Einzelbild herunterladen
 

Fuldaer Zeitung

trfd)tint »gNch mit flusnotjme Oer Scan- und Selertage. vierte«, jährlicher Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda sowie auswärts 1.50 Mark. Rotationsöru* and Verlag der - - julöaer flctienbrutkerei in Zulda. Zemsprecher Nr. 9. s =

- - Wocfjen-Beilage: s s Z = z THonats-Behage: - s

Illustrierte Sonntagszeitung ! Zuldaer Seschichtsblatter

s Ziehungslisten der preußisch.süddeutschen Nioffen-rotterie. — halbjährlich Taschenfahrplon. k

fimtfgen: Der Haüm «Iner «Irfpafflgtn tvlon-he»«, 47 em breit, sollet 15 PK. Reklamen: Der Roum einer Cotcneljelte, 74 mm breit, kostet 40 Pfg. Bet Wieberhotangen Rabatt, jstr Ofiert- und fiU51mn(1en;etgen 20 Pf. extra. 3n Kontursfitten wirb her beciltlate Rabatt tjinfälltg. ErfCtlunosorf für bas €in- llagen oon $erberungen Ist Julba. flnteiom-flnnohme bis 10 Uhr vormittags, s n LrSßere flnjeieen erbitten wir uns tags vorher. ~ »

Nr. lS4.

40. Zahrgang.

Montag den 1l. August

v Ein DePeschenwechsel zwischen Kaiser Wilhelm und König Karol.

»wischen dem deutschen Kaiser und dem König von Rumänien wurden anläßlich des Friedensschlusses folgende Telegramme gewechselt:

Bukarest. Nach Uederwindung von bedeutenden Schwierigkeiten ist der Friedensschluß gesichert, der dank Dir ein definitiver bleibt. In diesem für meine Regierung so bedeutungsvollen Augenblick weilen meine Gedanken bei Dir. Ich danke Dir von ganzem Herzen für Deine treue Freund schäft und w arme Sympathie, die Du mir in diesen ernsten Zeiten ganz besonders entgegenbrachtest. Gez. Karol.

Swiaemünde („Hohenzollern"). Dein heute nacht angekommenes Telegramm ist eine große Freude für mich. Ich sage Dir die aufrichtigsten, herzlichsten Glückwünsche zu dem schönen Erfolge, den nicht nur Dein Volk, sondern alle kriegführenden Staaten und damit ganz Europa Deiner weisen, wahrhaft staatsmännischen Politik zu verd anken haben. Es ist mir gleichzeitig eine große Genugtuung, wenn Du erwähnst, daß ich zu dem jetzt Erreichten habe •Beitragen können. Der allmächtige Gott erhalte Dich in Gnaden noch lange zum Wohle des Landes dessen herrliche Entwicklung ich nach wie vor mit herz­licher Freundschaft und Bewunderung verfolge. Ich freue mich unseres gemeinsamen Zusammenwirkens zum Zwecke des Friedens. Gez. Wilhelm.

Bukarest. Die liebevollen Worte in Deinem so warmen herzlichen Telegramm erfüllen mich mit Stolz und aufrichtiger Dankbarkeit. Ich schätze mich glücklich, daß durch mein Eingreifen dem langen und blutigen Kriege ein Ende gemacht und der Frieden auf der Balkanhalbinsel gesichert werden konnte. Möge es uns jetzt gestattet sein, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken und einer längeren Periode der Ruhe entgegen« zugehen, damit das Vertrauen in allen Kreisen des öffentlichen Lebens wiederkehre. Nochmals innigen Dank für Dein warmes Interesse und Deine wirksame Anteilnahme an Den letzten für mein Land so bedeutungs­vollen Ereignissen. Gez. Karol.

Gleichzeitig wird mitgeteilt, daß der Kaiser dem rumänischen Ministerpräsidenten Majorescu das Großkreuz des Roten Adlerordens verliehen, König Konstantin von Griechenland zum Feldmarschall der deutschen Armee ernannt und dem Kronprinzen Georg das Großkreuz des Roten Adlerordens ver­liehen hat.

Aus dem Depeschenwechsel sind drei bemerkens­werte Punkte hervorzuheben: Erstens das hohe Lob, das unser Kaiser der „weisen und wahrhaft staats­männischen Politik" Rumäniens zollt und sogar in dem Ausdruck der „Bewunderung" ausklingen läßt. Zweitens der mehrfache Hinweis auf die „wirksame Anteilnahme", die Beihilfe des deutschen Kaisers an dem Friedenswerke von Bukarest. Drittens die Be­merkung in dem ersten Telegramm des Königs Karl, daß der Friedensschluß „Dank Dir ein definiti­ver bleibt."

Die Anerkennung, die unser Kaiser dem rumäni­schen König zollt, sowie die Verleihung eines Ordens an den Ministerpräsident. Majorescu, sind gewiß gerechtfertigt. Dem Könige von Griechenland ist zugleich die Würde eines deutschen Generalfeld­marschalls verliehen worden. Al? Militär hat König Konstantin die Auszeichnung gewiß verdient. Griechenland ist aber nicht als Friedensstifter, fon- I dcrn als Kämpfer, und zwar gegen Bulgarien, her­vorgetreten; daher erscheint uns die deutsche Auszeich­nung vom politischen Standpunkt nicht ganz un­bedenklich. Hoffentlich fassen die Bulgaren die vcr-

Das Münchner Ain-l.

63J Roman von Felix Nabor.

„Aber dann ist ja diese ganze Gründung nichts beiter als ein geschäftliches Unternehmen — ein Boardinghouse, Aktiengesellschaft mit beschränkter Haftpflicht! — Der ideale Zweck bleibt unerfüllt!"

,,£) nein!" Der Fürst hob belehrend den Zeige­finger der rechten Hand, an dem der spitze Nagel wie eine Bogelkralle Vorstand. „Das Ideal bleibt immer — die Kunst! Alles andere ordnet sich ihr unter, ist ihr subordiniert!"

„Und es findet sich in Berlin ein Architekt, der diesen Bau ausführt?"

„Gewiß! Einer der Preisgekrönten hat sich sogar sofort bereit erklärt, seinen Entwurf in diesem Sinne, wie ihn die Aktiengesellschaft für den Opernbau wünscht, zu ändern."

„Ah, das ist stark! — Der Mann muß ein Idiot sein — oder ein Tropf!"

„Herr von Sandow, wählen Sie Ihre Worte bes­ser!" Die Stimme des Fürsten klang drohend. Und wieder entblößte er sein Wolfsgebiß.

„Jeyt bringt er zu!" dachte Hardy „Aber es ist wir egal, ich fürchte mich nicht; ich muß ihm meine Verachtung ins Gesicht schleudern, sonst ersticke ich "

„Dann wundere ich mich nur darüber," sagte er mit lauter Stimme, „daß mit dem Wettbewerb-Pro­spekt eine so laute Reklame betrieben und daß dieses durchweg spekulative Finanzgeschäft mit künstlerischen Absichten verbrämt wurde. Jetzt ist cs mir auch klar, wer der Vater dieser Idee ist und wer sie den Aktionären oktroyiert hat —"

„Der Vater dieser Idee bin ich, Herr von San- dow!" sagte der Fürst und hob sich. „Darauf bin ich stolz!"

Hardy zuckte die Schultern. „Darauf habe ich nichts zu sagen —"

„Das ist auch das beste, was Sie tun können!" sagte der Fürst hochfahrend und sah ihn mit einem Blicke an, wie er ihn für seine Lakaien hatte, wenn er ihnen den Laufpaß gab. <-?->

wandtschaftlichen Beziehungen der beiden Herrscherhäuser nicht außer Betracht.

Was die Mitwirkung des deutschen Kaisers und seiner Regierung an dem Bukarester Friedens­werk betrifft, so ist sonst noch nichts darüber bekannt geworden, daß Deutschland sich in anderer Weise, als ne übrigen Mächte, beteiligt habe. Es würde uns reuen, wenn wir näheres erführen über deutsche Be' trebungen, die bloß dem Frieden zu Liebe und nie­mandem zu Leide erfolgt wären.

Die aktuellste Frage ist nun die: Was will König Karol sagen mit der Bemerkung, der Friedens­schluß werde Dank dem deutschen Kaiser ein b e f i n i« über bleiben? Soll das nur die Saue rhas­tig k e i t der zwischen den Balkanstaaten getroffenen Abmachungen betonen, oder soll der Ausschluß einer Revision durch die Großmächte be­tont werden?

Dom Standpunkt der un mittelbaren In­teressen Deutschlands brauchen wir eine Abänderung des Bukarester Vertrages nicht zu betreiben. Aber wenn Rußland und anschließend Oesterreich eine Nachprüfung des Vertrages wünschen, so braucht sich u. E. Deutschland dem Wunsche nicht zu wider­setzen. Sicherlich hat es keine Veranlassung, die Füh­rung in dem Widerstand gegen die Revision zu über­nehmen ober auch nur ben Anschein einer solchen Führung auf sich zu nehmen.

Kawalla und Kotschana nebst ihrem Zu­behör sind ja für die beteiligten Staaten sehr ge­wichtige Dinge. Wer für das Gesamteuropa ist die schnelle Beendigung der lästigen und schädlichen Un­sicherheit viel wichtiger, als die angeregten Aenderun- gen an den neuen Grenzlinien. Für Oesterreich ist die Grenzfrage am Aegäischen Meer ja auch nicht wesentlich: mehr Bedeutung hätte freilich die Aen- derung dec serbisch-bulgarischen Grenzlinie zu Gun­sten von Bulgarien. Doch ist auch bei dem günstig­sten Verlauf der Nachprüfung eine wesentliche Abschwächung der serbischen Macht nicht zu erwarten. Deshalb vermuten wir, daß Oesterreich sich für die Revision des Vertrages hauptsächlich deshalb ausge­sprochen hat, weil Rußland in dieser Richtung vorging und nun Oesterreich auch guten Willen zeigen mußte, um in Bulgarien nicht gänzlich ausgestochen zu werden. Aber was auch die Ursache der Haltung Oesterreichs sein mag, — wenn unser Verbündeter für die Revision eintritt, so können wir ihm nicht in den Weg treten, fo unlieb uns auch jedes Stochern in der gefährlichen Aschenglut fein mag. Es kommt hinzu, daß eine Sanktionierung des Bukarester Ver­trages durch die Großmächte sich überhaupt nicht um" gehen läßt, da derselbe die Beschlüsse des Berliner Kongresse? abändert und deshalb der Genehmigung der Unterzeichner jener Kongreßakten bedarf. Einen neuen Kongreß braucht man freilich nicht zu ver­anstalten; die Genehmigung kann auch ohne diesen großen und bedenklichen Apparat erfolgen. Doch ist eine Verhandlung über die Stellung der einzelnen Regierungen zu den Bukarester Beschlüssen unver­meidlich. Am besten wäre e? schon, wenn die Mächte von den leidigen Grenzfragen absähen und statt der Abänderung des Vertrage? lieber dessen Er­gänzung anstrebten, nämlich durch Garantien für die Freiheit der Religion, der Schuleund der Sprache. Dafür kann Deutsch­land streben und wirken, ohne sich im Gegen­satz gegen Oesterreich zu zeigen.

Die deutsch-österreichische Solidari­tät muß unbezweifelt bleiben!

Die Bukarester Konferenz.

* Bukarest, 9. Aug. 1913. Die Friedens­konferenz hielt heute ihre letzte Beratung ab. Sie beendete die Regelung der schwebenden Fragen und redigierte den Friedensvertrag, der morgen früh von den Chefs der Delegationen unterzeichnet wird. Die

Hardy fühlte das und empfand die Schmach der Beleidigung so sehr, daß ihm da? Blut in die Wan­gen schoß. Aber er beherrschte sich gewaltsam, ver­beugte sich kurz und ging. An der Tür wandte er sich noch einmal. „Darf ich mir die Frage gestatten, ob mich Ihre Durchlaucht, die Fürstin, ein paar Mi­nuten empfängt? Bei dem regen Interesse Ihrer Durchlaucht für meine Pläne —"

Der Fürst unterbrach ihn und sagte brüsk: „Wenn die Fürstin Sie empfängt, so ist das ihre Sache!"

©in stolzes, kaum merkliche? Neigen de? Hauptes deutete Hardy an, daß er entlasten fei.

Zorn und Wut in der Brust, verließ er da? Ge­mach. Ein bittere? Lächeln zuckte um seinen Mund. „Fürstengunst!" dachte er. „Solange er mich nötig hatte, war ich sein Schützling. Jetzt, nachdem ich ihm nicht mehr in seine Pläne passe, schiebt er mich bei­seite wie ein verbrauchte? Spielzeug. Daß sich Hardy von Sandow diese? bieten lasten muß, ist schmachvoll. „Herrgott, ich bin doch auch ein Edelmann, und dazu ein Künstler, und ich habe Blut in den Adern, nicht Wasser! Alle Teufel — am liebsten möchte ich die­sem Halb-Asiaten an die Kehle fahren, wie der graue Wolf!"

Aber er tat es natürlich nicht, denn man war doch zivilisiert, man lebte nicht in russischen Wäldern, son­dern in Berlin: man trug Zylinder und Lackschuhe und verbarg seine Raubtierkrallen in glänzenden Glaces! Aber ein Stück Bestie schlummerte doch un­ter aller Kultur, mit der man übertüncht war, und diese Bestie lag heimlick) auf der Sauer.

Nun flammte fein Haß gegen den Fürsten riesen- hoch empor, zugleich aber brannte er darnach, zu er­fahren, wie sich die Fürstin zu ihm stellen wurde.

Er ließ sich melden und wurde sofort angenom­men Die Fürstin kam ihm bi? an die Tür entge­gen und streckte ihm beide Hände hin. „Mein armer, armer Freund!" sagte sie. „Welch furchtbarer Schlag hat Sie getroffen! Und ich, die ich mich stet? Ihren Genius nannte, ich vermochte ihn nicht von Ihrem Haupte abzuhalten. — Ach, ich kann Ihnen nicht au?fprechen, wie «ich da? schmerzte, daß Ihnen die Krone, die da? Preisgericht in Ihre Hand legte, wie­

Demobilisierung wird am Montag beginnen. Die Fragen der Schul- und Kirchenfreiheit der annektier­ten Nationalitäten sind infolge der Haltung Ser­biens von beiden Parteien fallen gelassen worden. Serbien hat sich dadurch gewiß in? Unrecht gesetzt und offen dem Grundsatz widersprochen, der dem türkischen Kriege das Gepräge geben sollte. Das ist die Befreiung der verschiedenen Nationalitäten. Der bulgarische Vertreter Tontschew erklärte, Bulgarien hätte gewünscht, daß die Teilung des Gebiets nach dem Nationalitätsprinzip erfolgte. Trotzdem nehme Bulgarien das Uebereinkommen auf der Grundlage der tatsächlichen Lage an, in der Hoffnung, daß sich die Mächte für da? Schicksal Bulgarien? mit Rücksicht auf die von diesem gebrachten.. Opfer interessieren würden.

W Bukarest, 10. Aug. 1913. Ministerpräsident und Frau Majorescu gaben im Ministerium de? Aeußern ein Galadiner zu Ehren der Delegier­ten der Friedenskonferenz. Ministerpräsident Majo­rescu brachte einen Trinkspruch auf da? Frieden?- werk ans. Der Ministerpräsident Paschitfch dankte Rumänien und seinem Herrscher für die „Tä­tigkeit zu Gunsten de? Gleichgewichts auf dem Bal­kan, wodurch er für die Wohlfahrt diese? Teile? Eu­ropa? neue Grundlagen geschaffen habe." Paschitsch dankte sodann auch Majorescu und den andern ru­mänischen Staatsmännern und schloß: Ich wünsche, daß Rumänien stets ait der Spitze der Nationen bleibt, die wir v ertreten, und ihnen den Weg der Ordnung, des Frieden? und des Fortschritte? zeigt.

W Athen, 10. Aug. 1913. König Konstantin von Griechenland richtete einen Tagesbefehl an die Armee und die Flotte, in dem er von der Unter­zeichnung de? Frieden? und der Festsetzung der grie­chisch-bulgarischen Grenze Mitteilung macht und fei­nen Stolz auf die Waffentaten des griechischen Hee­re? au?sprich. Dann fährt er fort: „Griechen­land muß stark, sehr stark werden. Ich werde ohne Unterlaß auf diese? Ziel hinarbeiten. Die von Euch unter den Fahnen bleiben, werden mir dabei treu wie auf dem Schlachtfelde helfen, und Ihr, die Ihr voll Stolz und mit Triumph an den häuslichen Herd zurückkehrt, bewahret und gebt wei­ter den unverrückbaren Entschluß, Griechenland militärisch sehr stark zu machen zur Achtung für seine Freunde und zur Furcht für seine Feinde." _

Deutsches Reich.

** Der Kaiser in Rostock und Lübeck.

In Anwesenheit ile? Kaisers und des Groß" Herzogs von Mecklenburg-Schwerin beging am Sonn­tag in Rostock das mecklenburgische Füsilier- regiment Nr. 90 „Kaiser Wilhelm" sein 125jähr. Jubiläum. Bei dem Besuch de? Rathauses wurde dem Kaiser ein Ehrentrunk bargebracht. Nach Be­sichtigung der Marienkirche fuhr der Kaiser zur Uni­versität. In der Aula begrüßte der Rektor Prof. Körner den Monarchen mit einer Ansprache, auf die der Kaiser erwiderte:

Mr haben gerade jetzt 100 Jahre hinter uns, seit der Zeit, wo die Wiedergeburt und Diedergenesung des Volke? Preußen und des ganzen deutschen Volkes ein« setzte, das den Fuß des korsischen Eroberers von seinem Nacken abschüttelte. Bei der aufblühenden Begeisterung, die damals daS ganze Volk ergriff, war die studentische Jugend in erster Reihe, und ich hoffe, daß dieser Geist auch noch heute lebendig ist. Wenn wir an jene Zeit zurückdenken, so treten vor allem zwei Bilder vor unsere Augen: daS große Bild des Feldmarschalls, dessen Stand­bild hier vor der Universität steht und da? Bild der KSnrgin Luise. Warum? Ich glaube, der Grund ist der, weil beide, die hochselige Königm und mecklen­burgische Prinzessin, und der Feldmarschall Gebhard Leberecht v. Blücher die einzigen waren, die damals, als unser Vaterland zusammenbrach, unter der liebet» ber entrissen hat! Ich leibe mit Ihnen, ich habe gezürnt, geweint —"

„Dank, Fürstin!" sagte Hardy und folgte ihr zu einem Sessel, indes sie auf dem Divan Platz nahm. „Ich ahnte schon damals Unheil, als Sie nicht zu meinem Feste kamen; es fehlte ihm die Sonne!" _

„Ich durfte nicht kommen," erwiderte die Für­stin; „mein Gemahl verbot es mir auf? strengste."

„Und das ließen Sie sich bieten?"

„Was sollte ich denn sonst tun?" .

„Durchlaucht," rief er erschrocken, „so billigen Sie also die Entschlüsse des Fürsten in bezug auf den Bau des Opernhauses?" '

„Nein", gab sie mit fester Stimme zurück. „Ich halte an unseren Idealen fest, ich möchte auch jetzt noch an dem Hochflug Ihrer Gedanken teilnehmen, aber daS Schicksal ist wider un?!" —

„O, ich fürchte es nicht, wenn Sie an meiner Seite stehen, Fürstin!" rief er. „Daß mein herr­liche? Werk nur ein schöner Traum bleiben soll, ver­mag ich auch jetzt noch nicht zu glauben. Wenn Tie ein gute? Wort bei dem Fürsten einlegen, Durch­laucht —"

„Glauben Sie etwa, daß ich das nicht getan habe? gab sie zurück. „Mit Bitten und Tränen habe ich ihn bestürmt — aber e? war alles vergebens. Denn der Fürst einmal einen Entschluß gefaßt hat, so ist er starr und fest wie ein Granitfels. Ein Riese ist er bann, gegen den keiner aufkommen kann. Dann graut mir vor ihm und seinem Grimme —"

„O, wie ich ihn hasse!" rief Hardy in aufbrausen­dem Zorne. „All meine schönen Pläne hat er ver­nichtet mit einem Schlage seiner Bärentatze, meinen LebenStraum, meinen Himmel der Schönheit hat er zertrümmert! Verflucht fei er tausendmal!"

„Um Gotteswillen — halten Sie ein!" rief die Fürstin entsetzt. „Sind Sie wahnsinnig, daß Sie in diesem Hause solche Worte reden? Stille! Legen Sie Ihrem Grimme Zügel an!"

„Ich kann nicht, Fürstin! Alles empört sich in mir gegen die schmachvolle Behandlung —"

„Schweigen Sie um meinetwillen!" hat U-» und suchte den Rasenden zu besänftigen.

** Berlin, 10. Aug. 1913. Zur Verstärkung der Befestigungen deutscher Nordsee-Inseln sind im Reichs-Etat für 1913/14 neuerdings erhebliche Mittel eingestellt worden. — Die für den Herbst in Aussicht genommene Kaiserreise nach Korfu ist abgesagt worden; die Vorbereitungen wurden eingestellt. Auch der mit der Reise in Zusammenhang gebrachte Aufent­halt des Kaiser? in Oesterreich erscheint wieder ungewiß.

•-L „Familienzulagen" für kinderreiche Beamte. Durch die Presse geht die Notiz, daß die Regierung beabsichtige, einer Einrichtung in einigen deutschen Städten entsprechend, Familienzulagen für kinder­reiche Beamte mit einem Höchstgehalt bis zu 3000 Mk> zu gewähren.^ Wie man aber der „Post" schreibt, dürfte hier zunächst der Wunsch der Vater des Ge­dankens fein. Das Abgeordnetenhaus hatte in der letzten Tagung in einer Entschließung die Staats­regierung ersucht, Teuerungszulagen an kinderreiche Unterbeamte und mittlere Beamte mit einem 3000 Mark nicht überschreitenden Gehalt in allen Verwal­tungen unter Abstufung nach ber Zahl ber Kinder zu gewähren. Dieser Anregung dürfte aber zunäch st

macht des Korsen, nie daran gezweifelt haben, daß er zu Fall za bringen sei. Die Königin ist mit der Hoff­nung gestorben, der Feldmarschall hat die Hoffnung in die Wirklichkeit übergesctzt. Wir wissen, daß er der Träger und die Seele der Bewegung war, daß er immer von dem einen Gedanken beseelt war, den Korsen nieder zu werfen, der Deutschland fo gedemütigt hatte. Diese Bilder möge unsere Jugend immer vor Äugen haben, und wenn sie sich auch in die klaren Ge­wässer der Wissenschaft vertieft, so soll sie doch auch den Blick auf die Gegenwart richten können. Rostock liegt nicht weit von der See, und der Blick über da§ Wasser auf die allgemeine Weltgeschichte schärft unser Auge für die Aufgaben der Gegenwart. DaS mögen die Herren den jungen Studenten zu Gemüte führen. Wir brau­chen Männer für unsere Zeit und dazu möge Gott seinen Segen geben.

Der Kaiser fuhr bann nach Lübeck weiter, wo um 1^6 Uhr bie Ankunft erfolgte. Namens ber Stabt tourire er von Bürgermeister Dr. Eschenburg, den Senatoren unb Regierungsrat D. (Seife empfangen. Sobann fuhr er nach ber Marinekirche, wo eine musi­kalische Aufführung ftattfanb unb von ba nach dem Rathaus.

+ Aenderuag des MilitSrstrafgesetzbuches.

Amtlich wirb bekanntgegeben: Der vom Reichs« tag beschlossene Gesetzentwurf, betreffend Aenderung des Militärstrafgesetzbuch es, war in der Sitzung des Bundesrats vom 3. Juli 1913 den zu, ständigen Ausschüssen überwiesen werdei. Nachdem inzwischen sämtliche Bundesregierungen ihre Zustim« mutig zu dem Gesetzentwurf erklärt haben, ist die Vorlage am Freitag von Er. Majestät dem Kaiset vollzogen würden. Das Gesetz wird in der am Samstag ausgegebenen Nummer des ,Reichsgesetz- blatteS' erscheinen.

Die vom Reichstage in überwältigender Mehrheit beschlossene Aenderung des Militärstrafgesetzbuches hat also erfreulich schnell die Zustimmung des Bun« verrate? und die Unterschrift des Kaisers erhalten. ES handelt sich bekanntlich um das Notgesetz, das am 28. Juni d. I. im Reichstage beantragt wurde, nachdem am Tage zuvor sieben Landwehrleute vom Kriegsgericht in Erfurt wegen Ausschreitungen am Tage einer Kontrollversammlung zu langjährigen Zuchthaus« und Gefängnisstrafen verurteilt waren. Der Abänderungsantrag, der jetzt Gesetz geworden ist, sieht bei einer Reihe von Paragraphen des Militär­strafgesetzbuches mildernde Umstände vor, sobald eine Gefährdung der Disziplin nicht in Frage kommt, so daß, entgegen den bisherigen Bestimmungen, auf Ge­fängnisstrafe statt Zuchthaus erkannt werden soll. Das Gesetz dürfte zum erftenmate bei der Verhand­lung des Erfurter Falles am Kasseler Oberkriegs­gericht zur Anwendung kommen.

Ihre Stimme unb ihre Bitte waren nicht ohne Wirkung auf ihn. „O, Fürstin," rief er, „wie bin ich stolz auf die Huld, bie Sie mir erweisen! Ja —, Sie finb gut! Sie haben sich meiner angenommen, Sie nahmen mich an ber Hand und suchten mich zu ben golbenen Gipfeln be? Leben? emporzuführen. Da­für danke ich Ihnen taufend, tausendmal! O, Sie wissen nicht, wie ich Sie verehre! Ich blicke zu Ihnen empor, wie zu einer Göttin, vor der ich auf den Knien liege, die mir Sonne, Himmel und alles, alles ist!"

In feiner schwärmerischen Begeisterung beugte er tief das Haupt, ergriff die Hände der Fürstin und be­deckte sie mit seinen Küssen.

Und während er ihre Hände festhielt, hob er ben Kopf, blickte ihr in die Augen und rief: „Ja, Sie sind eine gütige Göttin — er aber, der Fürst, ist eilt Teufel, ein Schurke!"

Die Fürstin stieß einen Schrei aus, entriß ihm ihre Hände unb sprang, von Entsetzen geschüttelt, auf.

Denn bei ber Türe stand, hoch aufgerichtet, finster und drohend — der Fürst.

Die Fürstin starrte ihren Gemahl schreckensbleich an und schien bie Absicht zu haben, ihm zu entfliehen; aber der Fürst umspannte ihren Arm mit eisernem Druck und zwang sie, sich auf ben Diwan zu setzen. „Ruhe!" gebot er ihr leise, mit einem unheimlichen Zischen.

„Tn' ihm nicht?." bat sie. „Er ist ein so großer Künstler, ein hochfliegender Geist — und mein Freund! Wir sind beide Höhenmenschen, unb bu hast ihn gekränkt, al? du sein herrliches Projekt ablehn, test! Er hat ein schlimmes Dort im Zorne, ohne Ueberlegung, gesprochen. Vergiß e?! Sei edel und großmütig — unb rühr' ihn nicht an!"

„Da?'wird sich finden!" sagte der Fürst gab ihre Hand frei unb trat zurück. Dabei kam ote kleme, golbene Harfe, welche die Fürstin zur Erinnerung an die Einweihung de? Palastes aufbewahrt hatte, un- ter ferne znchSf Füße und zerbrach mit einem leisen, Savenden Laut.

(Fortsetzung folgt.)