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2. Blatt.

vruck der Seite« Xditntaidmi in S*N«.

Zuldaer Zeitung ♦ ♦**

totales.

Fulda, 9. August 1913.

ik Die altehrwürdige Pestwallfahrt nimmt morgen vormittag 8 Uhr ihren Weg von der Stadtpfarrkirche ,um Frauenberg. Diese Wallfahrt findet bekanntlich statt zum Danke für die Befreiung der Stadt Fulda von den schweren Seuchen, die in den Jahren 1351, 1595 und 1668 die hiesige Bevölkerung heimgesucht hatte.

r. Die Prüfung als Postsekretär bestand bei der Kaiser!. Oberpostdirektion in Frankfurt a. M. Herr Karl Jordan aus Fulda, z. Z. in Usingen im Taunus.

][ Fulda im Zeichen des Luftverkehrs. Zweimal iwg im Lause des heutigen Vormittags ein stolzes Militärluftschiff seine Bahnen über unsere Stadt. Heute früh gegen 61/« Uhr flog das Militärluft­schiff „Z. V* vorüber, das bisher in Baden-Oos stationiert war und nun nach Gotha übersiedelt, wo es bis zum 1. Oktober bleiben soll. Kurz vor 10 Uhr passierte, in entgegengesetzter Richtung kommend, bas Militärluftschiff „Z. I", bisher in Leipzig, unsere Stadt. Es wird in Fr an k fur t a. M. Aufent­halt nehmen. Nach bei uns eingelaufenem Telegramm war „Z. V um 5 Uhr in Frankfurt a. M. auf­gestiegen. Er ist um 8,25 Uhr in Gotha gelandet. „Z. I" war um 4 Uhr in Leipzig aufgestiegen und ist bereits um 11,25 Uhr in Frankfurt gelandet.

# Fürsorge für Bauarbeiter. Gegen die Anwendung offener Koksfeuer zur Austrocknung von Neu­bauten wendet sich ein von den beteiligten preußischen Ministern an die Regierungspräsidenten gerichteter Erlaß, in welchem darauf hingewiesen wird, daß dieses Austrocknungsverfahren nach den gemachten Beobachtungen selbst bei Anwendung der üblichen Vorsichtsmaßnahmen mit Gefahren für die Gesund­heit der Arbeiter verbunden ist. Es soll deshalb offene Koksfeuerung im Innern eines Baues künftighin nicht mehr zugelassen werden. Soweit zur künstlichen Aus­trocknung von Neu« oder Umbauten Koksöfen not­wendig sind, wird empfohlen, solche zu verwenden, die mit einer Dunstklappe und einem Rohr zur Ab leitung der Gase aus dem Bau versehen sind. Wie in dem Erlasse weiter bestimmt wird, sollen die Polizeibehörden durch Aufnahme einer entsprechenden Vorschrift in die Arbeiterfürsorge-Polizeiverordnungen ermächtigt werden, zu verlangen, daß im Winter die Räume von Neubauten, in denen gearbeitet wird, zu erwärmen sind.

Ä Allgemeine Viehzählung. Auf Beschluß des Bundesrats findet im deutschen Reiche am 1. Dezember 1913 eine allgemeine Viehzählung statt, mit der in Preußen die gleichfalls vom Bundesrate angeordnete Obstbaumzählung verbunden ist. Wie bei früheren Zählungen, so wird es voraussichtlich auch diesmal gelingen, Personen zu gewinnen, die sich dem Zähl­geschäfte ohne Anspruch auf eine Vergütung unter­ziehen.

? Genehmigte Lotterien. Dem Frankfurter Verein für Luftfahrt e. V. zu Frankfurt a. M. ist die Er­laubnis erteilt worden, zugunsten des in diesem Jahre stattfindenden Wasserflugzeug-Wettbewerbs am Bodensee eine Wertlotterie zu veranstalten und die Lose in der ganzen Monarchie zu vertreiben. — Dem Münsterbauverein in Ueberlingen ist die Er­laubnis erteilt worden, Lose der beiden in den Jahren 1913 und 1914 geplanten Serien der zur Wiederher- steUung des St. Nikolaus-Münsters in Ueber­lingen genehmigten Geldlotterie auch im preußischen Staatsgebiet, und zwar in den Provinzen Rheinland, Westfalen und Hessen-Nassau, sowie in den Hohen- zollern'schen Landen zu vertreiben. — Dem Ver­bände Deutscher Beamtenvereine ist die Er­laubnis erteilt worden, eine vierte Geldlotterie zur Förderung der Wohlsahrtsbestrebungen des Verbandes im Jahre 1913 zu veranstalten und die Lose in der ganzen Monarchie zu vertreiben.

(:) Aus Anlaß des Rhönturnfestcs sollen am Sonn­tag den 10. d. M. folgende Kraftwagen-Personen- po'ften zwischen Gersfeld und der Fuldaquelle-Wasser­kuppe verkehren:

610 8-° l-° 320 6‘°! ab GerSfelo an t73S 9« 235 5’° 7‘5 630 900 1“ 4°° 650; an Fuldaquelle ab | 7«° 9’° 2°° 4" 710 Die erste Fahrt wird sich nach der Ankunft des Sondcrzuges in Gersfeld richten. Wenn nötig und anqänqiq, werden zu den Fahrten zwei zwölfsihiqe Kraftwagen eingestellt werden.

* Ein reiches Pilzjahr verspricht das Jahr 1913 zu werden. Der an Niederschlägen sehr reiche Vor-

+ Kleine Bilder aus dem Schlotz-- garten in Fulda.

„So schön und wohlgepflegt wie jetzt Haden wir Unfern Schloßgarlen noch nie gesehen.' Dieses be­wundernde Wort kann man in diesem vom „aller­sonnigsten Sonnenschein' zwar nicht begünstigten Sommer oft vernehmen. Wahr ist es, und die Fuldaer werden sich auch mehr und mehr bewußt, welch einen Schatz unsere Stadt an der von den Fürstäbten ge­schaffenen, großzügigen Garrenanlage besitzt. Die Fremden aber, welche die Pauluspromenade herab­schreiten, sie bleiben aus's angenehmste überrascht vor den Abjchlußgittern stehen, und lugen staunend hinein in diese wohltuende, Frische und süße Ruhe atmende Parkwelt, wo vom saftgrünen Rasenrondel -Blumen­beete in holdem Farbenreize leuchten, im pflanzen­umkränzten Wasserspiegel der Sprinqquell melodisch plätschert und ehrwürdige Baumriesen rings den Blick begrenzen. Den aber möchte ich doch sehen, den es nicht auch veriockt, einzutreten durch das von Schmiede« und Steinmctzkunst so pompös gestaltete weiigcöffnele Tor. Höher noch als die vasenbekrönten, wuchtigen Sandsteinpfeiler ragen zwei Torwächter, tue beiden Pytamideneichen auf, die, wenn sie noch etwas näher ständen, in ihrem stolzen Formenadel den Eingang zu einer wahren Porta triamphalis gestalten oüröen.

Der Blick schweift weiter zu anderen Prachtbäumen von hoher plastischer Schönheit. Da zeigt sich z. B. gleich eine alte Akazie von entzückend graziösen Umriß­linien. In fast schwarzer Zeichnung tritt ihr Ästwerk aus der weichen, anmutig wogenden Belaubung her­vor, und ihr noch lichtes Grün hebt sich lebhaft und heiter von den benachbarten Laub» und Nadelhölzern ab. Dunkeler sind bereits alle Laubmasfen geworden. Einen freudigeren Ton bringt aber noch der exotische Tulpenbaum hmein, der dort an der Flanke so frisch und farbensatt grünt. In wirkungsvollem Kontrast dazu erscheinen die beiden ernsten Nadelholzgruppen. Wie schön ist die Zusammensetzung: Lärchen und Weihmutskieser und malerische Rottannen mit ihren tief herabhängenden Wedeln!

Von mehr traulicher Schönheit ist die Lindengruppe, die, noch in das Rasenrund hineingerückt, die sanfi- gebogenen Wipfel blütenschwer darüber schatten läßt!

sommer kam der Entwickelung der Pilze sehr zu stat­ten. In den Wäldern werden die beliebten Pilze be­reits massenhaft gesammelt. Die vielbegehrten Cham­pignons, die Eierschwämme, der Ziegenpart und die verschiedenen Arten der Steinpilze werden maffeuhaft gefunden.

u Eine Folge der Wehrvorlage. Von verschiede­nen Landratsämtern ist den Nachgeordneten Behörden Anweisung zugegangen, den jungen Leuten, die in den letzten vier Jahren auf Grund ihrer Reklamatw- nen wegen häuslicher Verhältnisse von der Militär­pflicht befreit wurden, besondere Aufmerksamkeit zu­zuwenden. Jeder, der seiner Unter st ützungs- pflicht gegen die Angehörigen nicht nachkommt, soll sofort zur Anzeige gebracht "werden, damit er nach­träglich in das Heer eingestellt werden kann.

!! Infolge eines Sturzes von einer Fuhre Heu ist im hiesigen Landkrankenhause die Witwe Anna Marg. Müller geb. Seuring aus Gersfeld, gebürtig aus Dalherda, gestorben.

= Motorrad gegen Automobil. Gestern abend gegen 7 Uhr kam ein mit 3 Damen und einem Chauffeur besetztes Automobil aus der Richtung von Sickels die Johannisstraße daher. Kurz vor der Kurve nahe der Löherstraße rannte das Auto mit einem aus der Stadt kommenden Motorradfahrer zu­sammen. Letzterer wurde von seiner Maschine ge­schleudert und fiel direkt vor das Auto. Er erlitt erhebliche Verletzungen an einem Beine, außerdem leichtere Hautabschürfungen. In einem benachbarten Hause wurde ihm Hilfe zu teil. Das Vorderrad seiner -Maschine ist vollständig verbogen. An dem Auto gingen durch den Zusammenstoß beide Laternen in Trümmer.

[] Einen Unglücksfall erlitt in der Fuldaer Tüten- und Papierfabrik die 17 jährige Arbeiterin D. Sie geriet mit der linken Hand zwischen zwei Scharfteile einer f»genannten Beutelmaschine und erlitt dabei eine erhebliche Verletzung, die sofortige ärztliche Hilfe nötig machte.

(!) Im Sommertheater wurde gestern abend einem sehr zahlreichen Publikum zum Benefiz für den Cha­rakterdarsteller Franz Erdmann ein „Bunter 8(6 e n d" dargeboten. Im Mittelpunkte stand die Aufführung eines sogen. Sketsch „Der Brand­stifte r". Der Sketsch ist eine Schöpfung des Va­rietees. Er. verknüpft Elemente der Schauspiel- nnb der Zirkuskunst. Dieser Zwiespältigkeit ist es wohl zuzuschreiben, daß es auch dem durch seine sozialisti­schen Tendenzdichtungen ziemlich bekannten Hermann Rejermanns nicht gelungen ist, in dem „Brandstif­ter" ein theatralisches Meisterwerk zu schaffen. Die Langeweile, die auf die Dauer durch die Amtstätigkeit eines, auch darstellerisch wenig interessanten, Unter­suchungsrichters hervorgerufen wird, findet jedoch ihren Ausgleich durch die Fixigkeit, mit der sich der Träger der Hauptrolle, gestern Herr Franz Erdmann, nach einander in 7 Charakterrollen zeigt. Im Zeit­raum einer Minute verwandelt er sich vollständig in Charakter, Mienen und Kleidung. Einmal ist er ein verblödeter Troddel, einmal ein abgefeimter Verbre­cher, einmal ein verschmitzter Gastwirt, einmal ein strammer Wachtmeister, einmal ein klownhafter Krä­mer und einmal kindischer Greis. Allen Rollen Wurde Erdmann gerecht und reicher Beifall lohnte sein Kön­nen. Das weitere Programm des Abends ließ die Freunde von Tanz und Gesangvorträgen voll auf die Rechnung kommen.

Am Dienstag, den 12. Auaust haben Cilli und Willi Bauermann ihr Benefiz. Wohl jeder Besucher unseres Sommertheaters hat sich die beiden Namen ge­merkt. Handelt es sich hier doch um 2 Hauptstützen des Herrmann'schen Ensembles, die fast jeden Abend des an­spruchsvollen Spielplanes ihre bewährten Kräfte in den Dienst der Sache stellten. Die zum Benefiz gewählte „Fledermaus" wird beiden Benefizianten Gelegenheit geben, ihr Können in vollstem Lichte zu zeigen.

Aus dem Nachbargebiete.

♦ * Uttrichshausen, 8. Aug. 1913, Die Dachdecker­und Klempnerarbeiten einschl. Materiallieferung zum Neubau des katholischen Schulgehöfts dahier sollen in einem Lose vergeben werden. An­gebote sind bis spätestens Mittwoch, den 20. d. M. einzureichen.

- 4- Bad Salzschlirf, 7. Aug. 1913. Im hiesigen Kurtheater sand „Hochgeboren", ein neues Lust­spiel in drei Akten von Curt Kraatz bei seiner Probe- Aufführung, bei dem eleganten Badepublikum einen durchschlagenden Erfolg. Curt Kraatz, ein bekannter Berliner Lustspieldichter, wohnte der Aufführung bei und

Anmutiger als diese runden sich die breiten Kronen der Silberlinden an der südlichen Treppe. Wuchtig flankieren sie mit der noch höher sich reckenden Esche die reizvolle doppelläufige Treppenanlage.

Ja, das sind Charakterbäume, monumentale Natur­geb Ide, welche mit harmonischer Eindruckskraft aus dem Gros der rings zu dichten Kulissen zusammenge­wachsenen Ahorn, Ulmen, Roßkastanien hervortreten.

Wo aber diese grünen Wände sich öffnen, da er­schließen sich, besonders, wenn man die richtigen Punkte gesunden hat, wo meist auch Ruhebänke stehen, ent­zückende Blicke aus Fulva's vornehmste, von allen Kunstkennern jetzt so hoch gewertete Bauten. Wie feierlich und hehr ist doch der Blick durch das Gitter­tor auf die Domtürme, wenn man ihn so nimmt, daß zwischen den Baumwipfeln die weihevolle Gestalt des segnenden WelterlöserS in der klaren Lust erschein! |

Ein anderes köstliches Bild bietet die Orangerie, mit den wunderbar fein abgewogenen Verhältnissen, ein Juwel des Barockstils „auf die französische Man- larlschule unmittelbar verweisend', rote die Architekten tagen. Der fest frohe Mittelbau spiegelt auch im Aeußeren feinen Zweck. Steinerne Blumengehänge, die Joh. Nik. Dtering, ein Schüler Neudecker's, ge­meißelt, unttränzen feine Pilaster; Blumenvasen, von Zoh. Andr. Weber gefertigt, ragen vom Gesimse auf, erzgegoffene Annanassrüchte bekrönen den Dachfirst. Und wie fein erst ist zu diesem Orangeriebau bte wundervolle Floravase auf der oval gestalteten, so imposanten Tieppe in Beziehung gesetzt! Die von Rosenkett' n umwundene, von Putten schmetterlingshaft umschwebte Biumengöttin, erhebt sieghaft ihr Zepter: die Lilie aus dem Dalberg'schen Wappen. „Der wundervoll jubelnde Aufstieg der Limen ist aus­gesprochen deutsch-barock auf italienischer Grundlage', urteilt ein hervorragender Kunstschriftsteller. sVergl. ..Deutscher Barock" p. VIII.] Wir Fuldaer aber, die wir dieses köstliche Zusammenklingen von Architektur, Plastik uns ®arteritunft alltäglich vor Augen sehen, wir denken gar nicht daran, welch eine Kostbarkeit wir daran besitzen —: „als Gcsamtw rkung in der Natur eine der reizvollsten in ganz Deutschland', sagt begeistert Der oben zitierte kompetente Kenner W. Pinder.

Ein dritter prächtiger Blick ist der nach der fenster- reichen Garteusafsade des Schlosses, welche so romantisch von dem aus Dem alten Schloß herübergenommenen

wurde mit den Darstellern unzählige Male hervor­gejubelt. Dir. Bolten-Bäckers vom Lustspielhause in Berlin, der zur Premiere gekommen, erwarb „Hoch­geboren" sofort für seine Bühne, außerdem ist das Stück bereits im Manuskript von den Stadt-Theatern in Chemnitz, Wiesbaden, Hanau, Göttingen re. ange­nommen worden.

k Gersfeld, 8. Aug. 1913. Mit den Vorarbeiten für die Errichtung eines Kriegerdenk­mals auf dem hiesigen Marktplatze ist begonnen wor­den. Die Einweihung soll am 31. August vor sich gehen. Die Tenkmalskosten werden 3500 Mk. be­tragen. — Oberförster Schreiber hier feiert am Sonntag den 10. August sein 25jähriges Dienstiubi- läum. Der Silberjubilar trat 1888 als Oberförster beim Grasen Froberg-Montjohe ein und blieb weiter in Diensten des Herrn von Waldthausen, als dieser vor 10 Jahren die hiesige Grafschaft käuflich erwarb.

* Herbstein, 8. Aug. 1913. Dem evangelischen Pfarrer Heinrich Zinn zu Herbstein wurde die erste evangelische Pfarrstelle zu Pfungstadt, Dekanat Eber- stadt, übertragen.

* Hersseld, 8. Aug. 1913. Dem Vernehmen nach ist die Versetzung des Direktors des hiesigen Land- krankenhauses Dr. Lindner (früher in Fulda) nach Hanau rückgängig gemacht worden. Er bleibt somit unserem Krankenhaus erhalten.

* Beiershausen, bei Hersseld, 8. Aug. 1913. Am Mittwoch abend war das 3jährige Töchterchen des Schreinermeisters Eydt in einem unbewachten Augen­blick auf einen größeren Stoß Bretter geklettert. Diese gerieten ins Rutschen und vergruben das unglück­liche Kind unter sich. Hinzueilende Personen konnten das kleine Geschöpf nur als Leiche unter dem Bretter­stoß hervorziehen.

* Hanau, 8. Aug. 1913. Der Verein H a- nauer Haus- und Grundbesitzer e. V. mit seinen nahezu 1000 Mitgliedern sieht sich veranlaßt, nunmehr unter eigener Redaktion und im eigenen Verlag eine Monatsschrift unter dem Titel „M i t- t e i I ü n g e n" für seine Mitglieder herauszugeben, deren erste Nummer erschienen ist.

1. Vilbel, 8. Aug. 1913. Zwei angesehene Land­wirte aus Ober-Erlenbach, Robert Herbert und Johann Weber, wurden vom hiesigen Schöffengericht wegen fortgesetzter Milchfälschunng durch einen 16 bis lö prozentigen Wasserzusatz zu 20 Mk. Geld­strafe und den Kosten des Verfahrens verurteilt.

* Neu-Isenburg, 7. Aug. 1913. Eine Dame fuhr in einem Schnellzug der Strecke Frankfurt-Heidel­berg. Kurz vor Abgang des Zuges in Frankfurt stieg noch ein Herr in ihr Abteil. Sie bekam unter­wegs eine solche Angst vor ihrem Mitreisenden, daß sie"kurzerhand die Notbremse zog, sodaß der Zug vor Isenburg stehen blieb. Das Personal ^un­tersuchte sofort die Ursache des unfreiwilligen Hal­tens. Schon meldete sich aber eine Dame und er­klärte, sie habe den Zug gestellt, weil sie in dem Herrn, der mit in dem Abteil fuhr, einen Mörder vermute. Sofort legitimierte sich der Herr als R e - gierungsbaumeister. Der Dame wurde ein anderes Abteil angewiesen und der Zug konnte nach viertelstündiger Verspätung seine Fahrt fortsetzen.

* Frankfurt a. M., 9. Aug. 1913. In einem eiu- gelaufenen Zug im Hauptbahnhof fand man gestern abend einen bewußtlosen Mann. Man rief eiligst das städtische Krankenhaus an, das fein Ret­tungsautomobil mit einem Arzt sandte. Es stellte sich dann heraus, daß der Reisende, ein Herr aus Ham­burg, schon tot war. Ein Schlaganfall während der Fahrt hatte fein Leben geendet. — Der bekannte Arzt Dr. Hanauer ließ sich in einem Vortrage im Aerzt- lichen Verein in bemerkenswerter Weise über den Geburtenrückgang in Frankfurt aus. Die Geburtenzahl erreichte in den Jahren 1855/56 mit 19,26 den niedrigsten Stand und schwoll nach 1870 bis 1877 auf 35,8 an. In den achtziger Jahren hielt sie sich zwischen 27 und 30; feit 1897 sinkt sie dann ständig, um 1911 den Tiefstand von 22,7 zu erreichen. Auffallend ist, daß in demselben Maße wie die ehe­lichen Geburten abnehmen, die unehelichen zunehmen. Am meisten sinken die Geburten in den feinen und in den Arbeiter-Vierteln. Von Bedeutung ist die Zahl der Ebeschließunaen; sie sank von 11,25 in 1906 auf 9,79 in 1911 aufs Taufend. Die Gründe dieser Er­scheinungen führt Dr. Hanauer vornehmlich auf so­ziale Ursachen zurück, nämlich auf die zunehmende Teurung der Lebensrnittel und die Steigerung der Wohnungsmiete, sodann aber auf die Verbreitung der Ideen des Neomalthusianismus, dieser Erfindung der Selbstsucht und des modernen Genußlebens.

Bergfried durchbrochen wird. Unser heimischer Maler Gustav Iller hat uns ja alle diese köstlichen Bilder in seiner Mappe „Altfulda" künstlerisch festgehalten; aber damit sind die malerischen Vedutenmotive, welche unser Schloßgarten bietet, noch keineswegs erschöpft. Für den, der künstlerisch zu sehen versteht, erschließt er eine wahre Fundgrube des Malerischen und Schönen.

Vor kurzem war unter einem Ahornbaume gegen­über der erwähnten Akazie eine neue Ruhebank her- gerichtet worden. Hübsch war der Blick von ihr auf die aus den Baumwipfeln tauchende steinerne Krone des Schloßturmes; leider ist sie aber wieder versetzt worden.

Ein neuer intimer Reiz ist in das stimmungsvolle Parkbild gekommen durch den nunmehr geschaffenen zweiten Springquell, den man, wenn auch nicht all­täglich, a s weiße Gischtsäule durch das grüne Laub­dämmer feenhaft üno geheimnisvoll schimmern sieht.

Und er lockt an, die schattigen Pfade hinabzusteigen zum durchptätfcherten Weiher, den majestätisch ein schwarzes Schwänepaar durchfurcht und schwarze und weiße Enten traulich beleben. Ein prächtiger Abschluß für das baumumstandene Wasseridyll ist der in der Ferne blauende Rau chenberg, allerdings vom vorge­lagerten Eisenbahndamm in Der ästhetischen Wirkung beeinträchtigt.

Welche Anziehung dieses kleine Wafferreich mit seiner lebendigen Staffage auf das Publikum und nicht nur auf Die Welt Der Kleinen ausübt, kann man täglich beobachten. Nicht weit davon vergnügt sich dir Jugend auf ihrem herrlich gelegenen Sportplatz.

Wir schreiten zur Schloßterrasse hina' und wieder eine andere Szenerie bietet sich unseren Blicken. Von prächtiger Geschlossenheit ist auch diese Partie, einer­seits begrenzt von den lang ausgestreckten Schloß­bauten, deren sockel Kletterrosen in reizenden Farbentönen umranken, andererseits eingehegt von jenen gefälligen Balustraden, die dem Ganzen einen so einheitlichen Rahmen geben, — dem „Palunster', wie es in den alten Rentkammerrechnuugen heißt und wie der Mann aus Dem Volke auch noch heute sagt Und hinter und über diesem charakteristischen Stein- gelänber wogen die mächtigen Wipfel der tiefer stehenden Baumriesen und bilden eine grüne Abschluß- wand, die nur ein ungemein reizvoller Durchblick nach der Orangerie unterbricht.

iluf der Westseite genießt man dann die schönste

JV» 183.

Samstag 9. August 1915.

♦ Hofgeismar, 8. Aug. 1913. Am Mittwoch abend erschoß sich ein Dragoner von der zweiten Eskadron des hiesigen Dragoner-Reglments auf der Senne mit feinem Karabiner.

* Bad Soden i. T., 8. Aug. 1913. Groß«! Herzogin Adelaide von Luxemburg, die sich in Königstein i. T. zur Kur aufhält, besucht täglich; das hiesige Inhalatorium.

* Bad Homburg v. d. H., 8. Aug. 1913. Der am! 18. August stattfindende 84. Geburtstag des! Kaisers Franz Joseph wird auf dem Hom-, burger Schlöffe in Gegenwart des deutschen Kaiser-! Paares mit besonderem Glanze gefeiert werden.; Außer mehreren Mitgliedern der kaiserlichen Familie! wird der österreichische Botschafter Graf Szögyeney. Marnh an der Feier teilnehmen.

* Aus Thüringen, 9. Ang. 1913. Auf dem Trup-s penübungsplatz Ohrdruf ist unter den Pferden^ des Feldartillerie-Regiments Nr. 55 die Brustseuche ausgebrochen. — In Schwallungen kletterte der 44jährige Knecht August Kegel in einem Anfalle! geistiger Umnachtung auf den Leitungsmast bet; Ueberlandzentrale Frauenbreitungen. Kegel wurde von dem 30 000 Volk starken Strom sofort getötet.

* Aus Franken, 8. Aug. 1913. Regierungspräsi­dent Exzell. v. Brettreich begibt sich am Sonntag mit Gemahlin zum Kurgebrauch nach Bad Brückenau. — In Bad Mergentheim trat Frau Julie Hoffmann, geb. Wenzel, in ihr 100. Lebensjahr ein. Frau Hoffmann führt wit ihrer 75jährigen Tochter einen gemeinsamen Haushalt und ist trotz ihres hohen- Alters körperlich und geistig noch rüstig.

Amt Geisa und Umgebung..

* Geisa, 8. August 1913. Die Landwirt­schaftskammer beabsichtigt, im Herbst ds. Js. in einer größeren Zahl von Wirtschaften des Groß­herzogtums Kalidüngungsversuche vornehmen zu lassen. Die künstlichen Düngemittel werden den Versuchsanstellern durch die Landwirtschaftskammer unentgeltlich geliefert. Schriftliche oder mündliche Angebote haben bis spätestens 1. September ds. Js. an die Landwirtschaftskammer zu erfolgen. — Am 3k. Juli waren in Thüringen völlig frei von allen Tierseuchen S.-Altenburg und Schwarzburg-Sonders- hausen. Die Schweineseuche fand sich u. a. in meif Gemeinden in Sachsen-Weimar.

* Dermbach, 8. August 1913. Dermbacher Bries., tauben-Liebhaber sandten eine Anzahl ihrer Brief« tauben nach Frankfurt a. M., eine Strecke von ca.! 125 Kilometer Luftlinie. Die Tauben wurden dort vormittags um 11 Uhr m Freiheit gesetzt. Die ersten! langten schon um 1 Uhr 6 Minuten mittags in ihrem heimatlichen Schlage an, während die übrigen» bald folgten.

* Gerstungen, 8. Aug. 1913. Einen streikenden Gemeinderat besitzt die Gemeinde Dankmars­hausen. Weil der Gemeinderat mit dem Bürger­meister wegen des Wafferleitungsbaues gänzlich zer­fallen ist, will der Gemeinderat keine Beschlüsse mehr fassen, solange der Bürgermeister noch im Amte fei! Jetzt hat nun der Gemeinderat sich auch geweigert,' einen Vorsitzenden zu wählen. Nach erfolgter Straf­androhung durch den Bezirksdirektor hat der Gemeinde«, rat zwar nochmals eine Wahl eines Vorsitzenden vor- genommen. Der Gewählte wurde aber schau vorher verpflichtet, die Wahl abzulehnen. Deshalb machte jetzt der Bezirksausschuß von feinen Zwangsmaßregeln Gebrauch und setzte zwangsweise den Landwirt Heuchel als Vorsitzenden ein. “ . - y

»US Gb-rhefl-n II. öen Hess. Aemtern.,

* Frankenberg, 8. August 1913. Dem praktischen Arzt Dr. Olszewski in Rosenthal sind die Ge- schäfte des Kaffenarztes in den Gemeinden Rosenthal,; Oberholzhausen, Roda und Willershausen, sowie in den Gutsbezirken Oberholzhausen und Rosenthal übertragen worden.

» Treysa, 7. Aug. 1913. Die hiesige B ahn Hof. straße, die sich in ihrem unteren Teile feit Eröff­nung des neuen Bahnhofes für den Wagenverkehr zu schmal erwies, ist nunmehr nach jahrelangen Ver­handlungen endlich bedeutend erweitert worden. Zu diesem Zwecke wurden mehrere Häuser angetauft und niedergerissen. .

* Zvesten, 8. August 1913. Sonntag, den 17.1 ds. Mts. begeht die hiesige israelitische Gemeinde bte Einweihung ihres Gotteshauses. Das alte war durch Feuer yrftört worden.

Fassadenansicht unseres Domes. Denn wie Prof. Dr.! Georg Dehio im „Handbuch der deutschen Kunstdenk- mäler, Band Mitteldeutschland' annimmt, so hätte Joh. Dieutzenhofer, — der in dieser feiner Glanz­leistung das System der römischen Barockfassade mit! dem deutschen der Doppeltürme verband — wohl am; meisten auf die Schrägansicht von der Schloß­terrasse her gerechnet, wo die Kuppel in die Gruppierung eingreift.

Doch nicht nur das feierlich schone Bild des Domes und der herrlich grünen Alleen kann man auf dieser Terrasse genießen, auch die Friedrichstraße erschließt; sich bunt und menschenbelebt. Nicht das geringste dieser abwechslungsreichen Bilder ist aber die weite! Perspektive der langgestreckten dämmergrütienKastanien- allee, mit dem frischen Rasen als Vordergrund. Zn ausgezeichneter Wirkung kommt da die gleichsam den Eingang der Allee bewachende Herkulesstatue.

Auf der Schloßterrasse umweht uns nicht nut frischere Luft, wie im Parterre, die auS der langen Kastanien­allee herüberstreicht, hier oben steigert sich auch die Barockstimmung des alten stilvollen, höfischen ©arten« wertes zu einer sehr starken Wirkung. AuS dem ge­öffneten Kaisersaal, wo alte Kaiserbilder ernst von der Wand bernieDetbliden und stille, weiße Attanten das flache Korbtonnengewölbe tragen, weht uns der Geists Der Vergangenheit entgegen und aus den verwitterten, verstümmelten Sandsteinsiguren, k-ie uns gerade in ihrer grünlichen Patina so fein elegisch anmuten, atmet er. Des ästhetisch Beachtenswerten ist hier eine Fülle vorhanden, uni) gar manche interessante Einzel­heiten, auf die ich vielleicht ein andermal zurückkommen werde, kann man da studieren. Wie fein und ge­schmackvoll geformt sind z. B. auch die Vasen an den Balustradenecken!

Doch nicht allein was die Vergangenheit geschaffen, erfreut in unserem Schloßgarten das Auge.,

Einen wahren lebensfreudigen Zug hat die Gegen­wart, des Gärtners schaffende und pflegende Hand, der ganzen Szenerie gegeben. Einen so prächtigen Blumenflor, als wie er jetzt den epheuumkranzten Rasenteppichen in geschmackvoller Anordnung «»ge­woben ist und die Rabatten mit holdem Schimmer überspinnt, haben wirklich die Besucher zu unseren Zeiten dort noch nicht gesehen. Und alle, bte den Schloßgarten loben und »reifen und cern besuchen, tch glaube, sie haben recht J. G. -