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2. Biatf.

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*** Zuldaer Zeitung♦

M 180.

Ritiwsch 6. August 1915.

Lokales.

Fulda, 6. August 1913.

*"* Personalien. Das allgemeine Ehrenzeichen wur­de verliehen dem Bürgermeister Gregor Stehling zu Gruben A. H. im Kreise Hünfeld und dem Ge- meinderechner Joseph Sauer zu Rimmels im Kreise Hünfeld.

a Schuhmacherzwangsinnuug. Nachdem die hie­sige Zwangsinnung für das Schuhmacherhandwerk es wiederholt abgelehnt hat, die Jnnungssatzung zu beraten und zu beschließen, ist diese bom RegierüngZ- Präsidenten nunmehr verfügt worden. Nächsten Montag findet die Wahl des Vorstandes statt. Er hat zu bestehen aus dem Obermeister und 4 Mitglie­dern. Der Obermeister und mindestens 3 Mitglieder müssen das Recht zur Anleitung von Lehrlingen be­sitzen und der Regel nach Gesellen oder Lehrlinge beschäftigen.

— Wandschmuck für Schulräume fordert dringend rin Erlaß der Königlichen Regierung in Kassel. Dem­nach entbehren eine Anzahl der Schulen des Be­zirkes noch immer eines angemessenen Schmuckes der Klassenräume. Von den Schulaufsichtsbeamten und Schulvorständen wird erwartet, daß insbesondere die nationalen Festtage dieses Jahres den Anlaß dazu bieten werden, jede Sckule mit Wandbildern zu versehen, diedie großen vaterländischen Ereignisse und Persönlichkeiten den Kindern dauernd gegenwärtig halten helfen. Veraltete, beschädigte und unschöne Darstellungen sind dabei zu entfernen. Die Orts­und Kreisschulinspektoren sowie die Herren Landräte werden ersucht, der gegebenen Anregung ihre tat­kräftige Fürsorge zuteil werden zu lassen, insbesondere für bedürftige Schulverbände bei der Bemühung um Beschaffung nationalen Bilderschmucks für die Schulzimmer Mittel aus den Ergänzungszuschüssen der Kreisausschüsse nachzusuchen unv die kommunalen Körperschasteu zur Unterstützung willig zu machen. — Hoffentlich wird dabei nicht vergessen, daß es auch religiöse Ideale gibt, die in dem Schmuck der Schulstuben ihren Ausdruck zu finden haben.

!! Ein großes Frendenfeuer wird am Samstag, dem Vorabend des diesjährigen Rhönturn- festes, zur Erinnerung an die glorreichen Tage der Befreiungskriege bei anbrechcnder Dunkelheit auf der Wasserkuppe abgebrannt werden. Ferner sei mitgeteilt, daß die Extrazüge folgender­maßen verkehren: ab Fulda Sonntag vormittag 5 Uhr; ab Gersfeld abends 9 Uhr. Für die ka­tholischen Teilnehmer an dem Feste ist Gelegenheit geboten, in Gersfeld um ßi/2 Uhr einer hl. Messe bell zuwohnen.

# Das kurhessische Fcldartilicrie-Rcgimcnt Nr. 11 in Kassel feiert heute sein 100 Jahr-Fest. Ein Teil des Regiments Hai längere Zeit in Fulda in Gar­nison gelegen, nämlich die dritte reitende Batterie. Diese Batterie hat 1870/71 an den großen Kriegs­taten, namentlich an der Schlacht bei Wörth, rühm­lichen Anteil genommen. Nach dem Kriege kehrte diese Batterie nach Fulda zurück und lag noch bis 1888 hier in Garnison. Aus dem 11. Feidartillerie- regiment ist auch das 2. kuchessische Artilleriercgiment Nr. 47 hervorgegangcn, da? jetzt bei uns Heimatrecht genießt. Das Kasseler und das Fuldaer Regiment bilden bekanntlich die 22. Feldartillecie-Brigade. — An der Jubiläumsfeier nehmen von Fulda 60 ehe­malige Angehörige teil.

r“l Vor dem Schöffengericht stand gestern weiterhin der 43 jährige Fabrikarbeiter Frz. M. von Eichenzell, gebürtig von Pilgerzell. Es wurde ihm zur Last gelegt, am 4. Mai d. Js. in belrunkenem Zustande den Auszüger El. in Eichenzell körperlich mißhandelt zu haben, indem er diesem eine große emaillierte Schüffel ins Gesicht warf, wodurch blutenre Ver­letzungen entstanden. Tags darauf bedrohte M. den Bürgermeister von Eichenzell mit Totschlägen. Dem Anträge des Amtsanwalts gemäß wird der Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung zu einer Gesamtstrafe von 4 Wochen verurteilt. — Sodann kam die Messerstecherei vom Pfingstmontag abend d. Js. am Luckenberg zur Verhandlung. An jenem Abend wurde dem Techniker­lehrling Tr. von hier, von dem 17 jährigen Gold­schmiedelehrling H. G. gebürtig aus Würzburg, hier­in Stellung, ohne irgend welche Veranlassung mit dolchartigem Messer ein Stich in den linken Arm versetzt. 6 junge Leute im Alter von 16—20 Jahren waren als Zeugen geladen. Der Amtsanwalt hatte wegen dieser gefährlichen Körperverletzung 3 Monate Gefängnis und Einziehung des Messers beantragt. Das Gericht verurteilte den jugendlichen Angeklagten unter Bewilligung mildernder Umstände zu einer Gefängnisstrafe von 6 Wochen und Einziehung des Messers. — Der Händler I. M. hatte am 18. Juni d. Js. auf der Viehmarktrampe einen Pferdehändler durch Schrmpfworte öffentlich laut beleidigt. Hierfür wird er in eine Geldstrafe von 10 Mk. verurteilt. — Dem Beleidigten wird das Recht der Bekanntgabe des Urteils in der Fuldaer Zeitung zugesprochen.

;; Die Gesellenprüfung im Fleischerhandwerk legten gestern vier Bewerber mit Erfolg ab.

* Die Gesetzesvorlage über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe, die vom Bundesrat noch vor den Ferien verabschiedet worden ist, enthält keine Aenderung der Bestimmungen über das Verbot des Verkaufs von Waren über dieStraße während des Laden- schlusfes an Sonn- und Feiertagen. Aus den Kreisen der Bäcker ist verlangt worden, daß Konditoreien, mit denen gleichzeitig CasöS verbunden sind, von denen aus die Käufer auch nach Eintritt der Sonntagsruhe Waren mitzunehmen beheben, den Wirtschasts- betrieben Backware nicht umsetzen bürci:, 'vadern daß dafür ein besonderer Verkaufsraum geschaffen werden müsse, in dem an Sonn- und Festtagen auch nicht länger verkauft werden darf, als d:es in den Bäckereien geschieht. Auch auf nicht verzehrte Backwaren, die nach Schluß der Verkaufszeit ans den Konditoreien mitgenommen werden, sollte sich das Verbot der Mit- nahme beziehen. Ter Bundesrat aber ist der Ansicht, daß zu einer Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen in dieser Hinsicht kein ausreichender Grund vorliegt. Der Verkauf von Waren außerhalb der Geschäflszeit ist schon jetzt verboten, soweit er nicht zum Genuß auf der Stelle dient. Sofern in Konditoreien und in Automatenrestaurants ein unzulässiges Handelsgewerbe betrieben wird, kann auf Grund der bestehenden Vor- schristen eingeschritten werden.

/ + Buffalo Bill im Konkurs. Aus Denver in Colorado wird gemeldet, daß Buffalo Bills Zirkus- unternehmen, die „Wild-West-Schau", die im August 1906 auch die Fuldaer Zirkussreunde in große Be­geisterung versetzte, im Konkurs ist. Der Chef des Zirkus, der alte Pfadfinder und Jndianerkämpfcr Oberst Cody kränkelt und will sich nach 4tjähriger Reisetätigkeil zur Ruhe setzen. Ehe er Zirkusdirektor wurde, war er lange Jahre hindurch cm berühmter Kundschaflrr bei den Truppen „linde Sams" und dürft« sich ichhm«, an mehr Kämpfen gegen die

Indianer teilgenommen zu haben, als irgend ein anderer lebender Weißer. In der Jndianerschlacht bet Indian Creek tötete er u. a. den berüchtigten Cheyenne-Häuptling „Gelbe Hand" nach einem erbitterten Zweikampf und erbeuiete persönlich die jetzt in einem New-Iorker Museum ausgestellten zahlreichen Skalptrophäen dieses waghalsigen Apachen- sührers. Um das Jahr 1867 ging Colonel Cody mit der Kansas Pacific Bahn einen Kontrakt ein, in dem er die gesamte Fleischlieferung für die an dem Bau der Bahn beschäftigten Arbeiter übernahm. Zu diesem Zweck erlegte er in 18 Monaten nicht weniger als 4280 Bisons.

* Kein übergroßes Handzipäck! Tas Eisenbahn- personal ist erneut angewiesen worden, darauf zu achten, daß übergroße Gepäckstücke in den Personen­abteilen nicht untergebracht werden. Schon beim Durchgang durch die Bahnsteigsperre sollen die Schaffner die Reisenden darauf Hinweisen, daß nach der Cisen- bahnverkehrsordnung jedem Reisenden nur der über und unter seinem Sitzplatz befindliche Raum zur Unterbringung des Handgepäcks zur Verfügung steht.

* Der „Postbausekretiir". Tas Amtsblatt des Reichs­postamtes gibt bekannt, daß mit Wirkung vom 1. April d. Js. in der Reichspost und Telearaphen- verwaltung eine Laufbahn für mittlere baulechnische Beamte eingerichtet worden ist. Ter Anwärter müsse ein Bauhandwerk erlernt, eine deutsche Bau­gewerkschule absolviert und vier Jahre bei Hochbauten, darunter mindestens zwei Jahre bei der Reichspost­verwaltung abgeleistet haben. Nach zweijährigem Vorbereitungsdienst ist die Prüfung zum Postbau- sekrelär abzulegen. Nach bestandener Prüfung erfolgt Verwendung, als bautechnischer Diätar mit jährlichen Bezügen von 1600 bis 2200 Mark. Nach etwa fünf Jahren kann die etatsmäßige Anstellung auf Lebens­zeit erfolgen.

** Warnung vor der Tollkirsche. Mit dem Monat August _ gelangt die Tollkirsche zur Reife. Die in einem fünfzipfeligem Kelch sitzende Beere enthält eines der gefährlichsten Gifte. Werden die Beeren, die durch ihr schönes Aussehen wie schwarze Kirschen aussehen, gegessen, so erzeugt das ihnen innewohnende Gift Delirien, Tobsucht, ja sogar den Tod durch Schlag­fluß. Bei Vergiftung durch diese Beeren trinke man sofort schwarzen Kaffee, Essig, Zitronensaft oder Seifenwaffer. Jedenfalls ist sofort ein Arzt zu rufen. — Es ist auch davor zu warnen, Aehren und Getreidekörner in den Mund zu nehmen. Ten wenigsten ist bekannt, wie gefährlich dieser Genuß werden kann. An dem trockenen Getreide hafiet der Aktinomycespilz, der Erreger der gefürchteten Strahl­pilzkrankheit (Aktinomykose). Dieser gelangt in die Schleimhaut des Mundes ober durch hohle Zähne in den Körper und ruft eine Vergiftung hervor.

[] Gestohlen wurden in der Nacht von Montag auf Dienstag aus dem Restaurant „Hohenzollern" eine Quantität Zigarren und Zigaretten, sowie eine Flasche Branntwein.

= Zugverspätungen sind infolge des starken Reise­verkehrs, der jetzt erneut eingesetzt hat, keine Selten­heiten. Der heute früh 6,56 Uhr von Hamburg fällige Schnellzug hatte 69 Minuten Verspätung.

--- Rhönhen für die Artilleriepferde. Die sechste Batterie der 47er in Fulda hat eine große Wiesen­fläche bei der Fuldaquelle aus der Wasserkuppe durch ihre Mannschaft abgeerntet.

— Sommertheater. Für seinen am Freitag flott« findenden Ehrenabend hat Herr Franz Erdmann einen sogenannten „Bunten Abend" gewählt, um sich dadurch Gelegenheit zu verschaffen, sein Können voll zu entfallen; er wird sich als Verwandlungsschauspieler vorstellen. Der Benefiziant spielt in dem Sensationsstück „Der Brandstifter" von Hejermann allein sieben Hauptrollen. Weiterhin wird sich der jugendliche Liebhaber Arthur Patlky in seinem ureigentlichen Berufe als Solotänzer zeigen. Bei Ausführung der Tanznummeru werden ihn einige Damen und Herren des Ensembles unterstützen. Eine Wiederholung dieser Tänze finket nicht statt. Außer­dem bietet der Abend noch Gesänge und Vorträge von Fr. Bauermann, Fr. Hiller-Behr, Herren Harmann und Erdmann, schließlich die einaktige Posse „Ein kleines Geschenk".

Aus -em Nachbargebiete.

= Aus der Rhön, 3. Aug. 1913. Auf der sogen. „A l t m a r t", einem sehr lohnenden Aussichtspunkt bei Kaltensundheim, befindet sich seit einiger' Zeit ein Schutzhäuschen in Pavillonform, das neuerdings durch den Rhönklubzweigverein Kaltennordheim her- gerichtet ist. In genügender Weise sind auch eine ganze Anzahl Tische und Bänke angebracht, die auf der Anhöhe zerstreut sind. Die ganzen Anlagen sind im vorigen Sommer vom Vorsitzenden des Rhon- klubzweigvereins Kaltennordheim, Forstmeister Siapff, in dankenswerter Weise hergerichtet worden. Die Altmark ist ein Basaltkegel, der sich über einem Bergrücken aus Kalkstein erhebt. Sie war in Al­terszeiten eine Volksburg, deren Erbauung und Be­nutzung in die vorgeschichtliche Zeit fällt, eine Flieh­burg, die durch Feuer zu Grunde ging. Um den Gipfel herum läuft ein einfacher ringförmiger Stein­wall, der im Jahre 1903 von Forstmeister Stapff in Erbenhausen entdeckt wurde, und der ein Jahr spä­ter von dem Archäologen Professor Dr. Götze in Ber­lin hinsichtlich seiner Bauart wissenschaftlich näher untersucht und wiederhergestellt wurde.

* Bischofsheim v. d. Rh., 5. Aug. 1913. Am Sonntag fand die Einweihung des Erweite­rungsbaues zur Holzschnihschule dahier talt. Der Bau kostete' 12000 Mark, aber wegen der Geldknappheit hatte es nahezu ein Jahr bedurft, bis er vollendet werden konnte. 15 Lehrlinge und 10 Hospitanten sind zurzeit dort untergebracht. In dem Neubau wird ein Schnihsaal eingerichtet, außer­dem ist auch ein schönes Lehrzimmer dort. Der bis­herige Schnitzsaal wird in einen Zeichen- und Model­liersaal umgewandelt. Werke der Holzschnitzschule mb in einer besonderen Schauhalle untergebracht. Es sind dort Modelle, Zeichnungen und fertige Arbeiten sehr übersichtlich zusammengestellt und sie wird erfreulicherweise bei dem jetzigen starken Fremden­verkehr in der Rhön von Fremden recht zahlreich besucht.

* Hammelburg, 5. Aug. 1913. Auf dem Truppen­übungsplätze wurde durch ein scheu gewordenes Pferd ein Artillerist aus dem Sattel geworfen und, in den Bügeln hängen bleibend, eine ziemliche Strecke geschleift, wodurch er lebensgefährlich verletzt wurde. — (Sdegeiitticb der Renovation des Rathauses wurde ein altes fürstadtliches Wappen aus der Zeit, wo Hammeiburg zur Abtei Fulda gehörte, oberhalb des Kellereingauges angebracht.

Amt Geisa und Umgebung.

* Dermbach, 5. August 1913. Mit dem Ban der Kadaververnichtungsanstalt für den 4. Verwaltungs­

bezirk ist jetzt durch Bauunternehmer Diel begonnen worden.

* Wenigentaft, 4. Aug. 1913. Am Bahnhof läßt Herr Johannes Schuchert einen Gasthofneubau von Maurermeister Ignaz Hahn aus Buttlar auf­führen, der den Reisenden und anderen Gästen allen Komfort bieten wird.

* Osthcim (Rhön), 5. Aug. 1913. Für den Win- terlursus der hiesigen Landpflegeschule, der am 1 November beginnen soll, liegen bereits zehn Anmeldungen von jungen Mädchen aus den verschie- densien Teilen des Großherzogtums vor, so daß die Anstalt vollbesetzt ist.

* Fraukenyeim (Rhön), 5. August 1913. Im Anschluß an die in Frankenheim am 7. d. Mts. statt­findende Sitzung des Bezirksausschusses wird eine Be­sichtigung der unlängst mit Staatshilse drainierten und hinsichtlich des Bodens gebesserten M ä u s e w i e s e n und Felder durch den Bezirksausschuß stattfinden, zu der die Bürgermeister der Oedland besitzenden Ge­meinden und sonstige landwirtschaftliche Interessenten eingeladen werden. Da die Oedflächen bisher nur ge­ringen oder gar feinen Nutzen brachten und ihre Dürf­tigkeit sprichwörtlich war, dürsten die wirtschaftlichen Erfolge der hier gemachten Versuche, den Boden nutz­bringend zu machen, von allgemeinem Interesse sein.

* Dorndorf (Werra), 5. Aug. 1913. Der Rind- viehzuchtverband für "das Eisenacher Oberland, der durch jährliche Tierschauen und Prämiierungen selbstgezogener Bullen die Viehzucht im Eisenacher Oberland heben will, hat beschlossen, daß die diesjährige Bezirkstierfchau am 11. Oktober hier in Dorndorf stattfinden soll. Es ist ein sehr starker Auftrieb an Vieh gesichert.

* Aus Franken, 5. Aug. 1913. In der Beata- gruppe in den südlichen Kalkalpen ist der Gymnasial« Professor Haupt aus Würzburg mit seinem Neffen abgestürzt. Während Professor Haupt mit bedeutenden Verletzungen davonkam, blieb sein Begleiter tot. — In Neustadt a. d. Saale wurde am Sonntag das neuerbaute Kindergenesungsheim fercrlich eingeweiht.

Aus Gberheffen u- -en Hess. Aemtern.

Tie Jubelfeier deI Ursulinerinnenklosters itt Fritzlar.

ih Fritzlar, 5. Aug. 1913. In Anwesenheit des Hoch­würdigsten Herrn Bischofs von Fulda feiert heute das Ursulinerinnenkloster den 200. Jahrestag seines Be­stehens. Aus dem festlichen Anlässe ist eine Jubiläums­schrift erschienen, unter deren Benutzung heute hier die wichtigsten Tatsachen aus- der Geschichte dieses Klosters verzeichnet seien. Eine altehrwürdige Stätte ist es, wo das Kloster der Ursulinerinnen sich erhebt. Dort standen die Ruinen eines Augustinerinnenstiftes, das von seinen Bewohnerinnen im Jahre 1535 verlassen worden war. Die Klostergebäude kamen damals unter die Verwaltung der kurmainzischen Kammer und dien­ten im 30jährigen Kriege als Lazarett. Die traute Ge­betsstätte sollte indes nicht verödet bleiben. Eine Ein­gabe des Magistrats von Fritzlar beim erzbischöflichen Stuhle von Mainz bewirkte, daß vom Jahre 1690 an alljährlich eine Anzahl von Messen in der Klosterkirche abgehalten wurden. Aus den Ruinen sollte neues Le­ben erblühen. Die Klostergüter, die zum guten Teil an Private verschenkt worden waren, wurden bom Kon­vente der Ursulinerinnen in Duderstadt im Jahre 1710 wieder angekauft. Von Metz kamen dann am 11. Juli 1711 die ersten Insassen der neu zu gründenden Nieder­lassung, die Schwestern Augustine Gräfin d'Aspremont, Magdalena Marquise de Valombre und Bernardine Ba­ronesse von Löwenstein. Schwester Augustine wurde die erste Oberin der kleinen Gemeinde. Unter gewaltigen Schwierigkeiten hat sie ihres Amtes erfolgreich gewaltet, (f 1734.) Ohne Heim, ohne Freunde und Bekannte, ohne die Kenntnis der deutschen Sprache, so begann die Geschichte der kleinen Schar. Doch „Dominus providebit" („der Herr wird sorgen"), dieses Wort, das heute über der Klosterpforte prangt, es fand eine glänzende Be­wahrheitung gerade beim Fritzlarer Ursulrnerinnen- konvent. Die Landgrafen Karl und Friedrich I. von Hessen, die Grafen Karl und Anton von Waldeck, die Kardinäle Fabrony und Sacripante. der Mainzer Erz­bischof Franz Lothar von Schönborn, nicht zuletzt Papst Kldmens XI. wurden eifrige Gönner der Niederlassug. Neue Freunde wurden der Niederlassung gewonnen, als sie 1712 ein Pensionat ins Leben rief. Die gemieteten Räumlichkeiten lourden zu klein, man mußte daran den­ken, ein eigenes Heim zu besitzen. Der Plan wurde bald Wahrheit. Garnierh, der Baumeister des Land­grafen von Hessen, entwarf einen Bauplan, und es konnte am 5. August 1713 die Grundsteinlegung erfolgen. 1719 war der Bau vollendet. Baron von Schleifras, der Bruder des Fuldaer FürstabtS Adalbert von Schleif­ras, hatte durch seinen Baumeister Mainwolf die let Schwierigkeiten beseitigt.

„Dominus providebit" — der Herr wird sorgen — so blieb es auch für alle Zukunft. Das Jahr 1758 brachte der Stadt selbst nacheinander die Besetzung sei­tens der Franzosen und der Hessen und Hanovercn- Die Führer der Truppen wurden die Schützer des Klo­ters. Im Jahre 1761 erfuhr Fritzlar eine Beschießung eitens der Armee des Herzogs Ferdinand von Braun- chweig. Das Kloster selbst blieb fast ganz verschont. Die napoleanischen Kriege schienen es dem Untergang anheimgeben zu wollen. Die durch Kriegsabgaben rui­nierten Pächter des Klostergutes konnten keine Zahlung leisten, das Pensionat blieb rhne Zuwachs, die Kloster­gemeinde selbst zählte noch 6 Mitglieder. Da übernahm die jüngste der Schwestern, Augustine Bardt, das Amt einer Oberin, und sie vermochte den drohenden Unter­gang zu verhindern und neues frisches Leben zu er­wecken. (f 1856.) Noch ein Sturm kam über das Kloster. Infolge Anwendung der Kulturkampfsgesetze äh sich der Konvent am 4. April 1877 gezwungen, in die Verbannung zu gehen. 10 Jahre weilten sie zu Bethune, einer Filiale des Klosters Arras, das hoch­herzig die deutschen Mitsckwestern aufnahm. Die Wie- derbefetzung des Fuldaer Bischofsstuhles brachte auch den Verbannten die Erfüllung ihrer Sehnsucht nach der Heimkehr. Am 15. September 1887 erhielten sie durch den Hochw. Herrn Bischof Georg Kopp die Aufforderung zur Rückkehr, und der 29. September schenkte sie wieder dem trauten Kloster und der alten Ederstadt.

Fritzlar hat ein Recht, stolz zu sein auf»seine Ur« Ulmerinnen; und diese wieder haben ein Recht, auf Fritzlars Dank. Sie haben ihre Kraft und ihr Lehr­geschick verwandt zur Erziehung der weiblichen Jugend Fritzlars. Auch heute besitzt das Kloster ein Pensionat, wo reichlich für die körperliche und geistige Ausbildung der Zöglinge gesorgt ist. Die Schule ist genau nach den Bestimmungen vom 18. August 1908 eingerichtet, sie ist taatlich anerkannt und bietet mit dem Abgangszeugnis der obersten Klasse den Schlüssel zum Eintritt in jeden Frauenberuf. So bietet das Kloster in sich die Gewähr, daß auch in Zukunft bleiben wird das Wort: „Dominus providebit" — der Herr wird sorgen.

* Treysa, 4. Ang. 1913. Das 7jährige Söhnchen des Eisendahnschloffers P. bestieg die Schutzbrüstung der Schwalmbrücke, um über sie hii zulaufen. Kurz vor dem Ende stürzte der Junge ab und zog sich einen fomplizierten Bruch des linken Armes, sowie eine Gehirnerschütterung zu.

* Anzefahr, 5. Ang. 1913. Am Sonntag scheute in der Nähe des Bahnhofs das Pferd eines Wagens und sprang in einen Graben. Der Wagen ging in Trümmer und die Insassen wurden heraus­

Reklame«- nud Anzeigenteil.

Eine reizende Neuheit, welche die Kinder spielend Geschrcklichkeit erlangen läßt und gleichzeitig Anregunc verschafft, erhält auf Wunsch jeder tiefer dieser Zeile» kostenfrei von Netzle's Kindermehl G. m. b. H, Serifr W. 57. Es ist dies eine Ausschneidepuppe mit drei ver schiedenen, allerliebsten Gewändern, womit die Kindei sehr gern und lange spielen. Auf Wunsch wird auch eine Probedole des berühmten Kindermehls umsonst beiaefüat

geschleudert. Sie erlitten keine Verletzungen und setzten die Reise in einem anderen Wagen fort.

Handel nnd Industrie.

Berlin, 5. Aug. 1913. In der Hoffnuu auf einen nahen Friedensschluß auf dem Balkan und in­folge günstiger amerikanischer Berichte herrschte an der Börse ruhige Festigkeit. Deutsche Anleihen und Privatdiskont unverändert.

vermischtes.

"Leichenschändung. In Wasseralfingen im württem- bergischen Jagstkreise war der Totengräber mit seinem früheren Gehilfen in Streit geraten. Der Gehilfe machte darauf beim Stadtschultheißenamt die Anzeige, sein Vorgesetzter habe bei seinen Arbeiten für die Fundamente der Grabdenkmäler anstatt Grund­mauern Pfähle in einer Länge von etwa zwei Metern in die Grädcr getrieben, und es sei ihm dabei gleich­gültig gewesen, ob die Hölzer dabei durch den Sarg und durch die Toten gingen oder nicht. Man glaubte dem Gehilfen zunächst nicht und verur­teilte ihn wegen dieser Anschuldigungen zu vier Wochen Arrest. Die Staatsanwaltschaft aber nahm schließlich doch die nähere Untersuchung auf, es, " wurden mehrere Gräber aufgegraben und die An­gaben des Gehilfen erwiesen sich als richtig!

* „Es bittet die kleine Mausi." Ter Magistrat in Regensburg hat folgende Eingabe erhalten:

„Lieber Herr Magistrat! Ich bitte dich recht schön, sag doch Herrn Sch., daß er die Musik nicht so la ii gehalten darf, Mutti sagte, es ist schon V,3 Uhr, wir können gar nicht tchlasen, die Fenster und Läden hat Er auch offen. Wenn du da wohnen tätst, schimpfst auch, sagt Mutti. Gelt du hilfst uns? Es bittet die kleine Mausi."

Das Schreiben hat Erhörung gefunden und zwar in Anbetracht des sonst üblichen städtischen „Jnstanzen- zuges" ziemlich schnell.

* Gegen das gräuliche Neger-Englisch, wie es heute vorwiegend in unseren afrikanischen Kolonien g» sprochen wird, richtet sich ein Erlaß des Gouver­neurs von Kamerun. Es heißt u. a.:

„Es ist nationalpolitisch ein schwerer Fehler, wenn auf die Dauer eine fremde Sprache im, Schutzgebiet vorherrscht. Die Nichtanwendung unserer Sprache schadet unserem Ansehen bei der Eingeborenen, Bevölkerung. Der jetzige Zustand ist daher nicht nur unwürdig, sondern auch vom nationalen und politischen Gesichtspunkt aus bedenklich." 1

'* Wölse aus der steirischen Stubalpe. Im Nach­hange zu den wiederholten Berichten über die Ver­heerungen unter dem Wetdevieh in den weststeirischen waldreichen Gebirgen durch reißende Tiere meldet man aus Graz, daß in den letzten Tagen die Fährten von vier Wölfen, wahrscheinlich einer Wölfin mit drei Jungen, gefunden wurden. Die Wölfe wurden auch schon von Hirten gesichtet. Der letzte Wolf in jener Gegend wurde im Jahre 1861 geschossen. In den letzten Tagen fielen wieder zwei erwachsene und mehrere jüngere Rinder und viele Schafe,den Tieren zum Op'er.

* Ohne ärztliches Zeugnis keine Ehe. Im ameri­kanischen Staate Pensylvanien trat am Sonntag das Gesetz betreffend die sogenannten eugenischen Heiraten in Kraft. Nach diesem Gesetz müssen alle heiratslustigen Leute ein ärztliches Zeugnis über ihren Gesundheitszustand vorlegen. JmStaate Wisconsin hat die erste Kammer gleichfalls ein Gesetz angenommen; wonach Heiraten von Leuten, die ärztlicherseits nicht für gesund befunden werden, keine Ehe eingehen dürfen. Verschiedene andere Staaten wollen diesem Beispiel folgen. -- (

" * Grotzftuer. Auf der Jsle of Orleans im St., Lorenzstron. in Kanada geriet die hölzerne Hütte eines Lotsen in Brand, wobei die siebenköpfige, Familie des Lotsen den Tod fand.

Literarisches.

Schauen und Bete«. Lourdes-Bilderbuch für Marienkindee. Von Joseph Zimmer, Priester der Diözese Fuldas 8° mit 7 Illustrationen. Preis broschiert 1,20 Mk.,) gebunden 2 Mk. Verlag der Fuldaer Aktiendruckerer Fulda. ,

Titel und Untertitel drücken gut den Inhalt dieses kindlich-frommen Buches aus. Wir schauen im Geiste die stille Gnadenftäiie der unbefleckten Gottesmutter am Fuße der Pyrenäen, die Grotte umkränzt mit Krücken, den stummen und doch so beredten Zeugen der Mutter­liebe Mariens, den wunderbaren Quell, die Piscinen (ober Badehäuser). Wir treten in die Kirchen mit ihren Weihegeschenken und schauen die Wunder der Gnade, die sich dort vollziehen. Wir sind Zeugen der eucharistischen Krankensegnung, hören das „Sturmgebet" der Pilger, der Lichierprozession, des Waltens barmherziger Nächstenliebe an der Eisenbahnstation, an der Grotte in den Piscinen, sehen Wunderheilungen. Sieben Illustrationen geben den kurzen Schilderungen lebendigere Anschaulichkeit und zeichnen sie tiefer in die Seele ein. Aber immer wieder geht die Schilderung wie von selber in fromme Be­trachtungen und Erhebungen des Herzens zu Gott über.! Zum Schauen gesellt sich das Beten. Es ist ja nicht leicht, die frei aus dem Herzensgründe auftauchenden und, oft lose aneinander sich kettenden Gedanken, Betrachtungen und Anmutungen des eigenen Innern für andere so dar­zustellen, daß die Leser wie von selber ihnen folgen, mit­denken und miifühlen. Nicht in allen Teilen des Buches gelingt es dem Verfaffer gleich gut zum Führer zu werden; dessen Spuren man willig und freudig folgt; nicht alle Erwägungen sind gleich innig mit dem Gegenstand ver­wachsen, mit dem sie sich beschäftigen, nicht alle Anmutungen des Verfassers werden in gleicher Weise spontan ein Echo in der Seele des Lesers wecken. Eines mag sogar dem fremden Leser wie gesucht und gekünstelt! erscheinen, und in Bezug auf die Wunder von Lourdes möchte wohl mancher schlichte Tatsachen von Heilungen, die nicht aus bloß nervöse Einflüsse sich zurücksühren lassen, begeisterten Ergüssen vorziehen. Und Lourdes ist, reich an solchen Heilungen, deren wunderbaren Charakter keine monistischen Deutungen wegzurnumen vermögen. Im Ganzen aber redet der Verfasser nicht nur von Herzen, sondern auch zu Herzen und -tw Wort wird Wiederhall finden in den Seelen der Marienkinder, für die e? geschrieben i**. Auch der Seelsorger wird das! Buch mit Nutzen »u Rate ziehen, hier in fonlreten Ge­stalten manche vielleicht wenig beachtete soziale Seiten der Marienverehrung kennen lernen, und neben längst verlraulen Gedanien neue schöne Vergleiche nnd Hebe Tön« hören, die ihn selbst zum Lobe der Gottesmutter, in Predigt und Unterricht begeistern können.