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Fuldaer Zeitung

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Fuldaer Seschichtsblätter

s Ziebungsliften »er preußisch-süddeutsch« Kteffen-totttrie. —- tzaldjShrttch Taschenfahrplan, n

Donnerstag den l4. August 1913

40. Zahrgang

Erstes Blatt.

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Wegen deS Feiertags Maria Him­melfahrt wird die nächste Nummer der »Fuldaer Zeitung' erst am Samstag auSgegeben.

Nr. 187

Dreiundsiebzig Jahre alt, ist Äugust Bebel dahin, gegangen. Mit ihm sinkt der letzte Heros der sozial« demokratischen Partei dahin. *

<rfd)tlnt «glich mit Ausnahme der Sonn- und Zelrrtage. Wertet, jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld In Suita sowie auswärts 1.50 Mark. -- Notationsdruck and vertag der - - julbatr flctienbrudterel In $ulöa. Zemsprecher Nr. 9. : :

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Illustrierte Sonntagszdhmg

0 -lusiust Bebel f.

Cbnr, 13. Slug. 1913. August Bebel ist Mittwoch vormittag in dem Kurhaus P a s s u g g im Kanton Grauen­bünden, wo er seit einiger Zeit zur Kur weilte, im Alter von 73V, Jahren gestorben. Er hielt sich hier mit seiner Tochter Frau Dr. Simon und seinem Enkelkinde Werner Simon auf, um Linderung von seinem ©allen» ftetnleiden zu suchen. Vor einigen Tagen trat dann noch Herzschwäche ein. Man legte dem zunächst keine größere Bedeutung bei, da Bebel schon öfters an Herz­schwäche gelitten, sich aber immer wieder erholt hatte. Der Kranke schien jedoch zu suhlen, daß es schlimmer um ihn stand, als seine Umgebung glaubte. Er ließ deshalb vor einigen Tagen seinen Freund Ullm ann aus Berlin kommen. Heute vormittag trat der Tod infolge Herz­lähmung ein. Die Leiche wird noch heute nach Chur gebracht und morgen zur Einäscherung nach Zürich überführt, wo auch die Beisetzung ersvlgen wird.

Sein Tod reißt freilich in den Tagesbetrieb der sozialdemokratischen Partei keine empfindliche Lücke/ da der greise Führer bereits seit längerer Zeit sich schonen mußte; aber doch ist das Hinscheiden dieses ältesten, volkstümlichsten und angesehensten Vertreters ein schwerer moralischer Verlust für die Partei, und zwar nicht allein für ihr Ansehen und ihre Wcrbe- kraft, sondern auch für ihre Geschlossenheit. Bebel war der Patriarch, dessen Name der Partei die wertvollsten Dienste nach außen und nach innen auch dann noch leistete, als sein Träger alt und matt ge­worden war.

Am 22 Februar 1840 war der Verstorbene in Deutz bei Köln als Sohn eines Unteroffiziers geboren und besuchte die Volksschule in Brauweiler und Wetz­lar, wo sein Vater später Gefängniswärter war. Dann kam er zu einem Drechsler in die Lehre. 16 Jahre alt kam der junge Drechslergehilfe nach Leipzig, vier Jahre später war er Meister, und als 21jähriger junger Mensch schloß er sich der Arbeiter, bewegung an. In Sachsen hat ja die deutsche Ar­beiterbewegung ihren Ursprung genommen, dort, wo die Sozialdemokratie noch heule in heftigstem Radi­kalismus blüht. Bebel wurde Präsident des Leipziger Arbeiter-Bildungsvereins, und als 1869 d e sozral- demotratische Arbeiterpartei in Eisenach sich konsti­tuierte, war er mit Liebknecht zusammen ihr Gründer. Seit 1892 stand Bebel auch offiziell als Vorsitzender an der Spitze. Schon im Jahre 1867 war Bebel Abgeordneter geworden; der.sächsische Wahlkreis zu Glauchau-Merane wählte ihn in den norddeutschen Reichs'ag. Nach dem vor wenigen Wochen verstorbenen Grasen Kanitz war Bebel der letzte Reichstagsabge- ordnete, der noch im norddeutschen Reichstag gesessen hatte. Auch im Zollparlament und späterhin von 1871—1877 im deutschen Reichstag blieb Bebel Ver­treter dieses Wahlkreises, den er dann mit Dresden- Altstadt vertauschte, wo er 1881 unterlag. Erst 1883 kam Bebel wieder in den Reichstag für Hamburg I, welchen Wahlkreis er seitdem mit Ausnahme der Periode 1893—1898, in der er Straßburg-Stadt ver­trat, ununterbrochen inne hatte. Als das Sozialisten­gesetz erlosch, ließ sich Bebel dauernd in Berlin nieder und nahm hier an der Leitung des .Vorwärts' teil, seit 1892 gehörte er als Vorsitzender neben Singer dem Parleivorstande an. Bei Bebels Tempera­ment und Draufgängertum war es natürlich unaus­bleiblich, daß er wiederholt mit den Gerichten in Be­rührung kam. Seine Angriffe gegen das deutsche Reich und sein Eintreten für die Internationale hasten 1872 eine Anklage wegen Vorbereitung zum Hochverrat gegen das deutsche Reich und das Königreich Sachsen zur Folge. Zusammen mit Liebknecht wurde er zu 2 Jahren F e st u n g s h a ft und außerdem wenige Monate später wegen Beleidigung des deutschen Kaisers zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Wie mit dem Wort war Bebel auch mit der Feder unermüdlich für die Ausbreitung der Sozialdemokratie tätig; von der Un­menge seiner Broschüren und Flugbiätter ist am be­kanntesten sein Buch über „Die Frau".

Bebel war der letzte von den Führern, welche die sozialdemokratische Partei durch die Sturm- und Kampfzeit des Ausnahmegesetzes hindurch zu ihrer jetzigen Massenentfaltung geleitet haben. Liebknecht der Acltere, Auer, Singer rc. gingen ihm im Tode voraus. Er hat unter seinen Mitarbeitern nicht bloß das längste Leben, sondern auch die weit überragende Stellung erreicht. Seine Persönlichkeit genoß auch über, die Reihen seiner Partei- und Gesinnungs­genossen großen Respekt, ja vielfach eine gewisse Sympathie. Er leibst führte seine Volkstümlichkeit darauf zurück, baß er als „ehrlicher Mann" be­kannt sei. Dieses Seibstzeugnis ist insofern richtig, als er seiner Partei treu gedient hat nach seiner Ueberzeugung und aus innerem Drange, ohne für

krank, sonst könnte es Dir nicht in den Sinn kom- Dich durch diese Marotte eines Luftslugs an eite eines abenteuerlichen Phantasten dem Ge­

ben Anstalten verbannen zu wollen, wo die zarten See­len der Söhne der Kirche herangebildet werden,' verrät eine Art verwerflicher und verderblicher Herzlosigkeit, der man standhaft Widerstand leisten muß. Aber nicht nur in diesem Punkte, sondern auf allen Gebieten iehen Wir eure Entschlossenheit, für die Religion tapfer zu streiten; denn ihr seid nicht nur be'orgt darum, daß Christi Reich 'm Jnnerr keinen Schaden leide, sondern daß es auch nach außen durch die heiligen Missionen bei den fremden Völkern immer weiter sich ausbreite. Im übrigen haben Wir gute Hoffnung, daß eure Ver­sammlung die besten Früchte für das katholische Leben Deutschlands zeitigen wird wegen euer aller Liebe zur Kirche, wegen der Erfahrung und Klugheit der so ernsten Männer, die euch und allen Katholiken Deutschlands als Führer dienen, dann aber auch wegen des Eifers der so frommen Stadl, die der Ort der Tagung sein wird. Denn ihrer Bürger Frömmigkeit und Glauben kennt jeder, der sich des Metzer Eucharistischen Kongresses erinnert. Wir aber bitten Gott, daß er euch die Weis­heit verleihe, die an seinem Throne steht, und euch mit seinen Gnadenschätzen beistehe. Als Gewähr hierfür und zugleich als Unterpfand Unseres väterlichen Wohl­wollens erteilen Wir euch allen, geliebte Söhne, in herz­licher Zuneigung den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom, bei St. Peter, am 25. Juli 1913, im zehnten Jahre Unseres Pontifikates.

Papst Pius X.

diesjährigen in Metz. Schon heute steht die Halle fertig da, und nur in ihrem Inneren wird noch die letzte Hand angelegt. Die Lage der Halle ist autzer- ordentlich günstig, sie liegt ganz in der Nähe des Bahnhofes, sowie der Hauptpost, und auch die übri­gen Versammlungslokale liegen in nächster Näbe. In ihrem Aeutzern zeigt die Festhalle eine ganz eigene Note. Gewiß ist sie in vielem den Festhalten früherer Tagungen gleich, aber in vielem weicht sie auch ab. Gleich ist sie vor allem in der inneren, praktischen Einrichtung. Das Metzer Lokalkomitee hat aus den Erfahrungen der früheren Generalver­sammlungen geschöpft und sie sich zunutze gemacht, das Brauchbare eingerichtet, das zu Bessernde ver­bessert. Im großen und ganzen paßt sich das Innere der Halle säst in allen Einzelheiten der der Aachener Katholikenversammlung an Man hatte zunächst die Absicht, die Festhalle dem Unternehmen zu übertra­gen, das auch die Festhallc in früheren Jahren ge­liefert hat. Indessen hat das Metzer Lokalkomitee von dieser Absicht abstrhen müssen. Metz mußte selbst für seine Halle sorgen. Und wir müssen gestehen, nicht zu seinem Schaden. Im Gegenteil, die Halle hat ein so gefälliges Aeußere, wie noch keine zuvor es gehabt hat. Die Hauptfront schmückt ein Säulen­portikus, die 4 Ecken flankieren wuchtige, aber in ihrer Gesamtwirkung durchaus nicht plumpe Phila­ster. Das Metzer Lokalkomitee bat gute Ursache, auf sein Werk stolz zu sein. Der Erbauer der Salle ist der Hochbauinspektor Druxes, Metz, der seiner Aufgabe in glänzender Weise gerecht geworden ist.

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der Seite eines abenteuerlichen Phantasten dem Ge- spötte und der Lächerlichkeit auszusetzen und dadurch mein blankes, goldenes Wappenschild zu beschmutzen. Um Dich zu heilen, um zu verhüten, daß Du in Deiner tollen Verblendung törichte Streiche machst, mußt Du Berlin verlasien —"

„Dos fällt mir gar nicht ein!"

„Deine Nerven sind so 'chwer angegriffen, daß

nur unbedingte Ruhe sie zu heilen vermag. Tu wirst daher an einem stillen Orte leben, wo Dir keine Gefahren der Weltstadt drohen, wo Du keine tollen Streiche machen kannst. —"

Die Fürstin lachte, aber es klang gezwungen und ängstlich; sie fürchtete sich vor ihrem Manne, dessen grausamen Raubtierblick sie zur Genüge kannte. „Tu willst mich wohl in ein russisches Kloster stecken?" rief sie.

„O nein! Ein Kloster wäre nicht der richtige Ort für Dich. Dort leben die Reinen, die Gesunden, die Entsagenden, deren ganzes Sinnen auf den Himmel gerichtet ist. Du aber bist eine Kranke, ein eitles Weltkind und zudem — eine Sünderin, wenigstens in Gedanken. In ein Kloster stecke ick Dich nicht, sondern in ein stilles Haus, in dessen Einsamkeit Du Zeit hast, Dich selbst wieder zu finden und den Weg zur Tugend, den Weg zu Deinem Gatten und zu einem neuen Glücke zu suchen."

„Du bist ja sehr gütig! Wohin also wirst Du mich schicken?"

„Das erfährst Du zur rechten Zeit!"

„Wenn ich mich aber nicht füge? Wenn ich die Gesetze um Hllfe anrufe?"

„Das nützt Dich nichts! Denn ich bin Dein Herr, und an dem Orte, an welchem Du wohnen wirft, ist mein Wort das höchste Gesetz. Sei daher vernünftig und füge Dich — und sei überzeugt, daß ich nur Dein Bestes will! Denn auch ich sehne mich nach einem teilten und stillen Glück an Deiner Seite. Das erlange ich nur daun, wenn Du geheilt bist und als ein neuer, gesunder und starker Mensch ein neues Leben beginnst, das nicht vom Weltgist angefresien ist. Gott mit uns! — Und nun werde ich Dir Deine Zofe senden. Kleide Dich zur Reise um, nimm einen tüchtigen Imbiß zu Dir — und dann halte Dich bereit! In 30 Minuten hole ich Dich ab. Du wirst Dich ohne Widerstand fügen, nicht wahr?"

„Ich muß wohl —"

„Dein Wort darauf! Ich wiederhole Dir bei meiner Ehre, daß es das beste für Dich ist!"

Die Fürstin sah ihm voll Trotz in die Augen. „Ich mir die Sacke erst überlegen —*

60. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Metz.

c. Metz, den 12. August 1913.

Zum ersten Male auf lothringischem Boden wird die Generalversammlung der Katholiken Teutsch- lands in der alten Moselseste Metz tagen, und es ist kein leeres Wort, wenn das Metzer Lokalkomitee in seinem Aufruf versichert, daß die Bevölkerung der Stadt Metz und des Landes Lothringen die Ehre zu schätzen wissen, die Generalversammlung der Katho­liken Deutschlands beherbergen zu dürfen. Alles ist geschehen, um der diesjähr^en Tagung einen wür­digen Verlauf zu gewährleisten.

Die diesjährige Katholikenversammlung wird im Zeichen der Erinnerung an den Sieg und das Edikt Konstantins stehen. Dieser Gedanke ist auch äußerlich zum Ausdruck gebracht. Auf der Vor­derseite b>r Mitgliedskarte durchbohrt ein Lanzen­schaft, an dessen Spitze im Lorbeerkranze das Chri- stusmonogramm hängt, den heidnischen Drachen. Auf dem Fahnentuch nimmt das Medaillon Kaiser Kon­stantins die Mitte ein, während rechts und links Papst Melchiades, der Zeitgenosse Konstantins, und Papst Pius X. ihn umgeben. Die oberen Ecken tra­gen die Jahreszahlen 313 und 1913. Neben Kaiser Konstantin wird der Gesellenvater K o l p i n g, des­sen Geburtsjahr vor hundert Jahren war, gefeiert werden. In den Reden werden diese beiden Ge- sichtspunfte besonders hervorgekehrt werden.

Einen glänzenden Verlauf der diesjährigen Ta­gung verbürgt schon die außerordentlich große Zahl von K i r ch e n f ü r st e n, von Vertretern des Adels und anderen hervorragenden und bekannten Persön­lichkeiten, die sich bereits angesagt haben. Es haben ihr Erscheinen zugesagt u. a. die Hochwürdigsten Bi­schöfe von Straßburg, Speyer, Trier, Luxemburg, der Weihbischof von Paderborn, Bischof Spetter, Aposto­lischer Vikar von Daressalam, Bischof Allgeher-San­sibar, ferner die Prälaten Scharmer, Generalvikar von Kulm, Beckschäfer aus Osnabrück, Generalvikar Dr. Pfeiffer-Luxemburg, Prälat Horri qls Vertreter des Herrn Bischofs von Namur. Dr. Müller-Simo­nis aus Straßburg, Pieper-M.-Gladbach, Szadowski- Königsberg, Dr. Werthmann-Freiburg. An O r- densgeistlichen haben ihr Erscheinen zugesagt u. a. Pater Acker, Provinzial der Väter vom hl. Geist, Pater Joukmann, Provinzial der Priester vom Her­zen Jesu und viele andere mehr. Der katholische Adel wird vertreten sein durch die Herren Graf Droste zu Vischering, Fürst Löwenstein, Graf Galen, Frhr. von Dalvigk-Lichtenfels, Baron von Radecke, Frhr. v. Oer, zwei Freiherren von Schorlemer u. a. mehr. Besonders zahlreich werden die Vertreter der denffchen Parlamente anwesend sein, u. a. die Herren Frbr. von Steinäcker, Herold, Giesberts, Trimborn, Cahensly, Marx, Erzberger, Hauptmann, Gießler, Schmitt-Mainz, Gröber, Schott. Als Ver­treter Belgiens kommt der Abg. Brisant, als Vertre­ter Oesterreichs Fhc. v. Fuchs und aus Luxemburg Professor Meyers. Besonders stark vertreten wird bas ungarische Parlament sein. Es haben u. a. ihr Erscheinen zugesagt Vizepräsident Stephan von Zrem- berg, Direktor Zottan von Shudi, Prälat Gießwein.

Was das eigentliche Heim der 60. Generalver­sammlung anlangt, die F e st h a l l e, so kann man dem. Metzer Lokalkomitee die Anerkennung nicht ver­sagen, daß es außerordentlich fleißig garBeitet hat. Wohl noch auf keiner Generalversammlung ist die Festhalle so ftühzeittg fertig gewesen, wie auf der

„Dazu ist keine Zeit — Dein Wort!"

„Mein Wort — aber nur für diesen Tag!"

,;Das genügt; der Vertrag ist also geschlossen!"

„Ja. Nun aber sage mir: welches ist das Ziel meiner Reise?"

Ter Fürst sah sie durchdringend an und sagte langsam, mit schwerer Betonung: „Schloß —— Kuruczka im Russenwald!"

Ihren Lippen entrang sich ein Schreckensschrei. „Nein, nein — dorthin nicht!" rief sie. „Nicht in diese, schauerliche Wildnis! Dort heulen die Wölfe ums Schloß, dort wandeln Geister durch die düstem. Gemächer —"

„Nein, Fürstin! Böse Geister gibt es dort nicht. Hier in Berlin Hausen böse Geister und Dämonen — dort aber bist Du vor ihnen sicher."

Sie rang die Arme. „Ich bitte Dich — nicht dorthin, nicht dorthin! Dort werde ich wahnsinnig!"

„Nicht doch — dort wirst Du genesen von Deiner Krankheit! Du gehst nach Kurüezka, — ich habe Dein Wort!"

Da sank sie wimmernd auf den Diwan und ver­barg ihr Gesicht in den duftenden Polstern.

Ter Fürst klingelte der Zofe, schloß beide en> und begab sich in sein Zimmer.

Zur festgesetzten Zeit erschien er wieder im Bou döir seiner Gemahlin, reichte ihr den Arm und führte sie in das Speisezimmer, wo ein Imbiß bereit stand. Während der Fürst mit gutem Appetit speiste, rührte die Fürstin die Speisen kaum an. Nach zehn Minuten erhob sich der Fürst, füllte sein Glas mit goldfunkelndem Tokaier und stieß mit seiner Ge­mahlin an: „Auf die Zukunft! Auf ein neues Glück!"

Sie schüttelte den Kopf.

Und er teerte das Glas. Die Fürstin nahm sei­nen Arm. Ihre Knie wanften. Aber der starke Arm des Fürsten stützte die Wankende. Er geleitete sie hinab zu dem Portal, wo das Auto hielt. , Et hals ihr in das Coups, ließ auch die Zofe einsteiger und sagte kurz, aber freundlich: „Gute Reise!

(Fortsetzung folgt.)

Das Münchner Mndl.

67] Roman von Felix Nabor.

„Höre, Ilona — Deine Protektion diesem San- bow gegenüber gefällt mir nicht. Sie könnte Dir für später gefährlich werden. Auch ist es leicht mög­lich, daß die böse Welt Euren sogenannten Freund- schastsbund, von dem ich überzeugt bin, daß er ganz platonisch ist, falsch deuten könnte. Das darf nicht fein. Auf meinen Namen darf auck nicht der leiseste Makel kommen. Darum ist es Zett, daß diesem un­nötigen Freundschaftsspiel ein Ende gemacht wird. Sanoow wird gehen, um nie wiederzukommen!"

Die Fürsttn fuhr erschrocken empor. — „Werdet Ihr Euch duellieren?"

„O nein! — Er — Sandow —■ wird fliegen."

„Fliegen? — Ich verstehe Dich nicht. — Oder doch - mit seinem „Adler"?"

„Ah — Du kennst dieses Himmelsflugzeug auch?"

„Ja. Er erzählt- mir davon. Ein genialer Ge­danke übrigens! — Aber hör' — soll dieses „Fliegen" vielleicht die Strafe sein für — — für die Bcleidi-

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„Dann meinst Du Wohl —?"

Er nickte. „Ja, das meine ich!"

„Du täuschest Dich. Er ist seiner Sache völlig iicher. Und — ja, warum soll ich es verschweigen: ich möchte mit ihm in seinem „Adler" fliegen."

Der Fürst zuckte nervös zusammen. „Bist Du oon Sinnen?" rief er.

„O nein! Ich habe es ihm versprochen, an seiner Seite diesen Flug zu wagen. So sesiellos durch den Aether zu fliegen — der Sonne zu: das war ja immer schon mein Traum."

„Und an die Gefahr, die damit verknüpft ist, denkst Du nicht? Auch nicht an den Schmutz, mit dem die Welt Dich bewerfen würde?"

„Darüber bin ich erhaben."

„Das ist rasch gesagt. Noch rascher ccker ist die Verleumdung. Sie gleicht einem giftigen Pfeil, der

Am 5. Juli bat das Metzer Lokalkomitee an ben Heiligen Vater eine Adresse gerichtet, in der sie das Programm des Katholikentages näher dar­legt und ihn bittet, ihre Mühen und die Tätigkeit der kommenden Versammlungen segnen zu wollen.

Darauf hat Papst Pius X. dem Lokalkowitee ein huldvolles Antworfickreiben zukommen lasten:

Von Herzen danken Wir euch, geliebte Söhne, die ihr Uns über die bevorstehende alljährliche Generalver. sammlung der Katholiken Deutschlands in euerm und der übrigen flamen einen Bericht gesandt habt, der Uns eine große Freude bereitet hat. Zwar war es Uns schon wohl bekannt, wie sehr ihr der göttlichen Religion er. geben und dem Avostolffcken Stuhle zugetan seid; aber dennoch ist euer Versprechen, daß ihr eure Versamm. lungen mit einem offenen Bekenntnis eures Glauben? an Christum den göttlicken Herrn und eures Gehorsam? gegen Christi Statthalter beginnen wollte, eine große Genugtuung. Da nun auf dem ganzen Erdkreise Ju­belfeste abgehalten werden zur Feier des Friedens und der Freiheit, die dec Kirche durch göttliche Fügung von Konstantin geschenkt worden sind, so nimmt es ht An­betracht eurer Liebe zur Kirche, Unserer Mutter, nicht wunder, wenn in euren Versammlungen dieser unver­geßlichen Tat in begeisterter Weise gedacht wird. Mit Recht wollt ihr, daß diese Erinnerung mcht auf eine leere Dankesfeier hinauslaufe, sondern daß sie eure Ge­danken aus der Vergangenheit auf die Gegenwart lenke und euren Eifer, zum Wehle der Kirche zu arbeiten an­feuere. Da ihr demnach, wie jeder Katholik, lebhaft bedauert, daß euer oberster Seelenhirt auch heute noch in einer gewiß nicht würdigen Lage sich befindet, so seid ihr entschlossen, von neuem mit Nachdruck zu ver­langen. daß der römische Oberhirt endlich wieder 'n den Beiitz der vollen Freibeit eingesetzt werde, die ferne 'o hohe Würde und das Amr des gemeinsamen Vaters der katholischen Völker erheischt. Es entspricht ferner eurem mannhaften Sinne, eure Aufmerksamkeit darauf zu lenken, daß die Kirche von den Fesseln, dre sie bemmen, befreit werde. Bei diesem Bestreben gefallt Uns be. sonders das Versprechen, mannhaft dafür erntreten zu wollen, daß den religiösen Orden und Kongregationen zum Nutzen des christlichen Volkes die Freiheit, Nieder­lassungen zu gründen und ihre Tätigkeit zu entfalten, durch das Gesetz gewährt werde und daß die natürlichen und unveräußerlichen Rechte der Kirche 'M den offentsi Schulen nicht verletzt werden. Denn die Religion aus au§ dem Hinterhalte abqcschncllt wird. Nein. Jwna — daraus wird nichts!"

„Ich will aber mitfliegen!" trotzte sic. „Und ich werde meinen Willen durchsetzen, Dir zum Trotz!

„Du bist ein phantastisches Kind, und ich werde Sorge tragen, daß Du mir keine Tollheiten begehst. Der^Narne Sandow eriftiert für uns nicht mehr"

„O — das werden wir doch sehen. Jetzt beharre ich erst recht auf meinem Willen, an der „Adler - Fahrt teilzunehmen." ,

Der Fürst schüttelte zum Zeichen seiner Mißbil­ligung den Kopf. „Niemals!"

„Doch! Doch!! Es wirb herrlich sem, so hoch über der Welt dahinzufliegen. Zwei hochgemute Seelen — zwei Himmelsstürmer!"

Der Fürst stieß einen derben Fluch aus, an denen der Wortschatz der russischen Sprache so reich ist, be­herrschte sich aber-sogleich wieder und sagte: „Ilona — Deine Seele ist krank. Ich will sie heilen!"

„Du? — O, Du wärest gerade der rechte Arzt!, erwiderte sie mit schneidendem Hohn. Du mit Dei­ner Wolfsnatur, mit Deiner Löwentahe! Du kannst nur zertrümmern und Wunden schlagen, nicht aber aufrichten und heilen! Nein, ich danke für Derne Hilfe! — Ich werde am ehesten gesunden, wenn ich zur Freiheit gelange, wenn ich an des gleichgesinnten Freundes Sette durch die Luft fahre zur Sonne! Dann wachsen meiner Seele wieder die Schwingen, die Du ihr mit Deiner harten Faust zerbrochen, hast."

„Höre!" rief er zornig, „nun hat bas Spiel ein Ende! Du wirst nicht fliegen! — Denn ich werde nicht dulden, daß mein fürstlicher Name in der Oes- fentlichkett mtt Schmutz beworfen wird. Meine fürst­liche Ehre steht so hoch über Deinen Phantasmen wie die Sonne über der Erde. Du bist wirklich schwer

MAX W aSSt-s