2. Blatt.
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«• Zuldaer Zeitung.
jvs l8r.
Donnerstag U. August 1915.
(!) Kredithilfe für den Wohnungsbau.
Die im Drittelpunkte kommunalpolitischen Interesses stehende Frage nach der Erleichterung der Beschaffung zweiter Hypotheken wird von der „Bauzeitung für Rheinland, Westfalen und Nachbargebiete" sehr instruktiv in ihrer Gesamtheit auseiu- andergesetzt. Dieser Hilferuf verdient um so mehr Beachtung, da es ja nicht einseitige Hausbesitzerinteressen sind, die auf dem Spiele stehen, vielmehr durch eine Erleichterung des Bauens und Einschränkung der Zinsbelastung der Hausbesitzer auch eine Belebung des Wohnüngsmarktes und eine Verbilligung oder wenigstens eine Verminderung weiterer Steigerung der Mieten zu erhoffen ist. Tie „Bauzeitung" schreibt: Das Verlangen nach einer breitorganisierten Kredithilfe für Häusecproduzenten und Hausbesitzer ist bisher noch nie so dringend und wohlbegründet hervorgetreten wie in neuester Zeit. Die gegenwärtigen Kreditnöte der Bauunternehmer und Hausbesitzer werden hauptsächlich durch die erschwerte, Aufnahme von hypothekarischen Darlehen zur zweiten Stelle gekennzeichnet.
Die zweite Hypothek ist zum Schlagwort geworden, in das die Bemühungen zu einer besseren Organisation des städtischen Realkredits in erster Linie auslaufen. Zwar läßt auch der erststellige Hypothekenkredit manches zu wünschen übrig, für ihn sind in den Hypothekenbanken, Sparkassen und Versicherungsgesellschaften die Geldgeber aber wenigstens vorhanden. Für die Gewährung von zweiten Hypotheken dagegen sind erst einzelne Kreditanstalten errichtet worden, sodaß die nachfolgende Belechung von Bauten und Häusern, nachdem die grundlegende Verschuldung in Form der ersten Hypothek den Kapitalbedarf bis zu 50 oder 60 Prozent gedeckt hat, nach wie vor das Privatkapital in Anspruch nehmen muß. Dieses Privatkapital ist aber dem Grund- und Hausbesitz gegenüber neuerdings spröder geworden, weil sich ihm infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs eine ungleich günstigere Verwertung in Handel und Industrie bietet und das Risiko bei Gewährung von Realkredit durch die um sich greifenden Mißbräuche auf dem Bau- und dem Grundstücks- warkt sich bedenklich vergrößert hat. Zu entbehren find aber die sogen, zweiten Hypotheken unter den gegenwärtigen Verhältnissen, die den spekulativen Hausbau und den Besitz von Miethäusern mehr und mehr einem kapitalarmen Unternehmertum in die Hände gelegt haben, weniger denn je. Daß hier eine volkswirtschaftliche Bedürfnisfrage vorliegt, von deren Regelung zum Teil die Wohnungsproduktion und die Wohnungshaltung bedingt sind, kann angesichts der gegenwärtigen Planlosigkeit in der Wohnungsfrage ernstlich nicht bestritten werden. Nicht zweifelhaft kann es ferner sein, daß wedxr die Ausgestaltung der bereits bestehenden öffentlich- rechtlichen H Y p o t h e k e n a n st a l t e n, noch die Selbsthilfe der zu Genossenschaften zusammenge- schlosienen Haus- und Grundbesitzer das schwierige Kreditproblem ausreichend zu erfassen vermögen. Banken, Sparkassen usw. können neben den mündelsicheren Hypotheken erster Ordnung nicht unge- sicherte Pfandbriefe zweiten Ranges in Umlauf setzen; das unvermeidliche Verlustrisiko ferner bei einer Kreditgewährung bis zu 80 Prozent oder noch hoher^vom geschätzten Grundstückswert wird gerade die stärksten Bessker vom Beitritt zu einer riskanten Genossenschaft abschrecken.
Unter solchen Umständen kann als Darlehns- gebenn für zweite Hyvotheken im wesentlichen nur die Gemeinde in Frage kommen; sie allein ist t-’-rc” in die vor Bewilligung der Kredit-
mlse unerläßliche eingehende Wwägung der Dar- lehnsunterlagen, von Fall zu Fall vorzunehmen Nach den bisherigen Erfahrungen der in solcher Erkenntnis gegründeten Veranstaltungen einzelner Gemeinden für zweftstelligen Hypothekenkredit scheint es ;edoch unvermeidlich, daß auch die Staaten ^d das Reich an der Lösung dieses Kreditproblems ßch beteiligen. In welcher Weise das geschehen kann und soll, wird in der nächsten parlamentarischen Session allseitig zu prüfen sein.
Lokales.
Fulda, 14. August 1913.
(!) Für die Wahlen zur Eiadtverordnetenversammlung wird nach amtlicher Bekanntmachung die Liste der - J^rVre5ti9ten vom 15. bis zum 30. August nn städtischen Steueramt (Stadtschloß) nut öffentlichen Kenntnis ausgelegt. Stimmberechtigt ist jeder selbstständige männliche Gcmeindeanqehöriqe, der das 24. Lebensiahr vollendet hat, Angehöriger des deutschen
Soden - Stolzenberg.
Das kohlensäurereichste Solheilbad Deutschlands.
Im Kinzigtal, am Berührungspunkt von Vogels- berg, Rhon und Spessart, am Fuße des mit der uralten Huttenburg gekrönten Stolzenberges, liegt das malerisch gelegene Städtchen Soden, durch die Sta- tton Soden-Salmünster von Frankfurt, Berlin usw mü der Frankfurt-Bebra-Berliner Staatsbahn leicht erreichbar.
, Uralt find die Sodener Salzquellen; ihre Heilkraft war schon den Römern bekannt. Hier war schon lange vor Gründung des Bonifatius-Klosters am Ufer der Fulda (744) ein ansehnlicher, für jene Zeit bedeutender Siedelort entstanden, Zum Schutze der zahlreichen Salzsiedestätten, die damals einen sehr hohen Wert hatten und deshalb oft heiß umstritten wurden, legte der Fuldaischc Abt Heinrich Ty. »on Erbthal 1263 die Burg Stolzenberg am Fuße des Burgberges an. Den hohen Salzgehalt beweist schon der Name des hier in die Kinzig mündenden Baches „Salze" und des seit lange schon mit Soden vereinigten Ottes „Salzaha" bezw. „Salz". Kaum drei Meter tief braucht man jetzt hier zu graben, um auf Salzwafler zu stoßen.
Der um Soden so verdiente, ehrwürdige Ortspfarrer Pattficus Schulz gründete im Jahre 1906 am Südhange des Stolzenberges, in der unmittelbaren Nachbarschaft des alten Quellenfeldes, die große Kinderheilanstalt „Soden-Stolzenberg". Um Sole für die dielen jugendlichen badebedürftigen Jn- fassen der Kinderheilanstalt zu beschaffen, ließ Pfarrer Pacificus Schulz hier den Bohrer ansetzen, in der Voraussetzung, daß die günstigen geologischen Verhältnisse, denen das westliche Salzatal seinen Quellenreichtum verdankt, sich auch nach der südlichen Bergseite hin erstrecken würden. Salzwasser fand sich bald, dann floß Stahlbrunnen zutage, dann kam kohlensaures Salzwasser, doch nicht in genügender Menge. Man bohtte weiter und weiter, war jedoch immer noch nicht voll befttedigt. Da, bei einer Tiefe ixm 350 Metern hörte das Wasser gänzlich auf, und
Reiches ist, die bürgerlichen Ehrenrechte besitzt, sei zwei Jahren in dem Stadibezirte einen Wohnsitz hat, keine Armenunterstützung empfängt und die schuldigen Gemeindeabgaben gezahlt hat. Außerdem muß er entweder ein Wohnhaus im Stadtbezirk befitzen oder von seinem innerhalb des Stadtbezirkes bdegenen Grundbesitz zu einem JahreSbelrage von mindestens 6 Mark an Grund« und Gebäudesteuer vom Staate veranlagt fein oder zur Staatseinkommensteuer oder m einem fingierten Normalsteuersatz von mindestens 4 Mark veranlagt sein oder endlich ein Einkommen von mehr als 660 Mark haben. Es empfiehlt sich, daß alle biejenige,n auf die diese Voraussetzungen zu- lreffen, sich vergewissern, ob ste in der Liste stehen. Denn im November werden Heuer eine größere Anzahl Stadtverordneten-Wahlen vor sich gehen. Einmal ist das durch Tod erledigte Mandat des Stadtv. Breitenborn, sodann das durch Nieder- legung erledigte Mandat des Stadtv. Dr. Schulte zu besetzen. Ferner scheiden nach dem Turnier am 31. Dezember die Herren: Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Gegenbaur und die Stadtverordneten Fabrik- direkt or Dux, Zahntechniker Kapp, Geh. Sanitälsral Dr. Raabe, Heizer Reith, Fabritbesitzer Sauer, Bankvorstand Singer, Hofbäckermeister ©immer, Elektrotechniker Trabert und Glasermeister Traut auS. Dadurch werden gleichfalls Neuwahlen erforderlich, die laut Städteordnung tunlichst im November vorzunehmen sind. Wer also im Herbst sein Bürgerrecht auszuüben gedenkt, wird gut daran tun, die Liste jetzt zu kontiollieren und nötigenfalls nachträglich feine Eintragung zu veranlassen.
[] Der Kaiser passierte in der Nacht zu Mittwoch um 2.25 Uhr im Hofzug auf der Reise von Alten- gtaboro nach Mainz die Station Fulda.
O Ein Kursus zur Ausbildung von Fleischbeschauern und von Trichinenbeschauern beginnt am 4. September im Schlachthause zu Fulda.
§ Jnmmgsversammlung. Auf gestern nachmittag waren die Mitglieder der Zwangsinnung für das Maurer-, Zimmer- und Dachdeckerhandwerk zu Fulda zu einer Jnnungsversammlung eingeladen. 10 Mitglieder waren erschienen. Als Vertreter des Herrn Oberbürgermeisters eröffnete und leitete Herr Magist- ratssekretär Beitz die Sitzung. Als Obermttster wurde Mauermeister Ernst Kramer gewählt, als Beisitzer die Herren Joseph Fritz, Gregor Hautumm, Herrn. Hoves und Rhab. Diegelmann.
* Die Einweihung des heffischeu Landesmusenms in Kassel findet am Sonnabend, 23. August, norm. 11 Uhr statt. Die Teilnahme des Kaisers, mit der man zuerst gerechnet hatte, steht nicht mehr in Aussicht. Einige Tage nach der Weihe wird das Museum dem allgemeinen Besuch zugänglich gemacht werden. Mit der Errichtung des Museums hat der preußische Staat eine Ehrenpflicht gegenüber dem hessischen Landesteil erfüllt, dessen reiche künstlerische und wissenschaftliche Sammlungen bisher in unzuläng- lichen Räumen zerstreut waren. Das Museum wird insbesondere die Entwickelung der heimischen Kunst und Kultur veranschaulichen, speziell auch die kunstgewerbliche Entfaltung kennzeichnen und als hessisches Trachtenmuseum dienen. Zu den Kosten hat der Bezirksverband 200000 Mk. beigetragen.
* Herbstübungen des 18. Armeekorps. Bei den diesjährigen Herbstübungen des 18. Armeekorps, die sich im südlichen Teile des Kreises Lauterbach und den Kreisen Gelnhausen, Hanau und Schlüchtern abspielen, und am 21. August ihren Anfang nehmen werden, wird auch eine Fliegertruppe in Stärke von 15 Offizieren und 125 Mann während der Dauer deS Korpsmanövers teilnehmen und der 21. Division bei- gegeben. Sie erhält ihren Standort in Birstein. Es ist nicht ausgeschlossen, daß wir in Fulda und Um- hegend von den Fliegern auch etwa- zu sehen bekommen.
+ Neupflasternng. Nachdem die Rhabanusstraße von der Sturmiusstraße bis zur Schloßstraße zum Teil neugepflastert (Kleinpflaster) ist, hat man jetzt mit der Neupflasterung des SeveribergS begonnen. Hier erhält die Seite nach der Severikirche hin einen Bürgersteig, das Pflaster selbst wird in Basaltlava ausgeführt. Nach dem städtischen Haushaltsetat sind hierfür 4500 Mark vorgesehen.
s lieber Eignung und Körpergröße der Militär- pflichtigen für bestimmte Truppengattungen sind neue Bestimmungen von der Heeresverwaltung getroffen worden. Während bisher für die Luftfahrt'uppen als kleinste Körpergröße 1,62 Mtr. festgesetzt war, ist für die Einstellung bei der Fliegertruppe als Flieger und Molorschloffer dieses Mindermaß auf 1,54 Mtr. herabgesetzt worden. Das Mindermaß von 1,62 Mtr. gilt außer für die Luftfahrtruppen (einschl. Bespannungsabteilung) auch für die Kraft-
man bedauette nun, daß man sich mit den bisherigen Resultaten nicht zufrieden gegeben hatte und glaubte, daß die vielen Tausende von Mack, die das Bohren in den hatten Gesteinen gekostet hatte, verloren seien. Doch Pfarrer Pacificus Schulz gab die Hoffnung nicht auf. Er ließ auf eigene Gefahr weiter bohren. Nach der Durchquerung der Buntsandsteinschichten der Triasformation und des darunterliegenden Zech- teines traten nun btt der Tiefe von 406 Metern am 7. August 1907 die entfesselten Wassermassen nach oben, eine ungewöhnlich kohlensäurebeladene, starke, alzige Flut Die Kirchenglocken ertönten und gaben >en freudig überraschten Sodener Bürgern Kunde von dem frohen, zukunftsreichen Ereignis. Als ein Zeichen schuldiger Dankbarkeit legte man dieser neuen Sprudelquelle den Namen „Pacificus-Spru- d c l" bei.
Angesichts der ungewöhnlichen Mächtigkeit dieser Quelle, ihres unerreicht dastehenden Reichtums an Kohlensäure und ihrer glücklichen Bereinigung großer und wertvollster Salzbestandteile, entschloß man sich, diesen Sprudel nicht auf die Kinderheilanstalt allein zu beschränken, sondern ihn weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Es wurden große, modern eingerichtete Baulichkeiten für Badezwecke neu errichtet. Da dieses alles bedeutende finanzielle Opfer erforderte, ist der Bischöfliche Stuhl von Fulda hilfsbereit ein- gesprungen und hat jetzt den ganzen Bettteb des Bades „Soden-Stolzenberg" unter Leitung des General- Vikars Dr. Arenhold übernommen, sodaß es ein „Bischöfliches Bad" geworden ist.
. Der Gehalt an völlig freier Kohlensäure des „Pa- cificus-Sprudels" beträgt, wie wir den Veröffentlichungen der Badcvecwaltung entnehmen, nach seinem Analytiker, dem bekannten Gerichtschemiker Dr. G- Popv in Frankfurt a M., in 1000 Gramm ober in einem Liter Sole ^,604 Gram nt, während er in Nauheim (Großer Sprudel) nur 3,963 Gramm, in Bad Orb (Philippsquelle) nur 1,983 und in Salz- chlirf (Sprudel) gor nur 0,531 Gramm beträgt. Den alzfötätigen Bestandteilen nach hat der „Pattficus-Spmdel" in 1000 Gramm ober in einem Liter Sole 44.14 SalLb-standteile, während
fahrtmppen. Für Handwerker bei den Lustsahr- lruppen darf ausnahmsweise bis zu 1,57 herabgegangen werden. Für die Fliegertruppen sind geistig geweckte, kräftige und durchaus gewandte Militärpflichtige, die ihrer Berufsart nach für den Dienst der Fliegertruppe geeignet sind (Motorschtosser, Schlosser, Mechaniker, Tischler, Sattler usw.) auszuwählen, und für die Kraftfahrtruppen gewandte und geistig geweckte Militärpflichtige, deren Zivilberuf gleichfalls eine Eignung für diesen Dienst voranssehen läßt, wie Kraftwagenführer, Motorschlosser, Metallarbeiter, Maschinentechniker usw. Die Tauglichkeit für die Kraslfahrtruppe setzt ferner voraus mindestens ein Viertel Sehschärfe auf dem Schlechteren Auge, vollständige Trommelfelle, frei Atmung durch die Nase. Für die Kavallerie, die reitende Feldartillerie, die Bespannungsabteilung, die Fahrer der Telegraphentruppe und den Train sind muskelkräftige Militärpflichtige von nicht zu starkem Knochenbau und nicht zu großem Körpergewicht, und zwar vorzugsweise mit langen Beinen und kurzem Oberkörper erwünscht. Auch für die Kavallerie sind geistig geweckte Mannschaften erforderlich.
(ob.) Wie heißt er nun? Etwa 200 Meter von der bayerischen Grenze entfernt und dicht an der Fulda—Würzburger Landstraße gelegen (zwischen Döllbach und Motten), befindet sich ein Gehöfte „Sybillenhof" benannt. Diesen Namen trägt das Gehöfte von altersher. Vor 1866 war der Hof, der zum Kreise Gersfeld gehört, bayerisch. Auf den Karten der Kartographischen Abteilung der König!. Preuß. LandeS-Aufnahrne, finden wir nun den Sybillenhof als „Schillenhof" eingetragen.
A Der preußische Eisenbahnminister hat genehmigt, daß außer Schlackenkohlen auch Abfallholz an Pensionäre, Invaliden und Witwen ehemaliger Bediensteter der Staatsbahnverwaltung, sofern sie 'Mitglieder des Eisenbayr Vereins sind, eigenhändig abgegeben werden kann. Vorausgesetzt wird hierbei, daß solches nicht für Zwecke der Verwaltung gebraucht wird und für die Abgabe an noch im Dienst befindliche Beamte und Arbeiter, die mit ihren Anträgen auf Ueberlaffung in erster Reihe zu berücksichtigen find. — In Zukunft sollen alle diejenigen Eisen- bahndeamten, die ihren Erholungsurlaub in den Monaten Dezember bis einschließlich März ungeteilt nehmen, einen Zuschlag von 7 Tagen neben ihrem zuständigen Urlaub erhalten. Der praktische Wert soll der sein, daß in den Sommermonaten nicht mehr soviel Beamte dem Dienst entzogen werden sollen.
△ Keine kostspieligen Bucher von wandernden Händlern zu kaufen, haben wir schon häufig unseren Lesern, und namentlich» den Leserinnen angeraten. Vor allem sollten die Ehefrauen sich auf solche Käufe nicht einlassen, bevor sie mit ihren Männern darüber gesprochen haben. Ehelicher Unfriede ist häufig die Folgeerscheinung solcher Käufe. Die katholischen Frauen unterschreiben in manchen Fällen einen Schein, durch den ste sich zu Ratenzahlungen verpflichten. Und nachher besehen sie den Schaden. Es sind uns jetzt wieder solche Fälle auS Fulda gemeldet worden, wo auf diese Weise eine Bilderbibel vertrie- den wird. Warum eigentlich trotz unserer wiederholten Warnungen so viele Leute erst durch Schaden klug werden müssen?
Aus dem Nachbargebiete.
* Hünfeld, 14. SHurf. 1913. Behufs Ausführung von Walzarbeiten ist die Frankfurt—Leipziger Straße — von Hünfeld bis Neuwirthshaus — dis zum 20. d. Mts. für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Der Verkehr kann über Roßbach—Kirchhasel geleitet werden.
-T- Nüst (Rr. Hünfeld), 13. Ang. 1913. An dem nahegelegenen „Basaltwerke Hünfeld", in der Nähe deS Fabrikgeländes, wo die Eisenbahnwagen verschoben und gewogen werden, hütete heute di« 13jährige Tochter deS Eisenbahn-Arbeiters Kart Ktmpel von Nüst die Kühe. Zum Wiegen werden die Wagen durch ein Drahtseil, das am jenseitigen Ende über zwei Rollen läuft, herbeigeschafft. Als fein Arbeiter zur Stelle war, mag das Mädchen das Drahtseil an der Rolle ongefaßt haben und ist in das Getriebe geraten. Vier Finger der einen Hand wurden glatt abgeschnitten, während die andere Hand, mit der es wahrscheinlich zugegriffen hat, stark gequetscht ist. Sani- lätSrat Dr. Zahn-Hünfeld leistete die erste Hilfe.
* Bad Salzschlirf, 14. Aug. 1913. Am 12. August betrug die Gesamtzahl der Kurgäste 5235.
* Alsfeld, 13. August 1913. Bei dem Großfeuer, das die Beckersche Schreinerei zerstörte, verbrannte auch die dort zur Reparatur befindliche tun st historisch wertvolleKanzel der Walpurgiskirche vom Jahre 1618, ein Werk, das durch seine prachtvolle Holz-
in Nauheim der Fttedttch Wilhelm Sprudel nur 33,39 und der Große Sprudel daselbst nur 24,64 und in Bad Orb die Ludwigsquelle nur 23,23 und die dortige Martinusquelle gar nur 16,18 Salzbestand- teile hat.. Alle diese Angaben beruhen auf den von diesen Badeorten selbst veröffentlichten Prospekten, llebcrragt somit der Pattficus-Sprudel mit der Menge Kohlensäure, die er führt, alle bekannten Solesprudel seiner Klasse, und steht er mit seinem Totalgehalt an Mineralsalzen auf der, höchsten und daher alle Abstufungen der Anwendung zulassenden physiologischen Reizgrenze, so enthält speziell auch keiner seiner Gruppenverwandten auch nur annähernd o viel Chlorcalcium wie er, ein Salz, das seiner starken Heilwirkung auf Herz, Gefäße, Nerven und Haut wegen in ber ärztlichen Wissenschaft besonders hoch bewertet wird. Der Pacisicus-Sprudel enthält nämlich in 1000 Gramm Sole davon allein 5,16 Gram m, während Salzschlirf nur 0,009 Gramm, Orb (Philippsquelle) nur 1,07 Gramm und Nauheim (Friedrich Wilhelm-Sprudel) nur 2,76 Gramm, also die drei letzteren zusammen nur 3,84 Gramm Chlorcalcium enthalten.
Dann ist noch darauf hinzuweisen, daß die mit gewaltigen Mengen Kohlensäure beladene Pacificns- Quclle mit ihrer Tiefe von 406 Metern den sehr hohen Druck von etwa 40 Atmosphären besitzt, während _ Nauheim diesen auf nur 16,18 und 21 Atmosphären angibt; bei anderen Bädern ist der Druck noch geringer. Das Solewasser muß dort erst durch Pumpen in die Badewannen getrieben werden, wodurch natürlich viel Kohlensäure verloren geht. Durch die Anordnungen und Erfahrungen des bewährten Spezialchemikers für Quellensprudel Dr. Karl Roth in Frankfurt a. M. verfügt das neue Bad Soden-Stolzenberg über eine Sprudelführung zu den Wannen, bei der jede saugende und mechanisch zerteilende Pumptätigkeit ausgeschlossen, der Kohlen- äureberluft auf ein verschwindendes Maß ttnge- chränkt und unter dem Druck der eigenen natürlichen Kohlensäure des Pacificus- Sprudels in kürzester Zeit gefüllt werden, wie dies wohl nirgends der Fall ist.
mosaik in der Kunstwelt besonderen Rufe? sich erfreute. Auch ein vorzügliches Epitaphium von 1622 verbrannt« mit.
♦ Bebra, 14. Aug. 1913. Im Alter von 64 Jahren starb hier der Landwirt Martin Dietz, der sich im kommunalen Leben unserer Gemeinde sehr betätigte. Er gehörte fast 25 Jahre der Gemeindevertretung an und bekleidete lange Jahre das Amt eines Gemeindeschöffen. — Mit der Versorgung des Kreises Roten« bürg mit elektrischer Kraft wird sich der Kreistag in einer Sitzung am 27. August befallen.
* Mendorf a. d. Werra, 13. Aug. 1913. Die Stadtverordneten zu Mendorf haben den Magistrat ersucht, beim Kreisausschuß vorstellig zu werden, daß in Mendorf für die Kreise Witzenhausen und Esch- Wege eine Verwertungsan st alt für gefallenes Vieh errichtet wird.
' Gelnhausen, 13. Aug. 1913. Der hiesige Eick wohner G. Repp wurde gestern im Stadlwald toi aufgefunben. Anscheinend liegt ein Unfall vor.
* Offenbach, 13. August 1913. Die neuen Gehn Itsbe st immungen der Stadt für das Lehrpersonal in den Volksschulen haben bisher die Genehmigung des großherzoglichen Ministeriums nicht gefunden, weil die obere Schulbehörde versucht, eine Abänderung der Vorschriften zu erreichen, welche die Stadt gegenüber dem für Den Stadtteil Bürgel noch bestehenden standesherrlichen Vorschlagsrecht aufrecht« erhalten will. Die Stadtverordnetenversammlung wird wohl den Empfehlungen des Schulvorstandes und des Verfassungsausschusses folgen und die von dem großherzoglichen Ministerium erneut vor» geschlagene Abänderung ablehnen.
* Frankfurt a. M., 13. Aug. 1913. Die im Hinter- Hause der Heiligkreuzgasse 16 wohnende 37 Jahr« alte Witwe Eva Seidel wollte mit einer Petroleumlampe die Treppe hinuntergehen, dabei fiel der Frau der Glasbehälter der Lampe aus dem Lampen gestell auf die Treppe und explodierte. Die Kleider bei Frau fingen sofort Feuer und im Nu stand die Bedauernswerte in Hellen Flammen. Hauseinwohner alarmierten die Feuerwevr sowie die Rettungswache. Bis zu deren Ankunft hatte man das Feuer zwar durch Aufgießen von Wasser gelöscht, jedoch Hütt Frau Seidel am ganzen Körper so schwere Brandwunden erlitten, daß sie in der Nacht verstorben ist.
u. Frankfurt a. M., 13. Aug. 1913. Im Stadtteil Bockenheim wollte heute nachmittag der 22jährige Chauffeur Gustav Driebel auf einen fahrenden Straßenbahnwagen springen. Dabei stürzte er ab und wurde von dem Anhänger überfahren und so schwer verletzt, daß er auf dem Wege nach dem Krankenhause verstarb. — Zum erstenmal in Deutschland wurde in Frankfurt eine Statistik der schul- entlassenenKinderber Bürger- und Mittelschulen gemacht. Von 2194 schulentlassenen Knaben ergriffen 1264 gewerbliche Berufe und zwar wurden 605 Schlosser, 80 Buchdrucker, 130 Techniker und Monteure, 62 Spengler, 71 Schreiner und Glaser und 53 Schneider. Den NahrungSmittelberuf ('Metzger, Bäcker u. s. w.) ergriffen nur 51. 53 traten in andere Schulen ein, 32 wurden Fabrikarbeiter, 80 Packer und Taglöhner, 203 hatten sich noch nicht entschieden. Von 2401 Mädchen traten 386 in kaufmännische Berufe ein; 702 ergriffen daS Schneidergewerbe, 211 traten in andere Schulen über, 505 blieben in der Fami ie und 103 waren noch unentschieden in der Wahl ihres Berufs.
)( Vom Rhein, 14. Aug. 1913. Zwischen St. Goar und Mannheim soll der Rhein um einen Meter vertieft werden und am Binger Loch einen Schleusenbau heralten. Zuvor jedoch wollen die Beteiligten: die Regierungen in Berlin und Karlsruhe, die Mannheimer Handelskammer und die Mannheimer Reederei eine Untersuchung anstellen lassen, ob nicht statt der kostspieligen Schleuse ein offener Kanal genügen würde. — In Aßmannshausen beabfi.htigt eine englische Gesellschaft ein neuzeitliches Kurhaus mit! Anlagen zu erbauen, das etwa 6—7 Millionen Mark erfordern wurde. Die Gemeindeverwaltung von Aßmannshausen yat die Zinsgewährleiftung für drei 'Millionen 'Mark übernommen, doch ist Die Bürgerschaft zum Teil mit dem Plane nicht einverstanden, weil sie nich nur eine Unrentabilität der Anlage, sondern auch einet, direkte Schädigung des Hotelbetriebes befürchtet
e Aus der Wctterau, 13. Aug. 1913. Unter der Führung von Professor Dr. Wolff besichtigten heute die Mitglieder des Frankfurter Geschichtsvereins und zahlreiche auswärtige Gelehrte das vor einigen Monaten entdeckte und jetzt völlig freigelegtc Dorf ans ber jüngeren Steinzeit, einer prähistorischen Siedlung, wie sie an Eigenart bisher an keiner anderen Stätte Deutschlands gefunden wurde. Auf einem 300 Meter langen und 200 Meter
Die Bäder des Pacificus-Sprudels sind demnach auch so gehaltreich und kräftig, daß der Körper des Badenden von dem Wasser förmlich in die Höhe ge hoben und so dicht mit n lensänrebläschen bedeckt wird, daß er in diese Perle Ufe deutlich lesbare beliebige Ziffern oder Buchstaöeu mit dem Finger einschreiben kann. Entfernt der Badende mit der Hand den Gasperlenbesatz an irgend einem Körperteile, so erneuert er sich in wenigen Augenblicken wieder.
Die Heilwirkungen des Bades Soden-Stolzenberg, dem auch noch als Tttnkquelle namentlich der Karl Roth-Quelle — ein stark bittersalzhaltiger, salinischer Säuerling mit beträchtlichen Mengen freier Kohlen- säure — zur Seite steht, sind deshalb bei Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße, bei Rheumatismus, Gicht, Blutarmut, Frauenleiden. Magen- und Darmkatarrhen usw. von ganz hervorragender Bedeutung. Sie können noch unterstützt werden durst' Ter- rainkulturcn in den herrlichen ozonreichen, bis dicht an den Ort hcranreichenden großen Laub- und Nadelwäldern. Doch eins müssen wir ausdrücklich betonen, ein modernes Modebad mit Gcoßstadtbeirieb und Vergnügungen ist Bad Soden-Stolzenberg mit seinem unübertrefflichen „Pacisicus-Sprudel" nicht und — das wünschen wir — möge es zum Heile der Menschheit niemals werden.
Hermann S ch il l z.
— Der wänulirhe und der weibliche Schädel unter, scheiden fick in nichts von einan-er, was wohl weniger bekannt sein dürfte. Keiner der Schädel hat abweichende Merkmale. Das ist erst jüngst wieder feftaeftellt worden. Auch die Professoren Waldeycr und Vttchow, die sich sehr eingehend mit diesem Problem beschäftigten, haben keinerlei unterschiedliche Merkmale finden tonnen. Virchow halte allerdings einen verblüffend sicheren Blick; er gab immer genau an, ob ein ihm gezeigter Schädel einem Manne oder einer Frau entstamme, aber auch er mußte jugeben, daß er keine Unterscheidungszeichen kenne, sondern nur nach dem Gefühl urteile» - vs.