-> ziehen, wobei man besonders daraus bedacht war, mög- lichst evangelische Leute zu erhalten, um auf diese- Weise inmitten der bis dahin ganz katholischen Gegend dem Evangelium zu seinem Rechte zu verhelfen. Durch diesen Umstand ist au8 kleinen Anfängen eine große evangelische Gemeinde emporgeblüht, die aber noch kein Kirchlein ihr eigen nennen kann . . .

Hier haben die Gustav-Adolf-Leutc einmal offen eingeftanben, wetz' Geistes Sinb sie finb. Ganz gleich­gültig, ob der Verfasfer des Berichts in naiver Weise aus der Schule geschwatzt hat oder wirklich so unver­froren war, seine Gesinnung offen an den Tag zu legen, der katholische Volksteil Lothringens muß sich den Borwurf der Rückständigkeit entschieden verbitten. Aus die Kultur und Bildung des Gustav-Adolf-Ber-- eins haben wir in Lothringen, Gott sei Dank, nicht zu Watten brauchen. Sonst sucht man immer die Tatsache, daß „germanisieren" gleichbedeutend ist mit „protestantisieren", abzuleugnen, jetzt haben wir einen schlagenden Beweis für die Wahrheit dieser Behaup­tung. Wir möchten einmal sehen, wie man Zeter und Mordio schreien würde, wenn in Altdeutschland ein katholischer Verein einen derartigen beleidigenden Be­richt über die eingesessene protestantische Bevölkerung veröffentlichen würde. Wenn unsere Bevöllkerung.aus die Kultur und Bildung des von jenseits des Rheines her irnpottierten Gustav-Adolf-Vereins, der seinem Namen einem ausländischen Verwüster und Plün­derer deutscher Gaue entliehen hat, hätte warten müs­sen, dann wäre sie, so schreibt der „Lothringer Grenz­bote", dem wir diese Enthüllung verdanken, wahrhaf­tig übel daran! : '