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*$* Fuldaer Zeitung «

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Nittvsch 15. August 1915-

Lokales.

Fulda, 13. August 1913.

Tie Kerzen-Prozesfion aus Anlaß des Titular- festes der Marianischen Bürger« und Jung- gesellensodalität wird sich in diesem Jahr durch Teilnahme der beiden hier bestehenden Jünglings­kongregationen der Dom« und Stadtpsarrei besonders feierlich gestalten. Die Prozession nimmt um 9 Uhr ihren Ausgang von der Pfarrkirche zum hl. Geist. Die Jünglingskongregationen nehmen vor der Kirche Ausstellung. Die Sodalen versammeln sich alle in der Kirche oder in den Zugängen zu dieser, rechts und links, von wo aus dann der Eintritt in die Kirche und der Anschluß an die Prozession erreicht wird. Damit soll da? Einreihen der Sodalen in die Prozession vor der Kirche vermieden werden. Drei Musikchöre werden die Prozession, die zur Stadtpfarrkirche zieht, verherrlichen. Die Bänke in der Stadtpfarrkirche sind für die Sodalen freigehalten. Die beiden Jünglingskongregationen nehmen vor dem Presbyterium rechts und links Aufstellung. Nach dem Festgottesdienst, den der Stadtpfarrliche Kirchen« chor durch Vortrag einer mehrstimmigen Miesse ver­schönen wird, zieht die Prozession wieder in die Sodalitätskirche zurück. — Die Sodalen gehen um 6 Uhr morgens gemeinschaftlich zum Tische des Herrn. Am Nachmittag um 2 Uhr findet die Aufnahme von 29 Aspiranten nach dem feierlichen Kongregations­ritus durch den derzeitigen Präses, Herr Domkapitular Herbener, statt. Zu dieser Feier sind außer den Sodalen auch deren Familienangehörige und besonders die Angehörigen der Neuauszunehmenden eingeladen. — Am gleichen Tage begeht auch die Jünglings- sodalität der Stadtpfarrei ihr Titularfest mit Generalkommunion morgens um 31*7 Uhr und mit Bundes-Erneuerung nachmittags um 3 Uhr in der stadtpfarrkirche.

E Der Turnhallenbau am Kronhof. Mit den Ausschachtungsarbeiten für den Turnhallenbau der so lange erhofften dompfarrlichen Schule ist gestern mittag begonnen morden. Die auszuschachtende Fläche hat eine Länge von 21,20 Meter und eine Breite von 11,20 Bieter. Die Ausschachtungsarbeiten wurden Schachtmeister Aiüller zum Preise von 1093,37 Mark übertragen. Bei den Grabungen ist man bereits auf Knochen, Tonscherben, Pfähle u. bergt gestoßen.

§ Zwangsversteigerung. Im Königl. Amtsgerichte wurde heute das auf den Namen des Gastwirtes Julius Schmidt und besten Ehefrau eingetragene Grundstück Marktstraße Nr. 18, Wohnhaus mit An­bau, Hinterhaus unb Hosraum („Ballhaus"), zwangs­weise versteigert. Der Gesamtwert bes Anwesens ist auf 65,000 Mark festgesetzt. An Hypotheken ruhen barauf 45,000 Mark, 15,000 Mark und 10,000 Mk. Das Wirtschafts-Inventar ist mit 3500 Mark bewer­tet. Das im Verteilungs-Termine bar zu zahlende ge­ringste Gebot, das sich aus Gerichtskosten, der For­derung der Stadtkasse und der Brandsteuer zusammen­setz, beträgt 788 Mark. Das Höchstgebot gab ab das Hofbrauchaus Hanau (vorm. Nicolai) mit 52,000 Mik.

hk. Haudelskammer-Nachricht. Die Entwürfe eines Patentgesetzes, eines Gebrauchsmuster­schutzgesetzes und eines Markenschutzgesetzes nebst Erläuterungen sind der Handelskammer zu Hanau zugegangen und können von Interessenten daselbst eingesehen werden. — Die Zolltarisvor« läge der Vereinigten Staaten von Amerika weist in der Fastung, in welcher sie dem Senat von seinem Finanzausschuß vorgelegt worden ist, eine Reihe von Aenderungen auf. Ein Bericht hierüber kann auf der Handelskammer zu Hanau eingesehen werden.

W Bom Postscheckverkehr. Im Reichspostgebiet ist die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr Ende Juli 1913 auf 81722 gestiegen. (Zugang im Monat Juli 753). Auf diesen Postscheckkonten wurden im Juli gebucht 1537 Millionen Gutschriften und 1532 Millionen Mark Lastschriften. Das Ge­samtguthaben der Kontoinhaber betrug im Juli durchnittlich 170,5 Millionen Mark.

(!) Erhebliche Steigerung der Schweinefleischpreise. In der zweiten Hälfte des Juli d. Js. ist im Durch­schnitt der 53 Marktorte Preußens nach den von dem Statistischen Landesamt gemachten Erhebungen das Schweinefleisch gegen die erste Hälfte des Juli sehr stark in die Höhe gegangen. Es kostet das Kilo 171,4 Pfg. gegen 164,6 Pfg. in der ersten Hälfte des Juli d. Js. Der Gesamtdurchschnitt für den Juli stellt sich auf 167,9. gegen 164,8 Psg. für den Juli v. Js. und gegen 145,8 Pfg. gegen den Juli 1911. Diese Preisgestaltung ist vorab auf den Mangel an schlacht­reifen Schweinen zurückzuführen. Das bayerische Staatsministerium hat jetzt einen Erlaß herausgegeben, der sich mit dem Rückgang der <3 d) meine»

Kleirres Feuilleton.

— Wie alt ist das Papiergeld? Bekanntlich soll Unser Reichskriegsschatz im Juliusturm in Spandau von 120 Millionen Mark auf den doppelten Betrag erhöht werden. Zur Beschaffung dieses außerordent­lichen eisernen Goldbestandes, der in Zwanzigmark­stücken diesmal in besonderen Tresors auf der Reichs- bank aufbewahrt wird, gelangen neue Reichskasten- scheine zur Ausgabe, also neues „Papiergeld". Seit wann gibt es eigentlich Papiergeld? Wie so manches andere, z. B. das Porzellan, die Lackarbeiten, das Schießpulver, den Kompaß usw. haben die Chinesen auch das Papiergeld erfunden, bezw. zuerst eingeführt. Es geschah dies bereits im Jahre 806 nach Chr., wenigstens datiert aus dieser Zeit die älteste bekannte Urkunde, die darauf hinweist. Diese Urkunde ent­hält die direkte Aufforderung an die Kaufleute, in der Hauptstadt ihre baren Münzen gegen Roten umzu­tauschen. Es war dies begründet in dem großer: Mangel an Kupfer. Später führte man deshalb auch eiserne Münzen ein, jedoch diese waren so schwer und unhandlich, daß man immer mehr das bequeme Pa­piergeld bevorzugte. Zunächst bediente sich natürlich der Großhandel dieses Zahlungsmittels; im zwölften Jahrhundert gab es aber auch Scheine über kleine und kleinste Beträge zum Gebrauch für das Volk. Am Ende des dreizehnten Jahrhunderts waren in China für über 1200 Millionen Mark Papiergeld im Um­lauf. Im Jahre 1620 aber schaffte man das „staat­liche" Papiergeld wieder ab und überließ die weitere Ausgabe den Privatbanken, wie dies zum Teil auch heute noch der Fall ist. Daher der Unterschied zwi­schen „Reichskassenscheinen" und „Banknoten". Und die gleiche Zeit, 1661, kam das Papiergeld auch in Europa auf, und zwar durch die Bank in Stockholm, deren „Transportzettel" damals jedoch wenig An­klang fanden. Ein eigentlicher Banknotenverkehr entwickelte sich zuerst in England, gleich nachdem im Jahre 1694 die Bank von England gegründet war.

Haltung befaßt. Nach ihm kann eine Besserung der Verhältnisse nur dadurch erzielt werben, baß eine größere Stetigkeit in ber Ferkelerzeugung herbeigeführt wirb. Durch bie Errichtung genossenschaftlicher Züchtereien soll eine größere Gleichmäßigkeit in bie Ferkelproduktion gebracht werben, ba genossenschaft­liche Unternehmungen voraussichtlich eher bereit seien, auch bann Ferkel zu produzieren, wenn bie Preise hierfür vorübergehenb sinken. Der burch bas Zu­sammenbringen größerer Mengen von Schweinen erhöhten Seuchengesahr kann burch sorgfältige Aus­wahl unb burch naturgemäße Haltung "ber Zuchttiere erheblich begegnet werben. Andere Maßnahmen zurHebung ber Schweinezucht sind: Ständige Belehrung und Aufmunterung ber Landwirte zur Schweinehaltung, Hebung ber Hackfrucht, besonders des Kartoffelbaues, Grünbung leistungssähiger Eber- haltungsgenossenschasten, gemeinsamer genossenschaft­licher Bezug von Kraftfutter, Anlage einfacher, billiger und gesunder Stallungen, Regelung des Ab­satzes namentlich ber Ferkel, Besichtigung vorbild­licher Züchtereien und Mästereien usw.

+ Manöverbriefe. Aus Anlaß der bevorstehenden militärischen Herbstübungen machen wir auf die Wich­tigkeit der Anwendung richtiger und deutlicher Auf­schriften bei den Manöverpostfendungen aufmerksam. Zur genauen Aufschrift gehören: Familienname (möglichst mit Vorname, unter Umständen auch Ord­nungsnummer), Dienstgrad und Truppenteil (Regi­ment, Bataillon, Kompagnie, Eskadron, Abteilung, Kolonne usw.) und ber ständige Garnisonort, ein­tretendenfalls mit dem Zusatz „oder uachsenden". Die Aufgabe eines Marschquarliers als Bestimmungs­ort empfiehlt sich in der Regel nicht.

** Gegen bie Reklamenmarkenwut. Das Sammeln von Reklamenmarken hat mehreren Handelsorgam- sationen Veranlassung gegeben, sich an die (Stabt» schulverwaltungen zu wenden mit ber Bitte, ben Be­lästigungen steuern zu wollen, bie ben Kaufleuten bei ber Verteilung biefer Marken entstehen. Die Organisationen richten an bie Verwaltungen bie Bitte, ben Lehrern von bem Schreiben Mitteilung zu machen mit bem Ersuchen, auf bie Schüler dahin ein­zuwirken, daß die Belästigungen unterbleiben.

T Sommertheater. Der Giesel'sche Saal war gestern wieder einmal voll besetzt. Das zeigt einer­seits, daß ber Johann Strauß'schen Operette „Die Flebermaus" trotz ihres Alters von fast 40 Jahren noch eine große Zugkraft innewohyt, unb anderseits, wie beliebt Herr unb Frau Bauermann finb, zu deren Gunsten die hoftheaterfähig gewordene Meister­operette des Wiener Walzerkönigs gegeben wurde. Unzählige musikalische und rhythmische Feinheiten stecken in ber Partitur, zu beten Höhepunkten auch die geradezu klassische Ouvertüre gehört. Die Musik ist heiter unb gefällig unb an manchen Stellen in solchem Maße künstlerisch, baß sie ihren Platz in ber komischen Oper recht wohl ausfüllen würbe. Das Orchester stellte unsere wohlgeschulte Artilleriekapelle, ben Dirigentenstab führte Herr Willi Bauermann, ber es verstand, zu schattieren und bie Feinheiten bes Werkes herauszuholen. Der Kontakt zwischen Orchester unb Bühne ging nicht verloren. Die Aufführung stand im Großen unb Ganzen auf einem beachtens­werten Niveau. Neben bem Dirigenten war auch Cilli Bauermann ber Gegenstanb freunblidjer Ova­tionen. Sie spielte unb fang bie flatterhafte Rosa- linde mit vielem Chic. Sodann wäre noch Anny Herr­mann als naseweises Stubenmädchen und Otto Raimond als unternehmungslustiger Gesanglehrer Alfred zu nennen. Die übrigen Rollen waren angemessen be­seht. Robert Behn gab den ewig durstigen Gefäng­niswärter recht drollig. Er wußte den traditionellen Kalauern dieser Rolle mit seinem trockenen Humor noch einige neue hinzuzufügen. Das Publikum zeigte sich von bem Gebotenen recht befriebigt.

Zum Benefiz für den jugendlichen Liebbaber Artur Pattky wird am Donnerstag das vieraktige Lustspiel „Im wunderschönen Monat Mai" von Spanuth-Boden- stedt gegeben. Die Zwischenaktsmusik wird von Mit­gliedern der Artilleriekapelle ausgeführt.

X Zu den 4. große» nationalen olympischen Spielen des 1. Fuldaer F. C. „SB o r u s s i a" im „Sportpark Neuenberg" liegt nunmehr ein Teil der Meldungen vor, die bereits erkennen lassen, daß an dem Festtage ein hervorragendes sportliches Ereignis vor sich gehen wird. Sind doch Namen wie Hetzler-Frankfurt, Olaf-Münster Schild-München seit Jahren im deutschen Sport bekannt. Auch zwischen den hervorragenden 400 Meter-Stafetten des F. C. Frankfurt 1880, Turnsportverein Frankfurt, Duisburger Preußen und Union Düsseldorf dürften sich spannende Kämpfe abspielen.

-t- Eine ungarische Geigertruppe wird am Sonntag den 17. August im Stadtsaal oder Garten gastieren. Große Abwechslung in Musik, Solo- und Chorgesang und Tänzen wird in Aussicht gestellt.

Wenig bekannt ist übrigens^ baß Kassenscheine kein gesetzliches Zahlungsmittel sind, daß also niemand gezwungen oder verpflichtet ist, im Privatverkehr sol­ches Papiergeld in Zahlung zu nehmen. as-

— Beobachtet den Jupiter! Ein in des Wortes ganzer Bedeutung himmlisches Schauspiel kann man jetzt am südlichen und südwestlichen Abendhimmel be­obachten. Schon bei zeitiger Dämmerung leuchtet hier der Jupiter auf mit seinem reinweißen Licht, das alle Sterne und Sternchen, die nach und nach aus der Dunkelheit heraustreten, weit überstrahlt. Ein wirklich herrlicher Anblick! Der Jupiter ist bekannt­lich der größte Planet unseres Sonnensystems; er übertrifft an Masfe alle anderen Planeten zusammen- genommen, die der Erdmasse z. B. 309mal, der Son­nenmasse gegenüber ist sie aber 1048 mal kleiner. Der Durchmesser des Äquators ist elsmal größer als der der Erde, seine Dichte beträgt jedoch nur ein Vier­tel der irdischen. Die Rotationsbauer, d. h. die Um­drehung um sich selbst, wurde zu nur 9 Stunden 55 Minuten berechnet, während die viel kleinere Erde bekanntlich fast 24 Stunden braucht, und die Um­laufszeit des Jupiters um die Sonne, von der er im Mittel 777 Millionen Kilometer entfernt ist — 5i/> Erdbahnhalbmesser, fast 12 Jahre. Genaue Be­obachtungen haben ergeben, daß der schöne St-rn eine Atmosphäre besitzt und daß einzelne Helle Flecke zeit­weilig ein eigenes Licht entwickeln. Im Fernrohr be­trachtet man mehrere rötlich-dunkle, dem Aequator parallele Streifen, die sich aber rasch änden und oft schon anderntags ein völlig anderes Aussehen zeigen. Neun Monde sind seine ständigen Begleiter auf der Bahn um die Sonne, von denen man die vier äußer­sten schon in schwachen Fernrohren erkennen kann. Der Abstand dieser Monde ist sehr verschieden: der nächste ist nur 2% Halbmesser des Jupiter von ihm entfernt, der entfernteste aber 147 Halbmesser. Er­sterer saust mit der fabelhaften Geschwindigkeit von nur 12 Stunden um den Planeten, letzterer braucht 242 Tage dazu. as-

Aus dem Nachbargebiete.

A Steinhaus, 11. Aug. 1913. Am Feste Maria Himmelfahrt, Freitag, den 15. d. M., nachmittags 3 Uhr wird bei der St. Wendelinuskapelle eine Festversammlung zur Feier des 1600jährigen Jubi­läums des Ediktes von Mailand Kaiser Konstantins stattfinden in Verbindung mit einer Missions- und Bonifaliusvereins-Feier. Ein Franziskanerpater wird sprechen über das Jubiläum, ein geistlicher Oberlehrer und Professor aus Kassel über den Bonifatiusverein. Zu der Feier sind alle Katholiken der Umgegend freundlichst eingeladen unb wir zweifein nicht, daß diese sich in großer Zahl einfinden und auch gern ein Scherflein zum Besten der katholischen Missionen und des Bonifatius-Vereins spenden werden. Der Ertrag der Kollekte wird zur Hälfte dem Bonifatiusverein und zur Hälfte den Missionen zugewandt werden.

* Brückenau, 10. Aug. 1913. Die letzte Kurliste des hiesigen Bades weift bis 7. August 3271 Bade­gäste auf, während die Fremdenliste der Stadt vom 8. d. Bk. 2660 Besucher zählt.

* Gelnhausen, 12. Aug. 1913. In der Gemeinde Eidengefäß, Kreis Gelnhausen ist die Schweine- seuche und die Schweinepest sestgestellt worden. Die Gemeinde Eidengefäß bildet ein Sperrbezirk.

* Kassel, 13. Aug. 1913. Das hiesige General­kommando hat nunmehr den endgültigen Bescheid vom Kaiserlichen Hauptquartier erhalten, daß der Kaiser an der Hundertjahrfeier des hiesigen Infan­terie-Regiments Nr 83 nicht teilnehmen wird. Alle für den Empfang Sr. Majestät getroffenen Vorbe­reitungen sind abzusagen. — Die Kaiserin ist gestern kurz nach 3 Uhr nachmittags wieder abgereift und zwar im Automobil. Sie fuhr über Treysa, Ziegenhain, Alsfeld, Grünberg, Hungen, Friedberg, Oberoßbach, Friedrichsdorf nach Homburg v. d. H. — Der Ausschuß für die Vorbereitungen der Obe t- bürgermei st erwähl hat mit großer Mehrheit beschlossen, der Wahlkörperschaft in erster Linie die Wahl des Stadtdirektors Koch in Bremerhaven, in zweiter Linie die des Bürgermeisters D. Thode in Stettin zu empfehlen.

* Ans Thüringen, 13. Aug. 1913. Die diesjähri­gen weimarifchen Nationalfestspiele für die deutsche Jugend haben ihr Ende erreicht. An der letzten Wochenreihe nahmen gegen 90 Lehrer mit 800 Schülern teil. Im ganzen wohnten den Festspie­len gegen 300 Lehrer und 3000 Schüler bei. Die nächsten Festspiele finden in zwei Jahren statt. — In Schön st edt (Kr. Langensalza) wurde in das Stationsgebäude eingebrochen, der eingemauerte Geldschrank gewaltsam zertrümmert und ca. 2000 Mark gestohlen. — Der englische Thronfolger ist in Gotha eingetroffen und hat in Schloß Reinhards- brunn Wohnung genommen. — Der Verein für Hen- nebergifche Geschichte und Landeskunde zu Sch mal- falben feierte am 12. August ben Tag feines 40- jährigen Bestehens.

r Bergen, 12. August 1913. Bei der demnächst in Kassel stattfindenden Jubiläumsfeier der 83 er wird der hier wohnhafte 92 jährige Landwirt Friedrich Puth zweifellos der Nestor des Regiments fein. Der noch sehr rüstige alte Herr wird der Gegenstand besonderer Ehrungen sein. Er^ schließt sich" der Frankfurter Reisegruppe an, die übrigens ihrem Kasseler Standquartier bereits in weiser Vor­sicht ein großes Faß „Steppelroein" zusandte.

* Wetzlar, 12. Aug. 1913. Die Ermittelungen betreffend den gemeldeten L e i ch e n f u u d haben er­geben, daß ein Verbrechen nicht vorliegt. Der Händ­ler Roß aus Ernsthansen (Kr. Kirchhain) ist am Mittwoch in angeheitertem Zustande auf der Chaussee von einer Frau gesehen und vor dem zur Lahn füh­renden Wege gewarnt worden. Er ift aber anschei­nend doch auf.diesen geraten und von feinem Karren, der über das steile Ufer hinabstürzte, nachgezogen worden. Der Karren wurde 450 Meter oberhalb ber Stelle entdeckt, wo Roß in der Lahn gefunden worden war.

* Diez, 11. Aug. 1913. Dieser Tage ist aus bem hiesigen Amtsgerichtsgefängnis ein „schwerer Junge" entflohen, der erst vor wenigen Tagen aus dem Zentralgefängnis Freiendiez entlasten, jedoch wegen neuer Diebstähle wieder festgenommen worden war. Ter Gauner hat Türen und Wände des Gefängnisses durchbrochen und dann der Wohnung des gerade ab­wesenden Gericbtsdieners einen Besuch abgestattet und Schränke unb Kisten burchstöbert. Er entkam dann unerkannt.

* Aschaffenburg, 12. Aug. 1913. An ben hiesigen Gesellenverem, ber, wie gemeldet, fein 60. Stiftungs­fest verbunden mit Hausweihe beging, hat Prinzregent Ludwig persönlich folgendes Danktelegramm gerichtet: „Den zum 60. Jubelfeste und zur Eröffnung des neuen Gesellenhospizes in Aschaffenburg versammelten Mitgliedern katholischer Vereine sage ich für ihre treuempfundene Huldigung besten Dank. Ludwig, Prinzregent."

Amt Geisa und Umgebung.

* Wölferbütt, 13. August 1913. In der Nähe von Mosbach wird jetzt Ton gestochen. Bau- unterilehmer Kümpel aus Vacha hat ein Stück Land für 1000 Mark zu diesem Zweck erworben. Gegen­wärtig sind ca. 12 Mann damit beschäftigt. Der Ton wird mit bet Grubenbahn nach Dorndorf geschafft, wo er in ber chemischen Fabrik verarbeitet wird.

* Wiesenthal, 12. Aug. 1913. Am Sonntag abend wurde ein Wiefenthaler Mädchen, welches sich auf dem Wege nach Derbach befand, von einem Radfahrer überfahren und dabei schwer verhetzt. Sie wurde in bewußtlosem Zustande ins Dermbacher Krankenhaus gebracht. Da der Radfahrer in übet flauem Tempo fuhr, wird wahrscheinlich Strafantrag gegen ihn wegen Fahrlässigkeit erhoben werden.

Aus Gberhessen u. den Hess. Aemtern.

△ Marburg, 12. Aug. 1913. In Roßberg im hiesigen Kreise entschlief gestern im hohen Alter von 88 Jahren ein in weiten Kreisen bekannter Mann, der Bürgermeister a. D. Nikolaus Menget. Der Verblichene war wohl ber letzte Bürgermeister aus kurhessischer Zeit, denn erst vor einigen Jahren, nachdem er länger als 50 Jahre seines Amtes gewaltet hatte, trat er in ben Ruhestand. — Die Ferienkammer des hiesigen Landgerichts verur­teilte heute einen Prediger einer freireli­giösen Gemeinde, ber trotz bes Verbots des zuständigen Geistlichen bei einer Beerdigung in Betzi­gerode eine Rede hielt, zu 10 Mark Geldstrafe, d. h. es schloß sich dem Urteil des Vorderrichters an.

* Kirchhain, 11. August 1913. In der Nacht vom Sonntag auf Montag wurde auf der Straße nach Niederklein auf der Gisiendorser Höhe ein ruchloses Attentat geplant. Man hatte hier aus Chanfsee-

fteinen und aus Markierungsstangen, die bei Ver­koppelungsarbeiten gebraucht werden, ein Hindernis errichtet das bie ganze Chaussee sperrte. Der Chauffeur des Personenautos, bet morgens früh nach hier fährt, sah noch rechtzeitig das Hindernis unb konnte so ein größeres Unglück verhüten. Die Polizei ift eifrig be­müht, bie Täter auäfinbig zu machen.

* Ziegenhain, 12. Aug. 1913. Ihre Mas. bie Kaiserin passierte heute nachmittag 51/* Uhr mit Ge­folge in 2 Automobilen von Wilhelmshöhe kommend unsere Stadt. (Sergi. Nachricht aus Kassel.)

vermischtes. B

♦ 100 Jahre alt. Die älteste Bewohnerin des Fürstentums Lippe, bie Tischlerineisterwitwe Amalie Vetter, feierte am Montag in Detmold körperlich unb geistig rüstig ihren hundertsten Geburtstag. Ober­bürgermeister Wittje überbrachte an der Spitze zahl­reicher Gratulanten die Glückwünsche ber Stadt.

* Der rauchende Gerichtshof. Zu einem ungewöhn. lichen Mittel der Selbsthilfe griff jüngst ein englischer Gerichtshof, der in einer Rumpelkammer, in der eine Japanerin ermordet worden war, einen Lokaltermin ab­zuhalten hatte. Es herrschte in dem Raume eine so un­erträgliche Luft, daß der Staatsanwalt den Vorsitzen-, den frage, ob er etwas dagegen hätte, wenn der Ge­richtshof Zigaretten rauche, um ben Aufenthalt in der dumpfen Stube zu ermöglichen. Der Vorsitzende gab die Erlaubnis und so geschah es, daß der paffende Ge­richtshof den Lokaltermin zu Ende führte.

* Eigenartige Todesursache. In Hetz darf bei Freiberg (Sachsen) Halle ein zweijähriges Mädchen eine Kornähre in den Mund genommen. Dabei geriet eine Rispe in die Luftröhre. Trotz sofortiger ärztlicher Hilfe ftarb das Kind eines qualvollen Todes.

* Der vergeßliche Prinz. Die Handtasche, die dem Prinzen Alexander von Battenberg c«s der Fahrt von Hüll nach London mit 100 000 Mk. Wertinhalt angeblich gestohlen sein sollte, hat sich wieder eingefunden. Sie war auf einer Umsteigestation, liegen gelassen worden.

* 3 Grad Kälte. In verschiedenen Gegenden Nord, böhmens herrschte in der Nacht zum Montag eine win­terliche Kälte. Die Nachtfröste wiesen eine Temperatur von drei Grad auf. Die Kartoffelernte ist vernichtet, — Auch die österreichische Obstkammer Goerz und Um­gebung wurde in der gleichen Nacht von einem schweren Frost heimgesucht. Dazu kam an verschiedenen Stellen ein schwerer Hagelschlag, sodaß die Ernte schwere Schä­den erlitten hat. Man berechnet ihn auf etwa 700 000 bis 800 000 Mark.

* Der neueste Schildbürgerstreich der französischrn Verwaltung wird ans bem kleinen Seebad Ponr - v i l l e gemeldet. Eine Familie mußte ihrem Söhn­chen kraft ärztlicher Verordnung Bäber aus warmem Seewasser geben unb sanbte einen Diener mit zwei Eimern an ben Strand, um bie Flüssigkeit zu holen. Mit ber rauhesten Stimme unb bem zornigsten Tone, besten ein solcher Beamter fähig ist, fuhr ben Mann ein Diener bes Fiskus an: „Wasserholen ohne be­sondere Ermächtigung ist hier verboten; passen Sie auf, baß ich Sie nicht nochmal erwische." Da bas Knäblein noch am Nachmittag ohne sein Bab war, begab sich die Mutter selbst zu ber Behörde, die sie nach bem, was ihr gesagt würbe, für bie Ermächti­gung zum Schöpfen von Seewaster für zuständig hielt: zu der Marineverwaltung. Da erfuhr^ sie dann, daß sie sich an die Zollstelle wenden müsse, unb auf biefer erklärte man ihr, es fei eine Eingabe auf Stempelpapier (60 Cent.) notwendig, ganz mit der Hand geschrieben, also nicht mit der Schreib­maschine. wie wenn es sich um eine wichtige letzt­willige Verfügung handelte: in der Eingabe muß­ten die sämtlichen Umstände aufgeführt werden, welche die Erteilung der Ermächtigung rechtfertigten. Tie Familie unterzog sich dieser lästigen Förmlichkei­ten und batte die zweifelhafte Genugtuung, daß n a ch vierzehn Tagen bie Ermächtigung entlief. Ter Hausvater ging ber Geschichte auf ben Grund und erfuhr die schnurrige Ursache ber Plackerei: „Es könnte jemand S e e w a s s e r beim B r o t b a ck e n verwenden, wodurch er sich das Salt erfvaren könnte, und dadurch würde dem Fiskus sein Anteil an der Salzsteuer entgehen."

* Brand in einem Kino. In Gcmdia in Spa­nien brach in einem überfüllten Kinematographen- tbeater Feuer aus. Es entstand eine Panik. 49 Personen wurden verletzt, davon 14 lebens­gefährlich. Zahlreiche Besucher erlitten Quetschun­gen. , ____________

Literarisches.

Album der großen Zeit 1813-1815 in Wort und Bild.

Verlag von Gebrüder Stollwerck A.-G. Köln- Berlin. Preis vornehm gebunden 50 Psg.

Die uns vorliegenden, bis jetzt erschienenen Gruppen lassen erkennen, daß das neue Album seine Vorgänger in künstlerischer Hinsicht wohl noch übertrifft. Die Ent­würfe zu den 144 Bildern, eingeteilt in 24 Gruppen zu je sechs Bildern, sämtlich von dem bekannten Schlachten­maler Professor Knötel gemalt, vergegenwärtigen dem Beschauer in lebendiger Frische die wichtigsten Begeben, heilen jener glorreichen Zeit und zeige» ihm in künstle­rischer Vollendung die berühmten Männer der Be­freiungskriege und ihre Taten. Die zu den Bildern gehörigen Texte sind ebenso unterhaltend wie belehrend. Die katholischen Arbeitervereine. Von Joseph Joos.

(Sludenten-Bibliothek 12. Heft. Herausgegeben vom Sekretariat Sozialer Studentenarbeit.) kl. 8° (ol) . M.-Gladbach 1913,Volksvereinsverlag G. m. b. H., 40 Mennig, postsrei 45 Pfennig. i

Das Büchlein wendet sich an die Schicht der Ge­bildeten und an die studierende Jugend. Es entwickelt und begründet die Organisation der katholischen Arbeiter- vereine'aus dem Gedanken der Arbeiterstandesbewegung heraus und erbringt den Nachweis, daß die katholischen Arbeitervereine tatsächlich ein notwendiger Faktor in den, Bestrebungen zur Schaffung einer Standeskullur der Lohnarbeiter sind. Der eingehende Literaturnachweis wrrd dem inlereffierten Leser besonders willkommen sein.

Handel und Industrie.

Berlin, 12. Aug. 1913. Die starke Auswärts- beroegung am Montanmarkte verlieh der ganzen Börse ein festes Aussehen. Einigen Abbruch erlitt bie Bewegung durch die unerfreulichen Geldverhältnisse. Von den heimischen Anleihen ermäßigten sich 3^/epro- zentige Reichsanleihe und 3^'sprozentige Konsuls um je 0,10 Prozent. Der Privatdiskont stieg auf fünf Prozent. ,

Därmkaterfh^ic;

■Kindermehl.

■ftmtenkost.

Reklamen- «nd Anzeigenteil.

Tausendfach

Nahrung be::v BreShdufchfB^#.