z. Blatt.,
Druck 6tr Snlbetr rictiendrnäerei in 8«!da.
Juldaer Zeitung ♦ *$♦
M (81.
Donnerstag 7. August 1915.
ff. Hat unser Handwerk eine Zukunft?
Wie ost ist diese Frage schon gestellt worden und Lat zumeist eine vorsichtig wägende, wenig hoffnungs- srohe Antwort gefunden; wie oft aber ist dem Handwerk auch schon das Sterbelied gesungen worden! 'Nicht ganz zu Unrecht wiesen Pessimisten darauf hin, daß wir im Handwerk am Ende einer langen historischen Entwicklung stehen, während Ötr jungen, un- ,gebändigten Großindustrie noch alle Tore in die Zu- mnst offen stehen und tausend Energien noch ungeweckt und ungefördert in ihr ruhen. Auch solchen, denen es um eine wenn auch nur 'stille und dürftige Fortentwicklung des Handwerks zu tun war, sank manchmal der Mut, daß es gelingen könnte, die Konkurrenzfähigkeit des Handwerks der Großindustrie gegenüber zu heben und zu stärken. Und es ist doch gelungen: frischer Wagemut und unbeugsames, zielbewußtes Schaffen haben wenigstens den Anfang gemacht, das ganze Handwerk auf eine neue, höhere, feste Grundlage zu bringen. Nicht nach oben und nicht seitwärts hat man geschaut, sondern still der eigenen Kraft vertrauend, hat man Baustein auf Baustein geschichtet in zäher, oft widriger Arbeit — mrd das Mühen fand seinen Lohn. Es weht einen swlz und froh aus dem ersten Bericht an, den soeben der R h e i n i s ch - w e st s ä l i s ch e Tischler- Jnnungsverband (Geschäftsstelle Essen-Ruhr, Rosastr. 27) über seine Ideen, Tätigkeit und Einrichtungen herausgegeben hat. Wie heißt es da so stolzbewußt im Vorwort, daß der Bericht nicht Gewolltes und Erhofftes, sondern das Tatsächliche und Erreichte beschreiben will. Das ist der Stolz der wieder erwachten Handwerkskraft, die weiter Seite für Seite aus dem stattlichen Bericht frohen, mutigen Auges uns entgegenstrahlt. Schon im Herbst 1906 setzte im rheinisch-westfälischen Gebiet eine organisierte Bewegung ein zur Verbesserung der Zustände im Tischlerhandwerk; langsam und mühselig ging die Arbeit voran, bis am 4 .April 1909 der Innungsverband als eine selbständige Korporatwn eingerichtet und vom Minister für Handel und Gewerbe genehmigt wurde. Auf eine 7jährige Tätigkeit kann der Verband also heute schon zurückblicken und das berechtigt ihn, von dem zu sprechen, was er in diesem Zeitraum getan und geschasst hat; heute, wo zum großen Teil erreicht ist, was vor sieben Jahren noch ungewiß und unsicher nach Gestaltung und Leben rang. Wo Gesundung eintreten soll, da muß erst das Nebel erkannt und die Möglichkeit einer Heilung kühl und nüchtern erwogen werden. Und die Männer, die sich für eine Hebung und Gesundung des Tischlerhandwerks einsetzten, waren von der Ueberzeugung durchdrungen, daß dieses heute wie früher volle Existenzberechtigung hat, weil ihm wie dem gesamten Handwerk ganz andere wirtschaftliche Aufgaben zugewiesen sind, als der industriellen Produktionsform. Darum galt cs vor allem, die Ursachen des Verfalls im Tischlergewerbe aufzudecken und die Schäden zu heilen. Als diese erkannt waren, da setzte man getrost und mutig das Ziel: die Kräfte des Tischlerhandwerks in einer Standesorganisation zu verbinden, die die Aufgabe hat, die wirtschaftliche (Fachkunst und Preiswirtschaft) und sittliche Grundlage des Tischlerhandwerks unter dem leitenden Gesichtspunkt zu ordnen und gesund zu erhalten, daß das Tischlcrhandwerk ein wichtiger Berufsstand in der Volkswirtschaft ist und es zum Wohle des Ganzen darauf ankommt, diesen Stand so zu vervollkommnen und tauglich zu erhalten, daß er die Volksbedürfnisse an Tischlerarbeiten in der denkbar rationellsten Weise befriedigen kann. Zur Durchführung dieser Idee dienten als Hauptwittel einmal eine klare, einheitliche, auf den Tatsachen ausgebaute Kalkulationsgrundlage zur Ermittlung der Selbstkosten für Tischlerarbeiten, dann Einrichtungen zur fachlichen Vervollkommnung und nicht zuletzt eine gutgefügte und ausgerüstete Organisation. Es würde im Rahmen dieser kurzen Würdiguna einer segensreichen sozialen Einrichtung zu weit führen, 'vürde an Hand des trefflichen Berichts die praktische Anwendung dieser Mittel von Seiten des Innungsverbands ausführlicher geschildert; dazu kann eben kur das Studium des Berichts selbst dienen, das nicht nur jedem Handwerker und Jnnungsverwalter, sondern auch jedem sozial Interessierten, ja jedem Ge- nldeten aufs wärmste empfohlen werden kann. Dec handwerkliche Mittelstand ist so lange vernachlässigt worden und dem Gesichtskreis vieler fast schon entschwunden: cs spricht für die gesunde Volkskraft die- les Standes, daß er jetzt aus eigener Kraft wieder in die Höhe strebt und die Aufmerksamkeit der Oef- fentlichkeit auf sich lenkt. 62 Innungen aus allen Teilen Rheinlands und Westfalens sind dem rheinisch- ckoestfälischen Tischlerverbande heute schon angeschlossen, alle haben in demselben neues Leben und neue I Schaffenslust gefunden. Was hier das Tischlerhandwerk sich geschaffen und erobert bat, das bleibt den übrigen Handwerksberufen und Innungen noch zu tun. Tie Wege sind jetzt gewiesen, ein Bau ist schon fest gefügt. Jetzt sind die anderen an. der Reihe, aber sie mo: n sich vor blinder Nachahmung hüten: eindringlich warnt hiervor der vorliegende Bericht in seinem Schlußwort. Ein jedes Handwerk wird auch die harten Kämpfe durchfechten müssen, wie es die Tischler haben tun müssen, ehe ihr Werk gedieh. Die Voraussetzungen zur Bildusrg eines Innungsverbands müssen von allen Handwerksorganisationen erst geschaffen werden, um dann frohgemut und tapfer zum Ziele sich durchzukämpfen. Der rheinisch-westfälische Tischler-Innunasverband hat uns die frohe Zuversicht gebracht, daß unser Handwerk eine Zukunft hat, daß noch nicht viel verloren ist und sehr viel noch gewonnen werden kann.
Lokales.
Fulda, 7. August 1913.
4t Personalien. Der Steuersekrelär Schmidt in Gersfeld ist zum Rentmeister bet der Königlichen Kreiskasie in Zieaenhain und der Sleuersekrcwr Zorn in Lauban zum Rentmeister bei der Königliten Kreit- taffe in Wolfhagen ernannt morde". Der Rentmeister Sucker bei der Königlichen KreiSkasse in Ziegenhain ist nach Kleve verseht worden.
!!! Richard Müller-Stiftung. Unter Begleitung von barmherzigen Schwestern wurden heute 75 kränkliche Kinder aus dem Kreise Fulda nach Soden in die dortige Kinderheilanstall gebracht. Der Aufenthalt in der Anstalt ist für die einzelnen Kinder auf 4 bis 6 Wochen festgesetzt.
e. Mncrblicher Nebtnbnuf und Zwanzsiiinung. Eine für bett gewerblichen Mittelstand bcwnders wichtige Entscheidung ist vor kurzem seitens der preußischen Regierung getroffen morde.". Wie wir in Berliner Blättern lesen, hat der Recuerungspräsi- dent zu Düsseldorf entschieden, daß Personen, die jm Redenberuf in ihrer freien Zeit gegen Entgelt
eine gewerbliche Tätigkeit ausüben, für die am Orte eme Zwangsinnung besteht, verpflichtet sind, dieser betzutreten. In den Kreisen des gewerblichen Mittel, standes wird man diese Entscheidung besonders bc« grüßen, da sie sich als ein Mittel darstellt, um viele Schädlinge, die den einzelnen Gewerbetreibenden Konkurrenz machen, wirksam zu besc igcn. Erfahrungsgemäß gibt cs fast in jedem Gemerbe und Handwerk eine derartige Konkurrenz, die sich vielfach aus Ele- menten zusammensetzt, die nicht einmal das betreffende Gewerbe gelernt haben, das sie nebenher frei und ungehindert ausüben durften. SW pflegen sich meist in der freien Zeit, also Sonntags ober nach Feierabend, zu betätigen, unterbieten die wirklichen Gewerbetreibenden, ziehen die Kundschaft ab und verderben überhaupt die Preise. Durch die erfolgte Entscheidung wird diesem Treiben jedenfalls Einhalt geboten werden, denn die Zwangsinnuugen können nunmehr gegen derartige Personen einschreiten und sie beaufsichtigen, wobei es nur einer Anzeige der betreffenden Gewerbetreibenden bedarf. In jedem Falle muß der Beitritt derartiger Leute zu einer Zwangsinnung außerordentlich erzieherisch wirken, und es kann dafür gesorgt werden, daß ein derartiger unlauterer Wettbewerb, der die Gewerbe schädigt, endgültig unterbleibt.
§ Neue Bauten tut Baujahre 1913. Nachdem wir dieser Tage zahlenmäßige Angaben über die Bautätigkeit in der Stadt Fulda während des bisherigen Jahresverlaufes machen Lunten, sollen heute die bemerkenswertesten Neu- und Umbauten int einzelnen ver- zeichnet werden. In der Erweiterung i n d u ft r i e l l e r Anlagen ist auch heuer, obgleich ja die Konjunktur nicht mehr fo zielsicher auswärts führt wie in den letzten Jahren, manches vorgenommen worden. Die Gummiwerke errichteten mit einem Gesamtkostenauf- wand von etwa 60000 Mk. ein neues Werkstatt-, Fabrik- und Lagergebäude, ferner e ne neue Vul- kamsierhalle und einen Lagerschuppen. Die Nord- deuttche Wollkämmerei- und Kammgarnspinnerei erbaute auf ihrem Anwesen hinter den Löhern ein mehrstöckiges, massives Gebäude für Arbeitsräume. Die Firma Franz Emil Berta ließ eine größere Lagerhalle errichten. Die Firma Alster läßt in der Ohmstraße anstelle eines niedergelegten alten Hauses ein neues, mehrstöckiges Lagergebäude aufführen. Hoflieferant Ries erbaute ein neues Gurlentreibhaus am Franzosenwäldchen. Gärtner Freitzlich läßt zurzeit auf feinem neuerworbenen Anwesen Kronhofstr. 25 ein etwa 20 Meter langes Gewächshaus mit Wasser- heizang Herstellen. Erwähnt sei ferner die Erweiterung des Elektrizitätswerkes zwecks Ausstellung der demnächst emtreffenden weiteren Maschinen, sowie die Vergrößerung bet Büroräume bes Gas- und Wasserwerkes Fulda (Kostenanschlag 3000 Mark). Anschließend seien erwähnt die umfangreichen Erweiterungsbauten auf dem Gelände des Kasernements. Von der Stadtverwaltung ist anteilig die Erbauung des Feuerwehrdepols und des Transformatorenhäuschens am Frauenberg bewirkt worden. Auch der Errichtung der Empfangsstation für drahtlose Telegraphie in der Vrauhausstraße auf dem Grundstück des Ingenieurs Fcrd. Schneider sei hier gedacht. Für bas Zentralkino wurde auf dem Traut'schen Anwesen in der Bahnhofstraße ein massives, feuersicheres Gebäude errichtet. Von sonstigen neuen Privat- und Geschäftsbauten sind noch zu nennen: An der Waides errichtet Bauunternehmer Leo Engel zwei Wohnhäuser; Ecke Leipziger- und Buttlarstraße werden von demselben ebenfalls zwei Wohnhäuser errichtet. Bauunternehmer Herrn. Weber baut Ecke Schildeck- und Franlsurter- siraße zwei Wohnhäuser, in der mittleren Adalbert- straße einen Neubau, ebenso in bet Scharnhorststraße. Bauunternehmer Amand Schneider stellt Ecke Leipziger- und Bluchernraße einen Neubau her; Bauunternehmer Vogel in der verlängerten Buttlarstraße einen Neubau. Bauunternehmer Seb. Tähler errichtet in der Sebastianstraße ein Wohnhaus und in der Moltkestraße ein Hinterhaus. Privatier Huhn wird mit der Erbauung zw.ier Villen tn der Niesiger- straße demnächst beginnen lassen. Der Spar- und Bauverein Fulda hat in der Wörthstraße nahe des Garuifonlazaretts ein dreistöckiges Wohnhaus erbaut. Privatier W. Haney errichtete in der unteren Niesiger- straße ein Wohnhaus. Malermeister Ferd. Krönung läßt zurzeit in bet Parkstraße ein Einfamilienhaus neu erbauen. Ferner sollen demnächst in der Joseph- straße — wie schon kurz be ichtet — drei Neubauten ür die von Rotenburg a. b. Fulda nach hier zu ver- egende Spezialkömmijsion erstehen. Auch ein um» angleiches Wirtschaftsgebäude für die Barmherzigen Bruder im Herz-Jesu-Heim wurde neu errichtet. Von größeren Umbauten seien erwähnt die Herstellung der Räume für das Automaten-Restaurant im Traulichen Haufe an der Bahnhofstraße, die weitläufigen Aende- rungen an dem Zicgler'scheu Hause in der Borgias- traße und am Steinweg, die Erneuerung des Ge- ichäftshauses der Fran E. Zolkos Ww. am Gemüsemarkt. Kunst- und Handelsgärtner Deichmann erbaute einen Ausslellungs-Pavillon auf seinem An- wesett. Kaufmann H. Büttner, Friedrichstraße, nahm eine Faffadenänderung und die Schuhwarenhaudlung Vogler, Friedrichstraße, eine Erneuerung der Schau- sensteranlage vor.
*** Landwehrdicnstanszkichnung. Von Seiten bet Bezirtskonnnandos wird bekannt gegeben:
Durch St'abinetlSorber vom 4. Juli 1913 ist die Land- ivehrdienfiauszeichnunq zur Verausgabung in neuer Form genehmigt worden. Die zweite Klaffe der Auszeichnung besteht aus einer Medaille von Kupfer tm Durchmesser von 25 Millimeter mit der Königs!tone und bet Umschrift: „Treue Diemie, Reserve Landwehr" auf der Vorderseite uni) der Jnschrin: „Landwehtdiemiauszeich- nung 2. Klasse" aui der Rückseite. Diejenigen Personen, tenen die Landwehrdienstauszeichnung 2. Klasse bisher Uiertannt worden ist, können sie fortan in der reuen Form auf eigene Kosten anlegen. Der Preis beträgt pro Stück 75 Pfennig. Offiziere des Beurlaubtenstandes haben etwaige Bestellungen an das Bezirkskommando, Mannschaften an ihren zuständigen Bezirksseldwcbel bis spätestens 15. August zu richten. Die Besitzzeugnisse sind der Bestellung beizu,Ügen.
s. Arbkitsnol. Von bet deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist an btc städtischen Behörden so gendes Schreiben gerichtet worden:
„Der Arbeiismatkr steht zurzeit unter dem Zeichen einet fd)rceien ®epre)fion; die Lage ist bei weitem ungünstiger als in den Vorjahren, sodatz nach Einstellung der Bauarbcilen im kommenden Winter eine Arbeitslosigkeit zu erwarten ist, ro.e sie an Umfang und Schärfe seit langen Jahren nicht vorhanden war. Bei den unerwünschten Folgeerscheinungen, die ein solcher Notstand zeitigt, glauben wir die Aufmerksamkeit bereits jetzt auf diese bedenkliche Entwickelung des Arbeitsmarltes lenken zu sollen. Bei früheren Krtien Hal sich vielfach gezeigt, bah die Notstandsaktionen nach Vorberatungen, welche längere Zeit in Anspruch nahmen, erst eiugeleitet wurden, nachdem die Depression ihren Höhepunkt erreicht hatte. Es empfiehlt sich daher, rechtzeitig die erforderlichen Schritte ein,vielten, damit gegebenenfalls genügend Arbeiten zur Milderung der Beschäftigungslosigkeit zur Verfügung stehen. Wir bitten daher, eine möglichst große
Amt Geisa und Umgebung
ab.
* Vacha, 6. Aug. 1913. In den Orten bes Groß- Herzogtums läuft mit Jahresschluß bie Wahlperiode der Häl" ~
schäftsbüchern an. Der Reisende hat sich nun in mehreren Orten wie Dermbach, Empfertshausen und Klings beim Verkauf der Geschäftsbücher eines Schwindels bedient, indem er behauptet hat, er käme von der Handwerkskammer in Weimar und jeder Handwerker sei verpflichtet, die Buchführung nach den vorgezeigten Büchern einzurichten. Wenn er irgend einem Handwerker seine Buchführung verkauft hat, läßt er sich eine Anzahlung geben und zwar hat er in Dermbach 2 Mark verlangt, während er in Empfertshausen 4 Mark hat haben wollen. Die Gewerbevereine Klings und Dermbach haben brieflich bei der Handwerkskammer angefragt und bat Bescheid erhalten, daß die Angaben des Reisende» purer Schwindel sind. Gegen den Mann wird dir Handwerkskammer gerichtlich vorgehen.
le aller Gemeinberatsmitglteder jaben daher im ganzen Großherzogtum im November b. IS. die Ersatzwahlen zu den örtlichen Gemcinderälen statttufinden.
* Dermbach, 6. Aug. 1913. Zur Zeit bereist ein Mann namens Paul Poddey aus Wermar den hiesigen Bezirk und bietet namentlich Handwerkern Ge-
Handel lttid Industrie.
-5, Berlin, 6. Aug. 1913. An der Börse fanden auf Grund gesteigerter Feiedensaussichten auf fast sämtlichen Gebieten größere Käufe statt, die vielfach Kurserhöhungen herbeiführkenl Von deutschen Anleihen notierten dreiprozentige Reichsanleihe und Konsols 0,15 Prozent höher. Privatdiskont unverändert.
Märkte.
* Neustadt a. d. Saale, 5. Aug. 1913. Der heutige Rindviehmarkt hatte einen Zutrieb von 230 Stück. Der Geschäftsgang war gut. Es herrschte Nachfrage nach Jung- und Fettvieh. Die Preise waren für Ochsen 1100—1200 Mk., für Stiere 520—750 Mark pro Paar. Erstklassige Kühe und Zuchttiere kosteten 500—600 M., Gangkühe 380—480 Mark pro Stück, Wurstkühe 230—360 Dtark pro Stück.
vermischtes.
* Keine Spur von Schrödcr-Stranz. Vom Kapitän S t a x r u d, der die norwegische Hilfsexpedition leitete, ist, wie aus Christiania gemeldet wird, im Mi- I nisterium des Aeußeru folgender Funkspruch eingelaufen: Bin unterwegs nach dem Jnlande von ber Williams-Insel nach Green Harbour. Von Schröder- Stranz keine Spur.
* Verhaftung eines französischen Flugzeugfabrikanten. In Paris wurde der französische Flugzeug- sabrikant Armand Deperdnssin auf die Klage I der Finanzgesellschaft Credit Industriel, die ihm mehrere Millionen vorgestreckt hatte, wegen betrügerischen Bankerotts verhaftet. Der Flugzeug- I konftruktcttr erklärte vor dem Untersuchungsrichter, daß das erwähnte Institut ihm sür die gewährten Darlehen Wucherzinsen von 25 Prozent- I abforderte und hierdurch seinen Bankerott herbeifuhrte. I Gegenwärtig befänden sich seine Unternehmungen auf I dem Wege der Gesundung, so daß er für das laufende I Jahr einen Gewinn von einer Million erhoffen könne, während ihm anderseits das Kriegsministerium für I Flugzeuglieferungen noch 800 000 Frank zu bezahlen I habe. Trotz dieser Erklärungen hielt der Untersuchungsrichter die Verhaftung aufrecht. Herr De- perdussin ist ein Mann von 45 Jahren, dem die französische Regiernng im vorigen Jahre das Ritterkreuz der Ehrenlegion verliehen hat. Seine Eindecker, die ein bekannter Lufttechniker entwarf, zeichnen sich durch ihre Schnelligkeit aus. Die Schulden Deper- dussins werden auf 30 Millionen geschätzt, dem 8 bis 10 Millionen durch den Wert der vorhandenen Apparate aegenüberstebeu.
* Russisch. Eine echt russische Szene spielte sich vor einiger Zeit in einem Krankenhaus in Peters- b u r g ab. Ein Mann war wegen Blinddarmentzündung operiert worden und lag in tiefer Narkose auf dem Operationstisch. Gegen den Kranken schwebte in irgend einer Angelegenheit ein gerichtliches Verfahren. Als der die Operation ausführende Chirurg im Begriff stand, die Wunde zu vernähen, betrat ein | Politeibeamter mit einer Untersuchungskommission das Operationszimmer und verlangte, den Patienten zu verhören. Der Arzt verlangte von dem Beamten, sofort den Operationssaal zu verlassen, doch dieser weigerte sich, der Aufforderung Folge zu leisten. Der Beamte wurde darauf bingewiesen, daß der Mann sich noch in Narkose befinde und nicht verhört werden könne. Der Polizeibeamte verlangte aber trotzdem dringend, daß der Verwundete durch künstliche Mittel aus der Narkose geweckt würde, da er keine Zeit habe, noch einmal wiederzukommen und das Verhör vorzunehmen. Außerdem bestehe Gefahr, daß der Patient sterbe und nicht die nötigen Aufklärungen über das Verbrechen geben könne. Er wollte schließlich Gewalt gebrauchen und begann, den Operierten am Arme zu schütteln. Da packten ihn auf einen Wink des Oberarztes drei Wärter und warfen ihn zur Tür hinaus. Die Untersuchungskommission verließ auch das Zimmer. Jetzt erst konnte die Operation fortgesetzt werden und gelang trotz der Ausregnngen sehr gut. Am folgenden Tage ging dem Oberarzt ein offizielles Schreiben zu, in dem er aufgefordert wurde, sich zu verantworten „aus Anlaß der Nichtzulassung eines Polizeibeamten zur Ausübung seiner Dienstpflicht". Der Oberarzt antwortete, daß der Volizeibeamte ungesetzlich gehandelt habe. Dabei blieb es.
* Chinesische Spione. In ganz Rußland ist eine große Anzahl chinesischer Spione verhaftet worden, die teilweise überführt sind, für China Spionagedienste verrichtet zu haben. Die Zahl der in Warschau verhafteten Chinesen beträgt allein fünfzig. -
W Die Barfrankierung größerer Postauflieferungen wird in absehbarer Zeit eingeführt werden. Die Postverwaltung, die Versuche mit der Bar- rankierung angestellt hat, teilt mit, daß diese. Ver- nche ein recht günstiges Ergebnis gehabt hallen. Durch die Barfrankierung bei größeren Auflieferungen von Drucksachen usw. wird das für die Geschäfts- Well oft lästige und zeitraubende Briefmarkenkleben vermieden.
△ „Ein Käse-Drama". Aus der Rhön erhält die ,Tägl. Rundschau' folgende Zuschrift: Ein Dorf- krämer hatte sich gelegentlich vom Lehrer sagen lassen, daß Drama gleichbedeutend sei mit Handlung. Der Lehrer war nicht wenig erstaunt, als er eines Tages am Hanse des Krämers das neue Firmenschild prangen sah: Kolonialwaren und Käft-Trama. — Ob da dem Bündler-Blatt nicht ein Bär ausgebunden worden ist? Jedenfalls gehen bie Rhönbauern mit Fremdwörtern in der Regel vorsichtiger um als so mancher Stadtbewohner.
-o- Unfälle Als gestern mittag der Knecht eines hiesigen Fuhrwerksbesitzers einen Wagen mit Steinen ans dem Steinbruch hinter bent Kalvarienberg abfuhr, versagte auf der abschüssigen Straße bie Bremse und zerbrach. Der Knecht bemühte sich den Wagen auf die Seite der Straße zu lenten, kam aber dabei zu Fall und geriet unter bie Räder des Wagens. Diese gingen ihm über den Leid und verursachten innere Verletzungen. Er mußte von Mitgliedern der Sanitätskolonne nach dem Krankenhause gebracht werden. — Bei den Erdarbeiten zur Bahuhofser- roeiterung wurde gestern durch Hecabsallen eines Eisenteiles von dem Dampsbaager einem Arbeiter der Fuß gequetscht.
Zahl geplanter Arbeiten und Aufträge schon jetzt für den kommenden Winter bereit zu stellen, damit der bevorstehenden Arbeüslosigteit tn hinreichendem Umfange rechtzeitig begegnet werden kann."
cP Nhönlurnfeft. Die ordentlü'i Meldeftist zum Turnfest auf der Wasserkuppe ist , cstcrn abgelaufen. Jedoch kann durch Hinterlegung d ■■ dcppeften Festbetrages bis zum Sonntag noch neck gemeldet werden. Soweit sich die Nennungen bis jetzt über! ve» lassen, werden auch in diesem Jahre die Besten der deutschen Turnerschaft an dem so beliebt und weit und breit bekannt gewordenen Rhönturnfest teilneh- men. Eine Anzahl Sieger des letzten deutschen Turnfestes und des Stadionkampfes in Berlin kommen nach der Rhön, um auch dort ihre Kunst zu erproben. So werden voraussichtlich der 7. Sieger beim Leipziger Zwölfkämpfe, Willi Siedel ans Hann. Münden, die Turner Kofler und Schneller von Homburg v. ö. H., Barthelmes-Charlottenburg, Volge-Frankfurt und andere Sieger von Leipzig auf der Wasserkuppe antreten. — Einen gewaltigen Aufschwung hat das diesjährige Jugendturnen genommen U. a. werden über 20 Schulen im Schlagball um den Wanderpreis des Landrats Doernberg-Fulda kämpfen. Hoffentlich begünstigt auch das Wetter die Veranstaltung.
E Mit der Vergebung der Arbeiten für die Turnhalle der dompsarrlichen Schule ist jetzt der Anfang gemacht worden. Nach dem Anschlag werden die Gesamtherstellungskosten 40000 Mark betragen. Die Erdarbeiten erhielt Schacklmeister Magnus Müller für den Preis von 874,70 Mark zugeschlagen, die Beton- und Maurerarbeiten dem Bauunternehmer H. Hodes (Submissionssatz: 14456,94 Mk.), bie Schmiebe- und Schlosserarbeiten dem Schlossermeister A. Bötchen (983,82 Mark).
-y- Kein Honigjahr. Wie in ben hiesigen Jmker- freijen allgemein verlautet, finb bie Aussichten für eine einigermaßen gute Honigernte in biefem Jahre gleich Null. Die Hauptschuld liegt an bem schlechten Wetter, das uns im Frühjahr und Frühsommer befreie; en war. Sehr oft waren Aussichten auf sehr gute Trachtverhältnisse vorhanden. Jedesmal trat nach ben ersten Flügen Regenwetter ein. Die Brut ist zahlre-ch, dagegen fehlt es an Honig; folglich sehen sich die Imker genötigt, auch in diesem Winter ihre Völker mit Zucker aufzufültern, wodurch bekanntlich bei manchem Imker bie Siebe zur Sacke stark schw nbet.
:: Um dem Güterwagenmangel im Herbste, der sich alljährlich zeigt, vorzubeugen, hat der preußische Eisenbahnminister eine schnelle Reparatur und Vermehrung der Güterwagen auaeordnet, ferner wurde bestimmt, daß die Lokomotiven in den Werkstätten möglichst mit Beschleunigung repariert und wieder in Betrieb gestellt werden, damit sie beim Einsetzen des starken Verkehrs zur Verfügung stehen. Reparaturen I bei Güterwagen und Lokomotiven sollen so sorgfältig hergestellt werden, daß sie während des Herbstverkehrs dem Verkehr nicht entzogen zu werden brauchen.
+ Der Truppen-llebungsplatz des 11. Armee-Korps in Ohrdruf, von bem jüngst unser Artillerie- Regiment zurückgekehrt ist, wirb infolge der neuen Wehrgesetze eine wesentliche Erweiterung in ben Unterkunftsräumen erfahren. Neubauten sinb zurzeit in Ausführung: eine Mannschaftsbaracke für 2 Maschinengewehr-Kompagnien, ein Krankenstall für schwerkranke Pferde und zwei Stallgebäude für bie Maschinengewehrabteilungen. Außerdem sollen noch 5 Osfiziersbaracken und auch noch verschiedene Stallund Äannsckaftsbaracken errichtet werden. Auch für das Uebungsplatzlazarett sind Neubauten in Aussicht genommen worden. Das neue Desinsektions- und Leichenhaus ist fertig gestellt. Auf bem Platzgebäude selbst sind verschiedene zu Uebungszwecken bienende Einrichtungen hergestellt worben, so z. B. vier massiv I erbaute geschoßsichere Beobachtungstürme. Wie auf I anderen Uebungsplätzen sollen auch noch besondere I Scheibenzuganlagen mit Kraftbetrieb eingerichtet werden. I
! Zum Bekämpfung der Feldmäuse. Das Kaiserliche Gesundheitsamt und die Kaiserliche Biologische Anstalt für Land- und Forstwirtschaft wollen im Herbst nach der Bestellung der Wintersaaten größere der- : gleichende Versuche zur Bekämpfung der Feldmäuse I anstellen. Da sowohl Gift als auch Bakterienapparate I und gasförmige Mittel zu gleicher Zeit geprüft wer- I den sollen, ist ein (?) elände v o n wenigstens I 200 Hektar mit zahlreichen Mäusen erforderlich. I Landwirte, die bereit sind, diese Versuche ausführen I zu lassen, werden gebeten, ihr Einverständnis W sunt I 15. Augugst d. I. der Kaiserlichen Bielogischen An- I tast für Land- und ?.or » itsclai in Dahlem bei I Berlin-Steglitz mitzntcilen.
Aus Gberheffen u. den Hess. Aemtern.
* Marburg. 6. Aug. 1913. ~'ie Stadtverordneten beschlossen gestern fast einstimmig, den Magistrat z u ersuchen, in erneute Verhandlungen wegen Beilegung des Bauarbeiter st reiks mit den strittigen Parteien einzutreten. Ferner wurde mitgeteilt, daß das 5krcis-Kriegerdenkmal auf dem Friedrichsplatze Aufstellung finden solle, dieser aber hierzu besonders hergerichtet trnfcci müsse. Die Anlagekosten, welche 4200 Mark h tragen, wurden anstandslos bewilligt. — In gemeinsamer Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten wurde Stadtrat Johannes Müller aus Forst (Lausitz) an Stelle des am 1. Juli aus dem Amt geschiedenen Beigeordneten Schrimpf zum besoldeten Beigeordneten unserer Stadt gewählt.
* Kirchhain, 5. Aug. 1913. Zum gestrigen zweiten diesjährigen Fohlen markt waren 52 Fohlen aufgetrieben. Nachdem die zu der nachmittags stattfindenden Verlosung bestimmten Tiere angekauft waren, entwickelte sich ein lebhafter Handel. Bei der Verlosung fiel der Hauptgewinn auf Nummer 6419 (kompl. Einspänner). Der 6. Gewinn, ein kompl. Erntewagen, fiel auf Nr. 6952. Er wurde von dem 14jährigen Sohn des Anftreichermeiste^ K. hier gewonnen.