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ldaer Zeitung

~ Ziefjungsliften Der preußisch-süddeutsch« Klaffen-Lotterie. — halbjährlich Taschenfahrplan. «

40. Zahrgang.

Mittwoch den 13. August 1913

krstes Blatt.

Ur. 186

GefiQüKäisasa

ist

Das Münchner Aindl

Roman von Felix Nabor.

66]

V

<rfd)tint »glich mit nusnoijme oer Sonn- und Stiertage, viertel, jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda sowie auswärts 1.50 Mark. - > Rotationsdruck und Verlag der - - zuldoer flctienbrutkerei in Zulda. Fernsprecher Nr. 9. ::

widcrung Huertas auf die Entsendung eines Sonder­gesandten der Bereinigten Staaten nach Mexiko die Erkenntnis zu dämmern, daß die Yankees sich in Mexiko doch leicht die Finger verbrennen könnten.

- ~ Wochen-Deflage: ~ “

Illustrierte Sonntagszeifung

~ s TTToriats-Behage: ~ "

Zuldaer Seschichtsblätter

ventsches Reich.

** Keine Ueberraschung in der Jesuitcnfrage.

Der Meldung von der angeblich bevorstehenden Aufhebung des Jesuitengesetzes wird auch von anderen Blättern kein Glauben betgemessen. Zentrumsblätter sind der auch von uns zum Ausdruck gebrachten Meinung, daß die Meldung nur den Zweck hätte, Stimmung gegen die Aushebung des Jesuitengesetzes zu machen. Die ,Germanicck macht darauf aufmerksam, daß die Sensationsmeldungen des Berner Bund und der Züricher Post, obgleich sie derselben Quelle — worüber man sich seine eigenen Gedanken machen kann — zu entspringen scheinen, inhaltlich nicht übereinstimmen. Die Züricher Post spricht von „Wegen, die von den Jesuiten gewählt wurden*, der Berner Bund weiß von solchen Wegen nichts. Und während die Züricher Post allein „sehr hohe belgische Kreise«, — also eine Mehrheit, nicht eine einzelne Persönlichkeit — als Befürworter einer Aufhebung des Jesuitengesetzes angibt, bezeichnet der Berner Bund nicht nur die verstorbene Grästn von Flandern als Vermittlerin, sondern außerdem noch „einen beim Berliner Hofe sehr gern gesehenen und in den polnischen Provinzen reich begüterten Schloßhauptmann«, womit wahr­scheinlich auf den katholischen Grafen v. Hntten- Czapski hingewiesen werden soll, von dem aber bisher wenigstens nicht bekannt geworden ist, daß er für die Jesuiten und die Aushebung des Jesuitengesetzes sehr begeistert ist. Von den Drohungen mit „großen Enthüllungen" hätte, so meint das Berliner Zen. trumsblatt weiter, die Züricher Zeitung, wenn sie „das ganze aufsehenerregende Material« wirklich „zur Verfügung" haben sollte, sogleich zur Tat übergehen sollen, wenn sie nicht in den Verdacht geraten will, damit, sowie mit der Andeutung von „gewaltigen Opfern* nur einen großen Bluff auszuüben. Wir lassen uns aber nicht so leicht verblüffen, am wenigsten durch derartige Sensationsnachrichten, die schwerlich einem in der Schweiz gelegenen Entenpsuhl entsprungen sind, sondern anderswo ihre geheimnisvolle Quelle haben, welche die Züricher Post bei den von ihr an­gekündigten „großen Enthüllungen« am wenigsten ver­gessen dürfte.

Die ,Köln. Volksztg/ bezeichnet die Meldung eben- falls als freie Erfindung. Tatsache sei nur, daß nach den üblenErfahrungen und demWirrwarr des letztenBnndes- ratsbeschluffes nicht nur in Bayern der gegenwärtige Zu- stand in der Jesuitenfrage als unhaltbar angesehen werde. Rach den eingezogenen Erkundigungen des Blattes kommt eine Aufhebung des Gesetzes überhaupt nicht in Frage, höchstens eine Erleichterung der Bestimmungen über die Tätigkeit der Jesuiten.

In derselben Angelegenheit wird der ,Postt von wohlunterrichteter Seite geschrieben:

Wie sich die Dinge heute entwickelt haben, schei­nen zwei Lösungen der mexikanischen Frage möglich zu sein: entweder verzichtet die Union end­gültig auf jebe Einmischung in mexikanische Ange­legenheiten und jede Unterstützung der Rebellen, dann wird Mexiko Frieden haben, oder sie zwingt Huerta zum Rücktritt und das bedeutet bei dem Temperament dieses Mannes Krieg. — Wilson hat die Wahl.

* Washington, 12. Ang. 1913. Präsident Wilson hat Besuchern erklärt, daß sich die Lage in Mexiko während der letzten 48 Stunden wesent­lich gebessert habe. Der Kreuzer „Kashville" nach Veracruz abgegangen.

„Die Meldung, daß mit Bayern auch Preußen ent- chlossen sei, im Bundesrate für die gänzliche Aufhebung >es Jesuitengesetzes zu stimmen, klingt, wenn man sich die bezüglichen Erklärungen des Reichskanzlers im Par­lamente vergegenwärtigt, sehr u n g l a u b li ch. Sie gewinnt auch dadurch nicht an Wahrscheinlichkeit, daß das Herrenhausmitglied Graf Hutten-Czapski und die verstorbene Fürstin zu Fürstenberg als Regisseure dieser Wendung bezeichnet werden. Vielleicht ist bei dieser Meldung nur eben der Wunsch der Vater des Gedankens, vielleicht aber ist sie bestimmt, um einer anderen Wendung in der Jesuitenfrage die Wege zu ebnen. Wie cs scheint, wird in einigen politischen Steifen zwar nicht die gänzliche Aufhebung, wohl aber eine Aenderung des Jesuitengesetzes erwogen, durch welche unter Aufrechterhaltung des Verbots der Niederlassung den Jesuiten wieder die volle priesterliche Tätig­keit freigegeben würde. Damit würde nach der Auffassung jener Kreise das Verlangen der katholischen Kirche erfüllt werden, die Kräfte der Jesuiten im Kampfe gegen Unglauben und sonstige destruktive Tendenzen nutzbar verwerten zu können. Auch hierbei handelt es ich vorläufig nur um unkontrollierbare Andeutungen. Es genügt daher zurzeit auch, davon Vermerk zu neh­men. Eine Stellungnahme erübrigt sich aber zurzeit noch um so mehr, als nach den Verhandlungen im Par­lament und in der Presse über die grundsätzliche Stel­lung gegenüber der Jesuitenfrage ja völlige Klarheit besteht.« ,

* Berlin, 12. Aug. 1913. Wie verlautet, sind beim preußischen Abgeordnetenhause gegen die letzten Land- tagswahlen im ganzen 17Wahlprotefte recht­zeitig eingegangen. — Rach Blättermeldungen sollte demnächst eine dritte Schulkonferenz einberufen werden, die die Frage zu entscheiden hätte, wie die beste Vorbildung für die Universitätsstudien zu ge- stalten wäre, und welche Reformen an den Huma nistischen Gymnasien vorzunehmen sein würden. Wie wir jedoch in Berliner Blättern lesen, besteht bei der preußischen Unterrichtsverwaltung nicht die Absicht, eine neue Schulkonserenz zu berufen. — Der Reichs- tagskommission für das Verdingungswesen, die den Entwurf eines Reichssubmissionsgefetzes berät, ist ein Antrag des Vereins gegen das Bestechungs­wesen, Sitz Berlin, zugegange'n, der verlangt, daß bet Verdingungen die Angebote verschlossen eingefordert i werden und die Oeffnung aller Angebote erst im Er-| öffnungstermin erfolgen, Darf, wozu die Anbieter oder ihre bevollmächtigten Vertreter zugelafsen sind.

— Gencralseldmarschall Freiherr von der Goltz, der vor einigen Wochen erst aus dem aktiven Dienst­verhältnis ausgeschieden ist, feierte am Dienstag sei­nen 70. Geburtstag in der Sommerfrische, im Kur­haus Saarow am Scharmützelsee. Unzählige Glück­wunschtelegramme trafen ein, darunter besonders herzlich gehaltene Glückwünsche vom Kaiser und vom Sultan. Die Kurgäste von Saarow bereite­ten dem Geburtstagskinde lebhafte Ovationen. Nach­mittags fand ein Diner statt, zu dem auch viele Berliner Gäste erschienen waren.

* Die Börsensteuern. Die Börsensteuern haben tn den letzten Jahren regelmäßig steigende Ertrage gebracht. Für den Etat des Rechnungsjahres 1912 waren sie mit einem Ertrage von 70 Millionen Mk. eingestellt worden; dieser Betrag wurde int Ergäu- zungs-Etat um etwa 18 Millionen Mark erhöht, trotz- dem überstiegen die tatsächlichen Einnahmen den Vor­anschlag, wenn auch nicht erheblich. Für das Rech­nungsjahr 1913 wurde der Ertrag der Börsensteuern auf etwa 78 Millionen Mark veranschlagt. Durch den Ergänzungs - Etat wurde dieser Betrag noch um 4 Millionen Mark erhöht; danach würde sich eine monatliche Durchschnitts-Einnahme von gegen 7 Mil­lionen Mark ergeben müssen. In den ersten bretj Monaten des lausenden Rechnungsjahres haben der .Deutschen Tagesztg.' zufolge die tatsächlichen Emnah- men aus den Börsensteuern die veranschlagte Viertel. jahres-Einnahme um über 2 Millionen Mark überstiegen.

/. Hacdy war durch diese Paradoxie so verblüsft, daß er im ersten Augenblick keine Antwort fand. Dann aber lachte er spöttisch und sagte: „Das ist direkt lächerlich! Ist es denn vermessen, die Luft durchslte- qen zu wollen? Dann wäre die ganze Aviatik eine Sünde, ein Verbrechen!"

Nein so meine ich es nicht! Der Menfchengeist hat "ein Recht die tiefsten Probleme zu ergründen, die Abgründe und die Höhen zu durchforschen, dte vollkommensten und sinnreichsten Maschinen zu er­finden. Aber er kann das nicht aus eigener Kraft tun sondern nur deshalb, weil er em Ebenbild Got­tes 'ist, weil Gottes Geist und Gottes Kraft in ihm wirkt. Indem der Mensch dies leugnet, leugnet er Gottes Walten und Wesen, setzt sich über Gott, wie Sie es tun! Tas ist vermessen! Die moderne Zeit ,und die glaubenslosen Menschen schalten Gott und feine Allmacht und Weisheit aus allem Denken und Handeln aus und erheben sich selbst zu Gottern, in­dem sie, wie Sie, nur an sich selbst und an _tpre eigene Kraft, an ihr eigenes Talent glau6en ~t-ic Selbstanbetung und Selbstvergötterung ist Wahnsinn, denn ob es auch die neuen Heiden leugnen: Ter 'alte Gott lebt noch! Er regiert die Welt mit Weis­heit und lenkt die Menschengefchicke mit Vorbedacht. Auch Sie hält er in seiner Hand. Sie sind em ar­mer, kleiner Tropfen im Meere! Und Sie wollen sich 'auflehnen gegen Ihren Schöpfer, wollen über ihm sein? — Wurm! — Es geschah aber, daß viele Engel hoffärtig wurden und Gott nicht mehr gehor­chen wollten. „Wir wollen Gott gleich sein", spra­chen sie, „und über die Sterne unfern Thron setzen! -Da streckte Gott die Hand aus. Michael, der tfur;t der Engel, stellte sich an die Spitze des himmlffchen Heeres, und unter dem Rufe: „Wer ist wie Gott, entbrannte der Kampf zwischen den heiligen und den hochmütigen Geistern. Und die Hoffärtigen wurden vom Himmel hinabgestürzt in die Hölle. Mögen Sie dies nun für Wahrheit halten oder es als Un- -oläubiaer bestreiten: Das Symbol bleibt der

0 Eine Junggesellensteuer.

Man schreibt uns: Im Reiche hat die Steuer- Maschine in Den letzten 10 Jahren mächtig geklappert. Aber das, was sie hervorbrachte, lag durchweg auf Deut' alten teteuerfelDe. Eigentlich neue Bahnen wurden nur bei der Wertzuwachssteuer eingeschlagen.

Jetzt kommt Reuß jüngere Linie, eines der kleinen niedlichen Fürstentümchen in Thüringen, von Denen außer ihren wenigen Bewohnern sicher auch Der beste Geograph nicht zu sagen vermag, wo sie anfangen und wo sie aufhören, um Der Welt wirkliche, echte Steuerpolitik beizubringen. Es ichafft kalten Herzens eine Junggesellensteuer. Die Junggesellen, Die nicht heiraten. Die ihre Pflicht gegenüber Dem Vaterlande und Den Mitmenschen so schmählich vernachlässigen, die ihr gutes Geld am Biertisch vertrubeln, anstatt sine Familie zu gründen und zu ernähren, die sollen zahlen.

Natürlich zunächst grenzenlose Entrüstung. Aus- wandern wollen die Herrschaften! Ein alter Greizer Junggeselle soll sogar eine Stiftung für das Greizer Stadtbad zurückgezogen haben und was dergleichen Aeußerungen des Unbehagens mehr sind.

Wie gesagt, gibt es in Deutschland kein Gegen­stück zu dieser Steuer, und auch anderswo hat man fich nicht dazu verstanden, obgleich Frankreich z. B. wahrlich alle Ursache hätte, seinem „nationalen Selbstmord" durch Vermehrung der Ehen vorzubeu­gen. Man muß lange in alten Akten blättern, ohne überhaupt etwas zu finden, was dem ähnlich sähe. In Preußen war vor Jahren einmal vom Zentrum der Versuch gemacht worden, bei der Beamtenbcsol- dung eine Berücksichtigung der kinderreichen Familien durchzusetzen. Tas ist dann auch in geringem Grade nach schweren Kämpfen durchgefetzt worden, nachdem in den letzten Jahren die meisten Parteien ihre grundsätzlichen Bedenken haben fallen lassen. Wetter liegt aber auch nicht das Allergeringste in dieser Rich­tung des Schutzes der wichttgsten Trägerin des Staates: dec Ehe, vor. Die Gründe, die gegen die Junggesellensteuer vorgebracht werden, sind natür­lich so zahlreich, wie es die Gründe gegen Steuern nun einmal zu sein pflegen. Man führt die Ehe­losigkeit wegen Krankheit,. Ehelosigkeit wegen Un^r- haltungsverpflichtungen gegen Angehörige, Ehelosig- kett aus unglücklicher Liehe und dergleichen an. Zum Teil sind diese Gründe von keinerlei Bedeutung, so­weit sie berechtigt sind, können sie natürlich beachtet werden, denn: „Keine Steuer ohne Ausnahmen . Die Junggesellensteuer wird sicher auch eines Tages im Reiche oder in den Bundesstaaten kommen. Ev liegt im Zug der Zeit, diejenigen, die es vom sozialen Gesichtspunkte aus am nötigsten haben sowie jene, die dem Staate am meisten nutzen, bei den Steuern m schonen Wer unverheiratet bleibt, vernachlässigt gegenüber 'der menschlichen Gesellschaft eine der wich­tigsten Menschenpflichten und er fchädigt das Staats­wohl und das Staatsinteresse, besonders heute, wo der Gebirrtenrückgang die nationale Wehrkraft der .Kulturvölker in beängstigendem Grade bedroht und der Nnkiiltiir minderwertiger Volker die Wege zu ebnen scheint.

Als unerträglich oder als drückend kann man die Steuer auch nicht ansehen; denn der Junggeselle entzieht sich ja doch der Pflicht der Erhaltung enter Famifie. Er steht somit wirtschaftlich erheblich bester als der ihm gleichgestellte Kollege.

Es wird den Junggesellen wohl nichts anderes Übrig bleiben, als sich darauf einzurichten, daß sie eines Tages durch eine Junggefellensteuer mich m den übrigen Bundesstaaten oder gar tnt Reiche aus ihrer Bierttschruhe unangenehm aufgeschreckt werden.

flnielaen: Der Raum einer einspaltigen Colonel?eRe, 47 em breit, kostet tt psg. Reklamen: Der Raum einer Coloneljette, 74 mm breit, kostet 40 psg. Bel Wiederholungen Rabatt. Zür Offert- und flusiunftanjelgen 20 Pf. extra. Jn Konkursfällen wird der bewilligte Rabatt hinfällig. Erfüllungsort für bas an- klagen von Forderungen ist Zulda. flnieigen-flnnahme bis JO Uhr vormittags, u :: 6rohere Anzeigen erbitten wir uns tags vorher. 2 3

Die kleinen Augen des Russen hingen mit dem Ausdruck der Treue und Unterwürfigkeit eines Hun­des an dem Gesichte seines Herrn. „O Euer Gna­den, Eure Herrlichkeit!"

„Schon gut! — Ich will Dir nur eines sagen: es geht um Deinen Kopf! — Und nun höre: Ihre Durchlaucht, die Fürsttn, 'ist schwer leidend. Das aufregende Großstadtleben hat sic so sehr angegriffen, daß eine schwere Kratikheit int Anzug ist. Sie muß unbedingt Ruhe haben und wird heute noch Berlin verlassen. Ich selber habe hier noch Geschäfte zu erledigen und kann erst in einer Woche nachkommen. Daher brauche ich einen Mann, auf den ich mich veclasfen kann wie auf mich selbst. Dazu habe ich Dich erwählt."

Wassilow der Große kam mit gckbucktem Rucken näher, küßte die Hände Seiner Durchlaucht und ließ ein untertäniges Grunzen hören. .

„Dir vertraue ich Ihre Durchlaucht dte Fürstin an", fuhr der Fürst fort. „Du haftest mir mit Deinem Kopf für ihre Ruhe und ihre Sicherheit. Vor allem für ihre Sicherheit! Du haft mich verstan­den, nicht wahr?" .

Wassilow nickte mit seinem mächtigen Kopfe, fuhr sich mit der Hand erst in seinen struppigen Bart und dann an den Hals und sagte: „Jawohl, Durch­laucht, — ich hafte mit meinem Kopfe."

„Schön! — Und nun laß sofort das Auto in Stand fetzen und Vorfahren, den Viersitzer mtt dem geschlossenen Coupe. In einer Stunde muß alles zur Abreise bereit sein. Vergiß nicht Benzin, Re­serve-Reisen und Proviant mitzunehmen! — Was ich noch sagen will: die inneren Türgriffe werden abgeschraubt, daß das Coups nur von außen ge­öffnet werden kann — und das Ziel der Reife ist mein Schloß Kuruczka an der russischen Grenze. Dorthin wirst Du Ihre Durchlaucht bringen, und niemand einlassen — hörst Du:, niemand! —_ Wie ist's mit dem Chauffeur? Kann man sich auf ihn verlassen?"

Der Russe zuckte stumm die Schultern.

„Also nicht! — Was würdest Du nun tun, Was­silow, wenn es Ihrer Durchlaucht einfiele, dem Chauffeur Gegenbefehl zu erteilen und wenn er ge­

horchte und meine Gemahlin an einen anderen Ort brächte?" .

„Durchlaucht, ich habe sechs Kugeln in meinem Revolver. Mit diesen knalle ich den Kerl nieder und fahre das Auto selber nach Kuruczka."

„Bravo, Waffilow — Du bist eine Perle! Hier ist ein Tausender sür unvorhergesehene Auslagen — und nun geh' und tue Deine Pflicht."

Der Russe verbeugte sich abermals so tief, daß fein langer Bari fast den Boden berührte, und gmg rückwärts zur Türe hinaus. —

Der Fürst zündete sich eine russische Zigarette an, trank den Rauch, stteß ihn in einem langen Strahl aus Nase und Mund und ging langsam tu fernem Zimmer hin und her. Noch ehe der teure Paphros zur Hälfte verbrannt war, warf er ihn tn den Rachen eines bronzenen Löwen, der als Aschenschale diente und richtete sich straff in die Höhe.

„Nun zu ihr!" sagte er.

Wie ein finsterer Richter trat er vor die Fürstin hin Sie suhr erschrocken auf. „Was willst Du vor» mii? — Ich habe nichts mit Dir zu tun."

„Aber ich habe mit Dir zu reden", erwiderte er „Vorwürse machen will ich Dir in dieser stund' nicht." .. . c

Sie setzte ihm allen Trotz entgegen. „Vorwürfe.- — Dazu hast Du kein Recht! — Du hast Dich nxi bemüht, mein Herz zu gewinnen. Du nahmst mra einfach, weil es Dir so paßte, weil Du der starker warst' — Du nahmst mich wie eine Ware, benutztes meine Jugend und meine Unerfahrenheit, um mw zu Deiner Sklavin zu machen, Du warst mein rann und ein Barbar! — Erst nach lahrelangeu Ringen gelang es mir, eine exponierte Stellung ri Deinem Sause z» erringen. Aber auch das wm nur scheinbar — immer lag Derne Lowentatze Schlaac bereit! Nach meinem Innenleben lra9M Tu nie. Es war immer eine Kluft zwischen u - Da suchte meine Seele eine andere suchte eine Höhenmenschen, mit dem sic zur Son f 9. konnte. Und nachdem sic rhn gesunden, risteft D-

0 Mexikö.

Das Jahr 1913 ist wirklich ein Blutjahr gewor­den; an allen Ecken und Enden der Welt gärt und brodelt es Heuer: auf dem Balkan und in China, in Indien und Venezuela, in Marokko und Mexiko.

Auf die Vorgänge in Mexiko blicken wir Dent- chen nicht ohne Sorge, denn wir haben dort große wirtschaftliche Interessen und mancher deutsche Reichsangehörige hat im reichen mexikanischen Land eine neue Heimat gesunden. Um die Quellen seines Reichttims ganz erschließen zu können, bedarf Mexiko nur der Ruhe und des Friedens, aber es kann der beste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gesällt. Von Washington ans hat man eit jeher mit gierigen Augen nach dem reichen Land im Südwesteii der Vereinigten Staaten hingesehen und immer schon hat man auf die günstige Gelegen­heit gewartet, die der Union in den Augen der Welt den Schein des Rechtes für ein Eindringen in die Nachbarrepublik geben könne.

Die Vereinigten Staaten wollen gern in Mexiko das Werk der „friedlichen Durchdringung" ausfüh­ren, das Frankreich in Tunesien und Marokko vor­nimmt. Aber die Mexikaner sind keine Tunesier und Marokkaner; sie haben die Absichten der Yankees längst durchschaut und wachen eifersüchtig über ihre Unabhängigkeit und Selbständigkeit. Die Männer m Washington geben sich keiner Täuschung darüber hin, daß ein Krieg in dem zerklüfteten mexikanischen Ge­birgsland ihnen Tausende von McnschenWen und vielleicht Millionen von Dollars kosten würden und der Erfolg dann immer noch zweifelhaft sei. Darum haben sie bisher eine andere Taktik eingeschlagen, in­dem sie der Republik keine Ruhe gaben und durch Geldspenden und Munitionslieferungen Rebellen gegen die jeweilige Regierung zu gewinnen wußten.

Seitdem die eiserne Faust Porftrio Diaz' den Merikanern nicht mehr int Nacken sitzt, haben die Yankees Schritt für Schritt das begehrte Mexiko sich näher zu bringen gesucht: das Land hat seft Diaz Scheiden kaum einen ruhigen Tag mehr gehabt und die Amerikaner sahen zwischen dem Unkraut des ewigen Aufruhrs ihren Weizen blühen. Diaz Nach­folger Madero geriet in den Verdacht, der Union zu freundlich gesinnt zu sein: die Kugel eines Meu­chelmörders schaffte ihn aus der Welt, wohl nicht ohne Vorwiffen des jetzigen Machthabers, Generals Huerta. . ,

Dieser Mann ist gewiß kein Gentleman nach europäischen Begriffen, aber er ist ein entschiedener Feind der Union und ein leidenschaftlicher Hasser der amerikanischen Eindringlinge. In der kurzen Zett seiner Leitung der Regierungsgeschafte hat er , es dank der Haltung der Yankees, die den Rebellen fcd- wede Unterstützung angedeihen lassen, noch nicht vermocht, den Aufruhr ganz zu bändigen, aber er hat mit seiner verhältnismäßig kleinen Truppmmacht große Erfolge errungen und der Mann weiß, was er will. Er nimmt der nordamerikanischen Regie- ung gegenüber, die ihn von allen Staaten allein noch nicht bestätigen will, kein Blatt vor den Mund und faßt sie an der Stelle an, wo sie am empfindlichsten ist. Er hat einen Gesandten nach Japan hmuber- gesandt, um mit den geschworenen Femden oer Union ein Schutz- und Trutzbündnis ernzu- gehen und sie zur Besiedelung Mexikos einzuladen. ' Man versteht darum, daß sich tm Weißen Hause zu Washington eine gewisse Nervosität bem.erf6.ar macht und man mit verstärktem Nachdruck auf eme Lösung der so lange schon schwebenden mexikanischen Frage hindrängt. Der neue Präsident , W i l s o n scheint nicht gesonnen zu sein, die bedächtige Politik seiner Vorgänger in diesem Punkte weiter zu Verslü­gen, sondern mochte am liebsten gleich energisch dnrch- greifen. Doch scheint ihm nach der kräftigen Er- ewige Kampf zwischen Gut und"Böse, zwischen Gott und dem Hochmut der Menschen! Nehmen Sie die­sen Ruf, her einstmals durch den Himmel klang, mit sich hinaus in die kurze Spanne Zeit, die Ihnen noch zu leben vergönnt ist, den Rus: „Wer ist tote Gott?" — Und nun sind wir zu Ende."

Sardy fuhr sich langsam über die eiskalte Stirn und sagte: „Ich werde Sie eines Besseren belehren. Stumm und stolz ging er zur Türe.

„Noch ein Wort!" rief ihm der Fürst nach.

„Ich höre." t

„Was Zwischen uns gesprochen wurde, bleibt Ge­heimnis!" sagte der Fürst. „Niemand, auch nicht Ihr Vater oder Ihre Frau, darf ein Wort erfahren. Am allerwenigsten aber darf der wahre Grund.Ihres Fluges bekannt werden; es muß den Anschein ha­ben, als ob Sie aus eigener Initiative handeln; ebensowenig darf es laut werden, daß zwischen iins Mißstimmiqkciten vorkamen. Nur so bin ich sicher, daß mein 9iame unberührt vor jedem Klatsch, rem und makellos bleibt. Ihr Wort daraus!"

„Mein Wort daraus!"

Der Fürst winkte — Hardy war entlassen und ging?

„Er geht seinen Todcsweg", sagte der Fürst und setzte sich an seinen Schreibtisch, um sich in die Zeich­nung eines Acroplanes zu vertiefen, die er aus einem Schubfach nahm und die die Aufschrift „Adler trug. Es war eine Kopie von Hardys Zweidecker, die er sich heimlich verschafft hatte. .Nach einer Weile deutete er auf zwei ineinandergreifende Räder und sagte: „Ta sitzt der Tod! — Nun kommt der Richter über ihn!"

Er schloß den Plan wieder ein urs klingelte sei­nem Diener.

Waffilow, ein riesenhafter Russe mit dichtem, schwarzem Bart, trat ein, kreuzte die Arme über der Brust und verneigte sich so tief, als ob er vor dem Beherrscher aller 'Reußen stünde. „Durchlaucht be­fehlen?" m ,

Der Fürst sah ihn durchdringend an. — „Was­silow", sagte er, „heute will ich erproben, ob Du mir wirklich so treu und ergeben bist, wie Du mir mit Worten stets versicherst." .

ihn mir weg." •

- (Fortsetzung folgt.)