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3. Blatt.

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Zuldaer Leitung.

Samstag (6. August 191$.

wochen-Nun-schau.

[:] gulba, 15. August 1913.

Der Kaiser hat nach Abschluß seiner Nord­landreise mehreren Städten an der Ostseeküste einen Besuch gemacht, hielt bei Main; auf dem Großen Sande eine Truppenschau ab, wohnte dann der Ent- chüllung des Denkmals für den „Jäger aus Kur­pfalz" bei. Jetzt weilt er in Homburg v. d. H. Ernen kräftigen Widerhall hat besonders eine Rede des Kaisers in Lübeck gefunden, wo er unter freu­digem Beifall die Worte sprach: Ich schütze den Kaufmann, sein Feind ist mein Feind. Der Kaiser hat schon wiederholt in seinen Reden hervorgehoben. Laß die deutsche Flotte als Mittel zur Aufrechterhal­tung des Friedens vor allem auch bestimmt ist, dem Schutz des deutschen Handels, als Bürgschaft für den Kaufmann und für die ungestörte Ausübung seiner friMichen Tätigkeit. Bei dec Vorfeier zur Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Kanals sprach er es schon aus: im Frieden nur kann der Welthandel sich entwickeln, im Frieden nur kann er gedeihen und Frieden wer­den und wollen wir aufrecht erhalten.

Im übrigen unterbricht in diesem Jahr nichts die recht langweilige politische Sommerstille. Es will gar keine lebhafte Debatte in Fluß kommen und die Presse bemüht sich vergeblich, das Jnteresie auf innerpolitische Vorgänge zu lenken. Selbst die Mas­senstreikartikel und -reden wollen nicht mehc recht verfangen; die Genossen haben sich so schnell darüber ausgeredet und käuen dasselbe immer und immer iwieder. Auch die besonders zwischen Konservativen und nationalliberalen Blättern gepflogenen Ausein­andersetzungen über die Erneuerung des Zolltarifs wollen keine weiteren Kreise ziehen. Es ist wunder­lich still geworden und darum war cs gar nicht so sehr erstaunlich, daß auch wieder eine dicke Ente, die von der bevorstehenden Aufhebung des Jesuiten- gcsetzes zu erzählen wußte, aufflatterte. Ein langes Leben war ihr nicht bcschicden, denn die ganze Aufmachung der sonderbaren Nachricht, die von ver- sönlichcn Beeinflussungen durch die verstorbene Grä­fin von Flandern und einen polnischen Schloßhaup- mann zu berichten wußte, war gar zu sensationell und Phantastisch, als daß sie selbst bei gutgläubigen Lesern hätte Glauben finden können.

Vergeblich ist auch das Bemühen gewisser Blät­ter, die von tiefgreifenden Gegensätzen im katholischen Lager bald links bald rechts schreiben, um in die bevorstehende Tagung der deutschen Katholiken in Metz einen Mißton zu bringen. Der Wunsch ist bei all diesen Ergüssen der Vater Les Gedankens ge­wesen: es ist nicht zu befürchten, daß die deutschen Katholiken auf der diesjährigen Generalversamm­lung, die nur die Katholiken als treue Anhänger der Kirche vereinigt, Streitfragen auszutragen geneigt find, die nicht auf dem Gebiete liegen, das zu be­handeln Aufgabe und Zweck der deutschen Katholiken­tage ist.

In F r a n k r c i ch hat das Gesetz über die drei­jährige Dienstzeit jetzt auch die Billigung des Se­nats gefunden und der Kriegsminister hat bereits begonnen, dasselbe in die Praxis zu überführen.

Auch Oest erreich-U n g arn will seine Wehr­ikraft erhöhen. Die Kriegsverwaltung will etwa '36—40 000 Rekruten mehr haben, wovon etwa 20 000 Mann auf das Heer, etwa 2000 Mann auf die Kriegsmarine und je 8000 bis 9000 Mann auf die beiden Landwehren entfallen sollen.

Auf dem Balkan ist nun endlich Frieden geschlossen worden. Er trägt den Namen von rest und wird so in der Gcfchichte verzeichnet blc * Der klugen und umsichtigen rumänischen Leituna und dem persönlichen Einfluß des Königs Karol ist es auch zu danken, daß die Fricdensverhandlungcn einen solch raschen und glatten Verlauf genommen haben. Natürlich bedeutet der Frieden für Bulgarien gänz­liche Unterwerfung unter die Forderungen seiner Be­sieger, aber auch dieses gedemütigte Land geht nicht ohne wertvollen Zuwachs aus dem blutigen Balkan- krieg hervor. Dabei erfüllt cs uns Deutsche mit Freude, daß dem Einfluß und unablässigen Bemühen unseres Kaisers das glückliche und schnelle Zustande­kommen des Friedens mit an erster Stelle zu dan­ken ist. Das erfahren wir erst jetzt aus einem Deve- schenwechsel zwischen dem Kaiser und K ö n i g K a r o l und es darf trns mit Genugtuung erfüllen, daß gerade im Augenblick des Friedensschlusses Deutschlands Ansehen auf dem Balkan bedeutend gestiegen ist. Die Auszeichnungen, die der deutsche , Kaiser an rumänische Staatsmänner verliehen bat und die Ernennung des Königs Konstantin von Gric-

Unpolitische ZeMause.

N. Berlin, 5. Aug. 1913.

(Nachdruck nicht gestattet.)

Karl, Nante, Peter, Konstantin, Des grimmen Haders miide, Erweichten ihren harten Sinn Und machten endlich Friede.

Wedelt mit den Palmen und läutet mit den Fric- Hensglocken. Wenn wirklich einnial Waffenruhe ist, iso muß man diesen beglückten Zeitpunkt schleunigst genießen und auskosten. Gerade wie den Sonnen­schein im Sommer 1913; denn er — vergeht schnell.

Was ist der Völkerfriede? Ein Wafienstillstand bis auf weiteres. Der Zwischenakt im Zank-, Stank-, Raub- und Raufdrama der Weltgeschichte. Die „Helden" verschnaufen sich ein Weilchen, und dann ! legen sie wieder los. Zu den Friedensurkunden 'sollte man kein Pergament verwenden, nicht einmal sKanzlcipap'ier, sondern ein Holzpapier, recht billig ,und schlecht. Denn das geduldige Papier wird auf .jeden Fall sich dauerhafter erweisen, als der Ver­mag vom „ewigen Frieden".

Wollen wir den Staatsmännern und den Völkern Vorwürfe machen wegen der Kurzlebigkeit ihrer Friedensschlüsse? Ach, im Privatleben ist ja "auch die Friedlichkeit verzweifelt asthmatisch! Heute /vertragen sich die Leute mit Handschlag oder gar mit .Kuß; morgen aber wird die Streitaxt von gestern /schott wieder ausgegrabcn.

Keine Fruckt gedeiht auf Erden so üppig, wie die 'Zankäpfel. Die saugen ihren Nährstoff sogar ans der Tmte, mit der die FriedcnSurkunden geschrieben werden Im Anschluß an den neuesten Valkanfrie- den ist sogar ein Zankapfel zwischen Berlin und Wien ausgeblüht. Deutschland und Oesterreich sollten doch eigentlich immer ein Herz und eine Seele fein, wie es sich für so ein politisches Ehepaar geziemt. Aber nun meinte Mutter Austria, der Friede von Bukarest sei nicht gut genug, man müsse ihn erst noch über­prüfen und ausbessern, damit er dauerhaft würde. ®<tier Deutschland ober sagt: Nehmen wir schnell, itoaS zu haben ist; wenn wir an dem schiefen Turm ch«u r Bukarest berumkünstelu. «nt ihn lotrecht ziH»

chenland zum deutschen Generalfeldmarschall haben in Rumänien und Griechenland ein freudiges Echo gesunden. Aber auch in Belgrad herrschte bei dem Dekanntwerden von dem Eingreifen des deutschen Kaisers lebhafte Freude, denn man entnahm daraus die Gewähr, daß Deutschland von einer Revision des Bukarester Friedens nichts wissen wolle. Mag dies den Bulgaren auch weniger angenehm sein, sie dürfen doch nicht vergessen, daß sie den Besitz von Ianthi den Vorstellungen des deutschen Kaisers beim grie­chischen König verdanken. In Oesterreich hat das eigenmächtige Handeln des deutschen Kaisers allerdings etwas verstimmt, denn dort hätte man den Bukarester Friedensvertrag gern noch einer Revision unterworfen. Es ist aber verkehrt, wenn man aus dem Vorgehen des Kaisers eine Unfreundlichkeit ge­gen die Politik der österreichischen Regierung her­auslesen will. Man mag die Sache drehen wie man will, es will uns doch immer scheinen, als ob das Redisionsverlangen Oesterreichs jetzt, wo sich der ganze Balkanknäuel von selbst abgewickelt und ent­wirrt hat, reichlich spät kommt. Auch Rußland, das sich anfänglich auf Oesterreichs Seite stellte, hat sich von Frankreich bestimmen lassen, sein Revisionsver­langen aufzugeben und so endigt der Balkankrieg mit einer Schlappe der österreichischen Politik, die bei einiger Um- und Vorsicht leicht hätte vermieden wer­den können. Wenn Deutschland in diesem letzten Punkt von einer Unterstützung seines österreichischen Bundesgenossen absieht, so tut es das im Interesse des europäischen Friedens und auch darum, weil ihm doch nicht gut zugemutet werden kann, daß es auch Fehler der österreichischen Politik mitmachc. Um des Hafens Kawalla wegen darf die Ruhe Europas und der junge Friede auf dem Balkan doch nicht wieder gestört worden. — In der Schwebe bleibt immer noch die türkische Frggc. Die Pforte hat den Botschaftern mitgeteilt, daß sic darauf bestehe, daß die Maritza- Grenzc als endgültige angesehen wird, fodaß nach tote vor die Schwierigkeiten bleiben.

AuS dem fernen Osten kamen auch in dieser Woche noch Meldungen über ernste und blutige Kämpfe und es scheint, als ob so schnell an eine Wie­derherstellung der Ruhe im chinesischen Riesenreich nicht zu denken ist. Ernst lauteten auch die Jach­richten. die. aus Mexiko eintrafen, wo der fett lan­gem schon bestehende Zwist zwischen der Republik und den Vereinigtet! Staaten zu einer Entscheidung drängt. Es scheint aber, als ob die Staatsmänner in Washington vorläufig doch noch von einem mili­tärischen Eingreifen in die unruhigen Verhältnisse der mexikanischen Republik absehen wollen, denn es könnte den Vereinigten Staaten doch recht teuer zu stehen kommen. Wollten die Vereinigten Staaten die Unabhängigkeit Mexikos respektieren und ihre Be­gehrlichkeit nach dem reichen Lande zügeln, dann dürfte die vollkommene Herstellung von Ruhe und Ordnung in Mexiko kaum lange auf sich warten lassen.

O Der Kampf gegen die Schnlmeffe in Preußen.

Seit den unglücklichen Tagen des Kulturkampfes wogt in Preußen ein Kampf um die Schulmcsie. Sämtliche preußische Regierungen sind, so legt das „Wests. Volksblatt" dar, in der Folgezeit namentlich auf das Drängen des Evang. Bundes zu endgültigen Entscheidungen genötigt worden, die aber leider die wünschenswerte Einheitlichkeit vermißten und somit den Stoff zu neuen Revolten kicchenfeindlicher Ele­mente in sich bergen.

In den hochgchendsten Wogen des Kulturkampfes wagten die Regierungen doch nicht, mit dem im kath. kirchlichen Leben tief eingewurzelten Brauch der Schulmcsse zu brechen. Wohl wurde die enge Ver­knüpfung der Schulmesse mit dem Schulunterricht allgemein gelöst, aber die Regierungen ließen doch durchweg die Bestimmungen gelten, daß die Schul­messe zum wesentlichen Teile der katholischen Rcli- gionscrzichung gehöre, somit einen Bestandteil des Religionsunterrichtes bilde, dec auf die religiös­praktische Einwirkung von einschneidender Bedeutung fei. Der Besuch der Schulmesse wurde nicht als Pflicht für Lehrer ttnb Schüler der oberen und mitt­leren Klassen erklärt, Versäumnis der Schulmesse galt als strafbare Schulvcrfäumnis. So entschied z. B. die Kgl. Regierung zu Trier, am 18. Oktober 1875 u. a.: „An diesem Schulgottesdienste teilzuneh­men, sind die Lehrer resp. Lehrerinnen der Oberstufe und die Kinder dieser Abteilungen, welche nicht toci-

macheu, so fällt uns am Ende das ganze Bauwerk über dem Kops zusammen, und an Stelle des ver­besserten Friedens bckontmcn wir einen neuen Krieg! Wer hat nun recht? Auf jeden Fall kommt der Teufel zu seinem Recht, wenn schließlich der Streit zwischen ungeratenen Kindern dazu führt, daß die Eltern sich entzweien und verknurren. Laßt doch die Bengel am Balkan in ihrem eigenen Fette schmoren! Wenn sie durch den Schaden auf Gegenseitigkeit noch nicht klug geworden sind, so ist ihnen auch durch die schönste Ücberprüfung des Vertrages keine Vernunft und Friedlichkeit bcizubringcn.

Genieße froh, was dir beschieden. Begnüg' dich mfi dem faulen Frieden. Ein wenig kann man sich verschnaufen, Bis daß "die Buben wieder raufen.

Liebe reimt sich auf Triebe. In Wirklichkeit aber befördern die Triebe Les Einzclmcnfchcn oder der Völker nicht die Liebe und den Frieden, sondern viel­mehr den Zank und Kampf. Unsere Triebe sind von Eigensinn ttnd Eigennutz geleitet. Damit stoßen^ wir bei auberen an, unb die kehren bann auch ihre Jgcl- stacheln heratis. Ehe man cs sich versieht, ist der Zusammenstoß da, und jeder behauptet, der andere fei das schuldvolle Karnickel, das angefangen. Je länger ich das Treiben der Menschen im großen unb int kleinen betrachte, desto höher verehre ich den Apostel Johannes mit seinem weisen Mahnspruch: Kindlein, liebet euch untereinander! Die schlimmere Hälfte von allem Erdenjammer wäre zu beseitigen, wenn die Menschen sich nur zur gegenseitigen Liebe verstehen wollten. Schon die Vernunft lehrt uns, daß wir glücklicher und behaglicher leben, wenn wir Liebe üben unb Frieden wahren. Die Reli­gion macht uns die Nächstenliebe zur heiligsten Pflicht. Aber findet dieser Weg zum Glück allge- meinen Anklang? Nein, stärker als die Vernunft unb das Gewissen erweisen sich immer wieder bie rohen, selbstsüchtigen Triebe, und daraus reimt sich leider das lingiäckswort H i c ü c.

Schön ist der Friede, sagt Schiller, und vergleicht ihn mit einem lieosichcn Knaben, bet am Dach ge­lagert ist und Blumen Windei. Ja, lieblich ist bet Knabe, doch bat er verdächtige rote Flecke aus den Backen: der Friede ist schwindsüchtig. Ihm

ter als 15 Minuten von der betr. Kirche wohnen, im allgemeinen verpflichtet."

Obwohl bie praktische Handhabung der Bestim­mung von Kirche und Schule stets milde geführt wurde, setzten die Zionswächter des Evang. Bundes ihren Kampf gegen die kath. Schulmesse unentwegt fort. In der liberalen protestantischen Presse ver- fuchtc man juristisch nachzuweisen, daß die kath. Aemtcr, in denen nur lateinisch gesungen werde, als Schulmesse int Sinne der Entscherduugen der König!. Regierung nicht in Frage kommen könnten. So glaubte man, durch finanzielle Schädigungen der Pfarrer den Eifer des Klerus für den Schulgottes- dienst einzudämmen. Die Folge des Kampfes trat prompt ein, nicht aber im Sinne der Kirchenfeinde. Nach Negierungsentscheidung kann als Schulmesse nur eine solche "Messe angesehen werden, in der die Kinder durch Gesang und allgemeines Gebet aktiv teilnehmen. Einige Jahre ruhte nun der Kampf, bis vor wenigen Monaten die Kgl. Regierung zu Kassel eine neue Verfügung betr. die Schulmesse er­ließ, die einen „freieren" Zug atmet, indem sie den Besuch der Schulmessc nut fakultativ macht. Seit Wochen fällt nun die liberale Presse über den gefun- benen Stofs her, um bie ihr verhaßte kath. Schulmesse zu beseitigen. Natürlich kam zuerst bie Deutsch-Evan­gelische Korrespondenz — der Titel verrät schon ihre Kompetenz ssir katholische Messen —, die den Kasseler Erlaß abdruckte unb ben gesunden Geist der Kasseler Regierung lobte. Damit aber genügt es nicht. Man hält den anderen Regierungen vor, daß ihre schärfe­ren Erlasse nur durch den „Sturm von ultramonta­ner Seite" entstandett seien. Um nun die Regie­rungen zu zwingen, ihre Bestimmungen betr. die Schulmcsse in „freiheitlichem" Geiste zu reformieren, hetzt die liberale Blätterwelt in oft schaudererregen­den unwahren Schilderungen die liberal katholischen Eltern gegen die Regierungen auf. Die sonst in Ueberpatriotismus schwimmenden Blätter und Blätt­chen sordcrn geradezu zur Revolte gegen die Regie­rung auf, indem sic empfehlen, nach der Kasseler Regierungsentscheidung auch in anderen Regierungs. bezirken zu handclit und in Konfliktsfällen sich auf die Kasseler Verfügung zu stützen.

Man sollte doch glauben, daß der Kampf gegen die kath. Kirche vor der direkten Befriedigung religiöser Bedürfnisse Halt machen werde. Dazu gehört bic Schulmessc zu bett poesicvollsten Momenten int Le­ben unserer Kinder. Aber der Deutsch-Evangelischen Korrespondenz und ihrer liberalen Gefolgschaft ist nichts zu heilig, cs zu bekämpfen, wenn's nur nach katholisch riecht.

Deutsches Reich.

— Eine Kniehosengeschichte. Kürzlich hat sich in dem Rosenheimer Zcntrumsblatt, der „Wendel­stein", in scharfer Weise ein katholischer Geistlicher mit der Kuichosentracht, den Vereinen zur Erhaltung der Gcbirgstrachtcn und ihren Festen beschäftigt. Bon diesen Vereinen, denen die Hauptsache das Tanzen, und zwar das Tanzen in der wildesten und leidenschaftlichsten Form des Schuhplattlers, fei, hiel­ten sich die Geistlichen fern. Schließlich erklärte der Verfasser, dos erzbischöfliche Ordinariat München habe die Geistlichen wissen lassen, daß in Zukunft für ,Tluiehösler" keine Genehmigung zu einer kirch­lichen Fahnenweihe mehr gegeben werde, auch dann nicht, wenn die Fahne ein religiöses Bild zeige. Die Geistlichen seien angewiesen, bei Festlichkeiten solcher Vereine keine Messe ztz lesen, kein Amt zu halten, überhaupt bi'. Vereine und ihre Fahnen zu kirch­lichen Festen nicht zuzulassen. Daraufhin erhob sich in liberalen Blättern ein Sturm gegen ben „Erlaß des erzbischöflichen Orbinariats München", dessen Wortlaut man gar nicht mal kannte, und gegen ben Verfasser des Wendelstein-Artikels, schließlich gegen das „Muckertum" überhaupt, bei Beurteilung von dessen Motiven man mindestens ebenso sehr über das Ziel hinausschoß, wie der betreffende Geistliche es nach Ansicht der Verehrer der Kniehose in seiner Kritik dieses Kleidungsstückes getan haben konnte. Die „Münch. N. Nachr." veranstalteten alsbald die übliche „Umfrage", über deren Ergebnisse sic in vier Nummern berichteten, um bann zu erklären, aus Raumrücksichten mache man Schluß. Man mag die Kniehose an sich beurteilen, wie man will, jedenfalls ist zu konstatieren, daß der Verfasser des Wendelstein- Artikels feine Auffassung durchaus ernst vortrug. Von den Gegnern aber wußten manche nicht einmal sachlich zu bieiben. Ihre Uebcrtrcibungen wirkten lächerlicher als die, gegen die sie sich wandten, der ———— — «nm—»—■■uwvwjf n— »-U ■Mfi’mÄWMUm

ist nur eine kurze Lebensdauer beschieden. Wenn man ihn vor der galoppierenden Schwind­sucht bewahren will, so muß man ihn mit größter Sorgfalt hegen und pflegen.

Die holde Eintracht, der süße Friede, das sind seltene Gäste, die es int irdischen Jammertal nicht lange aushalten können. Rare Pflanzen und zarte Pflanzen. Wo sie blühen, da soll man sic mit Freuden begrüßen und mit Eifer betreuen. Ein wahres Friedens- und Liebesfest muß z. B. der bc- vorstehendc Katholikentag in Metz werden. Du lieber Himmel, wo sollte denn die brüderliche Eintracht noch eine Stätte auf Erden finden, wenn nicht in dieser großen katholischen Familie, die den gleichen Glauben, den gleichen Altar, das gleiche Streben nach Verwirklichung ihrer gemeinsamen hei­ligen Interessen hat! Wenn sonst der Friede auf der Welt labil (schwankend) ist, auf dieser breiteften unb sichersten Grundlage muß er stabil (felsenfest) fein! —

Wenn wir den, Blick auf ben blutburchtoeichlen Balkan zurücklenken, so möchte ich der Hoffnung Ausbruck geben, daß aus ben dortigen Ereignissen der euroväische Friede Vorteil zieht. Alle Welt hat ge­sehen, welch eine fürchterliche Torheit, welch ein hcil- lofcr Frevel der Krieg ist. Unb alle verständigen Staatsmänner und Staatsbürger werden jetzt erst recht daraus bedacht sein, alles zu vermeiden, was über ihr Land eine solche Heimsuchung heraufbe- schwören könnte. Wenn wir über den Zaun beobach­ten müssen, wie die Leute im Nachbarhause zanken, raufen, Porzellan und Köpfe zerschlagen, bann drängt sich doch der Gedanke auf: Gott sei dank, daß es bei uns nicht so zugeht! Und daran knüpft sich der Vor­satz: Wir wollen uns hüten, daß es bei uns dahin kommt!

Wie macht man das? Welche Feinde des Frie­dens find abzuwehren? Ich sehe zunächst einen Feind in Hemdsärmeln rind dann einen Feind im feinen Gewände. Der erstere ist der grolle Eigennutz: bie Habgier, bic Mißgunst, die Mißachtung und Miß- handlnng der berechtigten Ansprüche bet anderen. Das ist ein derber, roher Störenfried. Eleganter tritt fein Genosse aus: der E i g e n f i n n. O. der eigen - finnige Genosse im Haus und in der Gesellschaft will

Ton, der witzig fein sollte, klang hie und da an die Hanswurstiade an. Nur der eine oder andere be­trachtete die Geschichte kühl genug, um zu finden, daß bei der Kniehosenkultur doch mancherlei Abge­schmacktheit und Unfug mitunterläuft, daß die Knie­hose überhaupt nicht in dem Umfange „bie" Gebirgs­tracht darstelle, wie manche Leute zu glauben scheinen, die sie in äffischer Nachahmung auch in die Ebene und Überallhin verpflanzen möchten. Ganz so wü zur Reisezeit in zerrissene Lodenkleider gehüllte „Aus­länder" mit ihren Bergstöcken statt in den Bergen auf dem Münchener Asphalt und allenfalls im ersten Stock des Hofbräuhauses umhersteigen. Nun hat sich herausgestellt, daß die ganze Rettungsaktion zu­gunsten der Kniehose überflüssig war. Nach zuverlässigen Mitteilungen über eine in diesen Ta­gen abgehaltenc Sitzung des erzbischöflichen Ordi­nariats wurde dort festgestellt, daß sich die Sache also verhält: Eine Verfügung, wonach deü Volk s- trachtenvercinen überhaupt die Weihe ihrer Fahnen nicht mehr erteilt Wird, besteht auf Grund gemeinsamen Beschlusses der bayerischen Bischöfe für alle Diözesen bereits seit dem Jahre 1904. Sie wurde veranlaßt durch zahlreiche Klagen aus den Pfarreien über die Art und Weife, wie diese Vereine ihre Zusammenkünfte und Feste begehen. Allgemein wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Veranstal­tungen in weiten Kreisen tiefgehendes Acrgcrnis erregen. Da der Hauptzweck der Vereine toebe* religiöser, noch vaterländischer, noch caritativer Na., tnr ist. sonberii lediglich in der Pflege des Schuhplattlers besteht, war die Versagung der kirchlichen Fahnenweihe geboten. Der Pflege unb Erhaltung ber Volkstrachten aber stehe das Ordinariat nur sympathisch gegenüber, und cs fei weit davon entfernt, sie zu mißbilligen ober zu bekämpfen. Gegen bas Tragen ber Kniehose sei we­der in der genannten noch in einer anderen Ver­fügung des Ordinariats ein Wort enthalten. Mit der Stellungnahme eines einzelnen Geistlichen, der mit dem „Kniehösler" nur ben Typus des Volks- trachtenvereinlers habe bezeichnen wollen, habe bas Orbinariat nichts zu tun. So bic Feststellungen von kompetenter Seite. Wieviel Spektakel ist da wieder einmal umsonst gemacht worden.

Ans dem Nachbaraebiete.

* Naumburg (Bez. Kassel), 15. Aug. 1913. In Großcnriete fand vor einigen Tagen eine Sitzung des Ansfchusses für Weiterführung der Klein­bahn Kassel-Naumburg nach Netze statt. Der Vorsitzende gab bekannt, daß nunmehr rund 250 000 Mark für bett Weiterbau gezeichnet resp. in sichere Aussicht gestellt seien unb er hoffe, baß auch die Gemeinden des Landkreises Kassel sich an der Auf­bringung des noch fehlenden Restes von etwa 50 002 Mark lebhaft beteiligen werden.

* Vom Eichsfeld, 15. Aug. 1913. Eine Män­ner-Wallfahrt nach deut Hülfensberg e zur (Erinnerung an den durch Kaiser Konstantin ben! Großen der Kirche gegebenen Frieden, finbet, wic in allen Kirchen des Eichsfeldcs von der Kanzel verkün­det worden ist, am Sonntag, 14. September, statt. Der Weihbischof von Paderborn, Hähling von San» genauer, wird selbst an dieser Feier teilnehmen.

* Aus Franken, 15. Aug. 1913. In Würz­burg schritt ber Kasernenhausmeister Martin Pfort zttm zweiten Male zum Traualtar. Er ist 81 Jahre,' bic „junge" Frau 43 Jahre. — In Wildersvil bet Interlaken in der Schweiz starb an einem Schlagan­fall Oberbürgermeister Lutz von Bamberg. Er! war 1849 geboren, war seit 1908 erster Bürgermeister unb hat sich um bie Entwicklung ber Stadt große Ver­dienste erworben.

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ja angeblich nichts für sich selbst; er sagt, er habe nur im Auge, was für bas allgemeine Beste richtig und unerläßlich sei, und das verstehe er am besten, mögen auch die andern -sagen, was sie wollen. Er spielt sich als unfehlbare Autorität auf, und wenn die Tatsachen oder die durchschlagendsten Gründe auch gegen seine An- und Absichten sprechen, er hält doch daran fest. Er kann freilich mit feinem eigen­sinnigen Kopf nicht durch die Wand rennen, aber er. kann wohl gegen die Herzen feiner Genossen rennen. Er wird zum Tyrannen seiner Umgebung; die Ty­rannei führt zu Revolutionen und Bürgerkrieg im Hause. Der kluge Mensch nimmt etwas Lehre vow den Diplomaten an. Auch der gelehrteste, wei­seste und mächtigste Staatsmann darf sich ben Luxus des Eigensinns und der Rechthaberei nicht gönnen. Er muß bie Ansichten ber anberen nicht bloß geduldig hören, sondern auch geschmeidig berücksichtigen, um Reibungen, Aergcr und Krach zu vermeiden. Mit dem alten Mcher-Arnswalbc muß man des lieben Friedens halber oft sagen: Es geht auch so!

Ferner wird ber Friebc noch bedroht von einem Tiraillenkorps, nämlich von ben Launen. Die schlechte Laune kann für das Familien glück leicht so gefährlich werben, wie das gereizte Hündchen für das Porzellan. Wir können alle einmal launenhaft wer­ben. halb erzeugen Geschästsschwicrigkeiten, Aergcr im Verkehr, Sorgen usw. eine Mißstimmung, bald machen körperliche Schwächen bie Seele vcrdr'.eßlich. In biefem Zustand legt man alles, was bie anderen sagen unb tun, auf bic allerschärsste Goldwage, wäh­rend man in seinen eigenen Worten und Manieren leicht rücksichtslos und unartig wird. Selbsterkennt­nis ist bekanntlich der Anfang dec Weisheit. Wohl dem. der so viel Selbstbeobachtung leisten kann, daß er feine eigene schlechte Laune rechtzeitig erkennt. Dann wird "er sich zufammennebmen, damit sein Un­mut nicht verletzend werde für seine Umgebung und aesährlich für den Frieden. Die schlechte Laune cst der schlechteste Berater; da ist Schweigen wrrk-cch Gold. —'

Der Friede erfordert Opfer, freilich: aber toa­st nd diese Opfer im Vergleich zu den Lasten,, bis Zank und Streit uns auferlegen?