Fuldaer Zeitung
trfdxtat «glich mR kwsnohme 8er Sonn- unb Sderfage. viertel. MhrilAcr Bezugspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda 'fcwlc auswärts MO Mark. •••• Rotationsdruck und Verlag der gg $uibatr fldienbrudteret in Zulda. Zemsprecher Nr. 9. : s
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Nr. 182.
Freitag den 8. August 1913.
40. Jahrgang.
deutsches Reich.
•* BtrÜ«, 7. August 1913. Der Kaiser wohnte Donnerstag vormittag in Swinemünde dem Schars« Meßen der Marineartillerie auf See bei. Nach den neuen Dispositionen wird der Kaiser bis Sonntag in Swinemünde bleiben. — In dem Marineetat für 1914, der jetzt an das Reichsschatzamt gegangen ist, werden programmgemäß zwei Großkampfschiffe ge« fordert. Man hat also der von einigen Seiten aufgestellten Forderung, sofort drei solcher Schiffe zu bauen. Nicht nachgegeben.
* Zum Krupp. Prozeß schreibt die ,Nordd. Mg. Ztg/ halbamtlich:
I» den Betrachtungen der bürgerlichen Blätter zu dem kriegsgerichtlichen Urteil im Verfahren gegen Ttlian and Genossen kommt die Genugtuung über die öffentliche Klarstellung des Geschehenen, soweit sie in diesem Verfahren möglich war, zu ihrem Recht. An der wirklichen Bedeutung der unentschuldbaren Borkommntffe ist vor Gericht nichts abgeschwächt, nichts beschönigt worden. Gerade aber dadurch wird den Uebertreibungen der Boden entzogen, mit denen der Abg. Liebknecht die öffentliche Behandlung der Angelegenheit eingeleitet hat. Der bisherige Verlauf der amtlichen Maßregeln zur Aufklärung agitatorisch vergrößerter Mißstände ist für die Eozialdemokratir eine Enttäuschung. Ein »Panama" der deutschen Heeresverwaltung gibt es nicht. Das haben, nach eingreifender Beweisaufnahme, die Vertretung der Anklage und die Prozeßleitung festgestellt, und in den unvoreingenommenen Besprechungen des Urteils wird dieses Ergebnis gegenüber allen Aufbauschungsversuchen in das richtige Licht gesetzt. An diesem Ergebnis kann auch durch das noch bevorstehende zweit« Gerichtsverfahren, deffen Feststellungen im übrigen abzuwarten bleiben, nichts geändert werden.
** Di« Lösung der braunschweigischen Frage. Die braunschweigische Thronfolge wird, nach der ,B. Z/, bett Bundesrat in einer feiner ersten Sitzungen nach den Ferien wieder beschäftigen. Sie ist jetzt so weit gediehen, daß nur noch ein formaler Beschluß des Bundesrates notwendig ist. Wie verlautet, wird der Bundesrat von dem Prinzen Ernst August von Cum- Herland den ausdrücklichen Verzicht auf die Krone /d«S ehemaligen Königreichs Hannover verlangen. lDer Prinz ist bereit, den Verzicht zu unterzeichnen. Die Erledigung der Angelegenheit, der durch die erneute Agitation der Welfenpartei eine Verwickelung drohte, wird so beschleunigt werden, daß der Wechsel in der Regierung Braunschweigs, wie geplant, Ende Oktober erfolgen kann.
'-s- Regierung und Polen. Die hakatistische Presse mtrüstet sich über folgenden Vorfall, der aus Posen gemeldet wird: Fürst Adam Czartoryski, der, wie leine Vorfahren seit langem in Paris lebt, hat mit seiner Familie zum ersten Male dauernd Wohnsitz auf seinem Schlosse Goluchowo bei Pieschen genommen. Sonst kam Fürst Czarwryski nur höchstens i ttn Jahre einmal auf ein bis zwei Tage zur Jagd nach Goluchowo. Bald nachdem Fürst Adam Czartoryski Wohnung in Goluchowo genommen, stattete ihm der Oberpräsident Dr. Schwartzkopff einen längeren Besuch ab. Dieser Besuch des Oberpräsidenten wird in der Provinz sehr kommentiert. — Es wäre ja sehr erfreulich, wenn die Schlußfolgerung, die die hakatistische Presse aus diesem Besuche zieht, richtig wäre und daß damit wirklich der beginnende neue Kurs der preußischen Regierung in der Polenpolitik dokumenttert würde. Vorläufig sieht es jedenfalls noch nicht danach aus, denn gleichzeitig meldet der Draht, daß die Ansiedlungskommission beantragt hat, den Besitzer eines enteigneten Gutes v. Zablöcki zu -exmittieren, da derselbe erklärt hat, er werde nur -der Gewalt Weichen, und wegen zu geringer Ein- schätzung des Gittes beretts Klage erhoben hat.
* Jesuitenschnüffelei, lieber die Jesuiten sind int bongen Monat in dec „Köln. Ztg." Erörterungen
Das Münchner Kindl.
61] Roman von Felix Nabor.
Und feine schöne, vornehme Mutter küßte ihn auf Sttrn und Wangen und sagte, ganz ihre Würde vergessend: „Du Goldjunge! Du Glückskind! Tu Liebling, Liebling!" — und dachte daran, welches glänzende Relief dieser Sieg ihrer Familie verleihen würde Sie waren so stolz auf ihn, als ob er in den Fürstenstand erhoben oder znm König gekrönt worden wäre.
Dieser Sieg mußte selbswerständlich entsprechend gefeiert werden. Das war man dem Namen San- dow, der nachgerade anfing, weltberühmt zu werden, das war man der Kunst schuldig. Demgemäß sollte das Fest durchweg künstlerisches Gepräge tragen. Das sab selbst Frau von Sandow ein, bi» am liebsten die Aristokratie, die hohen Militärs und nie Hofkreise um sich gesehen hätte. Aber so exklusiv und' feudal durfte dieses Fest nicht sein, denn es galt ja nicht der Aristokratenfamilie von Sandow, hatte nicht den Zweck, ihre gesellschaftliche Stellung ins rechte Licht zu rücken, sondern es galt dem Künstler, dem Genie Hardys.
Dieser sand denn auch die richtige Lösung der schwierigen Frage: es sollte ein Atelierfest nach den berühmten Münchener Vorbildern abgehalten und alle Freunde des Hauses, Künstler, Gelehrte, Hochfinanz und Adel geladen werden. Man konnte dabei nicht nur seinen Reichtum entfalten, sondern auch seinen Kunstsinn und die Kunstschätze zeigen, welche das Haus barg.
Hardv und sein Vater machten sich mit Eiser ans Werk. Während Frau von Sandow die Einladungen schrieb, verwandelten sie das Atelier in einen Tempel der Kunst. Tas Bild des preisgekrönten Werkes war der Altar, vor dem sich die Gäste beugen sollten.
Der Boden wurde mit kostbaren Teppichen belegt, von den Wänden herab wallten schwere Sammtstoffe, mit Goldborten durchsetzt, zwei elektrische Sonnen überstrahlten den Raum mit ihrem weißen, grellen Lichte, Blumen utnkränzten die Staffelei und aus
angefteüt, die man gemeinhin nicht anders als „Schnüffeleien" bezeichnen kann. Diese Darlegungen schließen mit dem Hinweis darauf, „daß von den Jesuiten mit reichsdeutschen Gesetzen Komödie getrieben werde". „Reichsdeutsche Gesetze!" Ja, wer soll denn damit Komödie treiben?? Wie kommt der reichsdeutsche Denunziant der „Köln. Ztg." zu seinem Material? Er rühmt sich, daß seine Angaben vertrauenswürdig seien, und läßt durchblicken, daß er die Sitten gesehen habe: er weiß sogar, welche Worte in den Akten in Gänsefüßchen stehen. 9hm ist es Tatsache, so wird dem „Wests. Merkur" in der Angelegenheit geschrieben, daß im vorigen Jahre monatelang Geheimpolizisten herum gelaufen sind und über die in Deutschland tätigen Jesuiten bei Besuchern der Predigten, bei Küstern, bei Handwerkern, die gerade in „verdächtigen" Kirchen arbeiteten, bei Nonnen, hie und da auch bei Geistlichen herumhörten. Natürlich wurde bann zu gleicher Zeit von oben herab versichert, baß man sich jeher kleinlichen Nachforschung enthalte!! Unb es gab ja auch Leute, welche sich — wir wollen es annehmen — so stellten, als ob sie biese Versicherung glaubten. Die Berichte dieser Geheimerkundi- gung sinb bann toeiPergegeben worben. Resultate aus biesen Geheimberichten verarbeitet an- fdjeinenb ber höchst ehrenwerte Mann in bet „Kölnischen Zeitung", unb vergißt als richtiger Denunziant auch nicht ben Hinweis auf bie llebertretung von „reichsdeutschen Gesetzen". Unb e r selbst? Wir stellen einige Fragen: 1. Ist es reichsdeutsch erlaubt, Aktenmaterial von Geheinierhebungen zu Zeitungsartikeln zu verarbeiten? 2. Weiß bie reichs- beutsche Behörde, welcher ber reichsbentsche Korrespondent untersteht, von biefer Art seiner reichsdeutschen Tätigkeit, und was gebenft sie zu tun? 3. Wie kommt benn ber Artikelschreiber überhaupt bazu, bas ceichsbeutsche Geheimmaterial so plündern zu können? 4. Wieviel hat denn der Ehrenmann für feine reichsdeutschen Bemühungen erhalten? Das sind fo einige Frage, welche weithin interessieren dürften und die Antwort daraus würde sehr leicht fein. In München hat neulich ein Universitätsprofeflor — eine Leuchte liberaler Gesinnungstüchtigkeit — einen Mann, der ihm nicht gefiel, einen „subalternen Kerl" genannt. Subalterner Kerl! Das klingt noch! Der Herr Professor hat diesen Ausdruck gut geprägt für Subjekte, die sich im Dunstkreis liberaler Zeitungen als Schnüffler, Plünderer von Geheimakten, Korrespondent und JesuttendenuNziant bewegen! Dank diesem Menschenkenner! Dir schließen mit dem Wunsche, der Herr Reichskanzler möge die „reichsdeutschen Amtsstuben" von solchen Subjekten säubern — wenn er kann!
♦* Austritte aus der evangelischen Kirche. Im vergangenen Jahre sind annähernd 9000 Personen in Berlin und in der Provinz Brandenburg ans der evangelischen Landeskirche ausgetreten. Von diesen Anstritten entfallen nur 76 auf den Regierungsbezirk Frankfurt a. O., dagegen rund 3400 auf den Regierungsbezirk Potsdam itnb rund 5400 auf ben Stadtkreis Berlin. Zur Lanbeskirche traten über 159 Jnben, 974 Katholiken unb 206 Angehörige anberer Religionsgemeinschaften.
* Au? dem Großblockmusterstgat Baden Batte ein liberaler Politiker im .Berliner Tageblatt' (Nr. 388) geprahlt:
„Herrn Wacker? Taktik wird dadurch matt gefetzt, daß in fünf Wahlkreisen, in denen das Zentrum aus Haß gegen den Großblock, die Liberalen gegen die Sozialisten unterstützen will, je zwei liberale Kandidaten aufgestelltwerden. Dadurch wird ein Sieg der Liberalen mit Zentrumshilfe für den ersten Wahlgang verhindert und die Stichwahlverständigung mit der Sozialdemokratie ermöglicht.»
ihren Kelchen hervor brach rosiges Licht, das das Bild wie ein märchenhafter Rahmen mit riesengroßen Rubinen umspannte.
In ähnlicher Weise waren auch die Bureauzim- mer geschmückt. Weiche Sessel und Diwans, die im Schatten von hochragenden.Palmen aufgestellt waren, luden zur Ruhe, zum Genießen ein. Wenn man die Festräume durchschritt, glaubte man im Elysium zu wandeln, und in der Tat war dem ganzen Feste die Idee zugrunde gelegt, daß die Künstler bei ben Olympiern zu Gaste gelaben waren, getreu nach bem Schillerschen Worte:
„Willst du in meinem Himmel mit mir leben. So oft bu kommst, er soll bir offen sein!"
Uno die Gäste kamen und füllten die glänzenden Räume, setzten sich an die prangende Tafel und ge- noflen Nektar unb Ambrosia. . . Sphärenmusik erklang, in btenbenbcm Licht erstrahlten bie Räume, schöngeschmückte Menschen durchschritten die Gefilde der Seligen — aber die dionysische Stimmung wollte sich nicht einstellen. Amor und Venns schwangen hier nicht ihr Zepter, die Götter und Göttinnen fanden sich in ihren Rollen nicht zurecht, und von der Herrscherin^ des Festes, von ^rau von Sandow, ging ein majestätischer, eisiger Hauch aus.
Berlin ist nicht München, und die Freude läßt sich nicht importieren wie eine seltene Blume; hier in diesem aristokratischen Hause, in diesen feudalen Kreisen und in dieser parfümierten Luft gedieh sie nicht. Es fehlte das Gemütvolle und Herzliche^ das Warme und Sonnige des Südens und die heterogenen Elemente, die Frau von Sandow um ihren Thron versammelt hatte, konnten keinen Zusammenklang finden. Der künstlerische Grundton wurde zwar angeschlagen, aber er fand keinen Widerhall, verhallte ungehört, unb bie freie, ungebundene Münchener Note, die eben nur an der Isar erklingt, drang nicht durch.
Die Gesellschaft zersplitterte sich; sie teilte sich in Standes, und Interessentenkreise, die sich zusammen- schlossen. Dadurch wurde ein heimlicher Mißton in bas Fest hineingetragen, eine grelle Dissonanz, die keine harmonische Auflösung fand.
Auf ganz besonderen Wunsch Frau von San-
Mt beißendem, aber durchaus verdienten Spott bemerkt dazu die , Augsburger Postzeitung,:
,®S ist doch etwas Großes um eine Partei, die sich rühmen kann, Mittel und Wege gesunden zu haben, um ihren eigenen Sieg zu verhindern. Die Partei des Männerstolzes vor Königsihronen ist der Sozialdemokratie so unterwürfig, daß sie gegebenenfalls nicht einmal mehr zu siegen wagt, wenn der Sieg die „Genossen" betrüben und erzürnen könnte. Eigentlich ist es ganz recht, daß es so kam, denn es wird Leute genug geben, die der Ansicht sind, daß der Liberalismus von heute eine Partei ist, die man selbst dann nicht unterstützen soll, wenn der Großblock dadurch in Frage gestellt werden könnte. Schließlich wird ja auch die Zeit kommen, wo es keines Scharsfiuns und keiner Anstrengungen von liberaler Seite mehr bedarf, um gewisse Mandate mit vollster Sicherheit zu verlieren. Es lebe der Bankerott!"
Wo in aller Welt kommen so tolle Dinge vor wie im Großblockmusterstaal? Es ist wirklich schwer, keine Salyre zu schreiben.
Ausland.
** Tie dreijährige Dienstzeit in Frankreich. Der französische Senat hat gestern die Endabstimmung des Gesetzes über die dreijährige Dienstzeit vorgenommen und die Annahme mit 254 gegen 37 Stimmen beschloffen. Vor der Annahme des letzten Artikels des Militärgesetzes verlas der Präsident der A mee« kommission eine Erklärung, daß in Uebereinstimmung mit der Regierung in kürzester Zeit Abänderungen gemacht würden. Die Armeekommission werde beim Wiederzusammentritt des Parlaments den neuen Text vorlegen, aber man dürfe nicht einen Tag zögern, Frankreich die notwendige militärische Vcr affung zu geben. Der Präsident der Kommission fügte hinzu: Das Parlament bewilligte den Armeesührern die ihnen zukommenden Mittel; ich bin überzeugt, daß diese aus dem Gesetz das Resultat ziehen, das wir für die Sicherheit des Vaterlandes erwarten.
△ Das Verschwinden der Pferde in England. Die militärischen Zeitungen in England beschäftigten sich mit einer Frage, die erst seit einigen Jahren aufgetaucht ist und nun unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet, sehr ernst zu werden verspricht. Es handelt sich um das Verschwinden des Pferdes in den großen Städten. Die Militärbehörden konnten bisher bei einer Mobilisierung mit Sicherheit auf eine große Anzahl von Pferden in den englischen Städten rechnen. Bis vor drei Iahten konnten die Militärbehörden allein in London 114702 zum Dienst geeigneten Pferde beschaffen, sei es als Zugpferde, sei es für die Kavallerie- und Jnfanterieregimenler. Am 1. Juli dieses Jahres war die Zahl der Pferde auf 47207 herabgestiegen und wenn dieser Rückgang vorwärts schreitet, läßt sich leicht voraussehen, daß in 4 bis 5 Jahren in ganz London kein Pferd mehr zu finden ist, das für die Mobilisierung tauglich ist. Die gleiche Tatsache wie in London wird auch in Birmingham, Manchester, Liverpool, Glasgoo bemerkt. Aber nicht nur in den Städten auch auf dem Lande nimmt die Zahl der Pferde ständig ab; die Ursache liegt in dem Bestreben, den Pferdewagen durch das A u t o m o b i l zu ersetzen. Die militärischen Blätter verlangen, daß die Regierung sich ernstlich mit diesem neuen Problem mit Bezug auf bie Landesverteidigung beschäftigt.
X Der Friede von Bukarest.
W Bukarest, 7 Aug. 1913. Die Friedenskonferenz trat heute früh unter dem Vorsitz Ma- joreScus zusammen. Veniselos erklärte, baß sich Bulgarien unb Griechenland über bie Grenzfrage vollkommen geeinigt hätten; Tonischem, ber bulgarische Vertreter, gab bie gleiche Erklärung ab. Majorescu
| sagte, baß bie Konferenz einen zeitlich unbeschränkten Waffenstillstand beschließen solle, nachdem man sich grundsätzlich über den Frieden geeinigt habe. Der Vorschlag wurde angenommen. Der Präsident erklärte, daß man keine Friedenspräliminarien, sondern ben enbgültigen Frieben unterzeichnen müsse. Auf seinen Vorschlag bezeichnete jedes Land Delegierte, die das Protokoll zu redigieren und ben Friedens^ ertrag vorzubereiten hätten. Die Konferenz beschloß, in ber Nachmittagssitzung alle Fragen ber gegenseitigen Behandlung ber Schulen und Kirchen unb bie durch ben Krieg, aber nicht birelt durch Waffengewalt erwachsenen Schäden zu erörtern. Mau hosst, daß der Vertrag am Samstag unterzeichnet wird
W Bukarest, 7. Aug. 1913. Die im Friedens- Protokoll festgefetzte ® r en^e zwischen Bulgaren und Griechenland beginnt am westlichen Belaschitzagebirge zwischen Strumitza und Doiran, verlaust auf deffen Kaimn entlang nach Jürükleri bis zu dem Dorf To- polnitza, geht über den Stmrnafluß nach Hodscha Tschiftlik, Tfchadri Kaja, nördlich nach Awlika Dag, südlich zum Gipfel Kajindort südwärts zu den Kreppen 660 unb 1150, Wetter zum Torf Peritza, nordöstlich zum Gipfel Marakowa, von bort südlich bis Tschadri Kaja, nördlich nach Awlika Dag, südlich zum Gipfel Kajindschal, zu ben Kuppen 1587 unb 985, nach Karowo unb ben Kuppen 1177 unb 1845, südlich zum Gipfel Tschigla, Wetter übet das Rujenplateau zur Eisenbahnstation Oktschilar und den Mestafluß entlang bis zum Meer. Die serbisch-bulgar. Grenze beginnt an der Westecke des Belafchitzagebirges unb geht im Bogen zwischen Strumitza und Radowischte auf ber Wasserscheide zwischen Struma und Ward _'.r. bis zur heutigen Südgrenze Bulgariens.
Bulgarien hat infolge des Kriegsabenteuers, in das es von Danew und Sawow mit viel Verwegenheit unb sehr wenig Umsicht gestürzt wurde, ein riesiges Stück von der Beute verloren. Aber es kommt doch schließlich noch mit dem blauen Auge davon. Die Amputationen sind schmerzhaft, aber nicht gerade lebensgefährlich. Die Sieger haben doch immerhin etwas von ihren ersten Bedingungen nach- gelaffen. Bulgarien bekommt Strumitza von den Serben zurück, die sich zu einer Einbuchtung ber Grenzlinie verstanden haben. Und wenn die Griechen auch Kawalla zähe festgehalten haben, um nicht den Bulgaren ben Wettbewerb auf Saloniki gar zu leicht zu machen, so hat boch Bulgarien bas , Hinterland von Kawalla und ein ansehnliches Stück vom Aegäischen Meerufer erhalten. Wenn nun bie Türkei zum Rückzüge aus bem Milchet Abrianovel veranlaßt wirb, so kann Bulgarien sich für „gnäbige Strafe" bedanken Es hat genug zu tun, um bie neuen Staats' teile wieder in die Höhe zu bringen unb mit dem alten Reiche zu verschmelzen. Sollte es den Hunger nach den verlorenen Beutestücken gar nicht bezähmen können, so bleibt ihm kein anderes Hilfs- unb Heilmittel. als daß es sich wieder zu einer wirtschaftlichen, finanziellen und militärischen Leisttmgsfähigkeit hin- aufarbeiten, bie ihm Revanchesorberungen gestatten könnte Das wird aber, wenn es überbautet möglich ist. geraume Zeit erfordern, unb so werben wir für bie nächsten Jahre wohl das vielbesprochene „Gleichgewicht" am Balkan haben.
Bulgarien klammert fi<6, wie bet Ertrinkende an den Strohbalm, an bie Revision des Vertrages durch die Großmächte. Und diese Hoffnuna wird genährt durch die Uebereinftimmung Oesterreich-Ungarns und Rußlands, bie auch bereit? tbr lleberprükungS. recht anaemeldet haben sollen. Ein Eingreifen Europas ist ja nicht unmöglich, aber noch nicht wahrscheinlich. Wenn siiawalla serbisch wäre, so könnte Oesterreich wohl in Versuchung kommen, für ben Ueberpang diele? Haken? an Bnlaarien eimufreten; denn eS liegt
bows, ber schon mehr einem Befehle glich, hatte Annie an bem Feste teilnehmen müssen. Als sie bie Weißen Prunkgewänber anlegte, dachte sie an ein geschmücktes Opferlamm. — Unb als sie, einer Marmorstatue gleich, burch bie festlichen Räume ging, tat sie eS falt unb teilnahmslos. Tas Atelier aber mied sie, als job es ber Orkus wäre. Was ging benn sie all das an? Es berührte sie nicht. Nein, sie war hier nicht im Elysium, sie war die verlorene Eurydike, bie im Schattenreich weilte, aber vergeblich ihren Orpheus erwartete, ber sie rettete.
Hardy von Sandow fühlte, baß biefefi Fest ein Zwitterbing war, weil es nicht ber Kunst diente, sondern ein Weihrauchopfer für seine Person, für seine Familie ein absichtlich inszenierter Personenkultus war. Das nahm ihm die Weihe. Und Hardy selber vermochte auch keinen hellen, frohen, erfrischenden Ton in das Fest hineinzutragen, weil er bie Krone bes Festes, bie Fürstin Ilona, vermißte.
Was lag ihm an bem Feste, was an all biesen Menschen, wenn Ilona, seine fürstliche Freundin, fehlte! Gerade an diesem Tage, wo er einen so herrlichen Triumph feierte, einen so glänzenden Sieg errungen hatte, hätte sie an seiner Seite sein müssen, um teilzunehmen an seinem Glück.
Aber weder sie noch ihr Gemahl waren gekommen, obwohl der Fürst mit ganz besonderer Liebenswürdigkeit eingelaoen worben war. Was bebeutete bas?
Harby war von Unruhe erftillt. Ein paar Sttm- ben tröstete er sich mit bem Gedanken, daß das Fürstenpaar anderweitige gesellfchaftliche Verpflichtungen gehabt habe unb erst später kommen würbe; als es aber Mitternacht würbe, ohne baß sich bie Erwarteten einfanben, gab er seine Hoffnung auf. Um wenigstens in Stimmung zu kommen unb bie Sorgen zu verscheuchen, trank er mehr, als er sonst gewöhnt war unb trug nun eine ausgelassene Lustigkeit zur Schau, bie ben biftinguierten Gästen ein mitleidiges Lächeln entlockte. „Dem armen Kerl ist das Glück zu Kopf geftiegen, daß er an Größenwahn leidet und ben rechten Maßstab für bie realen Verhältnisse nicht mehr finbet," dachten sie und verließen bas Fest
So endete dieses für Hardy mit einem Mißklang.
Der einzige ber Familie Sandow, ber sich aus ganzem Herzen freute unb sich ben Gästen des Hause? mtt unaesuchter Liehenswürbigkett toibmete, war Leo v. Sandow, und wenn sich die allgemeine Stimmung nicht bis zum Gefrierpunkt abkühlte, so war das allein ihm zu danken. So verschob sich langsam die Konstellatton in der Weise, daß nicht Hardy, der Sieger, sondern Leo von Sandow, ber herzensgute Mensch, der vornehme Kavalier unb Künstler, zum Mittelpunkte bes Festes würbe.
Harby gewahtte bies nicht, wußte auch nicht, was er ihm zu danken hatte; seine Gedanken waren so sehr mit bem Fürstenpaar beschäftigt, daß ihm alles andere fern lag. Und als eine Stunde nach Mitternacht die letzten Gäste gegangen waren unb bie Lichter erloschen, flüchtete er in fein Atelier, bewunderte fein Werk unb sich selbst, berauschte sich an seinem Ruhme unb an dem süßen, prickelnden Wein, bis ihm die Sinne schwanden und er schlaftrunken auf bie weichen Polster fiel. Dann träumte er von ber Fürstin, feiner herrlichen Muse, bie schön unb strahlend wie eine Göttin zu ihm nieberftieg und ihm ben Lorbeerkranz aufs Haupt drückte.
Die Zeitungen brachten ausführliche Berichte über Harbys Entwürfe zum Opernhaus unb über das „Atelierfest". Die meisten waren voll des Lobes, einzelne fügten eine zahme Kritik an. Hardy lachte darüber, ärgerte sich aber doch. „Das spricht der Neid," fagte er und geriet in Wut.
Es litt ihn nicht zu Hause; er mußte fort, mußte hören, was man in ber Stadt sprach; sein verletztes Ehrgefühl suchte nach Balsam für bie brennenden Wunden, die ihm die Kritik geschlagen hatte.
Aber er sand ihn nicht. Dieses Berlin war wirk- lich ein Meer, in welchem ber Einzelne, und wenn ec noch so berühmt ist, untergeht wie ein Tropfen! Eine Welle kommt unb hebt ihn hoch, baß er in ber Sonne blinkt, bann rauscht eine anbere Welle heran, ber» brängt bie erste unb verschlingt ben funkelnden Tro- pfem hebt einen andern hoch und zeigt chn der Sonne.
(Fortsetzung folgt.)